Anmerkungen zum ehemaligen Domspatzendirektor Johann Meier

Der Exzess-Täter und seine (Ex-)Freunde

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Demütigungen, Schläge, foltergleiche und religiös aufgeladene Strafen, Übergriffe aller Art – dafür steht der frühere Direktor des Domspatzen-Internats Johann Meier. Kürzlich hat der Verein der „Freunde des Domchors“ dem sadistischen Gewalttäter die Ehrenmitgliedschaft aberkannt – heimlich, still und leise. Anmerkungen zum ehemaligen Domspatzendirektor Johann Meier, seinen (Ex-)Freunden und dem Domkapellmeister a.D. Georg Ratzinger. Eine Recherche in zwei Teilen.

Lange ein hochgeachteter "Freund der Domspatzen": der Gewalttäter Johann Meier. Foto: SWR/ Mona Botros

Lange ein hochgeachteter „Freund der Domspatzen“: der Gewalttäter Johann Meier. Foto: SWR/ Mona Botros

Von Robert Werner

„Nach beinahe 40 Jahren selbstloser Tätigkeit … wurde sein Erziehungsstil in der modernen Zeit nicht mehr verstanden.“ Georg Ratzinger über Johann Meier, 1998

Als der Direktor des Domspatzeninternats Johann Meier im Januar 1992 in Pielenhofen in den Ruhestand verabschiedete wurde, waren alle da: Eltern und Lehrerschaft, Bürgermeister und Regionaloberin des Klosters, Stiftungs- und Vereinsmitglieder, Direktoren der Einrichtungen Regensburger „Domspatzen“, Vorstandschaft der Freunde des Regensburger Domchors, Generalvikar und Weihbischof. Eine Vielzahl von Honoratioren dankte Meier. Unter der Leitung des Domkapellmeisters Georg Ratzinger trat ein achtstimmiger „Domspatzen-Chor“ an und sang unter anderem „Denn er hat seinen Engeln befohlen, … dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen …“ von Mendelssohn-Bartholdy. Der neue Direktor Josef König pries seinen Vorgänger als Freund der „Domspatzen“: „Was er den Jungen an persönlicher charakterlicher Entwicklung angedeihen ließ“, all dies könne gar nicht aufgezählt werden.

Was Josef Meier ihnen angedeihen ließ, zählen ehemalige Internatsschüler seit März 2010 öffentlich auf: Demütigungen, Schläge, foltergleiche und religiös aufgeladene Strafen, Übergriffe aller Art. Straftaten und Verletzungen an Körper und Seele. Schauten die Engel weg, statt zu behüten?

Seit 2010 versucht sich das Bischöfliche Ordinariat in Regensburg etwas hilflos und wahrheitswidrig von Johann Meier abzugrenzen. Ihn als Ausnahme und Fehlbesetzung hinzustellen, die zu verurteilen sei. Als einen, der damals mit den Einrichtungen „Domspatzen“ in Regenburg höchstens am Rande zu tun gehabt habe. Neuerdings will auch die Vorstandschaft der Freunde des Regensburger Domchors mit Johann Meier nichts mehr zu tun haben. Man will ihn klammheimlich loshaben.

Klammheimliche Aberkennung

Meier wirkte bis 1981 am Grundschulinternat der „Domspatzen“ in Etterzhausen und nach dem Umzug bis 1992 in Pielenhofen. In seiner gesamten Zeit als Schulinternatsdirektor waren Buben körperverletzenden Strafen und Züchtigungen und nicht wenige sexuellen Übergriffen ausgesetzt. Neben Meier zählen auch andere Personen des Internatspersonals zu den Tätern.

Ein Ort, an dem Kindheiten zerstört wurden, aber nicht der einzige:  die ehemalige Domspatzen-Vorschule in Ettertzhausen: Foto: SWR/ Mona Botros

Ein Ort, an dem Kindheiten zerstört wurden, aber nicht der einzige: die ehemalige Domspatzen-Vorschule in Ettertzhausen: Foto: SWR/ Mona Botros

Wie ein Vorstandsmitglied des Vereins der Freunde des Regensburger Domchors regensburg-digital mitteilte, wurde dem ehemaligen Direktor der Vorschulinternate der „Domspatzen“ Johann Meier vor Kurzem die Ehrenmitgliedschaft aberkannt. Für welche Verdienste die Vereinsführung Meier den Ehrentitel verliehen hatte, ist unbekannt. Gänzlich unverständlich erscheint, warum dieser Schritt nicht öffentlich kommuniziert wurde. Eine Ehrenmitgliedschaft ist ein öffentliches Bekenntnis einer Gruppe zu Ehren einer Person. Der redliche Entzug einer Ehrenmitgliedschaft bräuchte, so sollte man meinen, folglich ebenso eine öffentliche Erklärung. Ohne Begründung und offene Auseinandersetzung bleibt der Schritt unglaubwürdig. Aus der Vorstandschaft hieß es, die Aberkennung von Meiers Ehrenmitgliedschaft sei Ergebnis einer internen Klärung, mit der man sich nicht brüsten wollte. Zumal diese ja auch nicht öffentlich bekannt gewesen sei.

Dem Vernehmen nach gab es innerhalb der Domchor-Freunde bereits im Jahre 2010 Stimmen, die eine Distanzierung von Meier forderten. Erfolglos.

Warum die Vereinsvorstandschaft erst über fünf Jahre nach breiter Berichterstattung diverser Medien über die körperlichen Misshandlungen in den Einrichtungen der „Domspatzen“ diesen Schritt ging, mochte der Vereinsvorstand Marcus Weigl, hauptberuflich Pressesprecher der Caritas der Regensburger Diözese, gegenüber regensburg-digital nicht aufklären.

