Tagung zu Kirchenasyl

Ein Rekord, mit dem sich die Staatsregierung nicht brüstet

Am 16. April findet der 23. Studientag Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl in Regensburg statt. Bayern liegt mit der Hälfte aller Kirchenasyle bundesweit an der Spitze.

„Kirchenasyl ist einfach nötig, um fürchterliche Härtefälle zu vermeiden.“ Stephan Reichel, Koordinator für Kirchenasyl bei der Evangelischen Landeskirche

„Kirchenasyl ist einfach nötig, um fürchterliche Härtefälle zu vermeiden.“ Stephan Reichel, Koordinator für Kirchenasyl bei der Evangelischen Landeskirche

„Viele Politiker haben mittlerweile gemerkt, dass das Kirchenasyl nicht staatsbedrohend ist“, sagt Max Hutzler. „Wir helfen dem Staat, sein humanitäres Gesicht zu wahren.“ Der Sprecher der katholischen Friedensinitiative pax christi hat heute in den Josefssaal der Pfarrei Herz Jesu geladen. Hier soll am übernächsten Wochenende der 23. Studientag Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl des Ökumenischen Kirchenasylnetzes Bayern stattfinden. Zu den Gastrednern gehört unter anderem SZ-Innenpolitik-Chef Heribert Prantl.

„Dazu muss man nicht politisch sein.“

„Wir wollten mal nicht nach München oder Nürnberg, sondern in Regionen, wo wirklich die Musik spielt“, sagt Stephan Reichel. Regensburg habe ein äußert großes und engagiertes Netzwerk an ehrenamtlichen Helfern, etwa bei Campus Asyl, so der Koordinator der Evangelischen Landeskirche für Kirchenasyl. Und angesichts der dezentralen Unterbringung in Bayern seien es gerade die ländlichen Regionen, in denen einerseits viel in der Flüchtlingsarbeit geleistet und anderseits am häufigsten Kirchenasyl gewährt werde. Reichel: „Das sind jetzt nicht unbedingt die Zentren des linken Aktivismus. Dazu muss man auch nicht politisch sein. Das regt die Menschen einfach aus ihrem christlichen Selbstverständnis auf.“

"Kirchenasyl ist ein selbstgewähltes Gefängnis." Pfarrer Martin Müller

„Kirchenasyl ist ein selbstgewähltes Gefängnis.“ Pfarrer Martin Müller

Rund 350 Mal wurden Flüchtlinge im vergangenen Jahr im katholischen oder evangelischen Kirchenasyl untergebracht. „Wir haben in Bayern immer die Hälfte aller bundesweiten Fälle. Das ist ein Rekord, mit dem sich die Staatsregierung jetzt nicht so brüstet.“

„Eher härtere Gangart in Bayern“

Das liege zum einen an der „eher härteren Gangart“ der bayerischen Verwaltungsgerichte, die häufiger Abschiebungen anordnen würden, als in anderen Bundesländern, so Reichel. Zum anderen daran, dass nach Bayern überproportional viele Vertreter „besonders vulnerabler Gruppen“ kämen, die besonderen Schutz benötigen. Reichel nennt Syrer, Jesiden, Kurden aus dem Irak, Eritreer und Afghanen. „Und zum dritten, und das ist die gute Nachricht, liegt es daran, dass es hier eine sehr engagierte Bevölkerung und gut funktionierende kirchliche Strukturen gibt gibt.“

In Stadt und Landkreis Regensburg gab es in den letzten zwei Jahren insgesamt zwölf Fälle, in denen Familien und Einzelpersonen in Klöstern und Pfarrgemeinden untergebracht wurden. In der Gemeinde Herz Jesu, im Osten der Altstadt, kümmert sich Pfarrer Martin Müller seit bereits 21 Monaten um eine Frau, die vor kurzem entbunden hat. Müller bezeichnet Kirchenasyl als „selbst gewähltes Gefängnis“. Betroffene, die von Abschiebung bedroht sind, begeben sich in Schutzräume, die ihnen von den Kirchen gewährt werden und deren Unverletzlichkeit derzeit von den Behörden akzeptiert wird. Verlassen können sie diese Räume nicht.

