cinEScultura: Werkschau von Montxo Armendáriz

In der Woche nach Pfingsten glänzt cinEScultura mit der Werkschau des Regisseurs Montxo Armendáriz. Der aus Navarra stammende Filmemacher Montxo Armendáriz gilt nicht nur in Spanien als einer der renommiertesten Filmemacher seiner Generation. Er ist eigenwillig, hat früh das mittlerweile intensiv diskutierte Themenfeld der kulturellen Identität besetzt. In seinem Werk stehen Konflikte zwischen Tradition und Moderne, Individuum und Gesellschaft bzw. Familie und Gesellschaft im Vordergrund. Seine Filme wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, „Secretos del corazón“ (1998) war sogar für den Oscar nominiert. cinEScultura zeigt am Donnerstag, den 31. Mai 2012 um 18:30 in der filmgalerie im Leeren Beutel sein Erstlingswerk „Tasio“ aus dem Jahr 1984 (85 min) in der spanischen Originalversion. Dieses Erstlingswerk von Montxo Armendáriz erzählt – basierend auf wahren Begebenheiten – vom Leben eines herzlichen Köhlers aus Navarra, der sich in der Zeit der Landflucht dazu entschließt, mit seiner Arbeit weiterzumachen, um seine Unabhängigkeit zu schützen. Tasio hat eine spezielle Beziehung zu dem Berg, auf dem er lebt und arbeitet, und seine Lebensphilosophie beruht auf der Verteidigung seiner Würde, Freiheit und dem Respekt vor der Natur. Dieser schöne und subtile Film stellt uns eine schwierige Frage: Sind auch wir unseren Überzeugungen treu? Anschließend, um 20:45 wird der neueste Film von Montxo Armendáriz aus dem Jahr 2011 „Hab keine Angst“ ebenfalls in der Filmgalerie Leerer Beutel gezeigt. Dieser Film erzählt die Geschichte einer jungen Frau, die schon als Mädchen unter dem Missbrauch ihres Vaters leiden musste. Mit 25 Jahren versucht Silvia, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen und ihre Würde zurückzuerhalten, trotz der offensichtlichen Spuren der Vergangenheit. Montxo Armendáriz nimmt sich des schwierigen und unbehaglichen Themas mit Einfühlungsvermögen und Eleganz an. Sein Film zeigt eine Realität, die leider immer noch ein Tabuthema darstellt und von unserer Gesellschaft verleugnet wird. (90 min, OV, Darsteller: Lluís Homar, Michelle Jenner, Belén Rueda) Am 1. Juni 2012 läuft um 18:30 in der Filmgalerie im Leeren Beutel der Film „Obaba“ aus dem Jahr 2005 in der Originalversion mit deutschen Untertiteln. „Obaba“ ist eine und zugleich viele Geschichten, die verknüpft werden durch die Reise einer jungen Studentin in ein kleines baskisches Dorf, um dort das Leben der Bewohner aufzuzeichnen. Schnell wird klar, dass Obaba eine andere Welt ist, ein Ort der in der Zeit stehen geblieben ist und wo sich eine Wegstrecke an der Anzahl der Kurven misst, ein Ort, wo die Liebe durch Briefe aus der Ferne überlebt. Diese magische Erzählung, im Gleichgewicht zwischen Gefühl und Nachdenklichkeit, zeigt uns eine andere Art, das Leben zu verstehen. Aber aufgepasst: wer die faszinierende Welt von Obaba einmal betritt, möchte nie wieder zurück. Verfilmung des gleichnamigen Romasn von Bernardo Atxaga. Der repräsentative Querschnitt von Montxo Armendáriz filmischen Werk wird begleitet von einer deutsch-spanischen Tagung am 1. Juni 2012 ab 9:00 im Haus der Begegnung (Restaurant Vitus), Hinter der Grieb 8, 93047 Regensburg. In dieser ersten Tagung über Montxo Armendáriz in Deutschland werden neben eingehenden Analysen einzelner Filme auch die filmgeschichtliche Bedeutung des Regisseurs sowie die Bedeutung der baskischen Literatur und Kultur in seinem Werk im Mittelpunkt stehen. Referenten: Hilario Rodríguez Gil (Filmkritiker), Ángel Luis Hueso (Filmwissenschaftler und Autor), Jean-Claude Seguin (Universität Lyon II) , Ralf Junkerjürgen und Jochen Mecke (beide Universität Regensburg). Der Eintritt ist frei. Am 31. Mai 2012 stehen auch noch zwei musikalische Highlights unterschiedlicher Art auf dem Festivalprogramm. Im Anschluss an die beiden Filme von Montxo Armendáriz lädt DJ Rial ein zu einer „Spanischen Nacht“ im Foyer der Filmgalerie im Leeren Beutel. Seit 2000 tritt er regelmäßig als Resident DJ in Sao Paulo und Barcelona auf. Sein Stil wird beeinflusst von Nujazz, Deep, Funky House, Microhouse und Minimal. Als Alternative ist das Konzert von Juan López am 31. Mai 2012 um 19:00 in der Hochschule für katholische Kirchenmusik und Musikpädagogik (Andreasstraße 9, Regensburg) zu empfehlen. Mexikanische Musik ist das Ergebnis einer Verschmelzung von volkstümlicher Musik und Kunstmusik, bereichert durch den großen Einfluss europäischer Strömungen und die Integration von Elementen aus der Konzertmusik. Das Ergebnis ist ein Musikstil von beeindruckender Vielfalt und Vielschichtigkeit. Bei diesem Konzert erwartet Sie volkstümliches Liedgut wie z.B. der Bolero „Bésame mucho“ oder „Granada“ aus der Feder des berühmten Komponisten Agustín Lara sowie mexikanische Rancheras oder romantische Lieder wie „Júrame“ von María Grever aus dem Munde des Tenors Juan López. Ein Konzert, das man in dieser Form so schnell nicht wieder erleben wird.

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