Gewaltexzesse im Obermünsterseminar

Die Verfehlungen des Monsignore Mai

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Abseits von den Domspatzen spielen die Übergriffe in anderen Einrichtungen der Diözese Regensburg offiziell keine Rolle. Doch tatsächlich lässt das Bischöfliche Ordinariat seit Jahren wegen körperverletzender Übergriffe in Bischöflichen Knabenseminaren recherchieren. Einer der Täter soll der hoch angesehene Prälat Paul Mai sein. Betroffene schildern ihn als hemmungslosen Schläger.

2014 wurde Paul Mai (re.) von Bischof Voderholzer in allen Ehren und mit viel Lob bedacht in den Ruhestand verabschiedet. Zöglinge Mais im Knabenseminar beschreiben ihn als sadistischen Schläger. Foto: Bayer

2014 wurde Paul Mai (re.) von Bischof Voderholzer in allen Ehren und mit viel Lob bedacht in den Ruhestand verabschiedet. Zöglinge Mais im Knabenseminar beschreiben ihn als sadistischen Schläger. Foto: Bayer

Obwohl sich seit Frühjahr 2010 viele körperlich misshandelte ehemalige Zöglinge diverser Einrichtungen des Bistums Regensburg beim Ordinariat meldeten, blieben sie lange gänzlich unbeachtet. Das Leid, das sie erfahren haben und die oftmals lebenslangen Folgen von körperverletzenden Strafen und sadistischen Übergriffen wurden schnell als bedauerliche Vorfälle, aber zeitbedingte Erscheinungen abgetan. Anfangs sprach man von „pädagogischen Übergriffen“.

Ein Einlenken kam spät. Erst nach dem SWR-Film „Sünden an den Sängerknaben“, der landesweit Entsetzen hervorrief, revidierte das bischöfliche Ordinariat im Februar 2015 seine Haltung und fand neben dem Leid der sexuell Missbrauchten auch das der körperlich Misshandelten anerkennenswert. 2.500 Euro als finanzielle Anerkennungsgeste wurden in Aussicht gestellt und, soweit bekannt, in aller Regel auch bewilligt. Allerdings nicht den Betroffenen aller kirchlichen Einrichtungen.

Knabenseminaristen werden benachteiligt

Nur der ehemaligen Domspatzen, die der Bischof „zu seinen wichtigsten Mitarbeitern zählt“ und die angeblich „Eifersucht und Neid“ auf sich ziehen, erbarmte sich Voderholzer. Nur für sie ließ er in der Folge die 2.500 Euro-Geste bereitstellen und einen aufklärenden Rechtsanwalt beauftragen. 

Misshandelte und missbrauchte Zöglinge der Bischöflichen Knabenseminare hingegen blieben bis heute außen vor. Dies ist bemerkenswert, da die Anzahl der Schüler dieser Einrichtungen die der „Domspatzen“ zahlenmäßig lange Zeit um ein Vielfaches überragte und so mancher Domspatzen-Täter auch in Knabenseminaren übergriffig wurde.

Bistum ist seit fünf Jahren mit den Übergriffen befasst

Nicht zuletzt, weil Betroffene aus Knabenseminaren keinen öffentlichen Druck erreichen konnten oder wollten und die Vorfälle in den bischöflichen Einrichtungen bislang (fast) keine mediale Aufmerksamkeit erlangten, präsentiert sich das Ordinariat allein hinsichtlich der Missstände bei den „Domspatzen“ öffentlich als reumütig und einsichtig.

Aktuelle Recherchen von regensburg-digital haben nun ergeben, dass das Bischöfliche Ordinariat seit nahezu fünf Jahren mit konkreten Gewaltexzessen im Knabenseminar Obermünster beschäftigt ist. Von sexuellen Übergriffen im Seminar ist bislang – abgesehen von Andeutungen und Vermutungen – nichts bekannt. Bei einem noch lebenden Täter handelt es sich offenbar um einen prominenten und hochdekorierten Geistlichen, den man offenbar schützen will.

regensburg-digital hat Zugang zu entsprechenden schriftlichen Unterlagen bekommen, mit mehreren Betroffenen und dem Hauptbeschuldigten gesprochen. Eine Anfrage unserer Redaktion bei der Diözese wurde von der Pressestelle ignoriert.

„Paul Mai war ja nur einer der Peiniger, wenn auch der hemmungsloseste.“

Wer sich mit Zöglingen des Bischöflichen Knabenseminars Obermünster der 1960er Jahre auseinandersetzt, dem schlägt zunächst geballter Zorn oder lang angestaute Wut entgegen. Er könne es nicht anders sagen, meint ein Ehemaliger: der damalige Präfekt Paul Mai sei seiner Ansicht nach „ein sadistisches A********“ gewesen.

Mai, von 1963 bis 1967 geistlicher Präfekt im Obermünsterseminar, habe seine Launen an Schülern mit Prügeln ausgelassen. Er habe zum Teil ohne ersichtlichen Grund und völlig überzogen, trotz ausdrücklichen Verbots durch den Seminarleiter, zugeschlagen und gequält. Bei der zweiwöchentlich stattfindenden Gemeinschaftsdusche habe er zum Abschluss das warme Wasser gänzlich abgedreht und den Zöglingen „zur Abhärtung“ kaltes verpasst.

Das Knabenseminar Obermünster um 1930. Foto: privat

Das Knabenseminar Obermünster um 1930. Foto: privat

Diese gefürchtete Behandlung habe auch minutenlang andauern können, einige „haben schon gezittert“. Mai habe seinen sadistischen Spaß daran gehabt. Ebenso daran, Zöglinge zum Verzehr von Haferschleimsuppe zu zwingen, obwohl sie ihre starke Abneigung und Unverträglichkeit artikuliert hätten. Die Zwangsverköstigung habe dann mit einer großen, über den Esstisch verteilten Lache Kotze geendet. So berichtet es ein Ehemaliger, der ungenannt bleiben möchte.

„Wer zuckte, wurde erneut geschlagen.“

Mai, ein promovierter Historiker, habe von ihm selbst taxierte Prügelstrafen regelrecht „exekutiert“. Zum Vollzug wurden Schüler im oder vorm Studiersaal aufgerufen, das Strafmaß wurde verkündet und dann zugeschlagen. Wer zuckte, habe eine Wiederholung ertragen müssen. Die Prügelstrafe galt für Mai erst als abgegolten, wenn der Zögling die Schläge ins Gesicht ohne eine Regung und ohne jegliche Abwehr über sich habe ergehen lassen. Wehe dem, der dies nicht konnte.

Solche zerstörerischen Züchtigungs- und Unterwerfungsrituale, die von Priestern unter Berufung auf einen christlich verbrämten Erziehungsstil vollzogen wurden, sind (nicht nur) in Regensburg hinlänglich bekannt. Ehemalige aus der Domspatzen-Vorschule Etterzhausen unter dem Direktor Johann Meier haben solche Exekutionen vielfach geschildert.

Zu Boden geschlagen und gestiefelt

Der ehemalige Obermünsterzögling Gottfried A., ein Schulleiter in Ruhestand (Name der Redaktion bekannt), erzählt mit aufgebrachtem Unterton von einem Vorfall, der „ihn ein Leben lang begleitet“ habe.

Als er und sein Schulkamerad Konrad R. aus der sechsten Klasse den nachmittäglichen Spaziergang innerhalb der Mauern des Obermünster-Seminars eine Runde zu früh und eigenmächtig beendet hätten, seien sie denunziert worden. Von einem Oberstufenschüler, der sie beim Spaziergehen begleitete und den Regelverstoß beim damaligen Präfekten Paul Mai meldete. Mai verkündete daraufhin die von ihm bestimmte Strafe und lies zur Exekution antreten.

Während A. die Ohrfeigen ungerecht empfand, aber regungslos hinnahm, zuckte Konrad. Der Präfekt im Priestergewand wiederholte die Schläge und Konrad zuckte erneut. Die Schläge wurden heftiger, das Zucken und Abwehren ebenso. Nach der dritten oder vierten Wiederholung sei Konrad in die Hocke gesunken und habe versucht, sich mit seinen Händen zu schützen. Mai, mittlerweile mit rotem Kopf in Rage und verrutschtem Priesterkleid, habe dies als respektlose Aufsässigkeit begriffen und umso stärker zugeschlagen. „Links, rechts!“

Als Konrad R. endlich zu Boden ging, habe ihn der geistliche Präfekt Mai noch mit seinen ungeputzten Schuhen brutal auf ihn eingetreten. „Dieser Vorfall hat mich seitdem begleitet“, sagt A. im Gespräch. Unzähligen Kollegen habe er davon erzählt, den Ablauf und viele Einzelheiten noch deutlich vor Augen.

„Gehirnwäsche im Knabenseminar“

Konrad R., der seinen vollständigen Namen nicht genannt haben will, ist seitdem traumatisiert. Seinen Eltern habe Paul Mai später gesagt, er sei „deshalb besonders streng zu dem Zögling, weil er viel von ihm halte und ihm deshalb eine besonders gründliche Erziehung angedeihen lassen wolle“.

Legte einen umfassenden Zwischenbericht vor, durfte aber nicht interviewt werden: Angelika Glaß-Hofmann. Foto: Archiv/as

Legte einen umfassenden Zwischenbericht vor, durfte aber nicht interviewt werden: Angelika Glaß-Hofmann. Foto: Archiv/as

Die Folgen dieser „besonders gründlichen Erziehung“: Konrad R. verfolgen seit seiner Seminarzeit in Obermünster Angstzustände und Panikattacken. Allein die Anreise nach Regensburg quält ihn immer noch. Der Stadtbesuch ruft Erinnerungen an die Tortur im Obermünsterseminar wach und im Gespräch treten die seelischen Narben und vielfältigen Einschränkungen zutage, die ihn seither begleiten.

Sein jahrzehntelanger Versuch, mit den Vorfällen und der systematischen Gewalt zurechtzukommen, führte trotz psychotherapeutischer Behandlung zu einem völligen Zusammenbruch Anfang der 2010er Jahre. Im Dezember 2011 meldete sich Herr M. erstmals bei der Psychologin und Eheberaterin Glaß-Hofmann, die beim Bistum abhängig beschäftigt und für die Aufarbeitung von Körperverletzungsdelikten zuständig ist. Im März des folgenden Jahres wurde ein Gesprächsprotokoll angelegt, in dem Konrad R. sein Leid schildert.

Heute will Konrad R., dass Paul Mai öffentlich zur Rechenschaft gezogen wird und der verschleppende, verdeckende und verheimlichende Umgang mit den Übergriffen im Obermünsterseminar endlich ein Ende hat. Ebenso wichtig ist ihm, dass die religiöse Erziehung im katholischen Knabenseminar öffentlich thematisiert wird. „Gehirnwäsche“ nennt der 65jährige diese religiös überhöhten und höllenangstmachenden Praktiken: der Zwang zum Beten, zum Beichten, zum Büßen, zum Fasten, zum Stillsein, zum Unterordnen, zum Singen, zum Schuld- und Sündigfühlen, der Zwang zur Verachtung jedweder Körperlichkeit.

Versöhnen mit Überzeugungstätern

Wie viele Traumatisierte fürchtet auch Konrad R., dass dem Täter und dessen Umkreis geglaubt wird und nicht ihm. Dass er als Lügner da steht. Erst nachdem er seine Leidensgeschichte bei der Bistums-Psychologin Glaß-Hofmann wiederholt vorgetragen und Konsequenzen eingefordert hatte, recherchierte sie bei mehreren Schulkameraden und dem damaligen Seminardirektor Johann Staufer.

