Neue feministische Gruppe organisiert Demonstration

„Nein heißt Nein“ – Gegen Sexismus auf die Straße

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Artikel: Lea S., Fotos: Houmer Hdtz

Unter dem Motto „Nein heißt Nein“ gingen am Samstag, den 21. November, ca. 150 Menschen auf die Straße. Das Petra Pan Projekt hatte dazu aufgerufen, gegen den sexistischen Normalzustand zu protestieren und sich mit Menschen zu solidarisieren, die tagtäglich mit Sexismus konfrontiert sind.

Die Demonstration nahm ihren Anfang am Frauennotruf-Mahnmal „24171“.  Seit dem 8. März 2000 erinnert es an Gewalt an Frauen und Mädchen. Jede dritte Frau* in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben körperliche Gewalt, jede siebte sexualisierte Gewalt. So handelte auch die erste Rede einer Vertreterin des Frauenzentrums von der prekären Situation der Frauenschutzeinrichtungen. Sie machte deutlich:

„dass wir, die wir hier stehen von den Kämpfen der Frauen vor uns profitieren. Aber genauso will ich sagen, dass der Einsatz und der Kampf noch lange nicht zu Ende sind. Das ist spätestens dann zu merken, wenn du tatsächlich einen Platz im Frauenhaus suchst. Dass die Häuser oft überfüllt sind – und dass es noch um vieles schwieriger ist für Frauen mit Behinderung, für Trans- und Inter-, für psychisch kranke Frauen. Frauenschutz- und Unterstützungseinrichtungen gibt es bei weitem nicht genug – im Verhältnis zur Gewalt, die weiter täglich in Regensburg, in Bayern, in der ganzen Welt stattfindet.“

Internationale Schutz-Konvention nicht erfüllt

Anschließend wurde die bereits vor vier Jahren von Deutschland unterzeichnete Istanbul-Konvention thematisiert. Diese habe die Zielsetzung, Frauen vor geschlechtsspezifischer Gewalt und Diskriminierung im privaten und öffentlichen Bereich zu schützen. Bis heute seien die Bedingungen der Konvention jedoch nicht erfüllt.

Der Demonstrationszug setzte sich im Anschluss in Richtung Innenstadt fort. Auf der Galgenbergbrücke wurde ein Jingle zum restriktiven Umgang mit Schwangerschaftsabbrüchen in Deutschland abgespielt. Vor dem Castra Regina Center, dem einzigen Ort in Regensburg, an dem operative Schwangerschaftsabbrüche durchgeführt werden können, fanden bereits viele Proteste von Abtreibungsgegnern statt. Bei der Zwischenkundgebung am Dachauplatz gab es einen Redebeitrag zu Alltagssexismus vom AK Queer. Der Arbeitskreis wurde an der Universität Regensburg mit der Zielsetzung gegründet, gegen alltägliche und institutionalisierte Diskriminierung von LGBTIQ-Personen anzukämpfen.

„Manche Probleme haben wir gemeinsam – andere nicht“

Die Organisatorinnen lasen einen Text von Audre Lorde zur Kritik am weißen Feminismus vor, da Sexismus nicht ohne seine Verwobenheit mit anderen Unterdrückungsmechanismen wie Rassismus thematisiert werden könne.

„Schwarze Frauen und unsere Kinder wissen, dass das Gewebe unseres Lebens mit Gewalt und Hass geflickt ist, dass es davon kein Ausruhen gibt. Wir begegnen ihnen nicht nur (…) dort, wo wir unseren Widerstand laut zu äußern wagen. Für uns ist Gewalt zunehmend mit dem Alltag verwoben – im Supermarkt, im Klassenzimmer, im Lift, in der Klinik und im Schulhof, sie kommt vom Installateur, vom Bäcker, der Verkäuferin, dem Busfahrer, dem Bankangestellten und von der Kellnerin, die uns nicht bedient. Manche Probleme haben wir als Frauen gemeinsam, andere nicht. (…) Das Haus des Herrschers lässt sich niemals mit dem Handwerkszeug des Herrschers niederreißen.“

„Sexismus hat viele Gesichter“

Auf dem Weg durch die belebte Innenstadt wurden vermehrt Slogans gerufen: „Für die Freiheit, für das Leben, Selbstbestimmung muss es geben“, später wurde der zweite Teil zu „Macker von der Straße fegen“. An jeder Kirche riefen Demonstrantinnen und Demonstranten „Kein Gott, kein Staat, kein Patriarchat“. Es zeigten sich für das Regensburger Stadtbild ungewöhnliche Transparente mit Sprüchen wie „Pro Choice is ois“, „Your silence will not protect you“ und „Sexismus hat viele Gesichter“.

Einige Passantinnen schlossen sich spontan dem Zug an. Die Demonstration endete am Alten Rathaus, wo sich zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert der Immerwährende Reichstag befand und unter anderem die Constitutio Criminalis Carolina verabschiedet wurde, mit der auch die Beschuldigung, Folter und Tötung von sogenannten Hexen legitimiert wurde.

