Geeint „bei aller Unterschiedlichkeit“?

CSU boykottiert Gedenkweg für Opfer des Faschismus

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Gut 500 Menschen nahmen am Donnerstag beim Gedenkweg für die Opfer des Faschismus teil. Der Spagat, unterschiedlichste gesellschaftliche und politische Gruppierungen unter einen Hut zu bekommen, gelang aber nicht ganz. Insbesondere die größte Fraktion im Regensburger Stadtrat blieb geschlossen fern.

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Gemeinsames Gedenken: Die Bischöfe Voderholzer und Weiss, OB Wolbergs, Ilse Danziger von der jüdischen Gemeinde, Luise Gutmann (VVN), Christian Dietl (DGB) und Hans Simon-Pelanda von der ARGE ehemaliges KZ Flossenbürg. Foto: Witzgall

Er ist noch ein wenig nervös, als er die Veranstaltung eröffnet. Zum ersten Mal seit über 40 Jahren findet am Donnerstag ein gemeinsamer Gedenkweg für die Opfer des Faschismus in Regensburg statt. Und auch wenn kein Redner einen Zweifel daran lässt, dass man dem neuen Oberbürgermeister das Verdienst zuschreibt, zwei bislang getrennte Veranstaltungen – die eine kirchlich-offiziell geprägt, die andere von linken, politischen Gruppierungen organisiert – geeint zu haben, kann sich Joachim Wolbergs nicht sicher sein, dass es ob dieses breiten Spektrums nicht doch zum Eklat kommt. Ohnehin hatte es Monate gedauert, bis sich der Kreis der Organisatoren in teils recht mühseligen Verhandlungen auf diese gemeinsame Veranstaltung einigen konnte. Und nun drohte ein Flugblatt im Vorfeld der Veranstaltung diese neue Gemeinsamkeit etwas zu stören.

„Homophober, rechter und antifeministischer Bischof“

Bereits am Donnerstagabend hatte sich die antifaschistischen Gruppe Anita f. gegen eine „Entpolitisierung des Gedenkens“ gewandt und dazu aufgerufen hatte, den Auftritt des „homophoben, rechten und antifeministischen“ Bischofs Rudolf Voderholzer zu boykottieren. Voderholzer ließ im Gegenzug über seinen Pressesprecher Clemens Neck die Vorwürfe als „an Absurdität nicht zu überbieten“ zurückweisen. Und so ist nicht ganz klar, wie es sich entwickeln wird, das erhoffte und seit Jahren geforderte gemeinsame Gedenken, als kurz vor 18 Uhr die ersten Teilnehmer beim Gedenkstein in Stadtamhof eintreffen.

Zwischen 500 und 600 Menschen unterschiedlichster Couleur sind es nach Polizeischätzungen, die teilnehmen. Die Bürgermeister, die beiden Bischöfe Rudolf Voderholzer und sein evangelisches Pendant Hans-Martin Weiss sind da. Ebenso Ilse Danziger von der Jüdischen Gemeinde, deren Vertreter schon seit Jahren sowohl das städtisch-kirchlich-offizielle Gedenken am 24. und den Gedenkweg am 23. April besuchen und ebenso lange für eine gemeinsame Veranstaltung plädiert haben.

Will „kleinkarierte Zänkereien“ überwinden: OB Wolbergs bei seiner Rede in Stadtamhof. Foto: Witzgall

Will „kleinkarierte Zänkereien“ überwinden: OB Wolbergs bei seiner Rede in Stadtamhof. Foto: Witzgall

Luise Gutmann von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN) und Hans Simon-Pelanda von der Arge ehemaliges KZ Flossenbürg waren als erste vor Ort und begrüßen die eintrudelnden Offiziellen. Fahnen der Kolpingfamilie mischen sich mit poppig-bunten Transparenten der Antifa. Falken mit Blauhemden stehen neben Priestern mit weißen Krägen und Robe. Auch Vertreter aller im Stadtrat vertretenen Parteien sind da – mit Ausnahme der CSU-Fraktion, die ihrer Tradition treu und dem Gedenkweg geschlossen fernbleibt.

Versprechen: Gedenktafel ans Colosseum

In seiner Rede, die Wolbergs vor dem Gedenkstein für die Opfer der KZ-Außenstelle Colosseum hält, plädiert er für eine Gedenkkultur abseits von politischem Streit. „Ich bin der Meinung, dass diese kleinkarierten Zänkereien endlich überwunden werden müssen.“ Gedenkkultur sei „nur dann wahrhaftig, wenn sie frei sein kann von allen Versuchen politischer Beeinflussung und seien sie auch noch so gut gemeint“.

Gegenstand politischer Debatten und von Streit war etwa seit Jahren eine fehlende Erinnerung an die Opfer der KZ-Außenstelle Colosseum direkt am Gebäude. Heftige Kritik gab es seitdem auch bei jedem Gedenkweg an der misslungenen Platte, die dort vor vier Jahren in einer Nacht-und-Nebel-Aktion von der Stadt im Boden eingelassen wurde.

In der Vergangenheit hatte auch Wolbergs diese Platte stets gegen Kritik verteidigt. Am Donnerstag zeigt sich der OB nun selbstkritisch und verspricht: Sie wird entfernt. Mit dem Gebäudeeigentümer habe man sich zwischenzeitlich geeinigt, dass eine Tafel am Colosseum angebracht werden wird. Eine Anregung von Simon-Pelanda, dass Regensburger Schulen Patenschaften für einzelne KZ-Insassen übernehmen könnten, um so an sie zu erinnern, ihnen ihre Würde wiederzugeben, will der OB weiterverfolgen. 

Kam als 19jähriger ins KZ-Außenlager Colosseum: Zbigniew Kołakowski. Foto:as

Kam als 19jähriger ins KZ-Außenlager Colosseum: Zbigniew Kołakowski

Einer, der das Colosseum überlebt hat, ist Zbigniew Kołakowski. Er kam als 19jähriger nach Regensburg und wurde hier zum Bombenräumen auf dem Hauptbahnhof gezwungen. Den Todesmarsch, zu dem knapp 400 KZ-Insassen in der Nacht vom 23. April 1945 getrieben wurden, überlebte er als einer von wenigen. Am Donnerstag ist der 90jährige einer von mehreren Zeitzeugen, die am Gedenkweg teilnehmen. Sichtlich bewegt spricht er in Stadtamhof ein kurzes Grußwort in polnischer Sprache.

Ruhige, aber deutliche Distanzierung

Dann schlängelt sich der Zug den hölzernen Steg zur Steinernen Brücke hinauf, bis hinüber zum Westportal des Regensburger Doms, das in diesem Jahr zum ersten Mal eine Station des Gedenkwegs ist. Hier erinnert Bischof Voderholzer an die Ermordung von Domprediger Johann Maier, den Polizeibeamten Michael Lottner und Lagerarbeiter Josef Zirkel. Sie hatten sich für eine kampflose Übergabe der Stadt an die Alliierten eingesetzt und wurden deshalb von den Nazis ermordet.

