SOZIALES SCHAUFENSTER

Buchbesprechung: "Schandzeit in Regensburg 1933 – 1945"

Der gesetzlich geregelte Raubzug an Juden

lNach ihrem Buch zur Zerstörung der Regensburger Synagoge hat die Journalistin Waltraud Bierwirth ein weiteres Werk zur jüdischen Stadtgeschichte vorgelegt: Schandzeit Regensburg 1933 – 1945.

Zehn Tage nach dem die ersten Regensburger Juden und Jüdinnen am 4. April 1942 deportiert wurden, zeigte sich der Bürgermeister und SS-General Otto Schottenheim in einem Brief besorgt:

„Ich bin der Meinung, dass alles geschehen muss, um die dadurch aufgetretene Beunruhigung der Bevölkerung und die damit verbundene Mehrbelastung der Behörden so rasch als möglich zu beheben.“

Warum waren die Regensburger beunruhigt, worin bestand die Mehrbelastung? Die Unruhe resultierte nicht etwa aus dem ungewissen Schicksal der Deportierten und die Belastung nicht aus Protesten oder Anzeigen. Er ging um „Judengut“. Um Häuser, Wohnungen, Besitz der Deportierten und um die Begehrlichkeiten seitens der Regensburger Christen und „Deutschgläubigen“.

Gierige Bevölkerung sorgte für Mehrbelastung der Behörden

Den Brief Schottenheims fand Waltraud Bierwirth im Zuge ihrer Recherchen für ihr unlängst erschienenes Buch „Die Firma ist entjudet“ Schandzeit in Regensburg 1933 – 1945 in den teils von ihr erstmals ausgewerteten Akten der Oberfinanzdirektion Nürnberg. Dorthin, an den für Regensburg zuständigen Oberfinanzpräsidenten, hatte ihn der Regensburger Bürgermeister am 14. April 1942 geschickt.

Schottenheim schrieb damals, durch die „ erfolgte Evakuierung von 119 Juden sind in Regensburg rd. 30 Judenwohnungen frei geworden; 9 judeneigene Häuser mit 13 Wohnungen“, die in das Eigentum des Reiches übergegangen seien. Wegen der hiesigen großen Wohnungsnot habe „eine außerordentlich rege Nachfrage nach den frei gewordenen Judenwohnungen eingesetzt, die eine überaus große Zahl von Wohnungsgesuchen, verbunden mit einem sehr starken Parteiverkehr beim Finanzamt Regensburg, bei der Polizeidirektion Regensburg und beim Oberbürgermeister ausgelöst hat.“

Eine gierige Bevölkerung produzierte also eine ungewünschte Mehrbelastung der Behörden, die beseitigt werden musste. Dies könne, so Schottenheim, nur

„dadurch erreicht werden, dass die in den Judenwohnungen zurückgebliebenen und zur Verfügung des Reiches stehenden Einrichtungsgegenstände mit größter Beschleunigung entfernt und veräußert werden. Ich bitte, dem hierfür zuständigen Finanzamt Regensburg baldmöglichst entsprechende Weisungen zu erteilen.“

Spektakuläre Funde

Nazi-Oberbürgermeister Otto Schottenheim (hier um 1934). Quelle: Wikipedia

Nazi-Oberbürgermeister Otto Schottenheim (hier um 1934). Quelle: Wikipedia

Schottenheims Brief von 1942 war, so Bierwirth, ein „Zufallsfund“. Ebenso die Berichte der Regensburger Gestapo von Mai 1943 über die Verhaftung und Beraubung von 36 Sinti und Roma, die in Regensburg und in Orten der Oberpfalz und Niederbayerns wohnten. Diese Funde kann man getrost als spektakulär bezeichnen. Allen bisherigen Forschungen blieben sie bislang verborgen, oder sie haben sich nicht dafür interessiert.

Bierwirth untersuchte für ihr Buch neben den Akten zu 44 „Arisierungsverfahren“ der Regierung der Oberpfalz über 200 „Steuerakten rassisch Verfolgter“, die das Finanzamt Regensburg ins Staatsarchiv nach Amberg übergab. Die Finanzämter nahmen beim Raubzug eine wesentliche Rolle ein.