Diskriminierung per Gesetz

Hier ging es im vorletzten Redebeitrag um die Situation von Trans-Personen. Insbesondere das Transsexuellengesetz diene der Herstellung und Aufrechterhaltung eines heterosexistischen Geschlechterbildes sowie der Schaffung vermeintlicher Krankheitsbilder.

Das zurzeit geplante „Prostituiertenschutzgesetz” wurde am Ende thematisiert. Es soll angeblich den Schutz von Sexarbeiterinnen und Sexarbeitern ausbauen, bewirke aber mit seiner Registrierungs- und Untersuchungspflicht genau das Gegenteil und fördere die Stigmatisierung und Illegalisierung von sogenannten Prostituierten. Die Organisatorinnen vom Petra Pan Projekt zeigten sich zufrieden über den Erfolg der Demonstration:

„Es wäre wünschenswert, dass sich eine breitere Öffentlichkeit zu dem Thema positioniert. Dennoch freuen wir uns natürlich über die Beteiligung, insbesondere auch aus anderen Städten. Es gibt verdammt viele Gründe weiterhin laut zu sein und zu kämpfen, denn we are the granddaughters of all the witches you were not able to burn”.

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Kommentare (23)

  • menschenskindr

    |

    Frauenfeindlichkeit und Sexismus haben bei uns in Bayern eine uralte Tradition.
    Am schlimmsten stank es diesbezüglich, bei uns Bayern schon immer, am Kopf, beim Königshaus der Wittelsbacher.
    Bei einem solchen Thronfolger, kann man auch vom Rest der Bürger nicht mehr erwarten.

    Unten Zitate unserer königlichen Hoheit Prinz Rupprecht von Bayern:
    Frauen

    „Die Gefängnisse hinter dem Gerichtsyamen zu Kanton zeichnen sich durch namenlosen Schmutz aus. Mehrere an den Beinen gefesselte Sträflinge bewohnen je eine der kleinen Zellen… In ähnlichen Zellen sind auch die weiblichen Gefangenen untergebracht, die mir bettelnd entgegentraten. Ich sah unter ihnen scheußliche Hexengestalten.“ (Ostasien, S. 130)

    „Im Gegensatz zu den Männern sind die Mandschufrauen ihrer alten Tracht treu geblieben… Beinahe möchte ich glauben, daß sie hübscher sind als die Chinesinnen… Gleichwohl haben sie wegen der hohen Stöckel ihrer klumpfußartigen Filzstiefel einen häßlichen Gang.“ (Ostasien, S. 134f)

    (Macao) „Über der Chinesenstadt liegt die Portugiesenstadt… Als ich die nahe Kathedrale betrat, verließen sie in schwarze Spitzenmantillas gehüllte Damen; ‘doch der Mensch begehre nimmer zu schauen, was die Götter verhüllen mit Nacht und Grauen‘, denn die häßlichsten Gesichter blickten unter den Mantillas hervor, den Einschlag chinesischen Blutes deutlich bekundend. Überall, wo sie sich niederließen, vermischten sich die Portugiesen mit der einheimischen Bevölkerung, bis sie in ihr schließlich verschwanden.“ (Ostasien, S. 148)

    „Die Japanerin besitzt ein hingebendes Wesen und ist, wie ich öfters beobachten konnte, voll zärtlicher Aufmerksamkeit für ihren Gatten… Als Mutter ist die Japanerin vorzüglich. Sie pflegt ihre Kinder lange zu stillen und hängt mit großer Liebe an ihnen.“ (Ostasien, S. 333f)

    „Da ich von Gauklern spreche, sei einer Gruppe von Tänzerinnen gedacht, die ich in einem Bade zu Dehli auftreten sah. Die Mädchen waren weder schlank noch schön und ihre Arme von fast affenartiger Länge.“ (Indien, S. 179f)

    „Büßerinnen, häßliche alte Vetteln mit kurzgeschorenen Haaren und Halsketten aus Nußschalen stehen an ihren gewohnten Badeplätzen (am Fluss Ganges) versammelt, doppelt abschreckend in den feuchten Gewändern, welche ihre welken Formen erkennen lassen.“ (Indien, S. 80)

    (In Birma) „Kaum hatten wir die bereitstehende Fähre bestiegen, stürzten sich etliche Mädchen ins Wasser und schwammen gewandt wie die Enten an die Fähre heran, indem sie uns mit Scherzworten begrüßten. Ihr wohlklingendes Lachen und ihre naive Heiterkeit wirkte entzückend. Sie trugen Blumen im blauschwarzen Haare und waren nur mit dem enganliegenden Potzo bekleidet, das ihre schönen Köperformen deutlich erkennen ließ.“ (Indien, S. 261)

    „Unter den Mädchen (Birmas), besonders im Süden, trifft man entzückende Erscheinungen und ich stehe nicht an, ihnen den Preis unter allen Schönheiten des ferneren Ostens zuzuerkennen. Ihr munteres und dabei entschlossenes Wesen hat etwas Gewinnendes… Gleich einer Katze säubert und putzt sich die Birmanin den ganzen Tag; dazwischen scherzt und lacht sie, kostet allerlei Näschereien, kaut Betel oder steckt eine jener unförmlichen Zigarren in Brand, die aus einem gerollten Pisangblatt bestehen…“ (Indien, S. 269f, 272f)