Ruhig, aber deutlich: Die Distanzierung von Bischof Voderholzer. Foto: as

Ruhig, aber deutlich: Die Distanzierung von Bischof Voderholzer. Foto: as

Der angekündigte Boykott von Anita F. verläuft ruhig, ist aber doch deutlich. Etwa 70 Menschen positionieren sich mit ihren Transparenten abseits des Westportals auf der gegenüberliegenden Straßenseite. An der Vorbereitung und den Kompromissverhandlungen für den gemeinsamen Gedenkweg war Anita f. übrigens nicht beteiligt. Durch die räumliche Trennung wolle man „klar zum Ausdruck bringen, was wir von rechtsklerikalen, homophoben und antifeministischen Spinnern halten“, heißt es auf einem Flugblatt, das verteilt wird.

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Die Gruppierung bezieht sich dabei unter anderem auf die nach wie vor fehlende Distanzierung des Bischofs von dem Antisemiten Rudolf Graber, aber auch auf fragwürdige Veranstaltungen anlässlich des Katholikentags. Als die Rede von Voderholzer beendet ist und der Gedenkmarsch weiter zieht, schließen sich die Aktivisten diesem wieder an.

Christian Dietl: „Alle Facetten des Widerstands ebenso wie alle Opfer und Opfergruppen unabhängig von den eigenen Befindlichkeiten in unser Gedenken miteinbeziehen.“ Foto: as

Christian Dietl: „Alle Facetten des Widerstands ebenso wie alle Opfer und Opfergruppen unabhängig von den eigenen Befindlichkeiten in unser Gedenken miteinbeziehen.“ Foto: as

Am Neupfarrplatz ist es wiederum DGB-Geschäftsführer Christian Dietl, der dazu mahnt „alle Facetten des Widerstands ebenso wie alle Opfer und Opfergruppen unabhängig von den eigenen Befindlichkeiten in unser Gedenken miteinzubeziehen“. Der Ort ist passend.

Hier traf sich Anfang der 40er Jahre die sogenannte „Neupfarrplatzgruppe“, Menschen, wie sie unterschiedlicher kaum hätte sein können, einfache Leute. 49 Frauen und Männer – vom NSDAP-Aussteiger bis zum Sozialdemokraten, vom Kommunisten bis zum Monarchisten tauschten am Kiosk ihre Kritik am NS-Regime aus. Ab 1942 wurden diese Menschen verhaftet, neun von ihnen schließlich erschossen oder im KZ ermordet. Ein letzter Vorstoß für ein würdiges Andenken für diese im losen Austausch stehenden Menschen, die damals von der Gestapo als „Gruppe“ verfolgt wurden, liegt sechs Jahre zurück und blieb bislang folgenlos. 

„Sog nischt kejnmol.“ Vor der Synagoge sangen die Falken ein jiddisches Partisanenlied. Foto: Werner

„Sog nischt kejnmol.“ Vor der Synagoge sangen die Falken ein jiddisches Partisanenlied. Rechts im Bild: Rabbiner Josef Chaim Bloch und Bischof Voderholzer. Foto: Werner

Vor der jüdischen Gemeinde wird es eng. Es hat schon lange Tradition, dass sich der Gedenkweg hier mit Rabbiner Josef Chaim Bloch trifft, aber nie waren es so viele Menschen, die zum 23. April gekommen sind. Bloch ruft, eng umringt, dazu auf, sich der Vergangenheit zu erinnern, um auf diesem Weg eine bessere und freiere Welt aufzubauen. Fast schon schmissig klingt anschließend das jiddische Partisanenlied „Sog nischt kejnmol“, das ein Chor der Falken direkt neben den Bischöfen singt. 

Über viele Jahre hinweg beim Gedenkweg dabei sind auch die Zeugen Jehovas. Mittlerweile gibt es im Minoritenweg auch eine Gedenktafel und einen Stolperstein für den Regensburger Schiffsbeamten Wolfgang Waller, der wegen seines christlichen Glaubens Hitlergruß und Kriegsdienst verweigerte.

„Widerstand war möglich“, sagt Peter Lorenz-Uttenhofer von den Zeugen Jehovas. Foto: as

„Widerstand war möglich“, sagt Peter Lorenz-Uttenhofer von den Zeugen Jehovas. Foto: as

Wallers Todestag jährt sich heuer zum 75. Mal. Bereits 1936 wurde er verhaftet und 1940 im KZ Mauthausen ermordet. Er ist einer von bislang 21 bekannten Zeugen Jehovas in Regensburg, die dem NS-Terror zum Opfer fielen. Unter ihnen auch Albin Relewicz, der als „gemeingefährlich geisteskrank“ eingestuft wurde, weil er den Kriegsdienst verweigerte und den man 1945 in der Regensburger Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll gezielt verhungern ließ. „Widerstand war möglich“, sagt Peter Lorenz-Uttenhofer am Donnerstag unter der Tafel für Wolfgang Waller. Die konsequente Verweigerung des Kriegsdienstes durch die Zeugen Jehovas hätte auch Signal für alle anderen sein können.

Letzte Station des Gedenkwegs am Dachauplatz. Foto: Witzgall

Letzte Station des Gedenkwegs am Dachauplatz. Foto: Witzgall

An der letzten Station am Dachauplatz kommt Luise Gutmann zu Wort. Die Kreisvorsitzende der VVN ist seit Jahrzehnten eine treibende Kraft hinter dem Gedenkweg am 23. April. Und sie belässt es – wie jedes Jahr – nicht allein beim Erinnern. Mit ihr am Mikrofon steht Mano Höllenreiner mit seiner Frau Else. Höllenreiner ist Angehöriger jener Sinti-Familie, von der 36 Mitglieder durch die Nazis ermordet wurden. Rosa, Katharina und Philippine wurden 1943 aus einem Regensburger Waisenhaus nach Auschwitz deportiert. Nur Rosa überlebte.

„Das Stigma, das Sinti und Roma verfolgt, wirkt bis heute.“

Höllenreiners Frau prangert an, dass Sinti und Roma noch bis heute Opfer sind. „Eine Schande für jedes Gemeinwesen“, ruft sie unter Applaus ins Mikro. „Das Stigma, das Sinti und Roma verfolgt, wirkt bis heute“, ergänzt Luise Gutmann. „Das Gesetz, das diesen Schutz gewährleisten soll, gibt es wohl. Nur die Staatsanwälte sehen in der Regel keine Diskriminierung.“ Immer wieder wird Gutmanns Rede von Beifall unterbrochen.

