Unerträgliches Zweiklassensystem

Gewalt und Missbrauch: Wer Opfer ist, bestimmen immer noch wir!

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Trotz „Chefaufklärer“ Ulrich Weber und trotz Kuratorium zur Aufarbeitung von Gewalt und Missbrauch bei den Domspatzen: Dem bischöflichen Ordinariat geht es anscheinend weniger um die Betroffenen. Es agiert wie von Anfang an, weiter taktisch. Es geht um die Rettung der in ihrer Existenz bedrohten Domspatzen. Betroffene aus anderen Einrichtungen sind Opfer zweiter Klasse.

Die Vertuscher und Verschleierer Clemens Neck (li.) und Michael Fuchs (re.) hält Bischof Voderholzer weiter im Amt. Fotos: Archiv/ Aigner/ Staudinger

Die Vertuscher und Verschleierer Clemens Neck (li.) und Michael Fuchs (re.) hält Bischof Voderholzer weiter im Amt. Fotos: Archiv/ Aigner/ Staudinger

Von Robert Werner und Stefan Aigner

Sechs Jahre sind bald vergangen, seit der ehemalige Domschüler Manfred van Hove in einer Talkshow als erster öffentlich systematischen sexuellen Missbrauch bei den „Domspatzen“ beklagte. Sechs Jahre, in denen das Bistum Regensburg versuchte, Missbrauch und Gewalt in seinen Einrichtungen zu verschleiern, kleinzureden und die Betroffenen durch unwürdige Behandlung, Ignoranz und Diffamierung zum Schweigen zu bringen. Selbst vor Klagedrohungen schreckte man nicht zurück. 

Die Arbeit des Rechtsanwalts Ulrich Weber scheint nun eine Wende gebracht zu haben. Zahlreiche Betroffene meldeten sich bei ihm. Offen wird nun von einem „System der Angst“ gesprochen. Und die erste Sitzung des Kuratoriums, in dem Betroffene und Vertreter des Bistums nun gemeinsam aufarbeiten sollen, lief nach Verlautbarungen verschiedener Seiten einvernehmlich und in konstruktiver Atmosphäre. Ein Fortschritt – gewiss. Doch bei näherer Betrachtung bleibt das Vorgehen des Bistums weniger von dem Willen zu echter Aufarbeitung geprägt, sondern davon, die in ihrer Existenz bedrohten Domspatzen zu retten. Für Betroffene aus anderen Einrichtungen gibt es weder einen unabhängigen Rechtsanwalt, noch Aufklärung, noch die behauptete Empathie.

2010: „Kein System, nur Einzelfälle“

Kurz nach seinem Auftritt in der Talkshow, im März 2010, untermauerte van Hove in der Mittelbayerischen Zeitung, dass sich der geistliche Präfekt der Dompräbende Friedrich Zeitler zweimal die Woche an ihm vergangen habe. Zeitler habe einen „regelrechten Harem“ gehalten.

Das bischöfliche Ordinariat musste reagieren. Über Pressesprecher Clemens Neck ließ man verlauten, es gebe keine Hinweise auf systematische Verbrechen. Man suche jedoch das Gespräch mit den Opfern dieser jahrzehntelang zurück liegenden Fälle. Man wolle „erlittenes Leid aufarbeiten.“

In drei aufeinanderfolgenden Pressekonferenzen des Jahres 2010 wurde anschließend konstant die Mär von „Altfällen“ gepflegt, die Domspatzenvorschule in Etterzhausen/ Pielenhofen als eine Einrichtung dargestellt, die von den Domspatzen unabhängig sei und schließlich die Bezeichnung „Domspatzen“ vollständig aus dem Sprachgebrauch getilgt. In dem Statement des Missbrauchsbeauftragten Dr. Martin Linder vom 10. November 2014 ist von Domspatzen überhaupt nicht mehr die Rede. Mit Blick auf seine verstorbene Vorgängerin Birgit Böhm erklärte Linder unter anderem:

„Nur wenige Tage vor ihrem Tod begleitete sie noch ein Gespräch zwischen Bischof Dr. Rudolf Voderholzer und einigen Männern und Frauen, die als Kinder in kirchlichen Einrichtungen missbraucht wurden.“

Doch welche Einrichtungen waren das? Was ist mit diesen Betroffenen? Warum wird für sie kein unabhängiger Rechtsanwalt eingesetzt, um die Vorwürfe rückhaltlos aufzuklären?

Hoffnung, dass die Opfer verstummen, verzweifeln oder versterben

Oberster Vertuscher: Gerhard Ludwig Müller mit Domprobst Wilhelm Gegenfurtner. Foto: Archiv

Oberster Vertuscher: Gerhard Ludwig Müller mit Domprobst Wilhelm Gegenfurtner. Foto: Archiv

Kurz zusammengefasst: Bei allem Fortschritt, ist der Anspruch, „erlittenes Leid aufzuarbeiten“ grandios gescheitert. Nicht zuletzt der nach Rom beförderte Bischof Gerhard Ludwig Müller, der angesichts der Missbrauchsvorwürfe von Pressekampagne und Nazihetze faselte, trägt dafür die Verantwortung. Man weiß in Regensburg bis heute noch nicht, was man alles aufarbeiten müsste, da weder die Zahl der Täter, noch die der Betroffenen „aufgeklärt“ und die Namen der schweigenden Dulder benannt sind.

Gerade der diözesane Pressesprecher Neck scheint entgegen seiner Lippenbekenntnise einer Aufklärung im Weg gestanden zu haben. Seine Strategie: die unbestreitbaren Wortmeldungen von Betroffenen als Altfälle einzelner kriegsgeschädigter Täter abtun und andere Betroffene als Lügner abstempeln. Dem Opfer eines sexuell übergriffigen Priesters in Viechtach drohte Neck nach einem Buchbeitrag gar öffentlich mit einer Unterlassungsklage. 

Das Bischöfliche Ordinariat und sein Pressesprecher setzten 2010 auf Zeit und hofften, dass, zugespitzt gesagt, in ein, zwei oder drei Jahren die Opfer verstummen, verzweifeln oder versterben würden.

Im Herbst 2010 aber ließ das Ordinariat verlauten, dass man in Anlehnung an die Deutsche Bischofskonferenz das Leid von sexuell Missbrauchten mit maximal 5.000 Euro anerkennen wolle. Taktik, um die aktuelle Welle der öffentlichen Empörung abzumildern. Und nicht alle der Wenigen, die es schafften ihre Geschichte bei diversen Instanzen der Diözese zu schildern, wurden von dieser tatsächlich auch als Missbrauchsopfer anerkannt. Erinnert sei nur an die unwürdigen Serienbriefe. Körperlich Misshandelte wies man damals ohnehin noch programmatisch kalt ab. Die Höhe der Zahlungen scheint zudem willkürlich und ist bis heute intransparent. Es wirkt, als würden Betroffene gegeneinander ausgespielt.

Voderholzer: Zunächst Business as usual

So verging Jahr um Jahr, bis Gerhard Ludwig Müller sich mit ebendieser Vorgehensweise als Präfekt der Glaubenskongregation, also „Chefaufklärer“ für sexuellen Missbrauch nach Rom empfohlen hatte.

Müllers Nachfolger, Rudolf Voderholzer, trat folglich und wahrlich ein schweres Erbe an. Und er unternahm nach seiner Inthronisation vom Januar 2013 zunächst nichts anderes als sein Vorgänger und beließ das hierfür erprobte Personal mit Generalvikar Fuchs, den Vorstandsvorsitzenden der Domspatzen-Stiftung Wilhelm Gegenfurtner, Pressesprecher Clemens Neck und die Missbrauchsbeauftrage Birgit Böhm im Amt. Business as usual.

In daraufhin folgenden Zwischenberichten des Bistums, die Pressesprecher und Generalvikar mit gewöhnlicher Betroffenheitsgeste verlasen, wurde zunehmend eher verschleiert als aufgeklärt. Und – im Gegensatz zum allerersten Bericht 2010 – vor allem der Begriff „Domspatzen“ eliminiert oder zumindest vermieden.

