Domspatzen: Opfer melden sich zu Wort

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Die Missbrauchsbeauftragte Birgit Böhm (Foto) ist nicht zu sprechen. „Alles was zu sagen war, wurde bei der Pressekonferenz mitgeteilt”, sagt Bistumssprecher Jakob Schötz. Und der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller ergeht sich in Tiraden gegen missliebige Berichterstattung, vor allem des Spiegel (wie bei missliebigen Bloggern mit knapperem Budeget vorgegangen wird ist hier zu lesen).

Der Missbrauchsskandal bei den Regensburger Domspatzen weitet sich unterdessen weiter aus.

Von einem „ausgeklügelten System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust” hatte der Regisseur und Komponist Franz Wittenbrink – er war bis 1967 bei den Domspatzen – bereits am Wochenende gegenüber dem Spiegel gesprochen. Er berichtet vom Selbstmord eines Mitschülers kurz vor dem Abitur und bezeichnet es als „unerklärlich”, dass Papstbruder Georg Ratzinger, er war von 1964 bis 94 Chorleiter, von alledem nichts mitbekommen haben will.

Heute hat sich gegenüber der Welt ein weiteres Opfer offenbart. Manfred van Hove (65) berichtet von jahrelangem Missbrauch durch den Internatsleiter Friedrich Z.. Dieser habe sich in den 50ern einen kleinen „Harem” an minderjährigen Sängern gehalten. Van Hove will das Bistum Regensburg auf Schmerzensgeld verklagen. „Von einer Verurteilung erfuhr ich damals nichts. Ich wurde auch nie als Zeuge befragt”, sagt er zur Welt. Statt mit den Schülern zu sprechen, habe man die Täter beiseite geschafft.

Ein weiteres Opfer hat sich gegenüber der Bild-Zeitung geäußert. „Einmal lud mich Präfekt Z. zum Benediktiner-Likör ein. Als ich betrunken in mein Bett gewankt bin, kam er nach, hat mich gestreichelt. Auch Prügel waren selbstverständlich. Es gab immer sechs Schläge mit dem Rohrstock auf den nackten Hintern. Man hatte eigentlich immer Angst“, so der heute 68jährige.

Zu Wort melden sich auch Prügel-Opfer der Domspatzen-Vorschule in Etterzhausen. Ministerialdirigent Toni Schmid, er war von 1958 bis 1967 bei den Domspatzen, hat gegenüber der Abendzeitung regelmäßige Prügel durch die dort eingesetzten Priester bestätigt. Während Schmid das als „damals war das normal, pädagogischer State of the Art“ relativiert, sprach ein anderes Opfer gegenüber dem Spiegel von Nacktprügeln und Vergewaltigungen.

Unterdessen wehrt man sich am Domspatzen-Internat gegen den Eindruck, es gebe heute noch Missbrauchsfälle an der Schule. Die Elternbeiratsvorsitzende Irmgard Herzog Deutscher erklärte gegenüber dem Lokalsender TVA, sie kenne die Domspatzen seit 13 Jahren als Mutter. „Da ist nie was gewesen.” Beim Tag der offenen Tür am vergangenen Wochenende, wo die Medien kurzfristig ausgeladen wurden, sprach Domkapellmeister Roland Büchner von „lange zurück liegenden zu verurteilenden Vorgängen”, die man zwar auf das Tiefste bedauere, die aber „mit dem heutigen Geist, der in unserem Hause herrscht”, nichts gemein hätten.

Das Bistum will sich erst in zwei Wochen erneut zu den Vorfällen äußern.

Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger hat unterdessen dem Vatikan vorgeworfen, die Aufarbeitung des deutschlandweiten Missbrauchs-Skandals zu behindern. In vielen Schulen und Einrichtungen habe es eine Art Schweigemauer gegeben, sagte die Ministerin im Deutschlandfunk. Dabei zitiert sie unter anderem die von Josef Ratzinger 2001 verfasste Direktive, derzufolge Missbrauchsfälle ausschließlich dem Vatikan zu melden seien.