Die Angst vor Dublin III

„Die meisten Menschen, die kommen, suchen Schutz vor kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit durch unsere Kriegs- und Waffenindustrie bedingt sind.“ Max Hutzler

„Die meisten Menschen, die kommen, suchen Schutz vor kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit durch unsere Kriegs- und Waffenindustrie bedingt sind.“ Max Hutzler

Es sei vor allem die Angst der Betroffenen, gemäß dem Dublin III-Abkommen – Asylverfahren werden dort durchgeführt, wo ein Flüchtling zuerst europäischen Boden betreten hat – zurück nach Ungarn oder Bulgarien abgeschoben zu werden. Dorthin, wo sie zum Teil unter erbärmlichsten Bedingungen untergebracht sind, Asylverfahren nicht nach den üblichen Standards ablaufen und von wo es regelmäßig Berichte über Misshandlungen, auch durch die Behörden, gibt, so Elisabeth Reinwald von pax christi. Fast täglich bekomme sie Anrufe, in der Menschen sie um Hilfe und einen Platz im Kirchenasyl bitten. „Wenn man von diesen Schicksalen erfährt, kann man fast nicht mehr schlafen.“

Einer Friedensbewegung wie pax christi stehe es denn auch gut zu Gesicht, sich in diesem Bereich zu engagieren, ergänzt Max Hutzler. „Die meisten Menschen, die kommen, suchen Schutz vor kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit durch unsere Kriegs- und Waffenindustrie bedingt sind. Deswegen müssen wir diesen Menschen auch helfen.“

Informelle Vereinbarung mit dem BAMF

Seit Februar gibt es mit dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge eine informelle Vereinbarung. Nach sechs, im längsten Fall nach 18 Monaten trete bei Menschen, die von Dublin III-Abschiebungen betroffen sind und so lange im Kirchenasyl Zuflucht suchen die Bundesrepublik in das Verfahren ein. Dann wird in Deutschland darüber entschieden, ob ein Anspruch auf Asyl besteht oder nicht. „Im vergangen Jahr habe ich so 39 von 40 Fällen durchgebracht“, erzählt Reichel.

"Die Kircheleitungen sollten mehr ermuntern." Pfarrer Walter Steinmaier

„Die Kircheleitungen sollten mehr ermuntern.“ Pfarrer Walter Steinmaier

In der rechtlichen Grauzone sieht er das Thema Kirchenasyl schon lange nicht mehr. „Kirchenasyl ist Gewohnheitsrecht. Früher konnte man exkommuniziert werden, wenn man es nicht gewährt hat.“ Und abgesehen von der NS-Herrschaft habe der Staat dieses Gewohnheitsrecht, trotz Säkularisation im Jahr 1803, auch immer weitgehend geduldet, auch wenn es durchaus abweichende juristische Meinungen gebe. „In aller Regel versuchen wir, diese Option zu vermeiden. Aber Kirchenasyl ist einfach nötig, um fürchterliche Härtefälle zu vermeiden.“

Der Nürnberger Pfarrer Walter Steinmaier, dessen Gemeinde 1989 wegen der Gewährung von Kirchenasyl zu einem Bußgeld von 250 Mark verurteilt wurde, sieht hier mittlerweile einen Sinneswandel bei der Politik. „Das Engagement für Flüchtlinge im Allgemeinen und das Kirchenasyl im Speziellen seien „ein Gegenentwurf zum brennenden Flüchtlingsheim“. „Deswegen wird es jetzt mehr toleriert.“ Mehr Engagement erwartet Steinmaier sich von den Kirchenleitungen. Diese könnten wesentlich mehr tun. „Sie sollten Gemeinden mehr ermuntern, Kirchenasyl zu gewähren. Im Moment ist man da noch recht zurückhaltend.“

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Kommentare (15)

  • menschenskind

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    „Das liege zum einen an der ‚eher härteren Gangart‘ der bayerischen Verwaltungsgerichte, die häufiger Abschiebungen anordnen würden, als in anderen Bundesländern, so Reichel.“

    Es ändert sich einfach nix bei uns. Der CSU-Staat hegt den fragwürdigen Ehrgeiz uns Bayern weiterhin das Image des intoleranten Hardliners zu verpassen, vor allem nach all dem, was mal war (und immer noch ist).

