„Mit Gott für Deutschland“ - Teil IV unserer Recherche

Instrumentalisierung eines Justizmordopfers

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Vor 90 Jahren wurde Michael Buchberger ins Bischofsamt gehoben. Wie kaum ein zweiter Kirchenhierarch hat Buchberger den Nationalsozialismus begrüßt. Da Buchbergers zweideutiges Verhältnis zum Nationalsozialismus, seine bedenklichen Wortmeldungen und antisemitischen Werke bislang nicht untersucht worden sind, sollen in einer vierteiligen Aufsatzserie wesentliche Aspekte dieser stadtgeschichtlich relevanten Zusammenhänge skizziert werden. Vierter und letzter Teil unserer Serie.

Instrumentalisierte Domprediger Johann Maier, um von seiner eigenen Rolle im II. Weltkrieg abzulenken: Michael Buchberger (hier 1950 bei einer Gedenkveranstaltung am Dachauplatz). Foto: Stadt Regensburg

Instrumentalisierte Domprediger Johann Maier, um von seiner eigenen Rolle im II. Weltkrieg abzulenken: Michael Buchberger (hier 1950 bei einer Gedenkveranstaltung am Dachauplatz). Foto: Stadt Regensburg

Dass Regensburg am 27. April 1945 von den amerikanischen Truppen ohne Kampfhandlungen eingenommen werden konnte, hielt man lange Zeit für eine Auswirkung der Demonstration vom 23. April, auf der eine kampflose Übergabe gefordert wurde. Unter der zusammengekommenen Menschenmenge, angeblich mehrheitlich Frauen, befand sich auch der Domprediger Johann Maier, der die Anwesenden zur Ordnung aufrief und an sie appellierte, man dürfe keinesfalls Forderungen stellen, sondern bei der örtlichen NSDAP-Führung allenfalls um eine kampflose Übergabe der Stadt bitten. Noch bevor er ausreden konnte, wurde Maier verhaftet, am gleichen Tag standrechtlich verurteilt und nachts darauf auf dem Moltkeplatz hingerichtet. Deshalb gilt Dr. Johann Maier seit den ersten Nachkriegstagen als Märtyrer und katholische Identifikationsfigur, die den Opfertod zur Verschonung der Stadt gestorben sei.

Instrumentalisierung des Justizmordopfers

Als einer der Ersten benutzte Bischof Buchberger das Schicksal des in den Morgenstunden des 24. April gehängten Dompredigers Johann Maier, um seine Weltsicht zu untermauern und NS-Verstrickungen zu überdecken. Bereits im Gedenkgottesdienst vom 13. Mai 1945 äußerte sich Buchberger über Johann Maier, so wie er in den Kriegsjahren über die Heldensöhne der Wehrmacht generell gesprochen hatte: Maier, ein „Kriegsopfer“ mit zermarterter Seele, habe „sich für die Stadt Regensburg und ihre Bewohner geopfert“. Maier sei aber „nicht als Aufwiegler oder Rechtsbrecher aufgetreten“, sondern habe das stürmische und die kampflose Übergabe fordernde Volk „zum Gehorsam gegen die staatliche Autorität“ aufgefordert.

Das unglückliche Handeln des Dompredigers Johann Maier und die Demonstration vom 23. April hatten jedoch keinerlei Auswirkungen auf die damaligen Ereignisse und die kampflose Übergabe der Stadt. Eine beabsichtigte „Selbstopferung“ oder ein Märtyrertum Maiers ist bis heute nicht logisch herzuleiten und ebenso wenig historisch zu belegen. Nur mit interessensgeleiteten (kriegs)theologischen Umdeutungen kann man zu der Klassifizierung „Märtyrer“ kommen. Im oben genannten Gedenkgottesdienst von Mai 1945 wurde das Fundament gelegt für den bis heute andauernden Märtyrerkult um Johann Maier, der vor seiner Verhaftung keinen Repressalien ausgesetzt gewesen war und sein Amt als Domprediger systemkonform ausgeübt hatte.

Die Deutschen als armes Volk

Im ersten Hirtenwort nach Kriegsende vom Juni 1945 zeichnete Bischof Buchberger die Deutschen als notleidendes Opfer des Krieges: „Wir sind ein armes Volk geworden“. Die Fliegerangriffe hätten kostbares Leben und mühevoll Aufgebautes in Minuten zerstört. Was die Bomben und Flammen übrig gelassen hätten, sei „vielfach ein Opfer von Plünderungen und des Raubes“ geworden. Es gelte nun bereitwillig und opferfreudig zusammenzustehen, den „lieben Diözesankinder“ stehe ein langer mühseliger Wiederaufbau bevor, der in „Not- und Liebesgemeinschaft“ geleistet werden solle. Es gelte aufzubauen, was durch das „Verlassen der göttlichen Wahrheiten und Übertretung der göttlichen Gebote niedergerissen“ worden sei.

341-28a Buchberger 1950

Auch der erste von der amerikanischen Militärregierung eingesetzte Bürgermeister Regensburgs, Gerhard Titze, beteiligte sich an der Legendenbildung und Überbewertung der Handlungen des Dompredigers Maier. In seiner Bekanntmachung Nr.1 vom 14. Juni 1945 gab er bekannt, dass die Ritter-von-Epp-Straße zur Erinnerung an den „aufrechten und edlen Priester“ in Dr.-Johann-Maier-Straße umbenannt werde. Domprediger Maier sei dafür, „daß er in echtester Nächstenliebe sich für die Verwundeten und Kranken einsetzte und darum bat, die Stadt nicht im aussichtslosen Kampf zu verteidigen“, zum Tode verurteilt worden und den Opfertod gestorben. Weiter ordnete Titze an, dass nach der Wiedereröffnung der Schulen in allen Klassen jeweils am 24. April des Dompredigers Dr. Maier bzw. seines Einsatzes für die Rettung der Stadt gedacht werden soll. „Wir wollen dieses niemals vergessen!“, lautete die gedenkpolitische Order.

Selbstgefällig: Warnende Bischöfe und unwissendes Volk

Einen Monat später wandte sich Buchberger im gemeinsamen Hirtenwort mit den bayerischen Bischöfen vom Juli 1945 in einer selbstgefälligen und abenteuerlichen Erklärung an seine Diözesanen: Teile der „herrschenden Geister und Gewalten in unserem Vaterlande“ hätten „ja in der Vergangenheit einen Krieg auf Leben und Tod geführt gegen den wahren Gott und Vater im Himmel und vor allem gegen seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn und Heiland Jesus Christus“. Dessen Namen hätten sie, die herrschenden Geister, „aus den Herzen der Menschen reißen und aus der Geschichte des deutschen Volkes auslöschen“ wollen.

Die deutschen Bischöfe aber hätten, „wie ihr selber wißt, von Anfang an vor den Irrlehren und Irrwegen des Nationalsozialismus ernstlich gewarnt“ und auf die Folgen hingewiesen, weshalb sie zugleich mit „dem Klerus schärfster Anfeindung und Bekämpfung ausgesetzt“ gewesen seien. Sogar „an den Führer selbst“ hätten sich die Bischöfe mit gemeinsamen Denkschriften gewandt. Der größte Teil des katholischen Volkes hätte unter all dem gelitten und „das Ende dieses Glaubenskampfes nicht weniger sehnlich herbeigewünscht wie das Ende des Krieges.“ Von den „Unmenschlichkeiten, die in den Konzentrationslagern gegen meist unschuldige Menschen begangen wurden“, hätte das deutsche Volk mit wenigen Ausnahmen keine Kenntnis gehabt und sei nunmehr es umso mehr aufs tiefste erschüttert.

Für Christen sei es die heiligste Pflicht, „solche Untaten vom Grund des Herzens zu verabscheuen und zu verurteilen und innige Teilnahme jenen zu schenken“, deren einziges Vergehen in der Treue zu Christus und zum Glauben der Väter bestanden hätte. Die „Verbrechen der Schuldigen“ dürfen aber nicht „dem ganzen deutschen Volk zur Last“ gelegt werden. Abschließend hofften die bayerischen Bischöfe, aus den Trümmern und Ruinen mit Gottes Hilfe ein „neues christliches Deutschland aufbauen“ zu können und erbaten hierzu wieder einmal Gottes Gnade und Segen.

Von der Kriegspropaganda zur Rechristianisierung

Untersucht man das oben genannte Hirtenwort, zeigt sich, dass darin alle wesentlichen Aspekte der Schuldabwehr und Verantwortungsverweigerung ausformuliert sind, die die deutsche Nachkriegszeit geprägt haben. Dass Buchberger einen christlichen Antisemitismus propagierte, den nationalen Aufbruch des Nationalsozialismus 1933 begrüßte und 1939 glaubte, mit der pseudoreligiösen Parole „Mit Gott für Deutschland“ für die Angriffs- und Vernichtungskriege mobilisieren zu müssen, blieb in Regensburg ein offenes Geheimnis, für das er danach keine öffentliche Rechenschaft ablegte.

Buchbergers abwegige Deutung, wonach die Nazis einen Krieg gegen den Gottvater seinen „eingeborenen Sohn, unseren Herrn und Heiland Jesus Christus“ geführt hätten und der katholische Klerus aufs schärfste bekämpft worden sei, steht im augenfälligem Widerspruch zu seinen Ansprachen während des Krieges. In diesen hieß es zunächst, der Krieg sei eine Notwehr und gerecht, gegen Ende dann, er sei ein ungerechter Bombenkrieg gegen das deutsche Volk. Jedenfalls gab Bischof Buchberger stets vor, dass er für göttlichen Schutz und Segen sorgen könne.

Mit seiner pseudo-religiösen und nivellierenden Erklärung, wonach die Ursache für die NS-Verfolgung nicht in der rassistischen und antisemitischen Vernichtungspolitik des NS-Regimes, sondern in der fehlenden Treue zu Christus und zum Glauben der Väter gelegen habe, stand Buchberger freilich nicht alleine dar. Auch seine Bischofskollegen teilten diese Sicht und sahen in der Rechristianisierung der deutschen Gesellschaft ein unbedingtes Gebot der Stunde, das in den ersten Nachkriegsjahren sogar von der amerikanischen Militärregierung unterstützt wurde. Heutzutage gilt die Idee der Rechristianisierung zur Bewältigung des Nationalsozialismus als verfehlt und ihre Umsetzung als gescheitert.

