Archiv für 12. August 2013

Erneut attackiert der ehemalige Rektor der Universität Regensburg Kanzler Dr. Christian Blomeyer. Unterdessen melden sich Beschäftigte zu Wort, die die Absetzung von Personalchef Mahmoud Al-Khatib als „absolut richtige Entscheidung“ bezeichnen.
Arbeiteten vier Jahre zusammen und doch eher gegeneinander: Thomas Strothotte und Christian Blomeyer (re.). Foto: Archiv

Arbeiteten vier Jahre zusammen und doch eher gegeneinander: Thomas Strothotte und Christian Blomeyer (re.). Foto: Archiv

Wie viel Nebenbeschäftigung von Professoren verträgt eine Uni? Was ist legitim? Was ist fragwürdig? Nach unserem Bericht vom Freitag, in dem wir über weitere Fälle berichtet haben, in denen sich Professoren recht intensiv und erfolgreich ihrer Karriere in der freien Wirtschaft widmen oder gewidmet haben, hüllen sich Universität und Wissenschaftsministerium derzeit noch in Schweigen.

„Sie werden auf keiner dieser Genehmigungen meine Unterschrift finden.“

Dafür hat sich der ehemalige Rektor Professor Dr. Thomas Strothotte erneut zu Wort gemeldet. Er weist jede Verantwortung von sich. „Ich bin sehr erstaunt, was da noch während meiner Amtszeit alles genehmigt wurde. Sie werden auf keiner dieser Genehmigungen meine Unterschrift finden, obwohl ich als Dienstvorgesetzter dafür zuständig gewesen wäre.“ Erneut attackiert Strothotte damit Kanzler Dr. Christian Blomeyer – bekanntlich sind beide keine Freunde und gerieten während Strothottes vierjähriger Amtszeit in Regensburg mehrfach aneinander. Es passe zu Blomeyers Führungsstil, so Strothotte, dass dieser ihn bei den Genehmigungen „einfach übergangen“ habe. „Ich kenne deshalb auch keine Details und kann nichts darüber sagen, ob diese Nebentätigkeiten in Ordnung sind oder nicht.“ Er sei aber „völlig entsetzt“ darüber, dass er als Rektor nahezu nichts davon erfahren habe.

Die Uni in den Mühlen des Wahlkampfs

Auch wenn diese Aussagen Strothottes nur der Selbstverteidigung dienen mögen und die aktuelle Diskussion für ihn ein willkommener Anlass sein mag, sich für die vier – in inniger Gegnerschaft zugebrachten – Jahre ein wenig zu rächen, so steht doch fest, dass die Leitung der Universität zwischenzeitlich derart in die Mühlen des Landtagswahlkampfs geraten ist, dass es nun für das Wissenschaftsministerium eher um eine schnelle Lösung denn ehrliche Aufklärung gehen dürfte.
Mahmoud Al-Khatib - seine Absetzung wird immer mehr Thema parteipolitischer Auseinandersetzungen. Foto: Lukas Böhnlein

Mahmoud Al-Khatib – seine Absetzung wird immer mehr Thema parteipolitischer Auseinandersetzungen. Foto: Lukas Böhnlein

Das gilt insbesondere für die Absetzung von Personalchef Mahmoud Al-Khatib. Spätestens seit SPD-Spitzenkandidat Christian Ude am Freitag in der Süddeutschen Zeitung Antworten von der Universität verlangt hat, hat sich auch das Wissenschaftsministerium eingeschaltet. Minister Wolfgang Heubisch will die Sache vom Tisch haben, und damit ist an ernsthafte Aufklärung kaum mehr zu denken. Eine solche wäre durch ein Disziplinarverfahren zu erreichen, in dem alle Vorwürfe – ob nun vermeintlich oder wahr – auf den Tisch kommen. Doch das scheint keine Seite zu wolllen.

Berechtigte Vorwürfe oder willkommener Anlass?

Dass mehrere Beschäftigte aus Al-Khatibs Arbeitsumfeld sich beim Kanzler über den Personalchef beklagt haben, ist bekannt. Doch erst mit zunehmender Dauer der Diskussion melden sich diese auch bei den Medien – freilich anonym, wie so viele in dieser Auseinandersetzung. Zwei Betroffene (Namen der Red. bekannt) sprechen von „einer absolut richtigen Entscheidung des Kanzlers“. Beide schildern uns sehr detailreich Situationen, in denen sie mit dem Personalchef aneindergeraten seien, die wir aber in Absprache mit ihnen nicht schildern, um ihre Anonymität zu wahren. Nur so viel: Es habe „Druck von unten“ auf den Kanzler gegeben, „von Abteilungs- und Referatsleitern“, Al-Khatib „zur Räson zu bringen“. Sogar mit Kündigung sei gedroht worden. Doch wie schwerwiegend waren diese Vorwürfe? Gaben sie den Ausschlag für Al-Khatibs Umsetzung? Oder waren sie nur willkommener Anlass? Was ist dran am Verdacht einer politischen Intrige?

Eine Diszi könnte Aufklärung bringen. Doch keiner will sie.

Fragen, die im Rahmen eines Disziplinarverfahrens geklärt werden könnten. Ein solches könnte sowohl Al-Khatib selbst als auch die Universität einleiten – doch offenbar hat keine der beiden Seiten daran ein ernsthaftes Interesse. Nun geht es darum, irgendwie das Gesicht zu wahren. Einmal für Blomeyer und Al-Khatib, mehr noch aber für den Wissenschaftsminister und den gerade erst ins Amt gewählten Rektor Professor Dr. Udo Hebel. Und möglicherweise müssen dafür Köpfe rollen.
Kultusministerium: Skepsis bei Hans-Herrmann-Schule

Nazi-Bürgermeister soll nicht mehr Schulpate sein

Ein Bericht des Kultusministeriums bringt nicht nur die Regensburger Stadtspitze in Zugzwang. Es geht um den Ehrenbürger Hans Herrmann. Dieser war Nazi-Bürgermeister, wurde später OB und und brachte es nach seinem Tod zum Namenspatron für eine Grund- und Mittelschule. Kritik daran wurde in der Vergangenheit von CSU und Oberbürgermeister stets zurückgewiesen. Im Ministerium sieht man das etwas anders.

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