    (Smyrna/Izmir) „Die Gefängniswärterin, eine dicke alte Türkin, strahlte vor Vergnügen über unseren Besuch und erschöpfte ihre Kräfte in zahllosen Verbeugungen. Anders die Insassinnen der Zellen, die sich bei unserem Anblick sofort in eine Ecke flüchteten und sich Tücher über den Kopf zogen. Eine einzige machte eine Ausnahme. Sie war in lila Samt gekleidet und streckte uns ihre mit silbernen Armbändern geschmückten Hände entgegen, indem sie in theatralischer Weise ihre Unschuld beteuerte und uns anflehte, wir sollten sie retten. Das unstete Funkeln ihrer Augen und ihr ganzes Mienenspiel hatte durchaus nichts Vertrauenserweckendes. Sie war, so hörte ich, wegen Giftmords verurteilt, die Bewohnerin ihrer Nebenzelle aber, ein fettes Scheusal, weil sie ihre Schwiegertochter in einem Brunnen ertränkt hatte.“ (Orient, S. 142)

    „Die Beduinen (im Libanon) sind auffallend schlank und von mikrokephaler Kopfbildung, ihre Gesichter von regelmäßigem Schnitt. Die geschmeidige Beweglichkeit ihres Körpers verleiht den Frauen einen eigenartigen Reiz, doch werden sie bald erschreckend dürr und verrunzelt.“ (Orient, S. 300)

    „Sehr rege ist das Nachtleben in bestimmten Straßen (Kairos) und stark besucht sind stets die Kaffeehäuser, in denen Tänzerinnen auftreten. Ich sah eine einzige, die hübsch zu nennen war. Die meisten sind nach unseren Begriffen geradezu widerwärtig. Sie strotzen von Fett und mästen sich mit Mehlspeisen und Bier, um die gewünschte Leibesfülle zu erreichen. Der sogenannte Bauchtanz ist unästhetisch und langweilig, er gleicht dem spanischen Flaminko (sic!). Mit vorgestreckten Armen und zurückgebogenem Oberkörper trippelt die Tänzerin auf hohen Stöckelschuhen vor und zurück, indem sie mit dem Unterleib schiebende und drehende Bewegungen vollführt.“ (Orient, S.365)

    „Besser imstande gehalten ist das Haus des Schech-el-Sadaad (ebenfalls in Kairo), ein Bau des 17. Jahrhunderts. In seinem Hofe empfing mich unter den Zweigen einer Platane der Schech, der eben seine Nachmittagsandacht beendet hatte… Als wir schieden, eilten die bis dahin verborgenen Damen an die Gitterfenster und bemühten sich, ihre fraglichen Reize blicken zu lassen.“ (Orient, S. 380)

    „Von Luxor aus unternahmen wir Ausflüge nach Denderah, Edfu und Abydos… Als wir in Kenneh, der größten Stadt Oberägyptens, eintrafen, die 27 000 Einwohner zählt und berühmt ist wegen der dort gefertigten porösen Wasserkrüge, war es bereits spät in der Nacht. Ein wüstes Geschrei war in den Straßen vernehmlich, veranlaßt durch die Scharen umherstreunender Huren.“ (Orient, S. 412)
    http://www.hagalil.com/archiv/2012/11/04/rupprecht-von-bayern/

    Wie kann man von einer CSU-Regierung, die derart unter Traditionszwang steht, irgendeine Einsicht in Sachen Sexismusbekämpfung erwarten?

  • Jürgen Rei

    |

    Keine Frage – körperliche Gewalt gehört bestraft. Aber genau diese Frauen, die sich an solchen Demos zu diesem Thema beteiligen, sind es, die massive psychische Gewalt gegen Männer ausüben – sei es durch Kindesentzug nach Trennung oder Scheidung, indem sie die Kinder als „Waffe“ gegen den Ex einsetzen, durch Stalking, etc..
    Psychische Gewalt hat nachweislich schon zu weitaus mehr Todesfällen geführt als die hier beschriebene körperliche Gewalt.
    Hierüber sollte man nachdenken

  • Hans Dampf

    |

    #Einige Passantinnen schlossen sich spontan dem Zug an.

    Den Autor_innen ist ein Phauxpas unterlaufen. Bei diesem Satz oben fehlt das GenderDeppen_

    Ich finde es gut dass hier auf die Strasse gegangen wird. Aber ich lehne jegliche Form von (sexueller) Gewalt ab. Macker gibts naemlich nicht nur bei Passanten sondern auch _innen.