Rechristianisierung und antisemitisches Stereotyp

Buchberger benutzte den nationalsozialistischen Justizmord an Maier nicht nur für die angestrebte Rechristianisierung, er instrumentalisierte die Vorgänge auch, um sich selber im Vorfeld der kampflosen Übergabe als Beteiligten und Beschützer der Stadt zu inszenieren. In der Predigt von Ostern 1946 behauptete Buchberger, dass er wenige Tag vor der Übergabe Regensburgs in einem Gespräch mit dem damaligen Kampfkommandanten den Eindruck gewonnen habe, dass dieser „eine sinnlose und aussichtslose Verteidigung der Stadt vermeiden wolle.“

Die 1950 eingeweihte Gedenktafel für Josef Zirkl und Johann Maier am Dachauplatz. Foto: Stadt Regensburg

Die 1950 eingeweihte Gedenktafel für Josef Zirkl und Johann Maier am Dachauplatz. Foto: Stadt Regensburg

Der Priester Maier sei bei finsterer Nacht von den Machthabern zum „schimpflichsten Tode“ durch den Strang verurteilt worden, so Buchberger. In einem Andeutungskonstrukt stellte er den Tod von Domprediger Maier als Parallele zum erlösenden Kreuzestod des Gottessohnes hin:

„Wer erinnert sich nicht an das Wort des Heilandes an die jüdische Rotte: ‚Das ist eure Stunde die Macht der Finsternis‘!“

Warum identifizierte Buchberger in seiner Andeutung die mordenden Nazis unverblümt mit einer „jüdischen Rotte“? Welches antisemitische Bedürfnis wollte er stillen? Ins Bild passt, dass er wenige Tage zuvor im Dom „vom Haß und Hohn des jüdischen Volkes“ predigte, die zum Tod des Gottessohnes geführt hätten. Buchberger scheint für die Rechristianisierung gezielt antisemitische Stereotype eingesetzt zu haben.

Stadtgesellschaft gedenkt Domprediger Maier

Die Gedenktafel für Michael Lottner (auf der Tafel fälschlicherweise als Hans bezeichnet) hing bis Mitte der 50er Jahre an einem Gebäude in der D._martin-Luther-Straße. Heute steht dort das Gebäude der IHK. Foto: Stadt Regensburg

Die Gedenktafel für Michael Lottner (auf der Tafel fälschlicherweise als Hans bezeichnet) hing bis Mitte der 50er Jahre an einem Gebäude in der D.-Martin-Luther-Straße. Heute steht dort das Gebäude der IHK. Foto: Stadt Regensburg

Nicht nur Bischof und Bürgermeister instrumentalisierten den toten Domprediger für eigene Zwecke. In der von der amerikanischen Militärregierung eben lizensierten Mittelbayerischen Zeitung Nr. 1 vom 23. Oktober 1945 war zu lesen, Domprediger Dr. Maier sei für die Heimat und Menschlichkeit gestorben. Autor des Artikels war Ludwig Hämmerle, der in der Nazizeit als Schriftleiter des Sonntags- und Bistumsblatt für die regelmäßig gedruckte NS-Propaganda verantwortlich zeichnete und sich in der Nachkriegszeit über seine diesbezügliche Beteiligung ausschwieg.

Auf Geheiß der amerikanischen Militärregierung ordnete Bürgermeister Titze am 10. März 1946 eine Namenänderung für den Moltkeplatz an, auf dem Johann Maier hingerichtet wurde. Zum Gedenken an die Opfer des Konzentrationslagers Dachau trägt dieser seitdem die Bezeichnung „Dachauplatz“. Zum fünften Jahrestag des Todes des Dompredigers gedachte die Stadt unter OB Zitzler auch den zusammen mit Maier getöteten Michael Lottner und Josef Zirkl. Am Ort der Hinrichtung wurden hierzu im April 1950 zwei Gedenktafeln enthüllt und Bischof Buchberger meinte in seiner Predigt betonen zu müssen: „die Stadt Regensburg als solche“ gehöre nicht zu den Tätern. Vielmehr könne er bezeugen, dass sie damals „zutiefst erschüttert“ über die Vorgänge gewesen sei.

Das öffentliche Gedenken an das Justizmordopfer Johann Maier und die Toten aus Dachau scheint die Jahre darauf an Bedeutung verloren zu haben. Erst nachdem Anfang der 1970er Jahre linke Antikriegsgruppen ihrerseits an die Demonstration vom 23. April 1945 zur kampflosen Übergabe der Stadt erinnert hatten, wurde das Maier-Gedenken vom seinerseits nationalsozialistisch belasteten Bischof Rudolf Graber wieder aufgegriffen. Im November 1975 weihte Graber zusammen mit OB Schlichtinger zum Gedenken an Domprediger Maier, Michael Lottner und Josef Zirkl eine Stele ein, die bis heute am Dachauplatz steht.

Die Einweihung der Stele durch OB Rudolf Schlichtinger im November 1975. Foto: Stadt Regensburg

Die Einweihung der Stele durch OB Rudolf Schlichtinger im November 1975. Foto: Stadt Regensburg

Doch zurück zu Buchberger und der Frage, wie Regensburger Autoren nach dem Krieg mit dessen Schriften, Hirtenwörtern, Predigten und Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus umgingen?

Ausblendung von Buchbergers Kampf gegen das Judentum

Paul Mai verschwieg  Foto von 1985: Horst Hanske/ Bilddokumentation der Stadt Regensburg

Paul Mai, lange Jahre Leiter des Diözesanarchivs, verschwieg Buchbergers Affinität zum Nationalsozialismus gänzlich. Foto von 1985: Horst Hanske/ Bilddokumentation der Stadt Regensburg

Dr. Michael Buchberger, Inhaber der Goldenen Bürgermedaille, gilt im Regensburger Diskurs als Warner vor dem Nationalsozialismus und als dessen Gegner. Kirchenloyale und kirchenabhängige Historiker, Theologen und Publizisten sehen in ihm teils einen kämpferischen, teils einen besonnenen Hirten, der seine Herde mit Klugheit und Weisheit erst vor der braunen Gefahr gewarnt und später vor dem Nazi-Regime geschützt habe. Dass Buchberger eine Reihe von antisemitischen Positionierungen hinterlassen und das verbrecherische NS-Regime bis zuletzt im Vernichtungskrieg gestützt hat, hinderte die Stadtpolitik nicht daran, es Straße nach ihm zu benennen.

 

Der ehemalige Leiter des Diözesanarchivs, Paul Mai (Amtszeit von 1971 bis 2014), der fast fünf Jahrzehnte Regensburger Kirchengeschichte schrieb und den Diskurs wie kein anderer prägte, ignorierte Buchbergers Affinität zum Nationalsozialismus und seine Kriegsunterstützung gänzlich. In „Das Bistum im Dritten Reich“ (1981) sieht er in Buchbergers Rettungsschrift nur eine frühe Warnung gegen die Nationalsozialisten. Problematisches wird weggelassen oder schöngefärbt. Auch andere kirchliche Autoren legten bislang keine unvoreingenommene Bestandaufnahme vor, was auch an dem bis zum Jahre 2021 gesperrten Nachlass Buchbergers liegen mag.

Ein Kokon von Lebenslügen und Apologien

Der aktuell in Regensburg waltende Lehrstuhlinhaber für Kirchengeschichte, Dr. theol. Klaus Unterburger (geb. 1971), hat sich in seinem Aufsatz „Schwarz und kirchentreu, arm und eingeschüchtert? Katholisches Milieu und Nationalsozialismus in der Oberpfalz“ (2013) ausdrücklich mit Buchbergers Haltung im Nationalsozialismus und seinen Schriften befasst. Von Buchbergers überaus bedenklichen Äußerungen erwähnt er, ohne weiter darauf einzugehen oder sich zu einer Bewertung hinreißen zu lassen, nur die vergleichsweise harmlos klingende vom „unguten Einfluss“ des Judentums auf die deutsche Vorkriegsgesellschaft. Auf den in Buchbergers Lexika propagierten christlichen Antisemitismus geht Unterburger nicht ein. Stattdessen beschäftigt er sich mit der Suche nach katholischer Resistenz und milieubedingten widerständischen Handlungen im NS-Regime.

Problematisiert wird im städtischen Diskurs allenfalls, dass Buchberger den am 24. April 1945 hingerichteten Domprediger Johann Maier nicht beigestanden habe, als dieser vor das nationalsozialistische Standgericht gezerrt wurde. Sein Desinteresse gegenüber allen anderen NS-Opfern hingegen wird nicht hinterfragt. Dass Buchberger sich mit seinem posthum zum Märtyrer erklärten Domprediger Maier gleich nach dessen Tod schmückte, verbindet ihn jedoch mit jenen Akteuren, die die Institution der katholische Kirche, ihre Hierarchen, Klerikern und Laien vornehmlich als Opfer des NS-Regime betrachten, die stille Duldung, das tiefe Einverständnis und die weitreichende Kollaboration von Katholiken mit dem NS-Regime aber ausblenden. Das vielgerühmte und vielzitierte katholische Milieu hat sich diesbezüglich in einen Kokon von Lebenslügen und Apologien verstrickt.

Suche nach dem katholischen Widerstand

Kirchenloyale Arbeiten bemühen sich seit Jahrzehnten, die Verantwortung der katholischen Parteien und die Wahlentscheidung von katholischen Bürgern für die Hitlerpartei klein oder weg zu reden. Dabei wird sich auf eine tatsächlich feststellbare Tendenz gestützt, der zufolge mehrheitlich protestantische Wahlkreise eine etwas höhere Zustimmungsquote für die NSDAP aufweisen als katholisch dominierte.

Mit der Annahme, praktizierte Gläubigkeit im katholischen Milieu sei mit nationalsozialistischer Ideologie unvereinbar, verfolgen diese Ansätze im zweiten Schritt die These, eine katholische Milieu-Prägung hätte zu unangepasstem bis widerständischem Verhalten im NS-Regime geführt. Um eine praktizierte katholische Milieu-Gläubigkeit feststellen und bewerten zu können, ziehen diese Arbeiten erstellte Statistiken über verteilte Kommunionen heran. Genauer: es wird das Verhältnis aus dem Jahresdurchschnitt der verteilten Kommunionen zu dem Anteil der zu Ostern ausgeteilten gebildet und darüber die Wertigkeit des Milieus bestimmt.

