Von der Fügung der Providenz

Warum Georg Ratzinger Domkapellmeister wurde

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Für Georg Ratzinger war es Vorsehung, dass er Nachfolger von Theobald Schrems wurde. Tatsächlich war aber Georg Zimmermann als Domkapellmeister vorgesehen. Recherchen von regensburg-digital belegen: Zimmermanns Hang zur „Knabenliebe wie bei den alten Griechen“ ebnete Ratzinger den Weg.

Vor allem weil der sexuelle Wiederholungstäter Georg Zimmermann als Domkapellmeister ein viel zu großes Risiko darstellte und somit als Nachfolger ausschied, kam Georg Ratzinger im Jahre 1963 in die engere Wahl. Fotos: Archiv/ Staudinger

Vor allem weil der sexuelle Wiederholungstäter Georg Zimmermann als Domkapellmeister ein viel zu großes Risiko darstellte und somit als Nachfolger ausschied, kam Georg Ratzinger im Jahre 1963 in die engere Wahl. Fotos: Archiv/ Staudinger

Die Wege des Herrn sind unergründlich. Was für viele Gläubige eine göttliche Fügung darstellt, betrachten andere im Kontext von Protektionismus und gesellschaftlicher Entwicklung. Georg Ratzinger glaubt und sagt indes, dass erst drei Menschen in die Ewigkeit abgerufen werden mussten, damit sein Weg nach Regensburg ins Amt des Domkapellmeisters offen wurde. Untersucht man die damaligen Ereignisse und Zeitumstände am Ende der Ära Theobald Schrems, zeichnet sich das Bild eines unsäglichen Krisenmanagements ab, in das Georg Ratzinger verwickelt wurde – zu Zeiten, in denen Missbrauchsvorfälle in den Einrichtungen der Domspatzen systemgefährdende Ausmaße annahmen und Georg Zimmermann untragbar wurde.

Regent Schrems übergibt die Leitung an drei Gewalttäter

Dreiunddreißig Jahre regierte Domkapellmeister Theobald Schrems (geb. 1893) unangefochten bei den Regensburger Domspatzen. Bis 1957 war er allein rechtlich verantwortlich für das Vorschulinternat der in Etterzhausen und die Internate in Regensburg. Ende der 1950er ging Schrems, gesundheitlich bereits angeschlagen, daran, die Führung der diversen Einrichtungen in jüngere Hände zu übergeben. Mit der Gründung der Stiftung Etterzhausen der Regensburger Domspatzen (gegr. 27. 2.1957) übertrug er die Leitung des Grundschulinternats in Etterzhausen schrittweise an Johann Meier.

Als stellvertretenden Leiter der Regensburger Internate baute er Friedrich Zeitler auf, der in Regensburg wie Meier seit 1953 als Präfekt tätig gewesen war. Da Zeitler wegen sexuellen Übergriffen im Dominternat ins Gefängnis gehen musste, übertrug man Georg Zimmermann die Internatsleitung. Sowohl Zeitler wie Meier als auch Zimmermann waren eine ausgesprochen schlechte Wahl. Unzähligen Buben taten sie körperliche und sexuelle Gewalt an. Alle drei Geistlichen hatten ihrerseits zuvor im Bischöflichen Knabenseminar Obermünster eine mit schwarzer Pädagogik gesättigte, gewalttätige Sozialisation erfahren, in der Übergriffe an der Tagesordnung waren.

Verharmlosung des Vergewaltigers Zeitler

Gab sich erst unwissend über den Missbrauchstäter Zeitler und lobte ihn später uneingeschränkt: Theobald Schrems. Foto: privat

Gab sich erst unwissend über den Missbrauchstäter Zeitler und lobte ihn später uneingeschränkt: Theobald Schrems. Foto: privat

Nachdem Eltern eines Domschülers den Internatsdirektor Zeitler (geb. 1918 in Mitterteich) angezeigt hatten, floh er im Mai 1958 in die Schweiz. Der Vorwurf: unter anderem mehrfache Unzucht mit einem Abhängigen bzw. Kindern. Nach der Rückkehr von seiner mehrmonatigen Flucht verurteilte das Regensburger Landgericht Zeitler im April 1959 zu drei Jahren Gefängnis. Der Prozess brachte ferner zutage, dass Zeitler bereits seit Ende der 1930er Jahre in der Dompräbende und auf NS-Propagandareisen des Domchors sexuell übergriffig geworden war.

Der rechtlich verantwortliche Theobald Schrems gab sich anlässlich des Strafprozesses unwissend und überrascht, in seinen wenigen Jahre später erscheinenden Erinnerung hingegen lobt er den straffällig gewordenen Präfekten ohne Einschränkung. Während der Prozess gegen Zeitler vorbereitet wurde, erfolgte zum 1. Januar 1959 die Berufung von Georg Zimmermann als Direktor der Internate der Dompräbende und des Domgymnasiums.

Ende der 1950er Jahre war der laufende Internatsbetrieb stark gefährdet: von sexuellen Übergriffen betroffene Schüler wurden des Hauses verwiesen, andere gingen freiwillig, Eltern mussten besänftigt werden. Nicht zuletzt wegen der sinkenden Neuanmeldungen sank die Schülerzahl im Schuljahr 1960 auf die problematische Größe von 207.

Georg Zimmermann: Absetzung nach acht Monaten

Protegierte Zimmermann: Bischof Michael Buchberger.

Protegierte Zimmermann: Bischof Michael Buchberger.

Die neun Jahre vor seiner Berufung waltete Zimmermann als Präfekt im Bischöflichen Knabenseminar in Straubing, seit 1. September 1954 als Musikpräfekt. Schon damals habe ihn Bischof Buchberger protegiert und zum Musikstudium freigestellt, hieß es aus dem familiären Umfeld Zimmermanns. Ein ehemaliger Straubinger Internatsschüler bestätigt unserer Redaktion gegenüber, dass es in Straubing neben körperverletzender Züchtigung auch sexuelle Gewalt durch geistliche Präfekten gegeben habe. Nach internen Untersuchungen der Seminarleitung mussten demzufolge zwei übergriffige Priester das Internat verlassen. Ob seinerzeit auch gegen Zimmermann wegen sexueller Übergriffe ermittelt wurde und wohin die übergriffigen Priester versetzt wurden, ist noch unbekannt.

