Hindenburg - Bismarck - Schaidinger

Ein ehrwürdiges Gscheidhaferl

Oberbürgermeister a. D. Hans Schaidinger wurde am Samstag die Ehrenbürgerwürde verliehen. Sein Amtsnachfolger Joachim Wolbergs hielt eine durchaus gesalzene Laudatio.

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Keine Frage – es ist ein Machtmensch, der da auf der Bühne steht. Einer, der schon viel erlebt und entschieden hat. Das Gesicht spricht die Sprache einer politischen Laufbahn, die immer hohen Zielen galt. Die männlich-markante Halbglatze und der charakteristische Blick sind ein Segen für jeden Karikaturisten und ein Wiedererkennungsmerkmal, das in früheren Wahlkämpfen gern aufgegriffen wurde.

Die Rede ist natürlich von Joachim Wolbergs, der, frei nach Batman, der Oberbürgermeister für Regensburg ist, den die Stadt verdient. Verdient nach 18 langen Jahren Hans Schaidinger, in der so einiges schief, aber auch richtig viel gut lief.

Für Schaidinger läuft’s richtig gut

Davon erzählt Wolbergs in seiner Laudatio am Samstag (der komplette Text). Denn für Schaidinger läuft’s auch nach seinem Abtritt von der kommunalpolitischen Bühne richtig gut. Im September beschloss der Stadtrat auf Vorschlag von Wolbergs einstimmig, dass ihm die Ehrenbürgerwürde verliehen wird.

Zum Stadtfreiheitstag, an dem sich Regensburg traditionell über kommunale Selbstverwaltung und Freiheit, Freiheit, immer wieder Freiheit freut, wurde dem OB a. D. die Ehrenbürgerurkunde feierlich überreicht. Das passt – ist der Festakt doch traditionell ein Ort, an dem Politiker ehemaligen Politikern unter dem Applaus des freien Bürgertums Orden anstecken.

Hans Schaidinger bekam am Samstag die Ehrenbürgerwürde verliehen. Fotos: ld.

Hans Schaidinger bekam am Samstag die Ehrenbürgerwürde verliehen. Fotos: ld.

Bismarck – Hindenburg – Papst – Strauß – Schaidinger

Die Schaidinger zuteilwerdende Ehre ist nichtsdestotrotz etwas Besonderes. Schaidinger, so laudatiert Wolbergs, reihe sich immerhin ein in eine Linie von Ehrenbürgern wie „Otto von Bismarck, Paul von Hindenburg, Papst Benedikt XVI. und Franz Josef Strauß“. Dazu passend widmet sich Wolbergs ausführlich den vielen preußischen Tugenden seines Amtsvorgängers – Fleiß, Genauigkeit, Ordnungssinn, Zielstrebigkeit.

Amüsant-spitzfindig klingt es, wenn Wolbergs Schaidinger attestiert, dessen Tag konnte dann „mit Schwung und Elan beginnen“, wenn er früh „ein winziges Detail besser wusste“ als ein Mitarbeiter. Der Kommentar, Schaidinger sei 1996 mit „respektablen 51,2 Prozent“ als Oberbürgermeister gewählt worden – ein Wink mit dem Zaunpfahl?

Immerhin kann sich Wolbergs seinerseits an ein bequemes Wahlergebnis von über 70 Prozent anlehnen. Klar, Schaidinger brauchte bei seiner Kür zum OB nur einen Wahlgang, Wolbergs erreichte sein Traumergebnis erst im zweiten – dennoch: Der „erste Bürger“ genießt und spricht.

OB Joachim Wolbergs hielt eine gesalzene Laudatio.

OB Joachim Wolbergs hielt eine gesalzene Laudatio.

Ein bisschen Laudatio, ein bisschen Verbalwatschn

Immer wieder bringt sich der amtierende OB in seiner Rede denn auch selbst ins Spiel. Er vergleicht Inhalt und Form seiner Arbeit mit der Schaidingers, betont Meinungsverschiedenheiten in der Vergangenheit und was er an Schaidingers Stelle anders gemacht hätte (zum Beispiel den Kauf der Hypo Alpe Adria). Nicht zu kurz kommt aber auch der „Respekt“ für Schaidingers Geradlinigkeit – auch eine preußische Tugend.

Stadträte habe Schaidinger manchmal behandelt „wie die Schulbuben“. Die Medien hätten von Schaidinger das Bild eines „Machers“ gezeichnet, der auf Gesprächspartner, „die ihm in punkto Kompetenz nicht das Wasser reichen“ konnten, „mit zynischer Verachtung herabblickte“. Ein preußisch tugendhaftes Gscheidhaferl mit Hang zur Bürokratie – ein bisschen Laudatio, ein bisschen Verbalwatschn?