Michael Buchberger bei der Feier seines 35jährigen Bischofsjubiläums 1953. Foto: Stadt Regensburg

Michael Buchberger bei der Feier seines 35jährigen Bischofsjubiläums 1953. Foto: Stadt Regensburg

Da gravierende Anpassungsleistungen und offene Kollaboration von Klerikern und katholischen Laien mit dem Nationalsozialismus auch diese Ansätze möglicherweise in Frage stellen würden, wird dergleichen ausgeblendet. Der bereits erwähnte Regensburger Theologe Dr. Klaus Unterburger hat diese Aufspürmethode in seinem Aufsatz „Katholisches Milieu und Nationalsozialismus in der Oberpfalz“ (2013) angewandt und kommt, was Wunder, zu einem quasi vorprogrammierten Ergebnis. Da Unterburger nur Wahlergebnisse bis 1932 heranzieht, und die unschicklichen von März 1933 willkürlich ignoriert, gelingt es ihm besonders leicht, den gesuchten katholischen Widerstand auch in seinem Untersuchungsfeld aufzuspüren.

Katholischer Widerstand in der Oberpfalz

Für die Oberpfalz bilanziert Unterberger: Obgleich es auch antiklerikales Verhalten innerhalb der Katholikenschaft gegeben habe, hätte die „Loyalität der katholischen Bevölkerung zum Staat als Folge von dessen Religionspolitik und im Krieg“ deutlich abgenommen. Wo Glauben und Kirchen als Heilsinstitutionen in Frage gestellt worden seien, habe „das Milieu resistentes und widerständiges Verhalten“ gezeigt. Während es zunächst nicht um „Widerstand im engeren politischen Sinn“, sondern um die eigene religiöse Lebenswelt gegangen sei, hätte das Verbot von Schulgebet und Schulkreuz zu „Widerstandshandlungen“ geführt.

Konkret handelnde Personen kann Unterburger allerdings nicht benennen, deshalb wird das anfangs konstatierte katholische Milieu zum Quasiakteur des Widerstands. Das Fehlen konkreter Akteure liegt wohl auch an Unterbergers hauptsächlichen Quellen: den von nationalsozialistischen Regierungspräsidenten (Niederbayern/Oberpfalz) erstellten und mehr oder weniger antikatholisch eingefärbten Monatsberichten, die ihrerseits keine handelnden Personen beschreiben, sondern nur über das „gläubige Volk“ als Kollektiv missgünstig berichten.

Zu welchem Ergebnis kommt man, wenn der Glaube an das antinationalsozialistisch-katholische Milieu in seiner Reinform zu Ende gedacht wird? Nicht die Katholiken waren es, die den Nationalsozialismus 1933 an die Macht gebracht haben, sondern die Un- und Andersgläubigen. Um ein aktuelles und krasses Beispiel für diese selbstbetrügerische Weltsicht nennen zu können, muss man in Regensburg nicht lange suchen.

Katholische Gebiete und Hitlers Ermächtigung

In seiner Predigt vor dem Landeskomitee der bayerischen Diözesanräte vom 24. April 2015 stellte Bischof Rudolf Voderholzer ebendiese fragwürdige katholische Ausdeutung vor. In seiner Ansprache anlässlich des 70. Jahrestags der Ermordung von Domprediger Dr. Johann Maier meinte Voderholzer seine Zuhörer daran erinnern zu dürfen, was mit Kartenmaterialien und Statistiken eindrucksvoll belegt sei:

„Je höher der Anteil der Katholiken, desto niedriger die Wahlergebnisse für die NSDAP. Wenn alle in Deutschland 1933 so abgestimmt hätten wie die katholischen Gebiete in Niederbayern und der Oberpfalz, dann wären die Nazis zumindest nicht legal an die Macht gekommen.“

Ein Blick auf die tatsächlichen Wahlergebnisse des Regierungsbezirks entlarvt Voderholzers Erinnerung als Geschichtsklitterung. Im Bezirk Niederbayern/Oberpfalz erreichte die NSDAP bei der Reichstagswahl im März 1933 mit 39,2 Prozent nämlich die Mehrheit der Stimmen und verwies die BVP mit 37,6 Prozent auf Rang zwei, bei einer Wahlbeteiligung von fast 83 Prozent. Um das Wahlergebnis in anschaulicheren absoluten Zahlen auszudrücken: von etwa 718.000 gültigen Stimmen stimmten über 281.000 Wähler für die Hitlerpartei und gut 270.000 für die BVP.

Kennt Rudolf Voderholzer die richtigen Zahlen und Zusammenhänge nicht, oder verbreitet er wider besseres Wissen eine katholische Entlastungspropaganda? Foto: Archiv/ Staudinger

Kennt Rudolf Voderholzer die richtigen Zahlen und Zusammenhänge nicht, oder verbreitet er wider besseres Wissen eine katholische Entlastungspropaganda? Foto: Archiv/ Staudinger

Da das Gebiet des Bezirks fast deckungsgleich mit dem des Regensburger Bistums ist, kann der Anteil der Katholiken aus der kirchlichen Statistik des Jahres 1933 entnommen werden. Die etwa 955.000 Katholiken stellten demnach rund 90 Prozent der gesamten Bistumsbevölkerung. Das heißt insgesamt, auch im stark katholisch dominierten Regierungsbezirk Niederbayern/Oberpfalz hätte NSDAP und BVP im März 1933 die erforderliche Zweidrittel-Mehrheit für ein „Ermächtigungsgesetz“ erreicht, mit der die Nazis im Deutschen Reich an die Macht gekommen sind. Kennt Rudolf Voderholzer diese Zahlen und Zusammenhänge nicht, oder verbreitet er wider besseres Wissen eine katholische Entlastungspropaganda?

Indes hat Voderholzer mit seiner Predigt insofern recht, als es 1933 etwa mit Sulzbach-Rosenberg einen Oberpfälzer Wahlkreis gab, der doppelt so viele protestantische wie katholische Einwohner aufwies und überdurchschnittlich hohe NSDAP-Wähleranteile hatte. Die Nazipartei kam dort auf über 53 Prozent, die BVP hingegen auf nur gut 21 Prozent. Sulzbach-Rosenberg ist aber die große Ausnahme. Demgegenüber findet sich beispielsweise der Oberpfälzer Wahlkreis Oberviechtach mit 99,6 Prozent Katholiken, in dem die NSDAP mit über 45 Prozent mehr Stimmen ergattern konnte als im bayerischen Landesdurchschnitt (43 Prozent). Waren die Oberviechtacher Katholiken deshalb „unkatholisch“ oder wählten sie nur so?

Was Voderholzer gänzlich ausblendet ist der Umstand, dass die Nazi-Regierung nach dem Ermächtigungsgesetz von den Bischöfen begrüßt wurde und das sich daraus entwickelnde massenmordende NS-Regime von protestantischen und katholischen Christen gleichermaßen getragen wurde.

Katholische Kommission in Regensburg

Verharmloste Buchbergers Rolle im Nationalsozialismus: der Historiker Dieter Albrecht. Foto: Georg Albrecht/ Wikimedia Commons

Verharmloste Buchbergers Rolle im Nationalsozialismus: der Historiker Dieter Albrecht. Foto: Georg Albrecht/ Wikimedia Commons

Rudolf Voderholzer hat das Kartenmaterial, das eine innere Distanz von Katholiken zur Nazipartei belegen soll, freilich nicht erfunden. Diese und ähnliche Ansätze gehen auf die Kommission für Zeitgeschichte e.V. zurück, die 1962 von katholischen Geistlichen, Historikern und Politikern gegründet wurde und anfangs das Adjektiv „katholisch“ im Titel trug. Eines der Gründungsmitglieder war Dr. Dieter Albrecht, der 1967 auf den Lehrstuhl für Neuere Geschichte an die neugegründete Universität Regensburgs gerufen wurde. Als Albrecht 1979 eigene Forschungen zu nationalsozialistischen Stadtgeschichte vorlegte, kam er nebenbei auch auf Buchbergers damaliges Verhalten zu sprechen und stellte ihn recht gefällig als Warner vor der aufkommenden braunen Gefahr dar.

Die Zeitschrift DIE WOCHE (vom 18. Februar 1979) übte seinerzeit grundsätzliche Kritik an Albrechts tendenziösem Vorgehen. Obwohl in der Stadt bekannt sei, dass Buchberger persönlich dafür gesorgt habe, dass das Sonntags- bzw. Bistumsblatt den Nationalsozialismus begrüßt habe und öfters Propaganda für Hitler („Führer-Freundlichkeiten“) ins Blatt gekommen sei, habe Albrecht diese Vorgänge ausgeblendet und nicht untersuchen wollen. DIE WOCHE resümierte, Regensburgs NS-Geschichte sei noch nicht geschrieben worden. Die Stadt müsse nun einmal damit fertig werden, dass „auch die gesellschaftliche Großgruppe, die hier tragende Kraft war, die Kirche im Verein mit dem konservativen Bürgertum, versagt“ habe.

Neben Prof. Albrecht, der im Jahre 1992 emeritiert wurde und sieben Jahre später verstarb, gehörten weitere Regensburger Katholiken der Kommission für Zeitgeschichte e.V. an: so der ehemalige Stadtrat Eberhard Dünninger und der Prälat der Alten Kapelle, Wilhelm Schätzler.

In Regensburg ist bislang nicht erfüllt, was unabhängige Kirchenhistoriker seit Jahrzehnten fordern: Statt der irreführenden Annahme eines manichäischen Weltbildes – hier die ungläubigen Nazis und dort die verfolgte Kirche – gelte es Ambivalenzen zu untersuchen und „Gemengelage von Konsens mit Teilen der nationalsozialistischen Herrschaftsziele bei gleichzeitigem Dissens mit anderen Segmenten des nationalsozialistischen Herrschaftsvollzugs” (Olaf Blaschke) auszuleuchten.

Wie weit das Standardwerk der Kommission für Zeitgeschichte e.V., die biographische und statistische Erhebung „Priester unter Hitlers Terror“ (1996), von einer unvoreingenommenen historischer Forschung entfernt ist, zeigt zum Beispiel der Eintrag für Michael Buchberger. Darin wird Buchberger als „Erzbischof“ (ernannt 1950) und als Terroropfer angesprochen, dessen Buch (von 1931) von den Nazis verboten, dessen Predigten bzw. Hirtenwörter überwacht oder verhindert und dessen Schreibmaschine und Druckwerkzeuge beschlagnahmt worden seien. All diese unüberprüften Angaben gehen im Übrigen direkt auf Buchberger selber zurück.