    Schoene Woche

  • Martini

    |

    Dass mit Sexismus eben nicht Männer sondern Frauen konfrontiert sind, wird wohl aus dem Artikel und dem Kommentar zur historischen Kontinuität klar. Dass Sexismus sich nicht ausschließlich in Form von körperlicher Gewalt, sondern häufig unterschwellig durch rumgebaggere oder in der Werbung, sowie strukturell etwa in ungerechter Bezahlung und Repräsentation zeigt auch. Vielleicht nochmal selber nachdenken s.g. Herr Rei. Ansonsten gibt es nächsten Samstag eine Veranstaltung in Nürnberg die sie interessieren könnte – Herzlichen Glückwunsch dass sie sich in einer von Männern dominierten Welt für Männerrechte engagieren!

  • joey

    |

    von der Constitutio Criminalis Carolina bis zum Prostituiertenschutzgesetz (das ja von Frauenverbänden gefordert wurde…), dann noch Kirche und Abtreibungsproblematik… na da ist ja dann alles drin. Ein „guter“ Beitrag zur Diskussion, das hat jetzt sicherlich „geholfen“.

    Nur vom Islam und Hinduismus habe ich nichts gelesen, aber die sind der Generalabrechnung sicher auch enthalten, oder? Daß eine Frau indischer Herkunft 3m hinter den Männern gehen muß, ist mir ja mal mit Kunden ausgerechnet in Regensburg vorgekommen. … Kirchenkritik ist in Frauenbelangen gerechtfertigt, aber die ärgeren Beispiele sind wohl anderswo.

  • Mr_Baseball

    |

    Kurze Nachfrage…warum sind die Gesichter auf den Fotos verpixelt !? Versteh‘ ich nicht …

  • Mathilde Vietze

    |

    Auch wenn es unglaublich klingt, aber ich habe im
    Berufsleben u.a. folgendes erlebt:‘ Wenn ich z.B.
    so einem üblen Macho mal ordentlich „die Platte
    geputzt“ habe, sagten alle anderen M ä n n e r zu
    mir „dem hast Du recht getan“ und die Frauen „aber
    das darfst Du doch nicht, der ist doch so charmant.“
    Auch das ist Realität, ohne den alltäglichen Sexismus
    in irgendeiner Form kleinzureden.

  • Lothgaßler

    |

    Was passt den Feministen-mimimis denn nun schon wieder nicht? immer dieses Rumgejammere und Rumgeschreie!
    Wählt endlich nicht mehr die Blenderinnen in CDU, CSU, FDP und SPD, und schon gar nicht die in der AfD und NPD. Gut, da bleibt nicht mehr viel übrig, aber das habt ihr euch selber eingebrockt: Jubeln über Frauenquoten, aber das Maul halten bei allen sonstigen gängigen Benachteiligungen!
    Wenn euch ein Handwerker blöd kommt, dann schmeißt ihn raus, beschwert euch und bezahlt nicht. Macht euch ein Kunde oder Geschäftspartner sexistisch an, dann beendet das Gespräch und weist ihm die Tür. Erfindet ein „Frauenfreundlicher Dienstleister-Logo“ o.ä., bzw. macht die Sexisten im Alltag sichtbar.
    Wenn ihr Frau genug sein würdet, dann würdet ihr nicht Waren und Dienstleistungen kaufen, die euch sexistisch angehen und benachteiligen. Leider kann ich davon kaum etwas erkennen, denn mit eurem Geld geht ihr genauso sexistisch um wie wir Männer.
    Verbrechen sind Verbrechen, dagegen vorzugehen herrscht gesellschaftliches Einvernehmen. Um hier Besserungen zu erreichen braucht es keine Femininistinnen mehr.

  • Latkes

    |

    Wow,

    geben wir den Unterdrückten die Schuld an ihrer Unterdrückung… Willkommen in der patriarchalen Widerwärtigkeit…

  • menschenskind

    |

    „Ein wüstes Geschrei war in den Straßen vernehmlich, veranlaßt durch die Scharen umherstreunender Huren.“
    schreibt der Sohn des letzten Bayern-Kinis, in dem er Frauen Tieren gleichsetzt.

    Es sollte noch hinzugefügt werden, dass besagter Kronprinz Rupprecht (nacheinander) mit zwei Frauen verheiratet war, die als ausgesprochen „schön“ galten, im alten Bayern. Beide brachte der so zeugungsfreudige bayerische Dynast in ein vorzeitiges Grab. Seine erste Frau, sie war neun Jahre jünger als er, infizierte er mit Syphilis, die zweite, sie war 31 Jahre jünger als „seine königliche Hoheit“, machte er zur Alkoholikerin. Selbstredend überlebte das alte bajuwarische Scheusal seine beiden Gattinnen.

    Seine zweite Gattin hatte jedoch genug von Bayern, seiner Intoleranz und seiner Frauenfeindlichkeit, sie hat nach 1945 nie wieder bayerischen Boden betreten und wollte auch unter gar keinen Umständen in Bayern bestattet werden.
    Ihr Grab befindet sich in Rom.

