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Glosse

Die Tolerantel: Über Fliegerbomben und Stadtbahnen in Regensburg

Toleranz ist eine löbliche Eigenschaft, die den meisten Menschen aber erst mühsam eingeprügelt werden muss. Wenn’s in die Zukunft gehen soll, überlegt der Regensburger schon ganz genau, mit welchem Gefährt das passieren könnte. Völlig zu Recht.

Größere bauliche Veränderung von Dauer: der neue Belag der Steinernen Brücke. Foto: Archiv

Vielleicht ist von den zahllosen bewundernswerten Eigenschaften des Regensburgers, die zu besingen ich hier nicht müde werde, seine geduldige und Weise Art der abwartenden Vorausschau ganz besonders hervorzuheben. Die jahrtausendalten Steine seiner Heimat dienen dem Regensburger auch als stete Mahnung, nur nicht zu hudeln und lieber erst einmal abzuwarten. Oder auch zweimal.

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Grad bei der Abstimmung zur Stadtbahn hat es sich wieder gezeigt, dass man ein Nahverkehrskonzept ungern auf einer Perspektive von wenigen Jahrzehnten aufbaut. Es ist schon ganz richtig: was machst du denn, wenn du mühsam deine Schienen verlegt hast, und auf einmal kann man sich auch gemütlich vom Liefer-Quadrocopter vom Amazon geschwind mit zum Bäcker nehmen lassen? Na also. Immer schön abwarten.

Regensburg denkt langfristig, am liebsten in der Kategorie von Immobilien

Größere bauliche Veränderungen in Regensburg müssen von Dauer sein, wie etwa der neue Brückenbelag der Steinernen, bei dem man sich sich sicher sein kann, dass sein Anblick auch in 800 Jahren noch akute Hämorrhoidalblutungen verursachen wird. Darüberhinaus darf es den Regensburgern ja wirklich eine Lehre sein, wenn sie sehen, dass einfach nichts weitergeht in dieser Stadt, wenn vorher nicht der Rieger Franz geschmiert worden ist.

Man denkt langfristig in Regensburg, am liebsten in der Kategorie von Immobilien, und nicht umsonst ist eine Immobilie im Wortsinn etwas Unbewegliches. Ich stelle mir vor, wie die Römer damals ihre Sachen gepackt haben, weil’s ihnen hier dann doch zu langweilig geworden ist, und sofort ein lokaler Immobilienentwickler die verlassenen Bauten in Beschlag genommen und vermarktet hat, womöglich unter dem griffigen Namen „Das Castra“; hochmoderne Achtpersonenappartements in Toplage zu marktgerechten Konditionen, manche bereits mit sanitären Einrichtungen, die es erlaubten, direkt in die Donau zu kacken.

Seit den Römern ist nicht mehr viel passiert in dieser Stadt

Dabei ist es im Grunde genommen seither geblieben, und nach wie vor kann man aus den besten Regensburger Wohnungen heraus direkt in die Donau defäkieren. Die freie Reichsstadt, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, all das sind klingende Namen, die vor allem für Kontinuität im Immobilienwesen stehen, und schon planen die ersten Vermieter Werbekampagnen mit dem Slogan „2.000 Jahre Wohnen ohne Wärmepumpe“.

Es ist einfach paradiesisch hier.

Allerdings ist jetzt halt auch seit den Römern nicht mehr viel passiert in dieser Stadt, und das nagt schon auch ein wenig am Selbstbewusstsein. Gut, ein bisserl Napoleon, ein bisserl Goethe, aber das war’s dann auch schon, und, ganz ehrlich, gerade die beiden waren eh so ziemlich überall, da braucht man sich dann auch nichts drauf einbilden. Und unser schöner immerwährender Reichstag? Regensburg at it’s best. Die Delegierten haben viel gesoffen und politisch nichts bewegt, und saufen und politisch nichts bewegen kann man in Regensburg nach wie vor ganz hervorragend.

Ansässige Berüchtigtheiten statt Berühmtheiten

Moderne Berühmtheiten gibt’s hier schon lange keine mehr, weshalb man sich mit den ansässigen Berüchtigtheiten zufrieden gibt und so tut, als wäre das das Gleiche, und das ist ja auch völlig in Ordnung, weil gerade in der heutigen Zeit der Unterschied eh zunehmend verschwindet.