Im Kapitel „Jüdisches Leben unter dem Hakenkreuz bis 1938“ beschreibt sie die Lebensbedingung der jüdischen Gemeinde nach „der Machteinsetzung Hitlers“ vom 30. Januar 1933. Der Terror gegen Juden ging in Regensburg schon vor dem sogenannten April-Boykott der jüdischen Geschäfte los.

Ende März wurden 107 Personen, darunter etliche Frauen, in sogenannte „Schutzhaft“ genommen. Die meisten wurden am nächsten Tag entlassen, mehrere tagelang, manche monatelang festgehalten. Laut Bierwirth war die treibende Kraft für diese willkürliche Machtdemonstration der Polizeidirektor Hans Georg Hofmann. Unter den am längsten inhaftierten war der Rechtsanwalt und Vorstand der jüdischen Gemeinde Fritz Oettinger. Oettinger, der seit 1924 für die Deutsche-Demokratische-Partei im Stadtrat gesessen war, durfte erst nach sechs Monaten das Gefängnis in der Augustenburg verlassen.

Kaufkräftige Arisierungsprofiteure

Ein Bürgermeister und Spezlwirtschafter für jedes System: Hans Herrmann kurz vor seinem Tod im Jahr 1959. Foto: Stadt Regensburg

Ein Bürgermeister und Spezlwirtschafter für jedes System: Hans Herrmann kurz vor seinem Tod im Jahr 1959. Foto: Stadt Regensburg

Bierwirth greift das Beispiel des Rechtsanwalts Oettinger mehrfach auf und schildert auch das Schicksal seiner Frau Elsa und seiner Kinder Lotte und Paul. Im Zuge des Pogroms vom November 1938 wurde ihre Wohnung verwüstet, er verhaftet und gezwungen am sogenannten „Schandmarsch“ teilzunehmen. Im Anschluss daran wurde Fritz Oettinger nach Dachau verschleppt und im dortigen Konzentrationslager gefangen gehalten. Während dieser Zeit stellte das Regensburger Finanzamt seiner Frau Elsa einen „Sicherheitsbescheid“ über 180.000 RM zu: „Für gegenwärtige und zukünftige Ansprüche auf Reichsfluchtsteuer“. Nachdem Oettinger im Dezember aus dem KZ Dachau entlassen wurde, lagen bereits weitere Forderungen des Finanzamtes vor. In der Vorbereitung der Emigration versuchte die Familie Oettinger ihren Immobilienbesitz zu verkaufen, um die aufgelaufenen Schulden zu begleichen. Diese Notsituation habe sich unter den kaufkräftigen Arisierungsprofiteuren“ – darunter die Brauereibesitzereheleute Kneitinger – herumgesprochen, wie Bierwirth ausführt.

Da an allen damaligen Grundstücksübertragungen der rechtskundige Bürgermeister Hans Herrmann beteiligt war, trat er auch in der Affäre Oettinger auf und verhinderte im Sommer 1939 den Immobilienverkauf mit fadenscheinigen Gründen. Damit verzögerte sich auch die bereits beantragte Emigration des Oettingers über England nach Palästina. Nachdem der Verkauf endlich möglich wurde, blieb vom eigentlich vereinbarten Verkaufspreis von 78.000 RM unterm Strich fast nichts mehr übrig: Die Forderungen des Finanzamtes, die Reichsfluchtsteuer und die sogenannte Judenvermögensabgabe hätten alles aufgezehrt, so Bierwirth. „Mit 10 Mark in der Tasche“ haben die Eheleute Oettinger im August 1939 Deutschland verlassen.

Als 74jähriger kehrte Oettinger 1959 zusammen mit seiner Frau aus Israel nach Deutschland zurück und lies sich in München als Rechtsanwalt nieder.

Die Rolle von NS-Bürgermeister Herrmann

Bierwirths großes Verdienst ist es, etwa mit der Schilderung des Schicksals der Familie Oettinger den Leidensweg Regensburger Juden spannend und berührend zu schildern und dabei auch die Rolle des NSDAP-Mitglieds und SS-Förderers Hans Herrmann einfließen zu lassen. Aus Bierwirths Schilderungen kann man schließen, dass Herrmann die Spezl-Wirtschaft auch im Nationalsozialismus nicht versäumt hat.