Chrobak findet Widerstand

Ein Schüler Albrechts, der derzeitige Stadtheimatpfleger Dr. Werner Chrobak, arbeitete im Sinne seines Doktorvaters weiter. In seiner Untersuchung „Die Regensburger Kirchenzeitung im Dritten Reich“ (1981) kam Chrobak zu dem Ergebnis, dass schon die alleinige Existenzbehauptung des Sonntagsblattes (ab 1938 das „Bistumsblatt“) „einen grundsätzlichen Widerstand“ bedeuten würde. Die Frage, ob die Kirchenzeitung das NS-Regime möglicherweise auch unterstützt habe, wird zwar von Chrobak kurz aufgeworfen, aber nicht weiter verfolgt. Ebenso lässt Chrobak das Handeln von Bischof Buchberger im Dunkeln.

Opfer des prügelnden Prälaten Paul Mai (Hier echts im Bild bei seiner Verabschiedung 2014) dürfen auf Anerkennung ihres Leids hoffen. Foto: Bayer

Dr. Werner Chrobak mit Bischof Rudolf Voderholzer und Prälat Paul Mai. Foto: Archiv/ Bayer

Im Laufe des Existenzkampfes der Kirche nach 1933 habe das Sonntagsblatt die „Unvereinbarkeit der beiden Weltanschauungen, Christentum und Nationalsozialismus“ deutlich gemacht. Chrobak, Träger des Josef-Engert-Preises von 1980, legt Wert darauf, in seiner Bewertung nicht zu den apologetischen Kirchenkampfarbeiten aus den frühen Nachkriegszeit zu gehören, die „einen durchgängigen kirchlichen Widerstand“ behaupten. Gleichwohl kommt er zu der Bewertung, dass das Wirken der Kirchenzeitung auf der Widerstandsskala der katholischen Kommission zwischen „der Stufe zwei und drei zuzuordnen“ sei. Sprich zwischen Nichtanpassung und öffentlichem Protest anzusiedeln sei. Auch die von Chrobak ausgemachten „nicht wenigen Kriegslegitimierungsartikel“, die aus heutiger Sicht sehr problematisch anmuten würden, haben ihn nicht an dieser Bewertung gehindert.

Produktion von Widerständlern und Larifari-Gutachten

Am Beispiel von Chrobaks Studie über die Kirchenzeitung zeigt sich deutlich, dass das katholische Widerstandsmodell „Widerständler“ regelrecht produziert. Als Chrobak 2014 von Oberbürgermeister Schaidinger gebeten wurde, ein Gutachten über den ehemaligen Nazibürgermeister Hans Herrmann zu verfassen, wählte er als Koautor einen weiteren Doktoranden Albrechts: den Regensburger Professor für bayerische Landesgeschichte Bernhard Löffler. Das von den beiden daraufhin abgelieferte „Gutachten“ glänzte durch peinliche Auslassungen und tendenziöse Schwerpunkte.

Die beiden Autoren scheuten nicht einmal davor zurück, Bischof Buchberger in diesem Zusammenhang als eine über alle Zweifel und Quellenkritik erhabene und absolut glaubwürdige Instanz heranzuziehen, um eine Entlastung Herrmanns zu erreichen. Der Holocaust-Überlebende Ernst Grube bezeichnete die Stellungnahme von Löffler und Chrobak nicht zuletzt deshalb als „Larifari“. Die katholischen Geschichtsklitterungen spiegeln sich auch im aktuellen Gedenkgeschehen wider.

Meilenstein der Gedenkkultur?

Unter Oberbürgermeister Joachim Wolbergs veranstaltete die Stadt Regensburg zum 70. Jahrestag der Verhaftung von Domprediger Johann Maier einen Gedenkweg, der als großer Schritt der städtischen Gedenkkultur gilt. Das Besondere der Veranstaltung lag aber nicht in irgendwelchen neuen Erkenntnissen oder besonders ergreifenden Gedenkritualen, sondern allein darin, dass unter städtischer Schirmherrschaft die Kirchen erstmals zusammen mit linken Gruppen, darunter der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten, gemeinsam allen Opfern des NS-Regimes gedachten.

Wolbergs sah darin einen „entscheidenden Schritt hinein in unsere neue Regensburger Gedenkkultur.“ Bei Lichte besehen ist aber über das gemeinsame Auftreten hinaus nichts Weiterführendes erreicht und auch nicht angestrebt worden. In der oben bereits genannten Predigt anlässlich dieses Ereignisses sprach Bischof Voderholzer am 24. April 2015 dennoch von einem „Meilenstein der Gedenkkultur“.

Ansprechpartnerin für Stadt, und Jüdische Gemeinde, seit Jahrzehnten Mitorganisatorin des Gedenkwegs für die Opfer des Faschismus: die VVN-Vorsitzende Luise Gutmann gilt dem bayerischen Verfassungsschutz als Staatsfeindin. Foto: Archiv/ Thomas Witzgall

2016: Erstmals gemeinsames Gedenken von Kirchen und linken Gruppierungen – ein Meilenstein? Foto: Archiv/ Thomas Witzgall

Bischof Voderholzer nutzte diese Gelegenheit, um verklärende und unhistorische Ansichten zum Thema vorzutragen. Demnach habe Dr. Maier „den unüberwindbaren Gegensatz zwischen der christlichen Botschaft und dem Nationalsozialismus“, der nur auf einer atheistischen Grundlage entstehen hätte können, sehr klar erkannt. Die christliche Botschaft von einem personalen Gott stehe „in diametralem Widerspruch zu einem sozialdarwinistisch gedeuteten Rassegedanken“. „Der Selbstbehauptungswille der germanischen Herrenrasse“ habe nicht nur zur „Vernichtung von Millionen Juden und anderen für minderwertig erklärten Menschen“ geführt, sondern auch zur „Bekämpfung des Christentums, das mit seiner Moral des Mitleidens dem Endziel Hitlers im Wege“ gestanden habe.

Glaubt Voderholzer etwa an einen korrekt „gedeuteten Rassengedanken“ oder an die „germanische Herrenrasse“? Es verwundert nicht, dass solche abwegigen Ansichten keine Erklärungen für historische Entwicklungen oder die Affinität des Nationalsozialismus ermöglichen. Somit blieb auch die Frage unbeantwortet, die Vorderholzer in seiner Predigt mit gewisser Betroffenheit aufwarf: Wie schaffte es ein totalitäres Regime, „über zwölf lange Jahre hinweg ein Volk in dieser Weise zu knechten und zu verängstigen, die Menschenrechte mit Füßen zu treten und ein Meer von Blut und Tränen zu hinterlassen“?

Geist der Verdrängung und Selbstblendung

In solcherlei bischöflichen Ansprachen, die offenbar im Geiste der frühen Nachkriegsjahre verhaftet sind, haben grundlegende wissenschaftliche Forschungsergebnisse und selbstkritische Reflexionen keinen Platz. Es geht um katholische Identitätsstiftung und Selbstvergewisserung. Dass Voderholzers Rede zum Thema Verbrechen der Nationalsozialisten so tief vom Geist der Verdrängung und Selbstblendung der frühen Nachkriegszeit geprägt ist, verblüfft dennoch sehr.

Als Bischof Rudolf Voderholzer im April 2015, 70 Jahre nach Kriegsende, am gemeinsamen Gedenkweg für die NS-Opfer teilnahm, war auch Hermann Höllenreiner zugegen, der im März 1943 als neunjähriger Sinto zusammen mit seiner Familie von München ins „Zigeunerlager Auschwitz“ deportiert worden war. Der Auschwitz-Überlebende Höllenreiner legte als Überlebender Zeugnis davon ab und repräsentierte auf dem Gendenkweg Hundertausende von ermordeten Sinti und Roma.

In Regensburg werden unabhängige Forschungen ignoriert

Doch wen repräsentierte der Bischof? Verfolgte Christen? Ist ein redliches Gedenken eines Bischofs ohne selbstkritische Auseinandersetzung mit dem antiziganistischen und antichristlichen Verhalten der katholischen Bischöfe, Kleriker und Laien in der nationalsozialistischen „Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ überhaupt denkbar? Wieso ist der Regensburger Bischof und Dogmatik-Professor Voderholzer auch über 7o Jahre nach Befreiung der Überlebenden aus den Konzentrationslagern nicht in der Lage, die Kriegspropaganda und NS-Affinität seines Vorgängers Buchberger beim Namen zu nennen und angemessen zu verurteilen?

Michael Buchberger bei der Einweihung der Nibelungenbrücke 1950. Foto: Stadt Regensburg

Michael Buchberger bei der Einweihung der Nibelungenbrücke 1950. Foto: Stadt Regensburg

Das hier untersuchte Beispiel des Regensburger Bischofs Buchberger zeigt, dass dessen fragwürdiges und mehrfach dokumentiertes Handeln vor, während und nach der NS-Zeit im Regensburger Diskurs bislang nicht präsent ist und/oder immer noch aktiv ausgeblendet wird. Während Buchberger in den genannten unabhängigen Forschungsarbeiten als hochproblematisches Paradebeispiel für das Propagieren eines christlichen Antisemitismus abgehandelt wird, wird er in Regensburg als besonnener Warner und Gegner des Nationalsozialismus gezeichnet.

Weder der jetzige Bischof, Rudolf Voderholzer, noch die vorherigen, die Bischöfe Rudolf Graber, Manfred und Gerhard Ludwig Müller, haben sich je dazu herab gelassen, sich mit dem problematischen Wirken ihres Vorgängers Bucherberger im Nationalsozialismus auseinanderzusetzen. Stattdessen feiert man in der Regensburger Tradition den von Buchberger instrumentalisierten und zum Märtyrer stilisierten Domprediger Jahr für Jahr ab und verbreitet das verklärende Ideal vom unüberwindbaren Gegensatz zwischen christlicher Botschaft und Nationalsozialismus.

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Kommentare (41)

  • hartnäckig

    |

    ein interessanter Artikel.
    Erstaunlich, dass man alle kirchlichen Namen nennt, jedoch nicht die Namen derer, die Domprediger Maier auf dem Gewissen haben ?
    Wer hat den Domprediger verhaftet ? Wer ihn zum Tode verurteilt ? Wer war bei der Erhängung beteiligt ?

