Reichstheologe Graber jetzt doch kein Vorbild?

Dem Rudolf ist der Rudolf peinlich

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Doch kein Vorbild? All zu sehr will Rudolf Voderholzer mit seinem Namensvetter nun doch nicht in Verbindung gebracht werden. Fotos: pm/ Staudinger

Doch kein Vorbild? All zu sehr will Rudolf Voderholzer mit seinem Namensvetter nun doch nicht in Verbindung gebracht werden. Fotos: pm/ Staudinger

Nach dem Erscheinen des Buches „Braune Flecken auf dem Priesterrock“ will Bischof Rudolf Voderholzer offenbar nur noch ungern mit seinem Vorgänger und Namensvetter Rudolf Graber in Verbindung gebracht werden.

„Ich glaube, es liegt in dem Kampf gegen das Judentum die instinktive Abneigung des ganzen Deutschen Volkes, das sich unbewußt als das auserwählte Volk der neutestamentarischen Verheißung betrachtet und nun einmal mit Recht nicht verstehen kann, warum das verworfene Israel die Welt beherrschen soll und nicht das Volk der Mitte.“ Rudolf Graber, 1933

Ein Anruf aus dem Ordinariat

Unangenehm scheint es Bischof Rudolf Voderholzer doch zu sein. Als Regensburg Digital am Dienstag eine Besprechung des gerade erschienen Buchs von Robert Werner, „Braune Flecken auf dem Priesterrock“, veröffentlicht, erhalten wir einen Anruf aus dem Bischöflichen Ordinariat. Ein ungewöhnliches Ereignis, dass uns jemand von dort anruft, wo doch ansonsten unsere Anfragen an die bischöfliche Pressestelle fast immer unbeantwortet bleiben.

Doch dieses Mal hat man eine Frage an uns. Woher wir denn wüssten, dass Rudolf Voderholzer sich anlässlich seiner Amtseinführung 2013 seinen Vorgänger Rudolf Graber – von 1962 bis 1981 Bischof von Regensburg – zum Vorbild erkoren hätte, will Voderholzers theologischer Referent von uns wissen. „Der Bischof kann sich daran nämlich nicht erinnern.“

Graber-Ring gehört zu Voderholzers Insignien

Beleuchtet die NS-Vergangenheit von Rudolf Graber, Josef Engert und Domkapellmeister Schrems: "Braune Flecken auf dem Priesterrock".

Beleuchtet die NS-Vergangenheit von Rudolf Graber, Josef Engert und Domkapellmeister Schrems: „Braune Flecken auf dem Priesterrock“.

Tatsächlich hatte Voderholzer anlässlich eines Besuchs im Regensburger Presseclub 2013 auf Nachfrage zu seinem Namensvetter erklärt, dass Rudolf Graber jener Vorgänger sei, der ihm am nächsten stehe, sein „erstes Vorbild“. Entsprechend zählt auch der Konzilsring Grabers zu den Insignien von Bischof Rudolf Voderholzer. Und wie jeder seiner Vorgänger nimmt auch Voderholzer immer wieder positiv Bezug auf Graber.

Keine große Sache all das – so lange sich niemand damit beschäftigt, dass jenes „Vorbild“ Graber Vertreter einer antisemitischen Reichstheologie war. Ein Umstand, den Werner in seinem Buch akribisch aufarbeitet, der aber bislang in der offiziellen katholischen Geschichtsschreibung nicht vorkommt. Eher wird das Gegenteil behauptet: Josef Ratzinger vertrat etwa als Kardinal die Ansicht, Graber habe „wie nur ganz wenige“ gegen „den Ungeist des Dritten Reichs“ standgehalten.

„Exklusiv“: Graber ist nicht Voderholzers Vorbild, irgendwie…

Vor diesem Hintergrund des üblichen Verschweigens und Verdrehens mag es sein, dass Rudolf Voderholzer nicht wirklich über Grabers Antisemitismus im Bilde war und er es als etwas völlig harmloses empfand, einen Namensvetter und Vorgänger als sein erstes Vorbild zu bezeichnen.

Sein theologischer Referent teilt uns nun „exklusiv“ mit, dass man mitnichten behaupten könne, dass sich Voderholzer Graber als „Vorbild erkoren“ habe (so steht es bei Regensburg Digital und im Vorwort des Buches). Sein einziges Vorbild sei Jesus Christus.