Als Zimmermann von Straubing nach Regensburg wechselte, eilte ihm kein guter Ruf voraus. Vor diesem Hintergrund überrascht es aus heutiger Sicht nicht, dass von Georg Zimmermann auch in Regensburg sexuelle Gewalt gegen Domschüler ausgegangen sein soll, wie 2010 öffentlich bekannt wurde. Jedenfalls wurde er bereits nach einer nur achtmonatigen Amtszeit in Regensburg klammheimlich abgesetzt. Genauer gesagt: Man beurlaubte ihn im September 1959 ohne öffentliches Aufsehen und legte dadurch einen Schleier über die Ereignisse, der bis heute verdunkelt.

Knabenliebe „wie bei den alten Griechen“

Die Schwester Zimmermanns (verstorben 2015) räumte unserer Redaktion gegenüber bereits im April 2013 ein, dass ihr Bruder 1959 im Domspatzeninternat der Knabenliebe „wie bei den alten Griechen“ zugeneigt gewesen sei. Hinsichtlich seiner nur achtmonatigen Amtszeit als Direktor vertrat sie eine befremdliche Ausrede. Um sich nicht den „Bubenschänder“ nachsagen lassen zu müssen, sei er freiwillig gegangen. Offenbar glaubte die Schwester bis zuletzt, dass die „Knabenliebe“ im Gegensatz zum „Bubenschänder“ nichts Ehrenrühriges sei.

Chormanager Hartmann: „unklar, ob Zimmermann in den Einrichtungen der Domspatzen überhaupt übergriffig geworden ist.“ Foto: Archiv/ as

Chormanager Hartmann: „unklar, ob Zimmermann in den Einrichtungen der Domspatzen überhaupt übergriffig geworden ist.“ Foto: Archiv/ as

Im März 2010 gab der diözesane Pressesprecher an, Zimmermann sei im September 1959 für ein Musikstudium freigestellt worden. Dies steht im Widerspruch zum vom Ordinariat offiziell herausgegebenen Geistlichen Schematismus des Bistums Regensburg von 1957. Darin heißt es: „z. Zt. zum Studium beurlaubt.“ Dies steht im Einklang mit Recherchen von regensburg-digital, wonach Zimmermann ein Musikstudium bereits in seiner Straubinger Zeit, Mitte der 1950er, absolviert hatte.

Vor wenigen Tagen erklärte Domchor-Manager Christof Hartmann im Regensburger Presseclub, es sei unklar, ob Zimmermann in den Einrichtungen der Domspatzen überhaupt übergriffig geworden sei. Da diese Uninformiertheit (gepaart mit einer gebetsmühlenartigen Propaganda für die Institution „Domspatzen“) dem Kenntnisstand von März 2010 entspricht, fragt man sich, ob es der Chormanager im sechsten Jahr der Verschleppung der Aufklärung wirklich nicht besser weiß. Haben die 2010 vom bischöflichen Ordinariat mehrfach angekündigten Recherchen zu Zimmermann je stattgefunden?

Wie weit in der Causa Zimmermann die Aufklärungsarbeit des Sonderermittlers Ulrich Weber reicht, wird sich spätestens in seinem noch ausstehenden Abschlussbericht zeigen. Die sicherlich gesäuberte Personalakte Zimmermanns und ein fehlender Zugang zum bischöflichen Geheimarchiv werden aber einer restlosen Aufklärung im Wege stehen, so viel lässt sich jetzt schon sagen.

Zimmermann als Chorleiter im Klosterinternat

Wenn Zimmermann am 1. September 1959 nicht zum Musikstudium beurlaubt worden war, was tat er dann? Ein ehemaliger Internatsschüler hat unsere Redaktion darauf hingewiesen, dass Zimmermann nach seiner Beurlaubung zunächst in einem Klosterinternat der Steyler Mission tätig war. Im niederländischen Steyl unterrichtete er Musik am Gymnasium St. Michael und leitete den Schulchor. Ein weiterer ehemaliger Steyler-Schüler bestätigte dies und erinnert sich genau an das unvermittelte und plötzliche Auftreten Zimmermanns im Klosterinternat.

Man habe es als gewisse Ehre empfunden, von einem Direktor des weltberühmten Domspatzen-Chors persönlich unterrichtet zu werden. Von Zimmermanns unrühmlicher Vergangenheit habe man damals jedoch nichts erfahren, nach etwa einem Jahr sei er genauso unvermittelt wieder verschwunden. Dass das Bischöfliche Ordinariat Zimmermanns holländisches Intermezzo bislang nicht einräumen konnte oder wollte, wirft kein gutes Licht auf den vorgeblich vorhandenen Aufklärungswillen (oder das Aufklärungsvermögen?) der Diözese.

Zimmermann rekrutiert Missbrauchsopfer in seiner Heimatgemeinde

Wie ging es weiter mit Zimmermann? Im Laufe des Jahres 1961 wich er in seine Heimatgemeinde Eslarn aus, um weitere Ausbildungspraxis „für den sakralen Dienst im Chorgesang“ zu erwerben. So weiß es die Eslarner Gemeindechronik von 1965 zu berichten. Offenbar glaubte Zimmermann, in Eslarn für eine spätere Leitung des Domchors üben zu können. Noch 1961 gründete und leitete er die „Sing- und Spielschule Eslarn“, aus der sich die „Knaben-Kapelle Eslarn“ entwickelte, die angeblich landesweite Beachtung genoss und einmal sogar die Eröffnung des Münchner Oktoberfestes mitgestalten durfte.

