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„Mit Gott für Deutschland“: Anmerkungen zu Bischof Michael Buchberger

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Bischof Michael Buchberger

Bischof Michael Buchberger im Jahr 1928.

In Regensburg gedenkt man seit 1945 des Dompredigers Johann Maier, der am 24. April 1945 standrechtlich hingerichtet wurde. Diese Tradition geht zurück auf den vor 90 Jahren ins Bischofsamt gehobenen Michael Buchberger, der den Nationalsozialismus wie kaum ein zweiter Kirchenhierarch begrüßt hat. Da Buchbergers zweideutiges Verhältnis zum Nationalsozialismus, seine bedenklichen Wortmeldungen und antisemitischen Werke bislang nicht untersucht worden sind, sollen in einer vierteiligen Aufsatzserie zumindest wesentliche Aspekte dieser stadtgeschichtlich relevanten Zusammenhänge skizziert werden.

Wird im ersten Teil die Zeit bis 1933 ins Visier genommen, geht es im zweiten um Buchbergers offene Unterstützung des NS-Staates bis zum Kriegsanfang. Im dritten Teil soll dann Buchbergers Beitrag zur Kriegsmobilisierung und sein Verhalten gegenüber den nationalsozialistischen Vernichtungsprojekten skizziert werden. Der letzte Teil handelt von Buchbergers Vorstellungen zum Wiederaufbau des „deutschen Volkes“ und vom Umgang der Nachkriegsgesellschaften mit den Verstrickungen des Regensburger Bischofs im Nationalsozialismus.

Von den NS-Verbrechen und dem Gottesmord auf Golgatha

Im Hirtenbrief vom März 1946 erinnert der Regensburger Bischof Michael Buchberger seine Diözesankinder an die christliche Sitte, mit allen leidenden Menschen „herzlich mitzufühlen“. So auch mit den unschuldigen Opfern „der furchtbaren Verbrechen, die während des Krieges“ begangen worden seien, auch sie hätten ein Recht auf ein „warmes Mitgefühl“. Wer diese Opfer sind, sagt er nicht. Stattdessen prahlt Buchberger, dass er schon vor der Machtergreifung der Nazis in seiner Schrift Gibt es noch eine Rettung? vorausgesagt habe, „daß uns der Nationalsozialismus in den tiefsten Abgrund des Elends stürzen“ werde.

Zugleich tadelt Buchberger in seinem Hirtenwort, das zum ersten Fastensonntag 1946 in der ganze Diözese verlesen wurde, jene, die sich in der Verurteilung der Verbrechen und Untaten der Nationalsozialisten „kaum genug tun können“, jedoch „keinen Schmerz und Abscheu über den Gottesmord auf Golgatha“ kennen würden. Es fehle am „christlichen Glauben, Denken und Fühlen“, gerade auch, um aus dem gegenwärtigen Elend herauszufinden. Anstatt weiter auf die Opfer und Täter des Nationalsozialismus einzugehen, spricht Buchberger über das „furchtbare Unglück unseres Volkes“ und predigt über den Gottesmord. Der Heiland sei zu jener Zeit nach seiner Gefangennahme zunächst zu den Hohenpriestern, dann zu Pilatus und schließlich zu König Herodes geschleppt und überall „vom Haß und Hohn des jüdischen Volkes“ verfolgt worden. Bis hin zum Gottesmord, den der aufgereizte Pöbel verlangt habe.

Wieso bemühte der Regensburger Bischof Michael Buchberger (1927 bis 1961) einen angeblichen „Hass und Hohn des jüdischen Volkes“ gegen den Heiland, ohne die kurz zuvor beendete hasserfüllte deutsche Vernichtungspraxis gegen das jüdischen Volkes zu verurteilen?

Dass Buchberger nicht einmal ein Jahr nach der Befreiung der Überlebenden aus den Konzentrations- und Zwangsarbeiterlagern antisemitische Stereotype predigte und verbreiten ließ, mag heutzutage verwundern. Untersucht man aber Hirtenwörter, Briefe und Schriften, die seiner Feder entsprungen oder unter seiner Verantwortung entstanden sind, zeigt sich, dass Buchberger seiner völkischen Weltsicht die Jahre über treu blieb. Am Anfang soll Buchbergers 1931 im Pustet Verlag erschienene Schrift Gibt es noch eine Rettung? stehen. Sie gewährt tiefe Einblicke in sein Denken und Agieren.

Buchbergers Rettung des deutschen Volkes von 1931

Michael Buchberger (ganz rechts im Bild) 1916 beim Frontbesuch mit Kardinal Franziskus von Bettinger (Bildmitte) bei dem bayerischen Divisionspfarrer Jakob Weis (ganz links).

Michael Buchberger (ganz rechts im Bild) 1916 beim Frontbesuch mit Kardinal Franziskus von Bettinger (Bildmitte) bei dem bayerischen Divisionspfarrer Jakob Weis (ganz links).

Was genau sah Buchberger in seiner Schrift von 1931 in Gefahr? Worin bestand die angedachte Rettung? Anders als er im Nachhinein glauben machen wollte, ging es ihm primär nicht um die nationalsozialistische Bewegung, sondern um den drohenden Untergang der „Völker des Abendlandes“. Namentlich um den „Verfall“ des deutschen Volkes. Gefahr drohe sowohl von sozialistischen Bewegungen bzw. dem Kommunismus wie auch vom Nationalsozialismus. Beide würden irrigerweise an das Proletariat glauben, ihr Programm bedeute die „Entgottung“ und „Entkirchlichung“ der Gesellschaft.