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Kommentare (20)

  • Der Besserwisser

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    Und ich frage mich: Warum kommen jetzt auf einmal alle aus ihren Löchern gekrochen? Warum die späte Flucht nach vorne? Warum warten sie, bis die Scheiße verjährt ist. Das Schamgefühl dürfte nach 8 Jahren auch nicht viel größer sein, als nach 20. Lieber lässt man diese Schweine ungestraft davonkommen…

  • Joachim Datko

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    „Katholisch machen“ !

    Zu “ 8. März 2010 um 20:15 Uhr“

    – Meiner Ansicht nach werden die Menschen durch eine katholische Erziehung verbogen. Es gibt das Wort vom „katholisch machen“. Viele Katholiken werden Himmel, Hölle, Gott und Teufel nicht mehr los und trauen sich nicht gegen die Priester aufzumucken.

    – Ein weiteres Problem ist die Glaubwürdigkeit. Nachdem sich die ersten Opfer gemeldet haben ist es leichter von eigenen Erfahrungen zu berichten.

    – Wer gegen die katholische Kirche etwas sagt, hat nicht nur die Priester sondern auch die vielen Mitläufer gegen sich. Diesen Unsinn sieht man oft, wenn Institutionen angegriffen werden. Ein Großteil der Menschen unterstützt automatisch die Institution.

    Meiner Ansicht nach ist die katholische Kirche gefährlich.

  • H. Müller

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    Vielleicht weil es vorher niemanden interessiert hat?
    Und weil gerade ein Missbrauchsopfer sich schwer tut, gegen den Strom zu schwimmen, und sie jetzt merken, dass sie nicht allein sind?

    So wie es aussieht, ist das ja nicht nur im stillen Kämmerlein passiert, sondern war oftmals ein System der Gewalt mit vielen Mitwissern, die sich aber nichts getraut haben, sonst wären sie ja vielleicht die nächsten gewesen. Es ist, glaube ich, ein weiterer schlimmer Effekt von sowas, dass die Opfer auch bei den Mitschülern stigmatisiert sind. Von den Beschützern misshandelt, von den Mitschülern gemieden und augegrenzt. Da geht man danach nicht einfach her, und sagt: „Hört mal, was mir passiert ist!“

    Hier noch eine kleine Anekdote aus meiner Schulzeit, ca. 6. Klasse:

    Mein Religionslehrer, katholischer Pfarrer, befragt mich im Unterricht. Ich bekomme einen Halbsatz akustisch nicht mit, verstehe nur „…und Adam und Eva, das war doch am Ende oder in der Mitte der Bibel oder so…“
    Ich stutze, alle schauen sich belustigt an, lachen, ich werde nervös und kann gar nichts mehr denken.
    Danach stellte er mich als den Deppen hin, der nicht mal weiß, wie die Bibel anfängt, und weidete ich sichtlich an meinem offensichtlichen Versagen. Und für meine Mitschüler war ich dann auch erst mal der Trottel, ist eh klar.
    Der Pfarrer war im Hauptberuf übrigens Leiter eines katholischen Internats.

  • wo kann ich

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    „zum Benediktiner-Likör ein“ – danke! *g*

  • Veits M.

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    @“Besserwisser“

    Es wäre gut, wenn Sie sich einer halbwegs zivilen Ausdrucksweise befleißigen könnten – Stichwort: „Schamgefühl“ – vielen Dank.

  • Dr. Alexander Pytlik

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    Nur zur letzten Sache: Bundesjustizministerin Leutheusser-Schnarrenberger irrt mit ihrem Vorwurf gegen das katholischen Kirchenrecht und die geltenden römischen Bestimmungen aus dem Jahr 2001 fundamental. Einer solchen verfehlten Einschätzung widersprachen im übrigen bereits im Vorjahr die katholischen Bischöfe Irlands. So verwies die Diözese Ferns darauf, daß die zehn Fälle, die sie seit 2001 an den Heiligen Stuhl weitergegeben hatte, allesamt auch den staatlichen Behörden mitgeteilt wurden, und das selbstverständlich ohne Einspruch der Kongregation für die Glaubenslehre.