Das Ziel der Psychologin: Sie will vermitteln, eine Verständigung und möglichst einen Ausgleich zwischen den Parteien herstellen und so die psychische Not lindern. Während dieser Zeit hatte Konrad R. den Eindruck, dass die Bistumsbeauftrage versuchte, ihn wieder„ los zu werden“: Im Bistum gehe „immer noch Täterschutz vor Opferschutz“.

Mai zieht die Rechtmäßigkeit seines Verhaltens nicht in Zweifel

Im Juli 2013 wurde Paul Mai dann erstmals in einem Gespräch von Glaß-Hofmann und zwei Vertretern des Bistums mit den Schilderungen von Konrad R. konfrontiert. Mai räumte dabei zwar ein, er habe als Präfekt bei Fehlverhalten die damals üblichen Ohrfeigen verteilt, könne sich aber an Details nicht mehr erinnern. Im Übrigen habe er die „Rechtmäßigkeit und Angemessenheit“ seines Verhalten „nicht in Zweifel gezogen“. Er legitimierte seine Prügelstrafen damit, dass er solche selber „in der eigenen Seminaristenzeit erduldet“ habe. So die Zusammenfassung von Glaß-Hofmann.

Dies erscheint glaubhaft. Glaubhaft für einen Überzeugungstäter, der nicht von seinen Regeln und der Lehre abgewichen ist, in der „die körperliche Züchtigung der Kinder religiös legitimiert, wenn nicht sogar empfohlen wurde bzw. wird.“ So das Resultat des Pädagogen Max Liedtke, der die Übergriffe im Windsbacher Knabenchor untersuchte. 

Die kirchlich geprägte Schul- und Erziehungsgeschichte sei durch alle Epochen hindurch gekennzeichnet „von Strafandrohung, von körperlicher Züchtigung und Angst“, so Max Liedtke weiter. Die Notwendigkeit der körperlichen Züchtigung werde damit begründet, dass der Mensch von Natur aus nicht gut, sondern verdorben sei. Erziehen heiße:

„Ausrotten, Ertöten, nämlich des Herzens böse Lust und an ihrer Statt eine neue heilige Kraft in demselben schaffen, einen neuen gewissen Geist ihm mitteilen, der nicht anders kann als gute Früchte bringen“.

Versöhnung ohne Reue und ohne Aufarbeitung?

Mitte November 2013 schließt Glaß-Hofmann die Akte Mai ohne weitere Konsequenzen und schreibt Konrad R. im Abschlussbericht die Schuld für das Scheitern ihrer Vorgehensweise zu. Ein Brief von Konrad R. an Mai von Anfang 2013, in dem er seinem Peiniger „keine frohe Minute mehr“ wünscht und, dass ihn sein „Gewissen nicht mehr in Ruhe“ lasse, habe ihr „Bemühen zunichte gemacht“. Verhindert, „dass Dr. Mai sich jetzt noch emotional und inhaltlich auf das, was Sie berichten, einlassen konnte und wollte.“

Glaß-Hofmann bezeichnet sich als Ansprechpartnerin für von Opfer von Körperverletzung. Offenbar verfolgt sie aber Ausgleichsmodelle, die vornehmlich am Wohl des Täters und dem Schutz der Diözese orientiert sind. Scheitern diese, tritt sie mit völlig inakzeptablen und unprofessionellen Schuldzuweisungen gegenüber dem Betroffenen auf. Ein weiter Obermünsterzögling, der Mittsechziger sei Michael B. genannt, bestätigte diesen Eindruck im Gespräch.

Die Betroffenengruppe www.intern-at.de übt ebenso schärfste Kritik an dem Vorgehen der Psychologin und beanstandet die Strategie des Bistums Regensburg in Sachen Übergriffe bei den Domspatzen mit deutlichen Worten: „Verschweigen, bis es nicht mehr anders geht.“

Glaß-Hofmann habe Berichte über umfangreiche Prügelszenarien im Regensburger Domspatzeninternat verschwiegen, um die Diskussion auf die Vorschule in Etterzhausen/ Pielenhofen zu begrenzen. So die Kritik von 2015, die im Kern auch auf den Umgang des Ordinariats mit den Übergriffen im Obermünsterseminar zutrifft.

Das Vorgehen des Bistums: „Es schreit zum Himmel“

Ende 2013 protestierte Konrad R. bei der Bistums-Psychologin Glaß-Hofmann wütend gegen den Abschlussbericht, gegen das interne Verfahren, bei dem „nach außen hin nichts dringt“ und dessen Vorgehensweise zum Himmel schreie. In der Folge ermittelte der vom Bistum seit März 2010 beauftragte Rechtsanwalt Dr. Andreas Scheulen in der Sache weiter.

Scheulen sprach daraufhin mit ehemaligen Seminaristen aus dem Obermünster. Auch der bereits erwähnte Obermünsterzögling Michael B., der nach drei Jahren das Seminar verlassen durfte und dies als Befreiung erlebte, erlitt und schilderte Rechtsanwalt Scheulen sadistische Übergriffe durch Paul Mai. Den Umgang mit Konrad R. findet B. skandalös. Und: „Eine persönliche Aussprache mit dieser Dreck*** Paul Mai wäre wohl das letzte“, was er anstrebe.

Die Schilderungen von Konrad R. wurden von mehreren Ehemaligen bestätigt und ergänzt. Deshalb geht man – dem Vernehmen nach – im Ordinariat aufgrund Scheulens Recherchen davon aus, das Paul Mai zu den körperverletzenden Tätern zu rechnen ist. Ende 2015 wurde Konrad R. schließlich über Rechtsanwalt Scheulen eine Anerkennungsleistung von 2.500 Euro in Aussicht gestellt. Mündlich. Aber erst, wenn die Aufarbeitung der Übergriffe bei den Domspatzen erledigt sei. „Inzwischen bin ich überzeugt, dass man mich auf den St. Nimmerleinstag vertrösten möchte“, so Konrad R. im Gespräch.

Alles Züchtiger?

Paul Mai hingegen versuchte gegenüber regensburg-digital die körperliche Züchtigung erneut zu rechtfertigen. Das „heutige Theater darum“ verstehe er nicht, es mache ihn „fuchtig“. Für ihn als Internatszögling sei es normal gewesen, „dass du eine Watschen gekriegt hast. Normal, dass du sie gekriegt hast und später als Erzieher ausgeteilt hast“. In Internaten hätten damals alle so gehandelt. Eine Diskussion mit Leuten, „die dafür kein Verständnis haben“, sei „witzlos“. Mai – „ich bin von Haus aus Historiker“ – meint, dass man mit heutigen Vorstellungen „nicht an früher rangehen“ könne.

Alle waren Schläger? Nein. Weder haben alle Präfekten ihre Zöglinge abgewatscht, geschweige denn zu Boden geprügelt, noch war es erlaubt. Die Züchtigung an bayerischen Gymnasien ist seit „dem Jahr 1903 unzulässig“. Darüber hinaus gab der damalige Direktor des Obermünsterseminars, Johann Staufer, gegenüber der Bistums-Psychologin Glaß-Hofmann 2013 an, dass er den Präfekten seinerzeit von Beginn an ganz klar die „körperliche Züchtigung“ der Zöglinge untersagt habe. Nicht alle hätten sich daran gehalten, manche habe er zur Rede stellen müssen.

Entschuldigt hat sich – soweit bekannt – Paul Mai gegenüber Konrad R. oder anderen Betroffenen nicht. Ob, wie 2010 pauschal für lebende Täter angekündigt, ein kirchenrechtliches Verfahren gegen Mai eingeleitet wurde, konnte mangels Auskunft der Pressestelle nicht geklärt werden. 

Doch wo wurde der Zögling Paul Mai gezüchtigt und Opfer schwarzer Pädagogik?

Vom Opfer zum Täter

Ende 1945 kam der zehnjährige Paul Mai aus dem einstigen Breslau nach Bayern. Er wollte Priester werden und besuchte dazu in Straubing das Humanistische Gymnasium und das Bischöfliche Knabenseminar, das zur Diözese Regensburg gehörte. Die letzten Jahre vor seinem Abitur (1954) in Straubing war Mai dem pädosexuellen Mehrfachtäter Georg Zimmermann ausgesetzt. Zimmermann, selber Obermünsterzögling und ein Jahr nach seiner Priesterweihe (1950) Präfekt im Straubinger Seminar, galt als cholerisch und gewalttätig.

Auf Nachfrage bestätigte Mai gegenüber regensburg-digital dessen Prügelstrafen: Ja, freilich habe der Zimmermann Schorsch „auch zugehauen. Und sogar kräftig.“ Von sexuellen Übergriffen im Straubinger Seminar der 1950er Jahre, die unter vorgehaltener Hand von ehemaligen Seminarzöglingen erzählt werden, will Mai nichts wissen.

Georg Zimmermann wurde von Bischof Buchberger bis zuletzt protegiert und war eigentlich als Nachfolger von Domkapellmeister Theobald Schrems auserkoren. Hierzu wurde er zunächst zum 1. Januar 1959 als Direktor der Internate der Dompräbende und des Domgymnasiums nach Regensburg geholt. Es kam jedoch anders: nach wiederholtem sexuellen Missbrauch von Schülern wurde Zimmermann untragbar und nach nur neun Monaten Dienstzeit schob man ihn in ein holländisches Klosterinternat ab.

Sklavenhalter Mai in Jagdlaune

sklave wochePaul Mai gilt ihn Regensburg als schillernde Figur, mit der sich die Justizbehörden mehrfach beschäftigen mussten. Nach seiner Tätigkeit als Präfekt im Knabenseminar übertrug man ihm die Leitung des Diözesanmuseums, 1971 wurde er Direktor des Archivs und der Zentralbibliothek der Diözese.

Als nach einer Reihe von Diebstählen aus dem Museum der von Mai angestellte Hausmeister wegen schweren Raubs zu einer 30monatigen Haftstrafe verurteilt wurde, entzog man Mai Mitte der 1980er die Museumsleitung wieder.

Der Verurteilte rechtfertigte seine eingestandenen Taten damit, dass Mai ihn wie einen Sklaven behandelt und schikanierte habe. Dergleichen räumte Mai zwar ein, will dies aber laut einem Pressebericht („Ich war Sklave des Monsignore“ von Helmut Wanner in DIE WOCHE vom 3. April 1985) „zumindest nicht bewußt“ getan haben.

In einem aufsehenerregenden Prozess einige Jahre zuvor war der Archivdirektor Mai angeklagt, auf jugendliche Discobesucher mit einem Gewehr geschossen zu haben. Mais Dienstwohnung lag seinerzeit direkt über dem Eingang der Diskothek Tangente und da es ihm auf der Straße zu laut war, habe er „in Jagdlaune und bezecht“ Richtung Ruhestörer geschossen, so DIE WOCHE. Der bereits erwähnte Hausmeister musste laut dem Zeitungsbericht „den Hof zusammenkehren um die Spuren zu verwischen.“

Angeblich kam Paul Mai nur mit der Zeugenaussage seines Spezls und Mitbruders aus dem Deutschen Orden, Karl-Heinz Götz, davon. Er wurde nicht verurteilt, obwohl nachweislich aus seinem Gewehr abgefeuert worden war. So weiß es jedenfalls DIE WOCHE vom 27. Dezember 1985 zu berichten.

Hochgeachtet bis heute: Prälat Paul Mai

Im katholischen Regensburg wird Msgr. Paul Mai dennoch hoch verehrt. Er gilt als überaus arbeitsam und ist seit Jahrzehnten in vielen kirchlichen Vereinen, wissenschaftlichen Gremien, im Deutschen Orden, in katholischen Studentenverbindungen, im Historischen Verein Regenburg usw. aktiv. 

