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Artist in Residence-Projekt

Die unbekannte Ukraine in der Ganghofer-Siedlung Regensburg

Das Kulturamt Regensburgs hat im Wiedamann-Haus die ersten Arbeiten von Artist in Residence (RAiR) vorgestellt. Ein spanischer Künstler präsentierte dabei seine Auseinandersetzung mit mittelalterlicher Gewaltdarstellung, eine ukrainische Künstlerin arbeitete zu einem Stück Regensburger Nachkriegsgeschichte, das kaum bekannt ist: zu der ukrainischen Community in der Ganghofer-Siedlung.

Im Süden von Regensburg wurde 1936 für den NS-Rüstungsbetrieb Messerschmitt eine komplett neue Siedlung errichtetet, das sogenannte „Göring-Heim“, die nach Ende des NS-Regimes in Ganghofer-Siedlung umbenannt wurde.  Bild: Europaeum Uni Regensburg

Nach vielfältiger Recherche zeigte Anastasiia Leliuk letzten Freitag in ihrem Atelier im Wiedamann-Haus das Ergebnis ihres künstlerischen Schaffens zur so genannten „Kleine Ukraine“ (1946-1949). Zeichnungen, handgeschriebene KI-Übersetzungen von zeitgenössischen Dokumenten, verhüllte Portraits. Leliuk nennt sie„portaits of unknown“.

WERBUNG

Vor rund zwanzig neugierigen Besuchern erzählt Leliuk bei ihrer Präsentation, dass sie sich auf das von der Stadt Regensburg ausgeschriebene Artist in Residence Projekt mit eben diesem Thema, Kleine Ukraine, erfolgreich beworben habe. Dass es in Regensburg nach dem Krieg bis 1949 eine ukrainische Community gab, die viele tausend Köpfe zählte, habe sie dabei erst durch eine Internet-Recherche erfahren.

Anastasiia Leliuk bei der Eröffnung ihrer Ausstellung im Wiedamann-Haus vergangenen Freitag. Foto: rw

Um die historischen Zusammenhänge und Hintergründe zu verstehen, habe sie – neben anderen – der 2018 emeritierte Professor für Slavische Literatur- und Kulturwissenschaft, Dr. Walter Koschmal, als fachkundiger Experte mit Material und Unterlagen versorgt.

Zwangsarbeit am Rüstungsstandort Regensburg

Dass es in Regensburg Camps für Displaced Persons (DP), eine Kleine Ukraine gab, hat mit Rüstungswirtschaft und Kriegsvorbereitung des NS-Regimes zu tun. Mit dem Angriffs- und Vernichtungskrieg gegen Polen und die Sowjetunion, mit Terror gegen die ukrainische Bevölkerung. Mit der Vernichtung der Ukrainischen Juden und Jüdinnen durch deutsche Verbände der Wehrmacht, der SS und Polizei, die teilweise von ukrainischen Nationalisten unterstützt wurden.

Damit der für das Naziregime sehr bedeutsame Rüstungskonzern Messerschmitt das Standard-Jagdflugzeug der Luftwaffe, die Bf109, im geforderten Umfang produzieren konnte, wurden in Regensburg ab 1936 riesige Produktionsstätten aufgebaut.

Mit maßgeblicher Unterstützung der Nazibürgermeister Hans Herrmann und Oberbürgermeister Otto Schottenheim. Schon 1939 wurde das Werk als „NS-Musterbetrieb“ ausgezeichnet. Für seine stark anwachsende Belegschaft wurde ein eigenes Wohnviertel aus dem Boden gestampft: das Göring-Heim.

In der Hochzeit arbeiteten im Werk bis zu 14.000 Beschäftigte, seinerzeit Regensburgs größter Arbeitgeber. Um das in Werk in der Nähe des Krankenhaues Barmherzige Brüder wurden auch Baracken für Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter errichtet, die mehrheitlich aus der Ukraine und anderen Sowjetrepubliken stammten. (Im ganzen Machtbereich der Nazis mussten je nach Schätzung etwa 2 bis 3 Millionen Ukrainer und Ukrainerinnen Zwangsarbeit leisten.) Nach ihrer Befreiung 1945 gingen die allermeisten der ausgebeuteten „Ostarbeiter“ in ihre Herkunftsorte zurück. Auch die aus Regensburg.

