Begeistert entgeisterte Fahrraddemo

Donnerstag, 31. Juli 2013. Um 17:30 Uhr finden sich am Schwammerl ca. 25 Menschen ein, die dem Aufruf der SJD – Die Falken, der VVN und dem SDS-Regensburg gefolgt sind. Sie riefen eine Woche im Vorfeld mit einem von Sarkasmus triefenden Flugblatt zur heutigen antirassistischen Fahrraddemo gegen das Projekt Sichere Altstadt auf. Im Projekt Sichere Altstadt in dem die Stadt Regensburg mit Polizei, Bundespolizei und Staatsanwaltschaft zusammenarbeitet, soll gegen Rauschgiftkriminalität, Fahrraddiebstahl, Wildbiesler, Geisterradler und sonstige Verkehrssünder vorgegangen werden. Das alles geschieht in einem langfristig angelgten modularen Konzepteinsatz. Die Demonstration ist nicht die erste Kritik am Projekt Sichere Altstadt. So veröffentlichte DrugStop Ende April zum Beispiel eine Stellungnahme in der sie kritisieren, dass ihre erfolgreiche Arbeit mit Drogenabhängigen durch das massive Vorgehen der Polizei wesentlich erschwert wird. Die Piraten beklagten in einer Pressemitteilung unteranderem die „Disneyfizierung“ Regensburgs und stellten das „Projekt Sichere Altstadt“ in Zusammenhang mit Gentrifizierung, Feierverboten – und der Landtagswahl. „Ein Staat, in dem Nazis von ihm finanziert morden, der Krieg führt, ein rassistisches Asylrecht durchsetzt (…) ist das eigentliche Schreckensgespenst. …there’s something strange… Werde jetzt Ghostbuster!“ Die Falken haben an diesem Tag nicht an Kreativität gespart. Die Demonstrationsteilnehmer auf den Fahrrädern tragen Rückenschilder mit Aufschriften wie „Geisterradler gefährden die deutsche Ordnung“ oder „Lieber Wildpieseln als ordentlich Marschieren“. Vorneweg fährt ein Motorrad und gleich dahinter kann man auf einem Transparent, das zwischen zwei Fahrräder gespannt wurde lesen „Das Schreckensgespenst deutscher Staat aufmischen! Gegen staatlichen Rassismus. Werde Ghostbuster!“ Als ob das noch nicht genug wäre, haben sich zwei Demonstranten als Geister verkleidet, welche von drei Fahrradfahrern mit Schwarz-Rot-Goldenem Ghostbusterlogo auf der Brust verfolgt werden. Ergänzt wird dieses Bild mit musikalischer Untermalung von Falco (Der Kommisar) und dem Ghostbuster Themen Song. Irritiert und oft erheitert zeigen sich die Passanten, sowie die frühabendlichen Cafebesucher angesichts dieser Veranstaltung. Doch spätestens mit dem Erhalt des Flugblattes legen einige ihre Stirn in Falten und kommen ins Grübeln. Denn darin wird das Projekt Sichere Altstadt nur als Aufhänger genommen um die „deutsche Sicherheit“ ansich zu beleuchten. Weiter wird gefordet keine Zentralisierung des Gewaltenapperates zu installieren, wie das im Gemeinsamen Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum geschieht. Außerdem wird Brecht zitiert: „Ohne starke Polizei und ständige Aufsicht können Sie aus keinem Volk eine Herrenrasse machen. Es fällt Ihnen immer wieder zurück. Glücklicherweise ist der Staat in der Lage, da einigen Druck auszuüben, Er braucht den Leuten z.B. nicht unbedingt etwas zum Fressen zu geben. eine in die Fresse genügt mitunter auch.“, und Klargestellt „Unser Kampf bedeutet: Klasse gegen Klasse!“ Ca. 25 Menschen beteiligten sich bei der antirassistischen Fahrraddemo zu der SJD – Die Falken, VVN und SDS-Regensburg aufgerufen hatten. „Begeistert entgeistert. Werdet Vaterlandsverräter!“ Bei einer Zwischenkundgebung der 8,3 Kilometer langen Strecke am Haidplatz und bei einer Abschlusskundgebung am Domplatz stellte ein Redner aufgrund der fraglichen Formulierung seitens der Polizei im Projekt Sichere Altstadt (Wenn auf einem Fahrrad, bei dem die Beamten sehen, dass es „eine vierstellige Summe wert ist“, jemand radelt, der „da irgendwie nicht so richtig passt“, wolle man genau nachforschen, ob das Rad nicht gestohlen sei.) die Frage „Wer denn hier nicht so richtig passe? Der Ausländer vielleicht?“. Ein anderer Redner stellte fest, dass angesichts der Erfolgsmeldungen vom 25sten Juni (mehrere Menschen mit Platzverbot vertrieben, zwei Wildbiesler geschnappt) nicht mehr davon gesprochen werden könnte, das es Ziel der Projektes ist die Altstadt sicherer zu machen. Der Jugendliche der SJD – Die Falken kam zu dem Schluss, dass das Projekt lediglich zu einer „normalisierung von gehäufter Polizeipräsenz in der Öffentlichkeit“ führen soll und führte an, dass „die Behauptung gegen Wildbiesler, Geisterradler und Junkies vorgehen zuwollen hierfür nur ein Vorwand“ ist. Bei der Abschlusskundgebung musste zufälligerweise Oberbürgermeister Hans Schaidinger, welcher mit seiner Frau auf dem Weg in den Dom war, an der Kundgebung vorbei. Er war zu Fuß unterwegs und alles andere als begeistert von soviel begeistert Entgeisterten.

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