Lebenslange Vereinsmitgliedschaft

Der Verein der Freunde des Regensburger Domchors wurde 1925 vom frisch berufenen Domkapellmeister Theobald Schrems gegründet, um den seinerzeit dahinsiechenden Domchor wieder aufzupäppeln. Was bald glückte. In der NS-Zeit, als der Domchor und Schrems nach Weltruhm strebten und Nazi-Propaganda betrieben, versuchte die Vereinsführung, darunter die NS-Bürgermeister Otto Schottenheim und Hans Herrmann, den hierbei bremsenden Einfluss des bischöflichen Domkapitels zurückzudrängen. Letztendlich stoppten aber der Verlauf des Kriegs und die daraus resultierende Notwirtschaft den systemkonformen Aufstieg des Domchors unter dem Professor von Hitlers Gnaden Schrems. Und keine antinazistischen Kräfte in Bistum und Stadtgesellschaft.

Laut eigenen Angaben besteht der Verein aktuell aus über 1.100 Personen, die mit ihrer meist lebenslangen Mitgliedschaft ihrer „engen Verbundenheit zu den Domspatzen und deren wertvoller christlicher, musikalischer Bildungs- und Erziehungszielsetzung“ Ausdruck verleihen. Im Verein laufen demnach alle „wirtschaftlichen und organisatorischen Aspekte der nicht-liturgischen Konzerttätigkeiten der Regensburger Domspatzen“ zusammen. Laut Satzung handelt der Verein „selbstlos“ und „verfolgt nicht in erster Linie eigenwirtschaftliche Zwecke“. Gewinne aus den Konzerten führt der „unmittelbar gemeinnützige“ Verein an die Stiftung der Regensburger Domspatzen ab, ebenso Beiträge und steuerlich absetzbare Spenden. Dass es hierbei nicht um Peanuts geht, geht zeigt ein Programmheft von 1955, wo es heißt, die „Domspatzen“ hätten sich den Neubau des Gymnasiums mit Internat und Präbende „in den vergangenen Jahren buchstäblich selbst ersungen.“

 Auszug eines Programmhefts von 1955. Foto: privat

Auszug eines Programmhefts von 1955. Foto: privat

Weithin bekannt sind die Domchor-Freunde, da ihr alljährliches Treffen in Regensburg starke Medienresonanz erzeugt.

Ehemalige mit lebendigen Geschichten

Den Domchor-Freunden liegt ihre Zeit bei den „Domspatzen“ und ihr vergötterter ehemaliger Domkapellmeister Theobald Schrems am Herzen. Jedes Jahr im November, nahe dem Todestag von Theobald Schrems (15. November 1963), organisiert man deshalb das sogenannte „Ehemaligentreffen“. In der diesjährigen Einladung heißt es:
„Jeder ‚Ehemalige‘ hat seine eigenen Geschichten mit den Domspatzen, mit Chor, Schule oder Internat. Unser ‚Ehemaligentreffen‘ ist ein Forum, wo solche Geschichten wieder lebendig werden.“

Ob jene, die in den Einrichtungen der „Domspatzen“ sexuellen Missbrauch und körperverletzende Exzesse erleiden mussten, sich von derlei Selbstvergewisserungsritualen der „Domspatzen-Familie“ eingeladen fühlen? Soll das existenzielle Grauen der an Körper und Seele Verletzten tatsächlich in diesem Rahmen wieder lebendig werden? Die geneigte Öffentlichkeit wurde bislang nicht davon in Kenntnis gesetzt, dass das „Ehemaligentreffen“ oder der dafür verantwortlich zeichnende Verein der Freunde des Regensburger Domchors sich jemals dem Leid und den Schilderungen von Betroffenen in einer persönlich Begegnung ausgesetzt hätte. Der Verein täte aber gut daran, nicht zuletzt weil er am Betrieb der Internatsschulen von Anfang an beteiligt war.

Späte Genehmigung unter Kultusminister Hundhammer

Laut den Aufzeichnungen des ehemaligen „Domspatzen“ Hans Niedermayer begann der Unterricht für die 4. Volksschulklasse in Etterzhausen bereits im Herbst 1946. Zu der Zeit waren auch noch höhere Domschüler vor Ort, die in Regensburger Gymnasien unterrichtet wurden. Alle Schüler lebten in Etterzhausen in barackenhaften Vorkriegsbauten, die schon im Herbst 1945 hastig erweitert worden waren. Im Herbst 1949 zählte man über 50 Dritt- und Viertklässler, die von den Lehrern Ziegler und Scheierling unterrichtet und vom Präfekten Wolfgang Riedl betreut wurden, wie aus dem Aufführbuch der „Domspatzen“ (Bd. 11) hervorgeht. Schon seinerzeit waren sexuelle Übergriffe im Internat öffentlich bekannt geworden, wie Schrems in seinen Aufzeichnungen von 1960 beklagte.

Die Bestrebungen eine kultusministerielle Erlaubnis für den Schulbetrieb zu bekommen, führten erst im Januar 1948 zum Erfolg. Es war der berüchtigte Bayerische Staatsminister Alois Hundhammer, ein Befürworter der körperlichen Züchtigung von Schülern durch Lehrer, der den Domspatzen-Schulbetrieb für Gymnasium und Grundschule genehmigte. Pikanterweise bezog Hundhammer sich seinerzeit auf eine Nazi-Verordnung von 1933 (Verordnung über das nichtstaatliche Erziehungs- und Unterrichtswesen, EUV), um den Schulbetrieb zu bewilligen. Andererseits stellte er die Bedingung, dass die Entnazifizierungsbescheide der vorgesehenen Lehrkräfte und Erzieher vorzulegen seien, so wie es die politische Großwetterlage erforderte. Des Weiteren dürften die „liturgischen und musikkulturellen Aufgaben des Domchores“ die schulische Ausbildung nicht beeinträchtigen – so der Bescheid vom 12. Januar 1948.

