Prozess gegen Amokfahrer

Detaillierte Rekonstruktion einer Schreckensfahrt

Seit Montag muss sich der Amokfahrer von Regensburg vor dem Landgericht verantworten. Der Angeklagte schweigt, während anhand von Zeugenaussagen seine etwa einstündige Fahrt durch die Stadt rekonstruiert wird, an deren Ende der Tod eines fünfjährigen Mädchens stand.

Von David Liese

Am Montag begann der Prozess gegen den Amokfahrer von Regensburg vor dem Landgericht. Foto: Archiv

Am Montag begann der Prozess gegen den Amokfahrer von Regensburg vor dem Landgericht. Foto: Archiv

Der Amokfahrer schweigt. Das hat er gleich zu Beginn des Prozesses über seinen Rechtsanwalt verkünden lassen. Im sauber gebügelten weißen Hemd sitzt er da, leicht zusammengekauert, den Blick starr vor sich auf die Tischplatte gerichtet. Stoisch, regungslos, emotionslos.

Der 46-jährige Regensburger ist wegen Totschlags angeklagt. Am 1. August des vergangenen Jahres unternahm er eine mitunter absurd anmutende Irrfahrt quer durch die Stadt, teils durch Grünanlagen, teils über Fuß- und Radwege. Laut Anklage rammte er dabei unter anderem ein Auto, schleifte einen Passanten, der ihn an der Weiterfahrt hindern wollte, mehrere Meter mit sich, provozierte einen Auffahrunfall mit einem Streifenwagen, der ihn verfolgte.

Frage nach der Schuldfähigkeit des Angeklagten

Das schreckliche Ende: Mit seinem silbernen Sport-Cabriolet raste der Beschuldigte in den Eingangsbereich eines Waschsalons und erfasste dabei zwei kleine Kinder. Für eines von ihnen, ein fünfjähriges Mädchen, kam jede Hilfe zu spät. Es verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus. Die Eltern sitzen dem Fahrer nun als Nebenkläger im Gerichtssaal gegenüber.

Neben der Rekonstruktion der Fahrt, die ein Menschenleben kostete und viele weitere gefährdete, liegt vor der Schwurgerichtskammer noch eine ganz andere Aufgabe. Es geht darum, festzustellen, inwieweit der Angeklagte überhaupt für seine Taten zur Rechenschaft gezogen werden kann. Denn: Dieser leidet an einer psychischen Störung, befand sich bis zum Tag vor der Tat sogar in Behandlung im Bezirkskrankenhaus, in das er am Abend des 31. Juli aber nicht mehr zurückgekehrt war.

In der Anklage ist von Schuldunfähigkeit und einer Gefahr für die Allgemeinheit die Rede. Das gilt es vor Gericht zu überprüfen. Letzten Endes ist die juristische Kernfrage dieses Verfahrens, wann der Maßregelvollzug nach Paragraph 63 des Strafgesetzbuches greift. Konkret bedeutet das: Wird der Mann nach diesem Paragraphen bestraft, erwartet ihn die forensische Psychiatrie. Die Maßregel ist in diesem Fall unbefristet.

Zum Teil widersprüchliche Beobachtungen von Zeugen

Zuletzt wurden am Dienstag Zeugen vernommen, die die Vorkommnisse an jenem 01. August 2013 schilderten und dabei helfen sollten, das Fahrverhalten des Angeklagten vor der Haupttat nachzuvollziehen. Darunter befanden sich auch zwei Polizisten, die den Sportwagen vom Gerichtsgebäude an der Kumpfmühler Straße über den Bahnhof bis hin zur tödlichen Kollision unweit des Oberen Katholischen Friedhofs verfolgten.

Ob anhand solcher Aussagen aber tatsächlich Klarheit gewonnen werden kann, ist fraglich. Denn die Schilderungen der Ereignisse gehen zum Teil weit auseinander, widersprechen sich mitunter regelrecht. Schon die Frage, wie viele Einsatzfahrzeuge der Polizei dem Tatfahrzeug folgten, ist unklar. So wollen manche Zeugen ein Zivilfahrzeug mit Blaulicht gesehen haben, das unmittelbar hinter den besagten Polizisten im Streifenwagen hergefahren ist.

