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Erfahrungen mit dem Jobcenter und einem Sozialrichter

Vom Sozialstaat zum Almosenstaat

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Erfahrungen eines mittellosen SchĂŒlers beim Jobcenter und vor dem Sozialgericht.

Gastkommentar von Otmar Spirk, Rechtsanwalt

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Ein junger Mensch ohne einen Knopf Geld benötigt eine Erstausstattung mit Winterkleidung. Das sollte doch eigentlich kein Problem sein, oder? Ist es aber. Zuerst fĂŒr das Jobcenter Stadt Regensburg, dann fĂŒr einen Richter am Sozialgericht Regensburg.

Das Jobcenter lehnt den Antrag des mittellosen SchĂŒlers ab. BegrĂŒndung: Die Kosten fĂŒr Erstausstattung seien im Regelunterhalt fĂŒr Hartz-IV-Bezieher enthalten. Doch das ist falsch. In § 22 SGB II heißt es ausdrĂŒcklich, dass Erstausstattung gesondert zu zahlen ist. Der SchĂŒler stellt also, vertreten durch mich, einen Antrag beim Sozialgericht, ihm im Schnellverfahren die Kosten fĂŒr (gebrauchte) Winterkleidung zuzusprechen. Es ist schließlich Winter, er ist obdachlos und besitzt nichts Warmes fĂŒr Körper und FĂŒĂŸe.

In der Widerspruchsstelle des Jobcenters hat man immerhin Ahnung vom Recht und erwidert prompt, dass man 270 Euro fĂŒr Winterkleidung zunĂ€chst als Darlehen und gegebenenfalls endgĂŒltig im Widerspruchsverfahren gewĂ€hren werde. Okay, Angebot angenommen. Soweit, so ĂŒblich.

Kleiderkammer statt Jobcenter?

Nun muss der Sozialrichter nur noch darĂŒber entscheiden, wer die Kosten fĂŒr den Rechtsanwalt bezahlt, der das Schnellverfahren beantragt hat. Auch das ist laut §22 SGB II eigentlich klar: Das Jobcenter. Doch der Richter ist da anderer Auffassung und liefert eine bestechende BegrĂŒndung: Der obdachlose SchĂŒler hĂ€tte ja zu einer karitativen Organisation gehen und sich dort die Winterkleidung schenken lassen können.

Nun: Wenn der junge Mann dann die Winterkleidung in einer Kleiderkammer bekommen hĂ€tte, dann hĂ€tte er – mangels des dadurch behobenen Kleidungsbedarf – auch keinen Anspruch gegenĂŒber dem Jobcenter mehr gehabt, von dort die Kosten fĂŒr Winterkleidung zu bekommen. Und dann hĂ€tte gar kein Grund zum Widerspruch und zu einem Schnellverfahren bestanden.

Jedenfalls meint der Richter: Der junge Mann hĂ€tte in irgendeine Kleiderkammer gehen können. Deshalb sei das Schnellverfahren unnötig gewesen. Und deshalb mĂŒsse der junge Mann, der – er kann sich ja nicht einmal Winterkleidung kaufen – keinen Anwalt zahlen kann, diesen Anwalt selber zahlen.

Hey: Eigeninitiative ist gefragt!

Sauber, Herr Sozialrichter! Ich hÀtte da noch ein paar VorschlÀge zur Weiterentwicklung der Rechtsprechung:

Sollte man nicht Hartz-IVlern, die etwas zu essen brauchen, sagen, sie mĂŒssten erst zur Tafel gehen, um sich dort mit kostenlosen Resten aus SupermĂ€rkten zu versorgen? Und dann schaut der Staat, ob er noch was draufzahlen muss? Aber erst dann.

Und sollten die nicht erstmal schauen, ob sie bei Freunden oder in WĂ€rmestuben unterkommen, ehe man denen einfach ZuschĂŒsse fĂŒr Heizung und Wohnung gewĂ€hrt?

Das spart dem Staat schließlich Geld! Und hey: Eigeninitiative ist gefragt!

Kein Geld zahlen, dann Geld streichen…

Auch vorher hat das Jobcenter dem SchĂŒler ĂŒbel mitgespielt. Als er unfreiwillig das Dach ĂŒber dem Kopf verlor, wurde ihm die Übernahme seines Lebensunterhalts verweigert, weil er selbstverschuldet obdachlos geworden sei. Erst auf Widerspruch hin bekam er die ĂŒblichen Leistungen vom Jobcenter bewilligt. Insgesamt bekam er zweieinhalb Monate lang keinen Cent vom Jobcenter. Denn selbst als er schließlich Recht bekam, dauerte es noch fast eineinhalb Monate, bis das Geld auch ausbezahlt wurde. Doch auch da hatte der junge Mann wieder „Pech“.

Das Geld landete just am selben Tag auf seinem Konto, an dem er einen Termin beim Jobcenter gehabt hĂ€tte. Da er als Obdachloser darauf angewiesen war bei Freunden auswĂ€rts zu ĂŒbernachten und null Geld fĂŒr ein Busticket hatte, erschien er nicht zum Termin, woraufhin ihm sofort wieder die Leistung wegen Nichterscheinen per „vorlĂ€ufiger Zahlungseinstellung“ gestrichen wurde – zu 100 Prozent.

Rechtswidrig von A bis Z

In einem Monat, so wurde ihm mitgeteilt, könne er sich wieder melden, dann werde darĂŒber entschieden, ob er wieder Geld erhalte. Das ist zwar rechtswidrig von A bis Z – eine „vorlĂ€ufige Zahlungseinstellung“ ist bei VerstĂ¶ĂŸen gegen die Meldepflicht ĂŒberhaupt nicht vorgesehen, ebenso muss ein Betroffener vor jeder Sanktion angehört werden – aber hey: Er hĂ€tte ja auch ins Obdachlosenheim, zur Tafel und betteln gehen können, oder?

Erst nach meiner Drohung mit dem Sozialgericht wurden die Leistungen sofort wieder bewilligt. Aber man darf ja mal versuchen, Existenzen zu vernichten, oder?

Es ist höchste Zeit, im öffentlichen Bereich bei menschenverachtendem, grob rechtswidrigem Verhalten auch Sachbearbeiter in die persönliche Verantwortung zu nehmen. Und ebenso sollte sich – siehe oben – auch mancher Richter darĂŒber Gedanken machen, dass wir nicht in einem Almosenstaat leben.

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Kommentare (68)

  • Leserin

    |

    Die Geschichte mutet schon sehr seltsam an: Ein SchĂŒler und obdach-
    los! Hat der denn keine Eltern? Wenn er SchĂŒler ist, mĂŒĂŸte doch
    das Jugendamt einschreiten. Und – wie kann der zur Schule gehen,
    wenn er kein Geld fĂŒr ein Ticket hat?

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  • erich

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    mit der Agenda 2010 bzw. den Hartz-Gesetzen wurde das Grundgesetz fĂŒr Teile der Bevölkerung ausser Kraft gesetzt! Von fordern und fördern so gut wie keine Spur mehr, es geht nur noch um fordern bzw. einsparen um Mittel fĂŒr andere und anderes frei zu machen (wie zB. eine Summe von 1,5 Milliarden Euro, die die Jobcenter in den letzten drei Jahren aus dem Hartz IV Fördertopf umgeschichtet haben um damit ihre eigenen Verwaltungskosten und Tariferhöhungen ihrer eigenen Mitarbeiter zu finanzieren) , quasi eine Enteignung durch die HintertĂŒr.
    Ergebnis: die Verarmung und Verelendung ganzer Landstriche und Bevölkerungsgruppen! Der Umbau des Gesundheitswesen und die damit verbunden Streichungen von Leistungen der gesetzlich Versicherten kommt da noch erschwerend oben drauf! Daran Ă€ndern auch manipulierte Statistiken (wie z.H. die Arbeitslosenstatistik, Statistiken zur Vermögensverteilung usw.), die von der Medien-Mafia gebetsmĂŒhlenartig verbreitet werden, nichts!
    Die Folge fĂŒr die Zukunft ist ein Zunami an Altersarmut dieser prekĂ€r BeschĂ€ftigten und von lĂ€ngerer Zeit von Arbeitslosigkeit betroffener Menschen, was die Politiker die dafĂŒr verantwortlich sind aber nicht mehr interessieren wird, weil sie dann selbst schon selbst mit feudalen AltersbezĂŒgen im Ruhestand sind. Auch Weise, Alt und Becker und die anderen wird es nicht mehr interessieren weil sie dann unter Ă€hnlichen Konditionen wie zB. Intendant des WDR (rund 370000 Euro im Jahr verdient er und außerdem hat die Anstalt bereits 2,9 Mio fĂŒr seine Pension abgezweigt) sich in den Ruhestand verabschiedet haben oder werden. ZurĂŒck bleibt das Prekariat das Flaschen sammelt, unter den BrĂŒcken haust, in MĂŒlleimern wĂŒhlt und bei den Tafeln gefĂŒttert werden damit sie nicht auf andere Gedanken kommen.
    Welche Ausmaße diese Politik der wirtschaftlichen und sozialen Ausgrenzung inzwischen angenommen hat war kĂŒrzlich auf HartzIV org zu lesen, nĂ€mlich wie z.B.
    Hartz IV Sanktionen gnadenlos – auch gegen Familien mit Kindern
    oder
    Kein Hartz IV Schonvermögen: Eltern mĂŒssen Haus verkaufen
    oder
    Laut einer Meldung (basierend auf einer Berechnung des Instituts fĂŒr Arbeitsmarkt- und Berufsfoschung) verzichten 3,1 – 4,9 Millionen Antragsberechtigte auf Hartz IV und leben so in verdeckter Armut. Herrscht doch in diesen Ämter ein unhöflicher und oft menschenunwĂŒrdiger Ton. Hinzu kommt das Drohzenario, das in diesen Ämtern aufgebaut wird und so manchen Anspruchsberechtigten davon abhĂ€lt, zum JobCenter zu gehen.

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  • Helmut

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    Wie sich das ganze gestaltet mit dem SchĂŒler ist etwas undurchsichtig, jedoch kann ich Jobcenter und Sozialgerichten nicht gerade gut gegenĂŒberstehen.

    Da trennst Du dich nach Jahren von deiner Frau. Ein Selbstmordversuch etc, hat die Kraft usw, hast Mist gebaut. Ein Fehler , einer Behörde, du meldest ein Gewerbe ab. Du hast alles zu verĂ€ussern, hast aber eine Unterkunft. Die Frau rĂ€umt noch alles ab. BestĂ€tigt dies sogar noch. Dann stehst am Jobcenter, die unterstellen dir noch so diverse Dinge. Terminvereinbarungen omg. Man sitzt sogar noch mit einem Kind da. Dann meldet sich die Behörde mit der Zugabe eines Fehlers, verlangen aber GebĂŒhren. Diese kannst nicht entrichten. Das Jobcenter weigert sich. Du versuchst zu erklĂ€ren, ĂŒbernehmt die GebĂŒhren bitte bitte und ich kann den Job behalten. Nichts. SpĂ€ter erzĂ€hlt dir der andere Mitarbeiter usw sie hĂ€tten mĂŒssen. Was solls : Too late. Dann warst ohne FĂŒhrerschein, Jobangebot: Kraftfahrer. Hahaha und drohen mit Sanktionen weil du dich nicht bewirbst. Dann kommt Dachdecker aber Sanktion weil Du nicht schwindelfrei bist. dann bewirb dich auf eine Stelle Alter max 25. Aber ey man ist 35. Wirst aber von Anfang an behandelt wie ein Vagabund und Schmarotzer. Bittest um einen Job, gehst freiwillig nach bitten Straßen kehren. Bis einer auf die Idee kommt man ist ĂŒberqualifiziert. Dann eben in ein Seminar….aber der Ton als wĂ€re man der letzte Dreck. Ey Staat , du hast mein Leben versaut, aber ich bin schuld und das letzte…..Schon klar , das sie ihre Regeln haben, nicht zu jedem Fall einen Bezug haben und jeder das gleiche Recht hat, wenn sie es einem nur geben wĂŒrden.