Nach Kriegsende gabe es viele DP-Camps in Regensburg,  betreut wurden sie anfangs von dem UNRRA-Team T120.
Quelle: Arolsen Archives

Nicht zurückgeführte Ukrainer

Neueste Schätzungen gehen aber davon aus, dass gegen Kriegsende 1945, zusammen mit der sich zurückziehenden Wehrmacht, auch ca. 120.000 Ukrainer in die westlichen Zonen des Nazireichs kamen, um sich dem Zugrifft der sowjetischen Behörden zu entziehen. Der Historiker Grzegorz Rossoliński-Liebe schätzt zudem, dass es insgesamt „etwa 250.000 Ukrainern, darunter auch Zwangsarbeitern, die während des Krieges nach Deutschland transportiert worden waren“, gelang, die Rückführung in die Sowjetunion zu vermeiden. Darunter waren diverse Gruppen von zivilen Kollaborateuren, aber auch etwa 8.000 von 11.000 Soldaten der Waffen-SS-Division „Galizien“ und Mitglieder anderer militärischer Verbände, die auf der Seite der Nationalsozialisten gegen die Rote Armee kämpften.

Entnazifizierung und Wohnraumbeschaffung in Regensburg

Nach der Kapitulation der Nazis ordnete die Amerikanische Militärregierung im Mai 1945 an, alle Symbole und Namen von Nazi-Größen zu entfernen. Da Unterkünfte für die DPs benötigt wurden, verfügte die amerikanische Militärregierung im Oktober 1945, ein „neues Ausländerviertel“ aufzubauen: aus Göring-Heim wurde so die Ganghofer-Siedlung. Die dort wohnenden, zumeist deutschen Messerschmitt-Arbeiter mussten Ende Oktober 1945 ihre Werkswohnungen räumen, Displaced Persons durften einziehen.

Sie kamen hauptsächlich aus baltischen Staaten, der Ukraine, Polen und Russland. Betreut wurden sie anfangs von einer internationalen Organisation, der UNRRA (United Nations Relief and Rehabilitation Administration, ein Vorläufer der UNO. In der für die Ganghofer-Siedlung zuständigen UNRRA-Gruppe, der T120, arbeitete zum Beispiel die Niederländerin Wil Sadée (hier zur Dokumentation ihrer Briefe und mit Bildern.)

Die soziale und nationale Zusammensetzung der Ganghofer-Siedlung änderte sich mehrfach. So wurden Personen mit Russischer Nationalität noch 1945 großenteils (auch zwangsweise) in ihre Heimatorte zurückgeschickt. Bis Ende 1946 widerfuhr das auch rund 1.200 Menschen mit polnischer Nationalität. Damit stiegen die Ukrainer zur größten nationalen Gruppe auf. 4.000 bis 6.000 DPs lebten in etwa 880 Häusern in der zwischenzeitlich eingezäunten Ganghofer-Siedlung.

“Portraits of unknown”, A. Leliuk, 2025. Foto: r.w.

Nationalisten dominierten Alltag und Erinnerung

Setzte sich die ukrainische Bewohnerschaft anfangs aus befreiten KZ-Häftlingen, Zwangsarbeitern und Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangenen und ehemaligen Soldaten zusammen, aus Menschen diverser (un)politischer Lager zusammen, stieg in der Folge der Anteil derer, die nicht zurückgehen wollten. Nicht zurück in die zur UdSSR gehörende sozialistische Republik Ukraine, wo ihnen die (Straf-)Verfolgung drohte oder das stalinistische System auf sie wartete.

In der am südlichen Stadtrand von Regensburg gelegenen Siedlung dominierten so bald Mitglieder der ukrainischen Nationalbewegung (OUN) und der Ukrainischen Aufständische Armee (UPA). Auch während der ersten Nachkriegsjahre setzten sich wiederholt „ukrainische Freiheitskämpfer“ nach Bayern und Regensburg ab, die an kriegerischen Auseinandersetzungen und Überfälle gegen Polen und Russland im Bereich der heutigen Ukraine beteiligt waren.