Jeder Liberalismus müsse versagen, da er die Kirche ausschalte, so Buchberger. Der Weg, den der liberale Weimarer Staat eingeschlagen habe, habe deswegen in den Abgrund geführt. Die Entchristlichung der Gesellschaft werde von einer materialistischen Lebensauffassung begleitet. Kirchenfeinde seien „in den Versammlungen von Kommunisten, Sozialisten, Freidenkern, Adventisten, ernsten Bibelforschern, Feuerbestattern und allen möglichen Sekten“ anzutreffen. „Lichtspiel, ‚Illustrierte‘, leichteste und schwülste Romane, Jazzmusik, Negertänze, Fußball, Boxen, Rekorde“ würden viel mehr interessieren und unterhalten als ein wissenschaftliches Thema.

Buchberger, geboren 1874 in Jetzendorf in der Hallertau und Zögling des Freisinger Bischöflichen Knabenseminars, beschreibt eine krisenhafte Gesellschaft im Wandel, die von Arbeitslosigkeit und einem gravierenden Machtverlust der christlichen Kirchen gezeichnet ist. Während des I. Weltkriegs hatte Buchberger die bayerische Feldseelsorge organisiert. Den Sturz der bayerischen Wittelsbacher-Monarchie und die Ausrufung der Republik 1918 erlebte er als Domkapitular in München/ Freising. Beides betrachtete er als gesellschaftliche Fehlentwicklung, an der jüdische Kommunisten maßgeblich beteiligt gewesen seien und bemühte die „Dolchstoßlegende“ zur Erklärung der Kriegsniederlage.

„Der Nationalsozialismus ist ein unausgegorener Wein“

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Thesen vom „übermächtigen jüdischen Kapital“ und einer Presse, die das sittliche Leben unterhöhlt. Buchbergers „Gibt es noch eine Rettung?“

Den Sozialismus – und den Bolschewismus als gewaltförmige Unterart desselben – hält Buchberger in vielerlei Hinsicht ebenso für prinzipiell gescheitert. Vor allem, weil er „gottlos“ und „religionslos“ sei. Da er die „Seelenkräfte des Menschen“ lähme, „das Naturrecht“, die „bösen Anlagen“ des Menschen und die Notwendigkeit einer Erlösung durch die „Gnade Christi“ verleugnen würde. Die Führer der sozialistischen und kommunistischen Partei in Deutschland und Österreich seien „religions- und konfessionslos und bekämpfen die christliche Schule in jeder nur möglichen Weise!“ Dies geschehe gewiss „nicht im Interesse des Arbeiters, nur im Interesse des Marxismus!“

Der Nationalsozialismus hingegen ist in Buchbergers Augen „ein unausgegorener Wein“, ohne „festes, wohldurchgearbeitetes Programm“. Hier differenziert er zwischen Partei und Anhänger und denkt an Zusammenarbeit. Für die große Mehrzahl der Anhänger des Nationalsozialismus zeigt Buchberger Verständnis. Sie hätten sowohl an Sozialismus und Kommunismus gelitten als auch am „traurigen Los ihres Vaterlandes“, das „wie das deutsche Volk durch die Folgen des Weltkrieges förmlich unter ein Sklavenjoch gebeugt“ worden sei. Die Entstehung einer nationalen Woge sei „anbetrachts der Vaterlandslosigkeit weiter Kreise – nicht bloß proletarischer und kommunistischer! – ebenso verständlich wie berechtigt.“

Da „der Nationalsozialismus keine festen Grundsätze“ habe, und „weil das große Wort vielfach Männer führen, die dem christlichen Glauben und christlich-deutschen Wesen fern“ stünden, verfalle „er mehr und mehr einem beschränkten und engherzigen Rassen- und Persönlichkeitskult“ und versinke in einen romantischen alten germanischen Götterglauben. Daraus würden Konflikte mit Christentum und Kirche entstehen. Obwohl er sich in Worten zum Christentum bekenne, untergrabe der Nationalsozialismus dessen Grundlagen. Vor allem durch „seinen Kampf gegen das Alte Testament“ und durch eine „feindselige Haltung gegen die katholische Kirche und ihr Oberhaupt“.

Buchberger vertrat gültige Kirchenlehre

Bis hierher argumentierte Buchberger, der ab 1906 für zwei Jahre an der Regensburger Theologischen Hochschule (dem sogenannten Lyzeum) unterrichtete, im Einklang mit der damals gültigen Lehre der katholischen Kirche. Diese verurteilte indes nicht das Konstrukt von „Rasse“ an sich, sondern nur die alles überragende Bedeutung, die ihr die Nazis zugeschrieben. Das in der katholischen Lehre als hochrangiger bewertete Taufsakrament sollte Menschen jedweder Herkunft, also auch Juden und Jüdinnen, erlösen können. Der katholische Anspruch auf Erlösung des ganzen Menschengeschlechts vertrug sich also nicht mit einer Überbewertung der „Rasse“. Oder anders gesagt: Die katholische Glaubenslehre war auf den Primat „Religion“ angewiesen.

Wer glaubt, in Buchbergers Schrift folge nun auch eine Verurteilung des für den Nationalsozialismus zentralen Antisemitismus, wird im nächsten Absatz eines Besseren belehrt. Stattdessen bedient er, trotz der Verneinung der Relevanz von „Rasse“ von katholischer Seite aus, den damals virulenten antisemitischen Diskurs.

Buchbergers Kampf gegen die Juden

Direkt im Anschluss an seine Kritik der kirchenfeindlichen Haltung des Nationalsozialismus konstatiert Buchberger ohne Distanzierung: „Der Kampf gegen das Alte Testament ist ein Ausfluß seines Judenhasses“. Woraus dieser sich speise, weiß Buchberger freilich auch: Es lasse sich „gewiß nicht leugnen, daß eine Schicht des Judentums diesen Kampf und Haß“ heraufbeschworen habe. Gerade, wenn „sie einen so übermächtigen und unguten Einfluß auf das geistige und wirtschaftliche Leben des deutschen Volkes ausübe“ und sogar in seiner Existenz bedrohe.