  • Herbert Turetschek

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    Haben sie mit Edith Stein nicht das gleiche gemacht? Ich bekam, als ich noch in Regensburg wohnte, einmal Besuch von einer Sammlerin, als die jährlichen Haussammlungen durchgeführt wurden. Ich sagte an meiner Haustüre: „Nein ich gebe nichts!“ Daraufhin drückte mir diese Ehrenamtliche ein Gläubigenbildchen von Edith Stein erbost in die Hände mit den Worten: „Dann nehmen sie wenigstens das!“
    Ich lief daraufhin zum Caritasgebäude in der Von-der-Tann-Straße, betrat das nächstbeste Büro mit den Worten: „Wenn sie die gute Edith Stein schon ans Messer geliefert haben, dann brauchen sie jetzt auch keine Spenden in ihrem Namen einsammeln.“ Der verdutzte Mitarbeiter nahm das Bildchen entgegen.
    Eine wahre Geschichte.

  • eingeborener

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    Eine super Recherche über einen Rechtsextremisten im bischofspelz , bis auf einen Punkt:
    Domprediger Maier
    die letzten Worte Maiers vor seiner Verhaftung sollen ja gewesen sein:
    ‚Was wir erbitten wollen,die kampflosen Übergabe unserer Stadt mit ihren vielen Lazaretten,ist ja gerechtfertigt aus folgenden vier Gründen…‘
    das war Mut, und so was sollte man nicht schlecht reden, auch wenn ansonsten Maier zu viel Propaganda missbraucht wird
    zum katholischen Widerstand gegen die Nazis fällt mir Kardinal Müller ein, der seinerzeit in der MZ gross tönte, in den Gestapo-Akten für das Bistum habe man bei der Hälfte der Priester kritische Aussagen über das Nazi-Regime gefunden.
    Da die Kirche seinerzeit überwiegend rechtsextreme Positionen vertreten hat, dürften das nach meiner Vermutung nur Aussagen der Art gewesen sein, wie gemein es von den Nazis war, die Kirche vom Bündnispartner zum potentiellen Risiko zu degradieren

  • Robert Werner

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    Die letzten Worte des Dompredigers auf dem Moltkeplatz vom 23.4.1945 sind nicht eindeutig überliefert, sinngemäß habe ich sie angeführt.

    Das eigentliche Standgericht gegen Johann Maier wäre ein eigenes Thema gewesen (ebenso die darauf folgenden Nachkriegsprozesse gegen den Staatsanwalt und Richter). Hier der Link zu der ausführlichen Arbeit von W. Chrobak, der auch den Prozess gegen Maier behandelt und in den Verhandlungen des Historischen Vereins Bd 125, (1985) erschienen ist.
    http://digital.bib-bvb.de/view/bvbmets/viewer.0.6.1.jsp?folder_id=0&dvs=1492333375215~650&pid=1001577&locale=de

  • Angelika Oetken

    |

    Aufschlussreicher Artikel.

    Ich bin in einer Gegend aufgewachsen, in der das „Braune“ noch Jahrzehnte nach dem Ende der Naziterrrorherrschaft (unterschwellig) präsent war. Die Lügen-Mantra mit dem „erbgesunden Nachwuchs“ bewerte ich als Strategie, zu vertuschen, wie viele Kinder damals mit Behinderungen zur Welt kamen oder sie später entwickelten, weil sie in Folge missbräuchlicher Kontakte durch nahe Verwandte gezeugt worden sind, was als „Inzucht“ bezeichnet wird. Allen voran die sexuelle Ausbeutung eines Mädchens durch direkte männliche Angehörige (Vater, Onkel, Großvater, ältere Brüder). Aber auch durch Mütter, die ihre Söhne missbrauchen. Im Nazijargon werden sie als „Blutschande“ bezeichnet. Wobei es sich um eine typische Verdrehung handelt. Die Schande ergibt sich aus dem aktiven Aufrechterhalten einer doppelten Moral. Sexualität wird einerseits irrational idealisiert, deren Realitäten aber ausgeblendet oder nach außen projiziert. Missbrauchsübergriffe beginnen zwar häufig, wenn die Opfer noch nicht fortpflanzungsfähig sind, werden durch die TäterInnen aber fortgesetzt, bis die Opfer mitten in der Pubertät sind oder diese schon abgeschlossen haben und entsprechend körperlich gereift sind. Heutzutage hat der sexuelle Missbrauch zwar nicht abgenommen, aber im Gegensatz zu früher stehen sowohl den TäterInnen, als auch ihren Opfern Verhütungsmittel zur Verfügung. Oder die Schwangerschaft wird abgebrochen. Bei einer Vielzahl von Teenagerschwangerschaften handelt es sich um die Folge missbräuchlicher Sexualkontakte.

    Jede Region hat ihre eigenen Traditionen mit dieser Art von übergriffiger Sexualität umzugehen, immer abhängig davon, wie sie weltanschaulich und politisch geprägt ist. Goebbels Propaganda schien vor 80 Jahren die Menschen, die sich als „deutsch“ begriffen zu einen. Vielleicht auch, weil diese Lügengebäude darauf abzielten, eigene Verantwortung und Schuld, insbesondere weil man kollektiv beim Schutz von Kindern vor der beschädigten und beschädigenden Sexualität Erwachsener versagt hatte, auf Andere, vermeintliche „Außenseiter“ projizierte? „Externalisieren“ nennt man dieses Phänomen im Fachjargon.

    Ich könnte mir vorstellen, dass auch Bischof Michael Buchberger, aus welchen Gründen auch immer auf diese furchtbaren Folgen der Doppelmoral setzte. Immerhin gehörte er ja einer Organisation an, die das sexualmoralische Zwiedenken wie kaum eine andere unterhält.

    Hier etwas zu Inzucht https://de.wikipedia.org/wiki/Inzucht_beim_Menschen

  • Mathilde Vietze

    |

    Ein Kirchemann, auch wenn er in Theologie promoviert hat, kann trotzdem anderseits
    ein Brett vor dem Kopf haben. Bischof Buchberger ist da nicht der einzige. Als vor eini-
    gen Jahren in Regensburg die Ausstellung „Weihnachten in dunkler Zeit“ eröffnet wur-
    de, sagte ein Domherr wörtlich „wir zeigen diese Ausstellung auch deshalb, weil auch
    in der katholischen Kirche viele in puncto Nationalsozialismus verblendet waren.
    Wie wahr!

  • joey

    |

    Die Artikelserie hat mich nicht überzeugt, daß Buchberger ein Wegbereiter des NS gewesen wäre. Selbstverständlich auch kein großer Gegner, sondern einer wie heute Voderholzer: ein Apparatschik, der sich durch Schleimerei und Taktik auf den Thron geschlichen hat und dort wieder geschleimt und taktiert hat. Er unterscheidet sich da nicht von so vielen anderen Deutschen damals wie heute. Das ist auch der Grund, warum der NS nicht die einzige Diktatur gewesen ist und sein wird.

    Was mir in den Artikeln fehlt, ist ein Vergleich zu anderen Personen und zum zeitlichen Hintergrund. Einige der kritisierten Begriffe und Wendungen waren nämlich damals durchaus gängig. Man lege mal bös ausgesuchte Redeausschnitte von Kurt Schumacher als Video einem jungen Publikum ohne Einarbeitung vor: die würden den in Wortwahl und Sprechweise schnell als Nazi einordnen.

    Schnittmengen mit dem NS findet man locker bei jeder Person und Organisation der damaligen Zeit. Kein Wunder, die NS hatten ja ein widersprüchlich populistisches Sammelsurium von Inhalten: für jeden was dabei. Auch Linke konnten alles mögliche in der …sozialistischen Arbeiterpartei finden, umgesetzt (bis heute) der im int. Vergleich großzügige Urlaubsanspruch.
    Auch gängige Parolen von heute gegen das „internationale Kapital“ lassen „jüdisch“ einfach nur aus, die tiefere Absicht ist aber immer noch die Gleiche. Kapitalismuskritik und Nationalwirtschaft war nach der Weltwirtschaftskrise (* in USA) politisch besonders gut verkäuflich.

    Daß die Kirchen (wenn dann) lieber Rechts- als Linksfaschisten hatten, liegt sicher auch am Zeitspiegel, wo in Spanien und Sowietunion gewalttätig gegen Personal und Vermögen der Kirchen vorgegangen wurde. Das ist keine Entschuldigung, aber ein Hinweis, warum sich die Biedermann Kirchen lieber den rechten Brandstiftern ergeben haben.

    Die Serie hier ist Weihrauch für Leute, die sowieso immer gerne irgendwelche Bischöfe für alles Schlechte verantwortlich sehen wollen, zuletzt sogar schuld an der Korruption in Regensburg.

    Ich selbst halte nichts davon, die Schuld am NS bei bestimmten Personen abzuladen. Fast alle Mitteleuropäer haben mitgemacht – jeder nach seinen Möglichkeiten. Das macht kirchliche Heldenverehrung dann ebenso fast unmöglich.

  • Angelika Oetken

    |

    „ein Apparatschik, der sich durch Schleimerei und Taktik auf den Thron geschlichen hat und dort wieder geschleimt und taktiert hat.“

    @joey,

    eine gelungene Arbeitsplatzbeschreibung.

    VG
    Angelika Oetken

  • Herbert Turetschek

    |

    @joey
    „Fast alle Mitteleuropäer haben mitgemacht“
    Das sehe ich auch so, aber wir sollten erst einmal vor der eigenen Tür kehren. Es nützt uns nichts, wenn wir die Geschichte nicht aufarbeiten – deshalb hier auch noch einmal: Ein großes Kompliment für Robert Werner und Stefan Aigner.

  • Angelika Oetken

    |

    Und wie man Leute auf Kurs bringt und auf Kurs hält, veranschaulicht doch diese Szene aus einem der besten Filme ever: http://www.bing.com/videos/search?q=youtube%2c+1%2c2%2c3+billy+wilder&qpvt=youtube%2c+1%2c2%2c3+billy+wilder&view=detail&mid=44DD5B1BF02E087C5C0A44DD5B1BF02E087C5C0A&rvsmid=3611B924AC739F12B2CC3611B924AC739F12B2CC&fsscr=0&FORM=VDQVAP

    Unabhängig vom politischen und zeitlichen Kontext: Wendehals bleibt Wendehals. Verrätertypen verstehen sich untereinander prächtig. Pack gesellt sich usw. usw.

