Kurz und schmerzlos

Antisemitischer Namenspatron ist vom Tisch

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Der Josef-Engert-Preis ist abgeschafft. Die nach ihm benannte Straße soll künftig „Am Biopark“ heißen. Am Donnerstag hat der Kulturausschuss dies ohne Diskussion einstimmig beschlossen. Recherchen von Regensburg Digital-Autor Robert Werner waren dieser Entscheidung vorausgegangen.

Abgeschafft: der Josef-Engert-Preis. Foto: Staudinger/ Stadt Regensburg

Abgeschafft: der Josef-Engert-Preis. Foto: Staudinger/ Stadt Regensburg

Lange Jahre galt er als einer der Väter der Universität und honoriger Sohn der Stadt Regensburg: der Theologe Josef Engert. Ein Preis der Stadt Regensburg trug seinen Namen, ebenso eine Straße. Das ist seit heute – nun auch offiziell – Geschichte. Am Donnerstag beschloss der Kulturausschuss des Regensburger Stadtrats ohne Diskussion einstimmig: Preis und Straße werden umbenannt.

In der Beschlussvorlage heißt es unter anderem:

„Es besteht kein Zweifel, dass Prof. Engert den nationalsozialistischen Staat ab März 1933 in Presseartikeln und Zeitschriftenartikeln begrüßt und gutgeheißen hat, darüber hinaus teilweise getragen von der Ideologie des Nationalsozialismus die Rassenlehre und den Führerkult der Nationalsozialisten akzeptiert und sogar begeistert propagiert hat.“

Veröffentlichung auf Regensburg Digital war der Auslöser

Losgetreten wurde die Debatte um Josef Engert durch eine akribische Recherche von Regensburg Digital-Autor Robert Werner. Ende Mai 2014 hatte Werner in einer mehrteiligen Serie dargelegt: Engert war ein völkischer Antisemit und Antidemokrat. In einem seiner während der NS-Zeit veröffentlichten Manifeste etwa schrieb Engert, dass es Aufgabe der Nürnberger Gesetze sei „das weitere Einsickern jüdischen Blutes zu verhindern, ebenso das von Negern, Zigeunern und Bastarden.“

Wenige Wochen nach Werners Veröffentlichungen reagierte Oberbürgermeister Joachim Wolbergs. Gegenüber unserer Redaktion erklärte er, dass der Josef-Engert-Preis vorerst nicht mehr verliehen würde. Vor einer endgültigen Entscheidung wolle man allerdings erst weitere Recherchen in Auftrag geben. Es folgte eine breite überregionale Berichterstattung über Werners Recherchen – unter anderem in der Süddeutschen Zeitung und dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel.

Endgültiger Beschluss Ende Oktober

Zwischenzeitlich liegt der Stadt Regensburg ein Gutachten des emeritierten Kirchenhistorikers Prof. Dr. Karl Hausberger vor, das – dem Vernehmen nach – Werners Recherchen weitgehend bestätigt. Im Gegensatz zu der Stellungnahme, die die Stadt Regensburg zum Nazi-Bürgermeister Hans Herrmann in Auftrag gegeben hatte, wurde aber das Engert-Gutachten nicht veröffentlicht.

Der Kulturausschuss ist einer von mehreren Ausschüssen, die sich mit den Umbenennungen befassen müssen. Die endgültige Entscheidung wird Ende Oktober im Stadtrat fallen. Der Josef-Engert-Preis wird künftig „Preis der Universität“ heißen, die Josef-Engert-Straße wird in „Am Biopark“ umbenannt.

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Kommentare (9)

  • Mathilde Vietze

    |

    Der e i n s t i m m i g e Beschluß ist eine erfreuliche Sache; wie wäre es, wenn
    die Straße in „Maximilian-Kolbe-Straße“ umbenannt würde. In vielen anderen
    Städten gibt es eine Straße, eine Schule usw., die nach diesem Mann benannt
    ist. Ich wünsche mir das auch für Regensburg.

