Archiv für 7. September 2015

Argyris Sfountouris war am 10. Juni 1944 knapp vier Jahre alt, als sein Heimatdorf von einem Kommando der Waffen-SS fast vollständig vernichtet wurde. Nun sind seine Reden und Aufsätze eines Überlebenden in Buchform erschienen.

Argyris Sfountouris war am 10. Juni 1944 knapp vier Jahre alt, als sein Heimatdorf von einem Kommando der Waffen-SS fast vollständig vernichtet wurde. Foto: privat

Argyris Sfountouris: „Man muss in bitterer Enttäuschung eine Kontinuität der Verhöhnung der Toten feststellen.“ Foto: privat

Als ich Mitte der 1980er eine Reise auf eine Mittelmeerinsel plante, wurde mir von meinem damaligen Nachbarn nachdrücklich davon abgeraten. Der gemeinhin als honorig geltende Herr meinte mich vor den Inselbewohnern warnen zu müssen, die seiner Weltkriegserfahrung nach alle „Banditen und Partisanen“ seien. Gut zehn Jahre später hörte ich zum ersten Mal einen Vortrag von Argyris Sfountouris, in dem er auf seine eindrückliche Art das Massaker an der Zivilbevölkerung von Distomo und sein Überleben thematisierte. Auch hier dieselbe Reaktion: Die Getöteten wären doch alles „Partisanen“ gewesen, meinte ein gewöhnlicher deutscher Zuhörer. Leider waren und blieben der Nachbar und der Zuhörer keine politisch-auffälligen Ausnahmen. Wie Argyris Sfountouris feststellen musste, handelt es sich bei der Rede von „Banditen und Partisanen“ um eine gewisse deutsche Staatsräson. Nun sind seine diesbezüglichen Reden und Aufsätze eines Überlebenden in Buchform erschienen.