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  • erik

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    @Helmut, so ist das
    Fazit: Die Arbeitslosenstatistik bzw. Arbeitslosenzahlen pendelt sich nach unten mit Hilfe der Agenda 2010 und Hartz-Gesetzen ganz von selbst bzw. automatisch ein, es ist nur eine Frage der Zeit bis der oder die Arbeitslose aus der Statistik verschwindet! Die Politik und Arbeitsagentur braucht sich nicht mehr um die Vermittlung von Arbeitslosen oder prekĂ€r BeschĂ€ftigten kĂŒmmern! Hier zeigt sich ein Sprichwort: Aus den Augen, aus dem Sinn bzw. Statistik! Das erledigt die Zeit und das Regelwerk fĂŒr sie. Somit hat die Arbeitslosenstatistik, nur noch die Aufgabe die Verelendung und Verarmung ganzer Landstriche und damit verbundener Altags- und Altersarmut zu vertuschen, die Agenda 2010 Politik in ein schönes Licht zu rĂŒcken, durch Enteignung Finanzmittel frei zu machen, die fĂŒr andere Zwecke verwendet werden können, den Status-Quo bzw. Ist-Zustand der Privilegierten aufrecht zu erhalten und das System der Bestrafung und KĂŒrzung der arbeitslos gewordenen Unter- und Mittelschicht zu legitimieren um ihnen das vom Grundgesetz und EuropĂ€sichen Gesetzen verbrieftes Recht auf wirtschaftliche und soziale Teilhabe zu verweigern (nach dem Motto: sieh her, die Arbeitslosenzahl ist niedrig also muss deine Arbeitslosigkeit an dir liegen und somit ist die UnterstĂŒtzungsverweigerung fĂŒr dich und deine soziale und wirtschaftliche Armut gerechtfertigt) ein System in dem die Mittelschicht erst verarmen muss um Leistungen zu erhalten was so in Europa wohl an asozialer Politik gegen die BĂŒrger wohl einmalig ist, durch die Prekarisierung und Verelendung von Teilen der Gesellschaft KriminalitĂ€t und Tragödien zu erzeugen die der Politik und ihrem EinschĂŒchterungsapparat die Möglichkeit bieten sich zu empören und diese Ereignisse nutzen um sich in Szene zu setzen (siehe z.B. EinbruchskriminalitĂ€t, erweiterte Suizide ua., denn der in seiner Existenz bedrohte Mensch neigt entweder zur Gewalt gegen sich selbst oder gegen andere, diese These wird durch eine durchschnittliche Selbstmordrate von ca 11.000 Menschen im Jahr in diesem Land, vermutlich ist die Dunkelziffer um ein vielfaches höher, gestĂŒtzt), den Eindruck zu erwecken es bestĂŒnde ArbeitskrĂ€ftemangel der nur durch Zuwanderung beseitigt werden kann um so die Diversifizierung, die die Politik fĂŒr den eigenen Macht- und feudalen Privilegienerhalt braucht, zu legitimieren.
    Hier der Beleg fĂŒr meine Darlegungen: kĂŒrzlich war zu lesen:
    „Die soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr“, sagt DIW-Chef Marcel Fratzsche.
    Fratzschers These: „Die soziale Marktwirtschaft existiert nicht mehr“. Die Ungleichheit in Deutschland habe in den vergangenen Jahren massiv zugenommen. Die reichsten zehn Prozent besitzen inzwischen zwei Drittel des Vermögens, die Ă€rmere HĂ€lfte habe dagegen praktisch nichts. In keinem anderen Land der Euro-Zone sei die Vermögensungleichheit höher, kritisiert der DIW-Chef.

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  • Rentnerin

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    Mir missfÀllt das schon sehr lange, was durch Hartz IV passiert.

    Es ist richtig, dass das Volk scheibchenweise immer mehr verarmt.

    Es gab bis vor ca. 20 Jahren keine Tafel, zudem war es ungewöhnlich ein Auto auf Kredit zu kaufen.

    Die Gesellschaft war noch nie so verschuldet als heute.

    Ein Haus oder eine Eigentumswohnung wurde noch zu Lebzeiten abbezahlt. Heute tilgen mindestens 2 Generationen die Schulden.

    Der Staat hat komplett versagt.

    EingefĂŒhrt wurde Hartz IV durch Schröder SPD – die Verarmung wurde und wird forciert durch die CDU.

    Die Menschen werden hingehalten durch Feste feiern – Fussball und sonstiger nutzloser Zeitverschwendung nach dem Motto “Brot und Spiele”.

    Hinzu kommt, dass die Firmen sehr gut verdienen, bei einem Stundenlohn von 50,– € aufwĂ€rts und die BeschĂ€ftigten so wenig erhalten, dass sie keinen Anreiz mehr haben zu arbeiten.

    Die Schere wird immer grösser.

    Es gibt bei uns zwar Arbeit aber die VerhĂ€ltnismĂ€ssigkeit der Entlohnung stimmt nicht, keine WertschĂ€tzung der Mitarbeiter, zuviele prekĂ€re ArbeitsplĂ€tze, zuviele 450,– € Jobs.

    Was soll denn ein BeschĂ€ftigter machen, wenn er stĂ€ndig auf dem Sprung steht, entlassen zu werden, oder z.B. BeschĂ€ftigte die sich mit 450,– E Jobs durchschlagen und zur Not auch noch Schwarzarbeit.

    Können diese Menschen planen, sich fĂŒr Ihre Kinder interessieren, die Schulbildung der Kinder planen, Familie leben – NEIN !!

    Dieser Staat versagt tÀglich mehr.

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  • hf

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    zunĂ€chst: offensichtlich kommt ja jeder zu seinem recht, wenn er sich einen anwalt nimmt. und den anwalt bezahlt der staat. könnte man auch als subventionsprogramm deuten. :-) allerdings meldet spon heute, dass vier von zehn klagen oder widersprĂŒchen erfolgreich sind, was im umkehrschluss heißt, dass 60 prozent zurecht (also laut gestetzbuch) sanktioniert werden. wo also ist hier das staatsversagen?

    dass im falle des schĂŒlers einiges nicht so einfach ist, wie es sein anwalt darstellt, gerade was dessen soziales netzwerk angeht, ist offensichtlich; wie soll ein fallmanager, der aus wenigen minuten angespannter gesprĂ€chsathmosphĂ€re und ein paar schriftfetzen ermessen muss, da alles richtig verstehen?

    und wo wir schon dabei sind: hartz IV war immer im paket mit mindestlöhnen und regulierungen der finanzmĂ€rkte geplant. dass der doitschĂ€h michel nach zwei perioden verschleppung durch schwarz-gelb immer noch der spd die schuld am grassierenden neoliberalismus zuschreibt, anstatt sich selbst als wĂ€hler und konsument, ist wohl der grĂ¶ĂŸte propagandaerfolg, den BDA und springerpresse je landen konnten. darf ich daran erinnern, dass ein guido westerwelle mit seiner rede von der spĂ€trömischen dekadenz bei der mehrheit mal richtig gut angekommen ist? asoziale faulpelze, die haben gar keine ansprĂŒche, nicht wahr!?

    dass aber jeder einzelne von uns mitschuld an der angeblichen massenarmut ist, der munter vor sich hin verbraucht, weil er sich schließlich leisten kann, wird dabei schön verdrĂ€ngt. bloß keine solidaritĂ€t, dafĂŒr ist der staat zustĂ€ndig. und bloß nicht selber asozial werden. anstatt dass man armut endlich mal entstigmatisiert und arme menschen als ganz normale leute akzeptiert.

    es gibt keinen unpolitischen menschen, es gibt nur menschen, die nicht verstehen, dass alles politik ist. logisch, dass da vieles nicht klappt.

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  • Brenner

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    @ halten Sie eine Fehlerquote von 40% fĂŒr akzeptabel?

    Man stelle sich vor, BWW wĂŒrde 40% seiner Autos fehlerhaft ausliefern. Oder der BĂ€cker Ihrer FrĂŒhstĂŒckssemmeln.

    Wenn 40% der Bescheide falsch sind, dann steckt da m.E. System dahinter. Nicht jeder wehrt sich. Und jeder, der sich nicht wehrt spart dem Staat Geld. Ist dann halt ein Sparstaat, kein Rechtsstaat.

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  • Magnus

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    Eine seltsam zurechtgebogene Geschichte aus der Sicht eines Anwaltes, der von Berufs wegen fĂŒr seinen Mandanten das Beste herausholen will.

    Allein die Geschichte mit dem Fahrgeld, dass der Mandant angeblich nicht hatte, um einen Termin wahrzunehmen: ich kenne solche “ErklĂ€rungen” aus meiner tĂ€glichen Praxis, sie klingen nur allzu unglaubwĂŒrdig.

    Die Argumentation des Anwaltes, wer nichts zum Essen hĂ€tte und kein Geld vom Sozialstaat erhĂ€lt, könne mit “kostenlosen Resten aus SupermĂ€rkten” auskommen, ist ein Schlag ins Gesicht all jener, die sich sozial bei der Tafel engagieren. Und wer von “Resten” spricht hat offenbar ein gestörtes VerhĂ€ltnis zu Lebensmitteln, die von LebensmittellĂ€den oder SupermĂ€rkten genau fĂŒr solche Zwecke gespendet werden.

    Zuletzt: die anbiedernde Sprache! Aber Hey, ist voll okay, jeder nach seiner Facon! Will man mit dieser Kumpelsprache Sympathien fĂŒr den Mandanten erzeugen?

    Bei mir kommt letztlich nur folgendes an: Anwalt redet die Situation seines Mandanten schön (oder schlecht, je nach Auslegung) und am Ende ist niemandem damit geholfen. Außer der echauffierenden Volksseele, die sich mal wieder köstlich ĂŒber vermeintlich schlechte Sozialregelungen aufregen kann.

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  • ExRA

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    Diese vom Staat speziell ausgebildeten Hartz-IV-SchnĂŒffler in den “Job-Centern” sollten allesamt als SteuerprĂŒfer eingesetzt werden. Statt dem Staat ein paar Hundert Euro zu sparen, die sie den “Sozial-BetrĂŒgern” abknapsen, wĂŒrde das der Gemeinschaft ein Zig-faches an Steuer-Einnahmen bescheren. Aber lieber wird den Armen der letzte Rest WĂŒrde genommen und gegen ein bedingungslosen Grundeinkommen Stimmung gemacht, statt den stinkenden Kopf der Gesellschaft dazu zu zwingen, den von ihm tatsĂ€chlich geschuldeten Anteil seiner EinkĂŒnfte in den StaatssĂ€ckel zu zahlen. Aber fĂŒr SteuerprĂŒfer und Steuerfahnder ist ja kein Geld da, weil wir soviel Hartz-IV-BetrĂŒger haben.

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  • reminder

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    @Rentnerin:

    Bezogen auf Ihre Aussage, dass die Firmen so gut verdienen: Da muss man letztlich auch aufpassen, ueber was fĂŒr Firmen gesprochen wird. Grosskonzerne und große MittelstĂ€ndler finden hierzulande zweifellos ein sehr gutes Umfeld fĂŒr ihre AktivitĂ€ten. Das kann aber bei den kleineren ganz anders aussehen. Und je nach Branche auch.

    Überlegen Sie einfach mal, dass fĂŒr einen Kleinbetrieb mit 10 bis 15 Mitarbeitern in vielen Bereichen die selben kostenintensiven Bestimmungen und Auflagen gelten, wie fĂŒr Großbetriebe. Und zugleich können kleinere Betriebe lĂ€ngst nicht auf die selbe UnterstĂŒtzung seitens der öffentlichen Hand oder der Vewaltung hoffen.

    Plakatives Beispiel: So mancher Handwerksbetrieb hat in Regensburg speziell im Innenstadtbereich ernsthafte Schweirigkeiten ĂŒberhaupt eine Parkgenehmigung vor seiner Werkstatt zu bekommen. BMW hat man demgegenĂŒber im Zuge des Papstbesuchs gleich einen ganzen Bahnhof vor die Nase gebaut. Aber jetzt die eigentliche Pointe: Im Gegensatz zum Handwerksbetrieb, der hier schon immer seine Steuern gezahlt hat, musste BMW erst durch verĂ€nderte Besteuerungsregeln auf EU-Ebene dazu genötig werden. Den ca. 50 Mio an Einnahmen, die das – soweit ich mich erinnere – damals gebracht hat, standen aber zeitgleich sofort die 50 Mio fĂŒr das neue Jahnstadion an Ausgaben gegenĂŒber. WĂ€hrenddessen wurden aber z.B. dringende Sanierungen im Schulbereich weiter auf die lange Bank geschoben.

    Da trifft dann aus meiner Sicht wieder zu, was Sie schreiben: “Brot und Spiele”. Sowas wie Bildung ist dabei fĂŒr die Verantwortlichen offenkundig verzichtbar. Und fĂŒr die WĂ€hler, die sie entsprechend gewĂ€hren lassen, wohl auch.

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  • Tobias

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    Die Geschichte ist sehr lĂŒckenhaft.

    Beispiel: Der Obdachlose muss “auswĂ€rts” bei Freunden ĂŒbernachten, kommt aber nicht zum Termin, weil kein Geld fĂŒr den Bus. Wie ist er denn ĂŒberhaupt zu den Freunden gekommen, wenn diese doch so weit außerhalb wohnen?