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Danke könnt ihr später sagen

Als Schaidinger mit stehenden Ovationen bedacht wird, da er endlich zu Wolbergs auf die Bühne im Historischen Reichssaal und seine Urkunde – einen Orden gibt es keinen – in Empfang nehmen darf, da ist der Machtmensch mit der Halbglatze und dem charakteristischen Blick in seinem Element. Er sieht aus wie einer, der viel erlebt und viel entschieden hat. Es sei schön, sagt der Oberbürgermeister außer Dienst, dass sein Nachfolger aus dem Vollen schöpfen könne. Klingt wie: Das Volle, das war übrigens ich. Danke könnt ihr später sagen.

Ohne Frage: Hans Schaidinger hat Regensburg zum prosperierenden Wirtschaftsstandort ausgebaut. Dass dabei das Soziale manchmal auf der Strecke blieb, genau wie vieles im Bereich von Kunst und Kultur, dass der Ex-OB häufig Interesse für Anliegen vermissen ließ, die ihm unwichtig erschienen, lässt Wolbergs in seiner Rede durchaus anklingen – mal mehr, mal weniger diskret.

Joachim Wolbergs hat übrigens nicht vergessen, zu erwähnen, dass er in 18 Jahren gerne an derselben Stelle stünde. Nicht an seiner, sondern an Schaidingers.

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Kommentare (15)

  • Luchs

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    Was für eine Komma- und Bindestrichorgie! Immerhin bekommt man einen Eindruck, was Wolbergs gesagt haben könnte. Aber was ist in der Hans wohl schiefgelaufen?

  • Stefan Aigner

    |

    @Luchs

    Wir haben noch nen Link zur kompletten Laudatio eingebaut.

  • summertime

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    @ aigner

    Ist euch eigentlich schon aufgefallen, das eure Kommentarspalte noch in der Sommerzeit läuft?
    „Stefan Aigner
    18. November 2014 um 13:17″|

  • Stefan Aigner

    |

    @summertime

    Ist geändert. Merci.

  • erik

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    Hier nochmal zur Erinnerung, meine Sicht auf diese Vorgänge! Der BayernLB Skandal, der größte Schaden für das bayrische Staatswesen seit Hitler. Der Schaden, offiziell 3.700.000.000 Euro andere Quellen sprechen von 10.000.000.000 aber vielleicht sind es ja sogar noch viel viel mehr, wer weiss das schon und die die es wissen wollen es nicht sagen, und zumal man in Bayern von den offentlich-rechtlichen und diversen privaten Arschkriechermedien wenn überhaupt wie ich meine nur manipulierte und zensierte Information, die von der Obrigkeit freigegeben wurden, zum fressen vorgeworfen bekommt. Ich vermute der Schaden ist noch viel höher, da über diese Vorgänge so gut wie überhaupt nicht mehr berichtet wird und versucht wird Gras über sie Sache wachsen zu lassen, es wird wohl mit der Vergesslichkeit der Fussvolks spekuliert. Ich habe ausgerechnet, der Umfang der Erde im Äquator beträgt 40.075 km, ein 10 Euroschein hat eine Länge von 12,5 cm, nimmt man 3.700.000.000 Euro sind das 370.000.000 Zehn-Euro-Scheine. Nimmt man die 370.000.000 Zehn-Euro-Scheine und nimmt diese mal 12,5 und teilt man durch 100 cm und durch 1000 m bekommt man 46250 km. Also einmal um die ganze Welt und noch ein Stück weiter. Ein gescheiterter Rechtsstaat, der wie sich hier gezeigt hat, der doch nur auf dem Papier besteht und eine gescheiterte, weisungsgebundene Parteibuch-Justiz, die der eigenen Brieftasche immer ein Stück näher ist als den Gesetzen, so mein Eindruck, und noch viel schlimmer, eine sich im Zustand einer apathischen Gleichgültigkeit befindlichen Gesellschaft, die es sich geschafft hat dem perfiden Umtrieben und Machenschaften einen Riegel vorzuschieben, selbst in Österreich, das von der Zusammenarbeit mit den bayrischen Parteibuchpfosten nur profitiert hat, müssen die Politiker mit mehr Strafverfolgung und Konsequenzen rechnen als in Bayern. Wer dachte die Parteibuchwedler würden für den Schaden gerade stehen, der wurde schnell des besseren belehrt! In Bayern hat der Untertan für den Wasserkopf zu bluten, das war schon immer so! Folglich zahlt der Bayer bzw. Bayerin zweimal, einmal für den Schaden und einmal für die überaus fette Politikeraltersversorgung, wodurch die Politiker für ihr Versagen noch belohnt werden! Ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, dass sich im immerwährenden Kräftemessen zwischen Gut und Böse, Himmel und Hölle, Licht und Schatten, Virus und Antivirus, Bakterium und Penicillin das Anständige und Aufrichtige die Oberhand gewinnt und euch und eure Stützpfosten, die euer Lügengebäude jetzt noch stützen, zur Verantwortung zieht!