Wenn aber das globale Pensionistentum von den Donauschiffen steigt und in altersgemäßem Tempo hinter dem Fähnchen des Guides durch die Stadt zockelt, dann wird eines schmerzlich klar: die Reputation Regensburg liegt in seiner Vergangenheit, und dass von dieser Vergangenheit noch so viel da ist, liegt daran, dass Regensburg immer bedeutungsloser wurde, je näher es an die Moderne rückte.

Das hat sich dann vor allem im zweiten Weltkrieg bezahlt gemacht, als es bis auf ein bisschen Flugzeugbau in Regensburg einfach nix gegeben hat, was eine alliierte Bombe wert gewesen wäre.

Survival of the Irrelevant

Also, nicht falsch verstehen: kein Mensch will gerne bombardiert werden. Wenn aber, so als Alternativbeispiel, in jedes Haus in der Nachbarschaft eingebrochen wird, nur bei einem selber nicht, dann ist das natürlich einerseits erfreulich, aber andererseits ein deutliches Indiz dafür, dass man wahrscheinlich kein heißer Kandidat für „Schöner Wohnen“ ist.

Weltkulturerbe Regensburg, erhalten durch konsequente Belanglosigkeit. Survival of the Irrelevant. Da macht Hollywood keine Filme draus.

Jetzt haben in den Jahrzehnten mach Kriegsende sowohl Stadtplanung als auch Immobilienentwickler mit großer Mühe und nicht unerheblichem Talent daran gearbeitet, die ausgebliebenen Flächenbombardements nachträglich zu kompensieren, aber so ganz funktioniert das natürlich bei allem guten Willen trotzdem nicht. Es gab ja sogar mal den Plan in den Sechzigern, für die neu geplante Universität die marode Altstadt zu planieren; da hätte man natürlich auf einen Schlag nachgeholt, was der Weltkrieg versäumt hat.

Stolz sein auf die Knackersemmel

Jetzt ist man aber schon froh drum, dass man die amerikanischen Boat People nicht über die Steinerne Brücke in eine Sichtbeton-Mensa zum Essen führen muss, und überhaupt: selber kaputt machen macht ja den Minderwertigkeitskomplex der aus Desinteresse Verschonten nicht wett. Um wieder das Einbruchsbeispiel zu verwenden: wenn sich der Ganove partout nicht für das Eigenheim interessiert, dann bringt’s ja auch nichts, sich selber die Terrassentür einzutreten.

Ich bin froh, so wie es ist. Machen wir uns nichts vor: die bedeutendste kulturhistorische Errungenschaft der letzten 200 Jahre in dieser Stadt war die Erfindung der Knackersemmel. Das ist doch schön! Wenn ich weg war und wieder hierher zurückkomme, ist mir eine Knackersemmel der liebste Willkommensgruß. Ich finde, wenn man als Regensburger auf irgendwas stolz sein kann, dann auf die Knackersemmel. Die sollte meiner Meinung nach auch viel mehr Erwähnung finden, auf Tafeln an der Autobahn zum Beispiel oder gleich auf den Ortsschildern. Regensburg. Home of the Knackersemmel.

Reich, aber unbumsbar

Also, es gibt da meiner Meinung nach keinerlei Grund zum Lamentieren. Natürlich, wenn Berlin arm, aber sexy ist, dann ist Regensburg im Gegenzug reich, aber unbumsbar.

Was soll’s! Dafür kann man schön Kaffee trinken und Prosecco auch. Und in der Gesandtenstraße die Flaneure beobachten und die Regensburger Prominenz belauschen. Da sind welche dabei, die es sogar schon beinahe mal woanders zu etwas gebracht hätten. Kürzlich saß ich neben einem, der mal am Flughafen am Gepäckband neben dem Axl Rose gestanden hat. Der hat das so lebendig erzählt, dass ich fast das Gefühl gehabt hab, dass ich auch mit am Gepäckband gestanden habe.

Burgerbrater oder Döner, das ist hier die Frage

Und natürlich gibt’s auch immer noch die, die in der 67. Generation alte Römer-Kasematten vermieten und sich schon deshalb freuen, dass ihnen der zweite Weltkrieg keine größeren Spachtelarbeiten abgenötigt hat. So sind doch am Ende wieder alle zufrieden und glücklich in ihrer ungestörten Beschaulichkeit, in der man schon deshalb keine Stadtbahnen braucht, weil es eh kaum Gründe gibt, das Haus zu verlassen und etwa die Stadt von links nach rechts zu durchqueren.