Else Höllenreiner: „Eine Schande für jedes Gemeinwesen.“ Im Hintergrund: Mano Höllenreiner und Luise Gutmann. Foto: Werner

Else Höllenreiner: „Eine Schande für jedes Gemeinwesen.“ Im Hintergrund: Mano Höllenreiner und Luise Gutmann. Foto: Werner

Sie zitiert den Schwur von Buchenwald: „Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren ermordeten Kameraden, ihren Angehörigen schuldig.“

Wie jedes Jahr wird der Gedenkweg mit dem Lied „Moorsoldaten“ beschlossen. Hier singen alle mit – von Bischof Voderholzer bis zur Anita f.. Von einem „starken Signal für die Gedenkkultur“ spricht Oberbürgermeister Wolbergs zum Abschluss. „Das gemeinsame Gedenken und das ‚Nie wieder‘ eint uns bei aller Unterschiedlichkeit“, sagt er. Von der CSU hat das keiner gehört. Die größte Fraktion im Regensburger Stadtrat will mit dieser „neuen Gemeinsamkeit“ offenbar nichts zu tun haben.

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Kommentare (36)

  • sebastian

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    Eignahde Deppen.

  • pars altera

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    „Die größte Fraktion im Stadtrat, die CSU, will mit dieser ’neuen Gemeinsamkeit‘ offenbar nichts zu tun haben“: das ist zwar dort äußerst erstaunlich, im Jahre 1 nach Schaidinger, doch auch gut so!
    Wie kommt es dort zu dieser Einsicht?
    Vielleicht fürchten dort gewisse Damen und Herren, belehrt z. B. durch die Kampagne aufrechter Demokraten gegen das verstorbene Parteimitglied Hans Herrmann, daß sie auch in unbestimmbarer Zukunft einmal gefragt werden könnten „warum wart ihr dabei und habt nichts dagegen unternommen?“, falls ein aktiver Teil der schwindenden Mehrheitsbevölkerung möglicherweise aufwacht und sich eventuell parlamentarisch-robust um freiheitlich-demokratische Änderung vielfach unschöner Verhältnisse bemüht: was könnte die Befreiungshalle im benachbarten Kelheim den heutigen „Teutschen und Teutschinnen“ wohl sagen, selbstredend pluralistisch, tolerant und weltoffen? Ich weiß es nicht.

    Erstaunen erzeugt indes die vom Chefschriftleiter dieses Blogs verwendete Formulierung „Nacht-und Nebel-Aktion“.
    Kennt er den Hintergrund dieses Begriffes nicht; er, der sonst meist (manisch?) in „Such-den-Nazi-faß-den-Nazi-Rabulistik“ schwelgt?
    „Nacht-und-Nebel-Aktion“ im Zusammenhang mit einer (nach Meinung des Blog-Chefschriftleitenden vorgeblich mißlungenen) Gedenkplatte für Verfolgte des NS-Unrechtssystems: mein lieber Herr Gesangsverein; da ist wohl eine Distanzierung im Namen aller aufrechten MenschInnen dieser unserer Bevölkerung fällig!
    Stefan Aigner, tue Abbitte, sei kein Philipp-Hariolf Jenninger!
    Ich sage dann hier schon mit Herbert-Willi Frahm-Brandt: diese Formulierung ist fehlgeschlagen, nicht weil Aigner ein schlechter Kerl ist, sondern weil er sich übernommen hat.
    A pro peng Gesangsverein, wenn der regierende Bischof von Regensburg meint, beim Lied der „Moorsoldaten“ mitsingen zu müssen (war er textsicher?), na dann … wird das möglicherweise zum künftigen Liedgut der Diözese zu rechnen sein: aggiornamento – find‘ ich gut.
    Endlich mal ein mutiger Bischof, der die Zeichen der Zeit erkennt; keiner mit „braunen Flecken auf dem Priesterrock“ (Buchwerbung auf regensburg-digital.de in Sachen Kleriker der Diözese Regensburg) – deswegen trug Monseigneur wohl auch keinen Priesterrock, sondern einen clergy man natürlich ohne Pektorale; keiner der angeblich im Keller saß, während ein Domprediger verstandgerichtet und dann hingerichtet wurde.

  • Uli

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    So viel Streit trotz endlich erreichter Einigkeit beim Gedenken. Da entlarven sich die neuen Intoleranten doch selbst. — Überhaupt wundert’s mich, dass Mussolinis Arm so weit reichte. „Opfer des Faschismus“, der italienischen Verbündeten Hitlers, hier in Regensburg?

  • Mathilde Vietze

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    Es ist das Verdienst von OB Wolbergs, dieses
    Mal (fast) alle Gruppierungen zusammenzu-
    bringen. Wenn es um die S a c h e geht,
    dürfen kleingeistige Vorbehalte nicht dazu
    führen, der Gedenkstunde fernzubleiben.

  • da_Moartl

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    „Endlich!“ kann man nur zum Gelingen eines gemeinsamen Gedenkens sagen. Die – langjährige – Leistung von Luise Gutmann kann man nicht hoch genug einschätzen und ihr nur Dank sagen. Und „schämt euch!“ kann man nur den Sturen und Verbockten zurufen, die meinten, auch dieses Mal wieder ihr eigenes Süppchen auf Kosten des Gedenkens kochen zu müssen – seien es die sich immer mehr entlarvenden CSU-ler (die nichts, aber auch gar nichts von christlicher Reue kapiert haben) oder die wenigen „Antifaschisten“ (die nichts, aber auch gar nichts von einem GEMEINSAMEN Kampf gegen Faschismus verstanden haben). Mag jeder von diesem Weg heimkehren und darüber nachdenken, wo wir heute noch Menschen ausgrenzen und an menschenwürdigem Leben hindern.

  • Fair bleiben

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    Mathilde Vietze: „Wenn es um die S a c h e geht,
    dürfen kleingeistige Vorbehalte nicht dazu
    führen, der Gedenkstunde fernzubleiben.“

    Es ist doch ein Vorteil der freien Gesellschaft, dass jeder für sich entscheidet. Andere Meinungen sind nicht deswegen „kleingeistig“, weil sie nicht mit der eigenen Meinung übereinstimmen. Im Gegenteil, man sollte immer vorsichtig sein, wenn viele Menschen einer Meinung sind.

  • Aber Hallo

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    In der Ära der OB Meier war dieses Vorhaben nicht realisierbar, weil die Haltung der CSU dieselbe war und die leitenden Beamten im Alten Rathaus diese Haltung antizipierten und alles unternahmen, dem Willen der CSU zu entsprechen. Erstaunlich, dass einer aus der damaligen Zeit heute ebenfalls ein Leitender im Alten Rathaus ist, aber den politischen Willen des Ob nicht konterkarien konnte oder wollte. Bei mehr Engagement der Leitenden in den Neunzigerjahren wäre der von Bürgermeister a.D. Weber gestiftete Gedenkstein nicht zum Pissstein mutiert. Gut, dass sich etwas geänedret hat.