„Institutionellen Narzissmus“

Betroffene vertrauen ihm kaum: der neue Missbrauchsbeauftragte Dr. Martin Linder. Foto: pm

Betroffene vertrauen ihm kaum: der neue Missbrauchsbeauftragte Dr. Martin Linder. Foto: pm

Der Domchor als goldenes Kalb einer männerzentrierten Liturgie und die Institution „Domspatzen“, also Grundschule und Gymnasium mit Internaten, sollten, ja mussten in dieser Vorgehensweise wie eine sakrosankte Institution geschützt und vom Dunstkreis des Missbrauchs und der Misshandlung ferngehalten werden. Auch mit unredlichen Mitteln. „Institutionellen Narzissmus“ nennt dies der Jesuit Klaus Mertes, der aus seinen Erfahrungen beim Canisius-Colleg weiß wovon er spricht und deshalb vom Regensburger Ordinariat nicht konsultiert wird. Die Sorge um die Institution „Domspatzen“ geht schließlich über die Empathie für Gewalt-Betroffene.

Auch nach dem Tod, der wenigstens zu Beginn ihrer Zeit im Sinne der Betroffenen und aufklärend agierenden Missbrauchsbeauftragten Birgit Böhm im Mai 2013, änderte sich nichts. Ihr Nachfolger, der im November 2013 berufene ehemalige Leiter der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am Bezirksklinikum Regensburg Martin Linder, fügte sich ein in das etablierte System des Aussitzens.

Dafür wurde er von Generalvikar Fuchs ausgesucht. Linder ist Mitglied des Verwaltungsrats der Katholischen Jugendfürsorge der Diözese (KJF). Er brachte nicht den Mut auf, sich im Zweifel für die Schilderung von Gewaltbetroffenen stark zu machen und nicht der Darstellung der Beschuldigten und Täter zu folgen. Von daher verwundert es nicht, dass sich kaum Gewalt-Opfer an ihn wandten. Martin Linder blieb ein Kirchenmann und unglaubwürdig, wie aus dem Kreis von Betroffenen zu vernehmen ist. In seinem ersten und einzigen Bericht gab er sich als Sprachrohr seines Brötchen-Gebers Generalvikar Fuchs her und vermied – wie erwähnt – das Wort „Domspatzen“ aufs Peinlichste, fast wie der vielzitierte Teufel das Weihwasser.

Die aufgezwungene Wende

Katholikentag 2014: Missbrauchte Domspatzen demonstrieren für Gerechtigkeit und Aufklärung. Foto: SWR/ Mona Botros

Katholikentag 2014: Missbrauchte Domspatzen demonstrieren für Gerechtigkeit und Aufklärung. Foto: SWR/ Mona Botros

Die Wende kaum von außen. Sie wurde dem bischöflichen Ordinariat durch die öffentliche Empörung aufgezwungen. Empörung darüber, dass ihm offenbar etwas fehlt: handlungsleitende Empathie für Betroffene, Einfühlen in und Anerkennen des Leids von Misshandelten und Missbrauchten.

Die Rede ist von der SWR-Dokumentation „Sünden an den Sängerknaben“ von Mona Botros, die es Anfang Januar 2015 einerseits schaffte, das Leid und die Folgen von vielförmiger Gewalt in den Einrichtungen der Domspatzen am Beispiel der Protagonisten Georg Auer, Udo Kaiser und Alexander Probst eindringlich darzustellen. Anderseits führte Botros gekonnt die formalisierte Kälte vor, die Unfähigkeit, ein institutionelles Versagen einzugestehen und Konsequenzen daraus zu ziehen – am Beispiel des sogenannten Missbrauchsbeauftragen, des Bistumssprechers und des John-Wayne-Verschnitts Geedo Paprotta.

Ein SMV-Brief als Tiefpunkt der Debatte

Der öffentliche Druck nach der Ausstrahlung der „Sünden an den Sängerknaben“ war so weitreichend, dass man das mühsam aufgebaute Konstrukt von längst vergangenen Alt- und Einzelfällen nicht mehr aufrecht erhalten konnte. Es kollabierte Schlag auf Schlag. Als erstes gewährte die Diözese dem Fall Georg Auer, den man zunächst ohne nähere Prüfung mit einem ablehnenden Serienbrief abgefertigt hatte, eine Neubewertung. Im nächsten Zug bedachte man auch die scheinbar bloß körperlich Misshandelten mit 2.500 Euro als Anerkennung für das erfahrene Leid. Als taktischer Befreiungsschlag gedacht, löste dies eine erste Welle von weiteren Meldungen aus.

Filmemacherin Mona Botros (hier mit Kameramann Andreas Kerle) hat die Einladung de Domspatzen-SMV angenommen. Die SMV antwortete nicht mehr. Foto: SWR/ Mona Botros

Filmemacherin Mona Botros (hier mit Kameramann Andreas Kerle) hat die Einladung de Domspatzen-SMV angenommen. Die SMV antwortete nicht mehr. Foto: SWR/ Mona Botros

Offenbar ohne die Aussagen und die Tragweite der Doku verstanden zu haben, meldeten sich erboste SMV-Domspatzenfunktionäre zu Wort und beschuldigten die Filmemacherin Botros, ein Zerrbild von den heutigen Einrichtungen der Domspatzen zu zeichnen. Die PR-wirksam hinausposaunte Einladung an Botros, sie möge die wahren Verhältnisse in Regensburg persönlich in Augenschein nehmen, lies man trotz erwiderten Interesse versanden. Die Einladung war vergiftet. Der damit verbundene Versuch, den Film und seine Macherin zu diffamieren, scheiterte. Ein Tiefpunkt in der Debatte, mitten aus dem Zentrum einer sich als gesellschaftliche Elite begreifenden Einrichtung. Offen bleibt die Frage, ob dieser Brief aus eigenem Antrieb oder auf Weisung verfasst wurde.

Die Verschleierer blieben im Amt

Erst als der Schaden und ebenso der Druck auf den jetzigen Schülern größer als je zuvor und die Aussicht auf Befriedung gleich Null war, ergriff der jetzige Bischof Rudolf Voderholzer seinerseits die Flucht nach vorne. Voderholzer entschuldigte sich in einer Ansprache zu seinem zweiten Weihejubiläum vom Januar 2015 für etwas, das er nicht getan hatte und nicht für das, was er tat: nämlich einer Aufklärung im Wege gestanden und die prominenten Vertuscher und Verschleierer im Amt gelassen zu haben: Generalvikar Fuchs und Pressesprecher Neck.

Neu, jedoch immer noch verkürzt, war damals, dass ein Bischof von einem Terrorsystem in Etterzhausen und Pielenhofen und zwei Tätern sprach und seinen eigenen Schmerz an den Vorgängen betonte. Verkürzt blieb er deshalb, weil Vorderholzer nicht von sexuellen und gewaltförmigen Übergriffen in den Einrichtungen in Regensburg zu sprechen wagte, die sogar bis in dieses Jahrtausend ragen. Damals war unklar, ob Vorderholzer nicht von den Regensburger Vorfällen wusste, oder ob er es sich nicht traute, das Fass „Übergriffe in Regensburg“ anzusprechen. Indes: Ein Ausweg aus der Misere oder gar eine 2010 angeblich beabsichtigte „Aufarbeitung“ war mit seiner Ansprache keinesfalls erreicht.

Befreiung muss von außen kommen

Da die internen Versuche und Strategien des bischöflichen Ordinariats zur Befriedung des Themas Misshandlung und Missbrauch der vorangegangen fünf Jahre desaströs endeten, musste die Befreiung von außen kommen. Mit Unterstützung des örtlichen Funktionärs des Weißen Rings präsentierte man im April 2015 mit Ulrich Weber einen „Opferanwalt“.

Ihm wolle man alle Unterlagen und notwendige Unterstützung zur Verfügung stellen und sichere ihm freies Arbeiten zu – erklärte Generalvikar Fuchs. In einem allein von Weber verfassten Abschlussbericht solle die bisherige Praxis bis heute bewertet und alle Übergriffe in allen Einrichtungen der „Domspatzen“ seit 1945 dokumentiert werden.

Rechtsanwalt Weber muss Nicht-Domspatzen abwimmeln 

TRANSPARENT, OFFEN, UNABHÄNGIG, so wirbt Weber um Vertrauen. Viele Betroffene nahmen dies zum Anlass, sich erstmals zu melden und hauptsächlich dadurch entstand ein deutlicheres Bild als durch alle bislang bekannten Akten und taktisch motivierten Verlautbarungen zusammen.