Kaffee und Prosecco gibt’s vorne wie hinten, und für den kleinen Nervenkitzel sorgt regelmäßig die Frage, ob der neue Laden, der da grade am Umbauen ist, ein Burgerbrater wird oder ein Döner. Für Spannung ist also immer gesorgt in Regensburg.

Und das mit dem Renommee kriegen wir auch noch hin. Soll ich Ihnen ein Geheimnis verraten?

Die Sache mit den Bomben

Vor zwei Wochen wurde wieder eine Fliegerbombe gefunden. Passiert ja, in regelmäßigen Abständen. Man mag sich höchstens wundern, wo die immer wieder herkommen, angesichts der dürftigen Angriffslage seinerzeit. Das Geheimnis ist: es sind immer dieselben Bomben, die da gefunden werden. In einem öffentlich wenig bekannten städtischen Programm zur nachträglichen Urbanheroisierung sorgt man für regelmäßige Bombenfunde, um das Regensburger Image ein wenig aufzupolieren.

Meines Wissens besitzt die Stadt drei Bomben, intern Kaspar, Melchior und Balthasar genannt; zwei aus eigenen Beständen, und eine hat man mal aus München gekriegt. Natürlich sind die nicht mehr scharf, und so kann man sie gefahrlos zu Werbezwecken einsetzen. Schade, dass das mit der Stadtbahn nix geworden ist; da hätten sich die Bomben ganz schön oft finden lassen können, und das hätte der Modernisierung nochmal so einen richtigen Schub verpasst. Ja mei.

In der großen Koalition war das auch ein beliebtes Spiel: die CSU darf die Bombe vergraben, und die SPD muss sie dann finden. So ein lokalpolitisches Ostereiersuchen; sehr beliebt immer, aber da muss man sich jetzt eben eine neue Regelung überlegen. Da findet sich bestimmt was, ich bin da sehr zuversichtlich. Wenn Regensburg eines kann, dann ist das schließlich Vergangenheit.„"

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Kommentare (28)

  • Jupp

    |

    jetzat langts, no a Gscheidhafarl

  • Günther Herzig

    |

    Was wollte er jetzt eigentlich sagen, etwas, dass unvergessen bleiben soll?
    Sehr bemüht, und das obwohl es so heiß ist!

  • Rade

    |

    Hervorragend geschrieben!

  • ideenfinderin

    |

    “Regensburg im Gegenzug reich, aber unbumsbar.”
    Bester Spruch, Danke, Martin.
    Wir lieben Deine Artikel.
    Lg aus dem Kasernenviertel, dank Gentrifizierung, nun auch mit  unfruchtbaren hafermilchverschmierten Yuppies samt SCHMACK-FeineRäder -Lastenrad in der Nachbarschaft.
    Suuuper.

  • Hthik

    |

    “Survival of the Irrelevant.”

    Der Kenner genießt und schweigt.

    Außerdem ist zwischen 33 und 45 leider grad gnug passiert, dass 1000 Jahre für die Aufarbeitung womöglich nicht langen.

  • Daniela

    |

    Wo er recht hat, hat er recht. Super geschrieben, danke.

    Regensburgs größtes Kapital ist, weil äußerst Tourismus fördernd, das Weltkulturerbe. Und wenn längst alle Industrie die Donau hinunter in den Biliglohnsektor entschwunden sind, der Dom steht!

  • Anwohner

    |

    Wenn wir schon bei Immobilien sind.
    Warum ist der Motorboothafen noch immer an Ort und Stelle?
    Die Römer waren es diesmal bestimmt nicht, die haben noch gerudert.
    Vielleicht ist es bei den aktuellen Wassermassen/Temperatuern eh egal, weil keiner dort in der Donau baden will. Aber eigentlich fand ich die Idee schon charmant.

  • tom lehner

    |

    Tres chic Martin Stein!

    Ein Feuerwerk des geschliffenen Wortes auf Regensburg digital.
    Selten hat Hohn und Spott die Wahrheit so gestreift!
    Meine Hochachtung!

    Erlauben Sie mir bitte ein paar Anmerkungen.