Die Knaben-Kapelle Eslarn 1963. Foto: privat

Die Knaben-Kapelle Eslarn 1963. Foto: privat

In diesem Zusammenhang konnte Zimmermann seine Missbrauchsopfer bequem rekrutieren, bis er 1968 nach einer Strafanzeige von Eltern eines Musikschülers vorübergehend aus dem Verkehr gezogen wurde. Das Weidener Landgericht verurteilte ihn daraufhin im Februar 1969 zu 20 Monaten Gefängnis wegen § 174 Unzucht mit Abhängigen und § 175 Unzucht unter Männern in neun Fällen. Der Staatsanwalt sprach seinerzeit von „der Spitze eines Eisbergs“, weitere Übergriffe wurden zum Schutz der Betroffenen gar nicht verhandelt.

Der damalige Prozessbericht im NEUEN TAG erwähnt weder, dass es sich bei dem Täter um einen Priester handelte, noch fielen die Worte „Domspatzen“, „Domkapellmeister“ oder „Diözesanmusikdirektor“. Ob aus gut gemeinter, aber fataler Rücksichtnahme auf die „Institution“ oder aus vertuschender Einflussnahme, sei dahingestellt. Die Verteidigungsstrategie des in der Sache geständigen Zimmermann ging laut Pressebericht dahin, sich selber als zu kurz gekommener Anwärter zu Höherem und als Opfer einer Verführung durch einen Homosexuellen darzustellen. Als Einen, der auch von Frauen abgewiesen wurde. Diese absonderliche, aber strafmildernde Argumentation ging wohl auf seinen Regensburger Anwalt Rudolf Ederer zurück.

Gerichtsakten bestätigen: Zimmermann sollte Leiter des Domchores werden

Dass Zimmermann Schrems ins Domkapellmeisteramt nachfolgen sollte, konnte man bis dato zwar von unterschiedlichen, aber unbestätigt gebliebenen Stimmen aus kirchlichen und domspätzischen Umfeldern vernehmen. Nur nicht von diözesaner Seite, da gab es weder Dementi noch Bestätigung. Aus von regensburg-digital ausgewerteten Gerichtsakten geht nunmehr eindeutig hervor, dass Georg Zimmermann es war, der Schrems in der Leitung des Domchors nachfolgen hätte sollen. Als Zimmermann 1963 erfuhr, dass er nicht zum Zuge kommen werde, fühlte sich der serielle Missbrauchstäter „hintergangen“ und zurückgesetzt.

Etwa zeitgleich erhielt er auf Beschluss einer Elternversammlung pro Eslarner Musikschüler monatlich fünf DM Vergütung, die er zur Hälfte privat verwenden durfte und die später um zwei DM pro Monat erhöht wurde. Die erste Zeit in Eslarn soll der beurlaubte Domspatzendirektor ohne Vergütung gearbeitet haben.

Eslarn ehrte den Missbrauchstäter Zimmermann mit einem Straßennamen. Foto: Archiv/ Werner

Eslarn ehrte den Missbrauchstäter Zimmermann mit einem Straßennamen. Foto: Archiv/ Werner

Offenbar als Ersatz für den lang ersehnten, aber verpatzten Aufstieg zum Domkapellmeister wurde Zimmermann im Juni 1964 das hochrangige Amt des Diözesanmusikdirektors zugetragen. In ebendieser kirchlichen Führungsposition leitete er weiter die „Knaben-Kapelle Eslarn“ und missbrauchte dabei unzählige Buben. Wenige Monate nach dem Urteil von 1969 reagierte das Bischöfliche Ordinariat dann wie gehabt und beurlaubte Zimmermann abermals: vom zweiten kirchlichen Direktorenamt, das er für seine sexuellen Übergriffe benutzte.

Ratzingers verklärende Sicht auf die Ereignisse

Seine letzte Anstellung bei der Diözese fand Zimmermann übrigens im Bischöflichen Studienseminar in Weiden, aus dem 2010 ebenfalls körperverletzende Übergriffe gemeldet wurden. Nach seiner einjährigen Tätigkeit als Musikpräfekt und weiteren Vorfällen in Weiden schickte man ihn im November 1973 als 57jährigen in vorzeitigen Ruhestand, den er als Pfarrer i.R. in Eslarn verbrachte. 1984 erlag Georg Zimmermann einem Magenkrebsleiden. Wegen seiner vorgeblichen Verdienste trägt eine dortige Straße seinen Namen – in diversen Festschriften und Chroniken hingegen wurde dieser getilgt.

Im Frühjahr 1963 wurde Georg Ratzinger das Amt des Domkapellmeisters angeboten. Seine verklärende Sicht auf die Ereignisse und Hintergründe zeichnet ein anderes Bild.

Theobald Schrems – wie der liebe Gott?

Als wäre er „dem lieben Gott persönlich begegnet“. So beschreibt Georg Ratzinger im Rückblick das erste Gespräch mit Theobald Schrems im Jahre 1953. Zehn Jahre nach dieser nicht näher ausgeführten Unterhaltung habe ihn der damals bereits schwerkranke Schrems Anfang 1963 die Nachfolge im Amt des Domkapellmeisters antragen lassen, so Ratzinger 1993 kurz vor seiner Pensionierung in seinem Aufsatz Der Nachfolger.

"Der liebe Gott persönlich": Büste für Theobald Schrems. Foto: Archiv/ rw

„Der liebe Gott persönlich“: Büste für Theobald Schrems. Foto: Archiv/ rw

Einer spontanen und begeisterten Zusage habe, so Ratzinger weiter, entgegengestanden, dass er seiner hochbetagten und haushaltführenden Mutter nicht schon wieder einen Umzug zumuten wollte. Zum anderen habe es bereits einen Priester als Konkurrenten gegeben, den der Regensburger Bischof Buchberger schon viele Jahre zuvor als Kapellmeister auserkoren hatte. Doch die „Fügung der Providenz“ war ihm wohlgesonnen. Ratzinger: „In nicht langer Zeit nacheinander“ verstarb „zuerst Erzbischof Buchberger … dann Domkapellmeister Schrems und ein Monat später meine liebe Mutter, die am 16. Dezember 1963 einem schmerzlichen Krebsleiden erlag“. Somit sei „der Weg nach Regensburg offen“ geworden.

