„Mit Gott für Deutschland“ - Teil III unserer Recherche

Mit „Beicht und Kommunion“ in den Krieg

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Vor 90 Jahren wurde Michael Buchberger ins Bischofsamt gehoben. Wie kaum ein zweiter Kirchenhierarch hat Buchberger den Nationalsozialismus begrüßt. Da Buchbergers zweideutiges Verhältnis zum Nationalsozialismus, seine bedenklichen Wortmeldungen und antisemitischen Werke bislang nicht untersucht worden sind, sollen in einer vierteiligen Aufsatzserie wesentliche Aspekte dieser stadtgeschichtlich relevanten Zusammenhänge skizziert werden. Dritter Teil unserer Serie.

Bischof Buchberger begrüßt Jugendliche bei einer Kircheneinweihung 1933. Foto: privat

Bischof Buchberger begrüßt Jugendliche bei einer Kircheneinweihung 1933. Foto: privat

Nachdem im zweiten Teil die von Buchberger verfolgte geistige und seelische „Gleichschaltung des ganzen deutschen Volkes auf christlicher und vaterländischer Grundlage“ skizziert wurde, sollen im dritten Teil die Verwicklungen der katholischen Kirche in der Kriegszeit geschildert werden. Begonnen wird mit der kirchlichen Mithilfe bei der „rassenhygienischen“ Erfassung von sogenannten Erbkranken.

Kirchenbücher und „erbbiologische“ Sippentafeln

Jahre bevor das Mordprogramm umgesetzt wurde, erfasste man die Patienten der Regensburger Heil- und Pflegeanstalt nach „rassenhygienischen“ Kriterien. Dieser Prozess begann bereits Mitte Juni 1936 mit der Errichtung einer sogenannten „erbbiologische Station“, in der die „Bestandsaufnahme der erbkranken Sippen“ erfolgen sollte. Von etwa zwei Drittel aller Patienten wurden so bis 1940 rund 2.000 Sippentafeln erstellt, die teilweise auch die Angehörigen erfassten.

Hierbei waren wiederum die Zuhilfenahme von Kirchenbüchern und die Zusammenarbeit mit Pfarrämtern unerlässlich. Fast zeitgleich zu den „rassenhygienisch“ motivierten Stationen wurde in den Pfarrämtern Anfang Juli 1936 geplant, auf der Grundlage der Kirchenbücher personenbezogene Karteikarten anzulegen. Die erste Forderung nach der sogenannten „Verkartung“ der Kirchenbücher ging auf den „Sachverständigen für Rasseforschung“ im Reichsinnenministerium zurück. Seitdem forderten diverse nationalsozialistische Institutionen eine solche wiederholt. Die NS-Landesbauernschaft etwa schwärmte im Jahr 1936 von der Aufstellung ganzer Dorfsippenbücher.

Da staatliche Stellen die Oberhoheit für die Kirchenbücher erlangen, bischöfliche Stellen diese jedoch nicht aus der Hand geben wollten, kündigte das Regensburger Ordinariat im Juli 1939 eine Erfassung mit Karteikarten in Eigenregie an. Allerdings sollten Kopien davon den NS-Behörden, etwa der Nazi-Bauernschaft, überlassen werden. Die Diözese im benachbarten Passau ging ähnlich vor und vereinbarte im Mai 1939 vertraglich mit dem „Rassenpolitischen Amt“, das bekanntlich für die Propaganda zur Vernichtung des „Lebensunwerten Lebens“ zuständig war, ein personenbezogenes Karteikartensystem. Wie weit die Erstellung der alphabetisch und jahrgangsmäßig unterteilten Karteikarten in Regensburg fortgeschritten ist, hat bislang niemand geklärt.

„T4-Aktion“

"Volksgenosse, das ist auch Dein Geld." Propagandaplakat der NSDAP für das von der Ärzteschaft erdachte Euthanasieprogramm.

„Volksgenosse, das ist auch Dein Geld.“ Propagandaplakat der NSDAP für das von der Ärzteschaft erdachte Euthanasieprogramm.

In Regensburg selber gab es keine Tötungseinrichtungen. Deshalb wurden die dort Selektierten im Zuge der sogenannten T4-Aktion ab November 1940 mit Sammelbussen ins Schloß Hartheim nahe Linz gebracht und dort mit Kohlenmonoxid-Gas getötet. Auswahlkriterium dafür war die angeblich zu geringe Arbeitsleistung. Bis Herbst 1941 kamen mindestens 640 aus Regensburg verschleppte Personen ums Leben. Da die Vorgänge vor der Öffentlichkeit kaum verborgen wurden, gab es in der Folge diverse Proteste gegen die sogenannte T4-Aktion. Der wohl bekannteste dürfte der des Münsterer Bischofs Galen sein, der Anfang August 1941 öffentlich gegen die systematischen Tötungen predigte. Nachdem das T4-Mordprogramm kurz darauf gestoppt wurde, führte man es in der Folge auf andere, nicht öffentlich wahrnehmbare Weise, weiter.

Clemens Cording geht davon aus, dass in Regensburg Karthaus-Prüll von Herbst 1941 bis zum Kriegsende noch rund 1.000 Personen absichtlich ums Leben gebracht wurden, indem man lebenswichtige Ressourcen, wie Nahrung, Heizmaterial, Medikamente, Hygieneartikel, Kleidung und Bettwäsche, nicht zur Vergnügung gestellt habe. Insgesamt sind somit für Regensburg rund 1.600 getötete Personen zu beklagen.