Als Direktor des Diözesanarchivs war Mai zuständig für Anfragen zum Serientäter Georg Zimmermann. Eine Anfrage von regensburg-digital wurde seinerzeit mit der Übersendung eines salbungsvollen Nachrufs auf Zimmermann (gest. 1984) aus dem Bistumsblatt erledigt.

Paul Mai 1985 als Zeuge vor Gericht. Foto: Horst Hanske/  Bilddokumentation Stadt Regensburg

Paul Mai 1985 als Zeuge vor Gericht. Foto: Horst Hanske/ Bilddokumentation Stadt Regensburg

Als Historiker hat Mai auch die Geschichte der Bischöflichen Knabenseminare in Obermünster (1982) und Straubing (1985) bearbeitet. Prügelstrafen und Körperverletzung gegen Zöglinge kommen in seinen Abhandlungen freilich nicht vor. Geschweige denn, dass er die systematische körperliche Züchtigung im Knabenseminar historisch untersucht hätte. In seinem Aufsatz von 1985 betont Mai vielmehr die Verpflichtung der Seminare, „junge Menschen zu erziehen, die brauchbar sind, brauchbar im Leben für die Gesellschaft, für die Kirche, daß sie dienen können, dienen ihren Mitmenschen, ob sie das als Priester oder Laien tun.“

Mais Verfehlungen werden ausgeblendet und glatt gebügelt

Bereits einen Tag nachdem Bischof Voderholzer persönlich den fast 80jährigen Archivdirektor im Oktober 2014 in Ruhestand verabschiedet hatte, wurde Mai als Kanonikus in das Kollegiatstift St. Johann Baptist aufgenommen. In einem MZ-Bericht, eine Art gefällige Homestory, über seine Zeit als Archivleiter und seine Installation als Stiftsherr wurde auch der Vorfall mit den Discobesuchern erwähnt. Allerdings spricht der MZ-Autor nun nicht mehr von Schüssen auf Jugendliche, sondern von „Widerstand gegen nächtliche Ruhestörer“ („In seinem Reich“, von Helmut Wanner in der MZ vom 26. Dezember 2014).

Als Kanonikus und Prügelstrafender ist Paul Mai im Stiftskapitel unter Gleichgesinnten wohl versorgt. Dass sein Mitkanonikus, der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger, seine Zöglinge eigenen Angaben zufolge „aus Frust“ geschlagen haben will, verwundert Mai. Was Ratzinger gemacht habe, sei „sein Problem“. „Aus Frust“ zu schlagen, sei jedoch unbegründet, also „grundlos“. Darauf beharrt Mai im Gespräch.

Von einer Untersuchung des Ordinariats gegen ihn wegen seiner gewalttätigen Übergriffe als Präfekt im Obermünster will er nichts wissen: „Wen soll ich denn da zusammengeschlagen haben“? Den Familiennamen des zu Boden geprügelten und getretenen Konrad R. erkennt Paul Mai allerdings sofort wieder. Er hat sogar dessen Vornamen sogleich parat: „Konrad, den kenn ich schon.“

Sein Gewissen scheint Paul Mai nicht mehr in Ruhe zu lassen.

Zum historischen Hintergrund

Die Bischöflichen Knabenseminare gehen auf einen Konzilsbeschluss des 16.Jahrhunderts zurück. Demnach sollte jede Diözese für die Sicherung von Priesternachwuchs neben Priesterseminaren auch Knabenseminare aufbauen. Das Bistum Regensburg setzte diesen Beschluss erst 1844 mit der Errichtung eines Seminars im Kloster Metten um. Im Jahre 1882 wurden in Regensburg, 1885 in Straubing und 1955 in Weiden weitere eröffnet. Bis in die 1960er Jahre hatten jedes der Bischöflichen Knabenseminare weit über 200 Zöglinge und somit mindestens so viele wie das Domspatzen-Internat. Bis 1982 durchliefen allein das Obermünsterseminar etwa 2.200 Zöglinge, etwa 600 davon wurden in der Folge angeblich Priester.

Die Knaben lebten weitestgehend von der städtischen Umgebung abgeschottet und besuchten in Regensburg das Albertus-Magnus-Gymnasium. Der Seminarist sollte „täglich dem heiligen Meßopfer beiwohnen, häufig die heiligen Sakramente empfangen, Wirtshausbesuch und unpassenden Verkehr, besonders mit Frauenpersonen“ oder Gemeinschaftsbadeanstalten vermeiden, da diese „eine Gefahr für seinen Beruf bedeuten“.

Bis Mitte der 1960er Jahre mussten Fünftklässler beim Eintritt ins Seminar in einer Weiheformel geloben: „Führe mich ins heilige Priestertum!“ Nach dem II. Vatikanischen Konzil wurde von den Zöglingen ab Mitte der 1960er Jahre keine ausdrückliche Formulierung des Priesterwunsches mehr verlangt. Die Zöglinge sollten nun „durch intensive religiöse Formung und vor allem durch geeignete geistliche Erziehung“ auf die Nachfolge Christi vorbereitet werden. Die Leitungs- und Präfektenstellen der Seminare waren Geistlichen vorbehalten. Laut dem Bayerischen Konkordat von 1924 muss der Freistaat Bayern unter anderem die Personalkosten für die Seminarvorstandschaft tragen. Der Ertrag der Brauerei Bischofshof floss ebenso in die Knabenseminare.

Im Laufe der Zeit wurden alle Knabenseminare der Regensburger Diözese aufwändig erweitert und modernisiert, allerdings in den 1990ern dann mangels Nachfrage geschlossen.

(Zitate aus Elternbriefen von 1958 und 1963, zitiert nach C. Vieracker, Das Bischöfliche Studienseminar St. Wolfgang, 1999).

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Kommentare (69)

  • udo kaiser

    |

    Lieber robert werner,
    ganz herzlichen dank für diese wie immer so gründlich recherchierte und penibel erarbeitete studie. großes kompliment dir und regensburg digital.
    immer wieder bekam ich nach dem film…die sünden an den sängerknaben…mails von betroffenen des bistums regensburg, die nicht bei den domspatzen waren.
    besonders im gedächtnis bleibt mir ein kameramann, der völlig erschüttert, nach einem drehtag mit meinen missbrauchs-und gewalterlebnissen, von seiner zeit in obermünster berichtete.
    in der großen hoffnung, dass sich alle opfer und betroffenen der seminare in regensburg und im bistum zusammenschließen, wie wir, vom bistum verlangen, einen anwalt(siehe weber) zu beauftragen, als anlaufstelle und aufklärer.
    gerne helfe ich mit rat und tat.
    nur wer schweigt, hat verloren!
    udo e. kaiser

  • Rübenach Wolfgang

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    Ja ich kann die Prügelstrafen deren sich nicht nur Herr Mai bediente, die auch ich, wenn auch nicht so hart, „genießen“ durfte. Die des Herrn Mai waren die gefürchtetsten. Der Charakter des Herrn Mai ist mit übermäßiger Arroganz und Ignoranz ausgestattet. Nach knapp drei Jahren durfte ich das Seminar verlassen und seitdem habe ist für diesen Herrn nur noch Verachtung übrig. Was so Charakter in der Kirche verloren hat ist mir unverständlich.

  • hutzelwutzel

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    Mei, 1985 sah Dr. Paul Mai ja wirklich noch so aus, wie in den Theo Lingen Schülerlausbubenstreich-Filmen Lehrer dargestellt werden. ;-)

    Wie schlimm das Schlagen auch war, wir sollten trotzdem nicht vergessen, dass sexueller Mißbrauch noch viel schlimmer war, und den sollten wir durch die wieder hochkochende Dr. Mai-Story unbedingt durch die Diözese aufgeklärt wissen wollen.

  • Ronald McDonald

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    Werden die sonderredaktionellen Erforschungen „der Verfehlungen des Monsignore Mai“ auch auf die in Regensburg kursierenden Ondits über dessen angebliche zölibatäre zur Vaterschaft geführt habende(n) hochwürdige(n) Fehltat(en) ausgedehnt, oder herrscht dort tatsächlich „tote Hose“?

  • Angelika Oetken

    |

    „Als nach einer Reihe von Diebstählen aus dem Museum der von Mai angestellte Hausmeister wegen schweren Raubs zu einer 30monatigen Haftstrafe verurteilt wurde, entzog man Mai Mitte der 1980er die Museumsleitung wieder.“

    Schwerer Raub: was wurde damals denn gestohlen? Ist das Diebesgut wieder aufgetaucht?

  • Hannelore

    |

    Zu hutzelwutzel
    für diese verharmlosung habe ich kein verständnis.

  • Mathilde Vietze

    |

    Dieser Mann führt sich überall so auf, als wäre e r der
    Vorgesetzte vom lieben Gott. Mai ist nicht nur kein Aus-
    hängeschild für die katholische Kirche, sondern ein
    Abschreckungsmittel.

  • Gerechtigkeit

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    Eine ausgezeichnete Recherche.
    Mich erinnert der Prügelpädagoge mit seiner Berufung auf die „Tradition“ an meinen Vater. Der fragte mich eines Tages: Warum hasst ihr Kinder mich so ? ich: Weil du uns immer geschlagen hast ! Er völlig verblüfft: Aber ich bin doch von meinem Vater auch geschlagen worden ???
    Bei solchen Schlägern hilft nur eins: Sie solange an den öffentlichen Pranger stellen, bis sie entweder mit ihrer Denkweise völlig isoliert sind, oder anfangen , persönliche Verantwortung zu übernehmen, statt sich weiter auf das Kotzwort “ Tradition“ zu berufen .
    Ich selber kenne vier ehemalige Insassen katholischer Kinderheime im Bistum. Ihre Peinigerinnen sind bereits tot, sie aber sind für ihr Leben gezeichnet bis gebrochen durch „christliche Nächstenliebe“.
    Ich bin gespannt, wann der Druck der Regensburger Zivilgesellschaft groß genug ist, um die Kirche zu zwingen, alle Misshandlungsberichte zu veröffentlichen und ihren Opfern wenigstens minimale Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Denn die Domspatzen sind nur die Spitze des Eisbergs.

  • Angelika Oetken

    |

    „Wie schlimm das Schlagen auch war, wir sollten trotzdem nicht vergessen, dass sexueller Mißbrauch noch viel schlimmer war,“

    @hutzelwutzel,

    wie „schlimm“ etwas ist, kann besonders im Hinblick auf Misshandlungen immer nur eine sehr subjektive Einschätzung sein. Aber gerade bei männlichen Opfern wiegt der demütigende und entwertende Charakter des sexuellen Missbrauchs sicherlich sehr schwer.

    Abgesehen davon, ist die sexuelle Konnotation von sadistischer Gewalt schon sprichwörtlich und Informationen dazu finden sich im Netz und in der Fachliteratur zuhauf.

    VG
    Angelika Oetken

  • aucheinehemaliger

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    In Regensburg gab und gibt es eine große Sumpflandschaft aus Kirche, Politik, Wirtschaft, Sport und “Adel“. Ein Sumpf stinkender als der Andere. Und alle miteinander verbunden. Aus dieser Kloake wieder ein Biotop zu machen, wird noch viel hartnäckige Aufklärungsarbeit brauchen. Also Leute, jeder, der etwas weiß: Mund auf, sonst machen die ewig so weiter.

