SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 12. Januar 2014

CSU-Neujahrsempfang im Haus Heuport

Ein Regensburger Vorgeschmack

Beim Neujahrsempfang im Haus Heuport feiert die CSU ihren Friedensschluss und lässt Festredner Füracker das Hohelied auf Regensburg singen.

Kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus: Christian Schlegl. Fotos: as

Kommt aus dem Grinsen gar nicht mehr heraus: Christian Schlegl. Fotos: as

„Die haben keine Sondergenehmigung. Da gilt gleiches Recht für alle.“ Zustimmendes Nicken erntet die Frau vom Verkehrsüberwachungsdienst, als sie vorm Haus Heuport die Nummern des blau lackierten „Der kann’s“-Mobils und der Staatskarosse von Albert Füracker in ihren kleinen Apparat tippt und die entsprechenden Strafzettel vorbereitet. „Ich hab’s ihm gesagt. Es ist ihm egal“, ruft ihr der frühere CSU-Integrationsbeauftragte Bora Ataman vom Eingang her zu und schon hängen die Tickets an den Scheibenwischern.

Strafzettel1Es kann Christian Schlegl auch egal sein. Bei einem Wahlkampfbudget von mehr als 350.000 Euro sind auch ein paar Strafzettel drin und oben im Festsaal, wo der Neujahrsempfang der CSU gerade in vollem Gange ist, verbreitet MdL Franz Rieger gerade so gute Stimmung („Über die CSU gibt es nur Gutes zu berichten.“) und lobt den „lieben Christian“ derart, dass dem CSU-OB-Kandidaten wohl auch 150 Euro egal gewesen wären. Es ist einfach zu schön, sich selbst zu feiern.

Die Menschen und der liebe Franz…

Wobei, dass „die Medien“ geschrieben hätten „CSU feiert sich selbst“ sei so jetzt auch „ein wenig übertrieben“, meint Schlegl in seiner anschließenden Ansprache. Man feiere, dass man „von den Menschen“ als die erste Kraft wahrgenommen werde, die Regensburg in eine gute Zukunft führen könne. Das hätten er, „der liebe Franz“ und die vielen Unterstützer bei ihren bislang „130 Haushaltsbesuchen“ überall gespürt. Und vielleicht, weil das so ist, vielleicht auch aus anderen Gründen „spare ich mir heute eine programmatische Rede“, sagt Schlegl in seinem Grußwort.

Politiker, Promis und Profiteure: voller Saalt im Haus Heuport.

Politiker, Promis und Profiteure: voller Saalt im Haus Heuport.

Wie schon in der Vergangenheit wird die SPD und Schlegls schärfster Konkurrent Joachim Wolbergs mit keinem Wort erwähnt. Dafür schreibt Schlegl sich heute die Themen auf die Fahnen, mit denen doch just jene SPD im Wahlkampf zu punkten versucht.

Themen, Promis, Profiteure

Den Wohnungsbau – sage und schreibe „10.000 neue Wohnungen“ verspricht die CSU derzeit auf ihren neusten „Der kann’s“-Plakaten. Die soziale Teilhabe – Regensburg dürfe nicht zur Zwei-Klassen-Gesellschaft werden, sagt Schlegl. Und schließlich, da dürften die Grünen aufhorchen, mit denen Schlegl – nicht ganz erfolglos – schon seit längerem liebäugelt – die Ökologie und den Umweltschutz. „Die Schöpfungsthemen, meine sehr verehrte Geistlichkeit“, die damit auch zu ihrem Recht kommt.

Drei, die sich (zur Zeit) verstehen: Franz Rieger, Christian Schlegl und Peter Kittel.

Drei, die sich (zur Zeit) verstehen: Franz Rieger, Christian Schlegl und Peter Kittel.