Ist all dies glaubhaft und stimmig? Als Georg Ratzinger 1963 zum Nachfolger für Schrems auserwählt wurde, war Bischof Buchberger (verst. 10. Juni 1961) bereits fast zwei Jahre tot. Von daher klingt es reichlich konstruiert, wenn Ratzinger von einer „Fügung“ in „nicht langer Zeit“ spricht. Vor allem aber lebte der Konkurrent und Priester noch, den Bischof Buchberger als Nachfolger für Schrems ausgewählt hatte: Zimmermann. Hätte die göttliche Vorsehung nicht vielmehr ihn als Konkurrenten „in die Ewigkeit hinüberrufen“ müssen, um stimmigerweise von „Fügung“ sprechen zu können? Befremdlich auch, warum für Ratzinger das Wort und Versprechen eines Bischofs nicht über seinen Tod hinaus gilt. Vor allem aber würde man von Ratzinger gerne wissen, ob die göttliche Vorsehung auch die sexualisierte Gewalt in den Einrichtungen der Domspatzen verfügte?

Einflussnahme des Bruders?

Von einem ehemaligen und gut informierten Geigenlehrer der „Domspatzen“ kann man eine andere, sehr weltliche Deutung für Georg Ratzingers Ruf nach Regensburg vernehmen. Demnach habe der damalige Professor Josef Ratzinger 1963 sich für die Berufung seines Bruders Georg stark gemacht. Da Josef Ratzinger als Konzilstheologe, Berater und Redenschreiber des Kölner Erzbischofs Kardinal Frings tatsächlich gewisse Verdienste und Einflussmöglichkeiten erworben hatte, klingt diese Deutung wesentlich plausibler als die Rede von der Fügung, die nicht einmal davor zurückschreckt, den Todeszeitpunkt der krebskranken Mutter auszudeuten.

Aufs Ganze gesehen: Vor allem weil der sexuelle Wiederholungstäter Georg Zimmermann als Domkapellmeister ein viel zu großes Risiko darstellte und somit als Nachfolger ausschied, kam Georg Ratzinger im Jahre 1963 in die engere Wahl. Ohne hier seine musikalischen Befähigung zu thematisieren: Ratzingers wichtiges Pfund war, dass ihm der Makel eines sexuellen Gewalttäters nicht anhaftete.

Dass Ratzinger bereits in seiner Zeit als Traunsteiner Chorleiter Knaben wie ein „cholerischer Sadist“ züchtigte und körperverletzend strafte – wie kürzlich ein ehemaliger Chorschüler unserer Redaktion gegenüber beklagte – stand seinem Ruf nach Regensburg nicht entgegen. Eher qualifizierte ihn diese persönlichkeitsschädigende schwarze Pädagogik, die er als Schüler des bischöflichen Knabenseminars in Traunstein selbst erleiden musste. Vieles sprach für Ratzinger: Er wurde in einem Bischöflichen Knabenseminar sozialisiert, war Priester und Kirchenmusiker, und er hatte hinsichtlich sexuellen Missbrauchs weder ein aktives noch aufklärerisches Interesse. Von Ratzinger mussten folglich weder die diözesanen Hierarchen noch die Vertuscher etwas befürchten. Im März 2010, zu Hochzeiten des Missbrauchsskandals, gab er in einem entblößenden Interview an: „Bei uns im Haus ist über diese Dinge nie gesprochen worden“.

Fehlende Interventionen gegen Übergriffe

Der Rückblick in die Übergangszeit Schrems-Ratzinger zeigt zweierlei: Zum einen waren körperverletzende Strafen und sexuelle Übergriffe systemimmanenter Bestandteil nicht nur in den Einrichtungen der „Domspatzen“, sondern auch in den bischöflichen Knabenseminaren, wo viele Täter sozialisiert worden waren. Die weit verbreitete mediale Fixierung auf die Institution „Domspatzen“ verstellt allerdings den Blick auf die entsprechenden Missstände und Verantwortliche. Indes würde das Ordinariat eines Bischofs Voderholzer die Übergriffe in anderen kirchlichen Einrichtungen, wenn überhaupt und analog zu den „Domspatzen“, wohl nur unter starken öffentlichen Druck aufklären.

Zum anderen zeigt sich, dass sexuelle Übergriffe nur dann unterbunden wurden und sie Konsequenzen für die Täter nach sich zogen, wenn Eltern Strafanzeige erstatteten. Strafrechtliche Interventionen aus dem Kreis der Führungskräfte oder des Personals der „Institution Domspatzen“ kamen – soweit bekannt – überhaupt nicht vor. Allenfalls halbherzige interne Korrekturversuche, die im Inneren verpufften. Zum Schaden der Betroffenen, wie Rechtsanwalt Weber im seinem Zwischenbericht aufzeigen konnte.

Mehltau im Presseclub

Im Regensburger Presseclub wurde zuletzt die Frage erörtert, ob und welche Möglichkeiten Georg Ratzinger zur Intervention, etwa gegen das Gewaltregime von Johann Meier, gehabt hätte. Der SZ-Redakteur Rudolf Neumaier, einst Domspatzen-Schüler unter Meier und Ratzinger, klammerte sich hierbei an die Erklärung, dass Georg Ratzinger gegen die allseits bekannten blutig-sadistischen Übergriffe des Direktors Johann Meier in Etterzhausen/ Pielenhofen nichts ausrichten hätte können, weil der in einer von der Regensburger Domspatzenführung angeblich völlig abgeschotteten und abgetrennten Einrichtung gewütet hätte.