Es gebe „wirklich nicht bloß einen Antisemitismus, sondern auch einen Antichristianismus [Hervorhebung im Original], so der promovierte Theologe Buchberger. Die Presse [H.i.O.] unterwühle „ununterbrochen das religiöse und sittliche Leben des Volkes“, lebe „zum Teil förmlich vom Kampf gegen christlichen Glauben und christliche Sitte“, sie sei zum guten Teil in jüdischen Händen. „Viele jüdische Federn versündigten und versündigen sich bis heute durch eine massenhaft unter das Volk geworfene laxe und seichte, antireligiöse und antichristliche Literatur, die an dem sittlichen Mark unseres Volkes, besonders auch unserer Jugend“, nage.

„Eine Art gerechter Notwehr“

In dieser Weltsicht darf die Nazirede von „jüdischen Warenhäusern“ und dem Kapital nicht fehlen: „Ein übermächtiges jüdisches Kapital“ [H.i.O.] beherrsche „das wirtschaftliche Leben und besonders den Handel in einer für das Gemeinwohl schädigenden oder doch sehr gefährlichen Weise, so daß der kleinere deutsche Geschäftsmann, Handwerker und Unternehmer einfach nicht mehr mitkommen kann und daher zugrunde gehen“ müsse. Buchberger meint es ganz offen aussprechen zu müssen, „daß dies ein Unrecht am Volksganzen“ bedeute, „das Gemeinwohl und die Volkswohlfahrt schwer“ schädige, Tausende von Existenzen zerstöre und furchtbar viel Erbitterung ansammeln müsse.

Sich gegen diese Auswüchse „in rechter und maßvoller Weise zu wehren“, sei „eine Art gerechter Notwehr“. Der Kampf gegen Teile des Judentums dürfe aber nicht zur Bekämpfung des Judentums überhaupt werden, der wirtschaftliche Kampf nicht in einen unchristlichen Rassen- und Religionskampf ausarten. Vor allem ist Buchberger dagegen, den „Kampf sogar auszudehnen auf die Vergangenheit, auf jenes Volk, das vor Jahrtausenden der Träger der Offenbarung war, und dem die Schriften des Alten Testamentes“, dem Fundament des Christentums, anvertraut worden seien. Das Alte Testament gehöre weiterhin in den Bibelunterricht der Schulen, was gewisse Naziideologen nicht wollten.

Wie konnte Buchberger den Rassenkult der Nazis ablehnen und dennoch auf der Grundlage eines antisemitischen Weltbilds politische Forderungen erheben? Diesen scheinbaren Widerspruch erklärt der Bielefelder Historiker Olaf Blaschke damit, dass die katholische Lehrmeinung nur den rassisch begründeten Antisemitismus verurteilt habe. Seit der Zeit des Kulturkampfes im neugegründetem Deutschen Reich (1871), so Blaschke in seiner empfehlenswerten Vorlesungssammlung „Die Kirchen und der Nationalsozialismus“ (2014), habe es neben einem akzeptablen Antisemitismus einen „bösen, weil unchristlichen und antichristlichen rassistischen Antisemitismus“ gegeben.

Christlicher Antisemitismus im Lexikon

In seiner Promotionsschrift „Katholizismus und Antisemitismus“ (1997) hat Blaschke den katholisch-lehramtlich akzeptierten Antisemitismus penibel herausgearbeitet [Zum Download]. Aufgrund dieser Forschungen sieht er einen Schlüssel für das Verständnis der katholischen Haltung zu Antisemitismus in einem gleichnamigen im Eintrag im Standardwerk „Kirchliches Handlexikon“. Dieses wurde 1907 von Dr. Michael Buchberger, damals Professor am Regensburger Lyzeum, herausgegeben.

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Katholisches Standardwerk, konzipiert von Michael Buchberger: Lexikon für Theologie und Kirche.

Nach der einleitenden Definition, wonach es sich dabei um „eine moderne Bewegung zur politischen und wirtschaftlichen Bekämpfung des Judentums“ handle, ist die Rede von einem „doppelten Antisemitismus“. Der „eine bekämpft das Judentum als Rasse“ und damit den Alten Bund und seine Schriften, was „widerchristlich“ sei. Die zweite und akzeptable Richtung verlange hingegen „nur besondere Gesetze zum Schutz der christlichen Bevölkerung gegenüber dem schädlichen Vordringen des Judentums“, was mit der katholischen Lehre vereinbar sei.

Das Judentum habe sich seit seiner Emanzipation Mitte des 19. Jahrhunderts weit von der „ursprünglichen Bestimmung, Vermittler der Weltreligion zu sein, entfremdet“ habe. Es übe vor allem mittels „der mächtigen Tagespresse“ einen verderblichen Einfluss auf Religion und Sitte, Literatur und Kunst der christlichen Gesellschaft aus, der „den radikalen Strömungen (jetzt der Sozialdemokratie) zugute“ komme. Einen solchen abzuwenden, sei die Absicht des „christlichen Antisemitismus“, dessen Teilströmungen sogar die „Aufhebung der rechtlichen und politischen Gleichstellung“ der Juden verlange.