Schweigen und Protest

Bischof Buchberger hat sich, soweit bekannt, zu dieser Vernichtungspraxis überhaupt nicht geäußert. Auch nicht, nachdem Kardinal Faulhaber ihn von seinem energischen Protestschreiben an den Reichsjustizminister Gürtner vom 6. November 1940 berichtete. Faulhaber beklagt darin, dass niemand, der offene Augen und offene Ohren habe, leugnen könne, „daß heute in unserem Volk eine große Unruhe eingetreten ist, weil das Massensterben der Geisteskranken überall besprochen wird, und leider auch die Zahl der Toten, die Art des Todes“.

Sprach sich - im Gegensatz zu Buchberger - gegen

Verurteilte – im Gegensatz zu Buchberger – die Vernichtung „lebensunwerten Lebens“: Kardinal Faulhaber.

Die katholischen Bischöfe würden verstehen können, dass zu Kriegszeiten außergewöhnliche Maßnahmen nötig seien. Sie würden dem Volk auch sagen „daß es bereit sein muss, in Kriegszeiten auch große Opfer, auch Blutopfer, in christlichem Opfergeist auf sich zu nehmen“. Den Kriegswitwen, „die für das Vaterland das Opfer eines teueren Lebens gebracht haben“, würden die Bischöfe mit Ehrfurcht begegnen. Faulhaber verurteilte die „Sterbehilfe und Vernichtung unwerten Lebens“ als Verstoß gegen göttliches Gesetz und sittliche Ordnung.

„Kranke Volksgenossen“ hätten das Recht, so Faulhaber, nicht ausschließlich nach ihren „Nutzwert für die Volkswirtschaft eingeschätzt zu werden“. Bei den Opfern der Euthanasie handle es sich „nicht um verbrecherische, sondern um kranke Menschen“, deren Geisteskrankheit in „einzelnen Fällen durch Alkoholismus, durch sexuelle Ausschweifungen oder sonstwie selbstverschuldet sein“ könnten. Es handle „sich auch nicht immer um Vollidioten und anderes gänzlich unwertes Leben“, sondern um durchaus arbeitsfähige Personen. Aus der nicht konsequenten Argumentation Faulhabers wird deutlich, dass er das zentrale Selektionskriterium, die Arbeitsfähigkeit, kannte.

Faulhaber weiter in seinem Protestschreiben von November 1940: Kein Mensch glaube an die offizielle, immer gleichlautende Darstellung in den Schreiben an Angehörige, wonach die Verstorbenen „aus gesundheitspolizeilichen Gründen‘ und ‚wegen Ansteckungsgefahr‘ eingeäschert“ werden hätten müssen. Dass die Selektionen zur Vernichtung von Ärzten, „den Männern der Heilkunst“, vorgenommen wurden, hielt Faulhaber für unglaublich. Er wies darauf hin, dass er diese Protestnote nicht aus Freude am Widerspruch vortrage, sondern als Bischof nicht schweigen könne, wenn es „um die Erhaltung der sittlichen Grundlagen jeder öffentlichen Ordnung“ gehe. Mit der Bitte „um eine Antwort“ auf seine Darstellungen, aber ohne Forderung und ohne Gruß, schließt Faulhaber sein Schreiben an Minister Gürtner. Die Bitte verlief ins Leere, zu einem unmissverständlichen öffentlichen Protest konnte sich der Kardinal nicht durchringen. Der Regensburger Bischof zu gar keinem.

Feuerbestattung der Katholiken

Buchberger und seine bayerischen Kollegen kamen in der Folge nicht umhin, sich mit den sterblichen Überresten der Euthanasieopfer zu befassen. Da die Getöteten verbrannt wurden und dies nach katholischem Recht (bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil der 1960er Jahre) unzulässig war, bedurfte es einer Regeländerung. Im Regensburger Amtsblatt der Diözese vom 31. Oktober 1940 hieß es unter der Überschrift „Beisetzung von Aschenurnen“: Es bestehe „die Veranlassung über die kirchliche Bestattung von verstorbenen Katholiken, die ohne oder gegen ihren Willen eingeäschert werden sind, nachstehende Richtlinien“ aufzustellen.

Derzufolge sei den Getauften die Bestattung zu erlauben, wenn sie nicht anderweitig unzulässig sei. Allerdings müsse das „kirchliche Geleit der Urne durch die Straßen und über den Friedhof“ unterbleiben. Ein solches könne nur gewährt werden, wenn die Beerdigung der Urne in einem Sarg vollzogen werde.

Drei Wochen bevor Buchberger die Modalitäten für die Beisetzung der Aschenurnen der Euthanasieopfer bekannt gab, hatte sich im diözesanen Amtsblatt ein anderes nationalsozialistisches Vernichtungsprojekt angedeutet. Die „Bekämpfung des Zigeuner-Unwesens“.

Die Kirche und die Bekämpfung des „Zigeuner-Unwesens“

Wie die Anordnung im Amtsblatt der Diözese Regensburg vom 10. Oktober 1940 zeigt, wurden die Verwalter der Pfarrämter zur Komplizenschaft aufgefordert. Unter der Überschrift „Bekämpfung des Zigeuner-Unwesens, hier: Ausstellung von Kirchenauszügen.“ wird per amtlichen Schreiben die Gültigkeit des „Runderlasses des Reichsführer SS“ vom Dezember 1938 für Pfarr- und Standesämter bekannt gegeben. Demzufolge dürfen, falls „Zigeuner, Zigeunermischlinge oder nach Zigeunerart umherziehende Personen“ Kirchenbuchauszüge anfordern, keine Abschriften ausgehändigt werden. Vielmehr müssten die angeforderten Unterlagen an die zuständige Kriminalpolizei weitergeleitet werden. Die Mitteilung müsse „in allen Fällen gemacht werden, in denen der Standesbeamte weiß, daß die Beteiligten zu dem in Frage kommenden Personenkreis gehören“ würden.