Einen „eigenen Stellenwert“ habe Rudolf Graber für Rudolf Voderholzer allerdings schon. In seiner Zeit als Professor sei das II. Vatikanische Konzil (1962 bis 1965) ein Forschungsschwerpunkt von Rudolf Voderholzer gewesen. Und Rudolf Graber wiederum habe an allen Sitzungen des II. Vatikanischen Konzil teilgenommen, sei sogenannter „Konzilsvater“ und das wiederum sei schon etwas Besonderes.

Graber: Konzil ist Plan Luzifers

Natürlich hätte man noch dazu sagen können, dass Rudolf Graber im II. Vatikanische Konzil einen „luziferischen Plan“ sah. Mit dem Konzil sei, so Graber wörtlich, „der Teufel in die Kirche eingebrochen“. Freimauerer, Atheisten und andere Geheimgesellschaften hätten sich dies herbeigewünscht. Zu dem „luziferischen Plan“ gehören laut Graber auch „der Humanismus der Renaissance“, „die Aufklärung“ und, selbstverständlich, „die Französische Revolution“.

Das wäre für manche sicher allein schon Grund genug, sich kritisch mit Rudolf Graber auseinanderzusetzen, anstatt ihm per se einen „besonderen Stellenwert“ beizumessen, wie dies Bischof Rudolf Voderholzer tut.

Gibt es noch eine echte Distanzierung?

Doch immerhin: Mit Grabers antisemitischer Reichstheologie will Bischof Voderholzer, so deuten wir den Anruf aus dem Ordinariat, nun nicht mehr in Verbindung gebracht werden. Vielleicht folgt ja – nach Lektüre des ganzen Buches – auch noch eine tatsächliche Distanzierung des Bischofs von seinem antisemitischen Vorgänger. Das würde seiner Begeisterung für katholische NS-Widerständler wie den Journalisten Fritz Gerlich dann auch ein deutliches Mehr an Gewicht verleihen.

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Kommentare (16)

  • semmeldieb

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    also wenn das kerlchen es so faustdick hinter den frommen ohren hatte, dann sollte jemand schleunigst in aufhausen anrufen und die umgehende umbenennung der dortigen bischof-rudolf-graber-strasse anmahnen.

    ist man dort nur uninformiert oder etwa heimlich stolz auf sowas…: http://de.wikipedia.org/wiki/Rudolf_Graber_(Bischof)#Wirken_in_der_NS-Zeit

    den adolf als den heiland bezeichnen….ts, ts…

    der karl valentin, nach dem (lobenswerterweise) eine gasse dort benannt ist, der würd´ im grab rotieren, wenn er wüsst´, mit welchem bazi er sich in dem nest einen der 48 strassennamen teilen muss!

    rotieren? nein! sagen tät er was tun… vielleicht:

    „des ignoriern ma net amoi!“

  • hf

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    „Ich glaube, es liegt in dem Kampf gegen die Islamisierung die instinktive Abneigung des ganzen Deutschen Volkes, das sich unbewußt als das auserwählte Volk der neutestamentarischen Verheißung betrachtet und nun einmal mit Recht nicht verstehen kann, warum der mörderische Islam die Welt beherrschen soll und nicht das Volk der Mitte.“ … nicht Rudolf Graber, 1933

  • Veronika

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    „Sein einziges Vorbild sei Jesus Christus.“ – Das ist ja gleich noch mysteriöser!!!
    ————————-
    „Mit dem Konzil sei, so Graber wörtlich, „der Teufel in die Kirche eingebrochen“. Freimauerer, Atheisten und andere Geheimgesellschaften hätten sich dies herbeigewünscht. Zu dem „luziferischen Plan“ gehören laut Graber auch „der Humanismus der Renaissance“, „die Aufklärung“ und, selbstverständlich, „die Französische Revolution“.“
    ——————————————
    Na endlich weiß ich mal, wo der Ratzinger Joseph seine Einstellung hernimmt. Aber Atheisten als „Geheimgesellschaft“ zu bezeichnen ist schon hart.
    ——————————————
    Da folgt aber mit Sicherheit keine komplette Distanzierung von Graber. Dies würden ihm J.R./ BXVI. und auch DAS WERK niemals verzeihen. Kann man aufgrund der Sukzession nicht fordern, denn dann wäre diese ja unterbrochen. Immer desselben Geistes Kind. So ists gefordert, so wirds gemacht.

  • Veronika

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    Die RKK und deren Gesellen zeigen immer deutlicher deren wahres Gesicht. Damit demontieren die sich Gott sei Dank immer mehr selbst. Es heißt dann bald schon nicht mehr „Der Letzte macht das Licht aus!“, sondern „Der Letzte kehrt die Scherben weg!“. Der schnellen Information mittels Internet sind diese Leute nicht Herr geworden, und die Bildungsoffensive nach der Aufklärung zeigt endlich Wirkung, bevor die ersten Leute wieder verdummt werden können. Schönen Sonntag!