Im Jahre 1930 erschien unter dem Titel „Lexikon für Theologie und Kirche“ (Herder Verlag) eine von Buchberger konzipierte, zehnbändige Neuauflage, die den Anspruch erhob, für die deutschsprachigen Katholiken ein Werk mit „den neuesten und bewährtesten wissenschaftlichen Methoden und Hilfsmitteln“ zu bieten. Zudem versichert der Herausgeber, das Lexikon würde „bewußt und bestimmt den Standpunkt des katholischen Dogmas vertreten“.

Die Begründung für einen christlichen Antisemitismus wurde nur leicht verändert und an die neue Weltlage angepasst. An dem von Buchberger ausgewählten Autor, dem deutschen Jesuiten Gustav Gundlach, lag es, den christlichen Antisemitismus erneut von dem der Nationalsozialisten explizit abzugrenzen. Die Bekämpfung des Judentums wegen seines „rassenmäßigen und völkischen Andersseins schlechthin“ sei unchristlich und gegen die Nächstenliebe. Der Rassenantisemitismus der Nationalsozialisten werde von der Kirche auch verworfen, da er auf modernen und falschen Theorien des Menschenwesens (die Darwins) beruhe, und „das Judentum als ‚auserwähltes Volk‘ in der göttlich-christlichen Heilsordnung“ eine besondere Rolle zu erfüllen gehabt habe. Angriffe gegen das ganze Judentum seien unstatthaft.

Eine sittliche Bekämpfung des „tatsächlich-schädlichen Einfluß des jüdischen Volksteils“ sei jedoch erlaubt, ja im Interesse des „harmonischen Staatsvolks“ und der Volkgemeinschaft. „Ausnahmegesetze gegen jüdische Staatsbürger als Juden“ seien ausgeschlossen, „und zwar vom Standpunkt des modernen Rechtsstaats.“ Als „positive(s) Mittel“ des christlichen Antisemitismus, wird der Kampf gegen die „liberalen, dem sittlichen Nihilismus am meisten zugänglichen ‚Assimilationsjuden‘ […], die im Lager der Weltplutokratie wie des Weltbolschewismus gegen die menschliche Gesellschaft zerstörend wirken“, ausdrücklich propagiert.

Der Autor des Eintrags, der Jesuit Gustav Gundlach, gehörte seinerzeit zur ersten Wahl und war deshalb auch 1938 an der Erstellung der ähnlich argumentierenden, jedoch nicht veröffentlichten Enzyklika „Humani Generis Unitas“ für Papst Pius XI. beteiligt.

Lehramt und Nationalsozialisten gemeinsam?

Das nicht gerade beruhigende Zwischenergebnis aus der Analyse von Buchbergers Lexika und seiner Schrift Gibt es noch eine Rettung? ist, dass seine ideologische Begründung für den Kampf gegen die Juden deckungsgleich ist mit dem christlichen Antisemitismus, der in einem Eintrag des zeitgenössischem theologischen Standardlexikons offen propagiert wird. Buchberger vertrat mit seiner judenfeindlichen Kampfansage also keine übereifrige Einzelmeinung, sondern hatte sozusagen das katholische Lehramt im Rücken.

Mit der Propagierung eines von der katholischen Glaubenslehre legitimierten „christlichen Antisemitismus“ konnte dem rassisch begründeten der Nationalsozialisten und der völkischen Bewegungen freilich nichts entgegengesetzt werden. Vielmehr bestätigte und erweiterte der christliche Antisemitismus den nationalsozialistisch-völkischen Diskurs, der um 1930 auf gesellschaftliche Verdrängung und Ausschaltung der Juden zielte.

Dass ein christlicher Antisemitismus in der Neuauflage des „Lexikon für Theologie und Kirche“ von 1957 nicht mehr propagiert sondern verschwiegen und das Lemma „Antisemitismus“ in der Ausgabe von 1993 durch „Antijudaismus“ ersetzt wurde, kann man getrost als Teil einer unredlichen und selbstbetrügerischen Geschichtsklitterung bezeichnen.

Nach der Befreiung der Überlebenden aus den Konzentrationslagern 1945 wollte katholischerseits niemand mehr etwas von einem offiziell propagierten christlichen Antisemitismus wissen.

Rosenberg: Jeder Deutsche muss sich entscheiden

Nach diesem Zwischenergebnis ist leichter möglich, Buchbergers Kritik an der NS-Ideologie eines Alfred Rosenberg einzuordnen. Denn gerade auch die Anschauung von Alfred Rosenberg, der Jesus als Juden ablehnt, musste ein katholischer Bischof attackieren. Buchberger in seiner Schrift von 1931: „Als ob Christus nicht der Sohn Gottes wäre!“ und „als Mensch keinen Vater hatte, weil Maria in wunderbarer Weise, durch Überschattung des Heiligen Geistes Mutter des Erlösers geworden“ sei.

Den Regensburger Bischof erzürnte, dass Rosenberg in seiner Schrift „Der Mythus“ (1930) den Papst als „allmächtigen Medizinmann“ und dessen Anspruch auf die Stellvertreterschaft Gottes als „Mythus“ bezeichnete. Würde die Römische Kirche sich durchsetzen, bedeute dies, laut Rosenberg, „daß eine Priesterkaste über einen Milliardenhaufen von Menschen herrscht, der rassenlos, willenlos, als kommunistisch gegliedertes Gemeinwesen sein Dasein als Geschenk Gottes“ betrachte. Weiter warnt Rosenberg voller Eifer: Ein „rassenloses Großrömisches Reich“ anzustreben, sei „ein Verbrechen am deutschen Volke“ und müsse bekämpft werden wie die „Aufrichtung einer bolschewistischen oder freimaurerischen Weltrepublik“. Deshalb müsse sich jeder Deutsche entscheiden, „ob er für kirchliche Machtansprüche oder deutsche Notwendigkeiten sich in erster Linie einsetzen“ solle.