  • Mr. T

    |

    Das gemeinsame Gedenken war doch gut, genauso wie das deutliche Signal der Ganzlinken in Bezug auf den Bischof. So haben sie ihre Kritik deutlich zum Ausdruck gebracht, ohne das große Ganze zu stark zu beschädigen. Wenn die katholische Kirche den Opfern des Faschismus gedenkt, kann dies nicht ohne Kritik bleiben.

  • Lea Miller

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    Als antifaschistische Gruppe in Regensburg verstehen wir sehr wohl was vom „GEMEINSAMEM Kampf gegen Faschismus“, seit 2008 befinden wir uns mit anderen Gruppierungen im Bündnis „Kein Platz für Nazis“. Auch die Großdemonstration 2009 an dem auch die Kirchen teilnahmen planten wir mit. Aber unsere Bündnisfähigkeit hat Grenzen. Hierzu zitiere ich nochmals aus unserer Pressemitteilung:

    „Ein Gedenken mit dem rechts-klerikalen Bischof ist für uns nicht denkbar. Dieser ist in der Vergangenheit durch die Unterstützung von homophobem und antifeministischem Gedankengut aufgefallen. Am Katholikentag 2014 in Regensburg war er maßgeblich daran beteiligt, dass extrem rechten AbtreibungsgegnerInnen und Homophoben ein Podium für ihre Inhalte geboten wurde. Außerdem distanziert Voderholzer sich nicht von seinem Vorgänger Rudolf Graber, der als antisemitischer Reichstheologe bekannt ist. Wir betonen hierbei, dass sich unsere Kritik, wohlwissend dass sich auch Katholiken unter den Opfern des NS-Faschismus befinden, beim Gedenken nicht an die katholische Kirche, sondern an die Person des Bischofs richtet.“

    „Joachim Wohlbergs als auch Clemens Neck, den Pressesprecher des Bistums Regensburg werfen uns vor das Gedenken für politische Zwecke zu instrumentalisieren. Gedenken ist für uns immer politisch und wir werden nach dem Schwur von Buchenwald die Vernichtung des Nazismus mit all seinen Wurzeln anstreben. Hierzu zählen auch Antisemitismus, Homophobie, Antifeminismus und Geschichtsrevisionismus. Erinnern heißt kämpfen!“

    Des Weiteren bedanken wir uns ausdrücklich bei der VVN-BdA, allen voran Luise Gutmann und der Arge ehemaliges KZ Flossenbürg,, dass sie das Gedenken an die Opfer des Faschismuses über die letzten Jahrzehnte aufrecht erhalten hat und den Diskurs gerade um das Konzentrationsaußenlager, in der Stadt immer geführt hat. Vielen Dank dafür!

  • Klarstellung

    |

    @ Aigner

    Nur zur Klarstellung:

    Die größte Fraktion im Regensburger Stadtrat ist nach dem offiziellen Wahlergebnis von 2014 die SPD.

    Dier CSU hat nachträglich lediglich zahlenmäßig nach Sitzen gleichgezogen weil sie einen alternden einsamen Stadtrat, der auf einer anderen Liste kandidiert hatte, vereinnahmt hat.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ich kann mir gut vorstellen, daß Bischof Voderholzer sich auch von
    einigen Betonköpfen innerhalb der katholischen Kirche Kritik an-
    hören „darf“, hat er es doch gewagt, zusammen mit Leuten, die
    bestimmt n i c h t seine Überzeugungen teilen, für eine Sache
    Flagge zu zeigen.
    Wie groß wäre erst der Aufschrei gewesen, wenn Voderholzer
    sich geweigert hätte, unter diesen Konstellationen an der Ge-
    denkstunde teilzunehmen.

  • Christliche Kirchen schuld!

    |

    Schuld an der Judenverfolgung waren die christlichen Kirchen!

    Die Judenverfolgung unter Hitler hatte ihre historische Ursache in der jahrhundertelangen Diffamierung und Verfolgung der Juden durch die beiden großen christlichen Kirchen.

    So forderte selbst Martin Luther, dass man gegen die Juden rabiat vorgehen soll.

  • Mr. T

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    Frau Vietze, wenn Sie sich mit den Gründen der Ganzlinken für den Boykott auseinandergesetzt hätten, hätten Sie viellecht erkannt, dass es nicht nur um unterschiedliche Überzeugungen geht. Voderholzer bezieht sich nur zu gern auf seinen deutlich antisemitischen Vorgänger Graber und er fällt immer wieder durch menschenverachtenede Aussagen auf. Wie auch im vorhergehenden Beitrag richtig dargestellt wird, hat das Christentum quasi das Urheberrecht für die Judenverfolgung. Es war der Wegbereiter für die Untaten im Dritten Reich. Und ohne sich davon zu distanzieren marschieren diese sogenannten „Christen“ jetzt zum Gedenken der Opfer des Faschismus mit. Das grenzt ja nicht mal mehr an Perversion, das ist schin weit darüber hinaus.

  • Marianne Frey

    |

    Es geht, wie ich dachte ums Gedenken für die Opfer des Faschismus. Was ist so schlimm, wenn 2 oder mehr Veranstaltungen durchgeführt werden?
    Was mir nach diesem Bericht in Erinnerung bleibt:
    Eine große demokratische Gruppierung war nicht dabei.
    Wolbergs machts.
    Wo hackt’s in Regensburg?

  • Fair bleiben

    |

    Marianne Frey: „Was mir nach diesem Bericht in Erinnerung bleibt:
    Eine große demokratische Gruppierung war nicht dabei.“

    Ihnen bleibt sicherlich auch in Erinnerung, dass es keine Zwangsdemo war, bei der alle mitzumachen haben.

  • Mathilde Vietze

    |

    Die Ansichten von Bischof Voderholzer entstammen
    zum großen Teil aus der klerikalen Mottenkiste und
    gehören ins vor-vorige Jahrhundert.
    Ich wüßte nun aber gerne, wo er sich menschenver-
    achtend geäußert hat.

  • Veronika

    |

    ich finde es toll, dass sogar der katholische Bischof Voderholzer anwesend war. GV Fuchs ist auf einem der obigen Bilder etwas dumm getroffen. Er steht genau unter dem Transparent von Anita f., als ob er zur Antifa gehören würde. ;-)
    Für institutionelle Gedenkaktionen – die natürlich sein müssen um auch das Ausland ruhig zu stellen und von der demokratischen Verfasstheit unseres gar nicht mehr so demokratisch wirkenden Staatswesens (So sehe ich dies zumindest für Bayern!) zu überzeugen – halte ich persönlich nicht mehr allzuviel. Es hat sich eine politisch massiv unterstützte, institutionell verfasste Erinnerungskultur herausgeprägt, bei die die Opfer nur noch als Generalschaden angesehen werden (müssen). Parallel dazu sind Zweidrittel der Bevölkerung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen und stimmt für „Triton“ statt für „Mare nostrum“.
    Aber die Antifaschisten haben hier wieder einmal höchst negativ den Vogel abgeschossen. So stellt man sich – auch mit zum Teil guten Gedanken – in ein sehr schlechtes Licht.