Von den Anfängen mit einem NS-Theologen

Als Betreiber und Träger der Domspatzen-Schulen trat der Verein der Freunde des Regensburger Domchors unter dem Vorsitz von Dr. Josef Engert auf. Gerade Engert.

Der Antisemit Josef Engert 1962. Fotos: Stadt Regensburg

Der Antisemit Josef Engert 1962. Fotos: Stadt Regensburg

Jener Priester und Philosoph, der ab 1933 öffentlich und wiederholt eine völkisch-rassistische Theologie vertrat, die antisemitischen Rassengesetze der Nazis begrüßte und propagierte. Nach der Befreiung belog er die amerikanischen Offiziere und stellte sich bei seiner Überprüfung im Sommer 1945 als Nazi-Gegner dar.
In der Folge schaffte Engert es unter noch ungeklärten Umständen, kein deutsches Entnazifizierungsverfahren durchlaufen zu müssen – er galt bezüglich des Gesetzes zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus als „nicht betroffen“.

Nachdem Professor Engert die Philosophisch-theologische Hochschule 1948 unfreiwillig verlassen hatte, setzte er sich alsbald für die Errichtung eines Dom-Musikgymnasiums mit Vorschule ein. Seine diesbezügliche Denkschrift ist gespickt mit Deutschtümelei („musikbegabteste Volk der Erde“) und leidet an gewisser Überbewertung der „Domspatzen“ („den Ruf deutscher Musikpflege … in die weite Welt getragen“). Bezeichnenderweise betrachtet er darin die Vorschüler als verfügbare Manövriermasse: „von Etterzhausen her werden die Vorschüler in das Heim der Domsingknaben überführt“.

Mit der Schulgenehmigung von 1948 wurde der Vorsitzende Josef Engert rechtlich gesehen auch Bauherr aller Bauten in Etterzhausen. Ebenso für die Neubauten des Gymnasiums Anfang der 1950er Jahre in der Reichsstraße, wo die Stadt Regensburg großzügig ein Grundstück freimachte und bereits damals ebenso eine Grundschule angedacht war.

Der NS-Theologe Josef Engert wird im Verein der Freunde des Regensburger Domchors als Ehrenvorsitzender geführt. Einer Anfrage von regensburg-digital, ob eine Ehrenauszeichnung für Engert angesichts seiner NS-Propaganda bleiben kann, wich der Vereinsvorsitzende Marcus Weigl aus. Der Stadtrat hingegen hat im Oktober 2015 die nach Josef Engert benannte Straße in „Am Biopark“ umbenannt. Engert war übrigens auch mit dem anfangs rechtlich verantwortlichen Inspektor der Internate befreundet.

Inspektor Schrems

Der rechtlich verantwortliche erste Leiter der Internate in Etterzhausen und Regensburg war bis zur Ernennung von Direktoren kein geringer als der „Inspektor“ Theobald Schrems. Die Trägerschaft für das Domgymnasiums und das Grundschulinternat in Etterzhausen lag indes über neun Jahre beim Verein der Domchor-Freunde. Im Jahre 1957 führten unter anderem finanzielle Nöte im Verein zur Gründung der ersten zwei Stiftungen, die unter personeller und finanzieller Beteiligung des Bayerischen Kultusministeriums gegründet wurden: die Stiftung Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen (gegründet am 1.4.1957) und die Stiftung Etterzhausen der Regensburger Domspatzen (gegründet am 27. 2.1957). Die Stiftungen lösten den Verein der Freunde des Regensburger Domchors als Betreiber der Domspatzen-Einrichtungen ab. Träger der Stiftungen waren (und sind seitdem) das Regensburger Domkapitel und der Domchor-Verein.

Als ersten Direktor der Internate der Dompräbende und des Domgymnasiums in Regenburg installierte man zum 1. Januar 1959 den aus Eslarn stammenden Priester Georg Zimmermann. Bereits acht Monate später wurde dieser wegen sexuellen Übergriffen gegenüber Schutzbefohlenen klammheimlich abgesetzt und beurlaubt. (Genauer nachzulesen hier.)

Missbrauchstäter über Jahrzehnte: Der ehemalige Domspatzen-Direktor Georg Zimmermann.

Missbrauchstäter über Jahrzehnte: Der ehemalige Domspatzen-Direktor Georg Zimmermann.

Doch wann kam Johann Meier nach Etterzhausen?

Johann Meiers Weg nach Etterzhausen

Entgegen den falsch kursierenden Meldungen wirkte Maier im Jahre 1953 zunächst in Regensburg und erst Jahre später in Etterzhausen. Laut dem Schematismus des Bistums Regensburg (1972) kam der 1923 in Falkenstein geborene Weltkriegsteilnehmer Meier im August 1945 aus der Gefangenschaft zurück und empfing nach dem Besuch des Priesterseminars 1951 die Priesterweihe. Nach einer zweijährigen Tätigkeit als Kooperator in Vohburg kam er am 1. September 1953 als Präfekt ins Dominternat. Genauer gesagt in die Dompräbende, die wenige Wochen später in der Reichsstraße einen Neubau eröffnen sollte. Am selben Tag wie Meier wurde der serielle Missbrauchstäter und Priester Friedrich Zeitler als Religionslehrer und Präfekt am Domgymnasium eingestellt. Der Schematismus von 1955 zeigt die damalige Personalsituation.