    Selbstverschuldet Obdachlos – das heißt? Miete nicht bezahlt? Dazu das SchwĂ€nzen von Terminen, weil “zu weit außerhalb”? Vor Kurzem war doch ein Bericht in der MZ, wir hĂ€tten UnterkĂŒnfte – und auch Platz. Wenn auch wenig. Aber in der Stadt.

    Auch: Die Definition von “SchĂŒler”. Wo sind die Eltern? Wenn der gute “Junge” volljĂ€hrig ist, angeblich keine Winterklamotten hat, aber bei Freunden schlĂ€ft, die ihn entweder fahren oder Geld fĂŒr den Bus haben, dann klingt das arg merkwĂŒrdig. Zumal ich kaum glaube, dass jemand, der einfach so mal obdachlos wird, nicht die Skrupel hat, Schwarz zu fahren. Ist zwar eine Unterstellung, aber es spielt doch viel Lebenserfahrung in diese Aussage mit ein.

    Auch am Ende die “Drohung” mit dem Sozialgericht – ob der Autor auch tatsĂ€chlich Recht bekĂ€me, steht in den Sternen. Hier einen Sieg zu verbuchen, der gar nicht sicher ist, ist auch merkwĂŒrdig.

    Kurzum: Eine merkwĂŒrdige Geschichte. Obdachlos, aber der Tenor ist: “Warum sollte er ins Obdachlosenheim?” Will er nicht, wohnt ja bei Freunden. Also doch nicht obdachlos, eher eine Wohngemeinschaft? Aber Geld fĂŒr Winterkleidung, also quasi ein wenig Taschengeld, dafĂŒr geht man dann ins Jobcenter.

    Vielleicht hĂ€tte der junge Mann seinen Ausweis wegwerfen sollen, denn den “zugereisten NeubĂŒrgern” werden keinerlei solcher ÜberprĂŒfungen unterzogen. Aber das darf man ja auch nicht sagen, gelle? ;-)

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  • Mathilde Vietze

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    Kommentar gelöscht. Unterlassen Sie persönliche Angriffe.

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  • Mathilde Vietze

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    Zu “Magnus” und “Tobias” – Ich teile Ihre Meinung; die Geschichte scheint mir
    sehr merkwĂŒrdig. NatĂŒrlich gibt es in unserer Gesellschaft viel Ungerechtig-
    keit und es ist nötig, den Finger in die Wunde zu legen, aber dieser Fall beinhaltet so-
    viel Unklarheiten, daß man nicht weiß, wie man ihn bewerten soll.

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  • ExRA

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    Irgendwie hast Du (haben Sie) nichts begriffen, Tobias. Schade.

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  • Stefan Aigner

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    Die geschilderte Faktenlage ist so völlig korrekt. DafĂŒr liegen mir alle notwendigen Unterlagen vor.

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  • Schwalbe

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    @Tobias
    Es ist schon eigenartig, mit welcher Konsequenz Leute, die bestimmte gesellschaftspolitische Positionen vertreten, sofort die Mitleidsschiene hinterherschieben: man dĂŒrfe “sowas” ja nicht sagen, nĂ€mlich das, was sie gerade eben gesagt haben. Schwer zu ertragen, dieses wehleidige Gewinsel, insbesondere, da es ja nur den Zweck hat, andere (unbekannte und schwĂ€chere) Menschen abzuwerten und zu kriminalisieren. Selbst bei geringen AnsprĂŒchen an die QualitĂ€t ihrer Argumentation sollte ihnen doch zumindest der logische Bruch in ihrer Aussage auffallen. Und das ist nicht der einzige, lesen sie sich doch ihren Post nochmal durch, vielleicht fĂ€llt ihnen ja selber noch mehr auf.
    Abgesehen davon ist die Geschichte aber leider tatsĂ€chlich unvollstĂ€ndig, vieles wird nicht so ausgefĂŒhrt, dass man sich wirklich ein Bild machen kann; das mag daran liegen, dass verstĂ€ndlicherweise die PrivatsphĂ€re des Betroffenen geschĂŒtzt werden soll, das ganze sonst zu lang wĂŒrde und sicher auch daran, dass ein Anwalt nun mal seinen Mandanten vertritt und dabei weniger vorteilhafte Details weglĂ€sst. So ist z.B. die BegrĂŒndung fĂŒr den verpassten Termin schwer nachzuvollziehen.
    Andererseits: wieso sollte ausgerechnet dieser junge Mann ohne Fehler und SchwĂ€chen sein? Da prĂŒfe sich jeder mal kurz selber (ich möchte jetzt nicht mit der Bibel kommen, aber selbst dort gibt es zu dem Thema erbauliche Geschichten…).
    Soll er deshalb nicht das Recht haben, einen amtlichen Bescheid anzuzweifeln? soll er deshalb nicht das als lebensnotwendig definierte Existenzminimum bekommen? warum nicht? weil er arm ist? weil er nicht positiv und dynamisch ist? weil er uns unsymphathisch ist? Oder weil es nun mal sein Daseinszweck ist, dem ebenfalls abgehĂ€ngten, vielleicht noch nicht völlig abgerutschten Rest die Gelegenheit zu geben, auch mal auf jemanden einzuschlagen ? Freilich wird es Menschen geben, die sich AlgII “erschleichen”, die gibt es bei jeder staatlichen Leistung, ob das die Kilometerpauschale ist, oder Subventionen fĂŒr die Landwirtschaft, ZuschĂŒsse zur Haussanierung, usw. Das ist nicht richtig, aber grundsĂ€tzlich wird man damit leben mĂŒssen. Und, ehrlich gesagt, Ă€rgert mich eine zu Unrecht gezahlte Erstausstattung weit weniger, als z.B. ein völlig bescheuertes Fußballstadion fĂŒr 50 Mio€.

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  • hutzelwutzel

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    @Rentnerin: Zustimmung! Ich dachte immer HartzIV wurde eingefĂŒhrt, um Deutschland wieder auf die Beine zu bringen. Jetzt springt Deutschland aber schon fast drei Meter hoch, und dieses Instrument ist lĂ€ngst ĂŒberflĂŒssig.
    Sicher kommt jetzt die nĂ€chste “gemachte” Krise der “Digitalisierung”, denn man hatte jetzt ĂŒber 10 Jahre gerade die Land-, oder hieß es Randbereiche von dieser Digitalisierung fern gehalten.

    Etwas verquert ist aber trotzdem, dass das Teil noch “HartzIV” heißt, nach einem Manager, dem man hier wirklich fast ĂŒberhaupt nichts Gutes nachsagen kann.

    Nicht vergessen: Die Job-Center sind kommunale Einrichtungen und sozusagen Premium-Jobvermittler der Bundesanstalt fĂŒr Arbeit. Daneben gibt es noch private Arbeitsvermittler*innen, weil es sonst nicht EU-konform wĂ€re, da der Staat per se keine Arbeitsstellen vermitteln darf.
    So liegt also das Problem in Regensburg (und wo es eben sonst nicht funktioniert mit den Job-Centern) bei der Kommune, der Stadt Regensburg und deren Vorstellung von ethischem Umgang mit deren BĂŒrger*innen.
    Wenn SchĂŒler*innen so behandelt werden, wo sind dann die Milliarden Euro die man – auf “Anregung” der UNESCO – vermehrt in die Bildung steckt? In den Campus-Bauvorhaben????

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  • hutzelwutzel

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    Hab noch was vergessen. Die Bildungsmittel könnten sich auch hinter den Spezial-TV-Sendungen der öffentlich-rechtlichen TV-Anstalten verstecken, die da mit Ratespielen, Familien-Ratespielen und Wissen-Shows (auf ZDFinfo seit Jahren Historienfilme bevorzugt ĂŒber das Nazireich) zu Zeiten ausgestrahlt werden, zu denen der normal arbeitende Mensch mit Sicherheit Besseres zu tun hat, als in die Röhre zu gucken.

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  • auch_ein_regensburger

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    @Magnus
    @Tobias

    Sie finden Ihrer Argumentation zufolge die Entwicklung, die der Verfasser des Artikels in der Formulierung der Überschrift „Vom Sozialstaat zum Almosenstaat“ anprangert, in Ordnung?

    Das wundert mich nicht, passt jedenfalls perfekt zu den Thesen, die Sie beide in den Kommentarspalten von RD bei jeder passenden oder unpassenden Gelegenheit in den Raum stellen. Hervorstechendes Merkmal: null Empathie und immer feste druff auf alle, die aus dem Rahmen dessen fallen, was Sie als „normal“ empfinden. Widerlich!

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  • Magnus

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    @auch_ein_regensburger

    Meine Kommentarfreude hier bei Regensburg Digital hÀlt sich wirklich sehr in Grenzen. Wenn ich etwas beizutragen habe, dann stehe ich auch hinter dem, was ich geschrieben habe.

    Und ja, auch meinen obigen Kommentar lasse ich so stehen, da ich mir vor dem Schreiben Gedanken mache, was ich ausdrĂŒcken will.

    Empathie kann ich durchaus fĂŒr Menschen empfinden, deren Biographie BrĂŒche aufweisen und denen Unrecht widerfĂ€hrt. Dieses MitgefĂŒhl kann ich bei der Schilderung des Anwaltes fĂŒr seinen Mandanten jedoch ĂŒberhaupt nicht aufbringen. Wie bereits erwĂ€hnt kenne ich aus eigener Praxis solche “Entschuldigungen” und “ErklĂ€rungen” warum man seiner Mitwirkungspflicht nicht nachkommt.

    Und ja, ich bin der Meinung, dass der Staat auch fordern darf. Nicht ausnahmslos, aber an gewissen Stellen sollte der Staat in der Lage sein dĂŒrfen, sein soziales Netz auf (Un)DurchlĂ€ssigkeit hin zu ĂŒberprĂŒfen.

    Unterstellen Sie mir bitte auch nicht, dass ich Menschen, die “aus dem Rahmen fallen” als nicht “normal” bezeichne. Wahrscheinlich falle ich fĂŒr Ihre enggefassten Begriffe mehr aus dem Rahmen und der “NormalitĂ€t” als Sie es der Hauptperson in diesem Fall zugestehen wollen.

    Übrigens: Ihre Trump’schen Unmutsbezeugungen mit Ausrufezeichen am Ende Ihres Kommentars können Sie bitte lassen, sie sind in dieser Art von Dialog völlig unangebracht.

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  • Olli

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    @all
    Was will ein obdachloser SchĂŒler ohne Eltern beim Jobcenter? FĂŒr den ist das Jugendamt, die Bafög-Stelle, das Sozialamt oder alle 3 zusammen zustĂ€ndig. Evtl. hat er sich, trotz anwaltlicher Hilfe, einfach nur an die falsche Stelle gewendet.

    @auch_ein_regensburger
    sie argumentieren auch stets einseitig, nur halt auf der fĂŒr Sie “richtigen” Seite. Somit werfen Sie den Beiden genannten genau das vor, was Sie selbst genau so, nur umgekehrt, praktizieren.

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  • Mr. T

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    Warum hĂ€ngt sich da immer jeder gleich am speziellen Beispiel auf. Am liebsten hĂ€ttet Ihr wohl noch das genze Leben des Betroffenen zerpflĂŒckt. Hier gehts nur darum, dass jemandem sein Recht vorenthalten wird und es erst einen Anwalt braucht, um das zu bekommen, was einem zusteht. Das kann nicht sein, weil so viele auf der Strecke bleiben. Und wenn das in 4 von 10 FĂ€llen so ist, ist das mehr als ein Skandal.

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  • jurist

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    Warum toben sich bevorzugt asoziale, mitgefuhlllose menschen beim thema ,sozial schwache bekommen zusÀtzlich eins drauf , in regensburg digital aus ?
    Mir scheint aus zwei grĂŒnden: sie haben zwar mehr wohlstand als die sozial schwachen, aber leben und leben lassen können können sie auch nicht.
    Wenn es ihnen trotz harter arbeit schlecht geht, dann soll es den ,schmarotzern, wenigstens noch schlechter gehen.
    Und da sie keine positiven GefĂŒhle empfinden können, nehmen sie ihre Lebendigkeit aus negativen GefĂŒhlen gegen andere.

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  • Olli

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    Es geht hier aber um eine Einzelfallentscheidung und keine grundsÀtzliche Verfahrensweise.

    Und falls tatsĂ€chlich bei der falschen Stelle eine Leistung beantragt worden sein sollte, darf diese Stelle den Antrag nicht bewilligen. Ebenso dĂŒrfen Leistungen, egal in welchem Bereich, nicht ausbezahlt werden, wenn diese bereits anderweitig bewilligt wurden (hier: schon im Regelsatz enthalten). Man kann zm B. auch nicht Kindergeld und den Kinderfreibetrag gleichzeitig erhalten.