Dass Voderholzer aber all jene, die nicht in den Einrichtungen der „Domspatzen“ Opfer von körperverletztenden Misshandlungen und sexuellem Missbrauch wurden, sondern in anderen kirchlichen Stellen seines Bistums, von diesem Auftrag an Weber ausnahm, bleibt ein unverzeihlicher und kaum problematisierter Schachzug. Dieses Brüskieren und menschenverachtende Ignorieren der Nicht-Domspatzen-Opfer führt dazu, dass Betroffene, die sich anlässlich der aufgebrochenen Verkrustungen endlich trauen, an eine externe Stelle zu wenden, von Rechtsanwalt Weber abgewimmelt und an die immer schon überforderten und kaum vertrauenswürdigen Stellen des Bistum verwiesen werden müssen.

Willkürlich und befremdlich wirkt auch die Begrenzung von Webers Auftrag auf die Zeit nach 1945. Nicht zuletzt, weil im Ordinariat durch die Meldung von Betroffenen nach 2010 bekannt ist, dass auch vor 1945 sexuelle Übergriffe und schwere Körperverletzungen bei den „Domspatzen“ an der Tagesordnung waren.

Einer der seriellen Massen-Missbrauchstäter, der seit 1953 in Regensburg als erster Präfekt und Religionslehrer tätige Friedrich Zeitler, gestand in seinem Strafprozess von 1959, in dem er zu drei Jahren Haft verurteilt wurde, sexuelle Übergriffe ebenso für das Ende der 1930er Jahre. Bereits 1939 wirkte der Theologiestudent Zeitler nämlich als Aushilfe in der Dompräbende in der Orleanstraße 2a.

Wahre Dimension ist noch nicht absehbar

Ulrich Weber: "Ich habe keinen Grund, an den Schilderungen der Betroffenen zu zweifeln." Foto: Werner

Ulrich Weber: „Ich habe keinen Grund, an den Schilderungen der Betroffenen zu zweifeln.“ Foto: Werner

Mit dem ersten Zwischenbericht von Rechtsanwalt Weber vom 8. Januar dieses Jahres kam eine ungeahnte Dynamik in die Angelegenheit. Weber geht davon aus, dass bis zu 700 Schüler körperverletzende und strafrechtlich relevante Gewalttätigkeiten erleiden mussten, die meisten unter dem Vorschuldirektor Johann Meier in Etterzhausen/ Pielenhofen. Geht es um sexuelle Gewalt, überragen die Regensburger Vorfälle die in der Vorschule um mehr als das Vierfache. Laut Weber haben sich 50 von sexueller Gewalt Betroffene ehemalige Schüler bei ihm gemeldet und zehn der Regensburger Domspatzenkräfte beschuldigt.

Die meisten Übergriffe haben demnach bis Ende der 1970er stattgefunden, einige allerdings auch in den 1990ern und in den Nullerjahren dieses Jahrtausends. Allein aus diesen Zahlen wird deutlich, dass es vor allem die mangelnde Glaubwürdigkeit und die Unprofessionalität des Ordinariats waren, die einer Meldung von Betroffenen im Wege standen. Da die Berichte anhalten und laut Weber eine hohe Dunkelziffer anzunehmen ist, ist die wahre Dimension des übergriffigen Systems immer noch nicht absehbar.

Wie schon vor einem Jahr benutzte Vorderholzer nun seine diesjährige Ansprache zu seinem (drittem) Weihejubiläum, um sich vor kurzem bei Gewalt- und Missbrauchsopfern bei den „Domspatzen“ zu entschuldigen und seine Last aus dem von Gerhard Ludwig Müller übernommenen Erbe herauszustellen. Absatzweise zitiert er wortgleich aus dem alten Manuskript des Vorjahres, um seinen Seelenschmerz zu betonen. Bei dieser Gelegenheit ging der Bischof wiederum nicht auf die 50 Missbrauchsopfer und zehn Täter der Regenburger Einrichtungen ein. Über ein „doch zahlreicher“ und „schwerer“ kam Bischof Voderholzers Betroffenheit nicht hinaus.

Voderholzer braucht die Betroffenen

So als ob er alles von langer Hand geplant hätte, so als ob es ihm nicht durch den öffentlichen Druck und die öffentliche Empörung aufgezwungen worden wäre, sprach der Bischof als nächsten Schritt von der „Konstituierung eines Kuratoriums“. Ganz bewusst seien „hier Vertreter der Betroffenen mit eingebunden, um mit ihnen das weitere Vorgehen auf breiter Basis zu diskutieren und mit ihnen weiter den Weg einer konsequenten Aufklärung gehen zu können.“ Man kann dies auch so lesen: Voderholzer braucht die Vertreter der Betroffenen. Er braucht so etwas wie die Zustimmung von Gewaltopfern und die Einigung von Ettal.

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In seiner Ansprache wiederholte der Bischof auch seine augenfällige Geste der Gleichgültigkeit gegenüber allen Nicht-Domspatzen und sein unerträgliches System von Opfern erster und zweiter Klasse. Oder anders gesagt: Nur für einen verprügelten oder vergewaltigten „Domspatzen“ zeigt der Bischof eine Betroffenheitsgeste und lässt er womöglich eine Zahlung zur Anerkennung des Leids leisten.

Wer kein Domspatz ist, hat Pech

Für geschundene Schüler eines bischöflichen Knabenseminars, für eine missbrauchte Behinderte einer diözesanen Einrichtung oder für misshandelte Schüler eines kirchlichen Kinderheims scheint er sich nicht zu interessierten. Hier wird kein Rechtsanwalt beauftragt, keine Ansprache gehalten. Das Vertuschen, Verschweigen und Versetzen in allein drei öffentlich bekannten Fällen übergriffiger Priester in den 2000er Jahren ist kein Anlass, dieses System genauer zu untersuchen.

Dieser doppelte Standard erscheint heuchlerisch und deutet darauf hin, dass es Voderholzer vor allem um den Schutz der Institution „Domspatzen“ geht. So gesehen ist es auch nicht verwunderlich, dass er seine Rede zum Weihetag nutzt, um bei eventuell besorgten und zögerlichen Eltern Werbung für die Internate und Schulen der „Domspatzen“ zu betreiben. Diese stünden „heute für eine Pädagogik der Freiheit“ und wären vergleichbar mit andern Eliteschulen, etwa einem Schi-Gymnasium. So wirbt Voderholzer für seine existentiell bedrohten Domschulen. Und suhlt sich weiter im institutionellen Narzissmus, der andere Betroffene ausblenden muss.

Anders ausgedrückt misst das Bistum Betroffene mit zweierlei Maß. Zugespitzt formuliert lautet die Botschaft: Wer Opfer ist und wer nicht, bestimmen immer noch wir. Ebenso die Höhe der Zahlung für das erlittene Leid. Der Umgang mit den Betroffenen bei den Domspatzen durch die offiziellen Stellen des Bistums in den letzten Jahren hat eindrucksvoll bewiesen, dass auch an anderen Stellen eine unabhängige Aufklärung durchgeführt werden muss. 

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Kommentare (47)

  • Angelika Oetken

    |

    Wenn innerhalb von Institutionen über Jahrzehnte systematisch Kinder und Jugendliche multimodal misshandelt werden, wozu ich auch sexuellen Missbrauch zähle, dann ist grundsätzlich etwas faul. Und weder mit dem „Zeitgeist“ noch mit „Überforderung“ zu erklären. Denn es gab in den Zeiträumen über die berichtet wird auch Einrichtungen, in denen keine oder nur vereinzelt Übergriffe passierten und man sich um die Zöglinge kümmerte.

    Wer das vertuschen will, muss sich viel Mühe geben. Und wird zu Mitteln greifen müssen, die als unsauber gelten. Die Bewohner der Region Regensburg haben sich allerdings in der Vergangenheit auch nicht wirklich täuschen lassen. Dazu gibt es auch zu viele Zeugen. Wenn sich jetzt möglichst viele Menschen, ob Opfer, Mitbetroffene oder Mitwisser öffentlich zu Wort melden, täte das der Aufklärung systematisch betriebenen Unrechts gut.

