SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 5. Juli 2011

Fotomontage der Westtrasse, verdeckt vom Eisernen Steg. Ein angebliches UNESCO-Dokument zerlegt die Brückenpläne im Westen.
Das Dokument, das seit Montagabend beim Bürgerbündnis Regensburg kursiert, hat Sprengkraft. „City of Regensburg, World Heritage Status: Alternate public transportation (ÖPNV) route over the Danube“, lautet die wenig spektakuläre Überschrift und der Inhalt sorgt für gehörige Zufriedenheit bei den Brückengegnern. Dr. Hans-Jürgen Ahrns vom Donauanlieger-Verein hat das Schriftstück verschickt und sagt: „Das ist ein offizielles UNESCO-Schriftstück. Sie hat sich bereits abschließend zur Westtrasse geäußert.“ Eine gewagte Aussage zu einem Dokument, dass weder unterschrieben, noch datiert ist und das von keiner offiziellen Stelle jemals erwähnt wurde. Sollte Ahrns indes recht haben, dann wären die Pläne für eine Westtrasse Geschichte. Wenn das Schriftstück authentisch ist, dann lässt die Kritik der UNESCO an einer Brücke im Westen an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig.

Gutachten wird verrissen

Tenor der einseitigen Stellungnahme in englischer Sprache: Eine Westtrasse hätte schwerwiegende Auswirkungen auf das Welterbe-Gebiet. Durch eine zusätzliche Brücke im Westen würde die Steinerne Brücke Konkurrenz erhalten und so ihren individuelle Wert verlieren. Eine Westtrasse würde den Blick auf die historische Altstadt ernsthaft beschädigen. Der Abriss des Eisernen Steg wäre der Verlust eines bedeutenden Denkmals. Das Welterbeverträglichkeitsgutachten, mit dem die Stadt die Machbarkeit von Ost- wie Westtrasse gegenüber der UNESCO begründen wollte, wird in dem Schreiben in einem eigenen Absatz zerlegt. Die darin enthaltenen Aussagen zur Westtrasse seien in Teilen „falsch“, „unbegründet“ oder „eklatant widersprüchlich“. „Diese Entscheidung scheint eine endgültige zu sein“, schlussfolgert Ahrns.

Landesamt und Stadt wissen von nichts

Das Problem: Weder beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege noch bei der Stadt Regensburg weiß man etwas von dem vermeintlichen UNESCO-Dokument. „Die verschiedenen Kritikpunkte, die in diesem Schriftstück geäußert werden, sind uns bekannt“, so Pressesprecherin Juliane von Roenne-Styra, etwa aus der Diskussion mit dem Landesamt für Denkmalpflege oder aus den Reihen des Bürgerbündnisses. Das nun aufgetauchte Schriftstück jedoch kenne man bei der Stadt nicht, beteuert sie nach mehreren internen Gesprächen. „Das es sich dabei um eine offizielle Stellungnahme der UNESCO handelt, wage ich sehr zu bezweifeln.“

Das Original ist plötzlich verschwunden

Er habe das Dokument auf einen Tipp hin im Internet gefunden, sagt dagegen Ahrns. Doch am Dienstag ist das Original des tags zuvor noch gefeierten Schriftstücks selbst nach intensiver Recherche nicht mehr auffindbar. Warum? „Ich kann es mir nicht erklären“, sagt Ahrns. Klärung könnte der 11. Juli bringen. Bis dahin hat Planungsreferentin Christine Schimpfermann eine Stellungnahme zu den Brückenplänen vom Welterbezentrum in Paris erbeten. Ob es eine solche geben wird und ob man dann erfahren wird, was es mit dem ominösen Dokument auf sich hat, hängt von der UNESCO ab, die es bislang vorzieht, sowohl gegenüber der Stadt wie auch gegenüber den Medien zu schweigen.

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