Der Nationalsozialist Rosenberg, der seit 1919 in München aktiv und seit 1921 Hauptschriftleiter des Völkischen Beobachter war, warb offenbar mit antikatholischen Spott in einem konfessionell geprägten Umfeld und stellte sich als den einzig wahren Feind von Bolschewismus und Freimaurertum dar.

„Katholiken brachten das größte Blutopfer“

Buchberger verteidigte sich gegen all diese antipapistischen Anwürfe, indem er die Katholiken als die wahren Vaterlandsbewahrer heraushob. Wenige Jahre nach dem Weltkrieg, „wo die Katholiken an Treue und Opfersinn gegen Volk und Vaterland sich wahrlich von niemandem“ hätten übertreffen lassen, und „wo die katholischen Theologen die relativ größten Blutopfer“ gebracht hätten, verwehrt sich Buchberger, dass „wir uns wieder als unzuverlässige Fremdlinge, Ultramontane, ‚Römlinge‘ beschimpfen lassen“ müssen. Stattdessen reklamiert er: die Katholiken hätte „am treuesten und stärksten Stand gehalten gegen die fremde Invasion ins deutsche Volk, gegen Kommunismus, Bolschewismus und ähnliche Totengräber der vaterländischen Gesinnung und Treue“.

Der Nationalsozialismus könne „wahrlich einsehen, wohin der Kampf gegen die katholische Kirche“ führe, und könne „diesen Kampf dem Kommunismus, den Freidenkern und den Gottlosenverbänden überlassen, die in dieser Beziehung ohnehin das Menschenmögliche leisten“ würden.

So wie der Nationalsozialismus sich heute zeige, sei er „mit der katholischen Kirche nicht vereinbar“, das müsse „jeder einsehen, der wirklich den katholischen Gedanken erfaßt“ habe. Es sei eine unchristliche und unkatholische Gesinnung, „Gottes Gnade und Liebe oder auch nur eine besondere Vorliebe Gottes für eine bestimmte Nation oder Rasse in Anspruch“ zu nehmen oder „Religion und Kirche zur Nationalsache“ machen zu wollen (was Buchberger während des Krieges gleichwohl tat). Die Lösung der „sozialen Frage“ sei nur möglich, wenn „der Geist Christi zum Geist der Christen“ werde.

Buchberger nahm an, dass viele Nationalsozialisten nicht so radikal und abwegig sein wollten wie das Programm der Partei von 1920. Gleichwohl nimmt er des Öfteren affirmativ Bezug auf selbiges (etwa Ablehnung des Versailler Vertrags, der Trusts, des Materialismus, der jüdischen Presse und Warenhäuser, oder in der Einforderung des Selbstbestimmungsrecht des deutschen Volkes, des Allgemeinwohlprinzips und der geregelten Altersversorgung). Ins Auge sticht, dass Buchberger den offen antisemitischen vierten Artikel des Nazi-Programms nicht verurteilt, der auch zum Christentum konvertierten Juden, also getauften Christen, die deutsche Staatsbürgerschaft aus rassischen Gründen verweigert und somit der christlichen Glaubenslehre widerspricht.

Christlicher Ständestaat als Lösung

Im letzen Drittel seiner Schrift skizziert Buchberger als Lösung für die aktuelle Krise einen „christlichen Solidarismus“. Dabei orientiert er sich an der Enzyklika „Rerum Novarum“ (1891) des „Arbeiterpapstes“ Leo XIII, die er als „Cartha magna die für Gesellschafts- und Wirtschaftordnung“ begreift. Deshalb widmet Buchberger seine Schrift dem päpstlichen Verfasser zum 40. Jahrestag der Enzyklika.

Papst Leo XIII, der von 1878 bis 1903 nach Pius IX. amtierte, verurteilte die Sklaverei in Afrika und stärkte die Missionierung des afrikanischen Kontinents. Er forderte die Unterwerfung der orthodoxen und anglikanischen Kirchen unter seine römische Vorherrschaft und bekämpfte die Freimauer und ihre Organisation als Königreich des Satans. Seine Enzyklika Rerum Novarum vom 15. Mai 1891 gilt als Grundlage der katholischen Soziallehre, die seither von allen Päpsten aufgefrischt worden ist. Leo XIII. war es, der auch die Beendigung des sogenannten „Kulturkampfes“ im deutschen Reich einleitete und sich mit Bismark 1887 verständigte.

Leo XIII kritisierte die Auswüchse des Kapitalismus, er wollte einen sozialen, monarchistischen Staat verwirklicht haben, der auf einer christlichen Ordnung beruht. Wichtige Stichpunkte der Enzyklika sind Schutz des Privateigentums, gerechte Löhne, Familie als Keimzelle des Staates, Verurteilung des Sozialismus, Koalitionsfreiheit für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer und Recht auf Besitz von Boden, damit Bauern Eigentümer des bewirtschafteten Grundes werden können.

Gegen Volksschädlinge und Wucher

Buchberger übernimmt das päpstliche Schreiben von 1891 und versucht mit der Verurteilung von Liberalismus und Sozialismus einen Weg aus der tiefen gesellschaftlichen Krise zu skizzieren. Bestimmte Positionen spitzt er zu. Etwa, wenn er im nationalsozialistischen Jargon den über „mäßigen Zins“ hinausgehenden Wucher, „der unsere gegenwärtiges Wirtschaftsleben in erschreckenden Maße“ beherrsche, scharf verurteilt und den Staat auffordert, gegen diesen „Volkschädling mit aller Strenge und Schärfe“ vorzugehen. Gegen „geriebene Spekulanten und gerissene Schwindler“, die zum „Schaden und Unglück ihrer Mitmenschen ein flottes Leben führen“ könnten, müsse „mit ganz anderen Mitteln vorgegangen werden als bisher“, eine „Bodenreform“ gegen Grundstücksspekulation geschaffen werden.