    Eine Möglichkeit ist, sich beim Hilfetelefon des Unabhängigen Beauftragten für Fragen des Sexuellen Kindesmissbrauchs zu melden. Das geht auch anonym https://beauftragter-missbrauch.de/hilfe/hilfetelefon/ Dort können alle Interessierten, ob direkt betroffen oder nicht, schildern, was sie wissen. Der UBSKM hat vor Kurzem seine Unabhängige Aufarbeitungskommission berufen https://beauftragter-missbrauch.de/aufarbeitung/aufarbeitung-in-deutschland/ Sie soll sich auch um Fälle institutionellen Missbrauchs kümmern. Ist also auch für die Domspatzeneinrichtungen und das Bistum zuständig.

    Wird jemand von der verantwortlichen Institution mit der Aufarbeitung beauftragt, dann zeigt sich dessen Grad an Unabhängigkeit an bestimmten Merkmalen. Dazu gehört, ob der Auftrag klar umrissen und veröffentlicht wurde, inwieweit Interessenkonflikte dargelegt werden konnten und wie die Datenschutzerklärungen aussehen. Im Falle des Sonderermittlers Weber hapert es da. Also Vorsicht. In der Vergangenheit haben gerade die Einrichtungen der beiden großen christlichen Kirchen in Bezug auf ihre Missbrauchskriminalität vor Allem auf PR-Maßnahmen gesetzt. Die mögen deren Image aufpoliert haben. Der Ruf der EKD und der RKK wurde dagegen aus gutem Grund immer schlechter.

  • Mathilde Vietze

    |

    Ganz egal, ob es den „hohen Herren“ paßt oder nicht: Es muß immer wieder
    betont werden, daß Offenheit und Aufklärung zum Wohle der Kirche ist.
    Denn nur durch die restlose Aufklärung kann das angekratzte Vertrauen in
    die Kirche wieder zum Besseren gewandelt werden.
    Ich kapiere nicht, warum der Bischof und seine Gefährten das nicht genauso
    sehen. Wollen die denn nicht auch der Kirche Bestes?

  • Wallner Fritz

    |

    Diejenigen, die den heutigen Domspatzen – nach den Tätern vor Jahrzehnten – am meisten Schaden zugefügt haben sind der ehemalige Bischof und heutige Kardinal Müller und sein Generalvikar Michael Fuchs. Deren Taktik der Verzögerung, Verniedlichung, Ver… war von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Hätte man in Regensburg nur annähernd so konsequent wie in anderen Diözesen dieses Thema angepackt und gelöst, dann wären die Domspatzen längst aus den Schlagzeilen. Wenn man allerdings – wie Müller und Fuchs – meint, man habe alles zu jeder Zeit in der Hand, dann kann nur ein solches Desaster herauskommen. Der eine hat sich nach Rom verzogen, der andere gibt sich als Unschuldslamm. Zu seiner Verantwortung zu stehen sieht anders aus. Ganz anders!

  • Angelika Oetken

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    „Hätte man in Regensburg nur annähernd so konsequent wie in anderen Diözesen dieses Thema angepackt und gelöst, dann wären die Domspatzen längst aus den Schlagzeilen.“

    @Fritz Wallner,

    sicherlich hat man von Seiten der Leitung des Bistums Regensburg viele Fehler gemacht was die Öffentlichkeitsarbeit angeht. Auch im Umgang mit Opfern, Mitwissern und Mittätern scheint es, wenn man mal die Perspektive der Diözese einnimmt, nicht immer gut gelaufen zu sein. Möglicherweise ist den Verantwortlichen zwischendurch das Geld ausgegangen oder ihre Netzwerke wurden geschwächt. Schließlich ist es bis vor einigen Jahren ja auch immer gelungen, Geschädigte und Zeugen ruhig bzw. kalt zu stellen und Medien und Behörden abzuwimmeln. Aber die Zeiten ändern sich: immerhin gab es im Vatikan ja einen Machtwechsel und die bayerische Politlandschaft ist auch nicht mehr die, welche sie mal war.

    Was die gesamtgesellschaftlichen Interessen angeht, ist das Vorgehen der Bistumsverantwortlichen allerdings geradezu göttlich. Veranschaulicht es doch, dass Aufklärung und Aufarbeitung, die von den Institutionen selbst ausgeht, enge Grenzen hat. Ohne vom Staat eingesetzte, unabhängige, multiprofessionelle Kommissionen geht es nicht. Dafür ist die Kriminalität zu komplex und es sind zu viele Menschen und Stellen involviert.

    Das Bistum Regensburg bzw. die Domspatzeneinrichtungen sind ein Fall für die Unabhängige Aufarbeitungskommission, die von unserem Bundestag beschlossen und vom UBSKM vor Kurzem eingesetzt wurde. Schade, dass die UAK noch keinen gesetzlichen Durchgriff hat. In Regensburg gäbe es viel für sie zu tun.

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • MiReg

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    @Wallner Fritz

    Wenn ich Ihr Posting hier sehe, dann darf ich aber doch vermuten, dass Sie dem jetzigen Bischof Voderholzer redlichen Willen zur Aufarbeitung der Missbrauchsvergangenheit nicht absprechen?

  • Lothgaßler

    |

    @MiReg: Seit wann gehts hier um „redlichen Willen“? Bei dieser Wortwahl unterstelle ich Distanz, Selbstzufriedenheit und Selbstmitleid. Hauptsache die Kirchenvertreter haben „redlichen Willen“ gezeigt? In einem Arbeitszeugnis wäre die Wortwahl „redlicher Wille“ doch eher eine Warnung. „Redlicher Wille“ reicht nicht, Taten müssen endlich her!

    Während die Mehrzahl der Opfer resignierte, standen einige wenige auf und traten mutig in die Öffentlichkeit. Ein anderer Weg blieb ihnen nicht mehr. Der „redliche Wille“ musste durch diese Öffentlichkeit erzwungen werden. Was treibt die Kirche hier eigentlich: Strafvereitelung, Schutz der Täter, Mitttäter und Mitwisser, psychische Gewalt gegen sich meldende Opfer, Geschichtsklitterung?
    Das Image der heutigen Domspatzen leidet nicht wegen der sich meldenen Opfer, sondern wegen der weitgehenden Straffreiheit der Täter. Solange ihre Untaten nicht gesühnt sind, solange stehen die Domspatzen als Institution im Feuer. Unabhängig davon sind die Domspatzen eine Bildungsstätte unter vielen. Wenn die Domspatzen mangels Nachfrage in Existenznot geraten, dann wohl auch, weil das Vertrauen in diese Institution bzw. in seine Träger stark schwindet.
    Die Zweiklassenbehandlung der Gewaltopfer ist eine direkte Folge der zugemessenen Wertigkeit: Die erste Klasse für die Domspatzen und die Holzbank den Ministranten u.a. Es ist eine Schande, und diese gehört eigentlich als Aushang an die Kirchentüren genagelt.

  • Angelika Oetken

    |

    Die erste Klasse für die Domspatzen und die Holzbank den Ministranten u.a.

    @Lothgaßler,

    kann man ermitteln, welche geeigneten Tatorte (Institutionen, Vereine usw.) es neben den Domspatzeneinrichtungen für Täterpriester und anderes übergriffiges Kirchenpersonal im Bistum Regensburg in den vergangenen Jahrzehnten bis heute gab?

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Ralf Bart

    |

    Es gibt sicher eine Möglichkeit es zu beenden:
    Trennung von Staat und Kirche!
    Aufheben des Vertrages von 1803 ohne Ausgleichszahlung!
    Aufheben der Kirchensteuer
    Die Kirchen steuerlich veranlagen
    Durchsetzen von Strafverfahren, wenn Kirchengerichte oder Personen aktiv Ermittlungen der Justiz behindern

  • Ralf Bart

    |

    In dieser Welt ist fast alles wissenschaftlich belegt, nur eben die fiktive Person nicht, die die Kirchen angeblich hier auf Erden vertreten.
    Alle bisherigen „Beweise“ stellten sich als Fälschungen heraus, doch der „Gläubige“ glaubt weiter ^^
    „Um zu einer Herde zu gehören, müssen sie in erster Linie ein Schaf sein“
    Sie brauchen nur ein „Leitschaf“ und schon folgen alle nicht selbstdenkenden Schafe der Herde.
    Dieses ist 1:1 auf den Menschen übertragbar!

    Wann wollt ihr eigentlich mal aufwachen und das Spektakel beenden?