  • Mathilde Vietze

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    Gott sei Dank sind nicht alle Kirchenmänner Hornochsen und
    Betonköpfe. Und gerade deshalb ist es bitter notwendig, hier
    die Spreu vom Weizen zu trennen. Das vorliegende Buch mag
    dazu große Hilfe leisten. Und – es ist immer noch besser, wenn
    ein Kirchenmann sich J e s u s zum Vorbild nimmt, anstatt
    eines umstrittenen Bischofs.

  • Jupp Dietz

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    Mit etwas gesunden Menschenverstand braucht man keine dieser Figuren als Vorbild.

  • Aufklärer

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    Wenn ich das alles richtig sortiert und verstanden habe, dann war für Herrn Voderholzer erst der Rudolf Graber das Vorbild und jetzt ist es Jesus Christus (da muss er nur aufpassen, dass nicht plötzlich der liebe Gott und der Heilige Geist im Schmollwinkel sitzen, wegen der einseitigen Bevorzugung).
    Das hätte wohl niemand zu glauben gewagt, dass ein Artikel bei regensburg-digital dazu führen könnte, dass das Koordinatensystem eines kath. Bischofs so massiv verschoben wird.

  • Mathilde Vietze

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    Zu Jupp Dietz: Wollten Sie mit Ihrem Kommentar sagen, daß jemand,
    der gläubig ist, k e i n e n gesunden Menschenverstand hat?
    Es gibt Kirchenmänner, die ich mir gerne als Vorbild nehme, freilich
    weder Ratzinger & Co, noch Müller, Graber usw.

  • R.Werner

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    Wer Rudolf Graber verklärt, steigt auf!
    Schon Dr. Josef Ratzinger tat dies, später auch Bischof Gerhard Ludwig – beide wurden Präfekten, ohne sich je öffentlich und offen mit Grabers NS-Vergangenheit auseinandergesetzt zu haben. GL. Müller nannte seinen Vorgänger Graber ein Vorbild, weil er die gottfeindlichen und menschenverachtenden politischen und weltanschaulichen Ideologien seiner Zeit durchschaut habe.

    Bischof Voderholzer predigte im Pontifikalamt vom 31.1.15 zum Todestag Grabers: Dieser habe „das Kreuz der öffentlichen Verunglimpfung und des Nichtverstandenseins gut gekannt und angenommen“. Beim intensiven Studium der Predigten seines Vorgängers habe Voderholzer feststellen dürfen, „dass das Kreuz bei Bischof Graber eine wichtige Rolle gespielt“ habe.
    Aus: http://www.bistum-regensburg.de/news/gedenken-an-bischof-rudolf-graber-pontifikalamt-im-regensburger-dom-st-peter-3554/

    Ich denke, dass Bf. Voderholzer bei seiner Einschätzung – der „Verunglimpfung und des Nichtverstandenseins“ – bleiben wird. Ja bleiben muss, angesichts der generationenübergreifenden Zwänge des Schönredens. Aber wer weiß, vielleicht nimmt Bf. Voderholzer die BRAUNEN FLECKEN AUF DEM PRIESTERROCK ja zum Anlass, das Wirken Grabers differenzierter zu bewerten.

  • wahon

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    Mit ganz wenigen Ausnahmen waren alle deutschen Bischöfe, die katholischen ebenso wie die evangelischen, in der Weimarer Republik und erst recht zwischen 1933 und 1945 Antikommunisten, Antisemiten und Hitler-Anhänger. Die meisten Bischöfe blieben auch nach 1945 im Amt und setzten so den Kampf Hitlers gegen den Kommunismus ungehindert fort. Ihren Hitlerismus und ihre antisemitische Gesinnung konnten sie jetzt zwar nicht mehr offen propagieren, Hitlers Antikommunismus aber blieb ihnen Vorbild und Ansporn im Kampf für die „christlich-abendländische Kultur“. Warum also sollte sich ein Bischof Voderholzer von seinem geistig-theologischen Vorbild, dem Nazibischof Graber, lossagen?