Ukraine im Kalten Krieg

Die britischen und amerikanischen Geheimdienste bemühten sich um diese rechts-nationalistischen Ukrainer, die unter der NS-Besatzung einen von der Sowjetunion unabhängigen faschistischen Staat aufbauen wollten, jahrelang in militärischen oder Partisanenverbänden gegen Polen und Russen kämpften, Juden und politische Gegner innerhalb der Ukraine verfolgten. Im Kalten Krieg gegen die Sowjetunion galten sie als potentielle und tatsächliche Agenten, als kampferprobte Verbündete, trotz (oder wegen) ihrer teils kriminellen Praxis.

Von den Holzbalkonen und Holzwäscheleinen in den kleinen Gärten der Ganghofersiedlung ist heute nichts mehr übrig. Das Viertel wurde modernisiert. Quelle: Europaeum

So baute der von einigen Historikern (und schon in einem Bericht der Mittelbayerischen Zeitung von September 1947) als Faschist eingestufte und seit 1946 in München lebende Stepan Bandera mit Hilfe der CIA die Strukturen der OUN in München bzw. im ganzen Amerikanischen Sektor neu auf. In der Ganghofer-Siedlung hatten Banderas Gefolgsleute Führungsfunktionen inne. Dort errichtete man konsequenterweise für die „Ukrainischen Freiheitskämpfer“ ein Denkmal, das vermutlich um 1958 wieder abgetragen wurde.

Denkmal für „Ukrainische Freiheitskämpfer” in Ganghofer-Siedlung, zwischen Franz-von-Kobell-Straße und Wilhelm-Rabe-Str., vermutlich um 1958 abgetragen. Quelle: Völkl, Ukrainer (1992)

Auflösung der Kleine Ukraine

Im September 1949 wurde die Ganghofer-Siedlung als DP-Camp aufgelöst. Die bis zuletzt in der Siedlung verbliebenen Displaced Persons, mehrheitlich Ukrainer und Ukrainerinnen wurden in andere bayerische Camps (Ulm, Ingolstadt und Amberg) umgesiedelt – laut erhaltenen Namenlisten gut 3.000. Andere waren zu diesem Zeitpunkt bereits in die USA, nach Kanada und Australien emigriert, einige nach Belgien. Deutsche Familien konnten sich bald darauf wieder auf die freiwerdenden Wohnungen bewerben.

Dass der blutige ukrainische „Freiheitskampf“ sich auch gegen Polen und Russland richtete, ihre Kämpfer Massenmorde an Jüdinnen und Juden und politische Gegner unter den Ukrainern verübten und nicht wenige aus der Ganghofer-Siedlung in SS-Einheiten und nationalsozialistischen Polizeiverbänden an NS-Verbrechen beteiligt waren, all das blieb nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Holocaust unter der Decke des Kalten Krieges.

Welche stadtgeschichtliche Auswirkung diese beträchtliche Ansammlung von Pogromisten, von NS-Tätern und Helfern der NS-Schergen hatte, wurde bislang nicht untersucht geschweige denn geklärt.

 

“Differnt sights”, A. Leliuk, 2025. Foto: r.w.

 


Info zu RAiR

Mit insgesamt knapp 180 Quadratmetern bieten die zwei Atelierwohnungen mit Werkstattcharakter und der Begegnungs- und Gemeinschaftsraum „Brück4“ viel Raum für Kreativität, Begegnung und Austausch. Früher befanden sich hier die Werkstatt und das Chefbüro der ehemaligen Zinngießerei Wiedamann. In Anlehnung daran sollen die Räumlichkeiten auch zukünftig als Werkstätten des kreativen Schaffens fungieren.

Das RAiR-Programm orientiert sich dabei an vergleichbaren Artists-in-Residence-Programmen und greift den Gedanken eines familien- und kinderfreundlichen Programms auf.


 

Ukrainerin im Wiedamann-Haus

Wie eng die neuere Geschichte Regensburgs mit dem Schicksal vieler Ukrainer verwoben ist, zeigt auch die Geschichte des Ortes der RAiR-Präsentation: dem Wiedamann-Haus, im dem die Regensburger Kulturverwaltung Räume für die Ateliers der Artists in Residence angemietet hat.

