Archiv für 23. Januar 2011

„Ein tolles Team“: Innenminister Herrmann (2. v.li.) im Kreis der Regensburger CSU-Spitze. Foto: Staudinger

 

„Auch im besten Elternhaus kann mal etwas daneben gehen.“ Ein belustigtes Raunen geht durch den Festsaal im Haus Heuport als Joachim Herrmann das sagt.

Freilich spricht der bayerische Innenminister gerade über Bildungspolitik und nicht über sein Familienleben, aber die meisten Gäste beim Neujahrsempfang der Regensburger CSU kennen spätestens seit Donnerstag auch Herrmanns Sohn Jakob, der es dank bundesweiter Berichterstattung als „Pornorapper“ Jackpot zu gehöriger Aufmerksamkeit gebracht hat (der erste Bericht in der Abendzeitung). Und dass die Lieder des 19jährigen Jakob so gar nicht zu den Ambitionen von Papi passen, sorgt für gehörige Häme im Blätterwald. Wen wundert’s, dass weder Herrmann Senior noch Junior sich zu dem Thema äußern.

„Ich kenn nicht mal meinen Vater…“ Jakob „Jackpot“ Herrmann, „Jede Frau bückt sich“

Angehörigen beider Lager in der zerstrittenen Regensburger CSU gewährt der Innenminister seine Gunst, wenngleich das „Schlegl-Lager“ eher spärlich vertreten ist. Doch immerhin: Beim Eintreffen wird Herrmann von Konrad Brenninger begleitet. Brenninger ist nicht nur ein Unterstützer von CSU-Fraktionschef Christian Schlegl, er ist auch der Rechtsanwalt, der derzeit die CSU-Fraktion im Rechtsstreit um die neue Satzung gegen die beiden Stadträte Franz Rieger und Herrmann Vanino vertritt.

Außerdem will Brenninger neuer Vorsitzender der Altstadt-CSU werden. Dort hat aktuell das Gugau-Lager das Sagen und nun im Vorfeld der Neuwahlen im Ortsverein gibt es – wieder einmal – Vorwürfe von Mitgliederverschiebungen gegen dieses Lager. Auch der berühmt-berüchtigte Thomas Fürst soll seine Finger dabei im Spiel haben – man kennt das zur Genüge. „Ich hab noch nie rot gewählt, aber wenn die 2014 immer noch das Sagen haben, wähl ich den Wolbergs“, raunt ein altgedienter CSUler, Schlegl-Lager selbstverständlich.

„Und die Uhr tickt, tickt und sie tickt immer weiter. Es läuft Eure Zeit ab, denn jetzt bin ich und bleib da.“ Jackpot, „Die Uhr tickt“

 

Nicht immer machen Kinder Sorgen: Blumen für Herrmann von Armin Gugaus Tochter Anna-Maria. Foto: as

Doch ist es wirklich so schlimm um die Regensburger CSU bestellt? Nein, beileibe nicht, betont Armin Gugau in seiner Begrüßungsrede. Nah am Bürger, kompetent, weltoffen und modern sei man – und tatsächlich: Statt Weißbier gibt es am Sonntag Prosecco, statt Weißwürschten und Leberkäs gibt es Schnittchen mit Lachs, Forelle und Frischkäse.

Die Führungsriege der Regensburger CSU: Franz Rieger, Armin Gugau und Hans Renter. Foto: Staudinger

Stellvertretend für die „jungen und dynamischen Ortsvorsitzenden der CSU“ begrüßt Gugau Andrea Glufke-Böhm, die vergangene Woche im Ortsverein Harting den Vorsitz übernommen und Vorgänger Thomas Röhrl abgelöst hat. Ein Schlegl-Ortsverein wurde ins Gugau-Lager überführt. „Aber Harting ist wurscht“, meinen übereinstimmend Angehörige beider Seiten. Der Ortsverein stellt nur drei Delegierte für die Aufstellung der Stadtratsliste. In der Altstadt sind es 16.

„Die Zeiten waren hart. Doch wir sind wieder da. Und jeder weiß sofort: Diese Typen sind Stars.“ Jackpot, „Jede Frau bückt sich“

Vorne am Rednerpult aber herrscht eitel Sonnenschein. Was da immer als Machtkampf „hochstilisiert“ werde sei in Wahrheit eine sinnvoller „Diskurs über Sachfragen“. „Bei uns wird niemand ausgeschlossen, ausgegrenzt oder kaltgestellt“, erklärt Gugau, der bei seiner Begrüßung CSU-Fraktionschef Christian Schlegl bewusst übersieht. Ebenso sparen nach ihm der Landtagsabgeordnete Franz Rieger und Bezirksrat Hans Renter Schlegl aus.