„Die Juden“ galten um 1931 nicht nur in völkisch-antisemitischen Kreisen, sondern auch in den christlich-bürgerlichen Eliten als die Spekulanten, die Volksschädlinge, als das „Unglück“ der Deutschen schlechthin. Offensichtlich bedient Buchberger auch hier gezielt den damaligen völkisch-antisemitischen Diskurs und buhlt um Antisemiten.

Nach einer relativ offen wirkenden Bestandaufnahme der defizitären seelsorgerischen Situation skizziert Buchberger als Lösung der gesellschaftlichen Probleme eine Bewegung „unter Christi Banner“. Die „Katholische Aktion“ (das sogenannte Laienapostolat, zu dem auch der Regensburger Nazi-Bürgermeister Hans Herrmann gehörte) und die „Katholische Heimatmission“ (ein Frauenorden mit einem einfachen Gelübde) nennt er explizit und hofft auf deren Engagement. Beides müsste noch verbessert werden. Ebenso die katholische Presse, die leider „zu sehr totes Kapital“ geblieben wäre. Die Presse der Kirchengegner hingegen, sei deren „erfolgreichstes Kampfmittel“, dessen Stärke „zum Teil in der Skrupellosigkeit und Rücksichtslosigkeit“ liege.

Buchberger im Fahrwasser von Treitschke

Heinrich von Treitschke stärkte die offen antisemitisch auftretenden Splittergruppen und popularisierte den Antisemitismus im christlich-bürgerlichen Lager.

Heinrich von Treitschke stärkte die offen antisemitisch auftretenden Splittergruppen und popularisierte den Antisemitismus im christlich-bürgerlichen Lager.

Angesichts des „Ansturm des Unglaubens gegen die Kirche Christi“ schwebt Michael Buchberger eine Länder, Stände und Konfessionen überschreitende Bewegung „unter Christi Banner“ vor: hin zu einem „Gottesstaate des Reiches Christi“. Die Christen müssten sich „ihres gemeinsamen Glaubens wieder mehr bewußt werden“. Hierbei beruft er sich auch auf den evangelischen Historiker Heinrich von Treitschke, der damals an der Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität lehrte und für einen christlich dominierten Staat eintrat. Nun sei der von Treitschke angekündigte Tag, „wo alles sich sammeln muss unter dem Banner des Kreuzes“, gekommen – so Buchberger in Gibt es noch eine Rettung?.

Der Publizist Treitschke war es, der in seinem folgenschweren Aufsatz „Unsere Ansichten“ (1879) wegen einer angeblich mangelnden Integration den Stopp für jüdische Zuwanderer aus dem Osten und die Bekämpfung des vorgeblich zu großen gesellschaftlichen Einflusses der deutschen Juden forderte. Treitschke warf die „Judenfrage“ auf, stärkte die offen antisemitisch auftretenden Splittergruppen und popularisierte den Antisemitismus im christlich-bürgerlichen Lager, aus dem er fast keine Widerrede erfuhr.

Der Macher des „Völkischen Beobachters“ und NSDAP-Ideologe Alfred Rosenberg radikalisierte Treitschkes antisemitische „Ansichten“ für die in München aufkommende Nazipartei. Michael Buchberger musste nicht zuletzt aus seiner Münchner Zeit und der Auseinandersetzung mit Rosenberg wissen, dass Treitschke jene antisemitische Formel erfunden und verbreitet hatte, die in den 1920er Jahren zur Hetzparole der nationalsozialistischen Bewegung avancierte: „Die Juden sind unser Unglück“.

Für die Regensburger war dieses Denken nichts Neues. Dort kannte man eine ähnliche Formel seit dem 16. Jahrhundert, als der Benediktinermönch Christophorus Hoffmann seinen lateinischen Bericht über die Vertreibung der Regensburger Juden von 1519 überschrieben hatte mit: „Die Schuld am Unglück der Stadt Regensburg muss man verdientermaßen dem ungläubigen Volk der Juden zuschreiben“ (deutsche Übersetzung von Michael Eichhammer, 2009).

Was tun mit praktizierenden Katholiken unter den Nazis?

Buchbergers Schrift Gibt es noch eine Rettung? entstand kurz nachdem die NSDAP bei der Reichstagswahl von 1930 mit über 18 Prozent der Stimmen zur zweitstärksten Partei aufgestiegen war und die katholischen Bischöfe sich gezwungen sahen, Position zu beziehen.

In der so entstandenen „Pastoralen Anweisung der bayrischen Bischöfe“ vom 10. Februar 1931 ging es bemerkenswerterweise nicht um die staatspolitischen Ziele der Nazis. Mit denen wollte man sich nicht befassen, das „liegt uns ferne“, so die Bischöfe entblößend. Die Anweisung handelte hauptsächlich von der Frage, welche Stellung der Nationalsozialismus zum katholischen Christentum einnehme und wie sich die katholischen Geistlichen gegenüber den Mitgliedern und Wählern der Nazipartei verhalten sollen.

Die Antwort auf die erste Frage deckt sich weitgehend mit der Schrift Gibt es eine Rettung? von Buchberger, der offensichtlich auch an der pastoralen Anweisung mitgearbeitet hat. Darüber hinaus wurde es den katholischen Geistlichen streng verboten, „an der nationalsozialistischen Bewegung in irgendeiner Form mitzuarbeiten.“ Die Priester hätten aber die seelsorgerische Pflicht, „das Volk darüber aufzuklären, daß der Nationalsozialismus von Haus aus eine gegen den Marxismus gerichtete staatspolitische Bewegung“ gewesen sei, die nun „in eine Kulturkampfstellung gegen die Kirche und ihre Bischöfe geraten“ sei.