    Die Herren begehen öffentlich Straftaten und ihr unterstützt diese weiter?
    Ich bin mir sicher, wenn die Staatsanwaltschaften mal die Geheimarchive der Bischöfe sichten, dass jedemenge Strafverfahren eingeleitet werden können.
    Aber: Eine Krähe hakt der anderen kein Auge aus. gelle ;)

  • CeterumCenseo

    |

    @MiReg

    Waaaassss? Sie wollen bei diesem derzeitigen Bischof ein „redliches Bemühen um Aufklärung“ erkennen können?
    Gehts noch?
    Voderholzer ist ein „Geschöpf“ Joseph Ratzingers, ohne den wäre er da oben von Trier nie wieder runtergekommen.
    Er mußte aber runter, um Ratzingers Schriften zu sammeln und zu sortieren, und …
    weil Müller in Rom zur Rückendeckung gebraucht wurde, Georg R. den Rücken zu stützen.
    Was G.R. wußte und noch immer nicht erinnern will, wußte auch J.R. bevor er Kardinal von Mü.-Fr., Kurienkardinal und Papst wurde.
    Hätte G.R. vor 50 Jahren aufgeklärt, wäre sein Bruder nie Papst geworden. Der Vatikan hätte Regensburg links liegen lassen.

    >>> Die schweigen alle, bis denen staatlich zwangsweise die Beichte abgenommen wird.
    Deshalb alles Fragwürdige der Diözese R. und der Kath. Kirche ins Netz und öffentlich. Dann diesen Haufen und deren Vertreter raus aus allen staatlichen Gremien, Behörden usf..
    Noch ist Zeit, bevor sich die Kath. Kirche wieder einmal als Retterin des Abendlandes aufspielt und damit andere Glaubensrichtungen zum Feindobjekt macht. Siehe charismatismus.wordpress.com oder kath.net. Was da läuft ist keinem Offiziellen der Kath. Kirche eine kritische Anmerkung gegenüber den blöckenden Schafen wert. Es wird dort aber diskriminierend und mittelalterlobend gebloggt.

  • Angelika Oetken

    |

    „Hätte G.R. vor 50 Jahren aufgeklärt, wäre sein Bruder nie Papst geworden. Der Vatikan hätte Regensburg links liegen lassen.“

    @CeterumCenseo,

    Joseph Ratzinger war genau der richtige Mann für den Job.

    Siehe Kommentar Nr 142 „Erkennbare Muster in der Fam. Ratzinger“
    http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/inhalt/regensburger-domspatzen-missbrauch-zwischenstand-100.html

    Wenn wir berücksichtigen, dass es sich bei Klerikern um Männer handelt, die „Liebe“ abstrahieren, weil sie selbst nie echte erfahren haben, können wir uns auch gut vorstellen, warum sie in der größten semipolitischen Organisation der Welt so sein müssen, wie wir sie erleben.

    So wie es aussieht hatten die Domspatzeneinrichtungen zwei Funktionen:

    a) Frischfleischlieferstation für alternde Männer
    b) Kaderschmiede für einen ganz speziellen Klüngel

    Warum sollte irgendeiner der Verantwortlichen Interesse an echter Aufklärung haben? Gegen das, was da herauskäme, könnte auch der PR-Stab von Papst Franziskus nichts mehr bewirken.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    P.S. Regensburg gilt ja nicht umsonst als das reichste Bistum der Welt. Geld, das der Vatikan brauchte, um Menschen und damit Staaten, die nicht mehr dran glauben müssen heimzuholen. Wer verwaltet denn aktuell die Kohle? Auf den Konten der Katholischen Kirche wird sie nicht liegen. In solchen Situationen braucht eine Organisation ziemlich loyale Gefolgsleute oder? Kann es sein, dass da der eine oder die andere den Machtverlust des Bistum für eigene Zwecke (Bereicherung) nutzt? Darum die derzeitige Aufregung und dieses ganze Theater?

  • Angelika Oetken

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    http://www.mittelbayerische.de/bayern-nachrichten/es-liegt-am-system-und-nicht-an-einzeltaetern-21705-art531786.html

    Bezeichnend: was Manfred van Hove im März 2010, vor knapp sechs Jahren und ganz am Anfang in bemerkenswerter Klarsicht und Ehrlichkeit konstatiert gilt IMMER NOCH. Die Funktionäre der Institution Katholische Kirche nutzen die Verunsicherung der Menschen und ihre Hoffnungen darauf, dass alles GUT werde aus. Wie schamlos, zeigt sich anhand jedes neuen Details, das offenbar wird.

    Die Kirche hatte es über einen sehr langen Zeitraum leicht ihre Interessen gegenüber Politik und Bevölkerung durchzusetzen. Sie ist es nicht gewöhnt, sich auf ein und derselben Machtebene zu messen. Die weitgehende Säkularisierung der Gesellschaft muss für die Menschen, die von dieser Organisation abhängig sind bzw. von ihr profitieren eine Bedrohung darstellen. In so einer Situation steht man vor der Entscheidung, sich zu distanzieren, interne Konflikte zu führen oder zu vertuschen und zu täuschen.

  • MiReg

    |

    @Lothgaßler
    und
    @CeterumCenseo

    Es ist Ihnen wohl entgangen, dass ich hier nichts behauptet habe, sondern den Poster „Wallner Fritz“ (und nicht den Rest der Welt) vermutend danach gefragt habe, ob er dem jetzigen Bischof Voderholzer redlichen Willen zur Aufarbeitung der Missbrauchsvergangenheit nicht absprechen würde.

    Aus meiner Frage eine Unterstellung zu meiner eigenen Meinung formen zu wollen, ist töricht und falsch in zweierlei Hinsicht: Ich wollte nur die Auffassung von „Wallner Fritz“ dazu lesen dürfen und ich unterstelle dem amtierenden Bischof eben nicht selbstredend und naiv den „redlichen Willen“. Aber auch nicht das Gegenteil. Redlichen Willen und redliches Handeln muss er durch Taten und Ergebnisse beweisen.

    Es wäre schön, vor dem Posten die Folge „Lesen-Denken-Schreiben“ zumindest zu versuchen.

    Auf die Antwort von „Wallner Fritz“ wäre ich aber immer noch gespannt.

  • menschenskind

    |

    Ralf Bart sagt:
    „Es gibt sicher eine Möglichkeit es zu beenden:
    Trennung von Staat und Kirche!
    Aufheben des Vertrages von 1803 ohne Ausgleichszahlung!…“

    Sämtliche bayerischen Herrscher, bis weit zurück, haben sich um ein auskömmliches Verhältnis mit der kath. Kirche bemüht. Dies gilt für unsern Bayernkini, Ludwig II., ebenso wie für Hitler oder die CSU. Sie werden schon gewusst haben warum.

    Die Kirche war für die weltlichen Herrscher der Garant dafür, dass das Volk ruhig blieb und nicht aufmuckte. Juckten das Kirchenvolk etwa brennende Fragen, spürte es empfindlich soziale Ungerechtigkeiten, wollte es nicht in einen unpopulären Krieg ziehen, oder was auch immer. Die braven (staatstreuen) Padres und Hochwürden standen allzeit bereit, die Welt zu erklären und zu begründen, dass das doch alles „Gottes Werk“ sei, wer oben und wer unten zu sein habe, wer anschaffe und wer zu gehorchen habe, ferner dass der kleine Bürger kein Recht habe dieses System in Frage zu stellen, welches doch „Gottes Wille“ sei, und den müsse man eben anerkennen.

    Die wenigen, die entgegen dieser spirituellen Beruhigungspillen wagten aufzubegehren, galten sogleich auch als Kirchenfeinde (den sie bedrohten ja das wunderschöne und liebgewonnene System) und wurden umgehend von den Pfaffen höchstpersönlich an die weltliche Obrigkeit verpfiffen. „Gottes eigene“ Weltordnung durfte nicht in Frage gestellt werden.
    Auch nicht die weltlichen Hierarchien der Gesellschaft: König/Führer/CSU, Adel/Geldeliten, Klerus, Beamte, Handel und Gewerbe, Handwerker/Bürgertum, Bauern, Arbeiter, Knechte und Mägde (Leibeigene)/Gastarbeiter/Arbeitsmigranten…

    Besonders scheußlich muten uns heute die Kriegspredigten der Feldgeistlichen und der Oberkleriker aus der Zeit des Ersten und des Zweiten Weltkrieges an (z.B. die Predigten des späteren Bayernkardinals Michael von Faulhaber!). „Für Gott, den König und das Vaterland!“, „Für Gott und den Führer“ hießen die Losungen aus den Mündern derer, die eigentlich, dazu da waren die Zehn Gebote zu verkünden und deren Einhaltung zu kontrollieren. Die Rüstungsbarone aller Zeiten zählten ganz entsprechend stets zu den größten Spendern für kirchliche Belange. Eine Hand wäscht die andere.

