Advent, Advent

Stadtrats-Adventskalender, Folge 14

Der mediale Adventskalender ist keine Erfindung von Regensburg Digital. Recherchen haben ergeben, dass das Stuttgarter Neue Tagblatt 1904 einen Adventskalender als Geschenk für seine Leser beigelegt hatte. Schon vor 98 Jahren hatte der Adventskalender also offenbar die Funktion, die Leser-Blatt-Bindung zu stärken. Damit auch die Bindung zwischen Bevölkerung und Stadtrat steigt, stellen wir täglich ehrenamtliche Gemeindebürger vor. Heute haben wir Bernadette Dechant, CSU, und Kerstin Radler, Freie Wähler, im Blick.

Bernadette Dechant – Die Ein-Frau-Bürgerbewegung

Quelle: Stadt Regensburg

Quelle: Stadt Regensburg

Bernadette Dechant hat kein Problem damit, sich auch mal unbeliebt zu machen. Überhaupt nicht. Als sie Vorsitzende des Bayerischen Elternverbands war, eckte sie mit deutlichen Worten des Öfteren beim Kultusministerium an. An den Plänen der bayerischen Staatsregierung zum Büchergeld etwa ließ sie kein gutes Haar – obwohl sie CSU-Mitglied ist. Bei der Diskussion um den Bau einer Moschee im Stadtosten führte ihre befürwortende Haltung schon mal dazu, dass sie sich auf rassistischen Internetseiten wiederfindet und dort an den Pranger gestellt wird. Geht es um die Bebauungspläne für die ehemalige Zuckerfabrik, meldet Dechant sich häufig und sehr ausführlich zu Wort. Sei es bei öffentlichen Diskussionsveranstaltungen oder – unterstützt durch Anwohner auf den Zuschauerrängen – bei Debatten im Stadtrat. Nicht immer klingt dabei aus Dechants Wortmeldungen eitel Freude über die Linie der Fraktion. Eher stellte sie sich auf Seiten des Investors, dem die Stadträtin bisweilen mehr Kompetenz zu bescheinigen scheint als der Stadtverwaltung. Es soll schließlich schnell etwas vorangehen im Stadtteil. Dessen „Aufwertung“ ist ein Leib- und Magenthema der Sprecherin der „Bürgerbewegung Hohes Kreuz“, von der böse Zungen übrigens behaupten, dass sie ausschließlich aus Bernadette Dechant besteht. Als überzeugte Katholikin – Dechant arbeitet im Bischöflichen Ordinariat – wettert sie schon mal gegen Väter, die das Kreuz in Schulklassen abhängen lassen wollen und kämpft – zurück zum Stadtteil – mit Verve gegen die dort grassierende wilde Prostitution. Bei so viel Kampf und Engagement kommt es allerdings vor, dass man übers Ziel hinaus schießt. In Zusammenhang mit der Flüchtlingsunterkunft im Stadtosten initiierte die Stadträtin vor gut zwei Jahren eine Petition an den Bayerischen Landtag. Darin war von einer „Reduzierung der massiven Konzentration von Asylsuchenden in unserem Stadtteil“ die Rede und von „Lasten“, die auch auf andere Stadtteile verteilt werden müssten. Kurzerhand wurde das Ganze noch mit Kritik an der erwähnten wilden Prostitution vermengt. Als es daran Kritik vom SPD-Ortsverein ob der Wortwahl von Dechant und damit verbundener „Scheinheiligkeit“ gab, reagierte diese beleidigt und verärgert. Da sei wohl jemand gegen die „Aufwertung des Stadtteils“, so ihre Entgegnung. Der SPD-Ortsvorsitzende, der die Kritik formulierte, ist für Dechant bis heute – völlig abseits von parteipolitischen Differenzen – ein rotes Tuch. Von ihrem Parteifreund, Ministerpräsident Horst Seehofer, der an der Spitze der Partei steht, die die menschenunwürdige Ghettoisierung verantwortet, erhielt Dechant übrigens eine Abfuhr. Ach ja, nur der Vollständigkeit halber: Bernadette Dechant ist dem Schaidinger/Schlegl-Lager in der CSU zuzuordnen. Sollte sie es dennoch schaffen, wieder in den Stadtrat zu kommen, ist nicht davon auszugehen, dass ihr die Lust am Streiten vergeht.

Kerstin Radler, die stille Nikoläusin

Quelle: Stadt Regensburg

Quelle: Stadt Regensburg

Ein Radler ist im Wirtshaus ja etwas für Unentschlossene. Eigentlich möchte man ein Bier trinken, aber man traut sich nicht – weil man Auto fahren muss, weil man am nächsten Tag früh raus muss, weil der letzte Kater noch nicht lang genug her ist. Mit den Freien Wählern ist es auch ein bisschen so wie mit der Bier-Limo-Mische: Sie sind schon ein bisschen CSU, aber nicht so richtig – weil man sich (aus Imagegründen?) nicht traut, weil man eigentlich (!) politikverdrossen ist, weil man zwar etabliert statt revolutionär ist oder sein möchte, aber nicht ganz so arriviert wirken möchte, weil man eine klein wenig sozialere Ader hat oder weil man bei den CSU-Bazi-Spielereien einfach Pech hatte. Was genau Kerstin Radlers politisches Credo ist, weiß wahrscheinlich niemand in der Öffentlichkeit der Stadt oder auch nur des Stadtrats so ganz genau. Insoweit passt sie ganz gut zu den Freien Wählern, allein vom Namen her fügt sie sich sie sich ins Schema des Unentschlossenen. Ja, sie hat beim missglückten Versuch der Stadt, in Stadtamhof so etwas wie ein Gedenken zu ermöglichen, hin und wieder Stellung bezogen. Sie dackelt fleißig mit bei Ortsbegehungen und ist – ein ganz besonderer Streich des Schicksals! – Kapitänin der Freien Wähler beim Stadtradeln. Ansonsten hat man den Eindruck, Kerstin Radler müsse eine wandlungsfähige Fabelfigur sein: Gefühlt die Hälfte aller Meldungen über die Anwältin besteht aus Pressemitteilungen über Nikoläuse, Ostereier und – völlig unerwartet – Nikoläuse. Vielleicht sind das ja die (moralischen) Zinsen für die Sitzungsgelder, die sie fälschlicherweise bezogen hatte. Eine süßere Art, der Stadt etwas zurückzugeben, wird sich kaum finden lassen.

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Kommentare (4)

  • sehr klug

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    Frau Dechant ist nicht Ortsvorsitzende im Regensburger Stadtosten! Irgendwie ist diese Behauptung aber sinnbildlich für die schlechte Informationsfindung ihrer Seite!

  • Stefan Aigner

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    Stimmt! Frau Dechant ist nicht Ortsvorsitzende der CSU Stadtosten. Diesen Fehler haben wir korrigiert.

  • peter sturm

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    „das leid ich nicht“ ätzte frau dechant, als mal ihr saubermannweltbild in kritik geriet.

  • Neutrales Neutron

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    Finde es schon lächerlich, sich als neutrales Nachrichtenportal für Regensburg zu bezeichnen, wenn andere Parteien – wie hier die Freien Wähler – negativ dargestellt werden. Auf der anderen Seite die SPD immer sehr sehr gut wegkommt. Politische neutral ist etwas anderes, Herr Aigner!

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