  • Lothgaßler

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    Alle Beiträge bringen ein Stückchem mehr Licht in dieses verkrampft verschlossene System mit Extrarecht, verlogener Moral und Titel-Hierarchie-Brimborium. So wie ehedem die Knabenseminare ihre Türen mangels Nachfrage (natürlich weil der Unrat ruchbar wurde) schließen mussten, so werden im Laufe der Jahre andere Kircheninstitute schließen müssen. Irgendwann wird einem der Kirchenoberen dann hoffentlich auffallen, dass die Kirche von der Welt verlassen wurde, sie braucht ihn und sein Denken nicht mehr.
    Die Kirchenleute können kaum eigene Schuld eingestehen, denn in deren Verständnis werden nicht sie mit den Untaten konfrontiert, sondern die „heilige katholische Kirche“. In deren Namen und zu deren Ehre haben sie gehandelt, Buße getan, Gottes Reich gedient, das Böse bekämpft usw. Sie waren nur die Diener des Herrn (bzw. dessen irdischer Stellvertreter-Hierarchie) und sind irdischen Gerichten keine Rechenschaft schuldig.
    Unser Rechtssystem erfordert den Nachweis der Schuld, das ist auch richtig so. Leider entkommen dann mögliche Täter durch Vertuschung und Verschweigen, oder durch falsches Zeugnis. Insbesondere dann, wenn Polizei und Juristerei bei diesen Verdächtigen ihren Job nicht machen, weil uralte Seilschaften weiterhin existieren. Wenn Täter Archive verwalten, dann gabs keine Taten oder Beweise sind verschollen. Wenn Täter als „Historiker“ die Geschichte schreiben, dann gabs keine Opfer. Schon ein dicker Hund!

  • Coffin Corner

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    Dieser Herr Mai dürfte in Regensburg ja hinreichend bekannt sein.
    Was soll also die Maßnahme mit dem Verbot der Veröffentlichung eines Foto soll, darüber kann man nur rätseln.
    Das beste wäre die nächsten Gottesdienste die er abhält in Gruppen und auffällig zu verlassen. Nur so kommt man diesen Herrschaften bei.

  • joey

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    „Zwang zum Beten, zum Beichten, zum Büßen, zum Fasten, zum Stillsein, zum Unterordnen, zum Singen, zum Schuld- und Sündigfühlen, der Zwang zur Verachtung jedweder Körperlichkeit“
    das muß den Eltern und allen anderen aber klar gewesen sein, das war schließlich nicht nur eine kirchliche Schule, sondern als Priesterschmiede gedacht. Was soll denn da anders gelehrt werden wenn nicht strengster Katholizismus?

    Die genannten Zwänge werden übrigens auch noch heute bei anderen Religionen „eingebläut“, die anders als der Katholizimus eine steigende Ausdehnung haben. Man kann sich fragen, warum diese (auch damals schändlichen) Muster nicht öffentlich gebrandmarkt wurden. Die Antwort ist für mich die: wie damals bei Anton ist es heute bei Ali. Warum soll man da nachfragen, ob die Kinder hier freiwillig im Gebetsraum „ihr Glaubensbekenntnis“ runterleiern… da macht man sich nur unbeliebt und wird am Ende noch als Linker … heute Rechter gebrandmarkt. Lieber nichts sagen…

    Ich schlage vor daß Menschen unter 18 nicht getauft, beschnitten konfirmiert, also in irgendeiner Form juristisch oder gar körperlich festgelegt werden dürfen. Das würde selbstverständlich von allen Religionsvereinen entrüstet abgelehnt werden. Naja, es war nicht alles schlecht bei Montgelas…

  • Nemo Udeis

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    Heidinei!
    Da gehts im Text in hauptsächlich um Prügel gegen Schutzbefohlene, und was interessiert In Berlin-Köpenick (erstaunlicherweise) als erstes? – Was aus der Hehlerware geworden ist!
    Immer diese Blogorrhö …

  • Tom

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    @ Nemo

    Genau das habe ich mir auch gedacht! Da gab es doch mal einen Spruch von Dieter Nuhr……….

  • Angelika Oetken

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    @Nemo Udeis,

    der erste von mir hier frei geschaltete Kommentar muss doch nicht der erste von mir eingestellte sein oder?

    Und: wenn Kommentatoren wie Sie das bemerkenswert finden, dann liege ich mit meiner Frage ja gold-richtig!

    VG
    Angelika Oetken

  • Haimo

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    Was durch die gründlichen Nachforschungen von R. Werner in dem Artikel angesprochen wird, ist traurige Realität . Darum sind die geschilderten Zustände in RKK Einrichtungen damals schon vor 45 Jahren von ehem. Schülern div. Heime angeprangert worden. Für jeden der die Dokumentation “ Terror in regensburger Heimen “ gelesen hat ist es darum nur eine Frage der Zeit gewesen bis endlich die Wahrheit ans Licht kommt. Leider taucht immer wieder im Zusammenhang der Mißbrauchsfälle in der RKK , der Name eines Mannes auf, der in meinen Augen absolut ungeeignet für den Job eines Mißbrauchsbeauftragten ist. Vieleicht handelt er sogar absichtlich im Sinne der RKK und verschlampt unbequemen Briefverkehr .
    Ich rede von RA Scheulen, der von mir bereits am 21.10.2013 durch eine mail von den Zuständen bei den Regensburger Domspatzen in Etterzhausen genauestens informiert wurde. Ich bekam damals nicht einmal eine Antwort von ihm. Als ich ihn am 07.03.2016 diesen Jahres deswegen zur Rede stellte, kam die banale Antwort er hätte von mir nichts erhalten zurück. Nun machte ich ihm aber klar, dass ich das Schreiben ja noch auf Festplatte habe und plötzlich wollte er sich mit mir treffen. Ich lehnte ab, weil ich wegen ihm nicht extra nach Nürnberg fahre.
    Haimo
    Etterzhausen 1962 – 1964
    Ps.: Schicke gerne jedem die AUS Broschüre per mail zu. Meine Mail ist der Redaktion bekannt.

  • blauäugig

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    @oetken: „der erste von mir hier frei geschaltete Kommentar muss doch nicht der erste von mir eingestellte sein oder?“
    Hier gibt es für nicht freigeschaltete Kommentare entsprechende Hinweise wie „Kommentar gelöscht. Bleiben Sie beim Thema.“ Oder „Kommentar gelöscht. keine unhaltbare Unterstellungen“ – haben Sie doch schon öfters statt Ihrer eigenen Postings zu lesen bekommen. Wie es auf den zahlreichen anderen Plattformen, die Sie förmlich zuspammen, aussieht, kann dahingestellt bleiben.

  • Stefan Aigner

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    @blauäugig
    @Angelika Oetken

    Bei einigen Postings erspare ich mir das öffentliche Löschen. Irgendwann ist die Höchstzahl an Hinweisen erreicht.

  • Angelika Oetken

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    Ein Vorschlag für die Administration von „Regensburg Digital“: es gibt sehr niveauvolle Foren, dazu zähle ich die FAZ, auch wenn ich deren politische Ausrichtung nicht teile. Dort gilt eine sehr eindeutige Netiquette. Sie erleichtert die Orientierung. Ich gehe davon aus, dass es auch den bei Regensburg Digital mit der Administration beschäftigten Personen die Arbeit erleichtern würde.

    VG
    Angelika Oetken

  • Stefan Aigner

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    Sehr geehrte Frau Oetken,

    ich denke, ich habe hier schon oft genug und eindeutig mitgeteilt, dass Verschwörungstheorien, strafrechtlich relevante Unterstellungen, Spekulationen völlig abseits des eigentlichen Themas etc. nicht erwünscht sind. Um das zu wissen, braucht es auch keine Netiquette. Es genügt ein Verständnis für die normalen Regeln menschlichen Umgangs.

  • Angelika Oetken

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    Sehr geehrter Herr Aigner,

    bemerkenswert, dass hier Beiträge als „Verschwörungstheorien, strafrechtlich relevante Unterstellungen und Spekulationen“ eingestuft werden, die andere Medien problemlos frei schalten.

    Und besonders aufschlussreich finde ich, dass der Ausgangspunkt für diese Meinungsverschiedenheiten meine Frage nach dem Verbleib des Diebesgutes war.

    VG
    Angelika Oetken

  • Stefan Aigner

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    Ausgangspunkt für meinen Einstieg in die Debatte war ein von Ihnen erwähnter nicht freigeschalteter Beitrag, in dem Sie jemanden in Verbindungen mit bestimmten sexuellen Neigungen gebracht haben, weil Sie eben irgendwie glauben, das diagnostizieren zu können. In einem weiteren Beitrag übten Sie sich ebenfalls in Ferndiagnose. Darauf nehme ich Bezug („Spekulationen“, „strafrechtlich relevant“). Wenn andere Medien diesen Kommentar freischalten, was ich bezweifele, ist das deren Sache. Ich tue das nicht.

  • aucheinehemaliger

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    Wenn Frau Oetken “Blogorrhoe“ hat, haben nemo und Tom akute klerikale Trollitis.
    Zurück zum Thema. Wieder einmal drückt sich die Amtskirche um ihre Verantwortung, schützt die Täter und schert sich nicht um die Opfer. Man muss ihr also weiterhin die Hölle heiß machen und die Schandtaten veröffentlichen. Dafür Danke an rd und alle Anderen, die nicht lockerlassen.

  • Angelika Oetken

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    Im Artikel heißt es:
    „Aktuelle Recherchen von regensburg-digital haben nun ergeben, dass das Bischöfliche Ordinariat seit nahezu fünf Jahren mit konkreten Gewaltexzessen im Knabenseminar Obermünster beschäftigt ist. Von sexuellen Übergriffen im Seminar ist bislang – abgesehen von Andeutungen und Vermutungen – nichts bekannt………
    ….Er könne es nicht anders sagen, meint ein Ehemaliger: der damalige Präfekt Paul Mai sei seiner Ansicht nach „ein sadistisches A********“ gewesen.“

    Hier ein Link auf einen Fachartikel zu Sadomasochismus
    http://www.seele-und-gesundheit.de/diagnosen/sadomasochismus.html

  • hutzelwutzel

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    @Hannelore:

    T’schuldigung gnädige Frau, sollte keinesfalls eine Verharmlosung darstellen, aber sexueller Mißbrauch noch dazu von Schutzbefohlenen stellt meines Erachtens ein weitaus schwereres Delikt dar, wie Schläge per se. Vor allem weil das Schlagen gerade auch in Bayern nahezu traditionell dazu gehörte. Traurig, aber leider wahr!

  • hutzelwutzel

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    Kommentar gelöscht. Bleiben Sie bitte beim Thema.

  • Alfred Gassner

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    Sehr geehrter Herr Werner,

    Ihr Bericht ist ein wichtiger und notwendiger Nachschlag zu den Missbrauchsfällen bei den Domspatzen (die immer noch nicht aufgearbeitet sind, weil man sich im Ordinariat dafür beliebig Zeit nimmt). „Wenn der Bischof es so will, stehen eben alle Räder still“. Die Opfer interessieren ihn nur, soweit sie ihm Ärger bereiten.
    Wie sich die Fälle Georg Ratzinger und Dr. Paul Mai gleichen. Beide betreiben moralische Schuldbefreiung auf Kosten der Opfer. Der eine (Ratzinger) will aus Frust geschlagen haben (und spricht sich damit sorglos frei, denn der Frustrierte ist immer unschuldig). Mai Kritisiert Ratzinger deswegen und rechtfertigt seine Untaten mit dem „Ziel der Erziehung zum katholischen Glauben“ (was nur bedeuten kann: um jemand zum richtigen Glauben zu „bekehren“, darf man sein Recht von an vertrauten Menschen auf geistige und körperliche Unversehrtheit schon mal vergessen). Welch ein verquertes privates Menschenrechtsverständnis beider Priester.
    Um das eigentliche Gewicht von Mai’s Untaten richtig einzuordnen, sollte man nicht vergessen, dass sich diese Horrorszenarien in den 60er Jahren des 20. Jahrhunderts und fast parallel zum Zweiten Vatikankonzil ereigneten. P. Mai sah sich offensichtlich als Welterlöser und wollte die allgemeine Unruhe in Gesellschaft und der Kirche mit disziplinierender Strenge bei den eigenen Kadern ausmerzen. Wen wundert da noch die Rebellion der 68er?