Hintergrund des Erlasses war, dass die eigens eingerichtete „Rassenhygienische Forschungsstelle“ seit 1936 Menschen auf der Grundlage der „Nürnberger Gesetze“ in „Vollzigeuner“ und „Zigeunermischlinge“ diverser Grade klassifizierte. Für die hierzu erstellten Gutachten wurden, wie bei der rassischen Erfassung von Personen mit jüdischen Großeltern, insbesondere christliche Tauf- und Geburtsurkunden herangezogen. Bereits am 31. Oktober 1936 forderten Verfolgungsbehörden alle deutschen Pfarrämter auf, Auszüge der Kirchenregister von „Zigeunerfamilien“ an die Forschungsstelle zu schicken.

Die Stolpersteine für

Die Stolpersteine für Philippine, Rosa und Katharine Höllenreiner, die 1943 aus Regensburg deportiert wurden. Nur Rosa überlebte das KZ.

Als die zuständige Kriminalpolizei in der „Bekämpfung des Zigeunerunwesens“ gewisse Schlupflöcher registrierten, sorgten sie für Abhilfe. Diese sollte verhindern, dass sich Betroffene durch den Namenswechsel nach einer Taufe den Verfolgungsbehörden entziehen konnten. Deshalb wurden die katholischen Bischöfe im August 1939 vom Reichskirchenminister ermahnt, „nur Zigeunerkinder zu taufen, für die eine Geburtsurkunde vorlag“. Indes schützte die christliche Taufe auch Sinti und Roma nicht vor Deportation. Die Massendeportationen von „Zigeunern“ begannen bereits im Oktober 1939 aus Wien und im Mai 1940 aus den westrheinischen Gebieten.

Die in München befindlichen Sinti und Roma wurden Anfang März 1943 verhaftet und kurz darauf nach Auschwitz verschleppt. Darunter waren die drei Mädchen Rosa, Philippine und Katharina Höllenreiner, an die in Regensburg Stolpersteine vor ihrem ehemaligen katholischen Kinderheim erinnern. Erst dank der unlängst veröffentlichen Recherche der Journalistin Waltraud Bierwirth („Schandzeit in Regensburg“, 2017) sind für Regensburg einige weiterführende Details bekannt. So hat die Gestapo etwa im Mai 1943 in Regensburg und Umgebung 36 Sinti und Roma verhaftet, beraubt und verschleppt.

Ungeklärt ist in Regensburg, ob die Zusammenarbeit der katholischen Pfarrämter der Diözese in der Bekämpfung des „Zigeunerunwesens“ so weit reichte wie bei der Erfassung von sogenannten „Erbkranken“ und Personen mit jüdischem Hintergrund.

Kein Schutz durch Bischöfe

Was hatte die Kirche gegen Sinti? Gegen Roma? Wilhelm Solms hat in seinem Aufsatz („Die Stellung der Kirchen zu den Sinti und Roma in Deutschland“, 2006) darauf hingewiesen, dass die gesellschaftliche Ausgrenzung von Sinti und Roma auch auf einem „kirchlichen, theologischen und religiösen Antiziganismus beruhen“ würde, und von daher nur ganz wenige Geistliche betroffenen Kindern und Erwachsenen Hilfe und Schutz gewährt hätten.

Die Historikerin Antonia Leugers hat am Beispiel des Münchner Kardinals Faulhaber und anderer Bischöfen aufgezeigt, dass diese sogar konkrete Schutzbitten von katholischen Sinti und Roma durch blankes Ignorieren der Hilferufe abgewiesen haben.

Anhand der angeführten Beispiele kann man erahnen, wie tief die katholischen Pfarrämter in der Erfassung und Konstruktion einer „arischen Abstammung“ und der Denunziation von zumeist katholischen Sinti und Roma verstrickt waren. Deutsche Bischöfe haben sich nach 1945 gar nicht zu der „Amtshilfe“ der Kirche und Kleriker bei der Verfolgung und Vernichtung der meist katholischen Sinti und Roma verhalten. Der Zweite Weltkrieg bildete den gesellschaftlichen Rahmen und eröffnete den Raum, in dem die rassisch motivierte und staatlich organisierte Vernichtung ablief.

Stationen in den Krieg

Die Aufrüstung und Ausdehnung von Nazideutschland ging Schlag auf Schlag, der expansive Weg in den Krieg und war gut vorbereitet. Im Januar 1935 wurde unter Aufhebung der Friedensverträge von Versailles das Saargebiet ins Reich eingegliedert, kurz darauf im März die Allgemeine Wehrpflicht wiedereingeführt. 1936 marschierten deutsche Truppen ins entmilitarisierte Rheinland ein und die deutsche Polizei wurde dem SS-Reichsführer Himmler unterstellt. Im April des Jahres darauf griff die deutsche Luftwaffeneinheit „Legion Condor“ völkerrechtswidrig in den Spanischen Bürgerkrieg ein und bombardiert die spanische Stadt Guernica. Am 12. März 1938 wurde der „Anschluss“ Österreichs vollzogen, was Buchberger freudig begrüßte („ein Stück des alten Deutschen Reichs“).