Zur Erinnerung: Es war die Zinngießerei Wiedamann, die für den NS-Rüstungskonzern Messerschmitt Metallteile produzierte und dabei ukrainische und sowjetische Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen ausbeutete und denunzierte, falls sie ihre Leistung zu gering bewertete.

Michail Miljanenko musste als sowjetischer Kriegsgefangener bei Wiedamann Zwangsarbeit leisten. Nachdem Wiedamann ihn wegen mangelnder Arbeitsleistung denunzierte kam er 1944 in KZ Flossenbürg, später ins KZ Natzweiler wo er im April 1945 starb. Quelle: Memorial Archives

Das vorgeblich von „der Presse“ erfundene Geheimzimmer im Wiedamann-Haus, das im Zentrum sensationslüsterner und geschichtsklitternder Berichterstattung (Stichwort: Judenversteck) stand, spielte bei der Präsentation der RAiR-Kunstwerke aber keinerlei Rolle.

Die (Er)Kenntnisse über Hintergründe und Geschichte der Ganghofer-Siedlung wurden durch Präsentation im Wiedamann-Haus weder erweitert noch vertieft.

Irgendwelche Fragen zur Kleinen Ukraine waren während der RAiR-Präsentation nicht zu vernehmen.

 

Redaktioneller Hinweis: Der vorliegende Text wurde zum 22. 12. 2025 überarbeitet.

 

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Kommentare (8)

  • Rupert

    |

    Ma siecht glei, dass da Autor vo dem Artikel weder vom zeitgenössischen Kunst no von da Gschicht a Ahnung hot. I wünsch eam, dass er si künftig gscheid damit auseinandersetzt, worüber und wia er schreibt, und ned bloß unbeholfen mit oberflächlichen Fakten umeinandermanipuliert.

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  • R.G.

    |

    Im Arolsen Archiv finden Sie, nach Akzeptanz der zu leistenden Datenschutzgarantien, exakte Unterlagen, unter anderem zu :
    https://collections.arolsen-archives.org/de/search?s=regensburg

    3 Registrierungen und Akten von Displaced Persons, Kindern und Vermissten / 3.1 Aufenthalts- und Emigrationsnachweise / 3.1.1 Registrierung und Betreuung von DPs innerhalb und außerhalb von Lagern /

    Informationen über verschiedene Haftstätten, Arbeitslager, Kriegsgefangenenlager und andere Lager im Landkreis – 1. LK Regensburg, – 2. SK Regensburg

    Informationen über Ausländer aus Akten von Behören und Gerichten im Kreis Regensburg

    Ein Datensatz betrifft ausdrücklich die Displaced Persons der Ganghofer Siedlung.

    Wenn Sie sich außerdem dem Archiv zum Transkribieren von handschriftlichen Akten bereitstellen, wird das Archiv immer mehr Menschen zugänglich gemacht..

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  • R.G.

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    Da der Direktlink nicht zu klappen scheint, gehen sie bitte auf arolsen archives,
    klicken sie nach Durchlesen des Textes nochmal auf die Schrift links ganz oben, lautend arolsen archives,
    , dann zu, Suchen im Online Archiv,
    geben sie dort Regensburg ein,
    die nun erscheinenden Inhalte der Titel zu Datensätzen sind teils rechts neben der Übersicht in vergrößerbaren Originalbildern lesbar.
    zu finden auch die
    Akte von MILJANENKO, MICHAIL, geboren am 09.11.1914
    leider ist da nur ein kuvert zu sehen.
    https://collections.arolsen-archives.org/en/document/10949195#

    wenn ein Originalakt Schreibfehler enthielt, muss man beim Namen Schreibweisen probieren, um dazu zu gelangen.
    teils werden ähnliche Namen zu Schluss der Auswahl angefügt.

    Wir setzen uns in unserem Freundeskreis gelegentlich zu einem Transkribierwettbewerb virtuell zusammen, wie viele Daten wir in diesmal im arolsen archiv transkribieren können. fertig in getippte Sprache übersetzte Daten können hinkünftig mit Suchmaschinen gefunden werden.
    das archiv ruft selbst gelegentlich transkribierwettbewerbe aus.