Geblinkt, bevor er auf den Geweg fuhr

Die beiden Beamten haben davon weder etwas gesehen noch gehört. Ein Fahrzeughalter, dessen Auto vom Sportwagen des Angeklagten gerammt wurde, sprach bei seinem Notruf an die Polizei von „fünf uniformierten Fahrzeugen“, die dem Täter folgten. Heute erinnert er sich noch an drei, kann aber auch das nicht mit Gewissheit sagen.

So liegen viele Etappen der Amokfahrt weiterhin im Dunkeln. Andere Aussagen provozieren schlicht Fassungslosigkeit. Ein junger Mann, der dem Sportwagen des Angeklagten ausweichen musste, als ihm dieser auf dem Gehweg entgegenkam, ist sich sicher, dass der Fahrer geblinkt habe, bevor er von der Straße auf den Bürgersteig wechselte.

Wird sich der Angeklagte äußern?

In den nächsten Sitzungen des Gerichts wird sich die Rekonstruktion der Fahrt immer stärker auf den schrecklichen Unfall am Ende fokussieren. Es bleibt fraglich, ob der Angeklagte weiter zu seinen Taten schweigen wird. Denn ganz kalt scheinen ihn die Geschehnisse jenes 01. August 2013 dann doch nicht zu lassen.

Das zeigt sich, als vor Gericht ein Polizeibeamter erzählt, wie er eines der schwer verletzten Kinder unter dem Fahrzeug hervorgezogen und notversorgt hat. In diesem Moment löst sich der Angeklagte kurz aus seiner Starre, vergräbt das Gesicht in seinen Händen, beugt sich zu seinem Verteidiger.

Kurze Zeit später schildert ein anderer Polizist, der den durch den Unfall ebenfalls verletzten Angeklagten aus seinem Sportwagen gezogen hat, dessen Festnahme. Gesagt habe der Fahrer nichts, aber er habe merkwürdigerweise im Booklet einer CD geblättert, das er noch in der Hand hielt. Zu diesem Zeitpunkt hat der Mann auf der Anklagebank schon wieder seine stoische Pose eingenommen, starrt ins Leere.

Am Dienstag wird der Prozess fortgesetzt.

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Kommentare (22)

  • Joachim Datko

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    Schrecklich!
    In Zukunft wird die Technik so einen Irrsinn nicht mehr zulassen. Schon heute gibt es in sehr teuren Autos hochwertige Technik, die von sich aus die Umgebung berücksichtigt und Unfälle vermeiden kann.

  • Mathilde Vietze

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    Ich stelle mir die Frage, warum dieser Mann überhaupt
    Freigang bekam. Welcher Gutmensch hat ihm diesen
    genehmigt?

  • Mr. T

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    Das ist eben das harte Los eines Gutmenschen. Würde er jeden wegsperren, der eine Straftat begehen könnte, müsste er alle wegsperren – und am Schluß sich selbst. Ein Schlechtmensch hingegen kann hier willkürlich nach der Nase des anderen entscheiden – und am Schluß genauso daneben liegen.

    Und bis die Autos solche Unfälle von selbst verhindern können (und Pistolen auf die falschen Ziele nicht mehr schießen und Messer bei Gefahr einer Straftat stumpf werden usw.) wird noch viel Wasser die Donau runter fließen.

  • Horst

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    Genau, Mathilde Vietze, das war bestimmt ein „Gutmensch“.