    Gewiss ist es schön, dass Privatleute über mehr Herz als der CSU-Staat verfügen, und sich für von der Abschiebung bedrohte Individuen einsetzen. Traurig hingegen ist, dass um dieses Herz mit Seele zu erfüllen, ausschließlich der Weg über die Kirche (ausgerechnet jene Kirche mit jener Vergangenheit und jener pädophilen Gegenwart!) beschritten werden kann.

    Welch Widersinn, welch Paradox!

  • joey

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    „Die meisten Menschen, die kommen, suchen Schutz vor kriegerischen Auseinandersetzungen, die mit durch unsere Kriegs- und Waffenindustrie bedingt sind. Deswegen müssen wir diesen Menschen auch helfen.“

    Nein.
    Ich habe keine Waffenindustrie.
    Zudem wurden die schlimmsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte mit sehr primitiven Waffen durchgeführt, in Ruanda mit simplen Macheten, in Jugoslawien, Syrien, Libyen mit allerlei russischem Zeug. Westafrika ist traditionell von Frankreich versorgt. Saudi Arabien hat eine G3 Fabrik sind das nun deutsche Waffen…? In Pakistan werden deutsche MG 3 ohne Lizenz in Hinterhöfen nachgebaut…

    Kirchenasyl mit seiner homöopathischen Menge lindert nur ein wenig das schlechte Gewissen, daß es uns so gut geht. Es ist also ein Asyl fürs Gemüt linksdrehender Christen, zahlenmäßig kann der Staat die paar Einzelfälle locker mitnehmen. Man könnte sagen: wenigstens das.

    Aber die grundlegende Problematik, daß so viele Menschen auf dieser Welt mit guten Gründen nach Deutschland wollen, ist nicht lösbar. Weil 1+1 nicht 5 ist.
    Wir können Geld drucken (und irriger Weise meinen, daß das ewig so weitergeht), aber keine Lehrer und keine Grundstücke.

    Da lasse ich mir nicht von ein paar Kirchenleuten ein schlechtes Gewissen einreden. Die können exkommunizieren wen sie wollen: Es gilt das weltliche Gesetz für Muslime und für Christen und sonstige. Wenn ein Moralapostel eine demokratische Mehrheit für seine Position findet, ist es ja ok. Er kann auch privat die Rechnung zahlen, so kann jeder in Deutschland aufnehmen, wie viele er will und kann.

  • bayernsbestfriend

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    „Ich habe keine Waffenindustrie.
    Zudem wurden die schlimmsten Verbrechen der letzten Jahrzehnte mit sehr primitiven Waffen durchgeführt, in Ruanda mit simplen Macheten, in Jugoslawien, Syrien, Libyen mit allerlei russischem Zeug. Westafrika ist traditionell von Frankreich versorgt. Saudi Arabien hat eine G3 Fabrik sind das nun deutsche Waffen…? “

    Sie machen es sich arg einfach, @joey!

    Jedes Jahr verkauft Deutschland für mehrere Milliarden Euro Waffen und Rüstungsgüter in alle Welt – mehr als jedes andere Land in Europa…
    Anteil der Drittländer aller Einzelausfuhrgenehmigungen: Der Anteil der Drittländer als Empfängerländer bleibt mit rund 60,5% auf einem Höchststand (2013: 61,7%). Vor 10 Jahren lag dieser Wert rund 20% niedriger. Unter den Top 10 Empfängerländern sind 8 Drittländer; dies unterstreicht die enorm hohe Bedeutung von Ländern außerhalb von NATO und EU als Empfänger deutscher Rüstungsgüter. In die Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrikas gingen insgesamt Rüstungsexporte im Wert von 1,342 Mrd. Euro und damit ein Drittel aller Einzelausfuhrgenehmigungen…
    http://www.waffenexporte.org/