Podium im Presseclub: Ludwig Faust, Rudolf Neumaier, Moderator Gerhard Schiechl um Dochchormanager Christof Hartmann. Das Bistum weigerte sich, einen Vertreter zu schicken. Fotos: as

Podium im Presseclub: Ludwig Faust, Rudolf Neumaier, Moderator Gerhard Schiechl um Dochchormanager Christof Hartmann. Das Bistum weigerte sich, einen Vertreter zu schicken. Fotos: as

Die eigentliche Kernfrage, ob Ratzinger gegen Meier überhaupt intervenieren hätte wollen, stellt und erwägt Neumaier bemerkenswerterweise gar nicht. Stattdessen nimmt er für Ratzinger eine ablehnende, aber aussichtslose Haltung gegen Meiers Regime als gegeben an und stellt allein die rhetorische Gegenfrage: Warum (wenn nicht wegen der angenommen Aussichtslosigkeit) hätte Ratzinger den Meier „denn sonst gewähren lassen sollen“? Der promovierte Historiker Neumaier kann sich offenbar bis heute nicht vorstellen, dass Ratzinger gegen den Gewalttäter Meier nicht einschreiten wollte, weil er dessen Erziehungsstil im Gegensatz zu den Anhängern „der modernen Zeit“ verstand und ausdrücklich befürwortete.

Ratzinger: Mindestens duldender Teil eines gewalttätigen Systems

Faktisch war Ratzinger ein tragender, zumindest ein duldender Teil dieses gewalttätigen Systems und nicht dessen Gegner. Hätte Ratzinger oder ein anderes tatsächlich in der rechtlichen Verantwortung stehendes Kuratoriumsmitglied seine Garantenpflicht für die Schüler wahrgenommen und gegen Meier Strafanzeige erstattet oder zumindest die von Eltern vorgetragenen Beschwerden konsequent unterstützt, hätte man Meier das grausame Handwerk sicherlich legen können.

Ebenso verhält es sich bei den sexuellen Übergriffen in den Regensburger Einrichtungen. Hätte Ratzinger (oder eine andere Person aus der Institution bzw. dem Domkapitel) Figuren wie den von Domschülern als „Schwuli“ bezeichneten Präfekten Sturmius Wagner mit einer Strafanzeige wegen sexuellem Missbrauchs gedroht oder eine solche erstattet, wären wohl viele seiner Zöglinge von Übergriffen verschont geblieben.

Ratzinger wusste von sexuellen Übergriffen

Am Beispiel von Alexander Probst, dessen Vater sich bei Ratzinger wegen Wagners Übergriffen beschwerte, wird dies deutlich. Spätestens an diesem Punkt hätte Ratzinger oder der damalige Internatsdirektor Hubert Schöner, intervenieren müssen. Ein Einschreiten hätte allerdings vorausgesetzt, dass sie eine ablehnende und konsequent bis zur Strafanzeige reichende Haltung gegenüber sexuellem Missbrauch vertreten und praktiziert hätten.

Will nichts von den sexuellen Übergriffen während seiner Zeit als Internatsleiter mitbekommen haben: Prälat Hubert Schöner. Foto: Archiv/ Staudinger

Will nichts von den sexuellen Übergriffen während seiner Zeit als Internatsleiter mitbekommen haben: Prälat Hubert Schöner. Foto: Archiv/ Staudinger

Georg Ratzinger jedoch sprach eigenen Angaben zufolge nicht einmal über diese Dinge. Und Hubert Schöner will weder während seiner Amtszeit noch nachher etwas mitbekommen haben. In der Rede von der Fügung der Providenz sind die persönlichen Verantwortlichkeiten zur Verhinderung und Ahndung von sexueller und körperlicher Gewalt nicht vorgesehen. Deshalb scheint sie so attraktiv zu sein.

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Kommentare (17)

  • menschenskind

    |

    Die Knabenliebe ist ein Thema, das die Wissenschaft schon lange beschäftigt und das historisch ebenso wie ethnologisch als mannigfach erschlossen und erforscht gilt.

    Hier einige Standardwerke:

    Carola Reinsberg: Ehe, Hetärentum und Knabenliebe im antiken Griechenland. C.H. Beck Verlag, München 1989, ISBN 3-406-33911-5.
    Harald Patzer: Die Griechische Knabenliebe, Wiesbaden: Franz Steiner Verlag, 1982. In: Sitzungsberichte der Wissenschaftlichen Gesellschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main, Vol. 19 No. 1.
    Kenneth J. Dover: Homosexualität in der griechischen Antike. C.H. Beck Verlag, München 1983, ISBN 3-406-07374-3.
    Thomas K. Hubbard: Homosexuality in Greece and Rome. Univ. of California Press, Berkeley 2003, ISBN 0-520-23430-8.
    William A. Percy III.: Pederasty and Pedagogy in Archaic Greece. Univ. of Illinois Press, 1998, ISBN 0-252-06740-1.

    ru.wiki bietet in seinem Artikel „Päderastie“ Abbildungen aus der Welt-Kunst zum Thema an:

    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B8%D1%8F#/media/File:Pederastia_graecia-museum_zu_Berlin.gif

    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B8%D1%8F#/media/File:Warren_Cup_BM_GR_1999.4-26.1_n2.jpg

    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B8%D1%8F#/media/File:Warren_Cup_BM_GR_1999.4-26.1_n1.jpg

    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B8%D1%8F#/media/File:%C3%89douard-Henri_Avril_(18).jpg

    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B8%D1%8F#/media/File:Ivanov_apollo.jpg

    https://ru.wikipedia.org/wiki/%D0%9F%D0%B5%D0%B4%D0%B5%D1%80%D0%B0%D1%81%D1%82%D0%B8%D1%8F#/media/File:Suzuki_Harunobu_Shunga.jpg