    Nochmal zur Kleidung: Was hat der SchĂŒler denn letzten Winter, oder die letzten Monate, im Winter getragen? Die wenigsten können es sich leisten, jedes Jahr einen Satz neue Winterkleidung zu kaufen (trotz Arbeit). Das muss meistens ein paar Jahre halten.

    Aber auch das sind nur Spekulationen, in diesem Fall von mir. Um sich ein Bild ĂŒber die Situation zu machen, fehlen einfach wichtige Informationen. So wie der Artikel geschrieben ist, dient er lediglich dazu zu polarisieren und ist es eigentlich nicht Wert, darĂŒber zu diskutieren.

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  • auch_ein_regensburger

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    @ Magnus
    Wenn mir bewusst gewesen wĂ€re, dass Trump das Ausrufezeichen erfunden hat, hĂ€tte ich es natĂŒrlich nicht verwendet …

    @Olli
    Hier geht es nicht um „ausgewogene“ Argumentation, hier geht es um eine grundlegende Einstellung seinen Mitmenschen gegenĂŒber. Sobald auf RD ein Artikel kommt, der sich mit Menschen in sozialen Randlagen beschĂ€ftigt, kann man sicher sein, dass es zwei Personen gibt, die mit herabwĂŒrdigenden Kommentaren glĂ€nzen.

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  • Olli

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    Meinungsfreiheit bedeutet halt auch, mit der Meinung anderer zu leben. FĂŒr eine Argumentation muss ich mich auch mit der Meinung anderer auseinandersetzen und diese aus z. B. deren Blickwinkel betrachten. Anderenfalls bleiben nur zwei undifferenzierte Meinungen stehen, vin denen jede fĂŒr sich nicht viel wert ist, da sie nicht mit Argumenten unterlegt ist. Meinungen liest man hier viele…..Argumente leider nicht.

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  • Lenerl

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    @ Schwalbe: Ihr Kommentar bringt es auf den Punkt. Ein sehr wichtiger und richtiger Beitrag!

    @Olli: Was macht Sie eigentlich so sicher, dass Sie nicht selbst einmal in den MĂŒhlen unseres Sozialleistungssystems zerquetscht werden?
    Verstehen Sie mich nicht falsch, ich halte sehr viel von der sozialen Absicherung in Deutschland- jetzt mal im internationalen Vergleich gesehen. Da gibt es sicher noch LÀnder, die besser da stehen als wir, aber bei vielen gibt es erst gar nichts, was man vergleichen könnte.

    In Deutschland kenne ich tatsĂ€chlich „FĂ€lle“, in denen sozialrechtliche Verfahren zu aller Zufriedenheit „gelöst“ werden und ein Bescheid einer Behörde etwas Positives bedeutet. Aber ich weiß auch, dass es genĂŒgend „Einzelfallentscheidungen“, wie Sie es nennen, in der Praxis gibt. Das hier ist nur ein Beispiel von vielen. Deshalb sind die genaueren HintergrĂŒnde auch gar nicht so relevant. Denn es kann ja jeden treffen. Sind Sie sicher, vor einer schweren (vielleicht noch schlimmer: seltenen) Krankheit oder einem Unfall geschĂŒtzt zu sein? Denn: Egal, in welches Sozialgesetzbuch Sie „rutschen“- im Fall der FĂ€lle sind auch Sie darauf angewiesen, dass es greift- fĂŒr Sie und fĂŒr jeden in gleicher Weise. Und jeder ist darauf angewiesen, dass gute und engagierte Menschen an den Stellen sitzen, die Ihren „Fall bearbeiten“ und zwar in einer menschlichen Art und Weise, das verlangt unser GG Artikel 1. Und wenn dem nicht so ist, dann muss man das auch benennen dĂŒrfen, wir leben hier (noch) nicht in einem rechtsfreien Raum, in dem ein Anwalt nicht einfach seine Sicht der Dinge mit der Öffentlichkeit teilen dĂŒrfte (natĂŒrlich nur mit Einwilligung des Mandanten, versteht sich, oder?).

    In diesem Fall ist es ein obdachloser SchĂŒler (auch wenn einige hier partout nicht wahrhaben wollen, dass es so etwas gibt) in einem anderen Fall kann es jeder andere von uns sein. Also wohin fĂŒhrt das Argument:

    „Nochmal zur Kleidung: Was hat der SchĂŒler denn letzten Winter, oder die letzten Monate, im Winter getragen? Die wenigsten können es sich leisten, jedes Jahr einen Satz neue Winterkleidung zu kaufen (trotz Arbeit). Das muss meistens ein paar Jahre halten. Aber auch das sind nur Spekulationen, in diesem Fall von mir….“

    Ich finde das Argument noch nicht ĂŒberzeugend. Vor allem auch deshalb, weil es nur Spekulation ist. Ich trage meine Winterkleidung auch ein paar, manchmal sogar viele Jahre, das finde ich normal. Mir wird aber auch nicht zugemutet, dass ich mir meine Kleidung aus der Kleiderkammer holen soll. Abgetragene Sachen wĂ€rmen genauso wenig wie Billigst- Klamotten. Probieren Sie es mal aus! Letztere sind meist eh noch vor Ende der Saison kaputt. MĂŒssen wir wirklich darĂŒber diskutieren, ob jeder Mensch, der sich in der BRD befindet ein Recht auf anstĂ€ndige Kleidung hat? Also: jeder, immer, einfach so?!

    Ich gebe Schwalbe nochmal Recht: So viele Erstaustattungen wie wir uns leisten könnten, wĂŒrden wir gar nicht unter die Leute bringen! Bei einer Erstaustattung gibt es nicht viel zu holen. Aber das bisschen sei jedem Menschen vergönnt. Mich regt da auch eher ein 50- Millionen- Euro- Stadion und das dazugehörige “Rundrum” auf.

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  • hf

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    “Das hier ist nur ein Beispiel von vielen. Deshalb sind die genaueren HintergrĂŒnde auch gar nicht so relevant. Denn es kann ja jeden treffen.”

    @lenerl: wenn die genauen, individuellen HintergrĂŒnde nicht so relevant sind, gĂ€be es keinen Grund, darauf einzugehen. Damit fĂŒhren Sie alle BemĂŒhungen um die sogenannte “Mobilisierung” ad Absurdum. Was ist Mobilisierung?

    Bei den meisten Betroffenen, die jetzt noch keine Arbeit gefunden haben, liegen gewisse HinderungsgrĂŒnde vor; psychische oder körperliche Erkrankungen, Suchtprobleme oder gravierende BildungsmĂ€ngel. Jeder Mittelschullehrer kann von Verwahrlosung ein Lied singen. Im vorliegenden Fall haben wir es wohl mit einem volljĂ€hrigen Berufslosen zu tun, der einigermaßen unmotiviert in irgendeinem Eingliederungsprogramm drinsteckt. Wenn er tĂ€glich zur (Berufs)Schule ginge, wĂ€re der Termin im Amt auch kein Problem gewesen.

    Wie holt man so jemand aus seiner Lethargie und macht ihm klar, dass ZuverlĂ€ssigkeit und eine gewisse Disziplin genauso wichtig sind wie das tĂ€gliche ZĂ€hneputzen? Dass Teilhabe ohne Teilnahme nicht denkbar ist? Ist so jemandem wirklich geholfen, wenn man ihm wieder und wieder zeigt, dass schon jemand anderes fĂŒr ihn Verantwortung ĂŒbernehmen wird, und wenn es der böse, böse Staat ist.

    Ums klarzustellen; ich bin auch fĂŒr eine deutliche Anhebung des Existenzminimums, vor allem fĂŒr Kinder. Ganz natĂŒrlich ist es dann was anderes, wenn z.B. eine alleinerziehende Mutter eine QuerschnittslĂ€hmung erleidet. Die persönlichen HintergrĂŒnde im Einzelnen mĂŒssen entscheiden. Gerade weil es jeden treffen kann. Ich bin da keine Ausnahme.

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  • Mathilde Vietze

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    Zu “hf” – Vielen Dank fĂŒr Ihren Kommentar – Sie haben den
    Nagel auf den Kopf getroffen. Wenn es bei Behörden MÀngel
    gibt, muß man darĂŒber offen reden, aber bei vielen, die von
    mitunter auch hausgemachten Problemen befallen sind, ge-
    nĂŒgt es einfach nicht, nur pauschal ĂŒber den Staat herzu-
    ziehen. Leider ist fĂŒr manche der Begriff Eigenverantwortung
    ein Fremdwort und dann finden sie sofort welche, die daraus
    eine Story ĂŒber den bösen und ungerechten Staat konstruieren.

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  • jurist

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    @hf und andere:
    Wir alle wissen,wie schwer es ist, mit einem Brett aus vorurteilen vor dem Kopf die fakten zur Kenntnis zu nehmen.
    Daher fasse ich die von rd verifizierten Tatsachen nochmal zusammen:
    Wir reden nachweislich von einer erstausstattung mit winterkleidung, so wie das SGB 2 – Gesetz diese definiert.
    Dem Jugendlichen wurden die Sozialleistungen zuerst verweigert, was rechtswidrig war laut widerspruchsbescheid des jobcenter.
    Auch die zweite Verweigerung von Sozialleistungen war rechtswidrig, sonst hÀtte er sie nach anwaltsdrohung nicht sofort wieder bekommen,.
    Auch die winterkleidung stand ihm zu, sonst hÀtte das Jobcenter nicht sofort vor Gericht eingelenkt.
    Unklar ist hier nur etwas fĂŒr Menschen, denen unklar ist, ob sie ĂŒberhaupt einen sozial- und Rechtsstaat fĂŒr arme wollen.

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  • Olli

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    @Lenerl
    Ich weis zwar nicht, wie Sie auf Ihre Schlussfolgerungen bezĂŒglich meiner persönlichen LageeinschĂ€tzung kommen, aber Sie werden das schon irgendwie fĂŒr sich herausgelesen haben.

    Ich muss darauf hinweisen, dass jede Entscheidung auf Grund eines Antrages in diesem Bereich (sei es jetzt die Rentenkasse, Jobcenter, Arbeitsamt, Sozialamt, usw.) eine Einzelfallentscheidung ist. Und diese wird auf Grund der individuellen HintergrĂŒnde, Angaben, usw. gefĂ€llt.

    Man muss allerdings auch bedenken, dass Entscheidungen nicht nach dem persönlichen MitgefĂŒhl gefĂ€llt werden können, sondern sich vor allem an Recht und Gesetz halten mĂŒssen.

    Und die Gesetzt machen nicht die Mitarbeiter in den jeweiligen Stellen, sondern unsere gewĂ€hlten Volksvertreter. Sollte ein Gesetz und dessen AusfĂŒhrung nicht in Ordnung sein, entscheiden die jeweiligen Gerichte darĂŒber, wie dies zu handhaben ist. Sie sehen, die Gewaltenteilung in unserem Rechtsstaat funktioniert.

    Nochmal kurz zur Kleidung: Wenn diese im Regelsatz enthalten ist und nicht gesondert im Gesetz aufgefĂŒhrt wird, auf welcher Rechtsgrundlage soll ein Mitarbeiter diese dann genehmigen? Auf Grund seines MitgefĂŒhls? Also Entscheidungen nach Gutsherrenart? Möchte man das wirklich….

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  • hf

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    @olli: “jugendlich” oder gar “minderjĂ€hrig” kann ich nirgends lesen.

    und dass er sich anwaltlichen rat holt, ist richtig und wichtig – wie ich bereits geschrieben habe.