    Empfängerländer, zumeist Drittweltländer:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Deutscher_R%C3%BCstungsexport#Empf.C3.A4ngerl.C3.A4nder

    Deutsche lassen ihre Waffen im Ausland herstellen:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Diskussion:Deutscher_R%C3%BCstungsexport#hekler_und_koch_und_das_ausland

    Medienberichten zufolge hat die Bundesregierung erneut Waffenexporte in Krisengebiete und an menschenrechtsverletzende Staaten erlaubt. Das habe Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dem Wirtschaftsausschuss des Bundestags in einem Schreiben mitgeteilt. So dürfe Airbus jetzt beispielsweise 23 Hubschrauber nach Saudi-Arabien und fünf nach Thailand liefern.

    Der Firma Heckler & Koch habe der Bundessicherheitsrat unter anderem die Lieferung von 1.210 Maschinengewehren und -pistolen in den Oman und 130 vollautomatischen Gewehren und Maschinenpistolen an die Vereinigten Arabischen Emirate genehmigt. Zudem habe er dem Verkauf von 387 vollautomatischen Gewehren und 100 Maschinenpistolen nach Indonesien, 400 Maschinenpistolen nach Trinidad und Tobago, 15 Maschinenpistolen und Gewehren nach Jordanien und 193 Gewehren und Maschinenpistolen in den Kosovo zugestimmt…
    http://www.aufschrei-waffenhandel.de/Informationen.288.0.html

  • joey

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    @bayernsbestfriend
    die teuren deutschen Waffen kriegt normalerweise die Königs-/ Präsidentengarde als Dekoration für die nächste Parade. Die 15 Maschinenpistolen nach Jordanien sind wohl im privaten Schießkeller von Abdallah gelandet, eine Fluchtwelle löst damit keiner aus.
    Flüchtlingswellen aus dem Oman sind mir nicht bekannt, Saudis beantragen seltsamerweise kein Asyl in der Maximilianstraße München.
    Welche Menschenrechtsverletzungen durch Hubscharuber sind aus Thailand bekannt?

    Saudische Truppen – deren jordanische Söldner – kämpfen im Jemen und vertreiben dort massenhaft Menschen. Frage: warum kommt von dort keiner? Weil die nicht das Geld für Schlepper haben. Die wenigen korrupten Superreichen aus dem Jemen haben ihr Geld in „Panama“, die Masse der Menschen hat nicht einmal ein Brot für morgen.

    Was zu uns flieht, ist in hohem Anteil die Mittelschicht aus korrupten Ländern, die ihr Leben verbessern möchte. Daneben gibt es noch Kriminelle, die von der Mittelschicht das Geld für die Schleppung erpreßt oder geraubt hat. Ja, es gibt auch die männlichen Erstgeborenen, die mit dem Geld des ganzen afghanischen Clans hierher kommen um später mit Familienzusammenführung einen Nachzug der Familie ins Sozialsystem zu ermöglichen – Hartz4 ist für Afghanistan ein paradiesischer Zustand.

    Das alles hat nichts mit deutschen Waffen zu tun, sondern mit smartphones aus China, die im wüsten Jemen nur noch nicht weit verbreitet sind.

    Dabei möchte ich nochmal betonen, daß Deutschland nicht so gut und schön ist, weil hier Deutsche, Weiße oder irgendwelche Herrenmenschen leben, sondern weil hier eine gewisse Ordnung, funktionierende Demokratie und Stabilität herrscht und in Generationen (mit dem Geld dieser Generationen) eine technische und soziale Infrastruktur aufgebaut wurde, die weltweit ziemlich an der Spitze steht.
    Würde man nun auch nur einen kleinen Teil der global wirklich Hilfsbedürftigen (Milliarden) aufnehmen, würde diese Ordnung schlicht zusammenbrechen, z.B. Deutschlands Krankenhäuser müßten sich finanzieren wie die in Burkina Faso: rein privat (Medizin kriegt nur wer zahlt) oder mit Hilfsgeldern aus Deutschland…

    Manche machen es sich da viel zu einfach. Die Probleme dieser Welt sind nicht mit einem Zimmer im Pfarrhaus lösbar.