    Wer das Originalinterview nachliest, weiß, daß die Justiziministerin gar nichts zitiert hat, und wir müssen leider davon ausgehen, daß sie sich nicht ausreichend informiert hat. Daher hat sie diesen Vorwurf zurückzunehmen. Im nachfolgenden Link sind alle relevanten Informationen dargelegt: dem Kirchenrecht und dem Heiligen Stuhl kann eine falsche Vertuschungsstrategie also nicht zur Last gelegt werden, schon gar nicht dem jetzigen Papst, der ja gemeinsam mit seinem Vorgänger 2001 für die Verjährungserhöhung und zur Vermeidung von Vertuschung für die zentrale Meldepflicht sorgte:

    http://www.internetpfarre.de/blog/archives/239-KIRCHENRECHT-DOKUMENTE-SEXUELLER-MISSBRAUCH-KRITIK-AN-ROEMISCHER-GEHEIMHALTUNG-IST-VERFEHLT.html#comments

    oder

    http://7ax.de/0qua

    Innerhalb des katholischen Kirchenrechtes kann die Glaubenskongregation auf Antrag des jeweiligen Bischofs sogar von der Verjährung dispensieren, damit Täter länger verfolgbar bleiben. Mit freundlichen Grüßen!

  • Querleser

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    @ padre pytlik

    da nehmen wir doch lieber eine unverdächtige, weil nicht katholisch interpretierte quelle:
    http://www.uni-tuebingen.de/uni/ukk/nomokanon/quellen/023.htm

    Zitat:
    “ (…) die von einem Kleriker begangene Straftat gegen das sechste Gebot des Dekalogs mit einem noch nicht 18jährigen minderjährigen Menschen.

    Nur diese oben namentlich aufgezählten Straftaten sind der Glaubenskongregation als Apostolischem Gerichtshof vorbehalten. Wenn ein Bischof oder Hierarch auch nur vage Kenntnis von einer derartigen Straftat hat, muss er sie nach abgeschlossener Voruntersuchung an die Glaubenskongregation weitermelden, die, wenn sie nicht wegen besonderer Umstände den Fall an sich zieht, durch Weitergabe der entsprechenden Vorschriften dem Bischof beziehungsweise Hierarchen gebietet, durch sein je eigenes Gericht das weitere Verfahren führen zu lassen; das Recht zur Berufung gegen das Urteil ersten Grades, sowohl auf Seiten des Angeklagten und seines Verteidigers als auch auf Seiten des Kirchenanwalts, besteht allein beim Obersten Gericht dieser Kongregation.“

    und weiter:

    „Prozesse dieser Art unterliegen der päpstlichen Geheimhaltung.“

    ich lese hier nichts von staatlichen behörden.

    ein aktueller bericht dazu von heute:
    http://diepresse.com/home/panorama/religion/545056/index.do?from=gl.home_panorama

    „Ratzingers Dekret „De delictis gravioribus“ hat jedoch einen viel kritisierten Mangel, diesen will der Vatikan heute offenbar beheben: Innerkirchliche Strafverfahren zu Missbrauchsfällen unterliegen immer noch „der päpstlichen Geheimhaltung“. Dies hat dazu geführt, dass – zum Schutz der „Institution Kirche“ vor Imageschäden – die weltliche Justiz genauso draußen zu bleiben hatte, wie das all die Jahrhunderte zuvor der Fall war.“

    Und noch ein paar Anmerkungen von Hans Küng:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/309/504521/text/

    und sorry: nur weil Kuttenträger das anders interpretieren, straft sie allein schon die realität lügen: es wurden schließlich munter kinder vergewaltigt, ohne dass etwas heraus gekommen ist bzw. erst jahre später. und in 20 jahren haben wir die nächsten fälle.

    weggetreten, padre!

  • Querleser

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    @padre pytlik

    was muss ich da über sie lesen, ts,ts, ts:

    http://www.news4press.com/Neuer-Skandal-von-St-Poelten-Bischof-Klaus-Kueng-will-kaltgestellten-Pastor-offenbar-nach-Sardinien-abschiebenN_503678.html

    und sie treiben sich auch gern bei den antisemiten von kath.net herum. ts, ts, ts:

    http://www.kreuts.net/forum/index.php?topic=486.0

    ja, was muss ich alles über sie lesen, padre:

    http://www.news4press.com/Radio-Vatikan-verpa%C3%9Ft-judenfeindlichem-_428951.html

    sie sind mir ja ein ganz reaktionäres priesterchen.