    „Die freie Reichsstadt, das Heilige Römische Reich Deutscher Nation“

    Das birgt Verantwortung Herr Stein. Auch deswegen ist der Glaube an einer Entscheidungsfindung und der Weg dorthin oftmals auch das Ziel. Das ist wie mit dem Dom. Generationen von Menschen haben ihn nie vollständig zu Gesicht bekommen. Manche glaubten sogar die Dombaustelle sei ein Blendwerk, also ein „Fake“ und somit Hexenwerk.
    Erst die Ankunft unserer benediktinischen Pabstigkeit bescherte den, damals noch Regensburgern genannten Regensburger*Innen einen schon fast sündig-erotischen, unverhüllten Blick auf Regensburgs zweitälteste Baustelle nach dem Autobahnkreuz.

    Aber finden Sie das nicht ein bisschen ungerecht den Regensburger*Innen Chronische “Hämorrhoidalblutungen” anzudichten, nur weil historischer Gehwegbelag mit römischen Radreifenspuren und Sandalenabdrücken in den hiesigen Baumärkten längs der A3 nicht mehr verfügbar war? Solange die neue Seidenstraße nicht vollendet ist werden wir noch länger unter dem Mangel an historischen Baustoffen leiden.

    Selbst der „Rieger Franz“, einer der stets bemühten und engagiertesten Heimatpolitiker wird von Ihnen mit beissendem Spott überzogen.
    Ja. Wer gut schmiert der gut fährt. Aber wer im Lande der Hypo Alpe Adria Amigos schaltet und waltet, weiß ein leicht laufendes Getriebe ohne hakelige Schaltvorgänge zu schätzen.
    Das ist jahrhunderte praktizierter „Christlicher“ Parteikonsens und somit „Sozial“ weil es den Bedürftig*Innen hilft sich zu entfalten. Das ist im Sinne der Partei des Reichs, bzw. der Union und somit auch im Sinne von uns Allen.

    „2000 Jahre ohne Wärmepumpe“ heisst auch 2000 Jahre Nachhaltigkeit.
    Wer Zweitausend Jahre keine Wärmepumpe braucht, wird auch zukünftig auf sie verzichten können. Auch weil es sich mit den Wärmepumpen so verhält wie mit der historischen Brückenauslegeware. Sie sind nicht lieferbar. Gut das die Stadt in ihren Planungen den Klimawandel dabei berücksichtigt.
    Nebenbei ist das auch Konsens in der bayerischen Staatsregierung, die Wärmepumpen als einen Teil einer „Links versifften“ Indoktrinierung versteht und somit unser Land gegen Staatsfeinde wie die Grünen verteidigt

    Im Gegensatz zu Ihnen sehe ich die Knackersemmel mit einem weinenden Auge und mit großer Sorge. Sie ist ein stark gefährdetes kullinarisches Kulturgut. Das alte Handwerk des Schlachters stirbt. Kleine Metzgereien verschwinden aus dem Stadtbild. Die Sau wird mehr und mehr aus der vegane Stadt verbannt. Industriell hergestelltes Fastkulturfood wird den Markt überfluten. In China hergestellte Knackwürste, an blauweiß bemalten Ständen als „Regensburger“ zu verkaufen wird die Zukunft sein.
    Regensburger mit Gurken aus Indonesien, Kraut aus Burundi und von Häftlingen in Bulgarien abgefülltem Händlmaier in der Geschmacksrichtung „Süßer Mostrich“.

    Eine Zukunft die ich nicht erleben möchte.

  • Rose

    |

    Der MS Martin Stein ernsthaft entgegnen, das geht wohl gar nicht.

    So wie “unbumsbar” nicht das Korrespondierende zu “sexy” ist. Nur die bezeichnende Ausdrucksform eines alten Mannes.

    Eines aber doch zu der Metapher: „ein bisschen Flugzeugbau in Regensburg“.
    Das “bisschen Flugzeugbau” war damals einer der größten und modernsten (=leistungsfähig) Rüstungsstandorte und Rüstungsfabriken des NS-Regimes. Dadurch wurde Regensburg formal zur Großstadt.

    MS muss das nicht wissen und gar angemessen thematisieren!
    Seine Art es zu tun ist eine ägerliche aber höchst eloquente Form der Ignoranz gegenüber der NS-Rüstungsmaschinerie und seinen Opfern.

