CD-Kritik: Ours is Chrome

Vergangenheitsbewältigung

Superheaven erinnern mit ihrer neuen Platte an die Neunziger. Und das durchaus gelungen.

Von Martin Smeets, heartcooksbrain

promoimageKennt noch irgendjemand Grunge? Dieses inzwischen vermutlich ziemlich komisch riechende Genre, das gerade Anfang der 90er so ziemlich alle ausflippen ließ? Das neben Nirvana und allem, was seither um diese Band passiert (ist) mit unter anderem Soundgarden oder Pearl Jam noch allerhand sensationelle Acts hervorbrachte. Nein? Kleiner Tipp: Was davon übrig geblieben ist, nannte man in den letzten Jahren Alternative-Rock und machte einen großen Bogen darum, turnten unter diesem Banner doch auch Blindgänger wie Nickelback herum. Kein Wunder also, dass eigentlich keine alte Sau mehr irgendwas von diesem Relikt der 90er hören will.

Und genau da kommen Superheaven des Weges und legen mit Ours Is Chrome mehr einen Musik gewordenen Anachronismus, denn ein neues Album vor. Eigentlich. Weil da ja noch Acts wie Title Fight oder Basement durch die Landen tingeln und genau diesen angestaubten Sound wieder salonfähig machen, den mittlerweile auch Superheaven pflegen. Und wie so oft, wenn etwas aus der Vergangenheit zu neuer Blüte gelangen will, suhlt man sich erstmal gepflegt in Skepsis. Für die Katz‘, übrigens. Für distanziertes Gehabe ist dieses Album zu direkt und schlichtweg auch zu gut. Das weiß man schon, wenn I’ve Been Bored nach kurzem Vorspiel die Röhren glühen lässt. Zu Gitarrenakkorden, die man in dieser Anordnung schon viel zu lange nicht mehr gehört, zu herrlich verschleppten Drums und einem Gesang, der kaum weiter von jeder Prätention entfernt sein könnte.

Das ist kein Opener, das ist mehr ein Statement. Das man auch gerne tätigen kann, wenn man in der Folge noch Songs, wie das kraftvolle From The Chest Down im eigenen Ärmel weiß. Oder eben den zwischen Euphorie und Schwermut wankenden Brocken Next To Nothing, dessen Refrain zu einer Zeitreise in die Vergangenheit gerät und gerade dadurch gewinnt. Leider liegt gerade da auch das Problem, mit dem dieses Album spätestens zur Halbzeit zu kämpfen hat: Man kennt die Abzweigungen, die diese Songs nehmen werden schon lange vorher. Man ahnt das emotionale Solo von Room schon nach drei Akkorden voraus, was natürlich nicht unbedingt zur Wirkmacht des eigentlich einwandfreien Songs beiträgt. Aber das ist Meckern auf einem schwindelerregenden Niveau, machen Superheaven ihre Sache doch ansonsten einwandfrei. So wird Ours Is Chrome zu einem Ausflug in die Vergangenheit, den man sich gerne mal gönnen kann. Nur halt nicht allzu oft.

Wertung: 6/10

Anspieltipps: I’ve Been Bored, Next To Nothing, All The Pain

Superheaven – Ours Is Chrome | Side One Dummy/Cargo | VÖ: 08.05.2015 | CD/LP/Digital

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Kommentare (2)

  • hf

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    wo krieg ich in regensburg das vinyl?

  • Luchs

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    Rezensionen, insbesondere mit lokalem Bezug, sind eigentlich eine gute Idee. Die überpräsenten Besprechungen von Postpunkschrammelindieelektroirgendwascorebands, gewürzt mit Vergleichen zu völlig unbekannten Vorgängerplatten, mit Referenzverweisen auf noch „nerdigere“ Bands und dem üblichen Mainstreambashing, zeugen von nischenrelevantem Fachwissen – sind allerdings ein wenig ermüdend. Männliches „hardcocksprayin‘ “ halt!

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