  • bayernsbestfriend

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    @joey

    Sie überlesen wohl grundsätzlich all das, was nicht in Ihr Weltbild passt, hm ?

    Extra für Sie die wichtigsten Facts nochmal:

    Jedes Jahr verkauft Deutschland für mehrere Milliarden Euro Waffen und Rüstungsgüter in alle Welt – mehr als jedes andere Land in Europa.

    In die Staaten des Mittleren Ostens und Nordafrikas gingen insgesamt Rüstungsexporte im Wert von 1,342 Mrd. Euro und damit ein Drittel aller Einzelausfuhrgenehmigungen.

    Die größten Waffenlieferanten der Welt sind die Vereinigten Staaten von Amerika, gefolgt von Russland, Deutschland, Frankreich, Großbritannien und China.
    (Deutschland, das kleine Deutschland, auf Platz DREI!)

    Wiki zählt als Empfängerländer u.a. auf:
    Algerien, Ägypten, Chile, Ecuador, Georgien, Griechenland, Indien, Indonesien, Brasilien, Argentinien, Irak, Iran, Jordanien, Kolumbien, Litauen, Mexico, Norwegen, Pakistan, Philippinen, Spanien, Südafrika, Somalia, Syrien, Thailand, Türkei, Ukraine.

    Somit beliefert Euer Germany quasi sämtliche Kriegsherde dieser Welt mit dem Tod (der bekanntlich ein Meister aus Deutschland ist, nach wie vor).

    Medienberichten zufolge hat die Bundesregierung erneut Waffenexporte in Krisengebiete und an menschenrechtsverletzende Staaten erlaubt. Das habe Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel dem Wirtschaftsausschuss des Bundestags in einem Schreiben mitgeteilt.

    Deutschland lässt seine Waffen in Italien und anderswo bauen, um Regierungsauflagen bezüglich Lieferungen in Krisenregionen zu unterlaufen.

    Die von mir angegeben Links geben weitere Auskünfte über den germanischen Waffenwahn. Lesen sollte man halt nicht nur können, sondern auch wollen, joey.

    Der Tod aus Deutschland vertreibt die Menschen aus ihren Heimatländern, die Menschen begeben sich auf die Flucht. Deutschland ist somit sehr wohl verantwortlich für die Vertreibung und es bezahlt seine Verantwortung mit der Aufnahme von Flüchtlingen. Ich finde das nur recht und billig.

    Stoppt endlich euren Rüstungswahn, und ihr werdet sehen, es werden weniger Flüchtlinge. Zumindest aber könntet ihr ohne eure Waffenexporte endlich ein reines Gewissen haben. Wäre das nicht eine wünschenswerte Perspektive?!

    Es ist eine Schande für euer Volk und eure Regierung, dass ihr immer noch da weitermacht, wo euer Adolf aufgehört hat, beim Herstellen von Instrumenten des Todes.

    Wenn Eure Regierung Mumm und Einsicht hätte, würde sie die Rüstungshersteller zu einer Innovationsinitiative anregen. So ähnlich, wie das mit der Schrottautoprämie schon mal funktioniert hat. Die Regierung würde die Rüstungsunternehmen auffordern, alternativ irgendwelche Innovationen zu entwickeln, in welchen Bereichen auch immer (Transportmittel, Medizin, Raumfahrt, Energie etc.), die sie allmählich von der Herstellung von Waffen abbringen könnte. So etwas würde verhindern, dass auf einen Schlag viele in der Rüstungsindustrie Tätige arbeitslos werden und die Manager auf ihre hohen Supergehälter verzichten müssten, wenn mit Krach und Bumm aus Germany endlich Schluss wäre.