  • blauäugig

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    @erik: Ihr Kommentar wird durchs wiederholte Posten nicht besser, und beim anderen vom 16.11., 13:30 Uhr nicht mal passender.
    Richtig übel ist Ihre Aufzählung gegen Ende:
    „Gut und Böse, Himmel und Hölle, Licht und Schatten, Virus und Antivirus, Bakterium und Penicillin.“
    Anders als Sie halte ich Virus und Bakterium für bekämpfenswert, nicht Antivirus und Penicillin. Während Sie andere als Stützpfosten bezeichnen, sind Sie ein Vollpfosten.

  • besorgte bürgerin

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    Wolbergs bezeichnet seinen Ziehvater und Vorbild als durchsetzungsfähigen Macher, der sture Entscheider, der Widerspruch nur ungern geduldet hat und gerne mit zynischer Verachtung auf andere herabblickte, die ihm in punkto Kompetenz nicht das Wasser reichen konnten. Wenn das die Voraussetzungen sind, Ehrenbürger dieser Stadt zu werden, dann müssen wir weg von hier!

  • besorgte bürgerin

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    Wolbergs hat den Bau der Arena zu den Verdiensten von Schaidinger gezählt. Da kann ja noch richtig Geld versenkt werden. Gerade muss ich lesen, dass für die Büroräume in der Arena Regenburg 7,50 pro qm gezahlt werden. Endlich gibt es auch bezahlbaren Gewerberaum für die FiFA. Das hat der Schai‘ für den Wolli geschickt eingefädelt. Und das bißchen Defizit von 3 MIo pro Jahr, ist für einen Oberbürgermeister-Anfänger schon ganz gut, da hat der Schaidinger ganz andere Summen geschafft (s.o.). So große Fußstapfen halt. Mene Mene Tekel Upharsin.

  • Mathilde Vietze

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    Respekt Wolli! Deine Rede hat sich wohltuend
    abgehoben, von dem verlogenen Lobgehudel,
    das bei derlei Anlässen oft zu hören. ist.
    Du hast Schaidinger so charakterisiert, wie er
    wirklich ist. Du hast ihn gelobt, aber nicht idealisiert
    und Du hast ihm auch keinen Honig um den Mund
    geschmiert, ganz im Gegenteil. Ein absolut glaubwürdiger
    Akt der Ehrung.

  • Eduardo

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    Man sollte nicht unerwähnt lassen, dass dem ehem. OB für die Tätigkeit/Arbeit/ Last über den gesamten Zeitraum etwa 4,2 Mio Euro überwiesen wurden. Gut davon gehen noch die Steuern weg.

  • Jobst Resi

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    Das mit ‚Paul von Hindenburg‘ find ich schon toll. Mal schaun wie lange er noch in der Ehrenbürgerliste bleibt?

  • Sumpf der Verehrung

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    Die heimtückische Verhaftung und Ermordung Röhms durch Hitler 1934 kommentierte Hindenburg mit diesen Worten: „Sie haben das deutsche Volk aus einer schweren Gefahr gerettet.“ Ein Sumpf der Verehrung der Macht, um den Preis von Recht und Menschlichkeit.

  • Lothgaßler

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    Ach, die alte Mär vom Politiker, dem der „Aufschwung“ zu verdanken ist.
    Sehr selektiv, die Wahrnehmung der Pluspunkte. Aber irgend etwas außer Eitelkeit muss die Ehrenbürgerwürde schließlich begründen. In einer Laudatio (dt. Lobrede) sollte eigentlich nicht gestänkert werden. Wenn man schon jemanden ehrt, dann ohne Hinterfotzigkeit.
    Ich-Bezüge des Laudators deuten leider auf dessen eigene Eitelkeit hin. In Zukunft wird besser ein anderer Laudator erwählt.
    Alle hauptamtlichen Amts- und Würdenträger werden fürstlich entlohnt für ihren nimmermüden Einsatz um das Wohl der Bürgerinnen und Bürger in Stadt und Land. Diese Klientel sollte deshalb aus dem Kreis möglicher Ehrenbürger ausgeschlossen werden. Bei diesem Ansatz wäre die Liste der ehemaligen Ehrenbürger um einige Peinlichkeiten kürzer.

  • wahon

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    Die Ehrenbürgerwürde sollte grundsätzlich nur nach abgeschlossener Lebensleistung verliehen werden, weil man erst nach dem Tod eines Menschen summarisch feststellen kann, was er wirklich geleistet hat und ob seine Leistung „ehrenhaft“ war.

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