1937: Umjubelter Besuch von Adolf Hitler in Regensburg. Foto: Stadt Regensburg

1937: Umjubelter Besuch von Adolf Hitler in Regensburg. Foto: Stadt Regensburg

Ein halbes Jahr später, Ende September, beschloss die Münchner Konferenz die Abtretung des Sudentenlandes ans Deutsche Reich, was für Buchbergers Bistum drei neue Dekanate bedeutete. Im Januar 1939 verkündete Hitler im Falle eines Weltkriegs die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“, im März wurden Litauen und das restliche Tschechien als „Reichsprotektorat Böhmen und Mähren“ eingegliedert. Schon im Mai 1939 gab Hitler die Order an die Militärs, den Angriff auf Polen vorzubereiten. Dazu gehörten von deutschen Agenten inszenierte Grenzzwischenfälle und Provokation, die der polnischen Seite untergeschoben wurden.

Die erste kirchliche Stellungnahme zum Krieg erschien am 10. September 1939 im Regensburger Bistumsblatt, das diese Bezeichnung aus presserechtlichen Gründen seit April 1938 trägt und das ehemalige „Sonntagsblatts“ ansonsten unverändert fortführte.

„Mit Gott für Deutschland!“

Das Regensburger Bistumsblatt stimmte seine Leser propagandistisch auf einen gerechten Krieg ein und stellte hierzu eine göttliche Unterstützung in Aussicht. So hieß es in der Ausgabe vom 10. September:

„Der Führer und die Reichsregierung haben alles getan, was mit der Gerechtigkeit und dem Recht und der Ehre unseres Volkes vereinbar ist, um unserem Vaterland den Frieden zu bewahren.“

Da diese Friedensbereitschaft bitter missachtet und verhöhnt worden sei, stehe das ganze deutsche Volk „nun geschlossen und entschlossen und einsatzbereit hinter seiner Führung, jeder an dem Platz, an den ihn der Herrgott gestellt“ habe: „Mit Gott für Deutschland!“
Das Gerede von der „Friedensbereitschaft“ entsprach der damaligen NS-Propaganda. Es sollte die langjährige revanchistische Großmachtpolitik und heimliche Kriegsvorbereitungen des NS-Regimes überdecken, und den Angriff als eine Art präventive Notwehr darstellen. Das formal nicht gleichgeschaltete kirchliche Bistumsblatt wiederholte diese Nazi-Propaganda lediglich.

"Mit Gott für Deutschland": So stimmte das Regensburger Bistumsblatt die Bevölkerung 1939 auf

„Mit Gott für Deutschland“: So stimmte das Regensburger Bistumsblatt die Bevölkerung 1939 auf den Krieg ein.

Die Parole Mit Gott für Deutschland! erinnert an jene aus dem Ersten Weltkrieg, als sich ein Gottesbezug schon einmal als Kriegspropaganda bewährt hatte. Nach diesem Krieg gehörte die Revanche für den gehassten „Schandfriedens von Versailles“ zur politischen Agenda Buchbergers und Faulhabers wie auch des Bistumsblatts. Ein wesentlicher Bestandteil war hierbei die Wiedereingliederung jener Gebiete ins Reich, die nach dem Versailler Vertrag an Polen abgetreten werden mussten.

Die Rede von einem angeblich gottgestützten Feldzug gegen das katholische Polen befremdet dennoch. Umso mehr, da deutsche Einsatzgruppen bereits in den ersten Septembertagen die vorab geplante und rassistisch motivierte Vernichtung der polnischen katholischen Intelligenz, darunter Geistliche, umsetzte.

Die NS-Propaganda des Bistumsblatts zu Kriegsbeginn war kein Ausrutscher oder nur ein anfänglicher Überschwang. So viel im Voraus: Der Regensburger Bischof hat den Vernichtungskrieg der deutschen Armeen, der Einsatzgruppen, Polizei- und SS-Einheiten bis zuletzt ohne Einschränkung mitgetragen. Immerzu Opfer für das innig geliebte Vaterland einfordernd.

Mit „Beicht und Kommunion“ in den Krieg

Knapp zwei Wochen nach dem Überfall auf Polen vom 1. September 1939 wandte sich Bischof Buchberger mit einem Hirtenwort an seine „lieben Diözesankinder“. Es sei ihm „eine heilige Pflicht und ein Bedürfnis des Herzens in der ersten Zeit einige väterlich Hirtenworte“ an sie zu richten. Sein Blick sei auf die Brüder im Felde und die Feldgeistlichen gerichtet, für die er bete.

Buchbergers Rede handelt vom Opfer des Lebens und dem heiligen Glauben, der jedes Opfer und Leiden erleichtern möge. Dieser Glaube besage, dass das Leben nach dem Tode nicht ende, sondern erst beginne und „ein anderes, höheres, besseres dafür gegeben“ werde. Der Regensburger Bischof erinnert seine „lieben Krieger“ an die gnadenreiche Stoßgebete, die in der Stunde der Gefahr und mehrmals täglich zu sprechen seien. Jene, die jetzt erst zu den Waffen gerufen werden, ermahnt Buchberger, „durch eine würdige heilige Beicht und Kommunion sich seelisch zu stärken für die schweren Ausgaben“, die sie erwarten würden.