    Ich habe selbst in einer anderen kath. Einrichtung ähnliche Verhältnisse erlebt (schmerzhaft lernen müssen, die Folgen meines niedergehaltenen Selbstbewustseins zu überwinden) und weiß um die Tatsache, dass viele (nicht alle) Seminare strafrechtsfreie Räume waren, in denen das Selbstbestimmungsrecht von Kindern und Jugendlichen nur eine partielle Nebenbedeutung hatte. Mai’s persönliche Einsicht als gelernter Historiker reicht nicht einmal aus der Rückschau aus, den Charakter seiner schwarzen Pädagogik anzudenken und einzulenken. Jede Kritik daran macht ihn „fuchsig“ (mit der gleichen Vokabel antworten Ordinariats-angehörigen unter Anspielung auf den Familiennamen des derzeitigen Generalvikars, wenn man sie nach der allgemeinen Stimmung im Haus befragt). Mai reduziert sein damaliges Herrscherverhalten auf die seinerzeitigen Verhältnisse (die er übrigens verniedlichend zu seinen Gunsten frisiert, denn nicht alle Präfekten haben seinerzeit geschlagen) und tut so, als sei sein Verhalten religiöse Pflicht und „gottgewollt“ gewesen.

    Das Bischöfliche Ordinariat wäre m. E. gut beraten, mit dem Fall Dr. Paul Mai mit mehr Bedacht umzugehen als mit den Missbrauchsfällen bei den Domspatzen. Mit seiner persönlichen Vergangenheitsbewältigung kann es sicherlich keinen neuen Blumentopf gewinnen.
    Alfred Gassner

  • Toribio

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    Die
    Ecclesiophobie
    ist eine spezifische Angststörung und beschreibt die Angst vor Kircheneirichtungen.
    Der Betroffene hat also oft Angst vor dem Besuch von Kirchen, dem Anblick von Kirchen, Bilder von Kirchen usw., aber auch vor dem geschichtlichen und erfahrungsbelegten Handeln der Institution und Ihrer klerikalen Amts- und Würdenträger.
    Meist bezieht sich diese Angst auch auf Bischöfe, Priester, Diakone und dominant auftretende Menschen im kirchlichen Ehrenamt und deren Gremien oder andere religiöse Leitfiguren.
    ___________________________________________________________________________

    Diese o. a. Angststörung gegenüber der RKK und anderen Kirchen scheint durch die berechtigten Veröffentlichungen von Missbrauch, Gewaltattacken, Misswirtschaft und Verfehlungen, früherer und neuzeitlicher Art aus den Reihen von Klerikern und kirchlichen Einrichtungen deutlich auf dem Vormarsch zu sein.
    Zumindest kommt es mir so vor.
    Und das zurecht, wie ich meine.
    Wegschauen, vertuschen, klein reden, verstecken unter dem Mantel der Institution halten, sind an der Tagesordnung.
    Verfehlungen von sog. Würdenträgern werden erst mal geleugnet, möglichst vertuscht und gegen Geschädigte offensiv abgewehrt.
    Zugegeben wird erst etwas, wenn sie nicht mehr anders können, weil Fakten und Beweise erdrückend sind.
    Nicht, dass es so etwas im staatlich, weltlichen Bereich nicht gäbe, aber aus den Reihen von den Kirchen und Religionen sollte man so etwas eigentlich nicht erwarten müssen.
    Mit unserem Glauben hat das m. E. alles längst nichts mehr zu tun, sondern dient aus meiner Sicht nur noch dem monetären und institutionellen Erhalt ihrer Finanzimperien und einer stattlichen Versorgung ihrer sog. Kleriker.
    Ein durch die Kirche gewährleisteter fürstlicher Lebensstandard ohne wirkliche Kontrolle durch diese angebliche Glaubensorganisation ermöglicht aus meiner Sicht ein Leben, das sich meist überdeutlich von den normalen Kirchensteuer zahlenden Mitgliedern abhebt.
    Angst vor zu hohen Gehältern für ihren Hofstaat müssen die Kirchenverantwortlichen ja nicht haben, da der Staat aus unseren indirekten Steuern und dem Staatshaushalt die Saläre der meisten Kleriker in exponierten Kirchenämtern subventioniert.
    Als Rechtfertigung dafür werden dann schnell die Vereinbarungen aus für mich längst nicht mehr zeitgemäßen und relevanten Grundlagen-Konkordaten und Staatsverträgen herangezogen.
    Jeder, dem es interessiert, kann sich ja mal die Tabellen der gehobenen und höheren Beamtenversorgung aus dem Internet herunterladen.
    Daran orientiert sich nämlich die Besoldung von Bischöfen, Domkapitularen, Prälaten, Diakonen, Priestern und sonstigen Klerikern.
    Bitte auch die Zulagentabellen mit in Betracht ziehen.
    Im Vergleich dazu sind die eher kärglichen Entgelttabellen der kirchlichen Arbeiter und Angestellten sehr aufschlussreich interessant.
    Gelten etwa in den Kirchen die Maßstäbe Gottes nicht mehr?
    Wenn Ihnen dazu nichts mehr einfällt, sprechen sie davon, dass die RKK eine Weltkirche sei und dann kommt das nutzlose Geschwätz von unserer Pflicht dieser Weltkirche zu helfen und plötzlich bezieht man sich zu unserer Einschüchterung wieder auf Gott.
    Sehen so nicht Heuchler aus?
    Unser Staat aber hat es seither nicht geschafft, diesen bereits in der Verfassung der Weimarer Republik und auch in unserem GG vorgeschriebenen Artikel umzusetzen und seine BürgerInnen von diesen Knebelverträgen zu befreien.
    (Vgl. auch kirchliche, größtenteils vom Staat finanzierte soziale Einrichtungen mit Gemeinnützigkeitsstatus versehen, die dazugehörenden Knebelverträge für die Kommunen sowie Offenlegung von Finanzen von Bischofsstühlen).
    Wären vorgenannte Aufgaben, nicht eigentlich soziale Pflichtaufgaben unseres Staates und somit eine ungeliebte Sisyphusarbeit für unsere trägen und gut dotierten PolitikerInnen?
    Die Kirchen sind aus meiner Sicht reich genug, dass sie sich auch ohne Kirchensteuer- und Gemeinnützigkeitsmonopol durch den Staat finanzieren können.
    Anderenfalls müssen sie halt mal vernünftig haushalten.
    Sollen sie das doch mal versuchen, ihren Bedarf durch freiwillige Spenden ihrer Mitglieder zu finanzieren, dann werden sie auch mal deutlich erfahren was Jesus Christus unter „Demut“ verstand.
    Aber da müssten sie sich ja mal anstrengen und Leistung bringen.
    Auch geweihte Hände können Hände-Arbeit vollbringen und ich glaube nicht, dass der Herr etwas dagegen hätte?
    Davon haben sich die Kirchen und praktizierenden Religionsgemeinschaften größtenteils aber schon längst verabschiedet.
    Erst mal selbst in den Spiegel schauen, dann nachdenken, Gewissen erforschen und dann anderen in Wertschätzung und Würde begegnen.
    Allein mir fehlt bei den Erfahrungen mit dieser Kirche der Glaube.
    50 Jahre musste ich hier nur einzahlen, bekommen habe ich dafür nichts, außer, dass sie immer unverschämter im Fordern wurden.
    Von wegen geschiedenen Wiederverheirateten die Kommunion verwehren.
    Erst mal im eigenen Bereich kramen, aufräumen und dann über andere herfallen.
    Schämt ihr euch denn nicht?

  • hutzelwutzel

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    @Toribio:

    Kurz und gut: Unser Staat benötigt die christlichen Großkirchen wie Drogenabhängige deren Stoff. Alles Soziale wurde – in Bayern sehr deutlich zu sehen – an die christlichen Großkirchen ausgelagert. Also wurde alles ausgelagert, was diesen Staat im Innersten zusammenhalten kann.
    Wie wir das jetzt wieder restitutiert bekommen (mir gefällt der Begriff „Restitution“ vor allem in dieser Hinsicht ;-) weiß wahrscheinlich nicht mal Gott.

  • B.Rudolph

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    Betreff: Der heutige Umgang!
    Also , ich verstehe nicht warum andauernd hier über irgendwelche Blogger derart hergezogen wird! Wir haben hier die Meinungsfreiheit und ich kann das auch bestätigen, dass andere Zeitungen oder Foren wirklich einiges mehr an Beiträgen freischalten.
    Wir sind hier nicht bei der SA , Sie wissen schon , diese SA von damals.
    Ich kann aber bestätigen, dass im Bistum REGENSBURG eine derartige Art und Weise herrscht , die man hier nicht ausführlich beschreiben kann. Der Herr Wanner zum Beispiel von der MZ aus Regensburg hat wirklich sehr sehr gute Kontakte bis hinein in das Bischöfliche Ordnariat. Auch muss man sich fragen , ob der Weisse Ring in Regensburg auch über die vielen Missstände (( wie ich finde ))zum Thema Vergangenheitsaufarbeitung bei den Regensburger Domspatzen auch Bescheid weiss. Ich kann bestätigen, dass seit Jahren eben nur zum Thema Domspatzenaufarbeitung derart gegen den Datenschutz verstoßen wird. Auch ist zu bestimmten Themen vieles derart in Regensburg infiltriert , dass man sich nicht mehr auskennt. Schuster bleibe bei Deinen Leisten – Und die Hexenverbrennungen waren wirlich schon vor langer langer Zeit. Es bringt nichts über gewisse Blogger herzuziehen und man muss ja auch im endefekt ja auch immer alles lesen.
    Ich schätze aber in gewisser Art und Weise auch gewissee Beiträge von gewissen Leuten.
    Alfred Gasser , AOE , etc.
    Schlimm genug ist was man uns Kindern damals alles bei den Regensburger Domspatzen alles angetan hat. Bitte denkts auch an die Regensburger Kinderheime.

  • semmeldieb

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    Mei, bitteschön… lassen doch die SA daheim… ein unpassenderer vergleich ist ja jetzt echt nimmer zu finden…

  • Pavel

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    @hutzelwutzel:
    Sie müssen ruhiger werden, sonst klappt das nicht mit dem kommentieren. ;-)

    Wirklich ein schönes Thema, das ihr hier aufgemacht habt. Aber lasst doch die alten Karmellen. Die werden euch sowieso nicht mehr sagen als unbedingt nötigt. Glaubt es mir!

  • nocheinehemaliger

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    Als ehemaliger Obermünsterer (1962 bis 1965) kann ich Herrn Werner zu dem hervorragend recherchierten und treffend dargestellten Bericht herzlich gratulieren. Und die vielen Blogger-Einträge geben ihm und seinen Ausführungen (zumeist) Recht.

    Man kann vieles relativieren – wie es in Kommentaren zum Artikel zum Ausdruck kommt – und es wurdel und wird Kindern in aller Welt noch viel Schlimmeres angetan, als uns Zöglingen des Obermünster in jener Zeit. Natürlich stellt z. B. sexueller Missbrauch an Kindern eine nochmals erhebliche Steigerung an Qualen dar.

    Nur: wenn man als 10-Jähriger einem sadistischen Wüterich wie einem Paul Mai ausgesetzt ist, helfen Vergleiche nicht weiter. Vielleicht haben es nicht alle meine Mitschüler gleichermaßen empfunden aber für mich waren diese drei Jahre Internat die qualvollste Zeit meines Lebens.