    Ja, und die weltlichen Herrscher, die grummelten immer wieder über ‚ihre‘ Kirche, wenn die sich Extrarechte ausbedung, Hitler ebenso wie Ludwig II., oder die CSU heute, und doch waren sie froh, dass sie sie in ihren Diensten stehen hatten, dass sie sich auf ihre Kirche stützen konnten.
    Nur der kleine Bürger, der auf dem Schlachtfeld verblutete, der sich im Job eine frühe Invalidität holte, der sein Leben lang ranklotzte, um arm zu sterben, der war in diesem Spiel der Depp. Der von der Kirche ruhig gestellte Depp.

    Die CSU hält ebenso wie ihre (undemokratischen) Vorgänger an diesem System fest und schützt es. So ist z.B. von einer CSU-Initiative zugunsten der Missbrauchsopfer noch nichts bekannt geworden, ebenso von irgend einer anderen Initiative, die das Ansehen oder den Stand der Kirche ernsthaft hätte bedrohen können. Warum wohl?

    Nein so schnell wird sich da nichts ändern, ned bei uns Bayern.

    Übrigens auch Bayernkardinal Marx, ein strammer Festhaltenwoller am gewohnten Staatskirchen-System, hat an die besondere Bindung von Staat und Kirche erinnert, hier die entsprechende Wiki-Passage:
    „In einer Rede am 13. Oktober 2009 vor dem Bayerischen Landtag in München vertrat er den Standpunkt, dass die Religionsausübung keine Privatsache sei. Die Ausübung der Religion sei eine öffentliche Angelegenheit, weil Religion zu den Grundlagen von Staat und Gesellschaft beitrüge.“ https://de.wikipedia.org/wiki/Reinhard_Marx#Beziehung_von_Kirche_und_Staat

  • menschenskind

    |

    Gehört auch hierhinein:

    Wann hockt sich endlich einer von Euch Oberpfälzern hin und durchpflügt kritisch und gnadenlos offen die Biografie von Bischof Buchberger?

    Ich tät’s ja selber, wenn ich nicht so weit ab vom Schuss wär‘ und über ganz andere Schweinereien (!) schreiben müsst‘.

    Buchberger, sittlich-menschlicher Versager (Causa Prediger Johann Maier!), Antisemit und, mit hoher Sicherheit, pädophiler Sittenstrolch (vertraute mir jedenfalls vor dem Jahr 2000 mündlich ein inzwischen verstorbener alter Exil-Regensburger an).
    Schluss mit dem falschen Gedenkkult um diesen Unehrenmann!
    Gerechtigkeit all jenen, denen er Leid angetan hat, durch restlose Aufklärung!
    https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Buchberger
    https://en.wikipedia.org/wiki/Michael_Buchberger

    PS: Geht das nur mir so? Immer, wenn ich Buchbergers Porträt längere Zeit anschaue, komme ich nicht umhin, eine laszive Wolllüstigkeit in seinen Zügen auszumachen.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Michael_Buchberger#/media/File:Michael_Buchberger_Bischof.jpg

  • Andreas Hirsch

    |

    @Angelika Oetken: Kommt im Artikel evtl. nicht so deutlich raus: Die Sänger des Vorchores haben nur den Gottestdienst des Kindergartens mitgestaltet. Die Kinder besuchen die neue Grundschule der Domspatzen in Regensburg.

  • Nemo Udeis

    |

    @AO: Langsam wirds peinlich. Die Domspatzen haben überraschenderweise einen Vorchor. – Was ist die nächste banale „Enthüllung“?
    Es ist doch nur noch nervig, was Sie an Halbwissen in allen möglichen Kommentarfunktionen verschiedenster Seiten ablassen.

  • Angelika Oetken

    |

    „Die Sänger des Vorchores haben nur den Gottestdienst des Kindergartens mitgestaltet. Die Kinder besuchen die neue Grundschule der Domspatzen in Regensburg.“

    @Andreas Hirsch,

    wie eng ist denn die Kooperation zwischen den Mallersdorfer Schwestern, immerhin einem größeren regionalen sozialen Träger und den Domspatzen?
    http://www.mallersdorfer-schwestern.de/unsere-einsatzorte/deutschland/einsatzorte.html

    Auch so etwas, die Synergien, muss Teil einer ernst gemeinten Aufklärung von institutioneller Missbrauchskriminalität sein. Als Voraussetzung von Aufarbeitung, Genugtuung und Prävention.

    MfG,
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Lothgaßler

    |

    @MiReg:
    Soso, aber egal, ich will Sie nicht trollen!
    Mich hätte schon interessiert, was Sie wirklich denken und was Sie bewegt. Ihr Fazit ist meinem ja sehr nahe: redlicher Wille hin oder her, Taten müssen folgen.

  • Angelika Oetken

    |

    @Coffin Corner,

    die Mallersdorfer Schwestern sind straff involviert und nicht umsonst dem Bistum und den Domspatzen eng verbunden
    http://www.pnp.de/region_und_lokal/landkreis_altoetting/altoetting/328353_Wir-haben-nichts-zu-verbergen.html

    Hier kommen deren Opfer zu Wort
    http://netzwerkb.org/2010/05/03/die-holle-von-st-philomena/
    (siehe Kommentar von Sarah M. am 05.05.2010)

    http://netzwerkb.org/2010/05/02/mein-leben-ist-immer-wieder-ein-desaster/

    http://netzwerkb.org/2010/12/11/wer-war-im-waisenhauskinderheim-straubing/

    Auch der Umgang mit Unrecht, vor Allem wenn staatliche Stellen darauf aufmerksam werden, hat bei den Armen Franziskanerinnen eine lange Tradition

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21977936.html
    („Schwestern lügen nie“)

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • Coffin Corner

    |

    Ja, es ist unerträglich, was sich dieser Klerus im 21. Jahrhundert noch immer erlaubt und in den 20 Jahrhunderten davor permanent erlaubt hat.

  • Angelika Oetken

    |

    @Coffin Corner,

    ehrlich gesagt wundere ich mich immer mehr darüber, mit was die verantwortlichen Kleriker versuchen, Außenstehende zu verhohnepiepeln…. Das alles ist für mein Dafürhalten so leicht zu durchschauen… Kann mir das nur so erklären, dass man es ihnen in der Vergangenheit über sehr lange Zeiträume zu leicht gemacht hat. Sie setzen darauf, dass die Öffentlichkeit ihnen glaubt und vertraut. Dabei sind sogar viele ihrer eigenen Mitbrüder nicht mehr loyal. Bei etlichen Whistleblowern aus den Reihen der Kirchenangehörigen handelt es sich um Priester. Sie sind nicht per sè „Verräter“, die leichtfertig Interna auspacken. Im Gegenteil, häufig sind es besonders verantwortungs- und pflichtbewusste Männer, die lange mit ihrem Gewissen ringen, bis sie sich nach außerhalb wenden. Und gerade das ist es, was Allen, denen der Schutz von Kindern und die Rechte erwachsener Betroffener am Herzen liegen, zu denken geben sollte. Wenn sich die Integersten unter den Priestern an Außenstehende wenden müssen, um Kinder zu schützen und für Gerechtigkeit zu sorgen, wie sieht es dann wohl im Innersten der Kirche in Wirklichkeit aus? Jenseits sentimentaler Kolportagen, warmer Worte und routinierter Inszenierungen? Wovon erfährt die Öffentlichkeit gar nicht erst?!?!

