Domspatzendirektor Meier und seine (Ex-)Freunde

Ein Steg über den gemeinsamen Domspatzen-Sumpf

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Kürzlich hat der Verein der „Freunde des Domchors“ dem sadistischen Gewalttäter Johann Meier die Ehrenmitgliedschaft aberkannt – heimlich, still und leise. Der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger hielt die Fahne für den Exzess-Täter lange hoch und redete seine Verantwortung klein – mit erstaunlicher Unterstützung. Zweiter Teil der Recherche von Robert Werner (Hier geht’s zum ersten Teil). 

„Nach beinahe 40 Jahren selbstloser Tätigkeit … wurde sein Erziehungsstil in der modernen Zeit nicht mehr verstanden.“ Georg Ratzinger über den Gewalttäter Johann Meier.

„Nach beinahe 40 Jahren selbstloser Tätigkeit … wurde sein Erziehungsstil in der modernen Zeit nicht mehr verstanden.“ Georg Ratzinger über den Gewalttäter Johann Meier.

Als der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger im März 2010 zu den körperverletzenden Erziehungsmethoden des Internatsdirektors Johann Meier nach Tagen der Verweigerung doch noch Stellung beziehen musste, gab er sich in einem Exklusiv-Interview in der PASSAUER NEUEN PRESSE (PNP) vom 9. März 2010 teils reumütig, teils unwissend. Zwar habe er während seiner Zeit als Domkapellmeister (1963 bis 1994) auf Konzertreisen von Schülern über die Prügel in Etterzhausen erfahren. Ihre Berichte seien bei ihm aber nicht so angekommen, dass er „glaubte, etwas unternehmen zu müssen“. Das Ausmaß der brachialen Methoden Meiers sei ihm nicht bekannt gewesen. So Ratzinger im PNP-Interview.

Wenn er gewusst hätte, mit „welch übertriebener Heftigkeit“ Direktor Meier von 1953 bis 1992 vorging, so Ratzinger weiter, „dann hätte ich etwas gesagt“. Die Methoden Meiers verurteile er, die Opfer bitte er um Verzeihung.

Allerdings, so Ratzinger weiter, sei die Internatsvorschule in Etterzhausen und später in Pielenhofen „eine völlig selbständige Institution“ gewesen, die sein Vorgänger Theobald Schrems „auch bewusst so geschaffen“ habe. Da habe man nicht einfach hineinregieren können. Fazit: Hätte er was gewusst, hätte er was gesagt, es hätte aber eh nichts gebracht. Wohlweislich unterschlägt Ratzinger, dass er damals als Domkapellmeister und Mitglied im Kuratorium der Stiftung Etterzhausen der Regensburger Domspatzen eine verantwortungsvolle Aufsichts- und Überwachungsfunktion bekleidet hat.

Ohrfeigen aus Frust – die nächstgelegene Reaktion

Seine eigenen und wiederholt geschehenen gewalttätigen Übergriffe gegen Domschüler bewerte Ratzinger freilich anders und mit großem Verständnis. Ratzinger exkulpierend über Ratzingers aus Frust verpasste Ohrfeigen und Schläge: diese seien eine „nächstgelegene Reaktion auf eine negative Leistung oder ein Versagen“ gewesen. Er habe „aber eigentlich immer ein schlechtes Gewissen dabei gehabt“ und sei dann froh und innerlich erleichtert gewesen, „als 1980 körperliche Züchtigungen vom Gesetzgeber ganz verboten wurden.“ An dieses Verbot habe er sich „striktissime gehalten“. Für die von ihm verpassten Schläge und Ohrfeigen hat sich Ratzinger im Interview im Übrigen nicht entschuldigt.

Das Thema sexueller Missbrauch bei den „Domspatzen“ wurde von der PNP nur vage angesprochen. Ratzinger will davon nichts gewusst haben: „Bei uns im Haus ist über diese Dinge nie gesprochen worden“, erwiderte Ratzinger knapp, ohne hinterfragt zu werden.

Wie glaubhaft ist all das? Dass es dem Priester und Domkapellmeister Ratzinger, der selber aus Frust Schutzbefohlene schlug, nur an der näherer Kenntnis der Jahrzehnte andauernden und strafrechtlich relevanten Gewalttätigkeiten seines geistlichen Kollegen Meier fehlte, um „etwas zu sagen“, ist schlicht abwegig. Eine unglaubwürdige Schutzbehauptung. Dass, wie Ratzinger vorgibt, über die sexuellen Übergriffe in seinem Haus nicht gesprochen worden sei, ist ebenso abwegig. Der Pressesprecher des Bistums hingegen stellte die Realität (ausnahmsweise und anlässlich der Filmaufnahmen von Mona Botros „Sünden an den Sängerknaben“) anders dar: Er konstatierte, dass über die in den Einrichtungen der „Domspatzen“ der 1950er und 1960er Jahre geschehenen schwerwiegenden Straftaten öffentlich in Zeitungen berichtet wurde und die „Gerichte auch die entsprechenden Täter verurteilt“ haben.

In der Rückschau fällt auf, dass Domkapellmeister Ratzinger mit seiner im Interview vorgetragenen fadenscheinigen Erklärung und Entschuldigung aus der medialen Schusslinie kam. Diverse Presseerklärungen des bischöflichen Ordinariats bliesen ins selbe Horn, fast so, als ob das Ratzinger-Interview Teil einer bischöflichen Verteidigungsstrategie gewesen wäre. So behauptete der damaligen Bischof G.L. Müller fast zeitgleich im päpstlichen Organ L’Osservatore Romano, Meiers Grundschulinternat sei „eine von den Domspatzen unabhängige Einrichtung, bei der es nur punktuelle Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Musikerziehung“ gebe (Süddeutsche Zeitung vom 9. März 2010). Auch überregionale Zeitungen wiederholten die teilweise falschen Angaben Ratzingers, ohne sie zu überprüfen. Zu schlechter Letzt meldeten sich ehemalige Dom-Schüler zu Wort und nahmen Ratzinger sogar in Schutz.