Der Schematismus von 1955.

Der Schematismus von 1955.

Im Laufe der nächsten Jahre, laut ehemaligen Schülern ab 1955, wurde Meier auch in Etterzhausen als Präfekt tätig, obgleich man ihn weiter als Mitarbeiter der Dompräbende in Regensburg führte. Anfang 1957 stieg er zum Seminarleiter der Volksschule des Domgymnasiums in Etterzhausen (so die damalige Bezeichnung laut Schematismus) und zum Gründungsdirektor der Stiftung Etterzhausen der Regensburger Domspatzen auf. Eineinhalb Jahre später, im Oktober 1958, hatte Johann Meier das Ende seiner Karriereleiter erreicht und wurde zum Direktor von Internat und Grundschule ernannt.

Wie kam die unheimliche Machtfülle Meiers zustande? Es wird vermutet, dass Meier aus seiner gemeinsamen Regenburger Zeit mit dem sexuellen Serienstraftäter Friedrich Zeitler, der im Mai 1958 vor der Strafverfolgung in die Schweiz geflohen war, Erpressungsmaterial gegen Theobald Schrems in der Hinterhand hatte. Nicht zuletzt, weil seinerzeit auch „Inspektor“ Schrems in die Kritik geriet. Nebenbei: Der flüchtige Studienrat Zeitler war damals Schriftführer der Freunde des Regensburger Domchors.

Stiftungsfilz

Auszug aus dem Jahresbericht von 1978.  Foto: privat

Auszug aus dem Jahresbericht von 1978. Foto: privat

Die Stiftung des Grundschulinternats in Etterzhausen besaß zwei Stiftungs-Organe. Ein Direktorium, das von Johann Meier als Direktor besetzt wurde, und ein Kuratorium. In diesem saßen unter anderem der jeweilige Domkapellmeister, z.B. Georg Ratzinger, und je Vertreter des bayerischen Kultusministeriums und des Domkapitels. Als Kuratoriumsvorsitzender wirkte phasenweise auch der Weihbischof der Diözese, wie das Beispiel aus dem Jahre 1979 mit Vinzenz Guggenberger zeigt. Im Gegenzug saß der Etterzhausener Stiftungsdirektor Johann Meier auch im Stiftungskuratorium des Musikgymnasiums. Der Domspatzen-Filz umwickelte also den sozialen Raum zwischen Etterzhausen und Regensburg.

Die komplizierten rechtlichen Stiftungsverhältnisse mussten aus steuerlichen, organisatorischen und politischen Gründen mehrfach verändert werden. So musste sich etwa das Bayerische Kultusministerium wegen eines Interessenskonfliktes aus den Domspatzenstiftungen zurückziehen. Dieser Schritt aus dem Jahre 1990 war überfällig (und ist seitdem nicht aufgearbeitet!), da das Ministerium als zuständige Behörde sich als Kuratoriumsmitglied selbst überwachen hätte müssen.

Seit der letzten Umgestaltung der Stiftung der Regensburger Domspatzen von 2011 betreibt sie als rechtsfähige Stiftung des Öffentlichen Rechts das Gymnasium, das Internat und den Chor. Und mit der Satzungsänderung von 2011 auch die Grundschule der „Domspatzen“.

Weltliche Stütze der Institution „Domspatzen“

Obgleich die Freunde des Domchors eine gewichtige Rolle und Funktion im Gefüge der Institution „Domspatzen“ einnehmen, hat sich der Vereinsvorstand in den laufenden Auseinandersetzungen zu Übergriffen bislang nicht konkret öffentlich zu Wort gemeldet. Es blieb bei internen Absichtserklärungen wie, „dass sexueller Missbrauch und körperliche Misshandlungen, die im Bereich der Domspatzen vorgekommen sind, aufgedeckt werden müssen“ und es gelte „den Opfern zu helfen, die Täter – soweit noch möglich – zur Rechenschaft zu ziehen“.

Bezeichnend ist in diesem Zusammenhang, dass die Vereinsführung seit März 2010 – soweit bekannt – keinen Kontakt zu den von sexueller und körperlicher Gewalt Betroffenen suchte. Oder welche einlud und sich für deren Leiderfahrung oder ihre Sicht interessierte. Im Gegenteil: Betroffene beklagen eine Ausgrenzung als „Nestbeschmutzer“ seitens des Vereins. Die Anfrage an den Vereinsvorstand, was er bislang zur Aufklärung und Aufarbeitung der sexuellen und körperverletzenden Straftaten unternahm, blieb unbeantwortet. Man wolle sich hierzu „nicht öffentlich äußern“, damit der vom Bistum beauftragte Rechtsanwalt Ulrich Weber seine Tätigkeit „unabhängig und unbeeinflusst“ ausführen könne. 

Dass die 2015 klammheimlich vollzogene Aberkennung der Ehrenmitgliedschaft Johann Meiers mehr als einen taktischen Schachzug darstellt, ist zu bezweifeln.

Lesen Sie in der Fortsetzung: Georg Ratzing – Ohrfeigen aus Frust, Ein Interview unter Freunden, Würdigung eines Täters

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Kommentare (20)

  • menschenskind

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    Oben ist vom Antisemitismus des Priesters Josef Engert die Rede. Auch von zahlreichen anderen Priestern der NS-Zeit, und danach, wissen wir, dass sie Antisemiten waren.