  • Joachim Datko

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    Es geht nicht um ineffektive Diskussionen, wie z.B. unter 20.03.14 – 16:41, 18:20 und 21:49, sondern um Technik, die Personenschäden verhüten kann.
    Wir haben den Bereich des „freien Laberns“ und den Bereich der Technik, dort wo Nägel mit Köpfen gemacht werden.
    Siehe z.B.: https://www.aachener-zeitung.de/news/kultur/notbremse-mit-fussgaengererkennung-bester-fahrerassistent-1.589550

    „„Es gibt zwar bislang noch keine Statistik darüber, in welchem Maße Fahrerassistenzsysteme in Pkw zur Verkehrssicherheit beitragen – dafür aber Erkenntnisse für Lkw und Busse”, sagte Stankowitz. „Mit Assistenzsystemen haben diese Fahrzeuge 34 Prozent weniger Unfälle als ohne”, […]“

    Die Marktwirtschaft sorgt dafür, dass mit Hochdruck Sicherheitstechnik entwickelt wird und zum Einsatz kommt. Wir stehen hier am Anfang einer schnellen Entwicklung, die demnächst die Unfallstatistiken positiv beeinflussen wird. Die Zahl der Personenunfälle wird weiter zurückgehen.

    Joachim Datko – Ingenieur, Physiker

  • Dubh

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    Blöd, dass es sich im vorliegenden Fall NICHT um einen Unfall handelt, was das bot Datko selbstverständlich nicht begreifen kann, weil ein bot nunmal nichts begreift!

  • blauäugig

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    @Datko
    ich bin zwar kein Ingenieur, aber im vorliegenden Fall hätte es doch gereicht, wenn diesem Auto die Benzinzufuhr ferngesteuert unterbrochen worden wäre.
    Ihre Fahrassistenzsysteme verhindern nicht, dass jemand wesentlich zu schnell fährt (will jemand sich von derTechnik so bevormunden lassen, nicht mehr ein Tempolimit überschreiten zu können?) und deshalb der Trägheit folgend die Kurve nicht mehr schafft. Vielmehr setzen diese Systeme darauf, dass der Fahrer deren Empfehlungen Folge leistet.
    Zur Einlassung von Frau Vietze kann ich nur sagen, sie scheint jeglichen Sinn für Realität verloren zu haben.

  • Christian Feldmann

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    Jetzt wissen wir endlich, woran der souverän über spirituell orientierte Zeitgenossen zu Gericht sitzende, sich nun als herrlich altmodisch outende Herr Datko glaubt: an „die Technik“. Wie man´s vor hundert Jahren getan hat.

    Da lässt es sich leichter ertragen, wenn er in jeder dritten Mail gegen „orientalische Hirtenreligionen“ zu Felde zieht, wie man´s vor einem Dreivierteljahrhundert getan hat („Ach, ja, dieser Gott der Wüste! Das muss endlich aus unserem Blut verschwinden, dieser Fluch vom Berg Sinai!“ A. H. 1933)

    Man möge mir die kleine Nebenbemerkung vor dem Hintergrund eines Geschehens verzeihen, das einen zum hilflosen Weinen bringt. Ich meine nur, Menschen zum Menschsein einzuladen, macht die Welt möglicherweise lebenswerter als die Vergötzung technischen Fortschritts.

  • Joachim Datko

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    Hilfloses Weinen verhindert keine künftigen Unfälle!

    Zu Christian Feldmann 21.03.14 – 21:31 „[…] vor dem Hintergrund eines Geschehens verzeihen, das einen zum hilflosen Weinen bringt. Ich meine nur, Menschen zum Menschsein einzuladen, macht die Welt möglicherweise lebenswerter als die Vergötzung technischen Fortschritts.“

    Hilfloses Weinen mag für das Geschehene angebracht sein, die Zukunft richtet sich auf das Vermeiden von Unfällen! Es gehört auch zum Menschsein, zu überlegen, wie man die Lebensumstände verbessert und sicherer macht.

    Zu Christian Feldmann „(“Ach, ja, dieser Gott der Wüste! Das muss endlich aus unserem Blut verschwinden, dieser Fluch vom Berg Sinai!” A. H. 1933)“

    Er ist nicht in unserem Blut, er wurde früher den Menschen von klein auf eingetrichtert. Es geht darum, zu verhindern, dass Menschen von klein auf christlich geprägt werden, man darf sie nicht zu Opfern eines anachronistischen Weltbildes machen. Man denke auch an die Beschneidung von Jungen im Judentum und Islam! Religionen sind meist üble Diebe des Selbstbestimmungsrechts. Es wird den Kindern ein „Gott“ in den Kopf gesetzt, um sie als Erwachsene finanziell ausbeuten zu können.