    Man beachte die nacheinander von der Wand fallenden Bilder verschiedener Potentaten. Selbstredend ist das Konterfei des Genossen Stalin nicht das letzte, was zu Boden geht…

  • Mathilde Vietze

    |

    Ich habe Buchberger selbst noch erlebt. Also: Ein „schleimender
    Apparatschik“ war er bestimmt nicht, eher ein handfester,
    hanebüchener Bauernbub, dem nicht die „Gnade“ des großen
    Durchblicks zu eigen war.

  • Angelika Oetken

    |

    Frau Vietze,

    wenn ich Sie richtig verstehe, dann zählte Erzbischof Michael Buchberger Ihrer Einschätzung nach nicht zu den Klügsten. Aber vielleicht war er statt dessen (bauern-)schlau. Oder er beherrschte die Kunst der Verstellung.

    Welche Mittel hätte ein Mann wie Buchberger denn sonst einsetzen können, um unter Seinesgleichen Karriere zu machen? Bin da ratlos.

    VG
    Angelika Oetken

  • Mr. T

    |

    Wenn man so liest, wer da alles ein Widerständler gewesen sein soll, und dann an die Geschwister Scholl oder Georg Elser denkt, kommt einem das Kotzen. So viel Widerständler hätt’s wahrscheinlich gar nicht mehr gebraucht, um das Dritte Reich zu verhindern. Aber in einem vom Klerus eingelullten Volk voller gläubiger Duckmäuser hat sich da kaum was entwickeln können. Und den „Christen“ kam die Lösung ihres eigenen „Judenproblems“ gerade recht, auch wenn sie mit der Art und Weise nicht unbedingt besonders glücklich waren. Aber da musste man dann halt Kompromisse machen…
    Widerstand hat’s vielleicht mal bei dem einen oder anderen Dorfpfarrer gegeben, aber das wars dann auch schon.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu Angelika Oetken: Vielleicht auch ist Buchberger deshalb Bischof geworden, weil man
    mit ihm „leichtes Spiel“ hatte. Ich habe ja mal im Ordinariat gearbeitet und kenne die
    Zustände.

    Zu“ Mr. T“ – Die meisten von denen, die Hitler und Konsorten hinterherliefen, hatten mit
    der Kirche überhaupt nichts am Hut oder standen sogar in offener Gegnerschaft zur
    Kirche.

  • Angelika Oetken

    |

    Ich bleibe mal bei dem von Ihnen gewählten Bild Frau Vietze. Falls Michael Buchberger so etwas wie eine Marionette gewesen sein sollte: wer führte dann seine Fäden?

    VG
    Angelika Oetken

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu Angelika Oetken: Wer die „Fäden“ führte: Unter anderem die Domherren!

  • joey

    |

    Ich fasse nochmal zusammen – und bin da bei Mathilde Vietze: der kath. Kirche braucht man (Hr. Werner) nicht unterstellen, ein besonderer Wegbereiter des NS gewesen zu sein.
    Ich würde die Kirchen im Durchschnitt sehen. Also auch keine systemmäßigen Widerstandskämpfer.

    Antijudaismus ist heute auch (in meinem Sichtkreis recht häufig) bei (islamischen und christlich orthodoxen) Migranten gut sichtbar und damit hier ein Indiz. Kam auch unter Katholiken vor, vermutlich auch unter Kaninchenzüchtern und „Feuerbestattern“.

    Robert Werner greift sogar den Begriff Antijudaismus an und findet da eine Beschönigung im Buchberger Lexikon. Nein, das ist lediglich eine Präzisierung. Denn Araber sind leider zu oft judenfeindlich, aber nicht antisemitisch (sonst hätten sie was gegen sich selber). NS waren mit Arabern sehr kooperativ.

  • Ronald McDonald

    |

    @ joey 19.04.2017, 12:22h

    Für die „nicht systemmäßigen Widerstandskämpfer des kirchlichen Durchschnitts“ mag gelten, z. B.:

    „Christen verzichten darauf, sich gegen die Obrigkeit zu empören“ (gilt selbstredend nicht für die hiesige kirchentotalsachverständige Blogistin und OB-Joachim-Wolbergs-Jüngerin Mathilde Vietze);

    „Denn die Christen sind … mit Leib und Besitz … der weltlichen Obrigkeit unterworfen und Gehorsam schuldig. Wenn sie nun von der weltlichen Obrigkeit zum Kriege aufgerufen werden, sollen und müssen sie kämpfen aus Gehorsam … als untertänige, gehorsame Leute, dem Leibe und dem zeitlichen Besitze nach“;

    „Wenn es rechtmäßig zugeht, hat die Obrigkeit mit ihren Untertanen nichts anderes zu tun, als das Recht zu bewahren, Gericht zu halten und Urteile zu fällen. Wenn sie sich aber empören und auflehnen … ist es recht und billig mit Gewalt gegen sie [die Untertanen] vorzugehen“;

    „Das Amt eines Richters ist hochzuhalten. Es ist ein göttliches Amt, ob er nun mit dem Munde Recht spricht oder es als Scharfrichter mit der Faust vollzieht“;

    „An sich ist das Amt des Schwertes recht und eine göttliche, nützliche Ordnung; und Gott will, daß sie [die Obrigkeit] nicht verachtet, sondern gefürchtet und geehrt wird und Gehorsam genießt.
    Anderenfalls soll es nicht ungerächt bleiben, wie der heilige Paulus Römer 13,2 schreibt.
    Denn er [Gott] hat eine doppelte Herrschaft unter den Menschen aufgerichtet … die andere Herrschaft ist weltlich durch das Schwert, damit diejenigen, die durch das Wort nicht fromm und gerecht für das ewige Leben werden wollen, dennoch durch diese weltliche Herrschaft gezwungen werden, fromm und gerecht zu sein vor der Welt.
    Und solche Gerechtigkeit bewirkt er [Gott] durch das Schwert“.

    Frage: Welcher Feldprediger hat solcherlei verkündet?
    Der „Bayerische Feldprobst“ Monseigneur Franz Kardinal von Bettinger? Dessen Sekretäre Hw. Konrad Graf von Preysing und Hw. Michael Buchberger? Der hw. Divisionspfarrer (12. bayer. InfDiv) Jakob Weis?

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „Ronald Mc Donald“ – Meinen innigsten Dank dafür, daß Sie mich so
    treffend charakterisiert haben. Natürlich rufe ich auch jetzt noch jeden
    Morgen bei Wolbergs an und frage ihn untertänigst, was ich denken
    darf. Und so er mir gestatten würde, ihm die Schuhe zu putzen, würde
    dies natürlich auch – vor ihm kniend – tun.
    Und – was Sie über die katholische Kirche schreiben, mag vielleicht noch
    in den Köpfen von unverbesserlichen Fundis rumspuken; andere – und
    es sind gerade diejenigen, die ihre Glauben ernst nehmen – lassen sich
    nicht im blindem Gehorsam von der „gottgewollten Obrigkeit“ einseifen.
    Auch die katholische Kirche lebt im 21. Jahrhundert und nicht mehr im
    Mittelalter, obwohl das eine Handvoll Betonköpfe gerne so hätte.

  • Herbert Turetschek

    |

    @Mathilde Vieze
    „Und – was Sie über die katholische Kirche schreiben, mag vielleicht noch
    in den Köpfen von unverbesserlichen Fundis rumspuken“
    Ich werde gerade wieder – in diesem Moment – von Katholiken massiv belästigt und verunglimpft; liebend gerne würde ich mich einmal mit einem Christenmenschen unterhalten, warum muss mich ständig von Katholiken beschimpfen lassen, hier meine Adresse (ich weiß nicht, ob man das darf, wenn nicht, bitte löschen).
    Herbert Turetschek Kriemhildstr. 1, 90461 Nürnberg

    Telefon: 0911/4898695
    E-Mail: turecek(at)freenet(dot)de
    Webseite: http://www.kuenstler.nuernberg.de/index.php?id=18&no_cache=1&tx_feuserstat_pi1%5Bs

    Angebote: Bildende Kunst, Darstellende Kunst und Tanz

    Angebotsbeschreibung:
    Kabarett, Lyrik, Malerei, Projektkunst

    Tätigkeitsbeschreibung:
    Malerei, Kabarett, Schriftstellerei

    Video:
    https://www.facebook.com/video.php?v=10201637225287466

  • Herbert Turetschek

    |

    Entschuldigung: muss natürlich Mathilde Vietze heißen!

  • joey

    |

    @Ronald McDonald
    da könnte ich nun einen Haufen christliche Autoritäten raussuchen, die klar geschrieben haben, wann Christen eben keine Gehorsamspflicht mehr haben. Wenn der Staat grundlegende Ethik mißachtet, gilt nämlich das Gegenteil (Augustinus).

    Die Bereitschaft zur militärischen Gefolgschaft ist nicht auf die kath. Kirche beschränkt, Kriegsgeschrei finden Sie im buddhistischen Burma/Thailand/… oder im orthodoxen Putinland noch viel „besser“. Von islamischen Staaten gar nicht zu reden… Was China und Nordkorea von Verweigerern denken, zeigen die Lager.

    So fällt mir keine pazifistischere Religion ein als diese bischöflichen Schleimer, die Papst Franziskus schönreden. Also: was intendiert Robert Werner eigentlich mit der Artikelserie? Zu Ostern nochmal ein paar Feindbilder abfeiern?

  • Mr. T

    |

    Ja, joey, geschrieben haben die das sicher auch. Sogar Buchberger wirds das wohl auch geschrieben und gesagt haben. Aber unterm Strich zählt das, was wirklich passiert ist. Dass andere Religionen und Kulturen ähnlich blutrünstig waren, streitet niemand ab, macht aber das Geschehene nicht besser. Nichts hat in den letzten paar Tausenden Jahren mehr unnötiges Blut vergossen als Religion.
    Die Intention von Werner ist doch offensichtlich. Man sieht hier perfekt, dass es immer noch genug Menschen gibt, die das Blut an den Händen der Kleriker einfach nicht sehen wollen weil es ihr auf lange Jahre zementiertes Weltbild befleckt und alles in Frage setzt, was ihnen bislang Halt gegeben hat. Lesen Sie bitte weiter fleißig Autoren wie Werner und Deschner und werten Sie dann nochmal neu. Und da wir in Regensburg sind geht es eben um Buchberger und seine Katholiban und nicht um Joseph Kony und seine Armee im Namen des Herrn, obwohl die noch viel schlimmer sind.