    Hat sich vielleicht einmal einer der verehrten Reg.dig.-Leser mal so seine Gedanken gemacht, warum ausgerechnet Pfarrer häufig so judenfeindlich waren?

    Bei einem Antiquariatsbummel durch das Münchner Universitätsviertel stolperte ich vor Jahren über einen Stapel der Vatikanzeitschrift „Civilta Cattolica“ aus dem 19. Jh. Der Ladenbesitzer wollte sich von dem verschnürten Papierbündel, für das sich niemand je interessiert hatte, trennen, und so gab er es mir für 25 damalige Deutschmarks. Selbst nachdem mein Schulitalienisch bereits einige Jahre zurücklag, hatte ich doch wenig Schwierigkeiten damit, zu verstehen, dass zahlreiche Artikel allerbösest antisemitischen Charakter aufwiesen. Erst Jahre später widmete ich mich CC ernsthafter, diesmal von einer anderen Seite her, ein Kollege aus Italien hatte mich auf die Vorbildfunktion dieser Zeitschrift für europäische kathol. Geistliche aufmerksam gemacht.

    So beschäftigte ich mich mit der Geschichte von CC und fand bald heraus, dass diese Zeitschrift über ein halbes Jh. lang christlich-judenfeindliche Artikel verbreitet hatte, dies in den 1930er Jahren wohl derart heftig, dass die nationalsozialistische SS ihr mehrfach Lob zollte.
    In Bayern genießt immer noch der Jesuitenprediger Rupert Mayer großes Ansehen, wegen seines Mutes und wegen seines Widerstandsgeistes. Der einzige Makel an seiner weißen Weste war (soweit bisher bekannt geworden) ebenfalls Antisemitismus gewesen. CC wurde von Jesuiten gegründet, redigiert und von Jesuiten wie Angehörigen anderer Orden u.a. in Bayern rezipiert. Natürlich konnten nicht alle deutschen Kleriker italienisch, aber stets genug unter ihnen, um die Lehren aus CC in engeren oder weiteren Kreisen zu diskutieren und zu verbreiten. Zahlreiche Pfarrer bei uns in Bayern (und anderswo)bezogen so ihre judenfeindlichen Weisheiten direkt oder indirekt aus CC. Und sie setzten sie in ihre Predigten in deutscher Sprache um. Am Ende konnte im letzten Bauerndorf im hintersten Bayerwald der Gläubige in der Sonntagspredigt hören, was für Unmenschen, Verbrecher, Kommunisten, Satane die Juden waren. Die katholische Kirche tat damit das Ihre, um Deutsche mindestens zweier Generationen mit hitlerschem Gedankengut zu infizieren, möglicherweise sogar ohne Zusammenhänge zu erkennen.

    Wer heute bei Wikipedia unter CC nachschaut, staunt nicht schlecht, denn die deutsche Wiki bietet nahezu Null Info an. Umso mehr liest man dann unter en.wiki (glücklich, wer Englisch kann!).
    https://en.wikipedia.org/wiki/La_Civilt%C3%A0_Cattolica
    Über den Judenhass in der CC:
    https://en.wikipedia.org/wiki/La_Civilt%C3%A0_Cattolica#Anti-Judaism.2FSemitism

  • Haimo

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    Vielen Dank für diesen ausgezeichneten Artikel Hr. Werner !
    Aus meiner Datenbank läßt sich entnehmen , daß zwischen 1962 in Etterzhausen und 1982 in Pielenhofen , 125 Eltern ihr Kind während des Schuljahres aus dem Vorschulinternat nahmen . Das ist der mir zugängliche Zeitraum , in dem Meier sein unverantwortliches Treiben in den Vorschulen betrieb . Der Wechsel nach Schuljahresende ist dabei nicht berücksichtigt . Was mag da wohl der Grund gewesen sein ? Ausgenommen sind drei Jahrgänge deren Veröffentlichung die RKK wohlweislich verhindert. Sie sind nicht in der Staatsbibliothek vorhanden . Ich habe diese Kinder immer beneidet , aber ich mußte durchhalten .

    ein ehem. Etterzhausener 1962 – 1964

  • Peter

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    Danke für die Aufklärung!
    Mein Onkel war in Pielenhofen.
    Er wurde von den Schlägern auch Elefantenhaut genannt.
    Er ist dort auch mal abgehauen – wen wunderts.
    Manchmal wünscht man sich für die Täter es gäbe die Hölle wirklich.

  • Ein Steg über den gemeinsamen Domspatzen-Sumpf » Regensburg Digital

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    […] Kürzlich hat der Verein der „Freunde des Domchors“ dem sadistischen Gewalttäter Johann Meier die Ehrenmitgliedschaft aberkannt – heimlich, still und leise. Der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger hielt die Fahne für den Exzess-Täter lange hoch und redete seine Verantwortung klein – mit erstaunlicher Unterstützung. Zweiter Teil der Recherche von Robert Werner (Hier geht’s zum ersten Teil).  […]

  • Angelika Oetken

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    „Manchmal wünscht man sich für die Täter es gäbe die Hölle wirklich.“

    @Peter,

    die Täter haben wohl die Hölle auf Erden verkörpert. Vermutlich genießen sie bis heute so hohes Ansehen.

    Im Ernst: viele Kinderfolterer und -missbraucherInnen haben als Kind selbst eine Hölle durchlebt. Leider neigt der Mensch dazu, am Anderen zu wiederholen, was ihm selbst einmal angetan wurde. Das kann eine entlastende Wirkung haben. Es wird „traumatischer Wiederholungszwang“ genannt. Feige und bösartig ist es allemal.