    Ich bin gerne bereit, ausführlich zum Vorteil des naturwissenschaftlichen Weltbildes Stellung zu nehmen.

  • Captain Chaos

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    Langsam Leute, schaffen wir es mal die zwei hier angesprochenen Themen zu trennen?

    Was die Technik angeht, da gebe ich Herrn Datko recht.
    Die Entwicklung der Technik wird dafür sorgen, dass weniger Unfälle geschehen.

    In Kombination mit einem Spurfahrassistent und die weitere Entwicklung von Bordcomputer und Software dürfte es demnächst soweit sein, dass der Assistent des Kraftwagens sich einklingt und die Kontrolle über das Fahrzeug übernimmt. Ich weise darauf hin, dass es ähnliche Systeme in intelligenten Waffensystemen schon gibt.

    Die zweite Diskussion ist, wer dafür verantwortlich ist, dass der Unfallverursacher aus dem Bezirksklinikum heraus konnte. Wer den Text aufmerksam gelesen hat, wird erkennen, dass hier keine Namen genannt werden. Auch hat sich hier noch keiner als zugelassener Therapeut zu erkennen gegeben. Also, warum darauf rumhacken, wenn noch keine Tatsachen bekannt sind?

    Unser Denken und Handeln sollte jetzt bei der Familie des Opfers sein, welche alles noch einmal durchleben muss vor Gericht.

    Captain Chaos

  • Dubh

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    Bekannt ist das:
    Der 46-jährige Regensburger ist wegen Totschlags angeklagt!

    Es wird von VORSATZ ausgegangen – selbstverständlich wenn jemand 1 Stunde lang durch die Stadt fährt und alle und alles niedermäht, was ihm in den Weg kommt!

    Wie vollständig bescheuert muss man sein um hier von „Unfall“ zu reden?!

    Der war nicht im Koma, und das Auto fuhr nicht von alleine.
    Er fuhr vorsätzlich so wie er fuhr, und ob er dabei schuldunfähig war ist zu klären.

    Für die Familie ist zu hoffen, dass sie den Irrsinn hier nicht liest!

    Um das sicherzustellen bitte ich sehr ernsthaft darum alle Kommentare hier zu löschen, und die Kommentarfunktion zu diesem Artikel zu sperren!

  • Christian Feldmann

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    Bitte genau lesen, Herr Datko. Ich lasse jedem Mitmenschen seinen Atheismus oder seine Kirchenferne samt guten Gründen oder auch Scheuklappen (dass Religion pervertieren u n d befreien kann, übrigens genau wie technischer Fortschritt, sollte sich doch langsam herumgesprochen haben). Mir geht lediglich ein manisch wiederholter hybrider antisemitischer und antiislamischer Zungenschlag („Hirtenreligionen aus der Wüste“, das unverstandene Identitätsritual der Beschneidung) auf den Sack. Passen Sie auf, mit welchen Kräften Sie sich da – vermutlich ungewollt! – verbrüdern.

  • Mr. T

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    Da mahnt doch wirklich jemand an, keine Urteile ohne jegliches Hintergrundwissen aus dem Blauen heraus zu fällen. Kann man das verlangen – zumal von einem Laien, dem auch noch jeglicher Sachverstand dazu fehlt?
    Der Unfallfahrer war in freiwilliger Behandlung und hat vielleicht gar keine Erlaubnis zum Verlassen der Klinik benötigt. Vielleicht waren sich auch eine Reihe von Ärzten einig, dass keinerlei Gefahr von ihm ausgeht. Oder hat er vielleicht sogar dem entscheidenden Arzt vorher gesagt, dass er dann jemanden tot fahren will? Da liegen Welten dazwischen und keiner hier weiß, was Sache war. Na ja, aber für ein Urteil reicht’s schon.
    Aktive und passive Sicherheits- und Assistenzsysteme haben den Verkehr in den letzten Jahren deutlich sicherer gemacht und werden ihn auch weiter sicherer machen, aber bei einer Amokfahrt sind die auch kaum wirksam. Systeme, die dermaßen in die Autonomie des Fahrers eingreifen würden, sind inakzeptabel. Auch eine Fernabschaltung eines Autos würde so schnell nicht greifen können; damit kann man vielleicht noch ein gestohlenes Auto anhalten, aber keine Amokfahrt kurzfristig stoppen.
    Und macht bitte nicht auch noch das Religions-Fass hier auf. Auch wenn ich dem Datko hier recht gebe, hat das in dieser Diskussion nix verloren.
    Steht lieber der armen Familie bei, die mit diesem tragischen Unglück leben muss.