  • pars altera

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    Lebenseinsichten eines schwäbischen Wankel-Politikers:

    „Bei pauschalen Verurteilungen … wegen früheren Verhaltens ist Vorsicht geboten. Jede Generation neigt zu der Unterstellung, was sie im Nachhinein erfahren hat, hätte die frühere Generation schon von vorneherein wissen können“
    „Was immer sich über die Vergangenheit sagen läßt: wir wollen nicht zurückblicken wie Lots Weib, sondern nach vorne schauen“
    „Es erhebt sich die grundsätzliche Frage: wie soll man (in der Politik) mit der Wahrheit umgehen? Die Antwort muß lauten: vorsichtig“
    „Der Mensch neigt dazu, das, was in seinem Kopf ist, für die Wahrheit zu halten; und wenn er absolut nichts denkt, sogar für die absolute Wahrheit“

    Manfred Rommel CBE,
    Waffen-SS-Interessent, Luftwaffenhelfer, Deserteur, Referent Hans Filbingers, kommunaler Multikulti-Aktivist, Miterfinder von „Stuttgart 21“

  • Veronika

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    @Mathilde Vietze:

    Ist schon gut, wenn sich Priester und Bischöfe „Jesus Christus“ zum Vorbild nehmen. Dann sollten diese aber auch endlich mal so handeln. Im Vergleich mit den Tempelhändlern die Jesus vom Tempelvorplatz vertrieben hatte, sehe ich die bekannten Priester und Bischöfe eher als Tempelhändler denn Jesus.
    Schade, dass in der Jesus-Geschichte kein Kapitel steht in dem die Römer oder die Hohenpriester versucht hatten, Jesus mit Geld zum Einlenken zu bringen. Dies wäre die passende, klärende Sentenz, die leider fehlt.

  • Mathilde Vietze

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    Verehrte Frau Veronika, es gibt diese Priester und Bischöfe und
    um deren Ansehen zu wahren, müssen die Verfehlungen der
    anderen offen angesprochen werden, ganz egal, ob das den Be-
    troffenen gefällt oder nicht.
    Und – Jesus hätte sich bestimmt nicht mit Geld „besänftigen“
    lassen, denn er hat weniger die Sünder angeklagt, als vielmehr
    die Selbstgerechten und derer gab es unter den Hohenpriestern
    mehr als genug.

  • Veronika

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    „Herr Werner, ihm (KK Gerhard Müller) schmeckts nicht!“
    ——————
    Der Ex-Bischof von Regenburg, Gerhard – ohne Ludwig – Müller scheint Herrn Werners neuestes Werk gelesen zu haben. Wie sonst käme dieser nun wieder einmal auf die Idee, Dietrich Bonhoeffer loben zu müssen [http://kath.net/news/49882], wo dessen Märtyrertod doch hinreichend bekannt ist, und Müller diesem – schon gar nicht mit den unsäglichen Vergleichen und Streitigkeiten als Bischof von Regensburg – das Wasser reichen kann.

  • menschenskind

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    An Semmeldieb:

    Du schreibst:
    „der karl valentin, nach dem (lobenswerterweise) eine gasse dort benannt ist, der würd´ im grab rotieren, wenn er wüsst´, mit welchem bazi er sich in dem nest einen der 48 strassennamen teilen muss!“

    Ja, weißt Du denn nicht, dass der Valentin inzwischen selbst zu denen zählt, von denen wir uns lieber distanzieren sollten?!?

    Valentin schrieb anbiedernde Briefe an Hitler.
    Valentin denunzierte mindestens drei Juden, darunter die erste (jüdische) Gattin von Heinz Rühmann.
    Valentin eröffnete 1934 in München ein Horrorkabinett, obwohl vor den Toren der Stadt das KZ Dachau bereits seit einem Jahr Angst und Schrecken verbreitete; entsprechend wenige Besucher zählte sein seltsames Kabinett des Grauens und musste bald darauf schließen.

    Anständige Leute können schon lange nicht mehr über Valentin lachen, weil sie das und mehr (alles relativ leicht recherchierbar) über ihn wissen.
    Übrigens, auch der Weiß Ferdl, jener berühmte bayerische Volkssänger, reimte antisemitischen Schwachsinn und wird heute nur ungern genannt, von Leuten, die sich auskennen.
    Ebenso als Antisemit outete sich Eugen Roth, der beliebte Reimer, dessen Bücher sich noch bis in die 1990er gut verkauften.

    Vom Ludwig Thoma ganz zu schweigen…

    Es ist wahrlich nicht leicht, Bayer zu sein und heimische Idole der Vergangenheit aufzuzählen, ohne sich dabei die Finger zu verbrennen.

  • CSU boykottiert Gedenkweg » Regensburg Digital

    |

    […] bezieht sich dabei unter anderem auf die nach wie vor fehlende Distanzierung des Bischofs von dem Antisemiten Rudolf Graber, aber auch auf fragwürdige Veranstaltungen anlässlich des Katholikentags. Als die Rede von […]

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