Ein Interview unter Freunden

Doch wer führte dieses wegweisende Interview mit Ratzinger? Einer, der nicht nur die Stiftungs-Zusammenhänge aus eigener Beteiligung eigentlich besser kennen müsste: der ehemalige „Domspatz“ Karl Birkenseer, der innerhalb der Journalistenschaft wohl das vertraulichstes Verhältnis zu Georg Ratzinger hat. Dem aus Regensburg stammenden ehemaligen MZ-Redakteur Birkenseer (geb. 1955), der zu Papst Benedikt XVI. und den „Domspatzen“ bereits schön bebilderte Bücher veröffentlicht hatte, vertraute Georg Ratzinger offenbar als einzigem und gab ihm ein dreiseitiges Exklusiv-Interview.

Schwindelerregende Verbindungen zu den Domspatzen: Der Journalist Karl Birkenseer (hier bei einem Gespräch mit Bischof Voderholzer im Regensburger Presseclub). Foto: Archiv

Schwindelerregende Bezüge zu den Domspatzen: Der Journalist Karl Birkenseer (hier bei einem Gespräch mit Bischof Voderholzer im Regensburger Presseclub). Foto: Archiv

Das Ausmaß der persönlichen Bezüge Karl Birkenseers zu den „Domspatzen“ ist nahezu schwindelerregend: Er war Internatsschüler unter Johann Maier in Etterzhausen, Dom-Schüler unter Ratzinger in Regensburg (Abitur 1975), ist seit rund zwanzig Jahren in der Vorstandschaft der Freunde des Regensburger Domchors und fast genauso lange Kuratoriums-Mitglied bzw. Rat in der Stiftung der Regensburger Domspatzen. Eine Anfrage von regensburg-digital nach möglichen Interessenkonflikten verneint Birkenseer. Er habe seinerzeit kein Gefälligkeitsinterview abgeliefert, sondern „alle Fragen, die journalistisch geboten waren, gestellt“. Er könne trennen, zwischen journalistischem Auftrag und der näheren Bekanntschaft mit seinem ehemaligen Lehrer Georg Ratzinger.

Interessensgeleitete Fragen an das Ehrenmitglied

Auf den ersten Blick sticht die Breite der Fragen Birkenseers an seinen ehemaligen Lehrer Ratzinger ins Auge. Bei näherer Betrachtung fällt allerdings auf, dass nur einmal, nämlich brückenbauend, nachgehakt wird („Haben Sie jemals einen Buben grün und blau geschlagen?“). Andererseits wird bei der Frage nach den Möglichkeiten einer glaubwürdigen Aufarbeitung nicht auf einer Antwort insistiert. Die Ratzinger-Brüder werden im Mittelteil als Prügel-Opfer und der päpstliche von beiden als Aufklärer angesprochen. Am Interviewschluss steht die alles verbindende Betroffenheit der Domspatzenfamilie im Zentrum.

Die Möglichkeit Ratzingers Aussagen zu überprüfen, nutzte Birkenseer nicht, stattdessen führte er zu anderen Themen weitere Interviews mit seinem Ex-Vorstandskollegen Ratzinger, der übrigens auch Ehrenmitglied im Verein der Freunde des Regensburger Domchors ist. 

Auf den Vorhalt von regensburg-digital, er hätte alle seine Verwicklungen und Funktionen hinsichtlich der „Domspatzen“ für die Leserschaft offen machen müssen, entgegnet der PNP-Redakteur mit dem verblüffenden Hinweis, dass er sowohl in Regensburg als auch in Passau als ehemaliger „Domspatz“ bekannt sei. Nicht zuletzt, weil er sich wenige Tage zuvor in der PNP selber über seine Zeit bei den „Domspatzen“ geäußert habe. Hätte er andernfalls explizit daraufhin gewiesen, wäre ja sofort der Verdacht auf ein Gefälligkeitsinterview im Raum gestanden. Dass die Leserschaft der überregionalen und internationalen Presse, die sich, wie Birkenseer nicht ohne Stolz bemerkte, seinerzeit auf sein Interview mit Georg Ratzinger gestützt hatte, nichts von seinen Ämtern und Funktionen wissen könne, ficht ihn auch nach mehrfachem Nachhaken nicht an.

Das aktuelle und langjährige Mitglied der Stiftung der Regensburger Domspatzen Karl Birkenseer hätte es wissen können, ja müssen, dass Ratzinger als Domkapellmeister stets einflussreiches Mitglied im Kuratorium der Stiftung Etterzhausen der Regensburger Domspatzen (ab 1981 Stiftung Pielenhofen der Regensburger Domspatzen) war und somit sehr wohl die Gelegenheit zur direkten Einflussnahme auf den Gewalttäter Meier gehabt hätte. Von der fürsorglich gebotenen Möglichkeit des Domkapellmeisters, die strafrechtlichen Vergehen unter Direktor Johann Meier zur Anzeige zu bringen, ganz zu schweigen. Leider gingen diesen Schritt – soweit bekannt – auch andere nicht.

Zugespitzt gesagt bleibt der Eindruck, dass Birkenseer neben relevanten Interviewfragen vor allem einen begehbaren Steg über den gemeinsamen Domspatzen-Sumpf ausbreitete, den Ratzinger gerne beschritt. Entgegen allen journalistischen Standards hat er seine Abhängigkeiten und Verwicklungen im Verborgenen gehalten. Birkenseer ist ein treffliches Beispiel von „Ehemaligen“ in führender Position, die auf ihre „Domspatzen“ nichts kommen lassen. Das gemeinsame leitende Interesse: Schutz der „Domspatzen-Familie“, der kirchlichen Institutionen, des eigenen Vereins und der jeweiligen Repräsentanten. Selbstvergewisserung. Es überrascht nicht, dass Birkenseer auch beim Antrittsbesuch von Bischof Rudolf Voderholzer 2013 genehme Fragen vorgetragen hat

Gefälligkeit hin, Abhängigkeit her. Angesichts einer konkreten Würdigung, die Georg Ratzinger für den bereits verstorbenen Direktors Johann Meier veröffentlichte, wird die Sachlage eindeutig.

Würdigung des Täters

Wie Ratzinger das Lebenswerk des Gewalttäters Johann Meier und seine schwarzpädagogische Praxis in einfühlsamen Worten bewertete, kann man in einer Festschrift aus dem Jahre 1998 nachlesen.