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  • hf

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    nicht olli, jurist, meinte ich… sry

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  • Lenerl

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    @hf: Schön, dass Sie nÀher in die inhaltliche Diskussion einsteigen.
    Mit „Moblilisierung“ meinen Sie wohl das, was ich unter „Empowerment“ verstehe? Mir geht es da jetzt nicht um den Begriff. Nur, dass wir uns nicht falsch verstehen.
    „Empowerment“ meint Strategien, die Menschen oder Gemeinschaften darin fördern sollen, ihr Leben und ihre persönlichen Angelegenheiten selbstverantwortlich und selbstbestimmt in die Hand zu nehmen. Damit das wirklich gelingen kann, mĂŒssen aber ein paar Voraussetzungen erfĂŒllt sein. Dazu möchte ich die BedĂŒrfnispyramide nach Maslow ins Spiel bringen. Die wiederum beschĂ€ftigt sich mit menschlichen BedĂŒrfnissen und der Motivation von Menschen und setzt diese in eine hierarchische Struktur. Auf der ersten Stufe stehen die Grund- und ExistenzbedĂŒrfnisse, also z.B. die BedĂŒrnisse nach ordentlicher Nahrung, Kleidung, Wohnung oder Gesundheitsversorgung. Dann folgt das BedĂŒrfnis nach Sicherheit und auf der dritten Stufe die sozialen BedĂŒrfnisse („sich zugehörig fĂŒhlen“).
    Erst wenn die Grund-, Sicherheits und sozialen BedĂŒrfnisse erĂŒllt sind, kann man sich dann um Stufe vier, also dem BedĂŒrfnis nach Anerkennung und WertschĂ€tzung, kĂŒmmern. Vorher ist man nur damit beschĂ€ftigt, einfach menschenwĂŒrdig am Leben zu bleiben.
    An letzter Stelle kommt schließlich die Selbstverwirklichung und das ist das, was fĂŒr mich auch hinter dem Begriff „Empowerment“ steht. Wenn Menschen sich keine Gedanken darĂŒber machen mĂŒssen, ob sie Hunger haben oder ob sie frieren, wenn sie sich sicher fĂŒhlen und von der Gesellschaft wert geschĂ€tzt, dann kann man von Ihnen „Mobilisierung“ verlangen.
    Aber ich gebe Ihnen in einigen Punkten auch Recht. Ich kenne Sie auch, die „Sparifankal“, die noch nicht ganz verstanden haben, wie unser Land funktioniert und die meinen, bei uns gibt es fĂŒr jeden alles umsonst, wenn man nur lange genug nervt. Aber das ist nicht die Mehrheit der Menschen und ich teile kein Menschenbild, das immer nur darauf abzielt, anderen böses zu unterstellen.
    Eine „deutliche Anhebung des Existenzminimums, vor allem fĂŒr Kinder“ halte ich ebenso wie Sie fĂŒr dringend geboten.

    @ Olli: Was die rechtliche EinschÀtzung des Falles betrifft, vertraue ich hier gerne auf die Experten. Ich kann aus meinen persönlichen Erfahrungen einfach sehr gut nachempfinden, warum der Autor des Artikels empört ist.

    @Mathilde Vietze: Ich sehe den Artikel nicht als eine Story, ĂŒber den bösen und ungerechten Rechtsstaat. Er zeigt aber genau die MĂ€ngel auf, ĂŒber die Sie doch offen reden möchten, oder verstehe ich Sie falsch?

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  • Regensburgerin

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    Diese Ungerechtigkeiten passieren tĂ€glich und vielleicht sogar stĂŒndlich: im Jobcenter, im Sozialamt usw. Danke, dass darĂŒber berichtet wird! Viel zu wenig leider…
    Es wird immer schwieriger sich durchzusetzen und durchzublicken. Seit Jahren begleite ich ehrenamtlich Menschen zum Jobcenter oder Sozialamt. Nicht nur im Raum Regensburg. Es ist ĂŒberall schwieriger geworden. Ein NEIN – ist fast zum Standard geworden. Ein Vorurteil – ist Standard. Vieles wird grundsĂ€tzlich abgelehnt, egal bei welchem Sachbearbeiter.
    Das letzte was mich wirklich erschĂŒttet hat: eine Alleinerziehende Mutter bringt die Geburtsurkunde erst zwei Monate nach Geburt zum Jobcenter (schwere Geburt, danach wochenlang im Krankenhaus, fĂŒr Geburtsurkunde fehlen sĂ€mtliche Dokumente). Der zustĂ€ndige Sachbearbeiter meint, er zahlt die Harz IV-Leistungen nicht ab Geburt, sondern ab “Antragstellung”, also zwei Monate werden “gespart”. Die Argumentation dazu: das Kind braucht es doch nicht rĂŒckwirkend, bis jetzt hat es alles geklappt.
    Sogar bei uns, bei pĂ€dagogischen Helferinnen, versuchen die Sachbearbeiter immer wieder die Rechte der BĂŒrger zu verletzen.
    Es gibt leider keine unabhÀngigen kostenlosen Widerspruch stellen. Stellen, in denen diese Menschen ohne einen Anwalt sich beschweren können.

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  • hf

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    @lenerl:

    wir sind, glaub ich, inhaltlich gar nicht so weit voneinander entfernt. empowering people, das heißt, ihnen grundlagen zu vermitteln. ich weiß, dass jeder in eine öffentliche BĂŒcherei gehen kann, und dort lesen kann, was immer er will. Man kann wirklich kostenlos BĂŒcher studieren, sogar unter anleitung. also, empowerment, jeder hat zugang zu diesem großartigen wissen. kant, descartes, husserl, die “res cogitans”.

    und wir schlagen uns hier mit dem problem herum, dass ein mandant nicht fÀhig ist, seine termine wahrzunehmen. sicherlich, rechtlich gesehen kann man dem jungen mann wohl wirklich nichts vorwefen. andererseits, wenn ihm an der verbesserung seiner lage gelegen wÀre, hÀtte er sich doch gemeldet.

    die leute in den bĂŒros, sind doch auch keine roboter, die man stehen lĂ€sst, weil sie einen nichts angehen. es beruht bei behördengĂ€ngen oft auf empathie, was letztlich herauskommt.

    nochmal zum empowerment; ich fĂŒrchte wir stecken in einer henne-ei-zeitschleife. was kommt zuerst; das bewusstsein, dass man sich nur selbst aus all dem mĂŒll herausziehen kann? oder dass man alles auf andere schiebt, die irgendwelche paragraphen verwalten?

    ich weiß nicht, wie das mit dem jungen mann ausgehen wird, vielleicht liest er das hier ja mit, aber ich zitiere ihm mal einen prominenten spd-ler: wasch dich, rasier dich, such dir eine arbeit. und lies ab und zu mal ich der stadtbĂŒcherei:

    erich fried: 100 gedichte ohne vaterland

    berthold brecht: alles

    siegfried lenz: deutschstunde

    hermann hesse: siddartha

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  • Lenerl

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    @hf: Über Empowerment wĂŒrden wir wahrscheinlich noch eine Weile diskutieren, aber ich glaube in einem Punkt sind wir auf jeden Fall beisammen: Sie begeistern junge Menschen fĂŒr deutsche Literatur, die Juristen fĂŒr Recht, und ich fĂŒr Empowerment, dann wĂ€re schon viel getan. Nur wenn wir alle das vorleben, was wir von anderen Menschen erwarten, können wir auch wirksam etwas von ihnen einfordern (das gilt auch fĂŒr Institutionen wie Behörden). Und bei jungen Menschen ist es doch oft so: wenn sie sich auf uns Erwachsene verlassen können, dann kann man sich irgendwann auch auf sie verlassen.
    Deshalb trÀgt meiner Meinung nach z.B. ein Richter, der jungen Menschen nicht zu ihrem Recht verhilft und sie klein oder noch kleiner macht, weder zur Mobilisierung, noch zu Empowerment bei. Und genau DAS ist es, was wir uns als Gesellschaft nicht mehr leisten können.

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  • hf

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    @lenerl: sehen sie nicht den denkfehler? nicht ich muss andere fĂŒr etwas begeistern. jeder muss sich selbst fĂŒr seine idee von freiheit begeistern. das ist die bedingung fĂŒr selbstentfaltung. nicht auf den messias “gemeinwesen” warten, sondern selbst verantwortlich werden. wohlstand ist ein angebot, keine garantie und schon gar nicht das ziel aller ziele.

    so, wie sie und viele andere hier das existenzminimum nach sgb II begreifen, ist der sozialstaat doch erst recht nur ein almosenstaat, in dem man den hilfsbedĂŒrftigen als prinzipiell minderwertigen, weil nicht zur freiheit fĂ€higen menschen hinstellt.

    literatur kann da vielleicht helfen, weil sie metaphern bietet; aber was das geschriebene fĂŒr einen selbst bedeutet, muss man schon autonom und intuitiv erfahren. man muss sich dazu verhalten. schon mal ĂŒber den buchtitel “axolotl roadkill” nachgedacht? ein grottenmolch, der wohl die gschlechtsreife, nie aber das erwachsenenstadium erreicht, als wehrloses opfer im straßenverkehr – ist das jetzt tragisch oder komisch?

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  • Mr. T

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    Hier geht es um das systematische Vorenthalten von Leistungen und Ihr diskutiert ĂŒber Empowerment. NatĂŒrlich muss es das Ziel sein, zu versuchen, dass so wenige Menschen wie möglich solche Leistungen benötigen. Aber um das geht es hier nicht, da ist das Kind schon in den Brunnen gefallen. Das ist ja wie wenn man bei einem Artikel ĂŒber Hygieneprobleme in einem Krankenhaus ĂŒber Gesundheitsvorsorge diskutiert.

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  • Lenerl

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    @Mr. T:

    Völlig richtig, was Sie schreiben.
    Die Diskussion ist ja dadurch entstanden, dass dem jungen Menschen aus dem Artikel immer unterstellt wird, er mĂŒsste ja nur „aufstehen, sich rasieren und in die Arbeit (oder zu seinen Terminen) gehen“ (oder so Ă€hnlich) und ich wollte nur darauf hinweisen, dass es so einfach nicht ist. Meine Meinung. Von „Aktivierung“ oder „Empowerment“ braucht man wirklich nicht sprechen, solange es daran scheitert, dass Menschen einfach nur das Recht bekommen, das Ihnen zusteht. Eine weitere Diskussion ĂŒber Empowerment an dieser Stelle schießt natĂŒrlich ĂŒber das Ziel hinaus.
    Bin scho staad ;-)

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  • Mathilde Vietze

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    Zu “Lenerl” – Über MißstĂ€nde offen reden heißt nicht,
    hausgemachte Probleme zu Maß aller Dinge zu machen.

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  • kb

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    Eine Behördenentscheidung (Verweigerung der Kosten fĂŒr Winterkleidung), die so eindeutig illegal ist, daß sie sogar noch von der Behörde selbst (durch die Widerspruchsstelle der Behörde) korrigiert wird – und jetzt rĂ€cht sich ein Sozialrichter an dem aufmĂŒpfigen Betroffenen, indem er ihm die Anwaltskosten verweigert, obwohl der Betroffene das Verfahren gewonnen hat – das ist auch fĂŒr Nicht-Juristen (bzw. eine Nicht-Juristin) zu verstehen – natĂŒrlich nur, wenn man es verstehen will.

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  • Mathilde Vietze

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    Zu “kb” auch als Nicht-Juristin wende ich immer meinen gesunden Haus-
    verstand an und lasse mich nicht von Sozialromantikern verunsichern.

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  • reminder

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    besonders @hf, aber auch @lenerl und Mr.T:

    VorlĂ€ufig sollten wir uns meines Erachtens schon darauf konzentrieren, dass wir – zumindest dem Anspruch nach – in einem Rechtsstaat leben und das Rechte etwas anderes sein sollten als ‘Gnadenakte’ fĂŒr Wohlverhalten oder Sympathie. Sie mĂŒssen grundsĂ€tzlich fĂŒr jeden gelten. Man kann trefflich ĂŒber die Motive des besagten jungen Mannes spekulieren. Allein, es fĂŒhrt wahrscheinlich zu Nichts. Die Frage, die vor Gericht im Vordergrund stehen sollte: Besteht ein Rechtsanspruch oder nicht. Da gibt es dann gewisse InterpretationsspielrĂ€ume und die werden manchmal sowohl in die eine oder andere Richtung auch ĂŒberstrapaziert. Es ist gut wenn darĂŒber berichtet und geredet wird. Und es wĂ€re gut, wenn der Gesetzgeber bei solchen Debatte wenigstens mitliest und sich evtl. Gedaken macht, wie bestimmte Regelungen vielleicht unmissverstĂ€ndlicher/besser gestaltet werden können. Bei einer ‘Fehlerquote’ von 40% (so das denn so stimmt) wĂŒrde ich jedenfalls einen entsprechenden Handlungsbedarf sehen.

    DarĂŒber hinaus ist es aber schon schade, dass solche Standpunkte wie “wasch dich, rasier dich, such dir eine arbeit. und lies ab und zu mal ein Buch” tatsĂ€chlich noch so in dieser Form vertreten werden. Man muss nicht soweit gehen und sie als zynisch abqualifizieren. Im Prinzip steckt ja was Wahres drin. Allein, sie sind in der Regel völlig zwecklos. Sie setzen nĂ€mlich auf Seiten des so Angesprochenen sowas wie eine ‘Restenergie’ voraus, die aber bei den meisten in solchen FĂ€llen lĂ€ngst nicht mehr gegeben ist. Und sie werden in der Regel von Menschen ausgesprochen, die meist nur eine ungenĂŒgende Vorstellung von der Lebenswelt ihrer Adressaten haben.