  • MAULWURF

    |

    @Ideenfinderin

    Du spielst auch auf den KfE* (Kaufladen für Erwachsene im Vorgartenamt) mit Bühne, Bar, Werkstatt und Küche im Gentrifizierungsgebiet** Kasernenviertel an: Ein Spielplatz, Experimentierraum und Treffpunkt für Erwachsene mit Hintereingang zu “Wohnen am Kunstpark”. Hier könnte eine Verbindung zwischen alteingesessenen Bewohner*innen und neu Dazugezogenen gelebt werden. Gekocht wird täglich aus dem Garten und dem Foodsharingschrank und den marokkanischen Tollkirschenkaffee servieren wir gerne auch mit Hafermilch. Die Lastenradaufladestation am Freifunkmast ist ein Vorbote der schon lange geplanten aber noch nicht umgesetzten Fahrradstraße und außerdem für Alle da. Das Vorgartenamt eröffnet ein entwicklungsfähiges Betätigungsfeld für ehrenamtliches Engagement und viele Anknüpfungspunkte zur unmittelbaren Bearbeitung von Stadtentwicklungsthemen, wie z.B. Versickerung, Artenvielfalt und kleinteilige Freiraumgestaltung. Die 300m Ribislhecke entlang des Bürgersteigs hat dieses Jahr übrigens schon ganz gut getragen. Der Projektraum des Fvfu-uüiUF.e.V.-Kunstvereins bleibt eine arbeitsintensive Baustelle, kann jedoch von Gruppen und Einzelpersonen kostenfrei genutzt werden. Mit dem ebenfalls in unentgeltlicher Arbeit auf ehrenamtliche und nachbarschschaftliche Strukturen aufbauenden Projekt einer sozialen und kulturellen Parkversorgung spannt wiederum der Parkhaus e.V. nicht nur einen Bogen zwischen Architektur, Sozialarbeit und Kultur, sondern auch über ein paar Straßen, Grünstreifen und Höfe hinweg zum Ostpark. Hier hat man sich schon 1958 vergeblich darauf gefreut unter Sonnenschirmen Kaltgetränke zu sich nehmen zu können. Diese schöne Vorstellung wird hoffentlich bald Wirklichkeit. https://parkversorgung.de/kaufladen-fuer-erwachsene/ https://parkversorgung.de/vorgartenamt/

    **zum Glück gehören hier viele Wohnungen zur Stadtbau oder zum gemeinützigen Bauverein. Viele ehemalige Bahnwohnungen und auch Immobilien des Freistaats Bayern wurden in den vergangenen Jahrzehnten allerdings verkauft, ohne dass die Stadt ihr Vorkaufsrecht geltend gemacht hat – so auch die ehem. LERAG hinter dem KfE*, jetzt “Wohnen am Kunstpark” (Zitat aus der Werbebroschüre: “Leben zwischen Kunst geparkt”).

    PS:
    In den Kaufladen wurde vor kurzem erst ein Loch in die Scheibe geschlagen und eingebrochen, der Computertisch umgestürzt, eine Gartenhacke in einen Lautsprecher gehauen, ein paar Biere zerschmissen und Milch verspritzt, eine Nähmaschine und ein Karton mit Kinderschokolade und ein paar Kästen Bier geklaut. Die Einbrecher nahmen dann den Hinterausgang.
    Gestern Nacht wurde die gläserene Eingangstüre erneut zertrümmert. Die junge Täterin ist vor kurzem obdachlos geworden, leidet unter einer Psychose und kehrt in dissoziativen Zuständen zu ihr bekannten Orten zurück.

  • Native

    |

    Den Genießern der Regensburger Spezialität „Knackersemmel mit Allem“ (süßer Senf, Meerrettich und Essiggurke) mit garantierter Klecker Garantie, entlockt wenigstens ein befeiendes „Koperl“, im Gegensatz zur jahrzehntelangen enttäuschenden Regensburger Stadtentwicklungspolitik. Nur hasenfüßiger Stillstand und heiße Luft- „ist a gas“!

  • Günther Herzig

    |

    @tom lehner
    7. Juli 2024 um 08:58 | #
    „2000 Jahre ohne Wärmepumpe“ heisst auch 2000 Jahre Nachhaltigkeit.
    Wer Zweitausend Jahre keine Wärmepumpe braucht, wird auch zukünftig auf sie verzichten können”.
    Ich bekenne den Text zu oberflächlich gelesen zu haben. Der schnelle Schuss aus der Hüfte ist zu häufig nicht genau.
    Sie, Herr Lehner haben mir geholfen das zu erkennen. Dafür Danke!