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  • Luck

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    “ukrainische und sowjetische Zwangsarbeiter”
    Inwieweit unterscheiden sich ukrainische von sowjetischen?
    Allen sowjetischen Zwangsarbeitern drohte bei einer Rückkehr in die Heimat Tod oder Gulag, weil man nicht bis zum letzten Atemzug kämpfte.
    Hätten Stalin und Budjonny Tuchatschewski die geforderten 20.000 Soldaten bereitgestellt, wäre die Lücke geschlossen worden und es hätte weder ein Wunder an der Weichsel noch den Zwangsfrieden von Riga gegeben, mit welcher anstatt der Curzon-Linie die polnisch-sowjetische Grenze 300 km weiter östlich festgelegt würde.
    Infolgedessen gab es dann in Wolhynien und Ostgalizien eine große ukrainische und jüdische Minderheit/Mehrheit neben einem ethnisch privilegierten ponischen Bevölkerungsanteil.
    Bandera als einer der Heißsporne unter den ukrainischen Ultra-Narionalisten, der u.a. ein polnisches Regierungsmitglied auf dem Gewissen hatte, gab dann nach dem Einmarsch der Hitler-Armeen seine ‘berühmte’ Losung aus: Tod den Polen, Tod den Juden, Tod den Moskowitern!
    Dies kulminierte dann im Blutsonntag in Wolhynien/Lodomerien und Ostgalizien. Dagegen war die Reichskristallnacht vergleichsweise ein Kindergeburtstag.

    Ultranationalisten beanspruchen immer Herrschaft und Unterordnung. Im Gegensatz zum polnischen argumentierte der ukrainische mit biologistischen Merkmalen, wie es auch der NS-Nationalismus tat. Richtigerweise muss klargestellt werden, dass es der ukrainische auch heute immer noch tut.
    Das erfreut die ungarischen, rumänischen und russischen Minderheiten natürlich ungemein, wenn man ihre Person als ethnisch bzw. rassistisch minderwertig betrachtet.
    Aber der angebliche Wertewesten schaffte es, dies unberücksichtigt zu lassen und dabei auch noch das ukrainische “Heil Hitler” in den Mund zu nehmen und damit die Bandera-Losung zu heiligen. Aber wer bewusst Völkerrechtsbruch betreibt, wie dies sowohl Angela Merkel als auch der damalige sozialistische Staatspräsident Frankreichs (neben einer anderen Person) unumwunden zugaben, wird sich auch nicht von den klaren Vorgaben des Grundgesetzes abhalten lassen, seiner Besitzgier zu frönen. Und nur darum geht es im Donbass-Konflikt.
    Wenn die Künstlerin aus Luhansk ist, sollte sie erklären, wie sie die massiv zunehmenden Artillerie-Angriffe ab dem 16. Februar 2022 einschätzt, welche Putin letztendlich zur Anerkennung der Donbass-Republiken zwangen. Volksrepubliken wohlgemerkt, welche ein Sobtschakist nur mit der Kneifzange anfasst.
    Wer Krieg gegen die Zivilbevökerung so richtig sehen will, sollte sich die Bilder und Videos aus.Gaza betrachten und weniger aus Kiew. Aber Narrative obsiegen auch hier gegen jegliche Restvernunft und Anstand ist in kapitalistisch durchdrungenen Gesellschaften eher ein Makel als eine Auszeichnung.
    Aber die Mini-Narionalisten der AfD sind das große und ultimative Problem. Die können zwar auch nichts, wie man an der politischen Einstufung von Hitler durch Alice Weidel klar erkennen kann. Und Saldenmechanik als zentrale volkswirtschaftliche Kerngröße spielt bei diesen Unbedarften auch keine Rolle. Aber politische Pluralität sollte das aushalten können und mehr auf die Verfassungs-Instanzen achten. Aber dann würden ungefragt 3 Finger zurück deuten, anstatt eine Anlage einem eindeutigen Adressaten zuweisen zu können.