Mehrfach wird sein durchgängig gegen entrechtete Juden gerichtetes willkürliches Amtshandeln geschildert. Anders die Arbeit von Siegfried Wittmer (Regensburger Juden, 1996, entlohnt und herausgegeben vom Archiv der Stadt). Darin wird die integrale Tätigkeit von Hans Herrmann im Zuge der „Arisierungen“ komplett ausgeblendet und stattdessen seine medial verbreiteten Schutzbehauptungen aus den Entnazifizierungsverfahren, er habe den jüdischen Friedhof vor der Zerstörung und den Begehrlichkeiten der Nazis bewahrt, wiederholt.

HJ-Kundgebung auf dem Moltkeplatz am 10. Mai 1941 Foto: Stadt Regensburg

HJ-Kundgebung auf dem Moltkeplatz am 10. Mai 1941 Foto: Stadt Regensburg

Für das Kapitel „Das Pogrom vom 9. November 1938“ kann sich Bierwirth auf ihr erstes Buch „Das Novemberpogrom und der lange Weg zu einer neuen Synagoge“ (erschienen im wahlhallanet-Verlag) stützen. Dieses hat sie zusammen mit ihrem Mann Klaus Himmelstein bereits 2013 publiziert und damit ebenso eine Lücke in der Regensburger Lokalgeschichtsschreibung geschlossen.

In einem kurzen Abschnitt zu „Euthanasie: Der Mord an jüdischen Kranken“ spricht die Autorin am Beispiel der „altersverwirrten“ 69jährigen Jette Jordan ein in Regensburg kaum beschriebenes Thema an: Die antisemitisch motivierte Tötung der jüdischen Patienten aus der Heil- und Pflegeanstalt Karthaus-Prüll. Zwölf Juden und Jüdinnen wurden laut Bierwirth im September 1940 über Eglfing-Haar nach Schloß Hartheim nahe Linz verbracht und dort mit Kohlenmonoxid-Gas getötet.

Die gewöhnlichen Leute bleiben blass

Was von Waltraud Bierwirth kaum ausgebreitet wird, ist das Verhalten der gewöhnlichen Regensburger und Regensburgerinnen. Diese zahlenmäßig größte Gruppe bleibt bei ihr relativ zu den aktiven Nazifiguren und eigentümlich blass. Während sie im bereits erwähnten Werk Siegfried Wittmers bis zum Überdruss positiv und weißgewaschen herausgeputzt wird.

Von den deutlich umschriebenen „Arisierungsprofiteuren“ abgesehen könnte man bei Bierwirth ab und an meinen, das Verhalten der gewöhnlichen Regensburgerinnen und Regensburger sei vor allem ein Resultat der Nazipropaganda gewesen. Womöglich ist dieser (falsche?) Eindruck auch den von der Autorin herangezogenen Quellen geschuldet, in denen das Verhalten ebendieser großen Gruppe wahrscheinlich keinen Niederschlag gefunden hat.

Nicht nur das Verhalten der „gewöhnlichen Leute“ ist in Regensburg bislang nicht historisch ausgeleuchtet worden. Auch die Rolle der katholischen Kirche, ihrer Hierarchen und Publikationen gehört in diesem Zusammenhang als massive Lücke angesprochen. Die wenigen vorliegenden Arbeiten von kirchenloyalen und kirchenabhängigen Autoren haben in dieser Hinsicht mehr ver- als aufgedeckt.

Nicht nur Nazi-Blätter hetzten

Um konkrete einschlägige Beispiele dafür zu nennen:

Bischof Michael Buchberger.

Rechtfertigte den Raubzug an den Juden: Bischof Michael Buchberger.

Nicht nur einschlägige Naziblätter hetzten anlässlich des April-Boykotts von 1933. So hat beispielsweise auch der Regensburger Bischof Michael Buchberger in seinem Hirtenwort vom Mai die illegalen Vorgänge nicht etwa verurteilt, sondern gerechtfertigt: Die Staatsregierung könne nicht „tatenlos zusehen, wenn einige wenige wirtschaftlich starke Kräfte immer weiter Wirtschaft und Handel fast für sich allein in Beschlag nehmen und die Schwächeren vollständig erdrücken“ würden.