1941: Kundgebung der HJ auf dem Moltkeplatz (heute: Dachauplatz). Foto: Stadt Regensburg

1941: Kundgebung der HJ auf dem Moltkeplatz (heute: Dachauplatz). Foto: Stadt Regensburg

Den Angehörigen empfiehlt er Gottvertrauen, der nicht waffentauglichen Jugend, viel zu beten. „Für unser teures Vaterland“ solle sie, die Jugend, eine „Armee von Betern“ bilden. Die heilige Kirche habe schon im Ersten Weltkrieg (als Buchberger als Feldprobst die Krieger bis zum Kriegsende 1918 seelsorgerisch betreute) „eine großzügige hochherzige Liebe entfaltet und viele Werke der Liebe ins Leben gerufen“, hinter diesen gelte es, nicht zurückzustehen. Der allmächtige Gott möge sie „schützen, stärken und trösten“.

So endet das am 8. September unterschrieben Hirtenwort, dessen religiös unterfütterte Mobilmachung kaum noch steigerbar ist. Es wurde am 14. September verlesen und zwei Wochen später im Bistumsblatt nochmals abgedruckt. War die erste Meldung im Bistumsblatt noch darauf bedacht, den Krieg als eine Art Notwehr darzustellen, drückt sich in Buchbergers am 14. September verlesenen Hirtenwort nicht nur ein uneingeschränktes Einverständnis mit dem Angriffskrieg, sondern auch ein in Mobilmachung erfahrener und hochmotivierter Kriegerbischof aus.

„Nun danket alle Gott“

Im zweiten Kriegsjahr besetzten deutsche Truppen im April 1940 Dänemark, im Mai die Beneluxländer, um daraufhin Frankreich anzugreifen. Nach dem Waffenstillstand mit Frankreich druckte das Bistumsblatt am 7. Juli den Aufruf mit dem Titel „Führer an das Deutsche Volk“ ab. Nach knapp sechs Wochen heldenmütigen Kampf habe man den Krieg gewonnen, der glorreichste Sieg würde in die Geschichte eingehen: „In Demut danken wir dem Herrgott für seinen Segen.“ Doch nicht nur Adolf Hitler meinte einer göttliche Instanz danken zu können. Der Aufruf im Kirchenblatt war nochmals fett überschrieben mit: „Nun danket alle Gott“.

Als ob es ein deutscher Gott gewesen wäre, unter dessen Oberaufsicht Hitlers Truppen endlos siegen und die Heimat schadlos bleiben könnte, wiederholte Buchberger im Oktober 1940 seine Anrufungen. Er und seine Herde, seien „Gott tiefen Dank dafür schuldig, daß er uns vor den Leiden und Schrecken des Krieges so gnädig bewahrt hat und daß durch die Tüchtigkeit und Tapferkeit unserer Truppen jeder Feind von unserer Heimat ferngehalten“ worden sei. Dem folgt der Dank an die Gefallenen, die offenbar nicht von Buchbergers Gott beschützt und am Leben gelassen wurden. Der Kriegsseelsorger Buchberger nutzt aber auch die Gunst der Stunde und spricht vom Krieg als Prüfung, Heimsuchung und Mahnung Gottes, dessen Regeln er als Bischof meinte, definieren zu können.

Lobeshymne auf den Führer im Bistumsblatt

Das Bistumsblatt jubiliert "zum 52. Geburtstag des Führers".

Das Bistumsblatt jubiliert „zum 52. Geburtstag des Führers“.

Auch das Bistumsblatt schwelgte in der Vorstellung, dass Gott nur auf der Seite der deutschen Truppen und SS-Einsatzgruppen unterstützend tätig ist, oder sein kann. Als im Oktober 1940 der Vikar der Anglikanischen Kirche aus Leceister (angeblich) meinte, die Bomber der Royal Airforce sollten die deutschen Teufel auslöschen, erklärte der Bistumsblatt-Schriftleiter Ludwig Hämmerle angesichts „dieser Worte eines besessenen Hasses“ seine abgrundtiefe Trauer. Darüber, dass sich so ein Mann, „der sich ordinierter Diener einer christlichen Konfession nennen“ dürfe, eine „solch grauenhafte Judastat am Christentum“ begehe. Die deutschen Katholiken hingegen würden, wie im Ersten Weltkrieg, nur ums Lebensrecht kämpfen, andere Nationen jedoch nicht hassen. Die Worte des Vikars würden aber, so der Schriftleiter weiter, die Härte des Kampfes und den Umfang des Dankes anzeigen, „den wir unserer Wehrmacht und unserem Führer schulden“.

„Zum 52. Geburtstag des Führer“ gratulierte das Bistumsblatt am 21. April 1941 auf der Titelseite mit einer Lobeshymne: Der Führer habe das Vaterland aus den Händen willkürlicher übermütiger Feinde gerissen, eine siegreiche Wehrmacht sichere „im gigantischen Endkampf die Freiheit und Größe des geeinten Volkes“, keine Epoche der deutschen Geschichte kenne größere Leistungen und größere Erfolge – was alles „in erster Linie des Führers Werk“ sei. Ihm danke das deutsche Volk von ganzem Herzen und erneuere „in gläubiger Zuversicht das Gelöbnis treuester Gefolgschaft.“ Im darunter stehenden Gebet heißt es: Gott segne unser deutsches Volk, die Führer der deutschen Wehrmacht, das deutsche Soldatentum und „besonders unseren Führer und Reichskanzler in allen Aufgaben, die ihm gestellt“ seien. Die Hingabe an Volk und Vaterland unter seiner Führung sei „eine heilige Aufgabe“. Nationalsozialistischer Führer-Kult und deutsch-katholische Kriegstheologie gehen in dieser Hymne eine untrennbare Legierung ein.

