SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 11. Mai 2012

Die zweite Warnstreikwelle der Metall- und Elektroindustrie hat diese Woche Regensburg erreicht. 3.500 Beschäftigte demonstrierten am Donnerstag für 6,5 Prozent mehr Gehalt, unbefristete Übernahme der Azubis und die stetig steigende Leiharbeit. „Keine Spaltung der Belegschaft. Weg mit der Leiharbeit“, steht auf einem Transparent. Die Forderungen einiger Arbeiter gehen sogar noch über das hinaus, was die IG Metall fordert, nämlich den „Missbrauch der Leiharbeit zu beenden“. In der aktuellen Tarifauseinandersetzung der Metall- und Elektroindustrie hat diese Woche die zweite Warnstreikwelle Regensburg erreicht. Bereits am Donnerstag wurde die Maschinenfabrik Reinhausen bestreikt. Für etwa eine Stunde stand im Werk in der Falkensteinstraße die Produktion still, etwa 100 Mitarbeiter waren dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt.

3.500 im Warnstreik

Am Freitag vor dem Regensburger BMW-Werk waren es – nach Angaben der IG Metall – 3.500 Beschäftigte, neben BMW auch von Continental, Siemens, Schneider (Sachsenwerk) und Infineon, die dem Aufruf der Gewerkschaft gefolgt waren. Die Stimmung ist kämpferisch. Ein Meer aus Blaumännern und roten IG Metall-Fahnen. Trillerpfeifen, Rufe, Beifall. Auf der Bühne bringt das Duo Borke & Pheel die Forderungen der Streikenden in Rap-Form. Im Zentrum stehen 6,5 Prozent mehr Gehalt, eine unbefristeten Übernahme aller Auszubildenden und mehr Mitsprache der Betriebsräte beim Einsatz von Leiharbeitern.

„Das Gesicht der Leiharbeit“

Und gerade BMW sei das „Gesicht der Leiharbeit“, wettert der Regensburger Betriebsratsvorsitzende Werner Zierer. Ein Drittel aller bayerischen Leiharbeiter arbeiten demnach bei BMW, etwa 2.500 allein im Regensburger Werk. Genaue Zahlen hat auch der Betriebsrat nicht: Wie viele Leiharbeiter etwa über Werkverträge am Fließband stehen und etwa die Hälfte dessen verdienen, was ein „normaler“ BMW-Beschäftigter erhält, gibt die Werksleitung nicht bekannt. „Da verhandeln wir bereits seit Monaten erfolglos mit dem Unternehmen“, so Zierer. Auch die Gewerkschaft sehe ein, dass Leiharbeit in einem gewissen Rahmen notwendig sei, um Flexibilität zu gewährleisten. Was aber BMW mache sei „vielleicht legal, aber auf keinen Fall fair.“

Neoliberale Ideologie

In dieselbe Kerbe schlägt auch Michael Hecker (IG Metall Jugend). Gerade junge Arbeitnehmer seien von Leiharbeit und Werkverträgen betroffen. Die Zukunft einer ganzen Generation werde neoliberaler Ideologie geopfert. Aktuell bieten die Arbeitgeber 3,5 Prozent mehr bei einer Laufzeit von 14 Monaten. „Das gleicht nicht einmal die Preissteigerungen aus“, kritisiert der Regensburger IG Metall-Vorsitzende Olaf Scholz. Dass die Arbeitgeber sich zur Forderung nach unbefristeter Übernahme und mehr Mitsprache bei der Leiharbeit noch nicht einmal geäußert hätten, sei eine Provokation. „Der Missbrauch der Leiharbeit muss aufhören“, so Scholz unter Beifall und Pfiffen der Anwesenden. Dies sei aber weniger auf juristischem Weg, sondern nur im Tarifkampf möglich, sagt dazu der Betriebsratsvorsitzende Zierer. Tatsächlich bietet das privatwirtschaftlich finanzierte ZAAR-Institut der LMU München Beratungen für Arbeitgeber an, um Vereinbarungen zu Leiharbeit mit legalen Mitteln zu umgehen.

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