Grabplatte von Johann Meier auf dem Friedhof in Falkenstein. Foto: Archiv

Grabplatte von Johann Meier auf dem Friedhof in Falkenstein. Foto: privat

„Hier ist wohl auch der Ort, ein Wort der Würdigung und des Dankes für den Gründungsdirektor der Vorschule Hans Meier anzuführen. Seit 1953 leitete er unter schwierigsten Umständen in einer finanziell und personell angespannten Situation die Institution und war beinahe rund um die Uhr im Einsatz. Er trug auch die Hauptlast bei der Schaffung des neuen Heims und der Übersiedlung dorthin. Nach beinahe 40 Jahren selbstloser Tätigkeit, da seine Gesundheit stark angeschlagen war, zog er sich in den Ruhestand zurück, zudem er spürte, daß sein Erziehungsstil in der modernen Zeit nicht mehr verstanden wurde. Am 13. Juli 1992 rief ihn der Herr über Leben und Tod nach schwerer Krankheit, aber doch unerwartet in die Ewigkeit. RIP.“
Aus der Festschrift 50 Jahre Musikgymnasium der Regensburger Domspatzen (1998), S. 206

Abgesehen von den sachlichen Fehlern: hier spricht ein Täter schützend über einen anderen Täter. Für viele Hunderte von Meier-Geschädigten dürfte dieser Täterschutz wie Salzsäure in kaum verheilten Wunden wirken. Ein preisgekrönter Artikel der Süddeutschen hatte bereits Ende März 2010 auf Ratzingers Würdigung hingewiesen, ohne die Zusammenhänge näher auszuführen.

Taten und Täter aus alten Zeiten und fernen Orten?

Nach den damaligen ersten Empörungswellen vom März 2010 stellte Bischof G.L. Müller Journalisten, die über die „Domspatzen“ geschrieben hatten, global in die Nazi-Ecke. Und bald schlichen sich die körperverletzenden Straftaten im Grundschulinternat in Etterzhausen/ Pielenhofen aus dem Focus der Medien.

Im Zentrum der medialen Interessen standen dann die sexuellen Übergriffe, die das Bistum und der vermeintlich schadlos gebliebene Teil der Domspatzen-Familie, etwa die Leitung des Chors, der Schule und des Internats, in längst vergangene Zeiten abschieben wollten. Die Einrichtungen in Regensburg seien aktuell davon nicht betroffen, hieß es aus dem bischöflichen Ordinariat. Ein diözesanes Anerkennungsverfahren wurde installiert. Für erfahrenes Leid aus sexuellen Übergriffen, die als solche von einem vom Bistum bezahlten und sich mit John Wayne vergleichenden Rechtsanwalt (ver)kannt werden mussten, zahlte man wenigen Betroffenen mit einer gewissen Willkür einen Betrag von 2.500 Euro.

In Regensburg Chefverschleierer, im Vatikan Chefaufklärer: Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv/ Staudinger

In Regensburg Chefverschleierer, im Vatikan Chefaufklärer: Gerhard Ludwig Müller. Foto: Archiv/ Staudinger

Wer sich je tiefer auf das seelische Elend und die Folgen von persönlichkeitsschädigenden Übergriffen eingelassen hat, weiß, dass die daraus resultierenden finanziellen Kalamitäten keinesfalls mit 2.500 Euro bestritten werden können. Ein Beispiel aus der Praxis, ohne von Schmerzensgeld oder gar „Entschädigung“ zu sprechen: Besucht jemand mit post-traumatischer Belastungsstörung eineinhalb Jahre lang einen leider nicht vor Ort praktizierenden speziellen Therapeuten, muss er Übernachtungskosten, die anfallenden Honorare und diverse Medikamente selber zahlen. Die Kosten belaufen sich schnell auf 10.000 Euro – der Höchstsumme, die der bundeseigene Fond Sexueller Missbrauch an Betroffene für bewilligte Sachleistungen zahlt. 

Salamitaktik

Fast fünf Jahre zogen durchs Regensburger Bistumsgebiet, bis die selektive und verschleppende Vorgehensweise des Ordinariats Anfang des Jahres 2015 mit dem ARD-Film von Mona Botros „Sünden an den Sängerknaben“ schrittweise kollabierte. SMV-Funktionäre des Domgymnasiums griffen daraufhin aus Gründen des Institutionsschutzes die Filmemacherin an und sprachen zugleich eine hohle Einladung aus, die sie später einfach versanden ließen. 

Seit dem vielerorts vernehmbaren Entsetzen, das die Doku auslöste, spricht sogar Bischof Voderholzer von „Terrorsystem“ und „Hölle“ in Etterzhausen/ Pielenhofen und distanziert sich ausdrücklich. Voderholzer redete zunächst allerdings nicht von Regensburg und auch nur von zwei Tätern. Vermutlich meinte er damit unter anderem Johann Meier. Daraufhin kündigte das Bistum im Februar 2015 an, erstmalig ebenso den Opfern von körperverletzenden Straftaten in allen Einrichtungen der „Domspatzen“ ein „Schmerzensgeld“ von 2.500 Euro zukommen zu lassen.

Den nächsten Rückzugsschritt gab das Ordinariat im April 2015 bekannt. Der bereits erwähnte Rechtsanwalt Ulrich Weber soll die bisherige diözesane „Aufarbeitung von Vorwürfen von sexuellem Missbrauch und Körperverletzung“ bei den „Domspatzen“ als „unabhängige Stelle kritisch prüfen“.

Keine generelle Aufarbeitung im Bistum

Es geht also nicht um Aufarbeitung oder Aufklärung generell. Dennoch hofft Generalvikar Fuchs, dass Webers Arbeit „nicht nur hilft, das Geschehene in rechter Weise zu sehen, sondern auch für die Zukunft die richtigen Maßnahmen zu ergreifen, denn Aufarbeitung und Prävention sind Zwillinge.“

Ob und wie Weber die Schicksale jener Betroffenen thematisieren wird, die sich nach seiner Beauftragung zum ersten Mal überhaupt gemeldet haben oder noch melden werden, ist anscheinend unklar. Indes wird sich nicht jeder Geschädigte an den ehemaligen Vorstand eines hiesigen Fußballclubs wenden und seine Verletzungen preisgeben wollen. Die Scham der Betroffenen ist in der Regel groß, die von arrivierten oder zurückgezogenen „Domspatzen“ sicher nicht kleiner. Eine große Anwaltssozietät, die nicht aus Regensburg stammt, wäre von daher die bessere Wahl gewesen – ohne derzeit die Kompetenzen von Rechtsanwalt Weber anzweifeln zu wollen. Was darüber hinaus immer noch aussteht und von Betroffenen und Experten seit langem gefordert wird, ist eine umfassende Untersuchung durch ein externes Fachinstitut. Nur auf so einem Fundament könnte in seriöser Weise an Konzepten der Prävention gearbeitet werden.