  • Student

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    Von technischer Seite mag es Lösungen für so manches Problem geben, ich glaube aber kaum in Bälde für ähnliche wie den hier diskutierten Fall (siehe den treffenden Kommentar von Mr. T dazu).

    Zur Frage der „Entlassung“ des Patienten – hier scheint eine sehr verquere (aber leider verbreitete) Denke zu bestehen: nämlich die Annahme, dass so ein gefährliches Verhalten wie das des Patienten, der hier den tragischen Unfall verursachte, doch „mit ziemlicher Sicherheit vorhersehbar“ sein müsse. Was nicht der Fall ist.

    Und dass jemand in psychiatrischer Behandlung war, sagt auch nichts darüber aus, dass von ihm zwangsläufig mit höherer Wahrscheinlichkeit Straftaten als von anderen zu erwarten wären. Wenn jeder, der sich in der Psychiatrie vorstellt, dann nur deshalb, weil er „etwas komisch“ ist, geschlossen untergebracht würde – denn vielleicht macht er weil er „komisch“ ist ja was Gefährliches! – dann wären die geschlossenen Stationen mehr als übervoll; denn viele, die in psychiatrischer Behandlung sind, sind nun einmal „etwas komisch“. Die dann gleich einzusperren, dafür gibt es aber (zurecht!) keine rechtliche Handhabe. Und wer so etwas fordern würde, der würde wollen, dass beispielsweise der „Fall Mollath“ kein skandalöses Justizversagen gewesen wäre, sondern der selbstverständliche Normalfall – und dass Mollath auch heute noch im Maßregelvollzug sein sollte!

    Es ist ein Irrglaube, zu meinen, dass Psychiater hier irgendeine hellseherische Gabe hätten, die andere Menschen nicht haben. Ich will das an einem Beispiel erläutern:
    In Nürnberg ist vor kurzem ein Mann zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden, weil er seinen Schwager und dessen Sohn erstochen hat
    [http://www.br.de/nachrichten/oberpfalz/doppelmord-neumarkt-urteil-100.html – ich war teilweise bei der öffentlichen Verhandlung anwesend]. Am Tag vor der Tat war der Mann von der Polizei ins BKH gebracht worden (dorthin ging er freiwillig mit, er hatte selbst die Polizei angerufen und Suizidabsichten geäußert). Er wurde dort von mehreren Ärzten gesehen. Er behauptete, in einer Krise zu sein und sich behandeln lassen zu wollen. Er war bereit, dazu weiter freiwillig zu verbleiben, es schien auch auch nicht das Mindeste dagegen zu sprechen, ihn auf einer offenen Station zu behandeln. Als er die Klinik verließ, behauptete er, noch ein paar Sachen (Kleider etc.) von zuhause holen zu wollen – ein alltäglicher Vorgang, wenn Patienten notfallmäßig und unerwartet ins Krankenhaus kommen (wohlgemerkt: er war nicht ENTLASSEN worden, sondern er ging einfach aus der Klinik, wie das jeder Patient auf einer offenen Station tun darf). Dann tötete er diese Angehörigen. Ob aus Notwehr, wie er behauptete; ob relativ spontan, erst entschlossen dazu, nachdem er das BKH verlassen hatte; oder ob er bereits mit diesem Plan ins Krankenhaus gekommen war – schwer zu sagen. In jedem Falle für die behandelnden Ärzte nicht erkennbar, nicht vorhersehbar – oder glaubt hier jemand ernsthaft, so jemand würde zu seinem Psychiater sagen: hey, ich will mich an meinem Schwager rächen und ihn umbringen, hab‘ das Messer auch schon besorgt – aber erzählen sie’s nicht weiter?! Ein Patient, der so etwas äußert, verlässt die Klinik sicher nicht. Aber: jemand, der so etwas wirklich vorhat, äußert es auch selten!
    Trotzdem gab es auch nach diesem Fall natürlich Leute, die sagten: wie kann das sein?! Noch am selben Tag war er in der Psychiatrie und die lassen ihn einfach gehen?!?! Ja spinnen die??