Mit Muttergottes Hilfe gegen die Sowjetunion

Ein neues Kapitel wurde aufgeschlagen, als die deutschen Armeen die Sowjetunion angriffen. Nun geht es nicht mehr nur gegen einen als illegitim und minderwertig betrachteten Nachbarstaat wie Polen, sondern endlich gegen den Erzfeind, den russischen Bolschewismus.
Erstmals im September 1941 spielt Buchberger die katholische Trumpfkarte aus und fleht den Schutz und die Hilfe „der Mutter der Barmherzigkeit und Königin des Friedens“ herab, für das teure Vaterland und seine Krieger und „gegen den gottlosen, unmenschlichen Bolschewismus.“ Für die Erlangung eines Sieges empfahl Buchberger unter anderem Rosenkranzgebet lang, Rosenkranzgebet kurz und regelmäßige Betstunden. „Der Ernst und die Not der Zeit“ würden zum Beten um Gotteshilfe mahnen, damit dieser „unserem lieben Vaterland bald einen ehrenvollen und dauernden Frieden“ schenke.

Am 18. Oktober 1941 dankte der Bischof auch seiner Geistlichkeit für ihren Kampf und die Erfüllung der „vaterländischen Pflicht“ bei „der Niederringung des gottlosen und unmenschlichen Bolschewismus.“ Der Geistlichkeit schreibt er eine bedeutsame Rolle im antibolschewistischen Krieg zu.

In seiner im gesamten Bistum verlesenen Predigt zum Jahresende 1941 mahnt und dankt Buchberger angesichts des Krieges wie gehabt. Rußland stellt Buchberger sich als eine „wahre Hölle“ vor, aber nicht wegen dem gerade laufenden Vernichtungskrieg der deutschen Einheiten, sondern wegen der Gottlosigkeit und dem dortigen „Vernichtungskampf gegen die Kirche“. Der Blick auf das gottlose Rußland solle „eine gnadenvolle Offenbarung“ sein, für ein zukünftiges Leben Jesus Christus.

Buchberger im Glaubenskampf

Das neue an dieser Predigt ist, dass Buchberger auch von einem „Glaubenskampf“ spricht. Buchberger meint mit Glaubenskampf, „wenn andere die Axt an den Baum des Christentums legen“ würden. Wer diese anderen sind, benennt er nicht. Er spielte offenbar auf die antiklerikalen Sektoren und Figuren im NS-Staat an und deren politischen Bestrebungen, den Einfluss und die Bedeutung der (katholischen) Kirche zu bekämpfen.

Buchberger wolle zwar keinen Unfrieden stiften: „Aber ich müßte blind und taub sein, würde ich den Kampf gegen Christus und seine Kirche übersehen und überhören.“ Es sei seine Pflicht warnend auf die Stimmen hinzuweisen, die „selbst an den 10 Geboten rütteln“ wollten. „Würden Gewalt und Zwang versuchen“ in das Heiligtum der Kirche einzudringen, „müssten wir sie entschlossen und entschieden abwehren.“ Die „beste Glaubenswehr“ sei immer die unwandelbare Treue, die nach dem Worte handle: „Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“ Doch wolle er seine Diözesankinder heute nicht mutlos machen und nicht klagen, „um nicht das Jahr mit einem Mißton abschließen“. Nähere Ausführungen zum Glaubenskampf machte Buchberger nicht.

Buchbergers Trauma: Kriegsniederlage

Im Fastenbrief von 1942 spricht der Regensburger Bischof die große deutsche Volksfamilie an, die „einer Welt von Feinden gegenüber“ stehe und schon mal einen Weltkrieg verloren habe. Sie müsse alles tun, opfern und leiden, damit sie „nicht ein zweites Mal das bittere Los des Besiegten“ treffe. Im Krieg dürfe im Inneren kein Unfrieden herrschen, sondern Einigkeit. Buchberger sprach aktuell bereits „vom furchtbarsten aller Kriege“. In dieser Wortwahl ist bereits die Angst vor einer weiteren Kriegsniederlage, Buchbergers altes Trauma, bestimmend. Nachdem die deutschen Armeen im ersten Kriegsjahr nicht wie ausgedacht die Sowjetunion nach Belieben hatten überrennen können und die USA Anfang Dezember 1941 Deutschland den Krieg erklärt hatte, war eine Niederlage seiner Krieger längst abzusehen.

In seiner Weihnachtsansprache von 1943 sprach Buchberger trotz des von ihm seit fünf Jahren uneingeschränkt unterstützten „furchtbaren Völkerkampfes“ vom „Fest der Liebe, des Friedens und der Gnade Gottes“. Dem Kriegsverlauf entsprechend war nun auf einmal von Verteidigung die Rede. Seine Heldensöhne und Krieger würden „unter so schweren Kämpfen und Opfern die Heimat schützen, heißt es. Des Weiteren ging es Buchberger um die sittlichen Verhältnisse in der Heimat, die er durch einen Appell wieder aufrichten wollte:

„Es darf niemand geben, der an der großen, entscheidenden Stunde des Vaterlandes verständnis- und gefühlslos vorübergeht, der auf Vergnügen und Genuß sinnt oder gar die heilige, eheliche Treue bricht, während die Lieben im Felde mit dem Feind und mit dem Tode ringen. ‚Treu unserem Glauben und treu unserem Vaterland‘ soll unsere Losung bleiben!“

Es sei bitter zu sehen, dass viele, sogar Kinder und Jugendliche, „den Ernst der Zeit immer noch nicht erkennen, sondern in Leichtsinn und Sünde dahinleben, als gäbe es keinen Krieg, kein Leid und keinen Tod“.