Soll für Aufklärung sorgen: Der Rechtsanwalt Ulrich Weber. Foto: Archiv/ Staudinger

Soll für Aufklärung sorgen: Der Rechtsanwalt Ulrich Weber. Foto: Archiv/ Staudinger

Rechtsanwalt Weber stellt sich und seine Arbeitsweise als „ transparent, offen, unabhängig“ dar. Sein offenbar unbefristeter Auftrag und dessen Ausrichtung kamen jedoch ohne Beteiligung von Betroffenen zustande. Sein Honorar soll nicht zu knapp sein. Die ersten Zeitpläne sind längst verworfen, mit konkreten ersten Zwischenergebnissen könne frühestens im Februar 2016 gerechnet werden. Dies teilte Ulrich Weber Mitte November 2015 in einer Presseerklärung mit, die punktgenau zum diesjährigen „Ehemaligen-Treffen“ lanciert wurde. Die Erklärung trug zwar eine vielversprechende Überschrift („Zuhören braucht Zeit – Offenheit braucht Öffentlichkeit“), blieb inhaltlich aber ohne Substanz.

Tatsächlich kann Weber auch nur das bewerten, was ihm sein Auftraggeber vorlegt oder was er von Betroffenen erfährt. Einen uneingeschränkten persönlichen Zugang zu allen bischöflichen Akten bekam Weber offenbar nicht. Schon gar nicht zum Bischöflichen Geheimarchiv, in dem die Sittlichkeitsdelikte abgelegt werden und der entsprechende Umgang des Ordinariats zu erkennen wäre – sofern dort aussagekräftige Unterlagen vorhanden sind. Vielmehr muss Weber Akten „anfordern“, was er nur kann, wenn er Kenntnis von ihnen hat. Sein begrenzter Spielraum und die Abhängigkeiten von seinem Auftraggeber sind also unverkennbar.

Nimmt Rechtsanwalt Weber seinen Auftrag ernst, müsste er sich unter anderen zum seriellen bischöflichen Versagen äußern und etwa das Verhalten des vormaligen Bischofs G.L. Müller bewerten. Dieser ist derzeit Chef der Glaubenskongregation, die ihrerseits für die Untersuchung der Regensburger Missbrauchsfälle zuständig wäre, aber Täter in ihren Reihen duldet.

Was war mit den anderen Domspatzen-Direktoren?

Ebenso müsste Weber das Verhalten von ehemaligen „Domspatzen“-Direktoren beurteilen, die zum Teil einen hochrangigen Altersruhesitz des Bistums bekleiden und noch berichten könnten, was Johann Meier und andere den Internatsschülern angetan haben. Aus dem Kreis der Betroffenen ist zu vernehmen, dass noch der eine oder andere ehemalige Internatsdirektor lebt und verdächtigt wird, selber übergriffig geworden zu sein und Straftaten begangen zu haben.

Die in den Rechtsanwalt Ulrich Weber gesetzten Hoffnungen und Erwartungen sind hoch. Was das Bischöfliche Ordinariat Regensburgs in den letzten fünf Jahren nicht schaffte oder schaffen wollte, soll ein hiesiger Rechtsanwalt leisten können, der nicht auf Missbrauch und Körperverletzung in kirchlichen Institutionen spezialisiert ist.

Um Betroffene, die in nicht so mediengewichtigen kirchlichen Einrichtungen wie den „Domspatzen“ Übergriffe erleiden mussten, kann sich Rechtsanwalt Weber auftragsgemäß nicht kümmern. Sie bleiben außen vor. So haben etwa die an Seele und Körper Geschädigten der kirchlichen Kinderheime, der Einrichtungen der Katholischen Jugendfürsorge, der von kirchlichen oder Ordensgemeinschaften getragenen Pflegeeinrichtungen oder die der bischöflichen Knabenseminare derzeit keinerlei Aussicht auf öffentliche Aufklärung und kritische Untersuchung. Ihnen fehlen Selbstorganisierung, Lobby und öffentlicher Druck. Für diese Geschädigten hat der Bischof von Regensburg keinen Anwalt unbefristet beauftragt.

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Kommentare (32)

  • Gondrino

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    Wie mich diese heuchelnden, moralisierenden Pfaffen anko…

    Eine Institution, die sich als moralisch höherstehend begreift und dann dank mangelnder interner und externer Kontrolle zu so einem Suumpf verkommen ist. Einfach widerlich.

    Die vielen Opfer haben mein Mitgefühl.

    Mir tun auch die vielen Aufrechten Leid, die im Namen dieser Kirche den Menschen wirklich helfen. Ich habe aber den Eindruck, je höher man in der kirchlichen Hierarchie steigt, desto weniger trifft man sie an.

  • Angelika Oetken

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    „Besucht jemand mit post-traumatischer Belastungsstörung eineinhalb Jahre lang einen leider nicht vor Ort praktizierenden speziellen Therapeuten, muss er Übernachtungskosten, die anfallenden Honorare und diverse Medikamente selber zahlen. Die Kosten belaufen sich schnell auf 10.000 Euro – der Höchstsumme, die der bundeseigene Fond Sexueller Missbrauch an Betroffene für bewilligte Sachleistungen zahlt.“

    Danke für die beiden sehr fundierten Artikel Herr Werner.

    Eine Anmerkung: Kosten, die zusätzlich zu solchen entstehen, die von gesetzlichen Hilfesystemen getragen werden, z. B. für Fahrten, Begleitung oder besondere Formen der Aufarbeitung können beim Ergänzenden Hilfesystem für Missbrauchsopfer (EHS-FSM) beantragt werden. Wie vieles Andere auch, was individuell hilfreich ist, um Folgen des Missbrauchs zu lindern oder sogar zu beheben, aber von den Regelhilfesystemen nicht oder nicht weiter finanziert wird.