    Nochmal: Die Aufforderung ist an sich nicht falsch. Sich waschen, ehrlich sein Geld verdienen und nicht nur die Bild-Zeitung lesen ist definitiv von Vorteil. Aber es ist letztlich höchst voraussetzungsvoll. Sowohl fĂŒr denjenigen, der entsprechenden AktivitĂ€ten schon lĂ€nger nicht mehr nachkommt, als auch fĂŒr die Gesellschaft, die aber genau das von ihm verlangt. Wir wissen (und ignorieren) inzwischen eigentlich schon seit wenigstens 100 Jahren (Stichwort: Marienthal-Studie), wie schnell ein Mensch degenerieren kann, wenn er aus den ĂŒblichen Strukturen herausfĂ€llt. Nur die Wenigsten sind in der Lage, z.B. von einer lĂ€ngeren Phase der Arbeitslosigkeit unbeeindruckt zu bleiben. Oder bei Obdachlosigkeit: Jemand, der lĂ€ngere Zeit auf der Straße gelebt hat, den bekommen sie einfach kaum mehr zurĂŒck in ein ‘normales’ Leben, obwohl die Menschen frisch gewaschen durchaus aussehen könnn wie Du und ich. Sie sind aber innerlich oft ganz andere Menschen geworden. Und das obwohl sie unser Zivilisationsprogrammm (u.a. waschen, rasieren, lesen) in der Regel schon mal voll beherrscht haben. Und hier geht es scheinbar sogar um einen jungen Menschen, der dieses Zivilisationsprogramm offenbar noch nie richtig gelernt hat. Da ist also wohl von Anfang an schon ziemlich viel schief gelaufen.

    Soll man den jungen Menschen dann einfach so weiter machen lassen? Ihm die ihm zustehenden Sozialleistungen auszahlen und das wars? Nein, natĂŒrlich nicht. Die Wahrscheinlichkeit, dass es so besser wird, ist sehr gering. Man wird dem jungen Mann vielmehr aktiv auf’s Gleis helfen mĂŒssen. Und diese Hilfe muss sicherlich auch den einen oder anderen (sanften) Tritt in den Hintern beinhalten. ABER: Solche Hilfen sind – wenn sie wirklich was bringen sollen, personal- und kostenintensiv. Und wer nicht bereit ist, diese Ausgaben zu tĂ€tigen, muss vielleicht im Vorfeld besser darauf achten, dass die Leute gar nicht erst entgleisen. Das ist jedoch auch personal- und kostenintennsiv. Wie man es dreht und wendet: Wenn es besser laufen soll, muss man dafĂŒr mehr Aufwand treiben. Ein einfaches “Das ist doch dem sein Problem! Der muss aktiv werden!” genĂŒgt da leider nicht. Die bloße Alimentierung mit Sozialleistungen ist aber natĂŒrlich auch zum Scheitern verurteilt, wenn keine Selbstinitiative dazu kommt.

    Und weil wir die gesamtgesellschaftlich verfĂŒgbaren Mittel eigentlich genau fĂŒr solche ausgewogenen UnterstĂŒtzungsmaßnahmen brauchen könnten, ist es ja so inakzeptabel, wenn sie zum Beispiel wie aktuell in Regensburg fĂŒr Spezlwirtschaft draufgehen, die zudem den Rechtsstaat unterhölt. Und wenn man nicht bereit ist, mehr Aufwand zu treiben bzw. fĂŒr den Erhalt dieses Rechtsstaats aktiv einzutreten, darf man sich auch nicht beklagen, wenn es schlecht (oder zumindest nicht besser) lĂ€uft.

    Vor Gericht geht es dessen ungeachtet (zumindest solange wir noch ein echter Rechtsstaat sind), um Rechte (und Pflichten), die fĂŒr jeden – ungeachtet des Ladezustands seines Lebens-Akkus – gelten. Also auch jemand der sich nicht wĂ€scht, kein eigenes Geld verdient und nicht liest, hat Anspruch auf bestimmte Leistungen. Und daher soll er sie auch bekommen. Ob das dann schon genĂŒgt oder anderweitig der ErgĂ€nzung (durch irgendwelche ‘aktivierende Maßnahmen’) bedarf, steht dabei auf einem anderen Blatt und sollte nicht mit der Inanspruchnahme von Rechten vermengt werden.

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  • hf

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    “Man muss nicht soweit gehen und sie als zynisch abqualifizieren. Im Prinzip steckt ja was Wahres drin. Allein, sie sind in der Regel völlig zwecklos.”

    @reminder: als wÀre mir und lenerl das nicht bewusst gewesen. und sicherlich schwant es auch dem arge-sachbearbeiter und dem sozialrichter.

    mindestens genauso zwecklos ist es, menschliche resignation, den verlust der “restenergie” wie sie es nennen, damit zu rechtfertigen, dass schließlich auch andere sich falsch verhalten. das intuitive rechtsempfinden ist nicht “dadurch zurecht” gestört, es ist durch seine manipulierbarkeit eventuell selbst die störung.

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  • reminder

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    @hf:

    Ja gut, sie können natĂŒrlich einem Stein vorwerfen, ein Stein zu sein. Sie können sich sogar darĂŒber empören. Sie können es einem Stein vielleicht sogar gesetztlich verbieten lassen, Stein zu sein. Sie können sich aber auch einfach mal darauf einlassen, es mit einem Stein zu tun zu haben und von dort aus anfangen, darĂŒber nachzudenken, was sich mit einem Stein machen lĂ€sst und was nicht.

    Übertragen auf einen Menschen, dessen ‘Sozialisation’ aus irgendeinem Grund nicht funktioniert hat: Sie können ihm ggf. seine Antriebslosigkeit gerne vorhalten. Aber das wird wahrscheinlich wenig bringen. Sie werden sich dem schon erstmal stellen mĂŒssen und ĂŒberlegen, wie sich dieser Zustand wirklich effektiv verĂ€ndern lĂ€sst. Das ist zudem auch keine Rechtfertigung der Antriebslosigkeit. Ob und wie die ggf. zu rechtfertigen ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Und ist hier aus meiner Sicht auch nicht sehr bedeutsam.

    UnabhĂ€ngig davon steht im Sozialrecht jedenfalls nichts davon, dass ausgebrannte Menschen grundĂ€stzlich andere Rechte hĂ€tten, als vor Energie strotzende. Das ist kein intuitives RechtsverstĂ€ndnis, falls Sie mit dieser Formuliereung darauf angespielt haben sollten. Das ist schlicht die Faktenlage. Gesetze gelten (von wenigen und dann auch sorgfĂ€ltig zu begrĂŒndenden Ausnahmen abgesehen) erstmal ohne Ansehen der Person und ihrer persönlichen Eigenschaften, soweit ich weiß.

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  • hf

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    @reminder: ich bin mir nicht sicher, ob ich es entmenschlichend oder einfach nur sorglos finden soll, dass hier ein junger kerl, eigentlich eine ganze gesellschaftsschicht, mit seelenlosem baumaterial verglichen wird.

    woher leiten sie denn ab, dass seine sozialisation nicht funktioniert hat? ist man nur dann sozialisiert, wenn man auch funktioniert? sie werfen mir vor, was sie selbst vorauszusetzen scheinen. was ist der mensch ganz allgemein, und wie haben wir mit ihm umzugehen? das können sie genauso wenig sagen wie ich. dieses individuum jedenfalls ist schĂŒler, will also ganz offiziell etwas lernen, damit er mal arbeiten kann, und dafĂŒr braucht er die hilfe des staats. damit der staat weiß, dass die hilfe ankommt, verlangt er zusammenarbeit. ob diese zusammenarbeit funktioniert oder nicht, das ist hier die streitfrage.

    und sie irren sich: die geltung von gesetzen, also deren anwendung, hĂ€ngt sehr wohl von der person ab, von alter und bewusstseinsgrad – der sozialprognose. ohne ansehen der person meint hier, dass nicht verwandtschaft oder bekanntschaft einfluss auf die rechtssprechung nehmen dĂŒrfen.

    wir wissen eben vieles nicht, was in dem fall eine rolle spielt, weshalb man bestenfalls allgemeine ĂŒberlegungen anstellen kann, ob leistungskĂŒrzungen auf so jemanden motivierend wirken oder nicht. dass motivation nicht kĂŒnstlich machbar ist, sondern, dass man bestenfalls denkanstĂ¶ĂŸe geben kann, war eben lĂ€ngst meine these. und ich bin mir immer sicherer: der schĂŒler ist ins grĂŒbeln gekommen, hat sich hilfe suchen mĂŒssen und wird sich in zukunft hoffentlich zweimal ĂŒberlegen, ob er seine termine einhĂ€lt. ganz egal, was wir von ihm halten.

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  • reminder

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    @hf:
    Ich hab nicht den jungen Mann mit einem Stein verglichen, sondern aufzuzeigen versucht, fĂŒr wie fruchtlos ich ihre Aufforderung zum rasieren etc. finde, die sie ja offenbar auch in dem Bewusstsein erheben, dass Sie vermutlich fruchtlos ist 8was dann schon die Frage aufwirft, warum Sie das tun. Aber gut. Wir leben ja in einem freien Land).

    Das persönliche LebensumstĂ€nde einen Unterschied machen können habe ich – wenn Sie sorgfĂ€ltig gelesen hĂ€tten – nicht ausgeschlossen. Dieses Abweichen von der Norm muss aber wie ich ausfĂŒhrte sorgfĂ€ltig begrĂŒndet und in geeineter Weise dokumentiert sein.

    Das die – wohlgemerkt in AnfĂŒhrungszeichen gesetzte – Sozialisation nicht funktioniert hat, ist ein Gedanke, den Sie selbst mit auf den Weg gebracht haben. Sie haben spekuliert, dass es an zivilisatorischen Grundfertigkeiten fehlt. Nicht ich. Ich bin ja der Meinung, dass das in diesem Zusammenhang belanglos ist, weil es primĂ€r um einen Rechtsanspruch geht. Wegen Ihrer impliziten Unterstellung bin ich allerdings darauf eingegangen, das der von Ihnen angenommene mangel ggf. wahrscheinlich nicht von UngefĂ€hr kommt und sich eben nicht mit einem schlichten Apell aus der welt schaffen lĂ€sst.

    Ja, wir wissen Vieles nicht. Da haben Sie Recht. Ich wĂŒrde nur eben noch einen Schritt weiter gehen und sagen, dass Vieles von dem was wir nicht wissen, fĂŒr das Problem, um das es hier im Kern geht, auch nicht sonderlich relevant ist.

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  • hf

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    @reminder: ich hatte tatsĂ€chlich darauf hingewiesen, dass die meisten langzeitarbeitslosen aus gewissen grĂŒnden “schwer vermittelbar” sind und dass es darum geht, diesen menschen neuen mut zu machen, sich selbst zu helfen. sozialisation findet unabhĂ€ngig davon mal so mal so statt – je nachdem, in welches milieu man hineinwĂ€chst. prinzipiell kann und muss jeder sein leben selbst Ă€ndern. eine gescheiterte sozialisation gibt es in dem sinne nicht, wohl aber organische erkrankungen, abhĂ€ngigkeiten und so fort.

    das ist was fundamental anderes, als alle hartzer pauschal als gescheiterte existenzen in die lebenslange alimentation abzuschieben, weil man sagt, da kann man eh nichts machen. ganz egal ob einer 18 oder 58 ist. ob einer morgens aufstehen kann oder nicht. und schuld ist der staat – das ist soziale kĂ€lte und die spaltung der gesellschaft.

    und, wenn sie sagen, dass appelle nichts nutzen, was bleibt dann noch außer zwangsmaßnahmen?

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  • reminder

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    @hf:
    Eigentlich haben sie ja selbst die Antwort auf ihre letzte Frage gegeben: “neuen Mut machen”. Und ich denke schon, dass es dafĂŒr sehr differenzierte Möglichkeiten gibt. Resignation (“da kann man nichts machen”) und Zwangsmaßnahmen sind fĂŒr mich jedenfalls nur die zwei Pole zwischen denen ein reichhaltiges, abgestuftes Intrumentarium zu finden wĂ€re, wenn man denn danach sucht. Und wenn man die Mittel, die zu deren Umsetzung nötig sind, bereitstellt. Im Bereich der Sozialen Arbeit fĂŒllt man jedenfalls ganze StudienplĂ€ne mit entsprechenden Inhalten.

    Warum man es dann – insbesodnere in den entsprechenden politischen Debatten – allzugern bei Appellen belĂ€st, auch wenn davon auszugehen ist, das deren Wirksamkeit recht begrenzt ist? Nun ja, sie kosten halt nichts und blenden ggf. auch die gesellschaftliche/politische Mitverantwortung fĂŒr bestimmte MissstĂ€nde aus. Das ist zum Beispiel fĂŒr MinisterprĂ€sidenten im Wahlkampf, wie seinerzeit Kurt Beck, nicht unangenehm, wenn’s denn klappt. Weil sonst wĂ€re es doch schon eine berechtigte Frage – besonders an einen Sozialdemokraten – warum man fĂŒr defizitĂ€re Rennstrecken Millionen versemmeln kann, statt grĂ¶ĂŸere Anstrengungen zu unternehmen, um dem Voranschreiten sozialer KĂ€lte und der soziale Spaltung der gesellschaft entgegenzutreten. Und wenn dann diese Appelle – selbst wenn sie im Einzelfall sogar berechtigt sein mögen – von den WĂ€hlern und Medien pauschal ĂŒbernommen und reproduziert werden, ist ein Teil der Rechnung des Herrn Beck sogar aufgegangen. Und dem wĂŒrde ich gerne entgegentreten.