  • Veronika

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    @Mr. T: Vergessen Sie es! Den Regensburger Bischof – den ich für seine Teilnahme hier übrigens nur in höchsten Tönen loben kann – wird in Bayern niemand kritisieren. Er kannte und kennt Papst Benedikt XVI. em. persönlich, hat bei GLM promoviert, der seinerseits beim J.R. promoviert hatte und nun Glaubenspräfekt ist. Sie kennen doch sicher die „Königstreuen“ und die unverbesserlichen „Franz Josef Strauß“-Verehrer?
    Richtig, in Bayern braucht man solche, genau solche und keine anderen Vorbildfiguren. Diese zeigen den meisten Bayern, dass die Welt nicht gut ist, man schlecht sein darf, aber in Verbindung mit der RKK und einem „guten Geistlichen“, einer Schenkung an die RKK und dem Angebot die eigenen Kinder im katholischen Glauben unterweisen zu lassen, weiterhin sündigen, andere besch…..en kann und trotzdem Hochachtung und Wohlwollen erfährt.

  • Mathilde Vietze

    |

    Es ist in keinster Weise verboten, Bischof
    Voderholzer zu kritisieren, ganz im Gegen-
    teil. Wenn er eine – polarisierende – Meinung
    vertritt, muß er sich – genau wie jeder andere
    Bürger – der Kritik stellen, ohne gleich von
    „Kirchenfeindlichkeit“ zu tönen.

  • Nemo Udeis

    |

    @Veronika: Wie so oft bei Ihren Kommentaren konstruieren Sie Theorien auf Basis von Halbwissen oder falschen Informationen. Bischof Voderholzer hat zwar bei Gerhard Ludwig Müller promoviert, dieser aber war nicht Schüler von Joseph Ratzinger, sondern promovierte und habilitierte bei Karl Lehmann. Diese Infos sind leicht zugänglich (u.a. Wikipedia) und dürfen auch genützt werden.

  • Veronika

    |

    @Nemo Udeis:

    Vielen Dank für die Info. Da ich aber keinen Presseartikel, nur einen Kommentar geschrieben habe, dürfte es egal sein. Mache mir nicht immer die Mühe hier nachzusehen. So wichtig sind mir diese Personen seit meinem Kirchenaustritt auch nicht mehr. Habe für diese Organisation 20 Jahre als Religionslehrerin gearbeitet und mich mitschuldig gemacht manche krude These unter die jungen Leute zu bringen. Trotzdem sind alle Genannten nicht nur über deren Amt sondern auch sonst sehr freundschaftlich verbunden.
    GLM wäre nicht Glaubenspräfekt, wenn er nicht ein besonderes Näheverhältnis zu J.R. gehabt hätte. Theorien muß ich nicht konstruieren die sind regelmässig bereits vorher da und Bischof V. schätze ich trotzdem jetzt ein wenig besser, weil er bei diesem Gedenken anwesend war. Das dieser aber erzkonservativ ist, scheinbar mit Opus Dei sympathisiert und wie es scheint aufgrund seiner Abstammung Tschechien nicht mag ist zu kritisieren.

  • Lotte Fries

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    @Veronika, sie mögen zwar mit kruden Abkürzungen GLM (Generalisierte Lineare Modelle?) oder J.R. ( ist das der von der Dallas Serie?) leben können, aber für den Normalo werden ihre Texte nicht lesbarer :-)

  • Christian Feldmann

    |

    Jahrzehntelang dieselbe traurige Geschichte: Während die tapferen (was alles andere als ironisch gemeint ist!) Regensburger Antifaschisten, Strauß-Gegner und Kapitalismuskritiker am 23. April „ihrem“ Domprediger Maier das Moorsoldatenlied sangen, ehrte das bürgerlich-konservative Lager „seinen“ Domprediger Maier einen Tag später mit frommen Gesängen (und natürlich lag das traurige Possenspiel vor allem an der Mir-san-mir-CSU, die mit alten und neuen Nazis hier noch nie umgehen konnte). Endlich, endlich haben sie heuer eine gemeinsame Gedenkfeier für den stillen Widerständler hingekriegt, der für seine Stadt und alle ihre Bürger gestorben ist und nicht für eine Fraktion oder Denkschule.
    Aber weil es zu schön gewesen wäre, um wahr zu sein, tritt flugs das in solchen Fällen unvermeidbare Splittergrüppchen auf, das erschreckend wenig Ahnung von Geschichtswissenschaft und Quellenstudium hat, dafür aber mehr Unfehlbarkeit und Selbstbewusstsein an den Tag legt als weiland Heiliges Offizium und Moskauer Politbüro zusammen. Und schon ist das zaghaft emporgesprossene Pflänzchen „gemeinsame Gedenkkultur“ in den Staub getreten.
    Statt sich über die Teilnahme des Bischofs zu freuen, der dem bürgerlichen Lager, siehe oben, vielleicht den mühsamen Schritt zur ehrlichen Vergangenheitsbewältigung erleichtern könnte, fordert man ihm wie in einem Schauprozess eine Distanzierung von einem Vorgänger ab, mit dem er sich bisher keineswegs hundertprozentig identifiziert hat, und macht ihn für zwei oder drei schlecht besuchte Veranstaltungen auf dem Katholikentag verantwortlich, die doch tatsächlich, igitt, rechtskatholische Lebensschützer organisiert haben, ohne das wackere Antifa-Trüppchen „Anita F.“ vorher zu fragen. Dass bei den mindestens tausend Foren, Podiumsdiskussionen, Workshops und spirituellen Appetizern des Katholikentags feministische Theologinnen, lateinamerikanische Befreiungstheologen, US-amerikanische Kapitalismuskritiker und rotgrüne Christenjugend genauso ihren Platz hatten, interessiert die Dogmatiker vom Antifa-Gesinnungsprüfbüro einen Dreck.
    Mein Gott, und dann der Bischof Graber, der zufällig auch „Rudolf“ hieß! Was haben wir jungen Theologen und Journalisten in den wilden 68ern Sträuße mit ihm ausgefochten! Ich selber habe mich als SZ-, FR- und Rundfunkkorrespondent jahrelang mit ihm herumgeschlagen. Aber keiner von den kritischen Kaplänen, Theologiestudenten und Publizisten wäre auch nur im Traum darauf gekommen, den Mann einen „Antisemiten“ zu nennen. Wie bei jedem, der Hunderte von Büchern, Fachaufsätzen und aktuellen Statements produziert (seine zahllosen Predigten nicht mitgerechnet), findet sich auch bei ihm mancher Stuss. Und die verquasten Halbsätze über weiße Rasse und Abendland und Europa, die in frühen Jahren entstanden, lesen sich heute weiß Gott nicht sehr appetitlich. Aber um da zu urteilen, sollte man schon ein wenig Ahnung haben von den Versuchen potenter Theologen wie Delp, Lotz, Hirschmann, Hugo Rahner, in den Dreißiger Jahren der braunen Heilslehre den Nährboden abzugraben, indem man dort irgendwelche akzeptablen Ansätze herauszufiltern suchte und sondierte, ob ein kritisches Gespräch mit der „völkischen Bewegung“ möglich war. Ein verwegenes Unterfangen am Rand des intellektuellen Abgrunds, das auch bald wieder aufgegeben wurde. Aber Leute wie Alfred Delp, später einer der glaubwürdigsten Widerständler, der auch nie nur den kirchlichen Besitzstand verteidigte, sondern auch verfolgte Juden versteckte und im Februar 1945 in Berlin-Plötzensee an einem Fleischerhaken aufgehängt wurde, Leute wie Delp haben damals auch komische Sätze geschrieben. Übrigens auch Dr. Johann Maier, ein sehr konservativer und gar nicht politischer Gegner der Hakenkreuzler.
    Ach, Graber mit seiner Fatima-Manie und seinen Warnungen vor dem „Rauch Satans“, der durch eine Ritze in die Kirche eingedrungen sei …! Aber mit seinen hartnäckigen Kontakten zu orthodoxen Kirchenführern und Theologen hat er Mauern abgebaut und Grenzen durchlässig gemacht, als die meisten den Kalten Krieg noch für ewig hielten. Menschen haben in der Regel viele Facetten. Und Bischöfe stehen immer in einer langen Traditionsreihe, genau wie Bundeskanzler, Parteivorsitzende und Landräte. Soll sich Angela Merkel jedes Mal feierlich von Kiesinger distanzieren, wenn sie zur Nazi-Zeit redet? Unter Voderholzers Vorgängern finden sich Lichtgestalten wie der tolerante Aufklärer Sailer und problematische Figuren wie der stumme Buchberger; von wem soll er sich distanzieren, vor wem verbeugen, wenn er sich zu heiklen Themen
    äußert?
    Noch ein Hinweis für die Gesinnungsprüfer: Wolbergs hat es gewagt, der rechtskatholischen und über andersdenkende Christen, grüne Klimaschützer und sinnenfrohe Afrikaner nicht immer besonders menschenfreundlich daherplappernden Gloria mehrfach!!! die Hand zu drücken. Man versammle sich künftig stets auf der anderen Straßenseite, bis Wolli eine überzeugende Distanzierung abliefert!