    Da es sich bei allen Fällen rund um die Domspatzen aber um institutionelle handelt, möchte ich noch auf Folgendes hinweisen:

    beim EHS-familiär werden die Anträge nur innerhalb der Geschäftsstelle bearbeitet. Im Gegensatz zum EHS-institutionell, wo sie vom EHS-FSM aus an die jeweiligen Institutionen zum letztlichen Entscheid weitergeleitet werden (1). „Die Institution kann gegebenenfalls Nachfragen an die Antragsteller/innen bzw. die Kontaktpersonen stellen sowie nach dem Namen der Täters/ der Täterin fragen.“http://www.fonds-missbrauch.de/antragstellung/#c209 . Ich bin davon überzeugt, dass gerade den kirchlichen Institutionen nach all den Veröffentlichungen, Debatten und Auseinandersetzungen der vergangenen Jahre um den Missbrauch, den ihre Organisationen (mit-)verantworten klar ist, welchen Stellenwert der Schutz der Persönlichkeitsrechte gerade der (mutmaßlichen) Kirchenopfer hat. Trotzdem ist ein opfergerechter Umgang mit dem Missbrauchsthema Neuland für sie. Große Verbünde sind erfahrungsgemäß zwar stark, aber auch träge. Deshalb möchte ich allen Kirchenopfern, die mit dem Gedanken spielen, Leistungen nach dem EHS-FSM zu beantragen raten, vorab durch Mitarbeiter einer unabhängigen (in diesem Falle nichtkirchlichen) Beratungsstelle oder einen spezialisierten Anwalt bei der zuständigen kirchlichen Stelle anfragen zu lassen, wie die den Datenschutz des Antragstellers im EHS-Verfahren konkret gewährleisten wird. Natürlich ohne den Namen des entsprechenden Betroffenen zu nennen. Mit dem Berater bzw. Anwalt zusammen kann der potentielle Antragsteller dann gefahrlos entscheiden, ob er den EHS-Antrag stellt oder besser nicht.
    Auf der Homepage des UBSKM gibt es Hinweise auf Beratungsstellen https://beauftragter-missbrauch.de/nc/hilfe/beratung-und-hilfe/. Aber auch beim Weißen Ring oder beim VDK kann man sich in der Hinsicht Unterstützung holen.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    (1) http://www.fonds-missbrauch.de/fileadmin/content/Antragsverfahren-fam_insti-visual_gr_version2014-04-14.png

  • Dugout

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    Die Mitglieder der christlichen Kirchen in Deutschland werden in absehbarer Zeit auf unter 50% Bevölkerungsanteil fallen. Allerdings nicht durch eine herbeifantasierte „Islamisierung“, sondern durch massive Kirchenaustrittswellen und Tod.
    Dann vertreten diese scheinheiligen Pfaffen auch theoretisch nicht mehr die Mehrheit der Bevölkerung.
    Spätestens dann ist es Zeit für eine längst überfällige Abschaffung von Sonderrechten , wie z.B. im Arbeitsrecht oder der völlig irrsinnigen Möglichkeit Verbrechen intern durch sog. Kirchengerichte abzuwickeln.

  • menschenskind

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    Die Statistiken für Kirchenaustritte in Deutschland:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenaustritt#Statistik_Deutschland

    Tendenz: Stark steigend.

    Die demografische Entwicklung:

    In 15 Jahren sollen nur noch 79,97 Millionen Menschen in Deutschland leben. Das bedeutet ein Minus von 0,7 Prozent im Vergleich zum Jahr 2012, berichtet die Bertelsmann Stiftung. In absoluten Zahlen werde Deutschland bis zum Jahr 2030 um mehr als eine halbe Million Einwohner schrumpfen.
    http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/deutschland-bevoelkerung-schrumpft-bis-2030-um-halbe-million-a-1042605.html

    Tendenz: Fallend.

  • RB

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    Gaude – A – Mus / Lasst und also fröhlich sein

    Schon vor einigen Jahren gab es von Pascal Duraint und Frank Betthausen , von der MZ Regensburg , zum Thema Etterzhausen und Johann Meyer , gute Berichte in der Zeitung.
    –Mein Fazit heute zum Thema:
    Das Bistum Regensburg wollte das ganze Thema aussetzen und Gras darüber wachsen lassen. Jetzt nach vielen Jahren , 6 Jahre , ist diese Institution Regensburger Domspatzen dem Untergang geweiht , da es fast keine Neuanmeldungen mehr gibt. Schuld daran hat für mich auch der damalige Bischof Müller von Regensburg !!!!

    Gaude – A – Mus / Lasst uns also fröhlich sein

    http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/vom-leiden-und-schweigen-der-spatzen-21705-art622982.html

    http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/es-liegt-am-system-und-nicht-an-einzeltaetern-21705-art531786.html

    http://netzwerkb.org/2010/03/05/missbrauch-wenn-alte-wunden-wieder-aufreisen/

    http://www.faz.net/aktuell/politik/inland/misshandlungen-georg-ratzinger-bittet-opfer-um-verzeihung-1950521.html

  • Erich koller

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    66 bis 69 im Ratzinger Chor kann ich von ihm musikpädagogisch nur bestes ..erzieherisch nichts negatives berichten Einen Präfekten der nicht spurte haben wir im Massengrab /Zimmer mit 12 Betten per Kissenabreibung zur Räson gebracht.

  • Angelika Oetken

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    @Erich koller,

    wieso haben die Schüler ihre Zimmer als „Massengrab“ bezeichnet?

  • Gerhardt Müller

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    Das o.g. Interview Birkenseers mit G.Ratz erschien am 1o. März 2010 in der MZ wortgleich unter der Überschrift: „Ratzinger bittet Opfer um Verzeihung“. Die MZ-Redaktion hatte es offenkundig nicht für nötig befunden, auf das erstmalige Erscheinen in der PNP und auf Birkenseers enge Verbindungen mit den Domspatzen hinzuweisen. Richtiggehend professionell geht man in Regensburg zu Werke, wenn´s ums mediale Ratzingerschützen geht. Gratuliere!