  • Carl Eugen

    |

    @Vietze/Oettken:

    So viel Blindheit wie Buchberger kann man doch auch Joseph Ratzinger vorwerfen! Hat er nicht, wie ich jüngst feststellen musste, einen demokratiefeindlichen Beitrag im rechtsradikalen Aulaverlag veröffentlicht? Hängt er nicht auch – wie Buchbergers Nachfolger, der braune Rudolf – der Theorie an, dass die Kirche das Volk Israel ersetzt habe? Ist Ratzinger nicht der Meinung, dass die Juden zu wenig erleuchtet sind?
    Der bezeichnende Unterschied zu Buchberger: Diesen Schrott behauptet Ratzinger unberührt vom Holocaust. Und in einer freiheitlichen Gesellschaft.

  • joey

    |

    @Mr. T
    Buchberger hat zu wenig dagegen getan, das haben aber fast alle sonstigen Deutschen auch – Blut an den Händen haben auch Lehrerinnen, Ärzte, … jeder Mensch, der gesellschaftlichen Einfluß hatte. 1. und 2. Weltkrieg waren keine Religionskriege, der NS Judenhaß war auch nicht religiös, sonst hätte man die Getauften verschont.

    Religiöse Anschläge und Kriege werden in der Regel im Namen des Islam geführt, das kath. Christentum hat da eine recht gute Bilanz. Ja, die Kreuzritter, siehe Erdogan.

    Ich fühle mich nicht von Katholiban bedroht. Die sehe ich nicht. Diese Kirche stirbt schlicht aus (Priesternachwuchs <0), vielleicht beschäftigt man sich lieber mit wachsenden aggressiven Religionen.

    Es könnte aber "auf lange Jahre zementiertes Weltbild beflecken", daß mit religiösen Migranten heute ein Konservatismus im Land ist, der irgendwelche Feldprediger des 19. Jhdt locker in den Schatten stellt.
    Probieren Sie es ruhig mal aus: fragen Sie einen Ukrainer nach Juden und Homosexualität oder einen Türken zu Rasse und Nation. Da ist oft nix mit "bunt", da ist dunkelbraun – nicht bei Kony in Afrika, sondern ganz nah und live in Regensburg. Ich hatte schon das "Vergnügen" zu einigen Diskussionen, wo man mich "ins Vertrauen gezogen" hat, man hält mich für konservativ…

  • dünnster Künstler

    |

    Die Umgestaltung mit „Fontana Regina“ löst die auf einer definierten Höhe erdrosselte Gedenkstehle am Dachauplatz (1974 von Dombildhauermeister Richard Triebe, der gleichzeitig auch das Denkmal für den Nazi Theobald Schremms schuf) aus ihrer Betongrabeinfassung und stellt sie mit der lückenhaften Kollonade aus den beleuchteten, unterschiedlich hohen Säulenstümpfen des neuen Brunnens in eine Reihe. Am Dachauplatz ergibt sich so eine neue Konstellation von Bezugspunkten und Sinnzusammenhängen am südlichen Tor des ehemaligen römischen Legionslagers. Säulenstümpfe hat man allerdings lediglich unter dem Galeria Horten Kaufhof gefunden, wo sich die Registratur des Legionslagers befand. Die auf den umliegenden Platz beabsichtigte „gesteigerte Aufenthaltsqualität“ könnte in Zusammenspiel mit einer moderaten Rücknahme der Gedenkstehle eine gute Vorraussetzung für zeitgemäßes Gedenken am Dachauplatz sein (wenn man am Dachauplatz nicht nur an Wurstsemmeln denken würde…) Das Mahnmal des nachts lebensfeindlich anmutenden Vergasungsbrunnens wurde rückgebaut, die Rohre des „hässlichsten Brunnens Regensburgs“ entfernt Gras gepflanzt… das wiederum erinnert an die Baracken-Grundrisse in Dachau. „Fontana Regina“ der neue Brunnen, der aus dem bundesweiten Wettbewerb hervorgeht, leuchtet bunt, bietet auch im Winter, wenn kein Wasser fließt Sitzgelegenheiten und erinnert an die Römer (und das zum Glück nicht so plump, militäristisch und identitär und bevölkerungsfeindlich wie die ohne Wettbewerb auf den Weg gebrachte Touristenbodensprenkleranlage mit der das Becken des Europabrunnens am anderen Ende des Dokuments Römermauer am Ernst Reuter Platz absuderweise zubetoniert werden soll..). Fontana Regina am Dachauplatz sieht aus wie ein „Weltkulturerbezeichen“. In Zusammenhang mit der Inschrift der Gedenkstehle werden neue Sinnzusammenhänge sichtbarer „HIER STARBEN / AM 23. APRIL / FÜR REGENSBURG / DR JOHANN MAIER / DOMPREDIGER / JOSEF ZIRKL / LAGERARBEITER / MICHAEL LOTTNER / INSPEKTOR / IN DANKBARKEIT / DIE BÜRGER VON / REGENSBURG “ Der durchscheinende Subtext dieses Gedenkartefakts und die Bedeutungsebenen der Legendenbildung und Weißwaschung wird durch die Profanisierung des Dachauplatzes klarer erkennbar freigelegt: Regensburg wäre nicht bombadiert und zerstört worden, da sich 3 Personen für Regensburg geopfert hätten. (Das freilich stimmt so nicht…. ganz nebenbei: Abrissmaßnahmen rund um den Dachauplatz und in der Innenstadt erfolgten aus verkehrsplanerischen Gründen unter den Nazis und in der Nachkriegszeit ). Können die mit modernen Mitteln umgesetzten, lückenhaften Römer-Säulenstümpfe in einer Linie mit der (katholischen) Gedenkstehle (Mahnmal für die Opfer des NS!) neue Bedeutungsebenen erfahren? Die für uns starben und die Sünde von uns nahmen…. für die Weißwaschung instrumentalisierte Märtyrer.
    Die Frage ist, ob dieser Subtext unkommentiert bleiben sollte (oder kann, was mehr Kontingenz eröffnet) und ob die aus ihrer Umgebung (Anlage des alten Dachauplatzbrunnens) herausgelöste Stehle weiterhin, wie im bundesweiten Brunnen-Wettbewerb isoliert behandelt und als „Mahnmal für die Opfer des Nationalsozialismus“ bezeichnet werden sollte. Bei genauerer Betrachtung steht sie doch für etwas anderes.

    Am Dachauplatz ist allerdings nichts zu erfahren über die Schicksale der Widerständler, die schon ab März 1933 in Schutzhaft genommen und in das KZ Dachau eingewiesen wurden…. Nicht erwähnt werden die Rollen und das Zusammenspiel der gleichgeschalteten Stadtverwaltung (z.B. das Sozialamt), der Polizei und auch kirchliche Einrichtungen bei der Dingfestmachung von Voksschädlingen…oder auch nur über die Bedeutung des KZ Dachau als Schule des Terrors.
    vergl: http://jakob-friedl.de/download/dachauplatz_flyer-rueckseite.jpg
    Am Dachauplatz ist auch nichts zu erfahren über weitere Naziverbrechen, wie die Krankenmorde in der Psychatrie. Das ebenso weit entfernte KZ Flossenbürg spielte in der Nachkriegswahrnehmung offenbar keine Rolle, das mag auch an der Art der Opfergruppen liegen…. mit „Kriminellen“ und fremden Zwangsarbeitern wollte man sich auch nach dem Krieg nicht identifizieren.

    „Sei still sonst kommst Du nach Dachau“ war schon bald eine verbreitete Redewendung.

    Durch die neue Konstellation, die Beseitigung des Vergasungsbrunnens, die Rücknahme der zweifelhaften Gedenkstehle und die Umgestaltung des Dachauplatzes hin zu mehr Aufenthaltsqualität und zur Herausstellung der Marke „Weltkulturebe Regensburg“ ergeben sich durchaus Frei-Räume für neue Gedenkzeichen. Am Wichtigsten erscheint mir allerdings der Zugang zu Information. Diese Informationen können nicht entgültig sein, denn vieles ist noch unerforscht.

    Auch die Geschichte des Gedenkens muß aufgearbeitet werden:
    Die Einweihung der Gedenktafeln und der Stehle am Dachauplatz war keine Sache der Opfer. Im Gegenteil: Es wurde nach dem Krieg gleich mal vor den „Friedenstauben“ gewarnt, die zu „Lämmergeiern“ werden könnten und die Gesellschaft erneut in die Barbarei zu stürzen drohen… Widerbewaffnung , Kommunistenhatz…und Angst vor der eigenen Schuld. Es waren Akte der Reinwaschung, begangen von Mitläufern und Tätern.

    Wie lange hat es gedauert, bis auch Sinti und Roma, Homosexuelle, Zeugen Jehovas beim Gedenken eine Stimme bekamen?

    mehr Infos zu Fontana Regina und Gedenkstehle ab Seite 6 von 10:
    http://europabrunnendeckel.de/download/Dachauplatz_Preisverleihung/Versuch_Dachauplatz_Artikel_nie_erschienen_darum_ueberlang.pdf
    ( Übrigens die Ansage im Bus „Dachauerplatz“ wurde nun zu „Dachauplatz“ geändert; siehe Sound ganz oben im Artikel…)

    Fontana Regina aus Papier wird noch dieses Jahr nachgeliefert, Probleme mit dem Aprilwetter: http://europabrunnendeckel.de/download/dachauplatz_Fontana%20Regina%20nachbauen.pdf

  • joey

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    @dünnster Künstler
    die Stadtverwaltung hatte noch nie was mit dem zu tun, was hinterher als Verbrechen bezeichnet wurde. Die machen immer nur gewissenhaft ihren Job. Auch zu Wolbergs Zeiten ist alles korrekt gelaufen, keiner wußte was von irgendwas oder hätte was dagegen tun können.