  • R.Werner

    |

    Beeindruckend, wie Christian Feldmann seine Katholikentag-Euphorie und seine offenbar bereits 1968 abgeschlossene Auseinandersetzung mit der Problematik Katholische Kirche UND Nationalsozialismus, hier insbesondere zu Rudolf Graber, zum gültigen Maßstab erheben möchte.

    Feldmann empfiehlt in punkto Gedenkweg sich „über die Teilnahme des Bischofs zu freuen, der dem bürgerlichen Lager … vielleicht den mühsamen Schritt zur ehrlichen Vergangenheitsbewältigung erleichtern könnte“.
    Wie weltfremd ist das denn?
    Bf. Voderholzer will keine Vergangenheitsbewältigung sondern nur die Absicherung des Status Quo und vermutlich die Option eines weiteren Seligen in der Diözese: Johann Maier – deshalb die lange Rede am Dom.

    Voderholzer will sicherlich weder eine Aufarbeitung der NS-Vergangenheit des bürgerlichen Lagers, noch der seiner Vorgänger Rudolf Graber und Michael Buchberger. Das will offenbar nicht einmal ein „roter Theologe“ Feldmann, jedenfalls ist er ist dieser Hinsicht nie aufgefallen.

    Die NS-Vergangenheit wurde auf dem Katholikentag in nur einer einzigen Veranstaltung behandelt – und zwar von Voderholzer höchstpersönlich, im Sinne einer Werbeveranstaltung.
    Die Eröffnungsveranstaltung fand im Josef-Engert-Stadion statt, dessen Namenspatron die Nürnberger Gesetze begrüßte um, „das weitere Einsickern jüdischen Blutes zu verhindern, ebenso das von Negern, Zigeunern und Bastarden.“
    Vermutlich ist auch dies nur banaler Stuss zu sehen, in Feldmanns verniedlichendem Sinne.

    Wie Feldmann auf die irrsinnige Idee kommt, mit Delp gegen Anita F. und pro Graber argumentieren zu können, mag verstehen wer will. Mit solchen Verdrehungen könnte er sich fast als Nachfolger von Bistumssprecher Neck bewerben.

    Oberpeinlich finde ich diese höchstproblematische Selbstreferenz, die meint, als 1968er schon alles analysiert zu haben: „ Aber keiner von den kritischen Kaplänen, Theologiestudenten und Publizisten wäre auch nur im Traum darauf gekommen, den Mann [Graber] einen “Antisemiten” zu nennen.“ Genau! Deshalb haben sie ihn gleich zum ersten Dr. hc. der Uni Regensburg geadelt und die Feldmanns haben sich bloß ein weiteres Mal lustig gemacht über den „Mufti“ Graber.

    Um zu erfahren wie Graber mit „orthodoxen Kirchenführern und Theologen“ umgegangen ist, sollte Feldmann sich einmal mit seinen evangelischen Kollegen unterhalten – dabei kann er vielleicht auch etwas über eine genuine katholische Überheblichkeit, speziell die von Graber an den Tag gelegte, erfahren.

    Noch eine Stimme von 1967, die Rudolf Graber in der Auseinandersetzung um die letzte antisemitische Hostien-Wallfahrt Europas, die Deggendorfer Gnad, als zuständigen Diözesanbischof kritisierte. Der LANDESRABINER VON BADEN, N.P. Levinson, der Grabers Verteidigung der antisemitischen Wallfahrt als „völlig unverständlich“ bezeichnet, schreibt an einen beteiligten Kollegen: Graber „kann anscheinend keine Kritik ertragen und beantwortet deshalb sachliche Argumente mit Drohungen.“ Graber weigerte sich damals „das schlichte Ersuchen, die historische Widerlegung der Hostienanschuldigungen möge durch den Bischof den Gläubigen bekannt gemacht werden“ umzusetzen und ging sogar zu Gegenangriff über.
    Fast alle damaligen Regensburger Theologen stützten Graber in seiner antisemitischen Verteidigungsschlacht (Andreas Angerstorfer tat es nicht). Die Deggendorfer Gnad wurde erst 1992 nach Grabers Tod eingestellt.