  • Veronika

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    @ Dr. Alexander Pytlik:
    Sehr geehrter Herr Dr. Pytlik, ich habe mir mal auch Ihre Internetseiten durchgelesen und muss Ihnen höchsten Respekt dafür zollen, dass Sie sich so für die breitere Kenntnis des Kath. Kirchenrechts engagieren, bzw. hier Fehlinterpretationen aufzuklären versuchen.
    Ist es aber nicht so, dass sogar eine Vielzahl der Bischöfe deren „Kirchenrecht“ nicht so gut kennen, und zudem – Regensburg lässt grüssen – Generalvikare ohne Kirchenrechtskenntnis ein echtes Hindernis sein können?
    Ausserdem verorte ich die jetzigen Probleme ebenfalls nicht beim fehlenden „Zusammenklang“ von kirchlichem und weltlichem Recht, sondern vielmehr darin, dass eben dem einfachen Geistlichen gar nicht bekannt ist, wie kirchliche Normen auszulegen sind. Zudem scheint mir auch der Körperschaftsstatus der Kath. Kirche Deutschland eines der grössten Probleme zu sein. Damit nämlich beansprucht die Kath. Kirche in Deutschland einen Sonderstatus gegenüber profanen Stellen, welcher wohl nur der „Zentrale“, d. h. dem Vatikan zukommen kannl Man muss sich jetzt wohl entscheiden, ob man in Deutschland und den weiteren „Kirchensteuer finanzierten“ Teilkirchen nur als „Franchisenehmer“ der Röm.-Kath. Kirche, oder aber als deren echter (An)teil gesehen werden will.

  • peter sturm

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    ich habe gestern im bayerischen fernsehen, mit einigem entsetzen, gesehen wie
    sich eltern die vorkommnisse im kaff kleinreden.
    sadistisch ausgklüglte gewalt ist was anderes als „tatzen geben“.
    dieser preis für eine eliteausbildung ist eindeutig zu hoch.

  • Veits M.

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    Nicht Kinder, nein: Zöglinge

    „Meier schreit wie besessen auf den Jungen ein, man wagt nicht sich umzudrehen, aber man kann hören, wie Meiers Hand ins Gesicht von David Huber klatscht. […] Dann zieht Meier ihm den Stuhl unter dem Gesäß weg und setzt ihn als Schlagwerkzeug ein. Er donnert dem Achtjährigen den Stuhl auf den Rücken. Der Stuhl bricht, der Bub schluchzt.“
    http://www.sueddeutsche.de/,tt3m1/bayern/189/505390/text/

    „Das Böse lebt in der Tat“:http://www.zeit.de/2009/44/Interview-Das-Boese?page=all

  • StuhloderSessel

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    „Hw. Pytlik erfreut sich mit seiner offenen, zuvorkommenden und energischen Art einer großer Beliebtheit und eines großen Respekts bei den Altgläubigen.

    Es ist ihm auch gelungen, nicht wenige Gläubige der Priesterbruderschaft St. Pius X. in die Diözese zurückzuführen. Bei den Mitgliedern der zukünftigen altgläubigen Gemeinde in Ingolstadt handelt es sich fast ausschließlich um ehemalige Gläubige der Priesterbruderschaft St. Pius X.“

    kreuz.net, 05.05.08

    Respekt, Doktor Pytlik…
    Darauf hat die Welt gewartet: Nachhilfe im Umgang mit kirchlichen Gewalttätern und deren Opfern durch Reaktionäre ihres Schlages.
    Pfui Teufel!

  • Paul Haverkamp

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    Kath. Kirche leidet an Strukturdefiziten

    Es ist ein Skandal, dass die kath. Kirche zunächst ihre eigene Gerichtsbarkeit bei Pädophilie-Verbrechen einschalten darf ; hier wird dann nach Gutdünken von Sachverständigen entschieden, die von der Kirche bestellt sind und dann das Recht haben zu entscheiden, ob ein Fall dem Staatsanwalt gemeldet wird oder nicht. Kirche darf sich in Rechtsfragen nicht zu einem Staat im Staate gerieren. Das ist ein absoluter Skandal!