    Deutschland lobt sich doch auch sonst so gern als Erfinder- und Tüftlerland, also, warum nicht auch hier der Welt einen Schritt vorausgehen und Schwerter zu Innovationsprodukten umschmieden? ;-)

  • joey

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    @bayernsbestfriend
    die links habe ich gelesen – und da stehts ja. Darf Brasilien keine Waffen haben… ist das nicht eine Demokratie? Soll Kolumbien seine Drogenhändler mit Sitzblockaden bekämpfen?
    Adolf – was hat der hier zu suchen – dessen Verbrechen wurden übrigens von Waffen(-Überlegenheit) aus den USA beendet, die nationale Friedensbewegung (weiße Rose) hat er schlicht ermorden lassen.
    Falls Sie die IS mit Literaturzitaten stoppen wollen, können Sie das tatsächlich jetzt versuchen. Bitte verzichten Sie aber vorab auf Rettungsversuche durch die Germanen und oder US Waffennarren oder eine Steinmeiersche Lösegeldzahlung, denn diese wird umgehend in Waffen sowietischer (*) Bauart umgesetzt.

    (*) zahlreiche Länder des ehem. Warschauer Pakts (z.B. Bulgarien) haben immer noch billig arbeitende Fabriken für einfaches Schießzeug, das an dunkle Käufer verhökert wird. Sowas fällt in den Statistiken nicht auf, weil illegaler Waffenhandel der Mafia (u.a. ex Geheimdienste) keine Ausfuhrgenehmigung benötigt.

  • bayernsbestfriend

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    Warum, joey, picken Sie sich gerade die Länder heraus, in denen keine Kriege geführt werden?

    Weil Sie ablenken wollen? Weil Ihnen die Argumente ausgehen? Oder weil Sie merken, dass Sie sich in eine Sackgasse manövriert haben? Oder weil Sie sich nicht sang- und klanglos aus der Diskussion verabschieden wollen?

    Ich hatte auch die Türkei (brutaler Krieg gegen die Kurden), Syrien (!), Irak (!), Somalia (!), Ukraine (!), Pakistan (ewiger bewaffneter Grenzstreit mit Indien), Indonesien („Rebellenbekämpfung“), Georgien (Bekämpfung von russentreuen Minderheiten) als Beispiele für Länder genannt, in denen Menschen mit deutschen Waffen und gegenwärtig gemeuchelt werden.
    Aber das scheint Ihnen wohl nicht allzuviel auszumachen, weil’s eben nicht in Ihr Weltbild passt. Ist es nicht so?

    Ja, ganz furchtbar, wie konnte ich nur den bösen Fauxpas begehen und Euren Hitler in Zusammenhang mit Euren wahnwitzigen Rüstungsexporten erwähnen („was hat der hier zu suchen“), warum wohl werde ich den mit genannt haben, hm?

    Gegenfrage: Kann man noch naiver fragen?

    Sie erwähnen einige osteuropäische Länder. Klar verhökern einige von denen Waffen, aber am liebsten doch – deutsche Schießprügel. Gäbe es die nicht, gäbe es bedeutend weniger zu verhökern.
    Was deren eigene (osteuropäische) Produktion anbelangt, kommt die mit der Eurigen kaum mit. Ihr seit die Champions von Platz drei, die anderen laufen erst auf den hinteren Rängen mit.

    Sie, joey, sind, so scheint’s, nicht in der Lage das ultimativ Verwerfliche von Waffen aus Deutschland zu begreifen. Also werde ich Sie erinnern müssen: Euer Deutschland hat den Ersten Weltkrieg mitverschuldet und den Zweiten Weltkrieg ganz allein verschuldet („völkerrechtswidriger Angriffskrieg“), mit der Folge von ca. 60 Mio Opfern. Kein zweites Land steht somit derart in der Verantwortung wie Deutschland – mit Kriegen und Waffen, Rüstung und Vernichtung endlich, und ein für alle Male, Schluss zu machen. Geschäfte hin oder her.

    Wenn Sie das nicht begreifen, tut es mir leid für Sie.

  • joey

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    ist nicht mein Hitler und auch nicht mein erster Weltkrieg. Im ersten Weltkrieg haben meine Vorfahren gegen Deutschland gekämpft, Hitler hat meine Großeltern deportiert.