  • Angelika Oetken

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    @Gerhardt Müller,

    was die Rolle der Gebrüder Ratzinger angeht: selbstverständlich ist Geld der Dreh- und Angelpunkt. Dank der soliden Verbindungen der Katholischen Kirche Deutschlands in die Politik, insbesondere konservative Kreise, ist unser Staat einer, der seinen Bewohnern, und zwar allen, unabhängig davon ob sie christlich sind oder nicht direkt Geld abknöpft, um es an die Kirche(n) weiterzuleiten. Das ist einzigartig auf der Welt. Und für den Vatikan ein nicht zu unterschätzender Faktor. Deutschland ist reich. Deshalb war ein Deutscher auf dem Papststuhl nicht unpraktisch. Zumal dieser Herr über gute Verbindungen verfügt(e).
    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/kirchenfinanzen-wie-reich-deutschlands-kirchen-wirklich-sind-12624995.html
    Die Diözese Regensburg mit ihren intensiven Verfilzungen könnte dabei eine zentrale Rolle gespielt haben.

    Aber: wo ein Thron, da eine Säge. Irgendwas lief mit Ratze alias Papst Benedikt schief. Womöglich hat die Missbrauchsdebatte, die 2010 durch das mutige und entschlossene Outing von Opfern des Jesuitenordens ausgelöst wurde, Dinge an die Oberfläche gespült, mit der auch eine aufgeklärte Öffentlichkeit überfordert gewesen wäre. Also musste er schnell wieder in der medialen Versenkung verschwinden. Warum genau Joseph Ratzinger 2013 ersetzt wurde blieb ja unklar. Ratzfatz wurde er gegen Jorge Bergoglio ausgetauscht und der zum medialen Superstar aufgeputscht. Eine PR-Leistung fast ohnegleichen.

    Ich gehe aber davon aus, dass das in nächster Zukunft alles aufgearbeitet wird. Denn eines liegt doch auf der Hand: die Botschaft des Evangeliums ist den Angehörigen des katholischen Führungskaders doch wurscht. Das ist auch deutlich zu sehen, denn das Theater, welches sie betreiben wird immer schlechter. Ich finde es sogar richtig peinlich. Aber ich habe mit der Christenlehre auch nichts am Hut. Und da heute in vielen Ländern auch schwulen jungen Männern anständige (bürgerliche) Berufe offen stehen, muss sich kein Homosexueller mehr in ein Priesteramt flüchten, nur weil er nicht zu seiner sexuellen Orientierung und seinen sexuellen Kontakten stehen mag oder darf.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Angelika Oetken

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    http://www.focus.de/regional/trier/kirche-bischof-ackermann-dramatische-erosion-im-kirchenleben_id_5166408.html

    „Dramatische Erosion im Kirchenleben“: ich wette, es gibt unter Stephan Ackermanns Kollegen viele, die das Unterspülen ihres Untergrundes, wie auch den Domspatzensumpf zu einer Folge des „Missbrauchstsunamis“ umdeklarieren. Anstatt dessen Ursachen anzuerkennen, endlich Verantwortung zu übernehmen und wirksam zu handeln.

    In gut vier Wochen jährt sich der Tag, an dem sich die große Welle löste zum sechsten Mal http://www.spreeblick.com/blog/2010/01/28/sexueller-missbrauch-am-canisius-kolleg-berlin/

    Was dabei häufig übersehen wird: einige Betroffene und Mitbetroffene engagieren sich schon viel länger zum Thema. Zum Beispiel http://www.zeit.de/2010/09/Interview-Ostrowski

  • Chrisstopher Frey

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    Ich verstehe ja, dass jemand der sein Geld in Regensburg verdienen muß, gerne über die Vorgänge bei den Domspatzen schweigt (und wenn er nicht in Etterzhausen war sicherlich auch leichter schweigen kann). Wenn ein ehemaliger Domspatz allerdings Lügengeschichten (Präfekten mit Kissenschlacht zur Räson gebracht …?) verbreitet, dann sollte er hier nicht zu Wort kommen. Gekaufte oder sich in der Hoffnung auf gekauft werden anbiedernde Klakeure sollen doch bitte ihre Meinung auf der Website des Bistums veröffentlichen oder sich gleich bei der Heiligen Inquisition (Müller) anstellen lassen.

  • Interniert

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    Brutalitäten gab es nicht nur bei den Domspatzen. Die gab es bis in die 60er Jahre in allen katholischen Internaten, auch in Obermünster. Mit Schlägen und Terror tat sich dort ein später wohlbekannter und -bestallter mehrfacher Doktor ganz besonders hervor, der mit Sicherheit einer Vielzahl seiner damaligen Zöglinge den Priesterberuf nachhaltig vergällt hat.

  • Angelika Oetken

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    „Papst Franziskus hat in seiner Silvesterpredigt dazu aufgerufen, den Glauben an das Gute nicht zu verlieren. „Das Gute gewinnt immer, auch wenn es in manchen Momenten schwächer und unsichtbar zu sein scheint“, sagte er in einem Gottesdienst zum Jahresabschluss im Petersdom.“
    https://www.domradio.de/themen/papst-franziskus/2015-12-31/papst-franziskus-zum-jahresabschluss

    So der O-Ton des Vorstandsvorsitzenden der Weltfirma „RKK Corp.“ bei seiner Ansprache zum Jahreswechsel.

    Wie Herr Bergoglio die Umtriebe in Regensburg und drumrum wohl einschätzt? Als Teil des „Guten“?

  • RB

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    Gelesen in der Zeitung:
    Das war 2015 ….
    Missbrauch aufklären
    Endlich Aufklärung: Bei den Regensburger Domspatzen weht endlich der Wind der Transparenz. Der neue Bischof sorgt unter anderem dafür, dass die Fakten ans Tageslicht kommen. Ein erster Zwischenbericht macht deutlich, dass die Missbrauch- und Prügel-Skandale keineswegs nur aus grauer Vorzeit stammen: Bis in die 90er-Jahre hinein wurde in der Vorschule in Etterzhausen gezüchtigt. Beim weltberühmten Knabenchor ist man froh, dass man die dunklen Kapitel der Geschichte nicht weiter unter den Teppich kehren muss.
    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Das-war-2015-politisch-Gescheiterter-BMW-Deal-Posse-um-OB-Portraet-und-schwaechelnde-CSU;art1172,344384