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  • Günther Herzig

    |

    @Luck
    20. Dezember 2025 um 09:29 | #
    Sie berichten durchaus detailliert über historische Ablaufe in Osteuropa. Ich gestehe davon sehr wenig zu wissen. Ihr Beitrag macht mir das deutlich und lässt den Wunsch in mir wachsen mehr zu erfahren und damit mehr zu begreifen.
    Wenn Sie darauf hinweisen, dass sich die Folgen der Angriffe gegen Kiew und Gaza zu Lasten der Palästinenser nicht vergleichen lassen, habe ich dazu den folgenden Gedanken: Russland will ja die Ukraine erobern und sich wieder einverleiben. Dann wird es in Moskau auch jetzt schon Statthalter oder ähnliches geben, die nach dem Ende der unmittelbaren Kriegführung dort “regieren” sollen. Es gibt dann vielleicht auch Rücksichten auf die künftigen Besatzer, die dafür sorgen Kiew nicht mit der finalen Vehemenz zu bombardieren, wie zum Beispiel Mariupol.

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  • Saskia

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    antwort auf den kommentar von luck:

    heute vertritt nur ein sehr kleiner teil der ukrainischen bevölkerung positionen die in richtung bandera gehen. sonst wäre wohl kaum der jude selenskyi dort präsident. die rechtsextremen parteien erhalten nur wenige stimmen.
    ultranationalistisch ist hingegen das putinregime, das erklärtermaßen das ukrainische vernichten möchte und uns, auch ihnen und mir, mit atomarer vernichtung droht.
    es sollte auch nicht vergessen werden, daß stalin mutwillig eine hungersnot auslöste, den holodomor, der millionen ukrainern das leben kostete. die ablehnung des russischen imperialismus durch die ukrainer ist da sehr verständlich. gerade die russischsprachige bevölkerung im osten hat überhaupt keine lust, zur russischen kolonie zu werden. die “volksrepubliken” in donezk und luhansk wurden von russland 2014 gegen den willen der bevölkerung installiert und waren von anfang an fürchterliche diktaturen.
    die russische armee führt nachweislich einen krieg gegen die ukrainische bevölkerung. wohnhäuser, krankenhäuser, einkaufszentren werden bombardiert und zivilisten mit drohnen gejagt. im besetzten teil der ukraine wird ähnlich vorgegangen wie es einst die deutschen besatzer in polen taten.

    im übrigen wird in der ukraine nicht nur bandera, sondern auch der anarchist nestor machno von einem großen teil der angeblich so nationalistischen ukrainer als volksheld verehrt (wenn auch eher nicht von den gleichen leuten wie bandera). die multiethnische machnobewegung steht nach meiner meinung für den bisher erfolgreichsten versuch eines freiheitlichen sozialismus, welcher leider von lenins und trotzkis armee vernichtet wurde.
    https://de.wikipedia.org/wiki/Machnowschtschina

    ich erlebe ukrainische flüchtlinge ständig im regensburger alltag und kann sie mir beim besten willen nicht als völkische nationalisten vorstellen. hingegen plant die von ihnen verharmloste AFD die abschaffung unserer liberalen demokratie und möchte deutschland zu einem vasallenstaat des russischen faschismus machen. teile der autoritären linken wünschen sich ähnliches.

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  • Manfred van Hove

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    @ Luck
    Putin kann einem wirklich leid tun, wurde er doch durch übermächtige Kräfte gezwungen, den Donbass einzunehmen nebst 25 % des ukrainischen Staatsgebiets. Genauso könnten sie erzählen, dass Hitler gezwungen war, in Polen einzumarschieren.
    Das Putinregime ist eine neofaschistische Diktatur, die ihren Machtbereich ohne Rücksicht auf Verluste ausdehnen will. Wenn wir dieses Regime nicht in der Ukraine aufhalten, wird Putin ganz Europa in Brand setzen wie einst Hitler. Man muss ihm nur zuhören. Er sagt deutlich, was er vor hat.
    Stalin hat in der Ukraine ca. 2 Millionen Hungertote zu verantworten. Putin versucht dieses Ziel durch Bomben zu erreichen.

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  • Lucas van der Hoeven

    |

    Frau W.L. van der Hoeven – Sadée / UNRRATeam 120 Regensburg 1946.
    Hier einige Details aus dem Artikel selbst – den wir in Kürze veröffentlichen möchten.