    Kann ich zwar grundsätzlich verstehen, wenn jemand im ersten Moment so denkt – aber wenn man nicht nur an der Oberfläche bleibt sondern sich die Mühe macht, sich mal intensiver mit der Sache auseinanderzusetzen, wird man schnell feststellen, dass das Ganze leider nicht so einfach ist. Wie gesagt: wenn der Mann, der diesen Unfall verursacht hat, geschlossen untergebracht worden wäre, weil er als „gemeingefährlich“ eingestuft worden wäre, dann müssten denke ich ganz schön viele Menschen einfach mal „auf Verdacht“ geschlossen untergebracht werden. Das würde allerdings kaum ein Gericht mitmachen – gottseidank!! (traurige Ausnahme freilich der Fall Mollath).
    Dass der Unfallverursacher zuvor aus der Klinik als „geheilt entlassen“ worden ist, bezweifle ich jedenfalls sehr. Das heißt umgekehrt aber noch lange nicht, dass man eine Handhabe (oder Anhaltspunkte) dafür gehabt haben muss, ihn geschlossen unterzubringen.

  • Joachim Datko

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    Zu 22.03.14 – 13:31 „[…] aber bei einer Amokfahrt sind die auch kaum wirksam. Systeme, die dermaßen in die Autonomie des Fahrers eingreifen würden, sind inakzeptabel.“
    Fahrerassistenzsysteme können uns auch vor Amokfahrten schützen. Es bleibt der Gesellschaft überlassen, was sie als akzeptabel im Sicherheitsbereich ansieht und mit welchen potenziellen Gefahren sie leben will. Das sieht man z.B. im Waffenbereich, wo offensichtliche Gefahren für die Allgemeinheit nicht abgestellt werden. Sicherlich werden die Versicherer, schon aus Kostengründen, den Einsatz von Sicherheitstechnik über niedrigere Gebühren honorieren. Auch für den Fahrer ist es wichtig, sich auf Sicherheitstechnik verlassen zu können, wenn er nicht in der Lage sein sollte, das Fahrzeug wirksam zu kontrollieren.

    Zu Christian Feldmann 22.03.14 – 13:17 — Die Diskussion über Religionen würde ich gerne an anderer Stelle fortsetzen.
    ###
    Wir haben die technischen Möglichkeiten, Risiken im Straßenverkehr weiter abzubauen, nutzen wir sie.

  • Teudsch Sprack, schwer Schpracks

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    @ David Liese
    @Redaktion

    „Laut Anklage rammte er … ein Auto, schliff (sic!) einen Passanten … mehrere Meter mit sich …“: aber Hallo!!!

    1.) schleifen (starkes Verb):
    schleifen, schliff, geschliffen
    2.) schleifen (schwaches Verb):
    schleifen, schleifte, geschleift
    Pisa-Preisfrage an oben Genannte, was wäre denn sachverhaltsrichtig gewesen?

  • blauäugig

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    @Teudsch Sprack, schwer Schpracks
    Zu Ihrem exzessiven Gebrauch von Ausrufezeichen an völlig unpassender Stelle empfehle ich folgende Lektüre:
    http://www.usenet-abc.de/wiki/Team/Pratchett

    Und, auch wenn ich es ungern zugebe, finde ich den Vorschlag von dubh bzgl. Kommentarfunktion gut, und werde hier keinen weiteren Kommentar mehr schreiben.