  • Angelika Oetken

    |

    Was spricht eigentlich dagegen, anzunehmen, dass Zeitler, Meier und Zimmermann gerade WEGEN ihrer mulitmodalen Übergriffigkeit für das Präfektenamt ausgewählt wurden? Gibt es eine bessere Methode um eine größere Gruppe Jungen in Schach zu halten, wenn man gleichzeitig Personal sparen will als diese?
    Dazu passt auch die „Knabenliebe wie bei den Alten Griechen“. Denn die hatte mitnichten rein sexuelle Funktionen. Dafür standen den griechischen Männern, die im Altertum der Oberschicht angehörten, genug meistens vollkommen rechtlose Untergebene zur Verfügung. Vielmehr ging es in der griechischen Männergesellschaft darum, Kartelle unter Seinesgleichen zu bilden. Und den edlen Nachwuchs mittels verschiedener Methoden der Indoktrination ins ziemlich geschlossene gesellschaftliche Kastensystem einzuordnen. Wozu auch eine vorübergehende Degradierung zum Sexualobjekt gehörte. Eben die Knaben“liebe“. Eine Volksherrschaft im heutigen Sinne ist die Demokratie der griechischen Stadtstaaten sowieso nie gewesen. Sondern eine auf Konsens beruhende Alleinherrschaft von Männern, die dem Geburts- und später dem Geld- und Kulturadel angehörten. Die Parallelen zum Klerus späterer Jahrhunderte, deren Selbstverständnis und Methoden bis heute überdauerten, sind nicht ohne Grund überdeutlich. Und offenbaren sich am Umgang der Priesterschaft mit der von ihr praktizierten, vertuschten und geförderten sexuellen Ausbeutung von Jungen.
    Und so wie die Vorherrschaft der Griechen beendet wurde, weil sie sich irgendwann derart selbst im Weg standen, dass sie unflexibel wurden, so erleben wir seit ein paar Jahren, wie sich auch die katholische Priesterkaste demontiert. Wir, die Unerlesenen müssen dazu gar nicht viel beitragen. Es reicht, wenn wir diesen überforderten Männern, von denen einige zu feige zu sein scheinen, öffentlich zu ihrer sexuellen Identität zu stehen, andere psychiatrisch so schwer krank, dass sie über Minderjährige herfallen, keine unangemessene Achtung mehr entgegenbringen. Sondern sie so darstellen und beurteilen wie sie sind: meistens ganz besonders gewöhnliche Männer. Denen nichts heilig ist und deren moralisches Getue lächerlich wirkt.

    Herr Werner: Danke für diesen guten Artikel!

  • Haimo

    |

    Mit diesem Artikel hat Ostern 2016 für mich erst eine
    gewisse Qualität erreicht .
    Was ist Wahrheit frägt Pilatus in der Johannespassion Jesus .
    Da habt ihr sie .
    Vielen Dank R. Werner und macht weiter so
    Haimo
    Etterzhausen 1962 – 1964

  • rb

    |

    Wie sagt man immer so schön:
    Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.
    (( Seinesgleichen schont man; Unter Berufskollegen / Gleichgesinnten
    hält man zusammen ))
    __
    Regensburger Domspatzen
    Immer mehr Betroffene packen aus

    Von Schlägen und Demütigungen erzählen ehemalige Chorsänger, die jetzt erst ihr Schweigen brechen. Sie ertragen es nicht, dass Bistum und Domspatzen die Aufarbeitung von Missbrauch und körperlicher Gewalt derart verschleppen.
    http://www.br.de/radio/bayern2/bayern/bayernchronik/regensburger-domspatzen-betroffene-aufarbeitung-missbrauch-gewalt-wird-verschleppt-100.html

  • Angelika Oetken

    |

    „Der promovierte Historiker Neumaier kann sich offenbar bis heute nicht vorstellen, dass Ratzinger gegen den Gewalttäter Meier nicht einschreiten wollte, weil er dessen Erziehungsstil im Gegensatz zu den Anhängern „der modernen Zeit“ verstand und ausdrücklich befürwortete.“

    Die scheinbar unsinnigen und erkennbar unempathischen bis kinderfeindlichen Einstellungen der beteiligten Verantwortlichen lassen sich ein Stück weit durch ein Phänomen erklären, das als „traumatischer Wiederholungszwang“ bezeichnet wird. Für gewöhnlich richtet das befallene Individuum die Aggressionen gegen sich selbst. Aber je nach Charakter und Gelegenheiten müssen auch andere dran glauben. Im Falle der Domspatzeneinrichtungen hilflose Kinder und Jugendliche
    http://www.cnlpa.de/downloads/Fachartikel/2011-02-Der-Wiederholungszwang-Grochowiak.pdf

  • aucheinehemaliger

    |

    Ich konnte den “Cheef“ nie leiden. Am meisten missfiel mir, wie er das Geschleime von Mitschülern, deren Eltern und seiner “Untergebenen“ genoß und gleichzeitig jedem Höhergestellten gegenüber buckelte.
    Aber auf diese Art und durch entsprechende Beziehungen hat er es zu was gebracht.
    Was mich heute an ihm und vielen anderen so anwidert, ist ihre Arroganz und Selbstherrlichkeit.
    Und ihre Verlogenheit und Feigheit.

  • hutzelwutzel

    |

    @aucheinehemaliger:

    Am meisten missfiel mir, wie er das Geschleime von Mitschülern, deren Eltern und seiner “Untergebenen“ genoß und gleichzeitig jedem Höhergestellten gegenüber buckelte.
    Ceci est le Oberpfalz! Oder anders gesagt: Do ut des. Oder noch anders gesagt: Pack schlägt sich, Pack verträgt sich. ;-)

  • Lothgaßler

    |

    Einige der Herrschaften hätten im Staatsdienst wohl füher oder später Probleme bekommen. Die katholische Kirche war und ist da gnädiger. Hoffentlich wird nicht noch einer von ihnen aus Versehen heilig oder seelig gesprochen. Jetzt muss ein Denkmal wider des Vertuschens, Verleugnens und Vergessens her. Die Zeit ist reif! Wo ist Friedl, wenn man ihn mal braucht? Zum nächsten Bürgerfest muss so ein Denkmal aufgebaut oder ein thematisch passender Wettbewerb ausgelobt werden.