„Unter den Massen, die bei der letzten Wahl nationalsozialistischen gewählt haben,“ sei eine große Zahl von Wählern, die nur an den vaterländischen und volkswirtschaftlichen Zielen des NS-Bewegung interessiert seien und nicht an deren Gegensatz zum Christentum. Um diese Massen ging es den bayerischen Bischöfen.

Nachsicht gegenüber Mitläufern

Des Weiteren verbot die pastorale Anweisung die kolonnenartige Teilnahme von Nationalsozialisten in Uniform und mit Fahne an gottesdienstlichen Veranstaltungen. Einzelne dürften mit Abzeichen zum Gottesdienst erscheinen, wenn „die hl. Handlung in keiner Weise“ gestört werde. Aktiven Mitgliedern seien die Sakramente zu verweigern, Mitläufern hingegen nicht. Im Übrigen, so die Anweisung, bleiben die „pastoralen Grundsätze gegenüber dem Nationalsozialismus“ die gleichen wie die gegenüber Liberalismus und Sozialismus, deren Mitglieder von den Sakramenten ausgeschlossen waren. Sollte sich, was die bayerischen Bischöfe 1931 nicht hofften, „der Nationalsozialismus zu den Methoden des Bolschewismus entwickeln“, könne man nicht mehr von einem guten Glauben seiner Anhänger ausgehen und keine Nachsicht mehr walten lassen.

Ein Jahr später verschärfte sich die Situation nochmals. Bei der bayerischen Landtagswahl von April 1932 votierten die Wähler mit 32,5 Prozent für die Nazi-Partei. Die NSDAP wurde im bayerischen Landesparlament die zweitstärkste Partei hinter der Bayerischen Volkspartei (BVP), die nur wenige tausend Stimmen mehr erreichte und nicht nur in den mehrheitlich protestantischen fränkischen Kreisen die Stimmenmehrheit an die Nationalsozialismus verlor. In absoluten Zahlen ausdrückt standen die bayrischen Bischöfe 1932 vor der Frage, wie sie mit den über 1,27 Millionen Katholiken umgehen sollten, die für die Nazipartei gestimmt hatten. Für die Reichstagswahlen von 1932 sollte sich der Anteil katholischen NSDAP-Wähler nochmals erhöhen und die Hitlerpartei auch im Bistum Regensburg die absolute Mehrheit erreichen.

Buchbergers zwiespältiges Verhältnis 

Will man den vorliegenden ersten Teil kurz bilanzieren, ist mit Blick auf Buchbergers Schriften neben einer prinzipiellen Ablehnung von Liberalismus und Sozialismus eine völkisch-antisemitische Grundhaltung festzustellen. Es zeigt sich bei Buchberger eine vielfache inhaltliche Überschneidung, teils Affinität oder Übereinstimmungen in einschlägigen Themen der nationalsozialistischen Bewegung. Ebenso ist sein Werben um die Katholiken erkennbar, welche die Nazipartei gewählt haben. Während Buchberger die Ideologien der Nationalsozialisten durch seinen christlichen Antisemitismus teils bestätigte und erweiterte, sprach er sich gegen die Ablehnung des Alten Testament aus, die Teile der Nazis für das Christentum generell forderten.

Wie Buchberger den 1933 an die Macht kommenden „Führer“-Staat begrüßte und im katholischen Sinne mitgestalten wollte, wird im nächsten Teil behandelt.

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Kommentare (12)

  • Ronald McDonald

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    Daß sich „die Kirche“ seitens ihrer Prälaten seit eh und je mit den jeweils politischen Machthabenden zu beider Nutz und Frommen eingelassen hat, das ist nun aber doch eine noch nie bislang gehörte Neuigkeit.

    Was folgt nun hieraus für die „nördlichste Stadt Italiens“ an zu leistender Geschichtsbewältigungsarbeit?

    1.) Weg mit der „Erzbischof-Buchberger-Allee“ – der es ohnehin an Allee-Charakter fehlt, nicht mal eine einzige „deutsche Eiche“.
    Was der „[Nazi-]Josef-Engert-Straße“ recht war muß für die „[Nazi-]Erzbischof-Buchberger-Allee“ billig werden: http://www.regensburg-digital.de/antisemitischer-namenspatron-ist-vom-tisch/29092015/

    2.) Weg mit dem „Erzbischof-Buchberger-Studentenwohnheim über den Dächern Regensburgs“: http://www.kws-regensburg.de/mieten/erzbischof-buchberger-studentenwohnheim
    „… 1967 … wollte auch die Diözesanleitung unter dem damaligen Bischof Rudolf Graber [nach Robert Werner auf „regensburg-digital.de“ auch so eine braune Dingsda: http://www.regensburg-digital.de/dem-rudolf-ist-der-rudolf-peinlich/13032015/%5D ein großzügig angelegtes Studentenwohnheim bauen … mit der Namensgebung wollte Bischof Rudolf [Graber] seinen Vorgänger, Erzbischof Dr. Michael Buchberger … , würdigen und ihm ein bleibendes Denkmal [!] setzen. Dieser bedeutende Theologe, auf den das Lexikon für Theologie und Kirche zurückgeht, war ein großer Förderer der Hochschulen [Akademie für Deutsches Recht?] und Freund der Jugend [HJ/BDM?] …“.