    Im Vatikan darf es – frei nach absolutistischer Willkür – keinen rechtsfreien Raum geben. Das Fehlen einer unabhängigen richterlichen Instanz muss umgehend korrigiert werde Gewaltentrennung müsste auch für die Kirche kein Fremdwort mehr sein. Wir brauchen ein Prozessrecht, das den Menschenrechten auch in der Kirche zur Geltung verhilft. (Das Recht auf einen frei gewählten Verteidiger, der Akteneinsicht verlangen kann, Rekursinstanzen usw.) . Der Papst hat somit absolute diktatorische Vollmachten und ist letztlich nicht an Gesetze und Gremien (etwa Organe der Kurie) gebunden. Zu keinem historischen Zeitpunkt war der Papst mit einer solchen universalen Machtfülle und Durchsetzungskraft ausgestattet wie heute. Der Vatikanstaat hat in moderner Weise das von Gregor VII. 1075 formulierte Prinzip bestätigt: „Der Papst wird von niemandem gerichtet“, er ist keiner Staatsgewalt untergeben. Der Papst übt hingegen im Vatikanstaat absolute Staatsgewalt aus und ist damit (neben dem Fürsten von Monaco) der letzte absolute Herrscher in Europa, der selbst an keine Verfassung gebunden ist (sondern auch Verfassungsgesetzgeber ist).

    „In ihrer Rechtsgestalt, …. präsentiert sich die Kirche als ein Ort sakral begründeter Herrschaft, in der christliche Freiheit zu Gehorsam wird.“ ….. Der Sehnsucht nach Freiheit und Verantwortung wurde begegnet durch die Einforderung von Gehorsam, allein aufgrund formaler Autorität unabhängig von Einsicht. Die Laien bilden nach wie vor die „hörende“ Kirche. So weit die Rechtsordnung mit ihrem Gehorsamsanspruch.“ Kurz gefasst, lautet die Formel: Christliche Freiheit erfüllt sich im Gehorsam.“ Was den Gläubigen in der real existierenden Kirche zugemutet wird, heißt, die „heilige Herrschaft“ als die wahre Form christlicher Freiheit zu verstehen und zu akzeptieren. Freiheit gegen die Hierarchie, gegen das Lehramt kann es nach deren Selbstverständnis legitim nicht geben. (Prof. Werner Böckenförde)

    Paul Haverkamp, Lingen

  • gifthaferl

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    Kath. Kirche leidet an Strukturdefiziten……….
    Paul Haverkamp, 9. März 2010 um 18:41 Uhr

    Na ja.
    Was sie Strukturdefizit nennen ist nun mal die Struktur der katholischen Kirche.
    Das ist doch kein Verein, der sich Transparenz, Demokratie, Mitbestimmung, was weiß ich, verschrieben hat.

    Ich finde es schon irgendwie komisch, dass Sie ausgerechnet von der katholischen Kirche „Reformen“ diesbezüglich erwarten.

    Welche Organisation beraubt sich schon selbst ihrer Privilegien, wohl zuallerletzt die katholische Kirche, zumal Ratzinger als Großinquisitor und als Papst wohl eine deutliche Sprache dagegen spricht, und Deutschland dieser Kirche eben Sonderrechte gewährt, die sie in anderen Ländern keineswegs besitzt.

    Wobei zuallererst das Arbeitsrecht, das eine in ALLEN Belangen, bis in das Intimleben hinein, der Kirche(n) wohlgefällige Lebensführung aller Mitarbeiter verlangt, Mitgliedschaft im Verein sowieso, der Hauptskandal ist – obwohl die allermeisten Mitarbeiter vom Staat bezahlt werden.
    Da hat man bei Bedarf die Mitarbeiter schon gut im Griff, dass sie sich wohlfeil verhalten.
    Und was so alles unter wohlgefällige Lebensführung fällt, ist bei den Kaholiken nun mal noch weitaus ausgeprägter als bei den Protestanten.

    Da diese beiden Kirchen aber der zweitgrößte Arbeitgeber im Lande sind, ist das Sonderarbeitsrecht ohnehin ein Skandal, da es ja auch Konfessionslosen den Zugang zu diversen Arbeitsfeldern nahezu vollkommen versperrt, und Auswirkungen auf alle hat, auch was die Ausführung dieser Arbeit anbetrifft, auch auf die, die mit keiner dieser Kirchen irgendetwas am Hut haben.