Renter rät den Anwesenden in einem „Gleichnis“ von den „ungleichen Zwillingen“ fürs neue Jahr, den „miesepetrigen“ der beiden in Zaum zu halten. Als Joachim Herrmann schließlich mit seiner Rede beginnt, hat der Fraktionschef den Neujahrsempfang schon verlassen.

Kam, hörte und ging wieder: CSU-Fraktionschef Christian Schlegl. Foto: Staudinger

„Wenn ich den Raum betrete, stehen alle auf und klatschen. Wenn Du den Raum betrittst, stehen alle auf und klatschen nicht.“ Jackpot, „Kassen auf“

Der Innenminister hat die Schlagzeilen der vergangenen Woche gelesen. Nicht nur jene, in denen es um seinen Sohn geht. In einem inhaltlich oberflächlichen, aber doch die CSU-kritische Berichterstattung vollständig aufgreifenden Rundumschlag singt er das Hohelied auf die christlichsoziale Politik. Er lobt die bayerische Bildungspolitik, die fleißigen Lehrer, wohl wissend, dass es vergangene Woche scharfe Kritik an den geringen Einstellungsquoten in Bayern gegeben hat.

„Ich bin so unbeschreiblich wie der heilige Geist.“ Jackpot, „Das R mit der Krone“

„Ich halte mich da raus.“ Herrmann zum Regensburger CSU-Streit. Foto: Staudinger

Er geht auf das Gutachten des Zukunftsrats der bayerischen Staatsregierung ein, das empfiehlt strukturschwache Regionen quasi abzuschreiben, links liegen zu lassen und stattdessen die Zentren zu stärken. Der Bayerische Rundfunk sprach von einer „Kriegserklärung an die Provinz“, wo die Empörung entsprechend groß war.

„Das, was behauptet wird, steht da nicht drin“, sagt Hermann dazu. Man werde das Gutachten „demnächst“ veröffentlichen. Zumindest wird „das, was behauptet wird“ spätestens dann nicht mehr drin stehen…

„Ich ficke Bräute aus der Unterschicht.“ Jackpot, „Jede Frau bückt sich“

Vergleichsweise kurz, aber mit den gewohnten Schlagworten, spricht Herrmann über seine Kernthemen: Innere Sicherheit („In Bayern lebt man sicherer als anderswo.“), Integration(sprobleme) („Wer hier leben will, muss …“) und den Islamismus, dem man sich in „geistiger Auseinandersetzung“ widersetzen müsse. Das sei die Lehre aus der deutschen Geschichte und der „Katastrophe des Nationalsozialismus“.

Als Herrmann gegen Ende seiner Rede schließlich die Linken, deren Vorsitzende Gesine Lötzsch und den Kommunismus geißelt, ist das Balsam auf die christsozialen Seelen. Es gibt langen Applaus und der Innenminister lässt es sich nicht nehmen, noch ein Stündchen zum Plausch zu bleiben.

„Du sprichst nicht mal deutsch, doch Du denkst, dass Du’s geschafft hast.“ Jackpot, „Keiner fickt mit uns“

Zu den Streitereien der Regensburger CSU will sich Herrmann nicht äußern. Dazu befragt, spricht er zunächst von dem „tollen Team“, davon, dass die Menschen spüren würden, dass sich die CSU um sie kümmere und dass er sowohl zu Bürgermeister Gerhard Weber und dem (am Sonntag abwesenden) Oberbürgermeister Schaidinger wie auch zu Franz Rieger und dem Kreisvorsitzenden Gugau ein „hervorragendes Verhältnis“ habe.

Auf Nachhaken hebt Herrmann abwehrend die Hände und meint lächelnd: „Ich halt mich da raus. Das müssen die unter sich ausmachen.“ Dann verlässt er das Haus Heuport.

„Ich bewundere meinen Sohn. Selbst nach den größten Dummheiten findet er noch eine überzeugende Ausrede.“ Joachim Herrmann über Jackpot

Zufrieden wirkt Armin Gugau. Obwohl sich einige gewünscht hätten, dass der Empfang ein Misserfolg werde, sei alles hervorragend gelaufen. Und weil auch einige Vertreter des Regensburger Geldadels anwesend waren, meint er noch: „Das wir einiges in die Parteikasse spülen.“ Für das Gugau-Lager scheint alles nach Plan zu laufen.

„Ich bin so was wie der König von Sierra Leone. Wir machen Cash, also her mit der Kohle. Das Statussymbol ist das R mit der Krone.“ Jackpot, „Das R mit der Krone“

Jackpot Herrmanns neustes Album als Download gibt es übriges hier…

Ist Ihnen dieser Text etwas wert?

(via Paypal)

oder:

 
Verein zur Förderung der Meinungs- und Informationsvielfalt e.V.
IBAN: DE14750900000000063363
BIC: GENODEF1R01