    Die unmittelbaren Folgen bei mir waren heftige Angstzustände und der Verlust jedes Selbstvertrauens – noch Jahre danach.

    Es ist schwer, die Spätfolgen an sich selbst zu diagnostizieren. Nur weiß ich von einigen, die jahrelange psychotherapeutische Behandlungen benötigten, um das tägliche Leben zu meistern.

    Zugegeben: geschlagen wurde zu jener Zeit auch in Schulen – und auch da taten sich Priester besonders hervor, habe ich in schmerzlicher Erinnerung. Aber nirgends war man seinen Peinigern so ausgesetzt, wie in einer Anstalt Obermünster. Es war die Ohnmacht, diesem Oberpeiniger Paul Mai und seinen welchselnden Launen nicht entgehen zu können.

    Nach einem Schultag in der Heimatstadt ging man nach Hause und konnte Trost finden, fühlte sich wieder akzeptiert und geborgen. Auch eine Watschen vom Vater konnte man wegstecken. Es gab ja tröstliche Worte der Mutter. Nichts von dem im Internat.

    Paul Mai war Sadist, ich kann es nicht anders ausdrücken. Es schien sich bei ihm eine Art positiver Erregungszustand einzustellen, wenn er uns schlug, auf uns eindrosch. Aber auch von anderen ‚Aufsehern‘ (Präfekten, Subpräfekten, Chorleitern) wurde man angeschrien, gerüffelt, gedemütigt. Lob gab es nie. Verlangt wurden absolute Folgsamkeit, Unterwürfigkeit, Verleugnung jeglicher körperlicher oder seelischer Bedürfnisse. Es gab nicht ein Quäntchen von Privatsphäre. Geweint werden konnte (still) nachts im Bett.

    Warum hat man – habe ich – so lange geschwiegen? Nun, man will die Opferrolle nicht akzeptieren, will nicht der ständige Verlierer, der Gedemütigte sein im Leben. Deshalb verdrängt man nach meiner Auffassung derartige Geschehnisse.

    Durch den Bericht von Herrn Werner wird hoffentlich etwas bewegt werden. Eines ist jetzt schon sicher: Ruhmreich wird der Name des Monsignore Dr. Paul Mai nicht mehr in die Annalen des Bistums Regensburg eingehen können. Zuviel ist nun öffentlich geworden, zu viele haben nun endlich nicht mehr geschwiegen.

    Und die Kirchenoberen sollten sich fragen, wieso eine Person wie Paul Mai so weit kommen konnte. Sie werden sich natürlich nicht fragen müssen. Es herrscht Mitwisserschaft, Mittäterschaft in vielerlei Ausprägungen, augenzwinkernde Kumpanei. Die schleppende Aufarbeitung, eigentlich Nichtaufarbeitung dieser Schandtaten an Kindern ist sichtbarer Ausdruck hierfür.
    Das Engagement des Robert Werner und sein hervorragender Bericht sind für sich schon ein gutes Stück Genugtuung für mich.
    Herzlichen Dank Robert Werner!

  • Mathilde Vietze

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    „Angesehen“ ist Mai höchstens bei seinen Spießgesellen, ansonsten pfeiffen
    es die Spatzen von den Domdächern, welch‘ Geistes Kind dieser Mann ist.
    Es frägt sich nur, wie so einer zu derlei hohen Ämtern kommen kann. Es
    gäbe doch genügend ehrbare Kirchenmänner, die für die Kirche ein Aus-
    hängeschild und nicht ein Abschreckbild wären.

  • Robert

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    Der NEUE TAG hat den o.g. Bericht aufgegriffen und weitere interessante Details angedeutet. Angeblich hat das Bistum „allein für die Fälle in Etterzhausen und Pielenhofen, in denen es nicht um sexuelle Übergriffe ging“, bislang „Anerkennungsprämien“ in Höhe von rund 250 000 Euro ausbezahlt. „Laut unwidersprochenen Medienberichten soll die Summe der Leistungen nach Prügelexzessen in weiteren Schuleinrichtungen der Kirche im Bistum um Vieles höher liegen: Die Rede ist von 400 000 Euro.“

    Da scheinen ja noch viele Vorfälle und Täter im Zwielichtigen und Verborgenen gehalten zu werden.

    https://www.onetz.de/regensburg/vermischtes/ohrfeigen-und-fusstritte-pruegelvorwuerfe-gegen-praelat-paul-mai-d1692196.html

  • Toribio

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    @ Mathilde Vietze
    Diese von Ihnen erwähnte Spezies „ehrbare Kirchenmänner“, wo gibt es die denn noch in der m. E. Kaderschmiede „Bistum Regensburg“.
    Diese sehe ich höchstens noch vereinzelt als Priester in Dorf- oder Pfarreigemeinschaften.
    Die größte Enttäuschung ist für mich Herr Voderholzer.
    Sein Vorgänger, Herr Müller, ist wenigstens noch offen, offensiv und ohne Rücksicht auf Verluste Dinge angegangen, die ihm nicht in den Kram passten.
    Er war m. E. ein diktatorischer Kleriker, aber nie ein Gottesmann nach den Grundsätzen des „Christlichen Glaubens und nach der Lehre Jesu Christi.
    Alles Unbequeme bügelte
    er vom Tisch und hat so unser Bistum nach seinem Gusto total umgekrempelt.
    Voderholzer aber operiert aus meiner Sicht wie ein Geheimrat im Verborgenen und ohne
    Weitblick für die Gemeinschaft der Gläubigen, was ihn m. E. weitaus gefährlicher macht und womit er dem Bistum ebenso eher schaden als nützen wird.
    An die Öffentlichkeit schickt er meist nur seine Vasallen aus dem Ordinariat, die ja hinlänglich aus der Presse bekannt sind.
    Von Gottesmännern kann ich weder bei Müller noch bei Voderholzer etwas Zutreffendes erkennen.
    Müller hatte dabei noch Glück, weil ihn sein päpstlicher Mentor Josef Ratzinger einen leitenden Posten in der Kurie in Rom zu geschachert hat, wie wird es aber einmal Voderholzer unter Papst Franziskus ergehen?
    Welche Erkenntnisse werden wir zukünftig vielleicht noch über die Rolle Ratzinger-Brüder erfahren?
    Oder auch nicht?
    Ich hoffe doch nicht, dass es zukünftig in Bereichen der RKK nach dem Motto geht: „Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus“. Oder vielleicht gar: „Nichts riecht besser, als die Leiche des Vorgängers“?
    Wäre doch nicht christlich, wenn das in der RKK überhaupt noch etwas bedeuten sollte?
    Sollte aber Müller je zum Papst gewählt werden, dann ist mein Austritt aus der RKK ganz sicher vorprogrammiert, sofern ich das noch erlebe.

  • Mr. T

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    Für eine Karriere in der RKK sind das, was die Christen als ihre Werte beanspruchen, Menschlichkeit, Güte, Wärme undsoweiter Ausschlussgründe. Um es da zu was zu bringen, muss man schon eine äußerst üble Sorte Mensch sein. Nette und anständige Menschen kommen über einen Kaplan selten raus.

  • rb.

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    @ nocheinehemaliger

    tja , so wie du deine damalige zeit in diesem Internat beschrieben hast, ist ja Etterzhausen / Pielenhofen mit seinem eingenen Thema nicht weit entfernt.
    Eigentlich ist es das gleiche!
    Der Meyer Johann , damaliger Domsptazendirektor von der damaligen eigenständigen Stiftung Regensburger Domspatzen / Etterzhausen , war auch ein derartger Sadist. Der hatte auch seinen großen Spaß die Buben damals zu quälen und zu missbrauchen.
    –Wenn bis jetzt nur 250.OOO Euros zum Thema Etterzhausen ausbezahlt wurden , dann wurden damals eben in Etterzhausen wirklich nicht viele Buben dort geschlagen?
    Anscheinend melden sich bis heute wirklich nicht viele Ehemalige Domspatzen zum Thema!
    #

  • El

    |

    Frau Vietze, es geht doch nicht darum, dass Herr Mai keiner hehre und vertrauenswürdige Lichtgestalt darstellt. Ihr Beitrag legt nahe, dass die Katholische Kirche viele von denen in der Hinterhand hat. Dass Herr Mai also nur die zufällige Fehlbesetzung einer Stelle darstellt in einem ansonsten gesunden gewachsenen System.

    Diese Darstellung ist falsch, denn: – das System ist es doch , was von Grund auf krank ist
    und daher solche kranken Persönlichkeiten benötigt, um sich aufrecht zu halten.

    Kirche ist streng hierarchisch aufgebaut.
    Ihr Funktionieren fußt auf der Anerkennung einer irrationalen Autorität , nicht auf Kompetenz.
    Menschen, die aus den unterschiedlichsten Gründen an Macht kommen, wollen, dass ihnen jeder vermeintlich Schwächere den Ring küsst. Tut er / sie das nicht, gerät der (künstlich) Mächtige ins Wanken und versucht durch Aufgockeln den Untergebenen in die Knie zu zwingen. Notfalls mit Gewalt.

    „Dass die Menschen Uniformen und Titel für Qualitäten halten, die Kompetenz verleihen, geschieht nicht ganz von selbst. Die Inhaber der Autorität und jene, die Nutzen daraus ziehen, müssen die Masse von dieser Fiktion überzeugen und ihr realistisches, das heißt kritisches Denkvermögen einlullen. Erich Fromm geht davon aus, dass jeder denkende Mensch die Methoden der Propaganda kennt, durch die die kritische Urteilskraft zerstört und das Gehirn eingeschläfert wird, bis er sich Klischees unterordnet, die ihn verdummen, weil sie ihn abhängig macht und der Fähigkeit beraubt, seinen Augen und seiner Urteilskraft zu vertrauen“

    (zitiert von http://www.wissen57.de/2332.html )

    Ja, wie Erich Fromm kann man_frau davon ausgehen, dass jeder denkenden Mensch die Methoden der Propaganda kennt.
    Die Methoden der Propaganda jedoch, die die Kirche zur Meisterschaft getrieben hat, greifen (sich den Menschen) ja nicht erst im fortgeschrittenen Alter, sondern die Einlullungsmechanismen, die Trancen mit Klingklong und Weihrauch und das ganze Gymnastikgedöns mit Kniebeugen , Gegrüßet seist Du und „Ja, ich habe ein sexuell motiviertes Auge auf meine Nachbarin geworfen“ ereilen die meisten Menschen in sehr jungen Jahren.
    Da wird magisch verbrämter Zeugs von Kindern in Ritualgewändern inszeniert und ein Hoher Priester lallt Worte in einer geheimnisvollen Sprache derweilen er als Einziger aus dem Goldenen Kelch trinken darf . Usw. usf.
    Geschickt aufgebaut. Selten hinterfragt worden. Inzwischen öfter.

    Ich war anlässlich einer Trauerfeier vor zwei Monaten mal wieder in so einer Zirkusveranstaltung und war hellauf entsetzt, wie hohl diese Inszenierung eigentlich ist. Hohl und nichtssagend und im Außen leider noch immer so mächtig.

  • xy

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    Ich bestätige als damaliger Obermünsterer die hier gegen Paul Mai erhobenen Vorwürfe. Er war ein Sadist. Gegen das weitere Leitungspersonal kann ich solche Vorwürfe nicht erheben. Die anderen Präfekten und Subpräfekten waren nach meiner (ggf. geschönten) Erinnerung für die damalige Zeit in Ordnung. Das gilt insbesondere auch für Direktor Staufer.

  • rb.