    Die Leben beider dieser Frauen an der Spitze Bayerns waren Martyrien.
    Die bisherigen Bücher über sie sind samt und sonders Müll (auch das von Jean-Louis Schlim), sie bringen nur gut lesbaren, bestätigenden, gefälligen Lesemüll für unkritische Konsumenten.
    Man kann nur hoffen, dass sich einmal eine begnadete Autorin (bitte kein Autor!) durch die übervollen Wittelsbacher-Archive durcharbeitet und die wahren Leidensgeschichten dieser Gedemütigten ans Tageslicht bringt. Leider bestimmt jedoch bis heute ein beamteter Wastl mit Zensorgewalt, wer die königlichen Archive erforschen darf und wer nicht. Ein Bekannter von mir, der schon öfter mit ehrlichen Arbeiten zur Bayerngeschichte hervorgetreten war, wurde prompt abgewiesen.
    Bayern ist doch „schön“ und soll doch auch „schön“ (CSU-schön eben) bleiben.

    Leider gehört auch die Autorin Hadumod Bußmann zu jenen Gefälligkeitsschreiberinnen mit dem schönen Bayernbild. Ihre Biografie der Rupprecht-Tante Therese geriet zu einer linden Katastrophe. Pfui, Frau Bußmann!

  • Sonnige Nacht

    |

    Mit diesem Beitrag habe ich wie auch mit vorherigen Beiträgen, die Fotostrecken von Houmer Hdtz enthielten, ein technisches Problem. Die Fotos haben offensichtlich keine einheitliche Größe, sodass der folgende Text bei Bildwechseln hoch und runter hüpft.

    Das nervt.

  • Rechtstölpel

    |

    Hmm Komisch, bei den Teilnehmern der (eigenen) öffentlichen Veranstaltung werden die Gesichter unkenntlich gemacht. Bei den zufällig dabeistehenden Passanten (siehe Bild Nr. 7) wurde natürlich nichts unkenntlich gemacht. Die Veröffentlichung (auch und insbesondere hier auf Regensburg-Digital.de) dürfte gegen das Kunsturhebergesetz und das Persönlichkeitsrecht der abgebildeten Passanten verstoßen (einfach mal den Kollegen Pütz fragen).

    Hier wird offenbar mit zweierlei Maß gemessen: Bei der letzten öffentlichen Veranstaltung (http://www.regensburg-digital.de/die-zeiten-haben-sich-geaendert/11112015/) wurde gezielt in den Zuschauerraum fotografiert und die Zuhörer bloßgestellt (siehe einschlägige Kommentare). Als dann Kritik kam wurde dann seitens des Seitenbetreibers so reagiert (http://www.regensburg-digital.de/die-zeiten-haben-sich-geaendert/11112015/#comment-333010):

    „„Heckenschützenfotografie“…langsam wird es lächerlich. Das ist ein Überblicksfoto einer öffentlichen Bürgerversammlung. Jeder/r konnte sehen, dass fotografiert wird. Rechtlich gesehen ist das auch eindeutig erlaubt.“

    Komisch nur, dass bei der oben beschriebenen öffentlichen Veranstaltung dann alles und jeder (bis auf die Passanten) penibel unkenntlich gemacht worden sind. Offensichtlich sind dann doch manche Personen (je nach Thema) gleicher als andere. Unabhängiger Journalismus sieht anders aus. Schade dass sich Regensburg-Digital.de von einigen Gruppierungen so instrumentalisieren lässt. Mag sein, dass die Bilder von den oben genannten Veranstaltern gekommen sind, aber dann hätte man die Bilder eben nicht übernehmen dürfen. Entweder werden alle oder keiner gezeigt. Die Tendenz die aktuell hier zu beobachten ist, ist jedenfalls bemerkenswert.

    Schade, schade, schade….

  • Tobias

    |

    Auch wenn das nicht Genlemen-like ist, aber ich ziehe die Gleichberechtigung immer hart durch. Tür aufhalten? Schwere Dinge tragen? Vorm Aufzug Frauen vorlassen? Nee. Warum? Bei Fragen wenden sie sich an Alice Schwarzer. Schönen Tag noch.

    Ich habe das auf Arbeit auch, dass es heißt, diese und jene Arbeit so „nur was für Männer“, da zu schwer oder ähnliches. Allerdings muss ich auch die femininen Arbeiten erledigen. Geld kriegen wir das Gleiche. [/Sarkasmus on]Das ist äußerst ungerecht. [/Sarkasmus off]

  • Beate Treibe

    |

    ‚Frauenparkplatz‘ so pervers und greislich gehts in Regensburger Parkhäusern zu. Wer dieses Wortspiel erfunden hat gehört öffentlich zur Schau gestellt.

  • Mr_Baseball

    |

    Ganz ehrlich…es gibt derzeit wirklich Wichtigers. Dieses „Problem“ ist in meinen Augen ein reines „Luxusproblem“.

  • Tom

    |

    ‚Frauenparkplatz‘ so pervers ………

    Wie sollte man ihn denn sonst nennen?

  • Ziander

    |

    Ja ,Männer sollten alle schwul oder devot sein…moderne Frauen tragen aber heute die Burka…..