    ============== Zwischen dem 20. Februar und dem 7. Oktober 1946 schrieb Wil Sadée etwa vierzig Briefe und Notizen an ihren Verlobten Franciscus (Fran) van der Hoeven. Aufgrund der Relevanz ihres Inhalts wurden schließlich neunzehn dieser Briefe für diese Untersuchung verwendet. Die handschriftlichen Briefe sind die einzigen erhaltenen Primärquellen, die Berichte aus erster Hand über Sadées Zeit bei der UNRRA und ihr Arbeitsumfeld enthalten. Ihr Verlobter Fran van der Hoeven, an den die Briefe gerichtet waren, war Arzt und Facharzt für Neurologie in der Weiterbildung. Während Sadées Einsatz in Deutschland mit der UNRRA leistete er seinen Wehrdienst als Reservearzt in Nijmegen bei den wiederaufgestellten niederländischen Streitkräften ab. Während seines Dienstes konnte van der Hoeven auch seine medizinische Weiterbildung fortsetzen.
    Bild 2 – Wil Sadée (erste Reihe, stehend, dritter von links) mit anderen Mitgliedern des UNRRA-Teams 120 in Regensburg, 1946.
    Bildquelle: Urheber unbekannt, 1946; persönliches Fotoalbum von Wil Sadée, Archiv von Lucas F.M. van der Hoeven.
    Am 30. November 1945, viereinhalb Monate vor Wil Sadées Ankunft in der Stadt, befanden sich Berichten zufolge 7.532 registrierte Displaced Persons in Regensburg. Davon waren 6.293 in UNRRA-Siedlungen und 1.239 in privaten oder städtischen Unterkünften oder in Lagern anderer Hilfsorganisationen untergebracht. Am 30. Juni 1946, als Sadée in Regensburg arbeitete, belief sich die Zahl der registrierten Binnenvertriebenen auf 11.710, von denen 8.291 in UNRRA-Lagern lebten. Ihr Arbeitsplatz während ihres gesamten Einsatzes war das UNRRA-Aufnahmezentrum für Binnenvertriebene in der Siedlung Ganghofer-Siedlung südwestlich des Stadtzentrums. Das Zentrum, das größte in Regensburg, bestand vom 24. Januar 1946 bis zum 30. September 1949 und befand sich im Bezirk Nr. 3 der US-Besatzungszone.
    ============================Tabelle 1 – Vertriebene des UNRRA-Teams 120 nach gemeldeter Nationalität Anfang 1946. Herkunft, Nationalität oder Status: Siedlung Ganghofer Wolkering
    Polen 1.099 39
    Belarusier 380 8
    Staatenlose* 2.605 –
    Litauer 1.389 –
    Ukrainer – ° 283
    Letten 198 1
    Andere 58 10
    Gesamt 5.729.341
    *Die meisten dieser Ukrainer stammen aus der Westukraine und aus Ostgalizien, die im Herbst 1939 und erneut im Sommer 1944 von der Sowjetunion besetzt wurden. Die sowjetische Staatsbürgerschaft, die den Bewohnern dieser Gebiete während der ersten sowjetischen Besatzung 1939–1941 verliehen worden war, wurde mit dem Einmarsch Nazideutschlands und der anschließenden Besetzung dieser Gebiete 1941–1944 für ungültig erklärt. Andere ukrainische Flüchtlinge, die noch über sowjetische Staatsbürgerschaftsdokumente verfügten, vernichteten diese, um der erzwungenen Rückführung nach dem Krieg in die Sowjetukraine zu entgehen.
    °Nicht explizit aufgeführt, aber faktisch unter „Staatenlos“ zu verstehen.

    Quelle: Tabelle erstellt vom Autor am 4. August 2025 auf Grundlage des Inspektionsberichts des Lagers für Displaced Persons, Oberstleutnant Chauncey Brooks, 23. Februar 1946: 2, und des Inspektionsberichts des Lagers für Displaced Persons, Major Robert B. Fulton, 25. Februar 1946: 2.
    ===================================
    Sehr geehrte Damen und Herren, ich besitze viele Fotos aus ihrer Zeit in Regensburg. Es gibt sogar ein spezielles Buch über die verschiedenen polnischen, ukrainischen und weißrussischen Pfadfindergruppen, die meine Mutter gegründet hat usw.
    Auf Wunsch sende ich Ihnen gerne Kopien dieser Fotos und Gegenstände zu.

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