Auszeichnung für eine Beharrliche

Freier Geist 2010: Luise Gutmann (Mitte, mit Ursula Vogt und dem bfg-Vorsitzenden Erwin Schmid).
Obwohl selbst im erzkatholischen Regensburg schon 20 Prozent der Bevölkerung konfessionslos sind: Ganz so voll wie im Dom ist es bei der Feier des Bundes für Geistesfreiheit (bfg) am Sonntagabend nicht geworden. Von den 231 Mitgliedern des bfg haben es aber doch knapp 40 „Gottlose“ in den Brandlbräu geschafft, wo Tannenzweig-Nikolaus-Gestecke und rot-goldene, mit Sternen bedruckte Deckchen auf den Tischen schon auf die Weihnachtszeit einstimmen sollen. 33-ein-Drittel Jahre alt ist der bfg heute geworden. Dem Humanismus, der allgemeinen Erklärung der Menschenrechte fühle man sich seitdem verpflichtet, hebt der Vorsitzende Erwin Schmid in seiner Begrüßungsrede hervor, die recht kurz gehalten ist. Denn es ist weniger dieses Jubiläum, das gefeiert wird, der „Freigeist des Jahres“ soll heute geehrt werden. Und mit Ehrungen sei es so eine Sache, sagt Ursula Vogt in ihrer Laudatio. „Manchmal trifft es auch die Richtigen.“ Die angesprochene „Richtige“ an diesem Abend ist Luise Gutmann, eine „Freundin und Kampfgefährtin“, so Vogt. Dabei spielt es allenfalls eine untergeordnete Rolle, dass die gebürtige Freisingerin mit der Beerdigung ihres Vaters zur Atheistin geworden ist. „Mit Beharrlichkeit Dinge tun, auch wenn sie gerade nicht opportun erscheinen – das ist eine Eigenschaft, die dich auszeichnet“, hebt Ursula Vogt hervor. Mit Beharrlichkeit verfolgt Luise Gutmann seit ihrer Studienzeit ihr Engagement für Antifaschismus und Völkerverständigung: während der 68er an der Uni Regensburg, bei Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg oder durch ihre Arbeit bei der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes (VVN). Heute organisiert Gutmann Besuche von Zeitzeugen und ehemaligen Zwangsarbeitern in Regensburg, setzt sich seit Jahren für eine Gedenktafel am ehemaligen KZ-Außenlager Colosseum ein. Dass es in Regensburg eine Erinnerungstafel für die Lehrerin Elly Maldaque gibt, ist ebenfalls ihrem Engagement zu verdanken. Luise Gutmann gehöre zu „den anderen“, so Vogt, denen „ohne Reputation und ohne Orden, die mit Berufsverbot und anderen einschneidenden persönlichen Nachteilen Bedachten, die Umstürzler und Lästigen und lächerlich Gemachten, die einfach nicht die Weisheit des großen Franz Josef Strauß kapieren wollen, dass ein Volk, das solche wirtschaftlichen Leistungen vollbracht hat ein Recht darauf habe, von Auschwitz nichts mehr hören zu müssen“. „Ich wollte, dass diese Welt anders ausschaut, ganz anders“, sagt Luise Gutmann heute. Und selbst etwas zu tun, sei „die Befreiung meines Lebens“ gewesen. Dass sie geehrt werde, habe sie zunächst skeptisch gemacht. „Aber jetzt freue ich mich doch.“

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Kommentare (8)

  • Roland Hornung

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    Liebe Luise,

    herzlichen Glückwunsch !

    Du hast den Preis wirklich verdient – und freuen darfst du dich auf jeden Fall :-)

    Weiter so in deinem Engagement und alles Gute !

    Dein Roland

  • Herbert

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    Achso, jaja, erst einen auf gottlos machen, aber Nikoläuse verteilen und auf Weihnachten einstimmen. Wie wir ja alle wissen, war der Heilige Nikolaus Atheist und wurde vom Bund der Geistesfreieheit zum Heiligen erkoren, an Weihnachten feiern wir übrigens den Geburtstag Immanuel Kants…

  • Immanuel K. Anti

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    Der Bischof von Myra war ein lieber Mann, der Nächtenliebe praktiziert hat, ohne Fragen zu stellen. Wie auch St. Martin. Da gibt es nix zu deuteln, es ist egal, ob die Geschichten nun Legenden sind oder historische Wahrheiten.

    Weihnachten feiere ich auch, weil ich es schön finde, dass die Tage wieder länger werden. Da gibt es gutes Essen. Und das öffentliche Leben ruht, niemand will was von einem, alle sind entspannt.

    Und?

  • Demokrat

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    … und ich sag auch stur seit wer-weiß-wieviel-Jahren „Grüß Gott“ zu mir nicht näher bekannten Mitmenschen. Nicht, weil ich damit hoffe in den Himmel zu kommen oder glaube, dass mich da oben ein alter Mann mit grauem Bart hört, sondern schlicht weil’s ein alter, schöner bayerischer Gruß ist und ich „Guten Tag“ und „Tschü-hüüs“ grausam finde, zumindest in und für Bayern.

    Grantel doch nicht so viel herum, lieber Herbert! Lohnt sich nicht.
    Wiederschaug’n!

  • Alexander Gruber

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    Der Kommentar wurde von der Redaktion gelöscht.

  • Wolfgang

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    @Herbert

    Schau mal nach

    http://www.schulfach-ethik.de/ethik/Gymnasium/feste.htm

    Weihnachten, dieses so genannte christlichste Fest, das absolut heidnischen Ursprungs ist, gilt es zu entmystifizieren.

    Trotzdem: Wir freigeistigen Menschen können es sowohl unter dem Namen Weihnachten als auch als Lichtfest feiern. Beides ist möglich, da Weihnachten ja kein genuin christliches Fest ist und sich als Fest des Friedens eingebürgert hat. Ihnen und uns allen wünsche ich in diesem Sinne eine friedliche, frohe Weihnachtszeit, eine schöne Wintersonnwendzeit, ein gutes hoffentlich friedliches neues Jahr.

    Dir empfehle ich auch das Buch
    Denn Sie wissen nicht, was Sie glauben Oder warum man redlicherweise nicht mehr Christ sein kann

  • StuhloderSessel

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    @ alle

    Natürlich steht es dem brandl-bräu (welches übrigens ausnehmend gut gewerkschaftlichen und anderen humanistischen Veranstaltungen ein Obdach gibt..) frei, seine Tische so zu gestalten, wie es der/die Wirt/in eben will…
    Genauso verhält es sich mit dem bfg-Regensburg.
    ;-)

    Werte Frau Gutmann,

    Sie brauchen gar nicht skeptisch zu sein. Chapeau und Vielen Dank!

    „Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
    Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
    Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.“

  • Bernhard Segerer

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    Glückwunsch Luise!

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