  • Amokfahrt ohne Schuldigen | Regensburg Digital

    |

    […] der Schwurgerichtskammer, wo der als Amokfahrer durch die Presse gehende 46-Jährige auf der Anklagebank sitzt, ist der Impuls freilich ein anderer. Rache und Vergeltung kommen wohl nicht nur den Eltern […]

  • Amokfahrer: „Es tut mir leid.” | Regensburg Digital

    |

    […] dem Prozessauftakt am 18. März wurde vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Regensburg die Amokfahrt des psychisch kranken 46-Jährigen nachvollzogen. Am 01. August des vergangenen Jahres raste er mit seinem Sportwagen durch die Stadt und tötete am […]

  • Cloud

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    ich wollte mir über die Psychiatriefälle nichts mehr durchlesen, aber da es um den Tod eines fünfjährigen Mädchens geht, gebe ich hier doch weiter meinen Kommentar ab.

    Die MEdikationen sind Bedrohungen für unser Rechtssystem und Menschenleben. Jetzt ist ein kleines Mädchen gestorben. SCHRECKLICH. ICh frage mich wann LEute aufwachen und wie viele Suizide und Gewalttaten es mit Psychopharmaka noch geben muss, damit es nicht mehr zu solchen Fällen kommt. Gott muss oben sitzen und sich wundern, was zum Teufel wir da unten alles so zulassen und geschehen lassen.

    Ich kann nur immer wieder auf seriöse Studien und Wissenschaften hinweisen, die eben doch sagen dass diese Medizin SCHLECHT ist und Leute schon umgebracht hat. Diese Pillen können LEute auch gefährlich machen wie hier auch bewiesen. Psychiater haben mir auch gesagt, dass die Tabletten Psychosen auslösen können. Die MEdien berichten oft nicht über die WAHRE URSACHE … Diese Drogen sind das Problem nicht die LEute. !!!!! Es ist wissenschaftlich erwiesen. (Dr. Zehentbauer, Dr. Aderhold und viele mehr)

    Herr Aigner bitte machen sie Interviews mit Psychopharmakakritikern. Es gibt viele Ärzte davon, die auch sehen, wie gefährlich die MEdizin ist. Diese Tabletten müssen verboten werden. Das Mädchen ist durch den Mann getötet worden, weil er auf diesen Drogen war. DAs ist sicher. Wir müssen Psychiatern die Augen öffnen. Manche wollen sie nicht aufmachen, wenngleich es auch seriöse gibt. Psychiater sollen als Psychotherapeuten arbeiten aber ohne Verschreibungen !!!!!

    Ich kenne keinen der von dieser „MEdizin“ profitiert. Beobachtungen zu folge kommen die meisten nach Einnahme der Pillen alle paar JAhre wieder in Psychiatrien (ohne Absetzen). Vielen Dank Herr Aigner für Ihr Engagement und dafür dass sie an diesem für uns alle so wichtigen Thema dranbleiben. Wenn wir durch diese Berichterstattungen erreichen, dass Psychiater sich auch für negative Seiten der Medizin interessieren, dann haben wir viel geschafft. Weiter so !

  • Cloud

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    Ich möchte folgenden Satz von mir nochmals unterstreichen: „Herr Aigner geben sie Interviews mit Psychopharmakakritikern. Es gibt viele Ärzte davon, die auch sehen, wie gefährlich die MEdizin ist“. Dr. Zehentbauer wäre hierfür ein gutes Beispiel. Er lebt in München.

    LEute müssen die wahren Ursachen für diese Taten sehen. Wie viele Suizide, Gewalttaten muss es denn noch geben?? Es ist nicht die Psychische störung das Problem. Wenn es so wäre, dann würde es diesem Mann ja gut gehen, weil er ja auf Psychopharmaka war und das für lange Zeit.

    Er wäre ja dann normal dadurch oder er müsste dann „psychisch gesund“ sein.

  • Cloud

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    Hochgeladen von Dr. Edgar Raschenberger : ARD DOKU GEFÄHRLICHE GLÜCKSPILLEN (Psychopharmaka)

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