SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 18. Juli 2011

Sieht so der Donaumarkt der Zukunft aus? Aus einem Flyer der Stadt Regensburg bei der Immobilienmesse EXPO Real in München Anfang Oktober.
Zufall oder nicht? Gut zwei Wochen, bevor die Stadt Regensburg zu einer Informationsveranstaltung über die Bebauung am Donaumarkt lädt (Mittwoch, 27. Juli, 19 Uhr, Thon-Dittmer-Palais), haben sich die Kritiker der aktuellen Pläne erneut zu Wort gemeldet. Sie wollen nun verstärkt öffentlich Druck machen, um – wie es Reiner Schmidt vom Forum Regensburg ausdrückt – „eine Katastrophe“ zu verhindern. Mit der „momentanen Hektik“, die plötzlich am Donaumarkt verbreitet werde, sei die Stadt auf dem besten Weg, dort eine „städtebauliche Peinlichkeit ersten Ranges“ zu schaffen. Mit 10.000 Flugblättern und einer eigenen Homepage (ab Mittwoch online) wollen das Forum, der Arbeitskreis Kultur, Altstadtfreunde, Donauanlieger und Soziale Initiativen nun das ihrige tun, „um das noch zu ändern“.

Einigkeit im Stadtrat

Im Stadtrat ist man sich über alle Fraktionen hinweg darüber einig, was am Donaumarkt passieren soll. Am Ufer wird eine zwölf Meter breite Promenade entstehen, die über eine Rampe für Busse an die Eiserne Brücke angeschlossen wird. Für die beiden großen Blöcke Brüchner- und Ostermeier-Areal wurde über zwei (umstrittene) Bauvorbescheide Baurecht geschaffen. Nun befindet sich die Stadtbau GmbH, der beide Grundstücke gehören, auf Investorensuche. Bereits verkauft hat die Stadtbau die historische Hufbeschlagschule („Trunzer-Block“). Die Immobiliengruppe Trepnau ist gerade dabei, dort Wohnungen im obersten Preissegment (ca. 4.000 Euro/ qm) zu schaffen. Erst wenn das alles fertig ist, wird schließlich – daran orientiert – der Bebauungsplan für den vergleichsweise kümmerlichen Rest der Fläche aufgestellt, inklusive der dann gesetzlich vorgeschriebenen Bürgerbeteiligung. Das grobe Bebauungskonzept, das all dem zugrunde liegt, wurde 2007 vom Stadtrat beschlossen – einstimmig. Im Januar 2011 wurde – ebenfalls einstimmig – die Aufstellung des entsprechenden Bebauungsplans abgesegnet. Das alles soll, so die einhellige Meinung im Stadtrat, möglichst schnell gehen, denn: Die Stadtbau GmbH braucht Geld, um an anderer Stelle Sozialwohnungen zu bauen. „Wenn wir dort jetzt nicht bauen, können wir das Grundstück gleich den Banken schenken“, lautet etwa ein zentraler Satz von SPD-Fraktionschef Norbert Hartl.

Forderung: Keine Uferstraße!

Die am Montag zum Pressegespräch versammelten Initiativen verstehen diese Eile nicht. Sie fordern eine sorgfältigere Planung. „Nur wenn ich die gesamte Wunde behandle, komme ich auch zu einem vernünftigen Ergebnis“, so Schmidt. Das momentane Vorgehen werde weder den hohen Gestaltungsansprüchen für den Donaumarkt, noch den Bedürfnissen der Anwohner gerecht. „Man unterhält sich lieber mit Investoren als mit den Bürgern“, schlussfolgert Schmidt. Konkret fordern er und seine Mitstreiter einen Verzicht auf Brückenrampe und Uferstraße. Anstelle der beiden bislang im Bebauungskonzept vorgesehenen großen und nun zur Vermarktung anstehenden Blöcke Ostermeier und Brüchner solle die Bebauung kleinteiliger werden. Um eine hohe gestalterische Qualität sicherzustellen, müsse es anstelle der momentanen „Salamitaktik“ einen städtebaulichen Wettbewerb für das gesamte Areal und angrenzender Gebiete in der Ostengasse und am Schwanenplatz geben. Nur so könne die Ostnerwacht wieder an die Altstadt angeschlossen und als ein Teil derselben wahrgenommen werden.

„Kaum jemand weiß Bescheid“

Reinhard Kellner (Soziale Initiativen) bemängelt beim Pressegespräch am Montag das große Informationsdefizit bei der Bevölkerung. Bei vielen Gesprächen am Rande des Ostengassenfests habe er festgestellt, dass kaum jemand Bescheid darüber wisse, was da am Donaumarkt überhaupt geplant ist. Die Stadt tut mit der Veranstaltung am 27. Juli das ihre, um gegen dieses Informationsdefizit vorzugehen. „Wir werden daran teilnehmen und sehen wie die Diskussion verläuft“, so Kellner. Man sei zu einem konstruktiven Dialog bereit. Und falls es den nicht gibt? „Das Wort Bürgerbegehren steht natürlich im Raum.“

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