  • mwz

    |

    Besten Dank an Herrn Werner und die Redaktion, dass diese Dinge weiterhin geklärt werden. In der Nordoberpfalz wird man an einigen politisch mit der Katholischen Kirche „verknüpften“ Kreisen schon ziemlich ungehalten, und scheint zu versuchen Leute „mundtot“ machen zu wollen. Weiden/ Opf. ist schliesslich auch nicht „ohne“ mit deren ehem. kirchlichen Einrichtungen, dem 1989 geschlossenen „Bischöfl. Seminar“ und dem hier ebenfalls zu beachtendem „Augustinus Seminar“, welches Mitte/ Ende der 1990er Jahre äußerst still geschlossen wurde. Dazu kommt ein Schreiben, mit welchem jemand im Vatikan im Jahr 2002 in anderer Sache informiert, von einer „delikaten Angelegenheit“ geschrieben hatte. Meinte man damit bereits diese damals noch unbekannten Dinge?

  • udo kaiser

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    Bravo, lieber robert! endlich nennt nun jemand fundiert und historisch akribisch erarbeitet, die wurzel allen übels und bösen beim namen. Prof.Dr. Teobald Schrems…
    angefangen mit seiner ergebensheitadresse an den führer, siehe obersalzberg und die damit verbunden weltbekanntheit der domspatzen…als aushängeschild dieses regimes..denn darauf beruht der ruhm…nicht auf einer sogenannten tausendjährigen geschichte..die es so nie gab…er, der mit hilfe der damligen presse, der nazijustiz und mit hilfe des bischofs buchberger den skandal um den internatsdirektor zeitler verschwieg und vertuschte…mein vater hätte mich niemals 1958 in dieses gymnasium geschickt, wäre dies öffentlich bekannt geworden…und mir wären die prügeleien..wie in einer soloprobe auf 800, dem chorsaal, 1,1/2 stunden bei jedem fehler unter den flügel geprügelt wurde, erspart geblieben..er der das system meier in amt und würden, mit vollem wissen um dessen sadismus und brutaler härte, einggesetzt hat. hier nun wird endlich klar, wer der eigentliche schuldige an diesem skandal domspatzen ist und war. ich werde alles dafür tun, dass die stadt die straßenumbenennung in angriff nihmt und dass das sog. denkmal vor der präbende geschleift wird, bzw. links und recht jeweils eine steele für die opfer der gewalt und des missvbrauchs errichtet werden. und darum gilt mein aufrichtiger dank, dir lieber robert werner und deinem so mutigen verleger stefan aigner. ohne euere so hervorragende arbeit wären wir nicht so weit, wie wir heute nun dastehn.
    udo e. kaiser, anerkanntes missbrauchs-und gewaltopfer der regensburger domspatzen

  • hutzelwutzel

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    @Udo Kaiser:

    „…mein vater hätte mich niemals 1958 in dieses gymnasium geschickt, wäre dies öffentlich bekannt geworden…“
    SIC! Der Vatikan hätte infolge auch einen J.R. gar nicht auf sein Staatsgebiet gelassen oder gar dessen Kardinalernennung befürwortet.
    > Die Diözese R. wäre nicht die reichste Diözese der Welt mit Vermögen nahezu überall auf der Welt geworden, sondern die Provinzklitsche geblieben, die es eigentlich immer noch ist. ;-) Schönes Wochenende und nicht zu viel aufregen. Es wird nicht nur klimatisch heiß, einigen höheren Herren dürfte alsbald besonders warm unterm Podex werden.

  • bayernsbestfriend

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    „Hätte die göttliche Vorsehung nicht vielmehr ihn als Konkurrenten „in die Ewigkeit hinüberrufen“ müssen, um stimmigerweise von „Fügung“ sprechen zu können?“
    heißt es in Herrn Werners Artikel, oben.

    Wenn ich das Wort „Vorsehung“ höre, muss ich immer an Euren deutschen Führer denken. Und tatsächlich…
    … weiß Wikipedia zu berichten:

    Als eher im katholischen Raum gebräuchliche Vokabel gehörte das Wort auch dem Wortschatz Adolf Hitlers an, der sich für ein Werkzeug der Vorsehung hielt. Andere Naziführer sprachen eher vom Schicksal; in der Form des Schicksalsglaubens fand diese Vorstellung eine förmliche lehramtliche Verurteilung der katholischen Kirche,[3] wobei über die Vorsehung festgestellt wird, dass sie „‚kraftvoll und gütig von einem Ende der Welt zum anderen waltet‘ (Weish 8,1 EU) und alles zum guten Ende leitet.“
    https://de.wikipedia.org/wiki/Vorsehung

    Da kann man nur noch Amen sagen.