    Wünsche für 2016
    Regensburger Wünsche für 2016
    Der Chormanager der Regensburger Domspatzen Christoph Hartman wünscht sich…
    Für die Regensburger Domspatzen wünscht er sich , das man immer mehr wahrnimmt , was die Domspatzen wirklich sind. Sie sind nichts Besonderes , sie sind ganz normale Jungs, aber sie tun etwas ganz Besonderes und dabei erfahren sie überall auf der Welt Zuneigung und Symphatie, Lob und Applaus
    http://www.mittelbayerische.de/fotos/bilderstrecken/regensburg/regensburger-wuensche-fuer-2016-22050-gal30170.html
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  • Angelika Oetken

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    Ich möchte auf ein Urteil, das das Landgericht Osnabrück im Jahre 2010 gefällt hat hinweisen
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article12473696/Sexueller-Missbrauch-soll-nicht-mehr-verjaehren.html

    http://www.rechtsindex.de/recht-urteile/1550-schmerzensgeld-wegen-sexuellen-missbrauchs-verjaehrungsfrist

    Die Urteilsbegründung ist aus psychotraumatologischer Sicht schlüssig und korrekt http://www.degpt.de/informationen/fuer-betroffene/trauma-und-traumafolgen/wie-%C3%A4u%C3%9Fern-sich-traumafolgest%C3%B6rungen/dissoziative-beschwerden/%C3%BCberblick-%C3%BCber-die-dissoziativen-st%C3%B6rungen/dissoziative-amnesie.html

    Eine typische und verbreitete Strategie unter MissbrauchstäterInnen ist es, ihren Opfern Betäubungsmittel, darunter so genannte „KO-Tropfen“ und/oder Alkohol zu verabreichen. Die Wirkungen dieser Substanzen auf das Gedächtnis sind gut erforscht und unstrittig. Ich könnte mir vorstellen, dass Missbrauchsopfer, denen solche Dinge verabreicht wurden, eine Chance haben, eine Verjährung unterbrechen zu lassen. So wie das in dem Fall geschehen ist, der in den beiden von mir oben verlinkten Artikeln vorgestellt wird.

  • Rudolph B.

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    Zwischenbilanz über Missbrauchsskandal bei Domspatzen schon Ende der Woche
    im Januar 2016
    http://www.radiocharivari.de/regional/nachrichten/detail/zwischenbilanz-ueber-missbrauchsskandal-bei-domspatzen-kommt.html
    Da bin ich aber schon ein wenig vor dem Kopf gestosßen, wenn urplötzlich schon in dieser Woche eine Zwischenbilanz von RA Webers Arbeit gezogen wird.
    Es hieß doch dass man das im Februar 16 machen möchte, und das in einer seriösen Art und Weise. ( siehe Bericht unter Mitteilungen im Link )
    http://www.uw-recht.org/13.html
    ( Ein kleiner Tipp: Nur in Etterzhausen waren damals min. 1500 Buben )
    ‚Und ich bin auch sehr gespannt , ob es auch zu den Themen Betäubungsmittel ,
    KO Tropfen einige Aussagen geben wird.
    http://www.domspatzen.de/fileadmin/downloads/chor/pdf/15-11-14_Mitteilung_RA_Weber.pdf
    http://www.domspatzen.de/de/chor/aktuelles/detail/article/auftrag-zur-aufarbeitung-der-missbrauchs-und-misshandlungsfaelle-von-aussen.html

  • Kanonikus2L

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    Allen ein gutes neues Jahr 2016! Nicht die Hoffnung verlieren, doch ein RA Weber wird hier nicht viel aufklären. Wieso veröffentlicht der Generalvikar nicht das Schriftstück, mit dem er diesem Rechtsanwalt die Einsicht in „alle Geheimarchive“ (O-Ton Mainstreampresse, so ich erinnere) gewährt(e)? Ohne ein solches Schriftstück geht schon gleich gar nichts, denn dieses hat der Ortsbischof zu genehmigen, wenn nicht sogar gegenzuzeichnen und mit der „Zentrale“ in Rom zu klären.
    Wieso versucht die RKK immer wieder die von McKinsey nahegelegten Dinge zu torpedieren? Ich hole mir doch eine nicht ganz billige Unternehmensberatung nur dann, wenn ich dieser vertraue. Bei noch so viel Adelspräsenz in Bayern befinden wir uns nicht mehr im Mittelalter. Was also soll dieses zögerliche Verhalten? Dies schadet der RKK ungemein, außer man würde die Hl. Pforten-Lösung des „Hl. Jahres“ nur als Stargate-Verschnitt, und die ganz Organisation eben selbst nur als Verein sehen.

  • Rudolph B..

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    @Kanonikus2L
    Stimmt !!!
    Für mich ist diese derartige Prozedur, dieses procedere ‚dieses vorwärtsgehen nicht nur sehr sehr ominös, sonders auch sehr sehr nebulös!!!
    Vieles passt ganz einfach nicht zusammen, weil meine Ansicht die ist , weil eben auch zu dieser bevorstehenden Pressekonferenz eben nichts in der Zeitung oder sonst nirgendwo Online zu lesen ist. Nur über Charivari kann man dazu auch ein paar Zeilen Online lesen. Auch steht auf der Homepage von Herrn RA Weber nichts zu diesem Thema , und auf der Domspatzenseite wurde das Thema auch dazu nicht aktualisiert.
    http://www.domspatzen.de/fileadmin/downloads/chor/pdf/15-06-01_Pressestelle_des_Bistums_Regensburg_-_Clemens_Neck.pdf
    http://www.uw-recht.org/13.html
    http://www.domspatzen.de/de/chor/aktuelles/detail/article/auftrag-zur-aufarbeitung-der-missbrauchs-und-misshandlungsfaelle-von-aussen.html
    (Letzte Aktualisierung vom 14.11.2015)
    …..to be continued…..