  • Luck

    |

    @ Rose:
    Gestehen Sie: Ihr Vorname ist nicht “Axl”!

    Glossierende Buchstaben-Aneinanderreihungs-Künstler wie der MS agieren nicht im Reinraum der political correctness.
    Und auch nicht in der Strenge korrespondierender Zwangsregeln analog eines Verwaltungsaktes oder einer Wortaneinanderreihungs-Verordnung.
    Daher ist ihr kühner Schluss mit dem “alten Mann” ein “Griff ins Klo”.
    Im Zeitalter der Diversifikation ist eine vermutende Geschlechtsbestimmung mit Gendervorbehalt apriori eine intellektuelle Fehlleistung.
    Und der Definitionsversuch der Altersangabe scheitert auch kläglich.
    Denn ein 3 Wochen alter Säugling ist auch schon alt.

    Daher ist die Verwendung des Begriffes “reif” vermutlich angemessener und verirrt sich nicht derart in das Gebiet “verbaler Beulenpest”, wie es ihre Darlegungen zu unterstreichen in der Lage sind.
    “Reifes Würstchen” als passendere Ausdrucksform würde durch Kontextwahrung durchaus auch dem Autor gerecht werden können.

    Todsünden jeder Glosse sind unterlassene Untertreibungen und überstrapazierte Ernsthaftigkeit.
    Dies hat der Autor zurecht gemieden.
    Und korrespondierend zu einem anderen Sprichwort gibt es durchaus ein Mittel, die Bumsaffinität verödeter Umfelder zu erhöhen.
    Und dieses ist nicht überstrapazierte Enthaltsamkeit, wie ein Axl Rose sicher zu bestätigen wüsste, um den Ursprungsgedanken zum Schluss wieder aufzugreifen.

  • Native

    |

    Quo vadis Ratisbona?
    Wenn eine Stadt immer noch vom Ruhm der Ahnen profitiert, davon zehrt und es aber peu a‘ peu über die Jahrhunderte versandelt (versemmelt), braucht sie sich nicht zu wundern, wenn die Bedeutung schwindet. Wer nicht ständig gestaltet, dem bleibt zu seinem Glück nur noch die Devise: „Ein Stück Brot in der Tasche ist besser als eine Feder auf dem Hut“.
    Da bleibt dann im wahrsten Sinne des Wortes zum „Ruhm“ nur die „Knackersemmel mit Allem“ oder „Sechs in the City“ am Donauufer. Die Gestaltung des Bahnhofumfeldes trägt dazu nichts bei.
    Aber Hauptsache glücklich! 😊
    https://ethik-heute.org/hans-im-glueck-von-der-lebensklugheit

  • tom lehner

    |

    @ Sehr gerne Herr Herzig.

  • Herbert Grabe

    |

    Danke, Martin Stein. Ich will mehr solcher Essays lesen.

  • Rose

    |

    Hey Luck, danke für die unerbetene wie unnötige Nachhilfe für das Format Glosse.
    Da haben sie sich ja mächtig ins Zeug gelegt ;-)

    Also, wenn ich mich nicht täusche, hat MS sich selber schon auf dieser website sinngemäß als weißer alter Mann bezeichnet. Und wenn „reife Männer“ von unbumsbar sprechen, und seine Verteidiger den „Reinraum der political correctness“ erfinden, ist klar, dass es denen nicht um politically correct gehen kann.

    Sondern um eine sexistische Denk- und Sprechweise und das Verhältnis von FICKEN und GEFICKT-WERDEN (was ich mit Leuten, die einen Reinraum der political correctness bemühen, nicht debattieren möchte).

    Mir ging es in meinem Kommentar allerdings darum, dass auch eine gute Glosse den nicht nur in R weitverbreitenden dumpfbackigen Vergangenheitsdiskurs bzgl. der nationalsoz. Luftrüstungsindustrie bestätigen und fortschreiben kann. Auch und gerade wenn sie aus der Feder eines begnadet-eloquenten Barkeepers kommt.

  • Mr. T.

    |

    Wenn’s an einem in Regensburg nicht fehlt, dann an Steinen. Trotzdem gibt’s unter den unzähligen Steinen nur einen Stein, der den Menschen um ihm rum, so richtig auf’s Maul schauen und dass dann auch ganz besonders amüsant in Worte zu fassen bzw. in Stein zu meisseln vermag.