    Hier etwas dazu, wie Misshandlung in der frühen Kindheit dazu führen kann, dass Menschen zu solchen sadistisch-exzessiven Intensivtätern werden, wie es Johann Meier und Konsorten waren http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-130630569.html

    Sexueller Missbrauch ist eng mit sonstigen Formen der Misshandlung verwoben. Was ihn aber so gefährlich macht ist, dass etwas an sich sehr Schönes und Lebenswichtiges, nämlich Zuwendung und Zärtlichkeit an sexuelle Ausbeutung (und Gewalt) geknüpft wird. Nicht von ungefähr sind es in erster Linie Frauen (Mütter), die aus liebenswürdigen kleinen Jungen mit Potential heimtückische Pädokriminelle machen. So etwas aufzuarbeiten ist extrem schwer. Schon aufgrund der verbreiteten Fehlannahme, dass Frauen nicht missbrauchen. Erst recht nicht ihre eigenen Söhne http://www.stern.de/panorama/stern-crime/sexueller-missbrauch-wenn-muetter-sich-an-ihren-kindern-vergehen-3097826.html
    Frauen gelingt es aufgrund der gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen viel besser als Männern, den Sadismus, der sich hinter den scheinbar fürsorglichen Handlungen verbirgt zu kaschieren
    http://www.dissoziation-und-trauma.de/literatur/pelzer-dave-erzaehlender-fallbericht-autobiografisch

    Unsere Gesellschaft ist – noch – nahezu blind für so etwas. Zutiefst beschädigte Menschen, wie sie rund um die Domspatzen am Werk waren, lassen wir darum weitgehend gewähren. Sie verkörpern nämlich auch Eigenschaften, die wir hoch bewerten, so Gnadenlosigkeit, „Stärke“, Egoismus, Zielstrebigkeit, Durchsetzungsfähigkeit. Sie alle sind auch Erfolgsgaranten. Teuflisch könnte man sagen. Bezeichnenderweise sprang besonders die Domspatzenseilschaft darauf an.

    Ich hoffe, Ihr Onkel traf später im Leben auf Menschen, die ihm halfen, sich aus diesem widerwärtigen, menschenfeindlichen Milieu zu lösen. Die seelisch-moralische Verwahrlosung, die vorgelebt wurde prägt leider, gerade in jungen Jahren. Es ist nicht leicht so etwas abzustreifen.

    MfG,
    Angelika Oetken,

  • Elisabeth

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    Ein interessanter Artikel, wenn auch ein wenig einseitig auf die Täter fokussiert. Warum fragt keiner nach den „guten“ Seelen in dieser Zeit, die versuchten den Kindern etwas Wärme und Zuneigung zukommen zu lassen. Diese hat es auch gegeben. Nicht zuletzt diese Menschen haben die „seelisch-moralische“ Verwahrlosung der Kinder verhindert.

  • Mr. T

    |

    Elisabeth, selbstverständlich geht es hier um die Täter und nicht um die Nichttäter, diejenigen, die sich normal verhalten. Was soll immer die Relativiererei, um zu zeigen, dass nicht alle so schlimm waren? Das ist doch der Sollzustand und es geht nur um die, die davon abweichen.
    Bei Uli Hoeness ist es auch nur um ihn gegangen und nicht um auch um alle diejenigen, die brav ihre Steuern zahlen.

  • Angelika Oetken

    |

    @Elisabeth,

    ja nach den Menschen, die den eingesperrten und gequälten Grundschülern damals halten wurde bisher kaum gefragt. Einige der Opfer, die in Etterzhausen und Pielenhofen einsaßen, haben berichtet, wer sich wie für sie eingesetzt hatte. Auch hier auf Regensburg-digital. Ohne die HelferInnen wären sicherlich noch viel mehr Kinder zu Schaden gekommen. Das Thema, wie es den Verantwortlichen gelungen ist, sich über die einfachsten menschlichen Grundwerte hinweg zu setzen und Versuche, den Kindern zu helfen zu sabotieren, gehört unbedingt zur Aufklärung und Aufarbeitung dazu. Frau Burgsmüller und Kolleginnen haben das im Falle des Berichts zu den Missbrauchsfällen am Aloisiuskolleg, Bonn Bad Godesberg vorgemacht.

    Auf BR läuft seit dem 8.1. eine intensive Debatte zum Zwischenbericht. Auch dort haben Domspatzenopfer und Mitbetroffene eingestellt, was ihnen widerfahren ist
    http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburger-domspatzen-missbrauch-zwischenstand-100.html

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Elisabeth

    |

    Lieber Mr. T, verstehe ich Sie richtig: Wir reden nur noch über Täter und nicht diejenigen, die gegen das System gearbeitet haben. Dann frage ich mich, warum wir z.B. beim System NSDAP über Anne Frank und Schindler reden?

    Wie kommen Sie darauf, dass man durch die Erwähnung von Systemzersetzern, die Handlungen der Täter relativiert? Dies ist ein sehr fundamentalistischer Ansatz.

  • Mr. T

    |

    Hat’s die denn gegeben? Wo hat sich da jemals jemand öffentlich dagegen gestellt? Sie haben keine „Systemzersetzer“ erwähnt, sondern nur geschrieben, dass es auch Personal gegeben hat, dass seinen Auftrag auch erfüllt hat. Lehrer oder Präfekten, die Kinder nicht misshandelt oder missbtraucht haben, sind deswegen noch lange keine Widerstandskämpfer.