Das unter seiner Verantwortung erschienene Regensburger Sonntagsblatt stellte in einer Aprilausgabe den „planmäßigen Boykott jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte“ als notwendige und angemessene Reaktion für eine angeblich vorausgegangene Gräuelpropaganda hin, die „die polnische jüdische Presse“ und „sogenannte jüdische Intellektuelle, Schriftsteller usw., denen der Boden in Deutschland zu heiß geworden“ sei, betrieben hätten.

Dass der völkische Staat nicht nur von den Nationalsozialisten als Ultima Ratio angepriesen wurde, zeigt der in München lehrende katholische Religionstheologe Anton Stonner. Dieser hat in mehreren Büchern, vier davon von 1933 bis 1935 im Pustet-Verlag erschienen, versucht, „Germanentum und Christentum“ oder „Nationale Erziehung und Religionsunterricht“ in Einklang zu bringen. Für Stonner ruhte das deutsche Wesen auf einem „ganz bestimmten Rassebestand“, der „vor jeder krankhaften Entartung bewahrt bleiben“ müsse, damit es „die ihm übertragene Sendung auch“ ausüben könne. Das Regensburger Sonntagsblatt empfahl Stonners Machwerke wiederholt wärmstens.

Buch entstand ohne städtische Förderung

Thema der von der Regensburger Journalistin Waltraud Bierwirth vorgelegten Arbeit ist der Prozess der Ausgrenzung, Entrechtung, Enteignung und Vertreibung bzw. Vernichtung der Regensburger Juden. Mit ihrer Publikation, die sie übrigens ohne Förderung seitens der Stadt oder anderer Organisationen stemmte, ist ihr die Darstellung dieses Prozesses anhand gründlich recherchierter Beispiele eindrucksvoll gelungen. Waltraud Bierwirth hat somit einen wichtigen Beitrag zur Erhellung der braunen Stadtgeschichte geleistet.

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Kommentare (31)

  • bayernsbestfriend

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    Kommentar gelöscht. Bitte unterlassen Sie persönliche Angriffe und Unterstellungen.

  • bayernsbestfriend

    |

    (Bereinigte Fassung)

    Christian Feldmann hat den Beleg erbracht, dass er ein nicht auf den Mund gefallener Diskussionspartner ist und die allgemeinen Regeln der Rhetorik beherrscht.

    Eine der Hauptregeln der gepflegten Argumentation ist stets eigene Schwachpunkte unter den Tisch fallen zu lassen und die Bereiche, in denen man glaubt glänzen zu können, besonders hervorzuheben.

    Ganz dementsprechend hat unser lieber Freund in seiner Antwort an hutzelwutzel die alte Leier vom Antinazi Rupert Mayer in großer Ausführlichkeit abgearbeitet und mit Daten, Namen und möglicherweise auch Fakten in beeindrucken sollender Art und Weise gewürzt.

    Absichtlich übergangen hat er dabei aber die Tatsache, dass es eben zwei paar Stiefel sind, ob einer Nazigegner und für Juden war, oder ob er Nazigegner und zugleich Antisemit war.

    Die bayerische Geschichte kennt nämlich zahlreiche sogenannte „Nazigegner“, auch solche, die im KZ saßen, oder erschossen wurden, die aber zugleich bösartige Antisemiten und Rassisten waren, darunter durchaus prominente Namen, wie Kronprinz Rupprecht von Bayern, Erwein von Aretin, Claus Schenk Graf von Stauffenberg, Kardinal Michael von Faulhaber etc.

