SOZIALES SCHAUFENSTER

Archiv für 7. März 2014

Scharmützel am Rande des Wahlkampfs

„Familien-Wahlverein“ Freie Wähler?

Eine ehemaliger Stadtratskandidat der Freien Wähler ätzt gegen OB-Kandidat Ludwig Artinger. Der ätzt, gar nicht faul, zurück.

"Familienwahlverein? So ein Quatsch." Ludwig Artinger Foto: Archiv/ Staudinger

„Familienwahlverein? So ein Quatsch.“ Ludwig Artinger Foto: Archiv/ Staudinger

„Hört Ihr Leute, lasst Euch sagen,
es liegt mir wirklich schwer im Magen,
wenn man im Wahlkampf ungeniert
uns Wähler an der Nas‘ rumführt
und frech versucht uns einzunebeln
und den Verstand ganz auszuhebeln.
Wohlfeile Sprüch‘ im Großformat
sie pflastern zu die ganze Stadt.
Auf Logik kommt es selten an,
versprochen wird, was nicht sein kann.
‚Mehr Zukunft‘ ruft der eine Riese,
‚Mehr Wohnungen‘ auf grüner Wiese
verspricht der andere ganz locker
und glaubt, den Wähler haut’s vom Hocker.“

Es war eine recht amüsante Büttenrede, mit der Wolfgang Rüby am Rosenmontag den Regensburger Wahlkampf aufspießte. Zum Treffen einer „Projektgruppe Zivilcourage“ hatte er in den Landshuter Hof geladen und immerhin 17 Leute kamen, um der Rede des als Nachtwächter kostümierten 66jährigen zu lauschen. Dass es Joachim Wolbergs und Christian Schlegl waren, die er da mit seinen einleitenden Versen vergleichsweise charmant abwatschte, dürfte wohl jedem klar gewesen sein.

„Einer für alle? Wohl eher alle für einen!“

Wenig amüsiert ist allerdings Ludwig Artinger über die weiteren Ausführungen Rübys. Denn was anschließend folgte und was der pensionierte Gymnasiallehrer auch im Gespräch mit Regensburg Digital bekräftigt, klingt weit weniger charmant. Am OB-Kandidaten der Freien Wähler lässt Rüby kaum ein gutes Haar.

„Herr Artinger bezeichnet sich ja zur Zeit gern als ‚Einer für alle’“, schimpft er. „Es müsste wohl eher alle für einen heißen.“ Rüby, der bei der letzten Kommunalwahl noch auf Platz 9 für die Freien Wähler kandidierte, stellt die Frage, ob das Kürzel FW seit Neuestem für „Familien-Wahlverein“ stehe. Der Grund: Auf Platz 1 der Stadtratsliste kandidiert Ludwig Artinger, auf Platz 2 dessen Lebensgefährtin Kerstin Radler und auf Platz 3 Artingers Schwiegersohn, Dr. Christoph Schießl. Jeweils 1.000 Euro seien zudem für einen der vorderen fünf Listenplätze fällig gewesen.

Offen und scharf diskutieren…

„Herrn Artinger geht es doch nicht um Politik, sondern nur um Ansehen und Posten“, schimpft Rüby. „Politisch ist doch in den letzten sechs Jahren von den Freien Wählern nichts gekommen. Die haben nur alte Themen aufgewärmt.“ Entsprechend sei es auch kein Wunder, dass zahlreiche frühere Kandidaten dieses Mal nicht mehr antreten wollten.

In mehreren Regensburger Medien hat Rüby versucht, einen Leserbrief mit seiner Kritik unterzubringen, erzählt er. Offenbar vergeblich. „Bei der Mittelbayerischen wurde mir gesagt, das habe nichts mit der aktuellen Berichterstattung zu tun und könne deshalb nicht veröffentlicht werden.“ Dabei müsse es doch möglich sein, so Rüby, in einer Demokratie „offen und auch scharf über solche Dinge zu diskutieren“.

„Herr Rüby ist ein Tunichtgut.“

Das lässt sich Ludwig Artinger nicht zwei Mal sagen – vor allem das mit dem „scharf“. Als wir ihn mit Rübys Kritik konfrontieren, bezeichnet er diesen als „Tunichtgut“. „Herr Rüby wollte beim letzten Mal unbedingt auf Teufel komm raus mitgschaftln und dabei ging es ihm fast ausschließlich um sich selbst. Dann hat er den Einzug in den Stadtrat nicht geschafft und ist aus Enttäuschung bei den Freien Wählern ausgetreten.“

Dass er als OB-Kandidat auf Listenplatz 1 kandidiere sei völlig normal, so Artinger. Kerstin Radler sei sechs Jahre im Stadtrat aktiv gewesen und deshalb sei es auch nichts Ungewöhnliches, dass sie einen der vorderen Listenplätze erhalte. Christoph Schießl sei einer von mehreren jungen Leuten, die man „im Gegensatz zur CSU“ bei den Freien Wählern harmonisch integrieren wolle. Abgesehen davon sei die Stadtratsliste bei der Aufstellungsversammlung von etwa 40 Anwesenden einstimmig beschlossen worden.

„Familienwahlverein könnte man auch über die CSU sagen.“

„Wenn Herr Rüby sich auskennen würde, dann wüsste er auch, dass es bei fast allen Parteien üblich ist, dass die Kandidaten entsprechend ihrer Platzierung auf der Liste einen Beitrag zur Finanzierung des Wahlkampfs leisten.“

Der Vorwurf Familienwahlverein sei aber so oder so Quatsch. „Dann müsste man das ja auch über die CSU sagen., Dort haben bei der letzten Wahl Vater, Sohn und Onkel Schlegl auf vorderen Plätzen kandidiert.“

Rüby hat unterdessen seinen Leserbrief selbst im Internet veröffentlicht. „Herr Artinger regt mich einfach richtig auf“, sagt er. Das dürfte mit hoher Wahrscheinlichkeit auf Gegenseitigkeit beruhen.

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