  • Trude Reherer

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    Wenn die Stadt schon beim umbenennen ist, sollte sie mal einen Blick auf die regionalen Busliniennummern werfen: 18; 28; 74;
    http://www.welt.de/politik/deutschland/article125378208/Sittenwidrige-Kfz-Schilder-im-Visier-der-Laender.html
    http://de.wikipedia.org/wiki/Rechtsextreme_Symbole_und_Zeichenimbo
    Auch beim Marc-Aurel-Ufer und bei etlichen anderen Straßennamen in Regensburg hätte ich auch so meine Bedenken.
    http://mobil.wochenblatt.de/nachrichten/regensburg/regionales/Ausgerechnet-kurz-vor-der-NPD-Demo-wird-bekannt-Noch-eine-Nazi-Strasse-in-Regensburg-;art1172,197965

  • hf

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    Mei, wenn man da mal richtig aufräumen würde… Bei uns haben ja sogar Hauptkriegsverbrecher noch ihre eigene Straße, nicht nur die kleinen lokalen Fische.

    „Nach Einschätzung von Benjamin Ferencz, der bei den Nürnberger Prozessen für die Anklagebehörde arbeitete, wären Herbert Quandt und sein Vater Günther ebenso wie Alfried Krupp von Bohlen und Halbach, Friedrich Flick und die Verantwortlichen der I.G. Farben als Hauptkriegsverbrecher angeklagt worden, wenn die heute zugänglichen Dokumente den Anklägern damals vorgelegen hätten. Die entscheidenden Dokumente zu ihrem Wirken im Dritten Reich lagen den Behörden in der britischen Besatzungszone vor. Die Briten hielten das Material zurück, weil sie erkannt hatten, welche Bedeutung die Batterieproduktion der AFA auch nach dem Krieg hatte, und die Eigentümer deswegen schonen wollten.“

    https://de.wikipedia.org/wiki/Herbert_Quandt

    Die Geschichte zum werkseigenen KZ:

    https://de.wikipedia.org/wiki/KZ_Hannover-St%C3%B6cken_(Akkumulatorenwerke)

  • Ehemaliger MZ-Leser

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    Herr Aigner, eine Bitte.
    Könnten Sie bei der MZ-Leitung ein Mal dezent darauf hinweisen, dass es ohne nachteilige Folgen bliebe, auf Regensburg-Digital (RD) als Auslöser von Entscheidungen zu verweisen. Dort sitzen die Redakteure offenbar in einer Sackgasse und müssen in ihren Berichten essentielle Details verschweigen, um ja nicht RD zu nennen.
    Aktuelles Beispiel: die Umbenennung der J.-Engert-Straße, wo die MZ ohne Hinweis auf RD auskommt. Diese Vermeidungsstrategie ist doch schon im Bereich des Krankhaften! Helfen Sie Herr Aigner!

    http://www.mittelbayerische.de/region/regensburg/stadtteile/galgenberg/keiner-will-die-josef-engert-strasse-21356-art1288315.html

  • Haimo

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    Das ist schon mal ein sehr positiver Anfang .
    In “ Braune Flecken auf dem Priesterrock “ finden
    sich noch einige Namen , die jetzt ins Blickfeld geraten
    werden . Darunter zählen auch geistliche wie Schrems
    ( Domkapellmeister ) und Müller . Der hat seiner Stadt
    ja nun wirklich keinen guten Dienst erwiesen , wird aber in der pechschwarzen Metropole sehr verehrt . Dies bekommt
    man in aller Welt mit ( Mißbrauchsskandal ) , Und auch die
    Domspatzen sollten sich von ihrer braunen Vergangenheit
    deutlich distanzieren.
    ein ehem. Domspatz 1962 – 1964 Etterzhausen

  • Oleg Schmidt

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    Kein Mensch ist ohne Tadel,

    wenn man daher zu aufräumen beginnt, sollte man ALLE Namen entfernen und durch etliche nichtssagende Nummern ersetzen.

    Aber nein, da könnten ja auch eine der etlichen bösen Kombinationen auftreten.

    Meiner Meinung sollte man unter die (Straßen/ Park)- Schilder eine kurze NEUTRALE Information zu den Namensgeber schreiben.
    So lernt man wenigstens auch noch etwas.

  • Tobias

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    @Oleg: Wie in Dresden. Da ist das der Fall. Ich habe so gelernt, wer Otto Dix ist. Zu schade, dass die Plattenbauten an „seiner“ Straße weg sind…

  • Der Exzess-Täter und seine (Ex-)Freunde » Regensburg Digital

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    […] Engert angesichts seiner NS-Propaganda bleiben kann, wich der Vereinsvorsitzende Marcus Weigl aus. Der Stadtrat hingegen hat im Oktober 2015 die nach Josef Engert benannte Straße in „Am Biopark“… Engert war übrigens auch mit dem anfangs rechtlich verantwortlichen Inspektor der Internate […]

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