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  • hutzelwutzel

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    @hf: Stimme Ihnen zu! Sagte nicht unser frĂŒherer Bundeskanzler Schröder auf dem damaligen Wirtschaftsforum in Davos, dass er den Arbeitsmarkt mit den gĂŒnstigsten ArbeitskrĂ€ften geschaffen habe?

    Wir brauchen als die “verkrachten Existenzen”, damit fĂŒr diejenigen Leute die Geld besser als andere Leute nutzen können, noch mehr ĂŒbrig bleibt.
    Mittlerweile mĂŒssen wir in Deutschland damit bei JĂŒngeren beginnen, weil aus den Älteren ĂŒber Heime Geld geschlagen werden kann.
    Außerdem wollen die Leute in Asien und Afrika nicht mehr fĂŒr einen Hungerlohn arbeiten, und auch China stellt sich auf bessere LebensverhĂ€ltnisse ein.

    So muß eben Deutschland und dessen PrekĂ€rregionen zu neuen gĂŒnstigen Werkbank der Welt werden.
    “Arbeit 4.0” – Das auf der Homepage des bayerischen Arbeitsministeriums verschriftlichte Motto unserer lieben Emilia aus Bruck, heisst im Klartext: Was Roboter machen können, machen diese, was fĂŒr Roboter zu einfach ist, dĂŒrfen Menschen machen.
    Ich liebe das Wort “Roboter”, weil es aus dem Tschechischen kommt und – leicht kommunistisch verbrĂ€mt – nichts Anderes bedeutet als “Zwangsarbeiter/ Sklavenarbeiter”.

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  • R.G.

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    Zweifellos hĂ€tte sich der SchĂŒler Kleider aus einer Almosenkammer besorgen können, aber um sich auf dem Weg dahin keine möglicherweise tödliche LungenentzĂŒndung zu holen, brĂ€uchte er halt vorher schon eigene warme Schuhe und Kleidung!

    Die Inanspruchnahme des Almosenstaates benötigt Zeit, Zeit und nochmal Zeit, wiederholt Geld fĂŒr ein Busticket, hohe Frustrationstoleranz, und die FĂ€higkeit, sich zwischen all den in Gruppen wartenden Freundes- und Gesinnungsgruppen ĂŒberhaupt durchzusetzen zu können.

    Ich wĂ€re einverstanden, dass Arme unter Lebensgefahr nackt und frierend, vielleicht noch bei minus 24 Grad, zu den Almosenstellen pilgern mĂŒssen, wenn Richter von ihrem Haus bis zum Anlegen der Robe im Gericht, oder zum Einkauf neuer Kleidung, ebenfalls nackt gehen mĂŒssten.
    Gleiches Privileg fĂŒr alle!

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  • Rosalia Genoveva

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    Ich hĂ€tte eine Bitte, könnten sich die besseren Herren und Damen, die Armen keinen Kleiderzuschuss in Geldform gewĂ€hren wollen, sondern auf die Kleiderkammer verweisen, bitte kĂŒnftig bei öffentlichen Buffets die Nahrungsmittel zuerst je aus einer Ausspeisung besorgen und im Napf mitbringen?

    Bei Ordensverleihungen bitte ich vorher prĂŒfen zu lassen, ob sich nicht irgendwo in einer Kleiderkammer ein hĂŒbscher Knopf zum Anstecken fĂ€nde.

    Aus Ersparnis- und GleichheitsgrĂŒnden.

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  • Mathilde Vietze

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    Ich verstehe ja, daß der junge Mann Winterkleidung
    brauchte, aber ist ihm denn die Kleidung, die er im
    vorigen Winter anhatte abhanden gekommen oder
    kaputtgegangen oder zu klein geworden?

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  • R.G.

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    @Mathilde Vietze
    Sieht denn das Gesetz ein Kleidergeld nur bei Bedarf vor, oder war die zerschlissene Unterhose, die abgewetzte Jacke, die zu klein gewordene Jeans bisher vorzuweisen ?

    Wo fĂŒhren solche Gedanken in der Praxis hin?:
    Falls ein Klient wirklich zugenommen hĂ€tte, tĂ€te es eine verordnete Hungerkur nicht auch? Also einfach Essensgeld streichen, dann nĂ€hme er ab und passte wieder in die Sachen von frĂŒher, zumindest der Breite nach – und man könnte reinen Gewissens den Kleiderzuschuss streichen?

    Sollte der junge Mann FlĂŒchtling sein, mĂŒsste er sich erst rechtfertigen, warum er nicht in ein heißeres Land marschierte?

    Sollten alte Leute im hohen Alter vorher Frostbeulen vorweisen, bevor ihnen neue Winterkleidung oder ein Heizkostenzuschuss gewÀhrt wird?
    (Damit sich eine Gehaltserhöhung bei den Oberen ausgeht?)

    Glauben Sie, der Kontrollapparat kĂ€me billiger als die bisherigen ZuschĂŒsse?

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  • Mathilde Vietze

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    Zuz “R.G” – Ich weiß nicht, ob ich ihren Kommentar unter die Rubrik
    Realsatire einordnen soll. Und außerdem: Ist es denn so demĂŒtigend,
    wenn jemand sich in der Kleiderkammer holt, was er benötigt?
    Ich kaufe ja viele meiner Klamotten auch im Second-Hand-Shop.

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  • reminder

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    @Mathilde Vietze: Nein R.Gs Kommentar ist nur der Versuch zu erlaeutern, dass ein Rechtsanspruch etwas ist, dass ein Rechtsstaat zu garantieren, nicht aber zu unterlaufen hat, nur weil es theoretisch billigere Varinten gibt. Im Gesetz wird schliesslich der Anspruch nicht eingeschraenkt nach dem Motto: “Grundausstattung nur sofern sich in der Kleiderkammer nichts findet”. Das hat nicht zuletzt etwas damit zu tun, dass Kleiderkammern (zum Glueck) kein verlaessliches Regelangebot darstellen, dass ueberall im Geltungsbereich des Gesetzes vorausgesetzt werden koennte. Sonst muessten sie auch verlaesslich staatlich garantiert und finanziert sein.
    Sie stellen letztlich die Frage : “Muss das sein?” Und die Antwort ist “Ja”, weil ein Gestez genau das tut: Festlegen, was sein muss. Sonst braeuchte man kein Gesetz.

    Solang der Rechtsanspruch also in dieser Form besteht, gilt es ihm gerecht zu werden. Wenn Ihnen der Rechtsanspruch zu weit geht, muessen Sie dessen Aenderung veranlassen, BEVOR sie darueber nachdenken, ihn nur unzureichend zu erfuellen. Letzteres waere naemlich ein Rechtsbruch. Und den sollte kein Amt und kein Gericht begehen. Oder?

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  • R.G.

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    @Mathilde Vietze

    Ganz richtig, im Second Hand Shop gibt es teils sehr gute Kleidung. zu oft höheren Preisen als neue Sachen beim Diskonter.

    Unsere Stadtverwalltung preist in ĂŒbergroßen UmweltbroschĂŒren, fĂŒr deren Papiererzeugung unzĂ€hlige BĂ€ume abgeholzt wurden, die ökologischen Vorteile der Gebrauchtwaren. Sehr lustig vor lĂ€ngerer zeit eine Rechnung, wieviel Holz man nicht verwursten mĂŒsste, wenn man auf bestimmte Fasern verzichtete.

    Hier diskutiert man generell aus zwei BeweggrĂŒnden heftigst ĂŒber Auszahlung eines Teils der Sozialleistungen mittels Gutscheinen.

    Einmal weil angeblich grĂ¶ĂŸere Fallzahlen Kinder aus schwierigen Familien unzureichend gekleidet und ernĂ€hrt im Kindergarten oder in der Schule erscheinen, dann im Zuge der enormen Zuwanderung bevorzugt in unsere Gegend. Was zwingend zum Konkurs der Kommune fĂŒhren muss. Wir sind jetzt schon hoch ĂŒberschuldet.

    Die praktischen Fragen zur Gutschenkultur sind komplex.

    Wo ĂŒberall sollten die Sozial – Gutscheine einlösbar sein?
    Welche Firmen werden den Zuschlag erhalten? Wer schreibt aus? Wie wird die wirtschaftlich attraktive Versorgung der Stadtgegenden, gegen die Pflicht, die Infrastruktur auch in lÀndlichen Bereichen bereitzustellen, gegengewogen?

    Welche Waren welcher Modeausrichtung, mĂŒssen von den Unternehmen/Ausgabestellen gelistet werden, damit es nicht durch die Produktauswahl zur Diskriminierung kommt?

    Halten wir es fĂŒr in Ordnung, wenn, wie bei mir in der NĂ€he, fĂŒr MĂ€nner schreibunte Sportkleidung samt kurzen Hosen, alles mit brachialen Aufdrucken, vorrĂ€tig ist, fĂŒr Frauen aber nur lange verhĂŒllende Mantelkleider in BraungraugrĂŒn, und rutschige KopftĂŒcher in unterbunten Tönen?

    Die Betreiber von Kleiderkammern suchen hĂ€nderingend Textilien und Schuhe in den gefragtesten (Jugendlichen-) GrĂ¶ĂŸen, hier wieder nur modische Sachen. FĂŒr fremdlĂ€ndische Frauen Schnitte, die man hier spĂ€testens seit 1920 nicht trug. Davon gibt es nicht genug Spenden.

    Wollen wir diese Damen von bodenlangen, aber teuren SackhĂŒllen, wie sie erst seit dieser Generation in ihrem Land wieder verlangt wurden, hier in der Kleiderkammer in minikurze und neonleuchtende Skirts zwingen, weil die grad im Überfluss aus unseren SchrĂ€nken ausgeramscht wurden?
    HĂ€ndigen wir ihnen Uromas LodenmĂ€ntel mit Mottenduft aus, und den MĂ€nnern Uropas Lederhosen und GamsbarthĂŒte?

    Wie kontrolliert man die gleichmĂ€ĂŸige und gerechte Verteilung, die richtige Verwendung und Abrechnung? Was kostetc die Kontrollstruktur?

    Bei gewinnbringend gefĂŒhrten Second Hand Shops, wovon es bei uns fĂŒr Erwachsene mit normalem Kleidungsstil hier keine mehr gibt, ist der Faktor hohe Lohnkosten im Vergleich zum niedrigen Umsatz, inzwischen untragbar.

    Nur im kleineren LĂ€den mit Selbstausbeutung des Inhabers, wenn er außerdem keine Miete bezahlen muss, funktioniert es noch.

    Ich bin sehr dafĂŒr, darĂŒber zu diskutieren, wie man Waren in unserem Umraum wiedernutzen kann , aus UmweltĂŒberlegungen, und auch um das Sozialbudget zu entlasten.

    Aber nicht auf Kosten eines zufÀllig herausgepickten jugendlichen EmpfÀngers, also nicht, indem man de facto an einem Exempel neue Gesetze schafft, bevor sie besprochen und beschlossen sind.

    Mein stÀrkstes Argument gegen Kleiderkammern und SozialkaufhÀuser entwickelte sich bei mir in den vergangenen Monaten.
    Unser neuster Kriminalbericht bestĂ€tigt, was die Bevölkerung vorher schon wahrnahm. Die angezeigten sexuellen Gewalttaten stiegen um mehr als 50%, und sie kommen großteils aus einer subjektiv als gefĂ€hrlich empfundenen neuen Herkunftsgruppe.

    In den Warteschlagen vor Sozialeirichtungen bildet sich nun sehr oft das Machtgehabe der in ihren LĂ€ndern durch Geburt allein Herrschenden alarmierend ab. MĂ€nner stehen an der Spitze der Reihe, auch wenn sie spĂ€ter kamen, Frauen, bevorzugt in KopftĂŒchern, mĂŒssen in gebĂŒhrlichem Abstand dahinter ausharren, weil sie nur so vor vor Grabscherei sicher sind, und ohnhin nur den letzten Platz haben sollen. Und die Einheimischen ganz hinten.

    Bei der HĂ€lfte der Schlange ist alles ausgegeben bzw. ausverkauft.

    MIr kommt vor, hier ist die ideologische Schlacht des Westens um die behauptete Gleichstellung der Frau bereits verloren, und damit ein schlimmes Signal gegeben.

    Jede Vermeidung von Warteschlangen vor Ausgabestellen mĂŒsste fĂŒr mich daher erste PrioritĂ€t haben.