  • Angelika Oetken

    |

    „Hat’s die denn gegeben? Wo hat sich da jemals jemand öffentlich dagegen gestellt?“

    @Mr. T,

    soweit ich informiert bin, hat es einige Menschen gegeben, die sich für die misshandelten und missbrauchten Kinder stark gemacht haben. Aber die haben das nicht offen vermeldet. Hinter vorgehaltener Hand wurde ganz sicher ausgiebig über die Zustände in Etterzhausen, Pielenhofen und in der Domspatzenschule gesprochen.

    Beginnen wir doch mal ein Gedankenspiel: was wäre mit einem Arzt, einer Köchin, einem Lehrer, einer Metzgersfrau geschehen, wenn sie das, was sie in Bezug auf den Missbrauch und die Misshandlungen, die sie an den Domspatzeneinrichtungen beobachtet haben in den 60er, 70er, 80er oder 90er Jahren öffentlich gestellt hätten?

    Und wie wäre man(n) erst mit Betroffenen verfahren, die sich an die Öffentlichkeit wenden? Vor dem Canisiusday, der vor ziemlich genau 6 Jahren den Missbrauchtsunami auslöste?

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Haimo

    |

    „Hat’s die denn gegeben? Wo hat sich da jemals jemand öffentlich dagegen gestellt?“

    @Mr. T,

    Jm Jahrgangsbericht 1967-68 _ Seite 71 – 76 _ Schuljahres-Schlußfeier
    ist von Oberstudiendirektor J. Höfler
    eine Abschlußrede unter der Überschrift :
    Gedanken zu aktuellen Schul- und Schülerproblemen
    wiedergegeben . Darin ist von , ich zitiere :
    “ Anwendung von unwürdigen Strafen “ und einer
    Beschreibung derjenigen die Rede .
    Wie auch die ganze Rede vor Schülern , Eltern ua. deutlich
    macht , wie bekannt das Problem damals war . Sonst hätten sie
    die Rede wohl nicht veröffentlicht. Da gibt es immer noch
    Leute die nichts gewußt haben wollen ?

  • LS

    |

    Hallo…..
    ihr könnt euch gar nicht vorstellen was der Meier in Etterzhausen uns allen angetan hat.
    Ich persönlich weiß es nur noch in meinem unmittelbaren Umfeld.
    Es ist eine Schande das man einen solchen Menschen auch noch in Schutz nimmt auch wenn er nicht mehr ist.
    Und ich behaupte das es fast alle mitbekommen haben… Unsere Mitbewohner im Zimmer, die zwei – dreimal sitzen blieben und schon älter waren, haben auch noch mitgemacht. Grausam……!!! Ich wurde nach etlichen Schlägen und Erniedrigungen vom Meier „Gott sei Dank“ aus dem Internat genommen … nach langen zweieinhalb Jahren. Ihm wurde ja trotz der Anzeigen und Vorwürfe mancher Eltern immer der Rücken gestärkt, runter gespielt und unter dem Teppich gekehrt………. :( LS

  • Angelika Oetken

    |

    „… Unsere Mitbewohner im Zimmer, die zwei – dreimal sitzen blieben und schon älter waren, haben auch noch mitgemacht. Grausam……!!!“

    @LS,

    Danke für die deutlichen Worte. Ich war bis heute auf einer Tagung. Dort berichtete gestern Prof. Heiner Keupp über seine Untersuchung der Missbrauchsfälle in Ettal und Kremsmünster (Österreich). Er strich dabei heraus, wie bedeutsam das Phänomen der Identifikation mit dem Aggressor ist. Was zu einer hohen Rate an so genannter „Peer-Gewalt“ (also das was Sie schildern) führt. Und so aus den Jungen Männer macht, die das übergriffige, manipulative und unberechenbare Verhalten, das ihre Lehrer ihnen vorgelebt haben, tief verinnerlichten. Was sie später, wenn sie ihrerseits erwachsen sind, an ihren Angehörigen oder Menschen, die ihnen unterstellt wurden auslassen.

    Insofern muss befürchtet werden, dass die Rate an Soziopathen, Schlägern und Missbrauchern unter den Männern, die Etterzhausen/Pielenhofen besucht haben, signifikant höher ist als in der Normalbevölkerung. Auch das gehört untersucht, denn solche Menschen produzieren Opfer. Vermutlich jetzt in diesem Moment.

    Keupp und sein Team haben meiner Einschätzung nach eine vorbildliche, da umfassende und solide erstellte Arbeit abgeliefert http://www.ipp-muenchen.de/texte/ap_10.pdf

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Angelika Oetken

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    Interessant in dem Zusammenhang auch http://www.ev-akademie-tutzing.de/wp-content/uploads/2016/02/Kind-anvertraut-2-Fueller_Artikel.pdf

    Auf der Homepage von „Missbrauchsopfer Josephinum Redemptoristen“ wird auf die nur scheinbar paradoxe Nähe der Wertesysteme geschlossener Erziehungseinrichtungen zum Faschismus aufmerksam gemacht http://www.missbrauchsopfer-josephinum-redemptoristen.de/aktuelles-1/

    Ein Teil der deutschen Vergangenheit der unbedingt näher untersucht werden sollte.