  • Herbert Turetschek

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    Oh oh! Jetzt geht es aber ans Eingemachte! Aber genau richtig, liebes Regensburg-Digital, lieber Robert Werner – es muss aufgearbeitet werden

  • Jenny

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    Jetzt haben aber einige a gscheids Problem? Müssen die nun die ‚Watschen‘ des Bischofs anlässlich ihrer Firmung mit anderen Augen sehen?
    Die Umbenennung irgendwelcher Straßenstücke oder Gebäude können doch nicht der Weisheit letzter Schluss sein. Was soll mit dem verliehenen BVK geschehen?

  • Angelika Oetken

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    Den Fotografien nach zu urteilen, muss der Knabe Michael doch ein hübsches Kerlchen gewesen sein. Und das Priesterleben schien ihm gut bekommen zu sein. Physisch zu mindestens, denn als mit gut 40 Jahren hatte er sich eine gewisse Spannkraft und Jugendlichkeit bewahrt. Auf Michael Buchberger werden also bestimmt Männer aufmerksam geworden sein, die ihn entsprechend der priesterlichen Gewohnheit förderten. Und dann kam er da nicht mehr raus. Auf solche Weise mag sich das für diese Art Kleriker typische Posttraumatische Belastungssyndrom entwickelt haben. Welches auch 400 Jahre zuvor schon beschrieben wurde, insbesondere die Neigung zu Unbeherrschtheit und Hetze gegen diese und jene http://gutenberg.spiegel.de/buch/luthers-leben-3842/2
    Wer schon als Junge lernt, dass es dabei, wie mit Moral und Recht umzugehen ist, vor Allem darauf ankommt, welche Machtposition man hat, hat nur zwei Optionen: mit den Wölfen heulen, ggf. das eigene Mäntelchen in den Wind drehen oder ein ehrliches, aber unbequemes Leben führen.

  • hutzelwutzel

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    Dank an Herrn Werner! Es wird wirklich langsam Zeit die Dinge zu klären.

    @Ronald McDonald::
    Wo ist denn die „EB-Buchberger-Allee“ in Regensburg? Habe ich noch nie bemerkt.

    Ich weiß aber, dass beim Marienheiligtum der Nordoberpfalz = Fahrenberg bei der Marktgemeinde Waldthurn noch eine „Erzbischof-Buchberger-Festhalle“ besteht. Daneben ist ein Ski-Langlauf-Leistungszentrum.

    Gibt es vielleicht mal eine Art „Organigramm“ aus dem man ersehen kann, welche Bischöfe Regensburg nicht dem „rechten Ufer“ angehörten?

  • Ronald McDonald

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    @ hutzelwutzel 14.04.2017, 00:00h

    Die „Erzbischof-Buchberger-Allee“ liegt zu Regensburg im Stadtteil Königswiesen zwischen der Kreuzung Augsburger- , Bischof-Wittmann- , Nibelungenstraße (im Osten) und der Kreuzung Friedrich-Ebert- , Klenzestraße (im Westen).
    Das Von-Müller-Gymnasium ist Anlieger http://www.vmg.schulen2.regensburg.de/allgemeines/lage.htm
    Böse Zungen behaupten, daß der Ungeist der Straßenbenamung bislang verhinderte, diese Lehranstalt in den Kreis der „Schulen ohne Rassismus“ aufzunehmen; jedenfalls taucht dieses schulpädagogische „must be“ im Internet-Auftritt der Schule nicht auf.

  • Angelika Oetken

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    @Ronald McDonald,

    so wie ich die Homepage der Schule verstehe, handelt es sich um ein von der Stadt getragenes Gymnasium. Somit läge es doch nahe, wenn die Stadt Regensburg die Schule darin unterstützte, mittels Projekt oder Ähnlichem die braune Vergangenheit der Region zu behandeln. Es gibt ja viele Vorhaben dieser Art und oft sind daraus sehr wertvolle Dinge entstanden, nicht allein in wissenschaftlicher Hinsicht, sondern auch, weil junge Menschen einen viel unverstellteren, d. h. klareren und unabhängigeren Blick auf heikle Dinge haben als wir Älteren.

    Die Perspektive, die junge OberschülerInnen, unterstützt durch ihre LehrerInnen und ggf. ZeitzeugInnen, speziell auf die Rolle des Bistums Regensburg zu Zeiten des Nationalsozialismus und danach richten, könnte Einzigartiges zu Tage fördern.

    VG
    Angelika Oetken

  • Benedikt Babinger

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    Beim Nochmallesen fällt mir ein kleiner Fehler auf: Treitschkes fataler Aufsatz von 1879 hat die Überschrift „Unsere Aussichten“ (und nicht: „Unsere Ansichten“). Er erschien in den von Treitschke herausgegebenen „Preußischen Jahrbüchern“, und das in ihm enthaltene Diktum „Die Juden sind unser Unglück“ bringt der allseits verehrte Historiker in dem bis heute sehr beliebten Ton des „Das wird man doch wohl noch sagen dürfen“ daher. Daß Buchberger, dieser Bubi von einem Bischof, sich auf Treitschke bezieht, komplettiert das Bild dieses völkischen Volksverhetzers im Bischofsornat. Einen „besseren“ Regensburger Bischof als Buchberger hätten sich die Nazis gar nicht ausdenken können.

  • Angelika Oetken

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    @Benedikt Babinger,

    beziehen Sie Ihre Einschätzung des „Bubihaften“ (1) bei Michael Buchberger nur auf dessen äußeres Erscheinungsbild oder auch auf seine Persönlichkeit und Verhaltensweisen?

    VG
    Angelika Oetken

    (1) „Bubi“, Definition laut Duden:
    „(salopp abwertend) unreif wirkender junger oder jüngerer Mann“

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