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  • R.G.

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    @reminder

    Sie formulieren richtiger als ich, was ich denke, wenn sie schreuiben:
    ” ist nur der Versuch zu erlaeutern, dass ein Rechtsanspruch etwas ist, dass ein Rechtsstaat zu garantieren, nicht aber zu unterlaufen hat, nur weil es theoretisch billigere Varinten gibt.”

    Ich bemerke, mich rĂŒhrt noch etwas ganz stark.
    Einen Rechtsanspruch eines konkreten BedĂŒrftigen als selbstverstĂ€ndlich zu erfĂŒllende Bringschuld zu sehen, ist fĂŒr mich auch Ausdruck der Achtung vor dem Rechtsstaat.

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  • hutzelwutzel

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    @Mathilde Vietze:

    Ich versuche Ihre Argumentation mit der Winterkleidung aus dem vergangenen Jahr zu verstehen. Aber sind wir in Deutschland wirklich wieder mal so arm, dass wir unseren BedĂŒrftigen nichts passendes, der Zeit angemessene Dinge geben können? Erwarten wir dann, dass sich der Jugendliche hier selbst in der Schule sozial stigmatisiert und man eine weitere Person fĂŒrs immer grĂ¶ĂŸer werdende Heer der PrektĂ€rarbeiter hat?
    Tut mir leid, aber in diesem Staatswesen – ich meine Bayern – lĂ€uft gewaltig was schief, und wir werden sehen ob dies nicht doch in den Abgrund fĂŒhren wird.

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  • hutzelwutzel

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    Es ist doch schon beachtlich, dass es ein SPD-Kanzler mit seiner Agenda geschafft hat, dass StaatsbĂŒrger sich gegenseitig selbst nichts mehr vergönnen, obwohl Geld in HĂŒlle und FĂŒlle vorhanden ist/ eingenommen wird.
    Wie wird dies eigentlich, wenns Geld mal nicht mehr so sprudelt, wenn Deutschland keine Waffen mehr verkaufen kann und die Digitalisierung eine Vielzahl von Leuten arbeitslos macht?
    Fallen wir dann ĂŒbereinander her?

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  • hutzelwutzel

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    Ich muß trotzdem etwas los werden, was mir fast schon eine Sympathie fĂŒr die Äusserung des tĂŒrkischen StaatsprĂ€sidenten zum deutschen System entlockt:

    Das Jobcenter ist der kommunale Teil der Arbeitslosenvermittlung. Die Kommune bekommt pro BĂŒrger, ob dieser nun reich oder arm ist, vom Bund Geld. Auch fĂŒr Bauvorhaben und sonstige Dinge, die nach der Bevölkerungszahl bemessen werden.
    Warum sollte man nicht mal ĂŒberlegen den Kommunen diese Dinge fĂŒr diejenigen Personen zu streichen, welche arbeitslos oder prekĂ€r beschĂ€ftigt sein mĂŒssen, nur weil es die Kommune nicht auf die Reihe bringt hier annehmbare, gut bezahlte ArbeitsplĂ€tze zu schaffen oder zu erhalten.
    BilligarbeitsplĂ€tze zu schaffen ist keine Kunst, wie es auch keine Kunst ist Leute als “minderwertig”, “arbeitsscheu” etc. hinzustellen. Dies konnten schon die Nazis, Ă€h “die Deutschen im nationalsozialistischen Staat”. Die Nazis nĂ€mlich kamen nicht vom oder von hinter dem Mond, es waren Deutsche wie du und ich.

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  • Mathilde Vietze

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    Verehrte Kommentatoren, jetzt habe ich endlich kapiert,
    worum es geht: Der Staat ist an allem Übel schuld. Begriffe
    wie Selbstverantwortung oder gar Selbstverschulden sind
    selbstverstĂ€ndlich ‘Totschlagafgumente, die aus der rechten
    Ecke kommen. Und weil dem so ist, hat der Staat die Pflicht,
    jedem seine WĂŒnsche zu erfĂŒllen. Er darf sich aber dabei nicht
    die Frechheit erlauben, nachzufragen, woher die HilfsbedĂŒrf-
    tigkeit kommt. Ich danke Ihnen allen aufrichtig fĂŒr Ihre so aus-
    fĂŒhrliche AufklĂ€rung. Ihnen allen gelten meine besten GrĂŒĂŸe
    und WĂŒnsche.

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  • reminder

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    @hutzelwutzel (um 16:39):

    Ja, ich fĂŒrchte, wenn die Ressourcen knapp werden, werden sich die kleinen Leute eher gegenseitig zerfleischen, statt sich an die wirklich Verantwortlichen zu halten. Das tun sie ja im Prinzp jetzt schon. AfD & Co (und da kann man dann auch getrost die Bild dazu zĂ€hlen) mobilisieren ja primĂ€r gegen Migranten und angebliche ‘Sozialschmarotzer’ (weil gegen die trauen sich die Leute noch halbwegs). Sie mobilisieren nicht gegen die Verantwortlichen. Nicht gegen die eigentlichen Profiteure der aktuellen Situation. Die sind in ihren Sicherheitszonen und gut geschĂŒtzten BĂŒros auch nur schwer zu erreichen. Außerdem hoffen die FunktionĂ€re der Populisten ja darauf, selbst auch mal in den Genuss der Zuwendungen dieser Eliten zu gelangen, wenn sie die etablierten politischen KrĂ€fte erst einmal abgelöst haben. Man muss sich nur die osteuropĂ€ischen Populisten Ă  la Orban & Co ansehen, um sich vorstellen zu können, wie das dann lĂ€uft.

    Im Übrigen unterstellt die Staatsanwaltschaft ja sogar unserem BĂŒrgermeister, dass er sich von den mutmaßlich kriminellen Elementen der Baulobby kaufen ließ, statt sich – wie er im Wahlkampf versporchen hat – fĂŒr erschwinglichen Wohnraum fĂŒr jedermann einzusetzen. Und was machen wir? Wir feilschen allen Ernstes darum, ob man einem weitgehend mittellosen Jugendlichen – nur weil es im Gesetz steht – auch wirklich Wintersachen zugestehen sollte oder nicht!!!!

    Speziell an die Zeitgenossin mit sozialdemokratischem Parteibuch: Ist das die SolidaritÀt, die in Ihren Parteistatuten so oft beschworen wird?

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  • Angelika Oetken

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    @hutzelwutzel,

    schwierig wird der Verzicht wohl vor Allem fĂŒr die, bei denen das Geld sprudelt, ohne dass sie dafĂŒr je eine entsprechende Gegenleistung erbracht hĂ€tten. Alle Anderen, und die stellen die Mehrheit der Bevölkerung bei uns, haben gelernt, irgendwie klar zu kommen, mit dem, was sie einnehmen. GrundsĂ€tzlich leben wir in einem ziemlich friedlichen Land. Wenn es nur nicht so viele RaffzĂ€hne gĂ€be ;-)

    VG
    Angelika Oetken

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  • R.G.

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    @Mathilde Vietze
    Von Ihnen darf man aufgrund Ihrer beruflichen Vorgeschichte einen professionell respektvollen Ton erwarten. Hier bekamen wir eine Kostprobe davon. Ich zitiere:
    “Verehrte Kommentatoren, jetzt habe ich endlich kapiert,
    worum es geht: Der Staat ist an allem Übel schuld. Begriffe
    wie Selbstverantwortung oder gar Selbstverschulden sind
    selbstverstĂ€ndlich ‚Totschlagafgumente, die aus der rechten
    Ecke kommen. Und weil dem so ist, hat der Staat die Pflicht,
    jedem seine WĂŒnsche zu erfĂŒllen. Er darf sich aber dabei nicht
    die Frechheit erlauben, nachzufragen, woher die HilfsbedĂŒrf-
    tigkeit kommt.”

    Von linken oder rechten Ecken wurde hier zuletzt nicht gesprochen, vielleicht gelingt es Ihnen, zu bemerken, dass diese Einteilung von den jetzigen Diskussionspartnern derzeit und hier nicht gebraucht wird.

    Zu ihrer Meinung:
    ” Der Staat ist an allem Übel schuld. “…….”Und weil dem so ist, hat der Staat die Pflicht,
    jedem seine WĂŒnsche zu erfĂŒllen. Er darf sich aber dabei nicht
    die Frechheit erlauben, nachzufragen, woher die HilfsbedĂŒrf-
    tigkeit kommt.”
    Sie werfen hier in Ihrem Zorn eine neue Frage auf, vorher ging es Ihnen um Kleiderammer-Almosen und Gebrauchtware
    Aber ich antworte trotzdem gerne auf Ihre mutmaßlich dahinterliegenden Anliegen:
    Der Staat muss und soll transparent machen, was er bedingungslos zumisst, und was nur nach Nachweis und Kontrolle besonderer und akuter BedĂŒrftigkeit, fallweise ausgesuchten Personen, oder in AbstĂ€nden Vielen gewĂ€hren will.

    Was nicht in Ordnung ist, im Gesetz völlig Anderes zu schreiben, als interne Memos und Weisungen von Mitarbeitern jener staatlichen Stellen verlangen, wo der Bedarf eingereicht werden muss.
    Der Staat darf kein gespaltenes Gesicht zeigen, er darf keinen Substaat im Staat errichten wollen.

    Da ich selbst immer Bescheidenheit pflegte und Überflussgetue schlecht verstehe, habe ich fĂŒr Ihre Nachfrage grundsĂ€tzlich sehr großes VerstĂ€ndnis.
    Ich lebte und lebe stets mitten unter Zuwanderern, und möchte an ihrem Beispiel erlÀutern, wie und weshalb sich meine Einstellung radikal wandelte.
    FrĂŒher erwartete man in unserem Viertel die Gastarbeiter mit “Willkommen”- Plakaten, dann fĂŒhrte man sie zu bestimmten desolaten HĂ€usern mit Massenquartieren zu horrenden Preisen. Nicht immer bekamen sie fĂŒr ihre harte körperliche Arbeit Bezahlung, angemessene noch weniger. Sie lernten sehr bald, hier ist das Land, wo nichts als wahr genommen werden , und jeder jeden besch.. darf. Auf der anderen Seite schmiss man sie in christlichen Anwandlungen mit abgelegten KonsumgĂŒtern und Gebrauchtkleidung zu. Wenn sie mangels Waschmöglichkeit röchen, sollten sie halt was Neues anziehen.

    Es gab fĂŒr Arbeit nicht die angemessene Leistung, fĂŒr hohe Miete kein menschenwĂŒrdiges Wohnen, und auf der anderen Seite, Wert und Preis von Kleidung und GĂŒtern konnte nicht gelernt werden. Es machte den Eindruck, als hĂ€tten die Einheimischen, aber sie nicht, alles im Überfluss.

    Auf so großem Ungleichgewicht ließen sich gleichwertige Beziehungen, ließ sich Integration nicht aufbauen.

    Heute sehe ich die Notwendigkeit, unsere jungen Menschen und auch die Zuwanderer sofort erleben zu lassen, was der wahre Preis der Dinge ist, und sie gleichzeitig ebenso vor Ausbeutung zu schĂŒtzen.

    Ohne moralische IntegritÀt unsererseits, ist keine Achtung vor unserer Kultur möglich!

    Wenn Sie sich einen bewussteren und weniger konsumbetonten Umgang mit Dingen wĂŒnschen, und Förderung von Eigenverantwortung, so sollten Sie, gerade Sie mit ihren Verbindungen, in politischen Gruppen und in Leserbriefen wie Postings ein Umdenken anregen, ohne polemisch einzelne Personen fĂŒr die Inanspruchnahme des jetzt ihnen Zustehenden, zu stigmatisieren.

    SchĂŒrten Sie statt dessen Neid gegen einzelne EmpfĂ€nger sozialer Hilfen der heutigen Form, wĂ€re das ein ZĂŒndeln. Und das wollen sie gewiss nicht, oder?

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  • Mathilde Vietze

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    Zu R.G. Vielen Dank dafĂŒr, daß Sie sich so ausfĂŒhrlich mit meinem Kommentar
    beschÀtigen. Stefan Aigner, dessen Arbeit ich sehr schÀtze, auch wenn ich oft
    ganz anderer Meinung bin als er, hat es aus nachvollziehbaren GrĂŒnden nicht
    so gerne, wenn auf RD “ZwiegesprĂ€che” stattfinden. Aus diesem Grunde schlage
    ich vor, daß wir uns – falls Sie noch weitere Fragen klĂ€ren möchten – privat tref-
    fen. Ich lade Sie gerne auf ein Glas Wein ein. Über eine Kontaktaufnahme wĂŒrde
    ich mich sehr freuen. bis dahin begleiten Sie meine besten GrĂŒĂŸe und WĂŒnsche.

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