  • Studi

    |

    Ich kann dem leider nicht viel abgewinnen. Der erste und letzte Absatz ist ganz gelungen, aber was sollte der Rest? Da verstehe ich auch nicht was der Autor sagen will.

    Dass man die nicht-Bombardierung Regensburgs als Beispiel der Belanglosigkeit nimmt finde ich etwas geschmacklos.

    Auch an anderen Stellen sind die Formulierungen eher platt und derb statt pointiert. Eine Über-/Untertreibung kann man auch anders formulieren. Wenn der ganze Text davon voll ist, entwickelt es leider seine Wirkung nicht mehr. Zum Beispiel anhand der Knackersemmel: Bei dem Absatz weiß man schon nach dem zweiten Satz worauf der Autor hinaus will. Trotzdem wird es einem noch zehn mal gesagt (in leicht verständlicher Sprache zum Glück).

    In anderen Punkten bin ich einerseits nicht mit der wiedergegebenen Meinung d’accord, oder verstehe die Intention des Autors nicht (deswegen soll das folgende auch nicht als Kritik verstanden werden).

    Was will er uns bezüglich der Immobilien sagen? In Regensburg wird vor allem in den letzten Jahren extrem viel Wohnraum geschaffen, der auch Abnehmer findet. Ich rede öfter mit gutverdienern, denen es selbst schwerfällt was zu finden, weil im Dörnberg und co schon alles weg ist. Andererseits findet man aber auch immer etwas günstiges wenn man Glück hat. Einerseits wird ja “Das Castra” stellvertetend für die Profitgier der Immobilienwirtschaft genannt, aber da ist ja auch Bedarf da. Sozialwohnung werden in Regensburg auch viele (schöne!) gebaut (in die Bauten oft integriert). Dem gegenüber werden auch die “römischen Kasematten” kritisiert. Soll man die wiederum modernisieren und so den Preis in die Höhe treiben oder was ist die Kritik?

    Des weiteren verstehe ich nicht warum Regensburg allgemein als kleinprovinziell und Rückschrittig dargestellt wird (wird im Prinzip in jedem Absatz explizit angesprochen). Meiner Einschätzung nach gilt Regensburg in der Umgebung eher als sehr modern und aufgeschlossen, schon allein wegen der vielen Studenten.
    “Kaffee und Prosecco gibt’s vorne wie hinten, und für den kleinen Nervenkitzel sorgt regelmäßig die Frage, ob der neue Laden, der da grade am Umbauen ist, ein Burgerbrater wird oder ein Döner.” –> widerspricht sich wieder. Einerseits verändert sich nichts, andererseits wechseln die Läden häufig. Der Bedarf an Döner und Bürgerläden ist auch noch nicht gedeckt. Die sind eigentlich immer gut besucht, also was sonst tun? Das klingt für mich eher nach einem Autor der keine Döner und Burger mag (Ich find die lecker :D). Auch einerseits hat Regensburg nichts zu bieten, andererseits ist die Innenstadt gespickt mit schönen Cafés und einzigartigen Läden, die eben gerade dazu einladen das Haus zu verlassen. Das mit dem Kaffee und Prosecco wiederholt sich auch einfach schlicht. Gerade wenn ich Regensburg mit anderen Städten in der Umgebung vergleiche, ist Regensburg doch mit am modernsten.

    Das Wortspiel mit der Tolerantel und der Vorspann werden in dem Artikel auch nicht aufgegriffen, oder zumindest habe ich das nicht verstanden. Vielleicht kann mir das jemand erklären?

  • Burgweintinger

    |

    Studi, man merkt. Sie sind noch nicht lange in Regensburg…

  • Studi

    |

    @Burgweintinger
    8. Juli 2024 um 16:30

    Was ist für sie lange? Und was ist “in Regensburg”. Burgweinting würden manche auch nicht zu Regensburg zählen.

    Ich wohne seit Geburt in der Nähe von Regensburg, hatte Verwandte in Regensburg die ich fast wöchentlich besucht habe. Entsprechend viel hatte ich mit Regensburg zu tun. Deswegen kann ich auch die Eindrücke von außerhalb verweisen. Selbst wohnhaft in Regensburg bin ich nun auch schon bald ein Jahrzehnt. Über mein Studium habe ich auch viele Leute aus anderen Städten kennengelernt und deren Meinung gehört.