Immer wieder gibt es Applaus von den Anwesenden, unter die sich allerlei Lokalprominenz gemischt hat. McDonalds-„Burgermeister“ Franz Mosher („Ich bin ein Thinktank mit Ketchup im Blut.“) ist da und Polizeipräsident Rudolf Kraus. Wochenblatt-Herausgeber Herbert Zelzer, den Franz Rieger bereits zu Beginn namentlich begrüßt hat, ist eigens aus Landshut angereist. Und Peter Kittel, Veranstalter, Stadtzeitungsherausgeber, Rieger-Wahlkampfmanager und Spezl von MZ-Herausgeber Peter Esser, hat sich gleich ganz vorne eingereiht, dort, wo die CSU-Granden darauf warten, den jeweils anderen am Redner-Pult abzulösen. Später, zum Abschied, wird Staatssekretär Albert Füracker noch ein Kistchen namens „Regensburger Gschmäckle“, pardon „Regensburger Vorgeschmack“ aus der Kittelschen Marketing-Abteilung überreicht. Der, Kittel, könne „eben alles“, sagt Rieger

Schnappi, das kleine Krokodil

Albert Füracker, der Hauptredner dieses Vormittags, muss man bescheinigen, dass er zwar nicht der prominenteste Redner ist, den sich die CSU in den letzten Jahren zum Neujahrsempfang geladen hat, aber sicher einer der unterhaltsameren. Den „Friedensnobelpreis“ habe er schon mitnehmen wollen oder zumindest den „Friedenspreis der bayerischen Staatsregierung“ ist eines seiner Bonmonts. Dass das Wort „Groko“ ihn an „Schnappi“ erinnert habe, ein anderes.

„Ich grüße vor allem die bayerischen Steuerzahler.“ Staatssekretär Albert Füracker.

Vor allem die bayerischen Steuerzahler wolle er grüßen, sagt der Neumarkter, der als Staatssekretär im Bayerischen Finanzministerium wirkt. Und auch wenn es ihn ein wenig schmerze, grüße er auch die Steuerberater. Denn auch wenn dem Fiskus durch deren Fähigkeit mancher Euro entgehe, sei es doch eh so, dass Private das Geld sowieso meistens besser investierten als dies der Staat je könnte. Gelächter und viel Applaus vom Prosecco und Weißbier schlürfendem Regensburger Publikum, dem Füracker anschließend in bewundernswerter Manier den Bauch pinselt. Wenn Horst Seehofer sage, dass Bayern die Vorstufe zum Paradies sei, dann sei Regensburg wohl schon die Vollendung. Nein, aus Neumarkt schaue man nicht neidig hierher, sondern stolz und generell sei es ja so, dass dies hier „die Oberpfalz und nicht die Jammerpfalz“ sei.

„Wer betrügt, der fliegt.“

Füracker singt das Hohelied von CSU in Bund, Stadt und Land, schimpft ein wenig auf die EU – diese solle sich „mehr kümmern und weniger Vorschriften machen“ und verteidigt schließlich die von Peter Ramsauer losgetretene CSU-Kampagne gegen Rumänen und Bulgaren („Wer betrügt, der fliegt.“), wenngleich sehr vorsichtig. Nur weil da jemand mit drei Worten etwas formuliert habe, „was möglicherweise ein Problem darstellt“ und nur weil er das „nicht akademisch“ akademisch ausgedrückt habe, werde sich da gleich wieder aufgeregt. Dabei sei es doch eine Selbstverständlichkeit, wenn man sage: „Wer sich nicht an deutsche Gesetze hält, der sollte sich überlegen, ob er bei uns bleiben will.“ Wieder viel Applaus. So etwas hört man gern.

StrafzettelUnd als Füracker am Schluss, so wie es Rieger und Schlegl schon vor ihm getan haben, erneut auf den neu geschlossenen Frieden in der CSU verweist und seine „unendliche Dankbarkeit“ dafür zum Ausdruck bringt und seine Rede mit „Es ist ein Glück in Regensburg zu leben“ beschließt, wird rhythmisch Beifall geklatscht.

Vor dem Haus entfernt ein Schlegl-Mitarbeiter unterdessen die Strafzettel von den Windschutzscheiben.

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