  • Christian Feldmann

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    Bischof Graber hat die „Deggendorfer Gnad“ nicht in einer „antisemitischen Verteidigungsschlacht“ (welche Sprache für einen Hobbyhistoriker!) zementiert, sondern zu einer Sühnewallfahrt vor allem für die von Christen an Juden verübten Verbrechen umgewidmet. Ob das überzeugend oder ausreichend war, darüber kann man unterschiedlicher Meinung sein. Lügen, Halbwahrheiten, Verdächtigungen, aus komplizierten Zusammenhängen gerissene Zitatbrocken dienen der notwendigen Diskussion allerdings sicher nicht.
    Für einen Seligsprechungsprozess für Dr. Johann Maier fehlen übrigens die Voraussetzungen. Leider.

  • R.Werner

    |

    Über den gescheiterten und unredlichen Versuch Grabers, die „Gnad“ in eine Sühnewallfahrt umzudeuten, braucht man sich nicht mehr streiten.
    Angerstorfer über die „Gnad“ im Oktober 1991: „Antisemitisches Theater und antijüdische Eucharistiefrömmigkeit gingen dort Hand in Hand…“

  • Mathilde Vietze

    |

    Ein großes Dankeschön an Christian
    Feldmann! Einen so sachlichen Kommen-
    tar habe ich lange nicht gelesen; daran
    sollten sich diejenigen, die von vorneherein
    alles schlecht reden, ein Beispiel nehmen.
    Und – ein katholischer Bischof hat – soll er
    glaubwürdig sein – die P f l i c h t , an einer
    solchen Demo teilzunehmen, ega, ob da
    auch Antifa’s, Kommunisten und Sozialisten
    dabei sind. Und – er wird sich noch genug
    Kritik von den Ewiggestrigen in den eigenen
    Reihen anhören „dürfen“.

  • Heiko

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    Schön war´s und viele Menschen waren da. Sonst noch was?
    Nur mit so einem breiten Bündnis, erreicht man auch Bürger, die sonst einer kleineren „Splitter-Demo“ fernbleiben.

  • WJR

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    Der diesjährige Gedenkweg unter der Schirmherrschaft der Stadt hat sicherlich auch einiges Positives, bedeutet aber in inhaltlicher Hinsicht keinerlei neue Erkenntnisse und auch nicht, dass mehr Leute mitlaufen oder sich mit NS-Geschichte auseinandersetzen würden.

    Den Hauptnutzen aus der gemeinsamen Veranstaltung ziehen:
    OB Wolbergs, der als großer Gedenkkultur-Stifter einer ach so geschichtsbewußten Stadt auftreten kann;
    dann die Katholische Kirche, die J. Maiers angeblichen Opfertod verstärkt propagieren kann und damit C.Feldmann so glücklich macht;
    aber auch die VVN, die endlich unter einem OB ihre historisch verkürzte und ideologisch aufgeladene „Faschismus“-Analyse verbreiten und sogar das Motto des Gedenkweg bestimmen darf.

    Viele Gewaltopfer des NS-Regimes wurden in den Redebeiträgen des Gedenkwegs ausgeblendet: Kriegsgefangene in R., Zwangsarbeiter in allen gesellschaftlichen Bereichen, die Ermordung von über 600 sog. Behinderten in Regensburg, die Verfolgung von Homosexuellen.
    Ebenso auf der Seite der Täter- und Mitläufer gibt es blinde Flecken: die Nazi-Vergangenheit der Stadtverwaltung und ihrer politischen Führung, die Rolle der Katholischen und Evangelischen Funktionsträger in Regensburg, die personelle Kontinuität von NS-Tätern und Befürwortern in Regensburger Presse-, Gelehrten-, Staats- und Justizkreisen. Oder der Aufstieg Regensburgs als NS-Rüstungsstandort („Messerschmitt-Jäger – Siegen für Deutschland“), …
    Bestimmt habe ich auf die Schnelle etwas vergessen, oder weiß es nicht genauer.

    Ob eine Antifa-Gruppe (mit Begründung) bei Bf. Voderholzer stehen und klatschen will oder nicht, ist deren Sache und in der Berichterstattung völlig überbewertet. Es gibt außerhalb des Bündnisses keinen Konsenszwang!

    Die eigentliche Problematik des gemeinsamen Gedenkens sehe ich darin, dass bei der Konsensfindung in der Vorbereitung viel zu viel Problematisches unter den Tisch gefallen ist oder anscheinend eh von vornherein ausgeklammert worden war. Nicht einmal die der SPD-Pressemitteilung von April 2013 (die ich gerade noch gefunden habe) angeführten Punkte wurde umgesetzt.

  • Unite

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    Ich denke angesichts solcher Gedenktage sollte man froh sein einen Konsens aller gesellschaftlichen Gruppen zu finden. Denn die Dialogunfähigkeit und offene Feindschaft der demokratischen Gruppen in der Weimarer Republik hat, den Nationalsozialisten den Weg bereitet, um den schwachen, unfähigen und kranken Debattierklub im Reichstag „hinwegzufegen“.
    Also muss man auch mal über seinen eigenen Schatten springen. Das Verhalten der Regensburger CSU in diesem Zusammenhang halte ich eher für kontraproduktiv.
    Klar ist aber auch dass man sich an so einem Gedenktag nicht von „Nazi -Paranoikern“, als Nazi beschimpfen lassen will, nur weil man einer demokratischen Partei angehört, die nicht in deren Weltbild passt.
    Nur so kann ich mir das Verhalten der CSU-Fraktion erklären
    Aber bitte sollten alle Gruppen daran denken, sollte es der nationalsozialistischen Ideologie noch einmal gelingen die Macht zu erringen, ihr alle im selben KZ sitzt.

  • Andreas Schmal

    |

    Eigentlich sollte man im Internet nicht diskutieren und schon gar nicht zu diesem Thema, aber jetzt drückt es mich doch.

    Dass es Verfolgtengruppen gibt die nicht explizit genannt werden, dem kann ich nur teilweise zustimmen. Der Text des Fronttransparentes nannte „Im Gedenken an die Nazi-Opfer“, was eine Anlehnung an das erste Transparent von vor 40 Jahren ist, als kommunistische Gruppen begannen das Gedenken in die Öffentlichkeit zu tragen. Die vorbereitenden Organisationen benutzen „Gedenkweg für die Opfer des Faschismus in Regensburg“, womit alle inkludiert sind. Auch wurden in fast jedem Redebeitrag auch die „vergessenen Opfer“ angesprochen.
    Dass es diese Stationen des Gedenkwegs gibt wie es sie gibt ist historisch bedingt. Die genaue Reihenfolge kenne ich nicht, aber sie wurden in der Reihenfolge hinzugefügt in der Kontakt zu Verfolgtenorganisationen gefunden wurde. Erst vom Colosseum (KZ, Zwangsarbeit) zum Dachauplatz (Maier, Zirkl, Lottner), später Jüdische Gemeinde. Danach kamen der Neupfarrplatz hinzu (Neupfarrplatzgruppe, Verfolgung der Arbeiterbewegung). Vor einigen Jahren beschäftigten sich dann die Zeugen Jehovas stärke mit der Vergangenheit und der Minoritenweg wurde ergänzt. Und dieses Jahr nun das Westportal des Domes für die christlichen Kirchen. Diese waren zwar keine verfolgten Organisationen, tragen aber seit Jahren viel zur Gedenkpolitik in Deutschland bei. Heuer waren die verfolgten Sinti und Roma erstmal mit einem Redebetrag am Dachauplatz vertreten.