    Von Pater Rupert Mayer wissen wir definitiv, dass er Nazigegner war, da hat unser Herder-Autor schon recht, aber wie war denn seine Einstellung gegenüber Juden und Sinti und Roma? — Darüber wissen wir (offiziell) bisher nichts.
    Wir wissen aber, dass das Zentralorgan des Vatikans, die von Jesuiten herausgegebene Zeitschrift mit großem Einfluss, Civilta Cattolica, etwa sechzig Jahre lang, bis in die 1930er Jahre hinein, einen unglaublich primitiven Antijudaismus und Antisemitismus gepflegt hat. Derart judenfeindlich, dass die Nazi-SS die CC ganz offen dafür lobte.
    Auch noch in den 1990er Jahren lief ein hoher deutscher jesuitischer Funktionär mit hohem Einfluss im Vatikan herum, der öffentlich die Juden des Jesusmordes bezichtigte und sich nicht dafür geschämt oder gar entschuldigt hat, Hochwürden Peter Gumpel.
    Der bayerische Kardinal Michael von Faulhaber, angeblich auch ein „mutiger Gegner der Nazis“, hat noch Mitte der dreißiger Jahre, als Gewaltakte und brutale Übergriffe gegen Juden und Sinti durch SA und andere Anhänger des NS-Regimes fast schon zum Alltag gehörten, ausländische Presseberichte darüber in Interviews als „Gräuelpropaganda“ abgetan und damit den NS entlastet. Viele weitere Akte dieses zweifelhaften Geistlichen, man kann sie u.a. im neuen Münchner NS-Dokuzentrum auf den Schautafeln nachlesen, wiesen ihn als eindeutigen Antisemiten aus.
    Also nicht jeder der gegen Hitler war, war auch gegen die Beseitigung von Juden und Sinti und Roma.

    Auf die persönlichen Anwürfe meines Gegners möchte ich nur insoweit eingehen, als dass die Anonymität manchmal zum Eigenschutz und zum Erhalt seines Arbeitsplatzes, leider auch noch im Deutschland des 21. Jh., eine Notwendigkeit sein kann.

    Die Produkte des Herderverlags des 20. Jh. sind vielfach ein Ärgernis. Jeder, der Zugang zu einer Bibliothek hat, kann dies selbst nachprüfen. Man nehme sich etwa das zehnbändige Herderlexikon von Mitte der 1950er zur Hand und schlage das „Zigeuner“-Kapitel nach. Übelste Klischees, Stereotypen, Verunglimpfungen und Falschinformationen begegnen dem Leser („Wandervolk“ – obwohl Sinti damals bereits seit achtzig Jahren und länger sesshaft waren!). Der Eintrag des Großen Herder zu Antisemitismus enthält keinen einzigen Hinweis darauf, dass die Kirche ganz besonders für den europäischen Judenhass verantwortlich war, die Einträge zu Pius XII. und Faulhaber beschönigen und beschwichtigen usw. Für den kritischen Leser – Kein Lexikon.

    Gewiss hat der neue Herderverlag auch einige prominente Juden im Programm, mit deren Namen man sein Image etwas polieren, seine Weltoffenheit plakativ zur Schau stellen, sich einen neuen Look zulegen kann, aber davon war bei mir doch gar nicht die Rede.
    Es ging um den Islam und die Feindlichkeit auch hochstehender Katholiken gegenüber dieser Religion, und die spiegelt sich eben nicht nur in Artikeln auf kath.net und Co wider, sondern auch in Produkten des Herderverlags.
    Gehen Sie doch die Islambücher dieses Verlages einmal durch, anstatt nur paar Elite-Autoren aufzuzählen! Es geht nicht um theologische Theorie für Gelehrte, sondern um den praktischen Alltag. Und hier leistet der Herderverlag nichts wirklich Verbindendes zwischen den Religionen, er hält an Grenzen fest. Lesen Sie mal hinein! Oberflächlich Toleranz und Verständnis, eigentlich aber doch Abwehr und Besserwisserei, Gegnerschaft und Verunglimpfung.