  • Ziander

    |

    Ich bin ungeheuer sexistisch:mich erregen manche Frauen mit ihren Ausehen und Outfit..kann mir jemand einen therapheutischen Behandlungsplatz anbieten?Den ich weiß:Sexueller Verkehr ist nur noch zur Fortpflanzung gestattet…

  • Thomas

    |

    @ Tobias: Du wirkst immer so freundlich in deinen Beiträgen. Dass Du noch nicht auf die Idee gekommen bist, unabhängig vom Geschlecht, Menschen die Tür aufzuhalten, beim Tragen zu helfen oder in der Schlange vorzulassen, ist mir klar. Ich glaube fest daran, dass den Türaufhaltern auch die Tür aufgehalten wird. Und dir nicht.

  • Paul

    |

    Soso, jede dritte Frau in Deutschland erlebt mindestens einmal im Leben körperliche Gewalt… ich bin mir sicher, dass dies bei Männern genauso ist – oder vielmehr: Bestimmt erleben weit mehr als 33% aller Männer mindestens einmal im Leben körperliche Gewalt. Bloß wird dies nur selten thematisiert. Auf die Frage: „Haben Sie schon mal in Ihrem Leben körperliche Gewalt erfahren?“ müssten ehrlicherweise 100% der Bevölkerung mit „ja“ antworten (die Backpfeife von der Mama, die Watsch’n auf dem Schulhof, der rüde Stoß beim Einsteigen in den ICE, der Schienbeintritt beim Fußball…) – derlei Statistiken sind kompletter Schwachsinn.

    Genau ist’s mit der dauernden Anschuldigung bzgl. des angeblich immanenten „Sexismus gegen Frauen“. Ein Gang an einen beliebigen Bahnhofskiosk und ein Blick auf die dort ausliegenden Zeitschriftencover genügt, um massenhaft „Sexismus gegen Männer“ zu registrieren (Sixpacks, nackte Oberkörper, etc.) – oder mal einfach im Sommer als Mann ins RT-Bad gehen und an einer Mädels-/Frauenclique vorbeilatschen – und schon wird mal als Mann massivst sexuell belästigt.

    Na und? That’s life. Wer das nicht aushalten kann, der sollte als Eremit im Wald leben und auf keinen Fall versuchen, jemals einen Sexualpartner zu finden. Gilt übrigens auch für Frauen. Vergewaltiger gehören in den Knast, Po-Tätschlern gehört eine Watsch’n und bei unerwünschter Wiederholung eine Anzeige – aber was die Petra-Pan-Demonstranten fordern, ist eine komplett entsexualisierte Gesellschaft. Kann man so etwas ernsthaft wollen?

  • Alex

    |

    @ Jürgen Rei: Wenn dir so etwas schon mal passiert ist, dann tut es mir leid. Aber einfach mal zu behaupten, dass alle Frauen das machen, ist einfach unangemessen und dumm. Gegen eine Verweigerung des Umgangsrechtes kann man klagen, das ist auch gut so. Alltägliche Abwertungen und arrogantes Gehabe gegen Frauen gehören zum Alltag.
    Denkst du wirklich, dass es bei Gewalt gegen Frauen nur um körperliche geht?

    @Paul
    Also ist deiner Meinung nach eine nicht entsexualisierte Gesellschaft notwendig auf Gewalt aufgebaut? Traurig. Übrigens sehr überzeugend, dass eine offensichtlich nicht alltäglicher Gewalt gegen Frauen ausgesetzte Person so davon überzeugt ist, alltägliche Gewalt gegen Frauen absolut richtig einschätzen zu können. Natürlich haben all die Frauen, die sich da beschweren, nur eine Watschn gekriegt haben. Klar.
    Bevor du da ein so genaues und unbedachtes Urteil abgibst, solltest du mal genauer überlegen. Und dich vielleicht mal fragen, ob versehentliche Rempler (die, da sie versehentlich sind, sich nicht persönlich gegen eine bestimmte Person richten) wirklich schon das Gleiche sind wie gezielte Gewalt.

  • menschenskind

    |

    Das Thema Sexismus auf der Straße ist ja seit spätestens Neujahr und Köln wieder ganz aktuell.

    Wie hat denn unsere bayerische Literatur dieses Thema behandelt?
    In welcher geschichtlichen Epoche war dieses Thema schon mal brandaktuell?
    Eine Gefahr für unsere Frauen, die von wem ausging, fand schriftstellerische Bearbeitung?
    Welcher bayerische Bestseller-Autor (über eine Million Gesamtauflage!) hat sich diesem Thema zugewandt?
    Na, kommt Ihr drauf, liebe Regensburg.digital-Leser?

    Hier erlest Euch den Autor selbst, unten steht dann die Lösung:

    Liebe besitzt eine unergründliche Macht, die von daher kommt, wo nur noch das Übersinnliche webt. Liebe kann alles! Sich opfern bist zur Selbstaufgabe, kämpfen bis zum Tod, arbeiten, ohne müde zu werden, hungern und dürsten, ohne es zu spüren; weil nichts so schwer sein kann, so düster und grau, daß das Geliebte davor verblassen würde. Sein Leuchten überstrahlt alles.