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    @ @ nocheinehemaliger
    …Hier noch ein Bericht zum Thema Domspatzen / Etterzhausen / Pielenhofen aus vergangenen Tagen. etc. cu

    Bistum Regensburg – Grausamkeiten in der Grundschule
    Im Internat der Regensburger Domspatzen quälten Pädagogen ihre Schutzbefohlenen – oft bis zum Erbrechen. 30 Jahre danach sollen die Fälle zur Anzeige gebracht werden.

    http://www.sueddeutsche.de/bayern/bistum-regensburg-grausamkeiten-in-der-grundschule-1.23269

  • Angelika Oetken

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    „Und die Kirchenoberen sollten sich fragen, wieso eine Person wie Paul Mai so weit kommen konnte.“

    @nocheinehemaliger,

    Sie geben eine wichtige Anregung. Dass die Frage nach dem „warum“ fast ausschließlich die Ehemaligen, deren UnterstützerInnen und die Öffentlichkeit bewegt, während die Verantwortlichen entweder schweigen, vertuschen, herunterspielen oder tricksen, liefert einen Hinweis darauf, wo Antworten zu finden sind.

    Ich möchte aus dem oben genannten Artikel, „Ich war Sklave des Monsignore“ zitieren:
    „‚Warum“, so fragt ein beisitzender Richter, „wurde Herr Eggeling unter fünf Bewerbern ausgewählt. Wurde er von einer Person empfohlen?“ Dr. Mai, leise, diskret: „Seine Schwester war bereits bei uns beschäftigt. Es war keine direkte Empfehlung. Er hatte auch an und für sich gute Voraussetzungen für den Posten“.
    Eine sanfte richterliche Anspielung und eine zurückhaltende Antwort des Monsignores auf die beharrlich umlaufenden Gerüchte, besagte Schwester sei der charmante Anlass zur Einstellung Donald Eggelings als Hausmeister gewesen. Ein Museumsdirektor mit Priesterweihe kennt schließlich keine andere Fleischlichkeit, als die der ihm anvertrauten Engel, die keine haben. Ann-Gertrud, 35, Schwester des Angeklagten, wird zu dieser Frage nicht als Zeugin vernommen. Sie sitzt demonstrativ in der ersten Reihe der Zuhörerbänke: eine Madonna aus Fleisch und Blut: braunes Kostüm, fünf Goldringe mit Brillanten, drei Perlenketten bis tief ins Dekolletee. Ihre Gefühle schlummern hinter einer Maske asiatischen Gleichmuts.“

    Der Autor des 1985 in „Die Woche“ erschienenen Beitrags, Helmut Wanner hat seine Beobachtung ja nicht ohne Grund wiedergegeben. Die Schwester des Angeklagten war laut Aussage Dr. Mais im Gefüge beschäftigt. Entweder auf einem sehr gut bezahlten Posten, oder der Schmuck, den sie trug – vorausgesetzt es handelte sich um echten – war ein Geschenk. Dann wäre die berechtigte Frage, von wem sie diese Kostbarkeiten erhalten hat und wie diese Person zu so viel Geld kam. Immerhin ging es damals um schweren Raub. So heißt es jedenfalls im Artikel. Und Dr. Paul Mai, damals für das Diözesanmuseum verantwortlich, war deswegen vom Gericht als Zeuge geladen worden.

    Ich habe mal im Internet geguckt, was – echter! – Schmuck von beschriebener Ausführung heute kosten würde:

    a) dreireihige Perlenkette in mittlerer Länge: schon für eine einreihige Südseeperlenkette guter Qualität wären heute 15 000 bis 20 000 Euro zu berappen
    b) fünf Goldringe mit Brillanten: ein einzelner Goldring mit Brillant, je nach Größe und Beschaffenheit des Edelsteins, kostet bei mittlerer Preislage 10 000 bis 30 000 Euro

    Das heißt, die als sehr attraktiv beschriebe Frau trug zu dem Termin im Gerichtssaal Schmuck, für den man damals hätte ein solides Einfamilienhaus in guter Lage kaufen können. Denn echter, qualitativ hochwertiger Schmuck dieser Art war vor gut 30 Jahren eher noch teurer als heute.

    VG
    Angelika Oetken

  • Mathilde Vietze

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    Zu „El“ – Ihren Rattenschwanz an Belehrungen hätten Sie sich sparen können. Natürlilch
    gibt es auch in der katholischen Kirche eine Reihe von Pfarrern, die einfach integer
    und menschlich sind. In den 75 Jahren, wo ich die Erde unsicher mache, habe ich schon
    viele kennengelernt und das waren nicht nur „Dorfpfarrer“. Sie müssen nicht glauben,
    daß einer wie Mai bei den ganz normalen Pfarrern, die ihren Seelsorgeauftra ernst
    nehmen, in irgendeiner Weise beliebt ist. Täten die aber ihre Meinung laut sagen, würde
    Mai sich flugs in den Märtyerstand begeben. Und d e n hat d e r wahrlich n i c h t
    verdient!

  • Kreitmeier Ägidius

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    Als ehemaliger Obermünsterer (1963-1967) kann ich die Recherche über Dr. Mai und seine Gewaltexzesse als Präfekt in vollem Umfang bestätigen. Ich wundere mich, dass das Outen des Prügelpräfekten Dr. Mai bis heute angedauert hat. Jeder Obermünsterseminarist aus dieser Zeit kennt seine Schandtaten und sicher weiß auch die Diözesanleitung seit langem darüber Bescheid.
    Nach dem Hinweis eines Mitschülers hatte ich im Frühjahr 2014 Kontakt mit dem von der Diözese Regensburg beauftragen Rechtsanwalt Dr. Scheulen aufgenommen. Vor zwei Jahren, am 30.8.14, übersandte ich ihm einen ausführlichen Bericht u.a. über die Machenschaften von Dr. Mai. Im Frühjahr 2015 schilderte ich Dr. Scheulen in seiner Nürnberger Rechtsanwaltspraxis nochmals in einem einstündigen Gespräch meine Obermünstererlebnisse. Während der Unterredung brach ich, damals 63 Jahre alt, plötzlich in Tränen aus. Mit wurde spontan bewusst, dass ich als Obermünsterzögling einer jahrelangen Demütigung und Erniedrigung ausgesetzt war, von der ich mich nur langsam wieder erholte. Seitdem habe ich weder von der Diözese noch von Dr. Scheulen noch etwas gehört.
    Dr. Mai war wurde vom Bischof bis zu seiner Verabschiedung am 4.10.14 als Ehrenperson behandelt. Bei seiner Verabschiedung, ausgerechnet in der Obermünsterkapelle, hätte er die einmalige Gelegenheit gehabt, als Ehrenmann abzutreten, wenn er den Mut aufgebracht hätte, sich hinzustellen und sich öffentlich bei den Seminaristen zu entschuldigen, denen er als Seminarpräfekt Gewalt angetan hatte. Leider ließ er diese Gelegenheit verstreichen.

    Mit diesem Bericht will ich das Kapitel Obermünster endgültig abschließen, weil mich sonst bei einer Beschäftigung mit diesem Thema die negativen Gedanken Tag und Nacht verfolgen. Vier Jahre verlorene Kindheit in Angst und Schrecken können mir nicht mehr zurückgegeben werden. Ich will weder mit Dr. Scheulen noch mit einem Vertreter der Diözese Regensburg jemals wieder in Kontakt treten.

    gez. Kreitmeier Ägidius

  • Herbert Turetschek

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    „„die körperliche Züchtigung der Kinder religiös legitimiert, wenn nicht sogar empfohlen wurde bzw. wird.“ So das Resultat des Pädagogen Max Liedtke, der die Übergriffe im Windsbacher Knabenchor untersuchte.“
    Noch einmal, haltet Ihr die Untersuchungen für aussagekräftig? Ich möchte an eines erinnern: Freud hatte damals untersucht und festgestellt, es gibt weit mehr sexuellen Missbrauch, als angenommen, obwohl durch die Tabuisierung des Themas die Untersuchungen immer noch verfälscht waren und es noch mehr gab, als zugegeben wurde (später hat er dann noch alles revidiert und von „Träumen“ gesprochen und nicht von Realität), ich glaube, dass Herr Liedke genau dem gleichen „Phänomen“ aufgesessen ist und auch was die Gewalt betraf, ich war zu Hause weit weniger Gewalt ausgesetzt, das merkte ich daran, dass ich plötzlich in Etterzhausen in eine „Gewaltwelt“ kam und später in Amberg am Gymnasium genauso; Amberg und Regensburg waren weit schlimmer, als Sulzbach-Rosenberg, denn durch andere Einflüsse kam der Katholizismus nicht so zum Tragen, das wurde sogar in den katholischen Katechismen ersichtlich, denn wir hatten andere, als anderswo in den strengeren Regionen von Bayern. Und, letztendlich, kommt daher vielleicht auch mein Freigeist, auch wenn ich nichts beschönigen will und es bei uns und in solchen Regionen, in denen ich aufwuchs, auch Missstände herrschten und das nicht zu knapp.

  • xy

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    Allen, die hier meinen, der Fall des Prügelprälaten Mai sei irgendwie für den Priesterberuf oder für die kath. Kirche typisch, sei widersprochen. Der Prügelprälat war in jeder Hinsicht durchaus exzeptionell. Jedwede Generalisierung verbietet sich.

  • (Ex-)Student

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    @xy

    Aber der Umgang der kath. Kirche mit dem Prügelprälaten bzw. dessen exzeptionellen Wesen – der ist scheint doch durchaus typisch für diese Institution, oder?

  • Mathilde Vietze

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    Zu „xy“ – Ich teile Ihre Meinung. Stellt Euch mal vor, der Bischof würde sich öffentlich
    über die „Heldentaten“ des Herrn Mai äußern! Am nächsten Tag stünde in allen Zeitungen:
    „Da schaut sie Euch an, die Brüder, von Nächstenliebe predigen und dann das!“ Die Freude
    darf man Mai nicht gönnen.

  • xy

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    Im Prinzip ist die Kirche doch ziemlich richtig mit ihm umgegangen und hat ihn in einem staubigen Archiv versteckt, wo er nicht viel anrichten konnte. Ich bin sicher, dass die aktuellen Nachrichten schon viel früher aufgekommen wären, wenn man ihn für höhere Weihen ins Auge gefaßt hätte, was seine damaligen Zöglinge mit einiger Sicherheit zu verhindern gewußt hätten; davon hat die Kirche also aus guten Gründen wohlerwogenen Abstand genommen. Eine andere Frage ist, ob und wie die Kirche für das, was damals in ihrem Internat geschehen ist, noch irgendwie entschädigen sollte.

  • Mr. T

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    Die Kirche ist also richtig mit Mai umgegangen? Ihn jahrelang weiter prügeln lassen und ihn am Ende seiner beruflichen Karriere aus dem Rampenlicht nehmen und hoffen, dass sich das alles ganz leise von selbst erledigt. Prügeln ist ja nicht schlimm, drüber reden schon. Natürlich alles Einzelfälle, jeder einzelne. Und natürlich hat nur der Täter was falsch gemacht, nicht aber all die, die das jahrelang vertuscht haben. Das sind genauso Mittäter wie der Sadist selbst. Und davon ist die ganze Kirche von oben bis unten durchzogen. Auch wenn Ihr immer mal wieder einen netten Kaplan findet und den dann beispielhaft für das ganze System auf den Thron stellt um Euer Weltbild und damit Eure Erlösungssehnsucht nicht zu zerstören, auch der trägt dieses System durch seinen fehlenden Widerstand mit. Das erinnert mich an die, die trotz sechs Millionen vergaster Menschen immer noch den Autobahnbau loben.