Der ungerechte Krieg gegen die Heimat

Als Regensburg im Herbst 1944 bombardiert wurde, schwenkte Buchberger in seiner Traueransprache um und beklagte den Umstand „einer ungerechten Kriegsführung“, die Juwelen der kirchlichen Baukunst zerstört und Menschenleben gekostet habe. Zum Ende des Jahres 1944 bewunderte er die deutschen „Truppen im Felde in einer einzigartigen Widerstandskraft“, die „tiefsten Dank verdient“ hätten.

In seiner Ansprache zur Fastenzeit 1945 zeigte sich Buchberger sorgend und leidend, „ein gewaltiger Ernst habe sich über unserm geliebten deutschen Vaterland ausgebreitet.“ Die brennende Front vor Augen („wo unsere tapferen, treuen Helden einen Kampf auf Leben und Tod für ihr Volk und Vaterland austragen“) sieht der Bischof nur altbewährte Kämpfer, die „sich mutig dem Feinde entgegenstellen, um ihm die Tore zur deutschen Heimat zu versperren.“ Um die leidenden Gläubigen wieder zum Kirchenbesuch zu motivieren, erinnert Buchberger an das Sühneleiden des Erlösers, mahnt die Heilige Messe zu besuchen („Kommt, ihr Trauernden und Beladenen, laßt uns trinken aus den Quellen des Erlösers“!). Buchberger bittet: „daß ihr gläubig und würdig die hl. Ostersakramente empfanget, womöglich gemeinsam nach Alter und Ständen!“.

Sich die verbrannte Erde in den diversen von den deutschen Armeen angegriffenen europäischen Heimatländern vorzustellen, dafür wird kein Gedanke verschwendet. Stattdessen wird „das furchtbare Zerstörungswerk, das feindliche Flieger angerichtet“ hätten, beklagt. Buchberger: „Eine ganze Welt von friedlich-trautem Heim- und Heimatglück“ liege zertrümmert in Schutt und Asche. Die Rede von den eigenen Verlusten und Opfern bestimmte alles. Von siegreichen Helden und dem von ihm jahrelang herbei geflehten und herab phantasierten göttlichen Schutz für die deutschen Kriegsherren und ihre Soldaten wollte Bischof Buchberger nichts mehr wissen.

Buchberger hält sein Volk bei den Nazifahnen

Überschaut man die hier kurz skizzierte ungebrochene Befürwortung der Eroberungs- und Vernichtungskriege, zeigt sich Buchberger als verlässliche Stütze und Mobilisierungsinstanz des NS-Regimes. Dies entsprach zu einem dem Selbstverständnis der katholischen Bischöfe, ihre Gläubigen mit außergewöhnlichen Maßnahmen aufzufordern, in Kriegszeiten „Blutopfer, in christlichem Opfergeist auf sich zu nehmen“. Zum anderen scheinen bei Buchberger auch der Bewältigungsversuch und die Aufhebung des von ihm als Schande erlebten Friedensschlusses von Versailles durch.

Bis zuletzt hielt Bischof Buchberger seine Schäfchen bei den Nazifahnen. Foto: Stadt Regensburg

Bis zuletzt hielt Bischof Buchberger seine Schäfchen bei den Nazifahnen. Foto: Stadt Regensburg

Er setzte im Zweiten Weltkrieg alles daran, seine Katholiken bei den Nazifahnen zu halten, die Kriegsmotivation an der Heimat aufrecht zu erhalten. Unter der Parole „Mit Gott für Deutschland“ half Buchberger, katholische Nachbarländer zu unterwerfen, dankte Gott für die Siege und der Verschonung der Heimat – wie es auch die offizielle Propaganda des „Führers“ tat. Als es 1941 endlich – nach Jahren der eifrigen Vorfeldpropaganda – gegen das bolschewistische Russland ging, entwickelte Buchberger eine Art Theologie des Heiligen Krieges. Die Situation und Auseinandersetzung mit dem „gottlosen Russland“ war für Buchberger „eine gnadenvolle Offenbarung“, der Krieg dagegen göttlich legitimiert.

Sein Sonntagsblatt wollte den Kommunismus schon 1933 „wirklich ausrotten“. Nachdem der für Hitlers Armeen anfänglich positive Kriegsverlauf sich geändert und Amerika ins Kriegsgeschehen eingegriffen hatte, sprach Buchberger von Heimatverteidigung und glaubte immer noch Gottes Schutz und Segen für sein opferreiches Volk herbeirufen zu können. Bis zum Kriegsende. Seine vorbehaltlose Unterstützung und (kriegs)theologischen Begründung des deutschen Vernichtungskriegs hat Buchberger auch nach Mai 1945 nicht in Frage gestellt.

Wie Bischof Buchberger sich in seinem ersten Nachkriegs-Hirtenwort vom Juni 1945 als NS-Gegner darstellte und den am 24. April 1945 standrechtlich hingerichteten Domprediger Johann Maier instrumentalisierte, darüber wird im vierten und letzten Teil berichtet.