    Dazu Peter Saunders, immer-noch-Mitglied der päpstlichen Kinderschutzkommission (Übersetzung aus dem Englischen von mir):

    „eine der beunruhigendsten Angelegenheiten, mit der sich die Kommission diese Woche beschäftigt hat war ein Bericht darüber, wie zwei Priester aus Italien vor Kurzem entdeckten, dass einer ihrer Kollegen Kinder missbraucht. Die Priester hatten den Mut zu tun was sie tun sollten und gingen zu ihrem Bischof, um dieses Verbrechen zu melden. Der Bischof wies sie an, Stillschweigen zu bewahren. Das ist etwas, das mir das Herz zerreißt, wenn ein Bischof seinen Priestern sagt, sie sollen schweigen und bedauerlicherweise geschieht das auf der ganzen Welt. Diese tapferen Priester gingen zur Polizei, die Reaktion der Polizei war, was hat Ihr Bischof dazu gesagt?“
    http://www.bishop-accountability.org/news5/2016_02_06_Saunders_Statement.htm

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • CeterumCenseo

    |

    @MiReg:

    Cool down, so war das wirklich nicht gemeint. Habe eher selbst Zweifel ob da alles so richtig abläuft und WsK Interesse hat etwas geklärt zu wissen.
    Schliesslich dürften eiinige dieser Damen und Herren weit vor 2010 zumindest vermutet habe, was in dieser Diözese schief läuft.

  • CeterumCenseo

    |

    @menschenskind:

    Schreiben Sie es doch gleich richtig:

    Mit Reinhard Mey: „Halt Du sie dumm, ich halt sie arm!“
    Mit Karl Marx (wenn ich richtig erinnere): Religion ist Opium für das Volk.
    Allgemeingeschichtlich: „Zwei-Schwerter-Lehre 2.0“.

  • Coffin Corner

    |

    @RB
    Hat Herr Neck noch nicht angekündigt, gegen die Aufführung des Prinzchens klagen zu wollen, so wie gegen das Buch von Herrn Heibel?
    Er wird doch nicht im Urlaub sein ?

  • Angelika Oetken

    |

    @Coffin Corner,

    ich habe mir das Stück angesehen und wüsste nicht, wo Herr Neck da mit einer Klage ansetzen wollte. Er würde höchstens riskieren, damit Zusammenhänge zu offenbaren, die die meisten der Verantwortlichen wohl weder offen diskutiert wissen, noch einem staatlichen Gericht vorlegen möchten. Aber das Bistum und sein Netzwerk beherbergt ja einige Anwälte. Vielleicht fällt denen was dazu ein. Wir dürfen gespannt sein.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

  • menschenskind

    |

    @CeterumCenseo
    Nicht alle verstehen die indirekten, die umschreibenden, die ‚kryptischen‘ Worte. Bisweilen muss man Klartext reden.
    (Ceterum censeo, ist Lateinisch und heißt auf Deutsch: „Im übrigen bin ich der Ansicht…“)

  • Ralf Bart

    |

    Die Tendenz geht wohl zum weiteren ausharren^^
    Der „Pöbel“ wird schon irgendwann Ruhe geben.

    Na, macht es nicht langsam klick?
    Wenn sie wohl noch immer nicht bereit sind sich der Angelegenheit zu stellen, muss man sie wohl noch mehr in die Öffentlichkeit ziehen und den Druck erhöhen.
    Demonstrationen und Aufklärung der Öffentlichkeit bewirkt hier bei den Kuttenträgern wahre Wunder.
    Stumme werden wieder sprechen können, Lügner werden wieder die Wahrheit sagen und man legt in Demut seine Ämter nieder.

  • Magno Meyer

    |

    Für Einem der selbst betroffen ist tut es weh. Schlimm ist wie mit den Traumatisierten in unserem Land umgegangen wird. So möchte ich auf das ZBFS in Regensburg hinweisen sowie weitere Verfolgungen durch den Staat. Dunkle wüste Zeiten scheinen wieder ihr Comeback zu feiern. https://diekircheundderpfaff.wordpress.com/

  • Angelika Oetken

    |

    Ausführlicher, guter Artikel https://www.regensburger-nachrichten.de/news/81268-die-aufklaerung-der-missbrauchsfaelle-bei-den-regensburger-domspatzen-laeuft

    „Außerdem stellt sich die Frage, ob den Schülern Drogen und KO-Tropfen verabreicht wurden. Karsten G. erzählt außerdem von einer Behandlung, bei der er sich ohne Kleidung auf einen Stuhl stellen musste, ein Präfekt habe ihn überall untersucht. Zum Abschluss habe er eine Medizin bekommen, ab diesem Zeitpunkt weiß er nichts mehr. „Es gab Situationen, da wollte man einfach nur noch tot sein.“

    Sexuelle Gewalt unter Verabreichung von Betäubungsmitteln: ein Klassiker, hat bei TäterInnen eine lange Tradition http://www.anwalt.de/rechtstipps/ko-tropfen-und-sexueller-missbrauch-widerstandsunfaehiger-personen-stgb_054933.html

  • Angelika Oetken

    |

    „In der vergangenen Woche gab es den ersten Präzedenzfall. Vierzig betagte Missbrauchs-Priester aus dem Bistum Regensburg („Domspatzenschänder“) und Hunderte andere aus dem ganzen Land wurden über Nacht in den Vatikan abgeschoben. Dazu wurden im Petersdom Notlager aufgestellt. „Die Päpstliche Nuntiatur hat vorbildlich kooperiert“, heißt es im Innenministerium. Andere Länder wollen folgen, um die kindsterroristische katholische Subkultur zu bekämpfen. „Wir gelten schon als Vorbild“, sagt Schwall stolz.“

    Die taz nimmt schon mal den Ernstfall vorweg http://www.taz.de/Die-Wahrheit/!5270451/

  • RB

    |

    @ A.O.
    Diese Institution Regensburger Domspatzen gehört von Grund auf gesäubert!
    Der heutige Bischof von Regensburg muss für das neue Schuljahr 16 / 17
    grundlegend alles dort ändern , und auch überall neue Besen einsetzen.
    Diese alte Klüngelei mit dortigen ehemaligen ( auch mit diesem “ Club “ ) und diese derartige dortige Kasanierung , muss endlich einmal auch ein Ende haben.
    http://www.donaukurier.de/lokales/pfaffenhofen/Geisenfeld-System-basierend-auf-Angst-und-Druck;art600,3180930
    http://www.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Das-ist-Rufmord-an-den-Domspatzen;art1172,350300

  • Angelika Oetken

    |

    @R.B.,

    „Timo Z. meint nicht die musikalische Ausbildung, „die ist hochwertig“, sondern das pädagogische Konzept, das nach seinen Erfahrungen „nicht top-modern, wie behauptet, sondern eher von vorgestern“ sei. Was vielleicht auch daran liege, dass im Internat viele ehemalige Domspatzen als Erzieher fungieren, „und die haben es wohl nicht anders gelernt“.“
    http://www.donaukurier.de/lokales/pfaffenhofen/Geisenfeld-System-basierend-auf-Angst-und-Druck;art600,3180930#plx1774826270

    Diese ehemaligen Domspatzen, die aktuell im Internat als Erzieher arbeiten, stellen eine Hochrisikogruppe dar. Sofern sie etwaige eigene Traumatisierungen nicht aufgearbeitet haben. In den Präventionsleitlinien der Domspatzen ist zwar von „Verpflichtende Fortbildungen für die Präfekten zum Thema Missbrauchsprävention, z.T. mehrtägig (seit 2011) und für alle Mitarbeiter (Wirtschaftsbetrieb) des Internates ab09/2015“ die Rede (1). Aber inwieweit diese Weiterbildungen auch Supervisionen durch Therapeuten beinhalten, geht daraus nicht hervor. Genauso wenig kann ich aus den Veröffentlichungen auf der Domspatzenhomepage ablesen, wie viele der pädagogisch tätigen MitarbeiterInnen tatsächliche eine entsprechende Qualifikation haben. Ich möchte in dem Zusammenhang darauf hinweisen, dass ein Faktor für das Aufrechterhalten des Missbrauchssystems an der Odenwaldschule war, dass der Schulleiter und Chefmissbraucher Gerold Becker Menschen die Möglichkeit gab, als Lehrer zu arbeiten, die woanders nicht beschäftigt worden wären. Weil sie ihr Studium nicht abgeschlossen hatten oder unter den Radikalenerlass fielen. Relativ geschlossene, souveräne Einrichtungen sind auch immer ideale Beschäftigungsmaßnahmen für erwachsen gewordene Opfer, die innerhalb der missbrauchenden Organisation kaputt gemacht wurden. Und so auf eine besondere Art abhängig und willfährig sind. Auch das erhält das System der Übergriffigkeit am aufrecht.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    (1) http://www.domspatzen.de/fileadmin/downloads/praevention_und_aufarbeitung/Konzept_Sexualerziehung_-_Praevention__Notfallplan__Handlungsplan__Differenzierung.pdf

  • Coffin Corner

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    Wer in der katholischen Kirche jemals die Tür eines Priesterseminars durchschritten hat, (und sei es auch nur als Besucher) gilt dort als in einer Art hyperventiierend katholisch und mindestens selig in spe.
    Warum sollte man jemanden, der so hochqualifiziert ist, vor dem freien Zutritt zu den Kinderschlafsälen auch noch weitergehend überprüfen? Der könnte ja an seiner ihm unterstellten Absicht, sich weihen zu lassen, zu zweifeln beginnen und das ist doch das Letzte was passieren darf.