    Zudem besteht bei Sexualdelikten in Deutschland keine Anzeigepflicht, was als Opferschutz, die ja sehr häufig tatsächlich nicht wollen dass ihr Fall der Öffentlichkeit preisgegeben wird, auch eine gewisse Berechtigung hat, was aber eben auch ganz besonders die Täter schützt, nicht zuletzt in Organisationen wie der katholischen Kirche, die vollkommen auf Abschottung setzt, und in Deutschland wird dem in vielerlei Beziehung eben noch Vorschub geleistet.

    Aber, wie gesagt, es wäre Aufgabe des Staates eine Trennung von Kirche und Staat zu vollziehen, das aber hat keine Regierung dieser Republik bisher auch nur im Ansatz beabsichtigt.

    Und alles was jetzt wieder so ans Tageslicht gekommen ist, ist ja alles andere als neu, auch in den letzten Jahren war das ja immer mal wieder Thema, auch in Regensburg, schließlich gibt es auch hier neuere Fälle, und alte sowieso, die auch nie wirklich „geheim“ waren.

    Ist die „Welle“ wieder abgeklungen, dann ist es bis zum nächsten Mal wieder vergessen, und niemand wird auch nur das geringste verändert haben – dafür sind dann wieder alle ungeheuer überrascht und empört………….

  • Veits M.

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    Zu Gifhaferls gelungener Analyse:

    Ihre Ausführungen wohl im 5. Absatz – Aussperrung der Konfessionslosen – harren auf einen Musterprozess durch alle Instanzen bis zum Straßburger Gerichtshofs (Stichwort: Diskriminierung). Wenn ich mich nicht täusche, sind Sie ja „nahe“ am Thema – gesucht wird ein potentieller AN (mit Prozess-Fonds), der gewillt ist, die ca. 5 Jahre Prozessdauer durchzustehen.

    Anlässlich eines solchen Verfahrens wäre dann wohl auch zu prüfen, ob die grundgesetzliche Privilegierung der Kirchen (Hereinnahme der Weimarer Verfassung ins GG) aufgrund der modernen Anti-Diskriminierungsgesetze noch „hält“.

    Ihre trefflichen Ausführungen im 7. Absatz spielen hier mit herein. Im Übrigen wäre es Aufgabe der Mitglieder des BTags – getragen von einer Mehrheit der Bevölkerung – eine Gesetzes – bzw. Grundgesetzänderung herbeizuführen. Beispielhaft: War nicht in dieser Woche bei „Maischberger“ die Rede von wohl 2000 „Priester-Kindern“, für deren Alimentation am Ende der Steuerzahler aufkommt?

    Glauben heißt, auf Berge zu steigen, die nicht existieren.
    Glaub-würdigkeit entsteht, wenn das Handeln dem Reden entspricht.
    Würde ist kein Konjunktiv.

  • R.J. Werner

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    Zwei Anmerkungen zu den vorliegenden Beiträgen, die sich von dem ursprünglichen Thema (sexuelle Gewalt) weit entfernt sich haben.

    Zu den zu letzt angesprochenen Privilegien und Sonderarbeitsgesetzen gehören auch die sog. Konkordats-Lehrstühle, die nicht nur in Bayern zur Benachteiligung von Nicht-Katholiken führen, jedoch von allen Studenten durch Studiengebühren mit bezahlt werden. Diese Regelungen sind anachronistisch und Ausdruck eines Klüngel, des in dieser Hinsicht nicht neutralen ´Freistaates´ Bayern mit dem Vatikan. Dagegen liefen und laufen Prozesse.
    (siehe unter: http://konkordatslehrstuhlklage.de/wp-content/uploads/2009/08/lotter.pdf )

    Auf der Bundesebene gibt es ähnlich gelagerte ´Privilegien´ und zwar durch die Anerkennung von ausgewählten Glaubensgemeinschaften als „Körperschaften des öffentlichen Rechts“. (siehe Christoph Möllers in der SZ v.6.3.2010, der daraus u.a. eine Aufklärungspflicht der Kirchen ableitet.)

    All diese ´Privilegien´ entsprechen längst nicht mehr der derzeitigen gesellschaftlichen Situation:
    Die Zahl der Konfessionslosen (32,4 % der deutschen Bevölkerung) lag im Jahre 2004 erstmals höher, als die der Protestanten und der Katholiken (jeweils ca. 31 %).