  • Angelika Oetken

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    „Viele Opfer von Gewalt und Missbrauch haben sich ja noch überhaupt nicht bei RA Weber in Regensburg gemeldet!“

    @R:B:,

    falls Opfer der Domspatzeneinrichtungen erwägen, sich bei Rechtsanwalt Weber zu melden, dann könnten sie auch überlegen, gleichzeitig Sachleistungen beim Ergänzenden Hilfesystem zu beantragen http://www.fonds-missbrauch.de/antragstellung/#c209

    Wie der Schutz der Persönlichkeitsrechte der AntragstellerInnen (Datenschutz) auf der Ebene des Bistums Regensburg gewährleistet werden soll, wurde nämlich bei beiden Verfahren, dem EHS-institutionell und beim Aufarbeitungsprojekt, das Herr Weber betreibt bis jetzt nicht nachvollziehbar öffentlich dargestellt. Aber: was nicht ist, kann ja noch werden. Und es könnte durchaus Opfer geben, die sowieso schon beim Bistum namentlich bekannt sind, bzw. denen es nichts ausmacht, wenn das Bistum erfährt, wer sie sind. Die vergeben sich also weder durch die Antragstellung beim EHS-FSM, noch durch eine Meldung bei Herrn Weber etwas. Im Gegenteil: da das Ergänzende Hilfesystem ganz besonders auf Datenschutz achtet, die Abläufe genau festgeschrieben sind und sich an der Konzeption verschiedene, voneinander unabhängige Gruppen und Institutionen beteiligt haben, die das Ganze multimodal prüfen, wird der Schutz der Daten bzw. der Persönlichkeitsrechte weitgehend gewährleistet. Daran könnte sich eine einzelne, eigenständige Institution, wie sie das Bistum Regensburg darstellt orientieren.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Monsignore kirchlich entsorgt » Regensburg Digital

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    […] war demnach so verlogen wie der Laudator selbst, der dem Verblichenen attestierte: „Sein Erziehungsstil wurde nicht mehr verstanden“. Auch dieser versteht seinerseits die Welt nicht mehr: Die ganze Aufklärerei sei doch […]

  • Ein Mehltau von Feigheit » Regensburg Digital

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    […] die 2000er Jahre festgestellt hat, glaubt kaum einer. Faust, der 1964 zu den ersten Zöglingen von Domkapellmeister Georg Ratzinger gehörte, und Neumaier, der bis 1991 bei den Domspatzen war, sprechen insbesondere die Zustände an […]

  • Angelika Oetken

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    „Regensburger Domspatzen: An diesem Montag treffen sich die Vertreter der Opfer von damals erstmals mit den Bistumsverantwortlichen von heute.“
    http://www.sueddeutsche.de/bayern/regensburg-eine-stimme-nicht-nur-zum-singen-1.2842782

    Die Bezeichnung „Vertreter der Opfer“ bzw. „Opfervertreter“ die auch von den Betreibern der Homepage „intern-at“ genutzt wird, suggeriert, die betreffenden Personen hätten ein Mandat, das ihnen von einer nennenswerten Anzahl Geschädigter übertragen worden ist. In dem Fall wären sie deren Vertreter. Andernfalls einfach „Opfer“ bzw. „Betroffene“, die vom Bistum in sein Kuratorium berufen wurden.

    Diese Unterscheidung ist bei Aufklärungs- und Aufarbeitungsprozessen, wo es letztendlich auch um Entscheidungen zu den Themen „Datenschutz“, „Genugtuungsleistungen“ und „Verfolgung noch nicht verjährter Straftaten“ geht grundlegend.

    Wie sieht es da bei den Domspatzenopfern, die sich im Kuratorium bzw. im Aufarbeitungsgremium befinden eigentlich aus?

  • Horst

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    ich war ab Sommer 1961 in Etterzhausen. Neben dem Meier gab es noch einen Präfekten, ich meine der hieß Ott (?).
    In den Herbstferien habe ich zuhause stolz berichtet, dass ich noch keine Schläge bekommen hatte, zumal es fast keinen Tag gab, wo nicht der Rohrstock in Aktion trat.
    Nach den Herbstferien bekam auch ich regelmäßig den Rohrstock zu spüren. Wobei mir noch in Erinnerung ist, dass Meier mich ausschließlich auf den Po züchtigte, währen Ott seinen Spass daran hatte, auf die Finder zu schlagen.
    Meier neigte dazu, auch Wutausbrüche zu bekommen, dann ging es den Betroffenen sehr schlecht.
    Fakt ist, dass diese „Erziehungsmethode“ noch heute auf die eine oder andere Weise nachhaltig wirkt. (Das war der Versuch, möglichst emotionslos zu kommentieren)

  • Angelika Oetken

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    @Horst,

    Sie und Ihre Leidensgefährten befanden sich in einem ganz speziellen Folterlager für Kinder. Die Kriterien für Folter treffen auf das, was in Etterzhausen und anderswo Kindern und Jugendlichen angetan wurden zu http://www.bzfo.de/organisation/hintergrund.html
    . Dass es diese Kinderquäleinrichtungen überhaupt gab, sagt viel über den Grad an Verrohung aus, die Teile der damaligen Gesellschaft kennzeichnete. Meine Hochachtung gilt Allen, die das überlebt haben und ich frage mich, wie viele Ehemalige wohl in Folge ihres Aufenthaltes in Etterzhausen/Pielenhofen frühzeitig ums Leben kamen.

    Jedes soziale Gefüge hat explizite (ausgesprochene) und implizite Werte. Beides muss reflektiert werden, wenn sich ein soziales Gefüge von seiner kriminellen und gewalttätigen Vergangenheit distanzieren will. Dies ist bisher, was das Bistum und die Domspatzeneinrichtungen angeht nicht einmal im Ansatz geschehen. Der Mangel an echtem Unrechtsbewusstsein ist bezeichnend und sagt viel über die unausgesprochenen, verdeckten Anliegen der Verantwortlichen aus. Mehr jedenfalls als irgendwelche Verlautbarungen von denen.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Die Verfehlungen des Monsignore Mai » Regensburg Digital

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    […] versorgt. Dass sein Mitkanonikus, der ehemalige Domkapellmeister Georg Ratzinger, seine Zöglinge eigenen Angaben zufolge „aus Frust“ geschlagen haben will, verwundert Mai. Was Ratzinger gemacht habe, sei „sein Problem“. „Aus Frust“ zu schlagen, […]

  • Herbert Turetschek

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    „Allerdings, so Ratzinger weiter, sei die Internatsvorschule in Etterzhausen und später in Pielenhofen „eine völlig selbständige Institution“ gewesen, die sein Vorgänger Theobald Schrems „auch bewusst so geschaffen“ habe.“
    Ich wurde durch Herrn Georg Ratzinger zu den Regensburger Domspatzen aufgenommen, also im Internat in Etterzhausen. Ergo wäre ich nie zu den Domspatzen gekommen, hätte er mich nicht für „würdig“ befunden; was dieses würdig bedeutete, das wurde mir dann erst später klar.

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