    Es ist eine Islamfeindlichkeit, die von oben, und von ganz oben in der RKK-Hierarchie kam, die z.B. nur zu offensichtlich wurde in missverständlich gehaltenen und vielfach missverstandenen Äußerungen (Folge: Über hundert Tote durch Ausschreitungen!) des bayerischen Ex-Papstes in Regensburg, und die manche Katholiken später ’neu‘ interpretierten: http://www.katholisches.info/2014/09/islam-benedikt-xvi-hatte-mit-regensburger-rede-recht-aber-weite-teile-der-kirche-haben-rede-vergessen/

    Oder in pauschaler Verunglimpfung des Islam und undifferenzierten Angriffen auf brave Muslime durch den, inzwischen gestürzten, Limburger Bischof Tebartz van Elst.
    Oder – ein weiterer eigentlicher Feind der Muslime – Erzbischof Joachim Meisner, der zwar nicht müde wird in Gesprächen und Interviews sein „Verständnis“ für Muslime und deren Belange (z.B. Moscheebau) zum Ausdruck zu bringen, der aber wenn es konkret wird, an seiner Gegnerschaft festhält und mauert.
    Oder Bischof Heinz Josef Algermissen, der alle, die nicht an die Auferstehung glauben als „großes Sicherheitsrisiko“ verurteilt, gemeint sind Muslime und Juden, der außerdem gerne für intolerante rechtslastige (immigrationsfeindliche) Medien schreibt.

  • bayernsbestfriend

    |

    Herr Feldmann schrieb oben:
    „Ach ja, der schlimme Pius XII.: Bis zu einer möglichen Heiligsprechung wird noch viel Wasser den Tiber hinunter fließen,…
    Die Wirklichkeit hat meist viele Gesichter, und man sollte vorsichtig sein mit plakativen Schlagzeilen und flotten Verdammungsurteilen.“

    Eine der Fragen, die wir Pius-XII-Gegner uns stellen, ist die:

    Warum hat Pius, der sehr früh, sehr gut über die bestialischen Judenmorde der Deutschen unterrichtet war, denn die polnischen Geistlichen-Netzwerke arbeiteten zuverlässig und blitzschnell, nicht die Katholiken unter den Deutschen exkommuniziert oder ihnen dies zumindest über Rundfunk angedroht, wenn sie mit ihrem Morden weitermachten?

    Später, in den Jahren des Kalten Krieges, hat er dieses, scheinbar doch ganz wirksame ‚Instrument‘ dann ganz plötzlich tatsächlich eingesetzt. Er exkommunizierte sämtliche Kommunisten und deren Helfer.

    Warum diese Ungleichbehandlung? Warum diese Rücksichtnahme auf die Deutschen? Weil Deutsche mehr zum Unterhalt des Kirchenstaates beitrugen (aufgrund der Konkordate und ihrer Wirtschaftskraft) als die, zumeist osteuropäischen und eher armen, vielfach auch weniger katholischen Länder, die der Kommunismus unterworfen hatte?

    Über eine plausible Antwort, gerne auch von Herrn Feldmann, zu diesem Fragenkomplex würde ich mich sehr freuen.

  • Mathilde Vietze

    |

    Lieber Christian Feldmann, man muß wirklich nicht in jedem Punkt einer
    Meinung mit Ihnen sein, aber ich schätze Sie als seriösen Berichterstatter.
    Deshalb bin ich mehr als empört, in welcher Weise einige Kommentatoren
    mit Ihnen umspringen. Ich würde diesen Leuten gerne empfehlen, mal vor-
    urteilsfrei mit Ihnen zu diskutieren und Dinge nicht so hinzudrehen, daß
    sie ins eigene Weltbild passen.

  • Herbert Turetschek

    |

    joey

    23. März 2017:

    „Ich lese immer wieder die Aussage von Jugendlichen: „ich hätte da sicher nicht mitgemacht, ich wäre Widerstandskämpfer gewesen“. Soso.“
    Eine Frage, die mich immer und immer wieder umtreibt (was nur indirekt mit dem Thema zu tun hat): Die Familie meiner Ex-Freundin lebte damals nur einen Steinwurf vom Etterzhausener Missbrauchs-Geschehen und somit von den Tätern entfernt und viele meiner ehemaligen Freunde lebten in Gostenhof, also in Nürnberg und nicht weit von der Indianerkommune entfernt und somit „Tür an Tür“ mit den Tätern und niemand will etwas mitbekommen haben von den Übeltaten der katholischen Kirche und den „Reformpädagogen“ (bitte nicht verallgemeinern: Nicht jeder Katholik ist ein solcher Mensch und nicht jeder Reformpädagoge ist schlecht – ganz im Gegenteil). Die Sache wiederholt sich immer und immer wieder.

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