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Kommentare (6)

  • Angelika Oetken

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    ,„Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.“‘

    Das Machtprinzip, mit seiner logischen Zirkelschließerei empfinde ich als genauso genial, wie skurril. Man(n) legt einfach fest, dass eine allmächtige, übersinnliche Figur existiert und ein aus sich selbst heraus reproduzierender Klüngel von ältlichen, ihre mehrheitlich offensichtliche sexuelle Identitätsstörung verleugnender Männer legt fest, was dieser „Gott“ angeblich von oben herab so alles anweist.

    Aber bei „die Kirche“ ist es so, wie in ähnlichen Gefügen auch: es sind die Frauen, die die Strippen ziehen und das System am Leben halten. Und das macht es wirklich gefährlich.

  • Günther Herzig

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    Gut! Schade, dass es hier keine grünen Daumen gibt!
    Frohe Ostern!

  • Herbert Turetschek

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    @Frau Oetken: Also, man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen; dann muss ich diesen Vollpfosten ja gar nicht Folge leisten ;)

  • Angelika Oetken

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    Herr Turetschek,

    wir sind doch bei den Katholen: da kann man mit IHM nur durch SIE, die Kleriker sprechen. Darum tragen SIE zur Zeremonie auch grellbunte Kleidchen. Was eventuelle Antworten von IHM angeht, bleibt dem Laien nichts Anderes übrig als auf SIE zu vertrauen. Die, die Laien nämlich müssen eben dran glauben…

    Martin Luther war es, der dieses einzigartige Monopol in Frage stellte und schließlich beenden und zu ersetzen half. Um gleich einen neuen Laden zu gründen. Indem die Kundschaft auch über den Tisch gezogen wird, aber noch eleganter.

    VG
    Angelika Oetken

  • dünnster Künstler

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    Zum Artikel:
    „Es handle „sich auch nicht immer um Vollidioten und anderes gänzlich unwertes Leben“, sondern um durchaus arbeitsfähige Personen. Aus der nicht konsequenten Argumentation Faulhabers wird deutlich, dass er das zentrale Selektionskriterium, die Arbeitsfähigkeit, kannte.“
    Die Psychatrie in Regensburg war in der Weimarer Republik reformorientiert: Die Insassen gärtnerten z.B. in Karthaus zur Selbstversorgung. Die Patienten sollten sich betätigen und einbringen können um der Lethargie zu entgehen und Bestätigung und Selbstvertrauen zu finden. Die Leitung unternahm Schritte um die Institution zur Stadtgesellschaft hin zu öffnen; so gab es z.B. ein Kontingent an Freikarten fürs Stadttheater. Die Psychatrie war Teil der Stadt. An so einem Miteinander hatten die Nazis kein Interesse: Die Insassen wurden ihrer Betätigungen beraubt für bettlägerig erklärt und im Krieg auf Hunger Diat gesetzt, so dass viele bald an Unterkühlung, Entkräftung und Erkältung starben. Die von den Nazis ausgetauschte Anstaltsleitung fütterte in Eigeninitiative noch weniger als die Hungerdiat vorsah und vermeldete dies stolz… Die Nazipsychater und T4 Vordenker machten noch bis in die 1970er Jahre hinein Karrieren….

    Übrigens: Der tagsüber fröhlich plätschernde und nachts lebensfeindlich anmutende Dachauplatzbrunnen (1973) hatte ein Hauptrohr, das dem Vergasungsrohr in Hartheim glich… Readymade? ( vergl: http://europabrunnendeckel.de/?p=3028#dachauplatzbrunnen )
    Das freilich ist in Regensburg nie thematisiert worden….ebensowenig wie die Aussage und Absicht der Gedenkstehle (siehe Teil 4 der Artikel Serie) Während dem bundesweiten Wettbewerb für einen neuen Brunnen auf dem Dachauplatz, bei dem das Thema NS ausgeklammert wurde, wurde die zu verrückende Stehle von Richard Triebe ( der zeitgleich das Denkmal für Theobald Schrems schuf), wohl der Einfachkeit halber, als „Mahnmal der Opfer des Nationalsozialismus“ erklärt. Thema abgehackt?..

  • Angelika Oetken

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    @dünnster Künstler,

    Ihren Hinweis auf die psychiatrische Reformbewegung in Regensburg finde ich sehr interessant. Denn wie heute auch, handelte es sich damals bei einem Großteil der schwerer psychiatrisch erkrankten Menschen um Personen mit Traumafolgestörungen. Ursache und Wirkung sind beim PTBS miteinander verflochten http://www.psychiatrie.de/psychiatriegeschichte/weimarer-republik/

    Dass gerade rechtsreaktionär und rechtsradikal eingestellte Personen dafür waren, psychisch kranke Menschen systematisch auszugrenzen, zu misshandeln und zu töten, kommt nicht von ungefähr. Wenn jemand als Kind nicht gelernt hat, sich innerlich zu stabilisieren, wird die – scheinbare ! – Ordnung um so attraktiver. Es kann sich ein regelrechter Hass auf alles entwickeln, was irritiert http://bidok.uibk.ac.at/library/beh1-00-identifikation.html In vielen übergriffigen Männern erkenne ich den kleinen, von seiner Mutter misshandelten und im Stich gelassenen Jungen wieder. Der dieses bedürftige Kind in sich hasst, ablehnt und fürchtet. Darum finde ich die Lebensgeschichte von solchen Personen wichtig, wenn man verstehen will, was sie umtreibt. Und zwar die authentische, nicht die frisierte.

    VG
    Angelika Oetken

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