    Ich will den Immoskandal nicht qualitativ mit dem NS vergleichen, aber die Mechanismen sind die gleichen: keiner sagt/macht was dagegen, obwohl allen klar ist, daß das so nicht richtig ist. Man ist nicht zutändig, gegen Mißstaände zu klagen, man arrangiert sich lieber. Vielleicht kommt man ja doch noch mit etwas Gewinn durch, vielleicht kriegt man sonst keine Wohnung / Bauantrag mehr…

  • Angelika Oetken

    |

    „Diese Kirche stirbt schlicht aus (Priesternachwuchs <0), vielleicht beschäftigt man sich lieber mit wachsenden aggressiven Religionen."

    @joey,

    als die Luft dünner zu werden begann, hat "die Kirche" auf Diakone umgerüstet. Welchen Korpsgeist die haben, wie sie ihn aufbauen und wahren, vermag ich nicht zu beurteilen.

    VG
    Angelika Oetken

  • Angelika Oetken

    |

    „Der bezeichnende Unterschied zu Buchberger: Diesen Schrott behauptet Ratzinger unberührt vom Holocaust. Und in einer freiheitlichen Gesellschaft.“

    @Carl Eugen,

    Katholische Priester bilden nicht nur die weltweit „größte transnationale Schwulenorganisation“ (Meinung eines ausgewiesenen Experten) (1), sie verfügen auch über ein Netz ganz spezieller Schauspielschulen (2), eine besondere Art „Besetzungscouch“ inklusive. Wenn also irgendein hoher klerikaler Funktionär irgendwas behauptet, schreibt oder tut, sollte man immer versuchen, den Subtext zu entschlüsseln. Und sich fragen, wer genau was von dieser Aktion hat. Vernüftige, erwachsene Leute sollen meinetwegen an Gott glauben, aber doch nicht an Priester.

    VG
    Angelika Oetken

    (1) http://www.spiegel.de/panorama/interview-mit-priester-kuegler-katholische-kirche-ist-groesste-transnationale-schwulenorganisation-a-386709.html
    (2) http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/ausbildung-in-der-katholischen-kirche-vor-lauter-angst-habe-ich-den-mund-gehalten-a-686544.html

  • dünnster Künstler

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    @joey
    ich stimme Ihren Aussagen in der Sache vollumfänglich zu –
    nur leider hat Ihr Post wenig mit dem Artikel oder meinem Beitrag zur Konstellation der (fehlenden) (Gedenk-)Zeichen am Dachauplatz und der eingeforderten Zugänglichkeit des Platzes für aufgearbeitetes/aufgeklärtes Gedenken zu tun.

    Ich denke das Thema ist interessant und kann auch und gerade im Rahmen der von der Stadtverwaltung beabsichtigten „gesteigerter Aufenthaltsqualität“ behandelt werden.
    Die alte Gedenkkonstellation wurde beseitigt (Hartheimbrunnengestänge) bzw. wird neu platziert: Gedenkstele („Mahnmal für die Opfer des NS“). Es ergibt sich also eine neue Situation, die Raum für Gedenken auf dem Boden der Tatsachen und womöglich für eine Aufarbeitung der Geschichte des Gedenkens schafft.

    Von alleine, bzw. seitens der Stadtverwaltung allerdings wird inhaltlich gar nichts passieren. (Da gebe ich ihnen, joey recht!) Die Dinge nehmen dann ausschließlich ihren durch die Rahmenbedingungen Weltkulturwerbe, Tourismusmanagement, Museumsquartier, Stadt-Markenbildung und geringsten Widerstand vorgezeichneten Lauf: So wird der Dachauplatz belanglos.
    Gedenkkultur kann hier nur aus den Initiativen und der Geschichtsforschung kommen. Auf Versprechen aus der Stadtverwaltung kann man sich lange ausruhen, ohne das etwas passieren wird; auch das ist bequem. Um aufklärerische Inhalte im öffentlichen Raum zugänglich zu machen und platzieren zu können muß meines Erachtens fortwährend mit unterschiedlichen Herangehensweisen experimentiert werden. (Am Dachauplatz scheint dies im Gegensatz zum Ernst Reuter Platz erlaubt zu sein…)
    Die Initiativen sollten sich deshalb auch mit der Konstellation der Platzneugestaltung auseinandersetzen um in der Folge Gedenkzeichen plaztieren zu können, die nicht übersehen werden, sondern dazu einladen sich, womöglich in verschiedene Richtungen, eingehender mit dem Thema zu beschäftigen.

    Der Platz übernimmt übiquitäre Aufgaben, (wie der Rest der Fußgängerzone auch), Sitzen, Essen, Warten, Begegnung, Spiel, …Aufenthaltsqualität…..und spezielle Aufgaben: DACHAUPLATZ.

  • Mr. T

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    joey, ich fühle mich von gar keiner Religion bedroht und mir ist auch klar, dass es noch genug andere schlimme Religionen und Strömungen gibt. Aber um die gehts hier nicht. Da macht es keinen Sinn auf die Verfehlungen andere hinzuweisen. Die machen die von Buchberger und Konsorten nicht besser und relativieren sie nicht.
    Ansonsten kann gleich jede Diskussion mit dem Hinweis auf etwas noch schlimmeres abgewürgt werden. Whataboutism nennt man sowas.

  • joey

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    @Mr.T
    ich will da nichts „abwürgen“, weise aber auf die Relevanz hin. Die absolut Priesterzentrierte kath. Kirche würgt sich selber ab, weil das Zeremoniengeschäft wegen Priestermangel irgendwann nicht mehr geht. Außer die Kirchen in Deutschland werden weitgehend afrikanisch bemannt. Christliche Expansion in radikalen Formen ist für mich gar nicht sichtbar, ganz im Gegensatz zum Islam.

    Bei Buchberger relativiere ich nicht, ich sehe ihn (und den Kath.) nur im Durchschnitt der damaligen Bevölkerung. Damit widerspreche ich der Analyse von Robert Werner, daß der Katholizismus eine Vor- oder Nebenform des NS ist. Seine Brücke zur heutigen Situation Voderholzer halte ich für wirklich konstruiert. Man muß da einiges kritisieren, aber nicht mit Nazikeule, da warne ich einfach vor dem Schlag daneben.

  • dünnster Künstler

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    @joey: Langsam wird abenteuerlich: Müssen wir bei einer ausführlichen Artikelserie um die Rolle des Bischofs Buchberger vor, während und nach der Nazizeit über Islamismus reden? Meinen sie mit „Nazikeule“, den Vorwurf des Autors, dass sich Bischof Voderholzer und andere Kircheleute nicht schonungslos aufrichtig sondern reinwaschend, vertuschend und Unschuld konstruierend mit der Geschichte der vermeindlich unbefleckten Opfer- und Widerstands-Institution RKK auseinandersetzen. (und mit der Nachkriegsgeschichte dieser Reinwaschung gar nicht…)

  • Angelika Oetken

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    Michael Buchberger war ein hoher Kirchenfunktionär. Warum soll es sich bei ihm nicht um einen dieser vielen Opportunisten gehandelt haben, die in solche Ämter gelangen bzw. gehievt werden? Und sich dort vorwärts bewegen wie ein Schleimpilz.

    Eine Type, für die der moderne Volksmund die Bezeichnung „Wendehals“ vorhält http://www.zeit.de/2015/37/opportunismus-geschichte

  • hutzelwutzel

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    @Herbert Turetschek:

    Ich stimme Ihnen hier bei Ihren Kommentaren vollumfänglich zu!

    Besten Dank an Herrn Werner und Herrn Aigner, dass diese damit mehr Wissen „unters Volk gebracht“ haben.. Schon schlimm wie immer noch und wieder versucht wird die Geschichte zu verfälschen. Dies bringt doch keiner der Kirchen was, schon gar nicht der RKK. Wir leben ja nicht mehr in der Zeit, als diese das News-Monopol hatte, und die meisten Menschen nicht lesen oder schreiben konnten.
    Schönes Wochenende!

  • joey

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    @dünnster Künstler
    hat Voderholzer behauptet, daß die Kirche keine Verantwortung hatte?
    Schwarz Weiß ist in der Geschichte nur selten möglich. Wir reden fast immer über Graustufen.
    Das ganze deutsche Volk (und viele Nachbarn, die sich damals dazugesellt haben) ist mehr oder minder verantwortlich. Ja, nach 45 wars keiner mehr gewesen. Feindlichkeit gegen Sinti und Roma wie gegen Juden gibt’s heute noch – sicher aber nicht bei Voderholzer bis Marx.

    Kritisiert die kath. Kirche. Da gibt’s viel zu tun. Ich mag den Voderholzer auch nicht. Buchberger war vor meiner Zeit, aber aus dem Material hier von R. Werner komme ich zu einer anderen Schlußfolgerung. Daher widerspreche ich hier.

  • Mathilde Vietze

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    Für viele Leute war der Mist, den Hitler und
    Konsorten den Leuten erzählt haben, eine
    Art Ersatz-Religion.

  • Herbert Turetschek

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    „Für viele Leute war der Mist, den Hitler und
    Konsorten den Leuten erzählt haben, eine
    Art Ersatz-Religion.“
    Eben: Deshalb nie wieder Fundamentalismus, weder von der linken, noch von der rechten Seite!

  • Angelika Oetken

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    „Für viele Leute war der Mist, den Hitler und Konsorten den Leuten erzählt haben, eine Art Ersatz-Religion.“

    Das kann ich bestätigen Frau Vietze.
    Für Menschen, die nicht mehr die Gelegenheit hatten, mit Zeitzeugen, insbesondere solchen, die zwar fest an die Hitlerei glaubten, sicherheitshalber aber eine gewisse Skepsis bewahrten zu sprechen, mag es unglaublich klingen, aber Adolf Hitler stellte damals für weite Teile der Bevölkerung so eine Art k…braun gewandeter Messias dar.

    Zum Phänomen der Identifikation (1) mit dem Aggressor (2). Zugegeben, zwei längere Texte. Aber wer sie liest, wird vermutlich feststellen, dass man diese Methode, sich einer Auseinandersetzung mit den traumatischen Teilen der eigenen Biographie auseinander zu setzen, in sehr vielen Zusammenhängen findet.

    VG
    Angelika Oetken

    1) https://de.wikipedia.org/wiki/Identifikation_mit_dem_Aggressor
    2) http://kriegsursachen.blogspot.de/search?q=Adolf+Hitler

  • Angelika Oetken

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    Korrektur:

    „sich einer Auseinandersetzung mit den traumatischen Teilen der eigenen Biographie zu entziehen…“

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