    Wenn das nicht reicht, dann bleiben im Diskurs nur die “Alteingesessenen”, und wir landen da wo der Artikel uns schon jetzt verortet.

    Teilen Sie mir gerne mit wo Sie mir widersprechen.

  • Burgweintinger

    |

    Tja, so kann man sich täuschen…

    Liebes Studi, ich bin 54 Jahre alt und wohne seit 41 Jahren in der Westendstraße…

    Was wurde bzgl Wohnraum versprochen und tatsächlich geschaffen? Wenn Sie der Meinung sind, dass das tatsächlich viel ist, ja dann ist das halt ihre Meinung…

    Ja Regensburg ist provinziell, unsere Stadführung samt Stadtrat zeigt das immer wieder, jüngstes Beispiel, Stadtbahn!

  • tom lehner

    |

    @ Burgweintinger

    Mit Verlaub, wäre die Stadtführung “Provinziell” gäbe es auch ein für die “Provinz” mitdenkendes Verkehrskonzept. So ist es nur eine flächenverbrauchende Bimmelbahn für die barrierefreie Fahrt durchs Weltkulturerbe.

  • Studi

    |

    @Burgweintinger
    9. Juli 2024 um 06:22

    Was fehlt ihnen denn an Wohnraum in Regensburg? Ich gehe davon aus, dass Sie mit ihrer Wohnung recht zufrieden sind, wenn Sie da schon so lange wohnen. Wenn ich durch Regensburg fahre sehe ich an jeder Ecke neubauprojekte (allein das Dörnberg in bester Lage!). Und ein Einfamilienhaus mit Garten ist sowieso utopisch. Reihenhäuser für gutverdienende Familien sind durchaus erschwinglich in Regensburg und werden auch gebaut. Paare ohne Kinder haben sowieso keine Probleme auf dem Wohnungsmarkt, wenn beide arbeiten.

    @tom lehner
    9. Juli 2024 um 09:30

    Es ist schon ironisch, dass sie ausgerechnet dem “Burgweintinger” antworten die Stadtbahn hätte das Umland nicht mitgedacht, wenn sie gerade Burgweinting als Vorort besser angebunden hätte und dort auch den Bahnhof attraktiver gemacht hätte.

  • Burgweintinger

    |

    @studi

    ich persönlich habe kein Problem, ich wohne in einem schönen Haus mit Garten.

    Aber schauen Sie sich bitte die Mietpreisentwicklung in Relation zur Lohnentwicklung der letzten 20 Jahre an, dann verstehen Sie vielleicht was ich meine, vor allem, dass vor jeder Kommunalwahl viele Millionen und Wohnungen versprochen werden.

    https://www.regensburg-digital.de/bauloewe-sorgt-sich-um-bezahlbaren-wohnraum/24022014/

    @tom lehner: mit provinziell meinte ich das Handeln der Stadtspitze mit dem Verkehrswende. Bei diesem komplexen Thema die Bürger entscheiden zu lassen ist provinziell oder nur saudumm…

  • tom lehner

    |

    @ Burgweintinger

    hab Sie schon verstanden.. :-)

  • Anita

    |

    Unbumsbar?
    Wer oder was ist überhaupt unbumsbar?

    Eine Stadt, eine Frau?
    Werden Männer als „unbumsbar“ bezeichnet? Wenn ja in welchem Kontext?

    Ist MS überhaupt bumsbar? Was ermächtigt ihn, mit sexualisierten Zuschreibungen dieser Art zu hantieren? Seine Denke, und/oder das Format der Glosse?

    Ja, ja zwischendurch ist der Text auch lustig und unterhaltsam.
    Nur was will uns der Autor damit sagen?
    Dass Regensburg unbumsbar ist?
    Oder habe ich noch etwas Relevantes überlesen?

  • Daniela

    |

    @ Anita
    11. Juli 2024 um 09:23 | #

    Schriftstellerisches Pardon zu ‘Berlin ist sexy.’ ‘Regensburg ist halt im Vergleich dazu ‘Unbumsbar’. Und natürlich angefeinert mit etwas Satire.

    Kann man schon verstehen, wenn man nicht zu sehr auf den einzelnen Begriffen aus feministischen Beweggründen herum reitet. Muss man aber nicht, wenn man sich vielleicht persönlich angegriffen fühlt?
    Nix für ungut und eine gute Zeit.

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