    Zu der Debatte um sexuellen Missbrauch und (sexuelle) Gewalt gegen Schutzbefohlene.
    Bei der erwähnten Sendung „Maischberger“ kamen u.a. Benedikt Treimer (Missbrauchsopfer des späteren Pfarrers aus Riekofen), der Bf. Müller u.a. für seine aktuelle ´Aufklärungspolitik´ scharf angriff und Franz Wittenbrink zu Wort (ehem.“Domspatz“ – dort habe ein „ausgeklügeltes System sadistischer Strafen verbunden mit sexueller Lust“ geherrscht).

    (siehe http://www.daserste.de/maischberger/sendung.asp?datum=08.03.2010&startseite=true)

    Es wird weiter eng für Bischof Müller, zumal sich mehrere Kollegen aus der Bischofskonferenz deutlich für einen etwas offeneren und selbstkritischeren Umgang in der Missbrauchs-Debatte ausgesprochen haben.

    Weiter gab es kurze Lichtblicke in dieser Sendung. Als nämlich darauf hingewiesen wurde, dass die Debatten nicht bei den Kirchen (und deren Besonderheiten) stehen bleiben dürften.
    Es gäbe nämlich in Deutschland jährlich ca. 16.000 angezeigte ´Missbrauchsfälle´, davon geschehen 80% in den jeweiligen Familien und den übergroßen Teil der Täter machen Männer aus.

    Eine glaubwürdige und ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Themenkomplex ´sexuelle Gewalt´ sollte diesen Befund zu Grunde legen.

  • Ministrant

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    Ein paar Dinge sollte man klarstellen:

    1. Bei den Domspatzen findet keine Elite-Ausbildung statt. Die Allerwenigsten werden später Berufsmusiker; den meisten reicht’s.

    2. Die Domspatzen sind ein Hort pädagogischer Unfähigkeit und fachlicher Unzulänglichkeit. Dabei reicht die Mängelliste von ungesundem Kantinen-Essen für die (überdurchschnittlich oft übergewichtigen) Knaben über Alkoholmissbrauch bis zur musikpädagogischen Inkompetenz der Chorleitung.

    3. Selbstverständlich sind dort auch in den letzten 15 Jahren Dinge vorgefallen, die Straftatbestände erfüllen.

  • Dr. Alexander Pytlik

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    Keine Ahnung, warum mein Voreintrag nicht freigeschalten wurde. Deshalb probiere ich es noch einmal. Mittlerweile ist allen klar geworden, daß die Bundesjustizministerin ihre Vorwürfe gegen das von Papst Johannes Paul II. und Papst Benedikt XVI. 2001 u. a. gegen sexuellen Mißbrauch Unter-18-Jähriger verschärfte Kirchenrecht nicht aufrechterhalten kann. Am 9. März 2010 erklärte dazu der Pressesprecher der Deutschen Bischofskonferenz:

    http://www.dbk.de/295.html?&tx_ttnews%5Btt_news%5D=1538&tx_ttnews%5Bmode%5D=single&tx_ttnews%5BbackPID%5D=58&no_cache=1

    Und am 13. März 2010 gab der Kirchenanwalt der zuständigen Kongregation für die Glaubenslehre ein umfassendes Interview:

    http://www.internetpfarre.de/blog/archives/240-SEXUELLER-MISSBRAUCH-VATIKAN-TOPINTERVIEW-MIT-KIRCHENANWALT-SCICLUNA.html oder http://7ax.de/0ssa

    Da unterhalb noch absurde (ideologische) „Angriffe“ gegen meine Person erfolgt sind, muß ich auch darauf noch eingehen:

    1. Bei http://www.kath.net sind mir keine Antisemiten bekannt. Bitte unterlassen Sie eine solche Behauptung.

    2. Die von einer Frau Küble getätigten und von „Querdenker“ unterhalb verlinkten Aussendungen (über news4press) beruhen auf einer irrationalen Hetze, die natürlich inhaltlich nicht zutrifft. Da die von Frau Küble wider besseres Wissen kampagnenmäßig unterstützten, jedoch vom Papst bestätigt-suspendiert gewesenen St. Pöltner Priesterausbildner ihre „Freunde“ zunächst über das anonyme Portal kreuz.net den damaligen Päpstlichen Visitator Klaus Küng (in dieser Zeit wurde das Priesterseminar St. Pölten auch aufgrund „aktiver homophiler Beziehungen“ geschlossen) und meine Person angreifen ließen, erfolgten dort von meiner Warte auch einige verteidigende Stellungnahmen, abschließend dann auch noch durch den Sekretär von Bischof Küng. Es war und ist nämlich absurd, wie kirchenrechtlich überführte Priesterausbildner noch nach den öffentlichen Stellungnahmen des damaligen Visitators die Fakten wegleugnen und nachträglich (!) vertuschen lassen wollten. Diese Transparenz und Aufklärung durch eine Apostolische Visitation 2004 ist bis heute Vorbild gegen jede Vertuschungsstrategie.

    Meine Aufgabe sah ich auch darin, Zeugen, die die Wahrheit aussagen wollten, zu bestärken, diese auch auszusagen. Es ging bei der Aufklärung des St. Pöltner Sex-Skandals 2004 daher um die Glaubwürdigkeit der Zeugen, nicht jedoch um deren Eignung für eine Priesterweihe. Daß diese Bestärkung der Zeugen als „schützende Hand“ ausgelegt wird, stört mich nicht, denn schließlich kam die ganze Wahrheit ans Licht, und das österreichische Magazin „profil“ gewann in den österreichischen Medienverfahren gegen die beiden Priesterausbildner rechtskräftig, weil dem Magazin der Wahrheitsbeweis im Kern bei der Aufdeckungsberichterstattung gelungen war.

    3. Meine kritische Haltung zu kreuz.net ist öffentlich abrufbar:

    http://www.internetpfarre.de/blog/archives/205-ABSAGE-AN-JEDE-FORM-DES-IDEOLOGISCHEN-EXTREMISMUS,-REVISIONISMUS-UND-ANTISEMITISMUS-ZUM-FALL-WILLIAMSON-UND-ZU-EINEM-ANONYMEN-PORTAL.html oder http://7ax.de/01hr

    Daß jemand ohne mein Wissen etwas über mich oder mein Wirken diesem anonymen Portal schickt, kann ich nicht beeinflussen. Ich lehne außerdem den Begriff „Altgläubige“ ab. Es ist der Auftrag des zuständigen Bischofs an mich, im Sinne des Papstes auch eine Gemeinde zusammenzuhalten, welche die ältere Liturgieform bevorzugt. In der mir anvertrauten sind jedenfalls meines Wissens nur ganz wenige von der Priesterbruderschaft Pius X., mit der ja im Moment die Gespräche von Seiten des Vatikan laufen. Wir werden sehen, wie sie ausgehen.

    4. Seit mehr als zehn Jahren läuft mein Internetprojekt http://www.padre.at – und kurz nach der Gründung hatte ich bereits ein Mißbrauchsmeldeformular – heute: http://www.padre.at/missbrauch.htm – und über dieses haben sich einige Opfer gemeldet, denen ich durch die Vermittlung an andere Juristen oder psychologische Gutachter helfen konnte. So freute es mich, daß Markus Zedlitz (Buch: Zerrbilder) über ein Kirchengericht in Rottenburg-Stuttgart vom Täterpriester ein Schmerzesngeld überwiesen bekam und so – wie er es selbst sieht – seine Ehre wieder hergestellt wurde:

    http://www.internetpfarre.de/blog/archives/237-SEXUELLER-MISSBRAUCH-UND-KIRCHENRECHT-BUCHEMPFEHLUNG-ZERRBILDER-VON-MARKUS-ZEDLITZ.html oder http://7ax.de/0ps0

    Mit besten Grüßen!

  • Gewalt und Missbrauch: Wer Opfer ist, bestimmen immer noch wir! » Regensburg Digital

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    […] Sechs Jahre sind bald vergangen, seit der ehemalige Domschüler Manfred van Hove in einer Talkshow a… Sechs Jahre, in denen das Bistum Regensburg versuchte, Missbrauch und Gewalt in seinen Einrichtungen zu verschleiern, kleinzureden und die Betroffenen durch unwürdige Behandlung, Ignoranz und Diffamierung zum Schweigen zu bringen. Selbst vor Klagedrohungen schreckte man nicht zurück.  […]

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