  • Ein Mehltau von Feigheit » Regensburg Digital

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    […] kann, wird aus dem Publikum bereits mehrfach das Wort „Drecksau“ ergänzt. Gerade wird über Johann Meier gesprochen, den exzessiven Gewalttäter, der bis 1992 die Domspatzen-Vorschule in Ette…. Der international bekannte Chor kämpft um sein Image, Gymnasium und Internat mit stetig sinkenden […]

  • Warum Georg Ratzinger Domkapellmeister wurde » Regensburg Digital

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    […] Die eigentliche Kernfrage, ob Ratzinger gegen Meier überhaupt intervenieren hätte wollen, stellt und erwägt Neumaier bemerkenswerterweise gar nicht. Stattdessen nimmt er für Ratzinger eine ablehnende, aber aussichtslose Haltung gegen Meiers Regime als gegeben an und stellt allein die rhetorische Gegenfrage: Warum (wenn nicht wegen der angenommen Aussichtslosigkeit) hätte Ratzinger den Meier „denn sonst gewähren lassen sollen“? Der promovierte Historiker Neumaier kann sich offenbar bis heute nicht vorstellen, dass Ratzinger gegen den Gewalttäter Meier nicht einschreiten wollte, weil er dessen Erziehungsstil im Gegensatz zu den Anhängern „der modernen Zeit“ verstand und au… […]

  • Manfred H.

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    Schon faszinierend, wie leicht es ist, unverpixelt (siehe Bild Meier) berühmt zu werden. Nix mit „de mortuis nil nisi bene“ oder „audiatur et altera pars“, denn der Meier ist ja tot und kann nix mehr sagen. Aber ich kann noch was sagen, habe ab 1966 die Volksschule der Regensburger Domspatzen „überlebt“. 1963 in München eingeschult, gabs auch an der hiesigen Volksschule Lehrer, die ihre Autorität mit Stockhieben durchsetzten, der Religionslehrer und Geistliche empfand seine Freude daran, den Delinquenten an den seitlichen Kopfhaaren hochzuziehen und diesem sozusagen den „Spitzentanz“ beizubringen. Das war dann wohl die „spurenlose“ Variante. Nicht weiter fremd war dann die Fortsetzung im Domspatzeninternat Etterzhausen. Das „Erziehungsziel“ wurde ebenfalls mit körperlicher Züchtigung durchgezogen, wenn auch spürbar härter.
    Besuchssonntag nur alle 4 Wochen, heim nur zu den Ferien, schafften ein besonderes Klima des „Ausgeliefertseins“ für einen 10 Jährigen. Das war aber das System, nicht unbedingt die Schuld des Direktors Meier …
    Wie ging’s so zu im Internat? Man bekam eine Nummer zugeteilt, mit der alle Kleidungsstücke und persönlichen Aufbewahrungsorte zu kennzeichnen waren. Eine Nummer, die wohl kein Domspatz je vergessen wird. Die Nummer begegnete dem Schüler während seiner gesamten Internatszeit, in den wenigsten Fällen als angenehme Erinnerung. Samstags Schuhappell, antreten im Gang, wenn deine Nummer im Zusammenhang mit dem dazugehörigen Schuhfach aufgerufen wurde, war Feuer auf dem Dach. Ja, ich hatte tatsächlich einen Moment Beklemmungsgefühle, als ich im obenstehenden Artikel das Foto des Gangs im Internat entdeckte, die offenstehenden Türen zu den Schlafsälen.
    Das war der Gang, in dem wir immer antreten mussten, auf Höhe der Uhr war mein Schlafsaal.
    Direktor Meier, für mich im Nachhinein ein Mensch, wie ihn eben diese Zeit und insbesondere die Zeit davor hervorbrachte. Zu mir persönlich immer gerecht, ja manchmal regelrecht milde, wobei ich mich natürlich an Szenen erinnere, in denen meine Mitschüler bei ihm nicht gut wegkamen.
    Ihn als „religiös aufgeladenen Exzesstäter“ zu bezeichnen geht für mich jedoch zu weit und ist bösartig. So gesehen war das gesamte Internat zur damaligen Zeit ein Irrenhaus. Wer der damaligen Schüler erinnert sich nicht an die Lehrer K. und S., wie auch an den in meinen Augen tatsächlich sadistischen Präfekten H., selbst für einen damals 10 – Jährigen als beschränkt erkennbar. Der neu hinzugekommene Musiklehrer G. schaute am Anfang noch mit grossen Kulleraugen ob der Erziehungsmethoden, passte sich aber auch schnell an. Meine ersten Klaviernoten, die ich immer noch habe, die aggressiv kugelschreiberverschmierten, zerstörten Seiten zeugen, abgesehen von den musikbegleitenden Ohrfeigen, von dessen pädagogischen Bemühungen und beweisen mir, dass ich das alles nicht geträumt habe.
    Ach ja, der Domkapellmeister schaute auch einmal vorbei, zur besonderen Talentsuche. Und, wie sollte es anders sein, es war auch kein besonders schönes Erlebnis.
    Warum schreibe ich das?
    Ich finde es billig, dass sich ein feiges System ausschliesslich an dem Meier abarbeitet. Der hatte sicherlich sein eigenes Bündel zu tragen. Seine Soldatenvergangenheit, Gefangenschaft und anschliessende Motivation Priester zu werden, boten schon damals Anlass zu Spekulationen, sein tägliches einsames auf und ab in eben diesem Gang während die Schüler in den Klassenräumen waren, das Gebetbuch in der Hand, ist mir noch gut in Erinnerung. Aus heutiger Sicht sicherlich ein „traumatisierter“ Mann, aber diesbezügliche Schutzreflexe verbraucht diese Gesellschaft mittlerweile anderweitig.
    Alle, ohne Ausnahme, haben damals am Erziehungssystem „Domspatzen“ wie wohl auch in vielen vielen anderen Internaten und Schulen der Ära Adenauer mitgewirkt. Sie kannten´s nicht besser und es gab wohl auch niemand, der sie merklich eingebremst hätte.
    So war die Zeit damals, über die durch uns zu vertretende,, tolle, selbstbeweihräuchernde Gegenwart werden irgendwann einmal andere befinden.
    Gruss aus München!

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