    „Du bist furchtbar gescheit“, lacht Hans seine Berta aus, als sie auf einer Wiese mitten unter Blumen liegt und davon erzählt.

    „Du irrst dich, ich war immer nur eine mittlere Schülerin. Aber das, was ich sage, das sehe ich ja vor mir. Ich gebe es nur wieder. Das Sehen macht mich so, das ich vordem nicht hatte.“

    So wandern sie täglich ins Freie und kehren am Abend wieder heim voll von wunderbarem Erleben und Erkennen. Oder sie wandern einmal eine laue geisterhafte Sommernacht hindurch und sind den ganzen Tag hernach so tief zufrieden vom sonderbar Schönen, das aus ihnen gesprochen hat in der nächtlichen Stille. Sie singen durch die Wälder gemeinsam vor Lebenslust und freuen sich, wie schön ihre Stimmen zusammenschwingen. Sie baden im klaren See miteinander und freuen sich heimlich an ihren ranken Körpern. Er am Feinen, Graziösen und dem Hauch der kindlichen Unschuld ihres Leibes, sie an seiner Kraft, der schnellenden Geschmeidigkeit und stolzen Haltung.

    Ein heißer Tag trieb sie wieder einmal an einen See zum Baden. Hans schwimmt weit draußen, und Berta sieht ihm vom Ufer nach. Da fühlt sie, wie die Blicke der herumliegenden Männer auf ihr ruhen, und als sie stolz abweisend umhersieht, grinsen ihr lauter feixende Judengesichter entgegen, daß sie vor Ekel leise schauert und bange sehnt, Hans möchte bei ihr sein. Sie spürt, daß die Blicke ihr folgen, als sie weggeht, und hört, daß hinter ihr her dreckig gelacht wird. Und sie schämt sich ja so. Plötzlich springt vor ihr ein schwarzgebrannter Judenbengel auf und tritt ihr in den Weg:

    „Darf ich das gnädige Fräulein zum Kaffee einladen – oder zum Eis? Bitt‘ schön! Sehen bezaubernd aus, die Gestalt von einer Venus.“

    „Lassen Sie mich in Ruhe!“

    „Aber warum denn? Ein Mädel allein? Allein ist’s doch nicht schön hier.“ Dazu grinst er hinter seiner Hornbrille wie ein Satan und kommt näher.

    Berta tritt zurück und erbleicht, wie sie sich plötzlich von lauter Juden umgeben sieht, von denen einer nach ihrer Hand fassen will und frech sagt: „Mir gibst Du keinen Korb, nicht wahr, Kleine?“ Er winkt im Kreise und ruft laut: „Auf ins Kasino!“ Und der Chor brüllt, lacht und tobt, daß man das Flehen und Rufen der gefangenen Berta kaum noch hört. „Hans!“ flüstert sie leise, „Hans hilf mir!“ Geile Pfoten tappen sie an und schieben und ziehen an ihr. Sie reißt sich los, aber einer fasst sie erneut und sagt: „Netter Kerl! Wir haben doch ein Auto, darfst mitfahren!“

    Aber da faucht er plötzlich und schlägt die Hand vor sein Gesicht, weil ihm Berta blitzschnell ihre Krallen durchgezogen hatte. Einige Juden stutzen, andere lachen, aber niemand kommt ihr zu Hilfe. Ein Mädel allein, Gott was sucht so ein Mädel hier? „Anschluß, was sonst, einen Kavalier!“

    „Was ist da los?“ Hans ist auf einmal da, triefnaß und atemlos. Er sieht Berta an, sieht die Auslese des Satans umherstehen und wird bleich wie eine Wand. Seine Augen werden ganz starr und grünleuchtend, da taumelt der vorderste Jude, der zweite, der dritte, so blitzschnell trifft seine Faust. Die anderen laufen davon. Dann lacht er grimmig auf und hat seine gesunde Farbe wieder.

    Badewärter kommen und helfen den niedergeschlagenen Juden auf die Beine, und Berta kann nun auch schon wieder über die hilflos dummen Gesichter lachen und über das Rachegeschrei der Davongelaufenen, das aber gleich wieder verstummt, als Hans sich umdreht.

    „Sie müssen sofort das Bad verlassen“ verlangt einer der Wärter. „Werfen Sie doch die frechen Juden hinaus!“ empört sich Hans. „Juden? – Sie, beleidigen Sie unsere Badegäste nicht so unverschämt. Hier gibt’s keine Juden und keine Christen. Verlassen Sie das Bad!“ Berta drängt Hans: „Komm, wir suchen ein anständiges Bad, hier ist es so wie am Jordan in der Bibel, das ekelt mich an.“

    „Ui jegerl, tun S‘ nur nicht so g’schwollen, sind S‘ froh, wenn ein besserer Herr sich abgeben mag mit so einer…“

    Da fliegt der Wärter durch einen prima Kinnhaken unter eine Rotte geziert aufschreiender Weiber. Dadurch sind die Juden erneut aufmerksam geworden und pirschen sich lüstern an das girrende Weibsvolk heran.