    Lange Rede, kurzer Sinn. Es wird niemand explizit ausgeschlossen, der Gedenkweg ist selbst Historie. Was nicht beschönigen soll, dass sich die Forschung in Regensburg zu Politik, Widerstand und Verfolgung im Nationalsozialismus auf einem erbärmlichen Niveau befindet.

    Gedenken ist eine persönliche Geschichte. In den Gewerkschaften, der Sozialdemokratie, der VVN, bei antifaschistischen, sozialistischen, kommunistischen und anderen Gruppen aufgrund ihrer Geschichte tiefer in der Arbeit verankert als bei Organisationen, die sich nach 1945 bei gleichem Personal umbenennen mussten. Und nachdem es eine persönliche Geschichte ist, ist es für uns weder ein Problem wenn eine Partei fernbleibt (was mehr über sie als über die Beteiligten aussagt), noch ein Problem wenn sich eine andere Gruppe von der „Interpretation“ einer Station des Gedenkwegs distanziert.

    Gedenken ist persönlich und politisch und Änderungen unterworfen. Für den einen muss es still erfolgen, der andere will es rauschreien. Was wir heute machen kann in 10 oder 20 Jahren Kopfschütteln hervorrufen.

    Wenn die katholische Kirche heute den einen mutigen Mann in ihren Reihen hervorhebt und den damaligen Bischof nicht mehr nennt, dann ist das auch eine Positionierung. Für die Aufarbeitung vermutlich zu wenig, für einen Gedenkweg und 5 Minuten Zeit aber völlig ausreichend.

  • menschenskind

    |

    „CSU boykottiert Gedenkweg…“ lautete die Überschrift obigen Beitrags.

    Darin, im Boykottieren des Gedenkens an eigene bayerische Missetaten ist die CSU erklärte Meisterin.
    Über sechzig Jahre an der Macht, hat die bayerische C-Partei, wo und wie sie nur konnte, blockiert oder verhindert, dass Bürger ausreichend über ihre eigene Geschichte informiert wurden, dass ein Unrechtsbewusstsein entstehen konnte, dass eine angemessene Gedenkkultur zustande kam. Die Bürger sollten vielmehr unbelastet ihre Freizeit genießen und sich hemmungslos dem Konsum hingeben können. Denn, wer nachdenkt, konsumiert weniger. Das Gewissen meldet sich, der Anstand eventuell ebenfalls und schon ist’s aus mit dem Riesenspaß am neuen BMW-Cabrio…

    Hier einige Belege dafür wie die CSU uns Bayern für dumm verkauft, nun schon seit drei Generationen:

    Sinti und Roma in Bayern, beachte vor allem die Jahre nach 1945:
    http://www.sintiromabayern.de/chronik.pdf

    Die KZ-Gedenkstätte Dachau und die CSU:
    http://www.hagalil.com/archiv/2009/05/17/kz-dachau/
    bzw.
    http://www.hagalil.com/archiv/2009/05/18/gedenkstaette-dachau/

    CSU-hörige Historiker zerschrieben die bayerische Geschichte sechs Jahrzehnte lang nach Gutdünken, hier zweimal Starhistoriker Karl Bosl:
    http://www.hagalil.com/archiv/2009/03/08/bayern-ns/comment-page-1/
    http://www.hagalil.com/archiv/2013/11/04/zoeberlein/

    Auch noch im 21. Jahrhundert belügen uns die CSU-Historiker nach Strich und Faden:
    http://www.hagalil.com/archiv/2014/01/02/zoeberlein-3/

    Und wir Bayern lassen uns das immer noch gefallen. Oder sind wir unserer CSU vielleicht am Ende sogar dankbar, dass sie uns so lange vor unseren eigenen (historischen) Schweinereien bewahrt hat? Am Ende war es gar eine sittliche Großtat der CSU, zu schweigen, zu vertuschen, zu lügen? Oder wäre damit die Umkehrung der Werte, so wie sie George Orwell in „1984“ beschrieb, Realität geworden?

  • menschenskind

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    Wer aus der Vergangenheit nicht lernt, ist dazu verurteilt sie zu wiederholen. Oder wie sonst sind die Resultate der Befragungen der FES zu Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit der Jahre 2006 bis 2010 zu begreifen?

    Danke, CSU, dass ihr uns so lange für dumm verkauft und uns das Märchen vom „wunderschönen Bayern“ so wirkungsvoll vermittelt habt, so wirkungsvoll, dass wir’s am Ende geglaubt haben.

    „Studie zur Fremdenfeindlichkeit: Bayern antisemitischer als der Osten –
    … Ihre Zahlen sind überraschend. So hat Bayern mit 16,6 Prozent den höchsten Anteil an Antisemiten, gefolgt von Baden-Württemberg mit 13,3 Prozent und knapp vor Thüringen mit 12,9 Prozent… Und ausländerfeindliche Ressentiments sind in Bayern und Sachsen-Anhalt offenbar fast gleich stark verbreitet. Mit 39,1 Prozent liegt der Freistaat knapp hinter dem Ostland, 39,3 Prozent.
    http://www.taz.de/!26476/

  • Gedenk-Posse um Colosseum scheint beendet » Regensburg Digital

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    […] Beim Gedenkweg für die Opfer des Faschismus, der alljährlich am 23. April stattfindet, wurde über Jahrzehnte ein angemessenes Gedenken gefordert. Im letzten Jahr fand der Gedenkweg auf Initiative von OB Wolbergs nun auch zum ersten Mal unter Ägide der Stadt Regensburg statt. Die CSU, welche die jahrelangen Verzögerungen in erster Linie zu verantworten hat, nahm geschlossen… […]

  • „Hündisch ergeben“ » Regensburg Digital

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    […] die CSU, die im vergangenen Jahr das erste gemeinsame Gedenken geschlossen boykottiert hatte, schwadroniert von Gemeinsamkeit über alle ideologischen Grenzen […]

  • „Jeder hatte die Wahl“ » Regensburg Digital

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    […] über 40 Jahren gespaltenen Gedenkens in Regensburg findet der Gedenkweg in diesem Jahr zum mittlerweile dritten Mal geeint unter Ägide der Stadt Regensburg statt. Mit Teilnehmern aus dem bürgerlichen Lager, die beiden großen Kirchen, über die Jüdische […]

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