  • Arduus

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    Auf Grund mehrerer Gespräche im Rahmen eines Treffens von ehemaligen Steyler Schülern aus zwei Klassen, die von Georg Zimmermann unterrichtet worden waren, läßt sich ein wenig mehr Licht in dessen Steyler Zwischenspiel bringen: Zimmermanns Kontakt zu den Steylern war offenbar von Pater Engelbert Zunhammer (1925-2012) hergestellt worden, der bis 1966 dem Orden der Steyler Missionare (SVD) angehörte und danach als Pfarrer in seiner Heimatregion tätig war, wo er sich vor allem der Pflege der Volksfrömmigkeit widmete und schließlich bei der Pius-Bruderschaft landete. Da der damals noch junge P. Zunhammer für eine Ausbildung als Gymnasiallehrer zum Studium der Schulmusik und der Geographie an die Musikhochschule u. Uni Köln abgestellt werden sollte (oder aber bereits abgestellt worden war), hatte sich eine Lücke in der Musikausbildung des St. Michael Gymnasiums (einer deutschen Auslandsschule in den Niederlanden) ergeben, die nun durch Georg Zimmermann ausgefüllt werden konnte. Pater Zunhammer stammte aus einer Musikerfamilie aus Niederbayern (Bistum Regensburg) und dürfte zusätzlich durch die Teilnahme an einem dreimonatigen Kurs am Deutschen Singschullehrer- und Chorleiterseminar in Augsburg Mitte der 1950er Jahre in den Kreisen der bayerischen Kirchenmusiker gut vernetzt gewesen sein. Bezeichnenderweise übernahm er später für kurze Zeit die Nachfolge der Chorleiterstelle in Traunstein, die vor ihm Georg Ratzinger innegehabt hatte. Insofern kann es nicht weiter verwundern, daß er damals als Kontaktperson zu Zimmermann fungierte.
    In der Erinnerung der damaligen Steyler Schüler wird Georg Zimmermann nahezu einhellig als ein fachlich hochqualifizierter, aber geradezu einschüchternd strenger, fast unnahbarer Lehrer geschildert, der in seinem Musikunterricht – etwa bei der Vermittlung der Harmonielehre – eine elitäre „Friß-oder-stirb“-Didaktik praktizierte. Er bot damit ein auffälliges Kontrastbild zu dem jovialen und bei den Schülern auf Grund seiner Herzlichkeit und Unkonventionalität überaus beliebten P. Zunhammer, der ca. 1953 als Hilfslehrer nach Steyl gekommen war. Bemerkenswert ist, daß einige Schüler zum damaligen Zeitpunkt bereits Kenntnis davon hatten, daß Zimmermann bei seiner Steyler Tätigkeit im Umgang mit jüngeren Schülern bestimmten Restriktionen unterworfen war: so habe er nur mit dem ganzen Chor oder mit den Männerstimmen, nicht jedoch allein mit den Knabenstimmen üben dürfen. Diese Restriktionen wurden allerdings nicht konsequent durchgeführt – möglicherweise von Zimmermann aber auch teilweise ignoriert oder umgangen – denn dieser gab auch in der Unterstufe Musikunterricht und erteilte darüber hinaus zumindest in einem Fall einem stimmlich besonders begabten Sopranisten individuellen Förderunterricht. Den befragten ehemaligen Schülern lagen jedoch keine Hinweise vor, daß Zimmermann in seiner Steyler Zeit sexuelle Übergriffe begangen hätte. Dazu waren die damaligen Rahmenbedingungen am St. Michaels-Gymnasium auch wenig günstig: zum einen waren die Möglichkeiten eines Kontakts mit den Schülern für Zimmermann dadurch zusätzlich eingeschränkt, daß ihm keine Präfektenfunktion übertragen worden war und zum anderen herrschte damals in Steyl ein eher prüdes, antipermissives „Noli me tangere!“- Klima vor, das sexuelle Übergriffe von Lehrern in den gesamten 50er und 60er Jahre zum Glück zur raren Ausnahme machte. Möglicherweise haben diese restriktiven Rahmenbedingungen zum baldigen Weggang Zimmermanns aus Steyl im Jahre 1960 – nach etwa einjährigem Zwischenspiel – beigetragen. Einen Einfluss dürfte zudem die Tatsache ausgeübt haben, dass die relativ geringe Anzahl von ca. 200 Missionschülern, die ja im Gegensatz zu den Regensburger Domspatzen nicht nach musikalischen Kriterien ausgewählt worden waren, keine geeigneten Voraussetzungen dafür bot, Zimmermanns erkennbaren Wunschtraum zu verwirklichen, das Qualitätsniveau des Steyler Schülerchores auf dasjenige der Domspatzen anzuheben. Vielleicht fühlte sich der Bayer Zimmermann im westdeutschen Milieu und in der niederländischen Umgebung von Steyl auch zu sehr als ein „Exot“, um länger bleiben zu wollen. Aus mitgehörten Gesprächsrudimenten Zimmermanns ergibt sich nach Aussagen einiger Schüler zudem das Bild, dass er seinen Weggang aus Regensburg den Steyler Patres gegenüber in den Kontext der anstehenden Schrems-Nachfolge zu stellen pflegte: er sei Opfer einer Regensburger Intrige geworden, weil dort bei den Stellenbesetzungen nach „Vitamin B“ statt nach fachlicher Kompetenz entschieden werde.
    Im Zusammenhang mit den Schüler-Befragungen wurde von einem der Ehemaligen zudem berichtet, dass um 1967 herum bei einer zufälligen Begegnung mit aktiven Mitgliedern der Regensburger Domspatzen das Gespräch auf Zimmermann gekommen sei und dieser von einigen Chormitgliedern bereits zum damaligen Zeitpunkt als „Schwuli“ bezeichnet worden sei.

  • hutzelwutzel

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    Na, dann bringen wir diesen Artikel wieder einmal ins Gedächtnis zurück, bevor Attentate und Wolbergs-Skandälchen (Ist doch in allen Parteien ähnlich, nur lassen sich andere nicht erwischen!) das wichtigste Thema Regensburg überdecken.

    Gibt es etwas Neues aus der Niedermünstergasse oder der Reichsstrasse, oder vom Aufklärungs-Anwalt?
    Nicht ???? Da seht Ihr mal, wie man die Sachen immer wieder einschlafen lassen will.

  • Die Verfehlungen des Monsignore Mai » Regensburg Digital

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    […] Georg Zimmermann wurde von Bischof Buchberger bis zuletzt protegiert und war eigentlich als Nachfolger von Domkapellmeister Theobald Schrems auserkoren. Hierzu wurde er zunächst zum 1. Januar 1959 als Direktor der Internate der Dompräbende und des Domgymnasiums nach Regensburg geholt. Es kam jedoch anders: nach wiederholtem sexuellen Missbrauch von Schülern wurde Zimmermann untragba… […]

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