  • xy

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    Wenn als diskussionsfeindliches Totschlagargument nur nicht immer diese dummen Nazi-Vergleiche wären! Godwin’s Gesetz läßt grüßen…

  • Mr. T

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    xy, ist doch vielleicht besser so. Dann braucht man sich wenigstens nicht mit all den anderen Argumenten auseinandersetzen. Aber bei diesen krankhaften Versuchen bei aller Grausamkeit in der Kirche in den letzten 2000 Jahren irgendwie jede noch so kleine positive Erscheinung als beispielhaft hervorzukehren, geht’s halt irgendwann nicht mehr anders. Ein Vergleich ist noch lange keine Gleichsetzung des Gröfatzke mit den Granden der Kirche. Aber es wäre mal interessant, wenn man das vergossene Blut beider Seiten gegeneinander aufrechnen würde…

  • xy

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    Immer diese Übertreibungen! Es geht hier nicht um „vergossenes Blut“. Wir wurden nicht gesteinigt, geköpft, gevierteilt oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Wir wurden schlicht verprügelt. Eine gewisse Ernsthaftigkeit ohne solche schamlosen Übertreibungen wäre der ohnehin schlimmen Sache angemessener und würde sie nicht unglaubwürdig machen. Sie schaden der Sache doch nur, statt zu helfen!

  • El

    |

    Nein, es geht nicht um „vergossenes Blut“
    aber es geht auch nicht um „schlichtes Verprügeln“ .
    Das ist eine grobe Bagatellisierung von seelischer und körperlicher Grausamkeit.

    Denn dieses „schlichte Verprügeln“ kann dazu führen, dass ein Mensch schlicht und ergreifend nicht mehr in der Lage ist,
    im Leben Fuß zu fassen.
    Weil die Angst das Zepter übernommen hat, Panik sich da breit macht,
    wo eigentlich Freude und Lebensmut wohnen sollten.

  • rb

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    @EI
    …Das ist eine grobe Bagatellisierung von seelischer und körperlicher Grausamkeit….

    Ich glaube , die Herrschaften drinnen im Bischöflichen Ordinariat zeigen dafür in keinster Weise ein Interesse oder auch großartig ein Verständnis dafür. Wir die kleinen Erdenbürger draussen sind doch nur die armen Sünder , daher werden Sie auch , wie ich fiinde , zum Thema Monsignore May einen großen Riegel vor dieses Thema schieben.
    …siehe…
    http://www.gottes-suche.de/A.Aktuelles.html
    23.8.2016 Im Bistum Regensburg wird nach Informationen von regensburg-digital seit Jahren wegen körperverletzender Übergriffe in Bischöflichen Knabenseminaren, darunter im Knabenseminar Obermünster, recherchiert…..
    Ich finde auch , dass man diesem Monsignore May auch diesen Titel „“ Monsignore „“ bitte sofort aberkennen müsse.
    _____
    Seit dem Frühjahr 2010 wird zum Thema Regensburger Domspatzen angeblich doch richtig aufgearbeitet , aber für mich wird dieses Thema so derart in die Länge gezogen.
    http://www.domspatzen.de/de/chor/aktuelles/detail/article/auftrag-zur-aufarbeitung-der-missbrauchs-und-misshandlungsfaelle-von-aussen.html

    Vor über 4 Wochen wurde von einer neuen Missbrauchsbeauftragten zum Thema Missbrauchsaufarbeitung im Bistum Regensburg berichtet. Die MZ – Mittelbayerische Zeitung berichtete darüber nicht! Habe darüber in der MZ nichts gelesen.

    Auch möchte ich monieren, dass man diese Tel-Nummer , oder auch diese eMailanschrift zum Thema Domspatzenmissbrauch wirklich nicht richtig zuordnen kann.
    Marion Kimberger – Tel.: +49 941 20914268
    E-Mail: marion.kimberger@kimberger-online.de

    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Sexueller-Missbrauch-Bistum-Regensburg-beauftragt-weitere-Ansprechpartnerin;art1172,383307

  • Mathilde Vietze

    |

    Wenn ich mal von Glaube und Religion absehe, gibt es
    in der katholischen Kirche – genausowie wie in weltlichen
    Firmen – eben gute Leute und Übelkrähen. Und – es stimmt
    nicht, daß man in der katholischen Kirche ein Bazi und Lump
    sein muß, um die „höheren Weihen“ zu erhalten. An Bespielen
    fehlt es nicht.
    Daß es Mai mit dem Zölibat nicht so ernst genommen hat,
    war seinerzeit in der „Woche“ ausführlich zu lesen. Nun, es
    gibt halt auch Frauen, denen „vor gar nichts graust“.
    Hätte man Mai damals nicht im Archiv „versteckt“, sondern
    ihm eine große Show gewährt, wäre er noch arroganter ge-
    worden.

  • Mr. T

    |

    Nein, Frau Vietze, man muss ein Lump sein. Auch jemand, der niemanden mißbraucht, prügelt, ausnimmt, etc. ist ein Lump wenn er dieses System stützt. Dann sehen wir mal vom Nazivergleich ab und nehmen einen Mafiavergleich: Da gibt es viele auch viele Mitgleider, die hart arbeiten, alles für ihre Familie tun, gute Väter, Ehemänner, Söhne, Onke usw. sein, jeden Tag fromm beten und sich keinen Sonntag von der Messe abhalten lassen. Auch wenn die noch keinem die Pistoile an den Kopf gehalten haben und auch ansonsten gute, leutselige und hilsbereite Menschen sind – sie stützen trotzdem das verbrecherische System und machen sich damit zu Verbrechern. Und das gilt auch für den freundlichen Kaplan aus dem Nachbardorf. Außer er stellt sich gegen das System, nennt die Verfehlungen und die Schuldigen beim Namen und bekämpft dies aus seiner internen Position. Aber was dann mit ihm passiert, können Sie sich sicher sehr gut vorstellen, da Sie ja auch immer reklamieren, von solchen Kreisen Kirchenfeindin genannt zu werden – als fromme Katholikin.
    Mais Verstöße gegen das Zölibat sind lächerlich und unerheblich im Vergleich zu seinen Verstößen gegen Menschenrechte und Strafgesetzbuch. Oder wird jetzt auch noch ins Spiel gebracht, dass er mal ohne Gurt Auto gefahren ist, um seine taten herunterzuspielen?

  • hutzelwutzel

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    @rb:

    Durchaus wird die Aufklärung in die Länge gezogen. Hat auch Methode, denn jetzt haben wir schon die zweiten Bundes- und bald Landtagswahlen die auf diese Weise überstanden wurden.
    Noch einmal bzw. zweimal insgesamt wählen, dann ist die Bevölkerung so überaltert, dass wir dankbar sein werden, dass sich genau diese Leute um unsere „Alten“ kümmern. Wir werden alles vergessen, was die angetan haben.

    Also: SIE HABEN DIE WAHL!!!! DEMNÄCHST, IMMER NOCH FREI UND GEHEIM!!!

  • hutzelwutzel

    |

    Kommentar gelöscht. Bitte beim Thema bleiben.

  • Mathilde Vietze

    |

    Zu „Mr. T“ – Wenn mich die Ewiggestrigen als „Kirchenfeindin“
    zu diffamieren versuchen, dann ist mir das piepsegal. Es gibt
    genügend ernstzunehmende Katholiken (Pfarrer und Laien)
    bei denen ich sehr angesehen bin, sodaß ich nicht „Lob von
    der verkerten Seite“ bekommen muß. Außerdem sind Sie
    ja nicht verpflichtet, dieses System zu schützen, wenn es
    Ihnen schon so saumäßig vorkommt. Aber, auch bei un-
    seriösen Atheisten (ich kenne eine Menge seriöse) werden
    Sie Typen finden, die versuchen, Ihnen ihre alleinselig-
    machende Meinung aufzudrängen.

  • (Ex-)Student

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    @El

    Ich kann nicht erkennen, weshalb es eine „grobe Bagatellisierung“ von xy sein soll, wenn er darauf hinweist, dass Verprügeln – trotz zweifelsohne u.U. gravierender Auswirkungen – immer noch eine andere Dimension darstellt als z.B. die Verbrechen gegenüber den Juden im 3. Reich bzw. anderen Formen des Blutvergießens. Weshalb soll das eine Bagatellisierung sein?
    xy hat es doch bereits treffend formuliert: „Eine gewisse Ernsthaftigkeit ohne solche schamlosen Übertreibungen wäre der ohnehin schlimmen Sache angemessener und würde sie nicht unglaubwürdig machen. Sie schaden der Sache doch nur, statt zu helfen!“

  • Kreitmeier Ägidius

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    Am letzten Tag des Jahres 2016 bedanke ich mich nochmals als ehem. Obermünsterer bei H. Werner für die gründliche Recherche über den Prügelpräfekten Dr. Mai. Dieser Bericht hat offensichtlich dazu beigetragen, dass die Diözese Regensburg endlich reagiert hat. Von Seiten der Diözesanleitung wurde Ende Nov. 2016 eingeräumt, dass Dr. Mai damals mit seinen Prügelorgien weit über das hinausgegangen ist, was damals „üblich“ war.
    Meinem ehem. Klassenkameraden Konrad R., der sein Leben lang unter diesen schlimmen Geschehnissen gelitten und seit 5 Jahren um sein Recht gekämpft hat, wurde nun, Ende Nov. 2016 !, von der Regensburger Bischofsleitung eine „Anerkennungsprämie“ von 2500 Euro zugebilligt. Dies ist eine kleine Genugtuung für ihn und für uns Obermünsterer, die von Dr. Mai gepeinigt und geschlagen wurden.
    Bei der „Domspatzen-Pressekonferenz“ am 13.10.2016 rief Bischof Voderholzer auch die
    Betroffenen anderer Einrichtungen auf, sich zu melden. Ich selbst habe mich bereits vor über 2 Jahren mit einem ausführlichen Bericht an Dr. Scheulen gemeldet. Bis heute habe ich noch keine Antwort erhalten. Man hätte mir wenigstens mitteilen können, dass die mit voller Kraft, unvermittelt und ohne Vorankündigung ausgeführten Schläge auf meinen Kopf, die ich von Dr. Mai wegen „Mundraubes“ bekommen habe, weil ich statt einer Semmel zwei Semmeln gegessen habe, unter die „damals üblichen Erziehungsmethoden“ fielen.

  • Ein positiver Schritt voller Mängel » Regensburg Digital

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    […] Konkret ermittelte das Bistum beispielsweise intern etwa fünf Jahre gegen den ehemaligen Direktor des Bischöflichen Zentralarchivs Paul Mai, der als geistlicher Präfekt des Knabenseminars Obermünster von 1963 bis 1967 seine Launen an Schü….  […]

  • Susanne S

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    Als Mädchen am AMG und in der ersten Klasse, in der Mädchen mit Seminarbuben gemischt wurden, dachte ich mir, dass es den armen Buben und meinen Klassenkameraden im Obermünsterseminar nicht gut geht, weil es da streng zugeht. Die Buben waren nett, trauten sich aber kaum mit uns Mädchen zu sprechen. Einer hat monatelang in der 5. immer wieder während des Unterrichts geweint. Der Präfekt, der bei uns Religion unterrichtet hat in der 6. Klasse, war verklemmt und langweilig. Das Klima am AMG generell miserabel, obwohl es ein paar sehr nette Lehrer gab. Glücklicherweise konnte ich in der 12. und 13. Klasse noch zwei Jahre echte fröhliche Schulzeit mit richtigem Klassenzusammenhalt erleben, nachdem wir wegen der Pensionierung meines Vaters wegzogen. Das größte Glück! Aufgrund meiner Erfahrungen am AMG weiß ich ganz sicher, dass ich nicht katholisch bin… Ich habe so gut wie keinen Kontakt zu den Klassenkameraden aus Regensburg mehr. Aber ich hoffe und wünsche allen, dass sie trotzdem ihren Lebensweg gefunden haben…

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