    „Siehst du, die haben nur darauf gewartet, auffallen zu können, hör nur, wie sie balzen und förmlich Rad schlagen“, sagt Hans zu Berta.

    „Mir dreht sich das Herz um, wenn ich das sehen muß“, entgegnet sie. „Diese Judenschweine richten uns zugrunde, das ganze Blut versauen sie uns.“

    „Und Blut ist das Beste und das Einzige, was wir noch haben.“

    Als sie sich nach dem Ankleiden treffen, zittert Berta noch leise und schmiegt sich im Gehen eng an ihn, daß er besorgt fragt: „Fehlt dir was?“ Sie meint ganz beklommen: „Nein, nichts! Mir graut nur noch vor der Berührung, als hätte mich eine Schlange gestreift. Und angst möchte mir werden, weil es deutsche Mädel gibt, die das nicht fühlen.“

    Und dann frägt sie auf einmal: „Hans, wie stehst du zur Judenfrage?“

    Er hält betroffen den Schritt an und frägt verwundert dagegen: „Was weißt du davon?“ „Sehr viel!“ sagt sie, „seit vorhin weiß ich aber, daß sie die brennendste Frage für uns ist. Der Prüfstein, an dem sich alles Echte und Unechte im Deutschen scheiden muß.“

    „Hm – wenn ich recht nachdenke, die Juden habe ich noch nie leiden können, schon als kleiner Bub in der Schule nicht“, erwidert er, und Berta sieht ihn dabei an, als erwarte sie von ihm ein Urteil über Leben und Tod. „Woran das liegt, habe ich mich zwar nie gefragt, ich denke, das liegt uns im Blut. Die Juden sind für unser Empfinden schmutzig, schweinisch, ehrlos – kurz gesagt, das genaue Gegenteil von uns. Kennst du das Verslein nicht? –

    Jud‘, Jud‘ – hepp, hepp, hepp!
    Schweinefleisch ist fett, fett, fett!
    Sauerkraut ist gut –
    Du bist ein stinkender Jud‘!“

    „Nein, das kenne ich nicht“, lacht sie heiter.

    „Das haben wir daheim als Kinder zum Abzählen beim Spiel hergesagt. Wenn uns ein Judenbengel auf der Straße begegnet ist, haben wir ihn ebenso ausgespottet: Jud‘, Jud‘ – hepp, hepp, hepp! – und dann richtig verhaut, weil wir die falschen Judenbuben einfach nicht riechen konnten. Der Jud‘ stinkt, haben wir als Kinder immer gesagt.“

    „Wir auch! Kinder und Narren sagen die Wahrheit, heißt es.“

    „Von einer Judenfrage habe ich auch schon manchmal reden hören. Da hat es doch früher die Antisemiten gegeben, die zu allerlei Geschrei und Judengezeter Anlaß gaben. Aber es geht mir da so wie in vielen sogenannten Fragen, wie mit der Treue, der Vaterlandsliebe oder der Ehre. Das sind für mich keine Fragen, sondern Selbstverständlichkeiten, wie das Waschen, das Zähneputzen, die Reinlichkeit. Wenn ich das nicht mache, fühle ich mich nicht wohl, nicht gesund. Ich habe dann Angst, ich kriege Läuse, Ungeziefer.“ –

    „Jawohl! Ungeziefer, das ist das richtige Wort dafür. Weil wir eine schmutzige Zeit erleben, drum gedeiht dieses Ungeziefer so prächtig. Es frißt uns noch auf, wenn das so weitergeht. Und dieses Ungeziefer hat sich überall eingeschlichen und drückt uns jetzt sein Gesicht und seine Gesetze auf. Weg mit der Moral, der Ehrlichkeit, der Sauberkeit, der Ehre! Wenn es nur noch Schweine gibt, dann wird aus der Erde am besten ein großer Misthaufen gemacht, ein Paradies für Schweine. Manchmal scheint mir, als sei uns diese Judenplage geschickt, daß wir sehend werden sollen. So wie die Menschen das Auftreten von Ungeziefer zu größerer Reinlichkeit zwingt.“

    „Wir haben uns schon die schönste Zeit ausgesucht, um auf die Welt zu kommen“ lacht Hans ironisch. „Grad lustig ist’s zum Leben! Nichts als Sorgen, schlimme Aussichten für die Zukunft, den erschöpfenden Krieg hinter uns. Man möchte fast verzweifeln, wenn…“

    „Wenn?“ fragt sie neugierig.

    „Wenn es nicht noch ein paar solche deutsche, gesunde Prachtmädel gäbe, wie du eines bist. Komm, wir nehmen einen Kahn und fahren ganz weit in den See hinaus, wo nur noch Fische und wirklich keine Juden mehr sind.“

    (Hans Zöberlein, Der Befehl des Gewissens, München 1937, S. 296-300)
    http://www.hagalil.com/2013/11/zoeberlein/

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