  • Angelika Oetken

    |

    „Warum sollte man jemanden, der so hochqualifiziert ist, vor dem freien Zutritt zu den Kinderschlafsälen auch noch weitergehend überprüfen?“

    @Coffin Corner,

    ich befürchte, das Bewerbungsverfahren lief anders ab. Es gibt leider Menschen, für die der unbehelligte Zugriff auf Kinder eine außerordentliche Belohnung darstellt. Für die sie fast alles zu tun bereit sind. Wer zu einer Organisation gehört, die sich selbst gern als Inkarnation des Guten und Hüterin der Weltmoral darstellt und deren spirituellen Funktionäre deshalb lange Zeit die „Amtsgnade“ für sich beanspruchten, die in Wirklichkeit aber ein semipolitisch agierender konservativer Interessenverband ist, braucht nichts dringender als solches Personal. Männer, die für einen ungehinderten Zugang zu den Schlafsälen von hilflosen Grundschülern – fast – alles zu tun bereit sind.

    VG
    Angelika Oetken, Berlin-Köpenick

    P.S. dass Leute wie Bruno Ix dagegen von ihren eigenen Mitbrüdern und Vorgesetzten so viel Gegenwind bekommen, sagt eigentlich schon alles: http://www.ksta.de/region/die-neuen-thesen-des-bruno-ix,15189102,13968468.html

  • Ralf Bart

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    Um nochmal auf das Thema „Entschädigung“ der katholischen Kirchen, hier auch das Bistum Regensburg, einige Anregungungen zum nachdenken bzw selbstdenken.
    Im Schnitt werden ca. 3000 Euro Entschädigung für sexuellen Missbrauch und Schläge bezahlt.

    Wenn jetzt ein Opfer auf seinen Peiniger trifft, ihm eine Ohrfeige oder einen Faustschlag ins Gesicht versetzt, können Sie dafür mal min. 6000-10000 Euro im Wege des Strafgerichtsverfahrens und nochmals 10000-15000 Euro im Wege des Zivilgerichtsverfahren.
    Das nur für EINE Tat.

    Muß ich nun noch den Zusammenhang mit den fortwährenden Menschenrechtsverletzungen, den fortwährenden Straftaten, die systematischen Verbrechen an den ehemaligen Heimkindern, Domchören, Internaten, erklären? Oder macht es auch so „klick“

  • Coffin Corner

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    @Ralf Bart
    Hinzugerechnet werden müssen schon die Summen, die für die Fälle sonst noch aufgewendet werden müssen:
    Missbrauchsbeauftragte und Bistumsanwälte sind nicht kostenlos zu haben.
    Der „Medienprofi“ Neck könnte vielleicht auch durch jemand preiswerteren ersetzt werden, wenn es nur darum ginge, die normale PR-Arbeit eines Bistums zu machen.
    Hinzu kommen sinnlose Ausgaben für sinnlose Prozesse gegen Medien mit Unterlassungsverfügungen, Klagen, rechtsanwaltlichen Drohungen usw. weil sich die Herren Kleriker der katholischen Kirche einbilden, sie hätten heute noch anderen zu erlauben und zu verbieten, was die schreiben oder sagen dürfen. Und hinzu kommt der weitere Flurschaden am Image durch die regelmässigen Niederlagen.

    Allein schon deshalb verstehe ich diese Vorgehensweise nicht:
    Je schneller man hier reinen Tisch machen würde und je schneller die Opfer sauber und ohne langes Gezerre ehrlich und endlich zufriedengestellt werden, um so billiger wäre es doch für das Bistum.
    Da kann man eben nur mutmaßen, daß wir es hier mit der Spitze des Eisberges zu tun haben und die Befürchtung besteht, es ginge irgendwann eine Lawine los und Geld hier keine Rolle spielt, solange es nur nicht die Opfer bekommen.

  • Angelika Oetken

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  • Warum Georg Ratzinger Domkapellmeister wurde » Regensburg Digital

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    […] Wie weit in der Causa Zimmermann die Aufklärungsarbeit des Sonderermittlers Ulrich Weber reicht, wird sich spätestens in seinem noch ausstehenden Abschlussbericht zeigen. Die sicherlich gesäuberte Personalakte Zimmermanns und ein fehlender Zugang zum bischöflichen Gehe… […]

  • Angelika Oetken

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    „Wer Täter ist, bestimmen immer noch wir“ dachte sich das Bistum Würzburg offenbar im Falle des Priesters (ehemals Missbrauchsbeauftragter und Personalchef des Bistums) der bezichtigt wird, im Jahre 1988 eine heute 44jährige Frau missbraucht zu haben. Heute morgen noch erschien in der Süddeutschen dieser Artikel http://www.sueddeutsche.de/bayern/wuerzburg-bistumweist-missbrauchsvorwuerfe-ab-1.2924015

    Die zuständige Staatsanwaltschaft scheint aber zu anderen Erkenntnissen gekommen zu sein und ermittelt jetzt gegen den Mann
    http://www.br.de/nachrichten/unterfranken/inhalt/bistum-wuerzburg-missbrauchsvorwurf-ermittlungen-staatsanwaltschaft-100.html

  • Angelika Oetken

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    Wie sich die Abläufe doch ähneln…

    Markus Lanz hätte in seiner Talkrunde am vergangenen Mittwoch die Chance gehabt, ein paar wichtige Fragen zu stellen (1). Was er aber nicht tat. Matthias Katsch und Peter Wensierski machten trotzdem das Beste draus. Das Statement des Moderators zu dem was beide berichten befremdet. Ist aber typisch. Lanz war als Schüler in einem von Ordensbrüdern geführten Brixener „Wohnstift“ untergebracht (2). Im Netz ist nicht viel darüber zu finden. Es scheint aber zu mindestens 2010 über Missbrauchsfälle berichtet worden zu sein, die auch dort öffentlich wurden (3). Dies wäre doch ein sehr guter Ansatzpunkt gewesen, um in der Talkshow trotz der knappen Zeit ins Gespräch zu kommen. Schade!

    (1) http://www.zdf.de/ZDFmediathek/beitrag/video/2712224/Markus-Lanz-vom-20.-April-2016#/beitrag/video/2712224/Markus-Lanz-vom-20.-April-2016 (noch bis zum 3.5 abrufbar)

    (2) https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Neustift

    (3) http://www.ff-online.com/ausgaben/2010/14/der-missbrauch-der-kirche/

  • „Terror in Regensburger Heimen“ » Regensburg Digital

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    […] Januar 2015 hat auch der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer von „Terrorsystem“ gegen Heimzöglinge gesprochen und dieses verurteilt. Mit dieser Bewertung leitete er einen überfälligen Kurswechsel im Umgang mit Gewaltopfern ein. […]

  • Angelika Oetken

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    Warum sich Betroffene und Mitbetroffene wo immer möglich, immer zuerst an UNABHÄNGIGE Stellen wenden sollten, bevor sie sich Funktionären der verantwortlichen Institution offenbaren, demonstrieren dieses Gespräch….
    http://www.talk-am-dom.de/talkamdom/gaeste/gaesteliste/anne-schmitz.php

    ….und dieser Artikel
    http://www.fnp.de/rhein-main/Katholischer-Pfarrer-unter-Missbrauchsverdacht;art801,1952598

    Zwischen beiden Veröffentlichungen liegen knapp vier Jahre. Frau Anne Schmitz, Missbrauchsbeauftragte des Bistums Fulda, führt die „Kultur der Achtsamkeit“ an. Eine mittlerweile gleichermaßen arg strapazierte, wie beliebige Floskel. Wer die Gelegenheit hat, ein bisschen hinter die Kulissen zu gucken, wird schnell herausfinden, worauf die entsprechenden Kirchenfunktionäre in Wirklichkeit achten.

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