    Ich bin froh um den Paß der Bundesrepublik Deutschland. Wenn Sie sich damit unwohl fühlen, werden Sie doch Bürger von San Marino oder dem Vatikan, denn sogar Bhutan hat Waffen… amen.

  • menschenskind

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    „Hitler hat meine Großeltern deportiert…“

    Umso schwerer verständlich, dass Sie bayernsbestfriend nicht folgen können.
    Hitler ist unser aller, die wir in Deutschland leben, schwer verdauliches Erbe. Wir können uns nicht einfach davonstehlen und so tun als ginge er uns nichts an. Wir tragen insofern mit Verantwortung für die Taten Hitlers und seiner Generation, als dass wir dazu verpflichtet sind zu erinnern und nie zu vergessen. Das sind wir den Millionen Opfern schuldig.
    Waffen, deren Herstellung, bzw. deren Export lehne ich genauso ab wie bayernsbestfriend, egal in oder aus welchem Land.
    Waffen sind ein Zeichen der Schwäche, nicht der Stärke.

  • joey

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    Nochmal: Hitler war nicht mit moralischer Stärke zu besiegen, einige haben es ja versucht. Selbstverständlich erinnere ich mich immer wieder daran, aber mit der heutigen Situation der Flüchtlinge hat das gar nichts zu tun, außer daß Judenhaß bei vielen Muslimen immer noch in nennenswerter Zahl Tradition hat und derzeit mit diesen Menschen importiert wird.

    Waffen sind einfach seit der Jungsteinzeit Fakt.
    Das Problem an Waffen ist, daß die üblen Gesellen dieser Welt auch welche haben. Primitives Zeug kann ein Pakistanischer Metaller selber bauen, Terrorbanden brauchen für Massenhinrichtungen keine Präzisionswaffen. Hochentwickelte Waffen brauchen die, die nicht quer unters Volk schießen wollen oder Flächenbombardements vorhaben.

    Wir können den Friedensbewegungs Fundamentalismus noch ewig weiterführen – wir werden wohl bei unterschiedlichen Positionen bleiben.

    Thema des Artikels war ja Kirchenasyl. Meine Kernaussage war, daß das nur gegenseitiges Schulterklopfen und schöne Überschriften produziert, aber keine wirksame Lösung bringt.

  • David

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    @ menschenskind: „Hitler ist unser aller, die wir in Deutschland leben, schwer verdauliches Erbe.“ – Nein, ist es nicht, anscheinend nur für Leute wie Sie. Wieviele Amerikaner, Israelis, Franzosen etc. wird es geben, die ständig an ihren Waffenlieferungen, Kriegen, geworfenen atomaren Bomben herumkauen? Auch Alexander der Große, inzwischen fast mystifiziert, hat nichts anderes als einen schmutzigen Krieg geführt.

  • Gondrino

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    Nicht nur Waffenexporte in Krisenregionen lösen Migrationsbewegungen aus. Es ist nur der auffälligere Teil. Viele Gebiete der Welt wurden durch westliche Politik destabilisiert (Somalia, Irak). Viele Wirtschafts- und damit Lebensgrundlagen der einheimischen Bevölkerung, vor allem in Afrika und Südamerika, wurden und werden durch westliche Konzerne zerstört. Leerfischen der Küstenregionen durch hochindustrialisierte EU-Fischfangflotten, Anbau von Soja zur Viehfutterherstellung, sklavenartige Ausbeutung in der Textilindustrie in Asien auch von Kindern sind nur einige Beispiele.
    Unser derzeitiger Wohlstand resultiert eben nicht nur auf dem sprichwörtlichen Fleiß der Deutschen, sondern vor allem auf die Ausbeutung der dritten Welt. Und wenn sich die Menschen dieser Länder in Bewegung setzen, gehen sie nur dort hin wo ihr erwirtschafteter Mehrwert schon ist. Unser Lebenswandel ist also mit schuld an der Armut und dem Hunger in der Welt, und damit auch an den wesentlichen Fluchtursachen. Wer diese Zusammenhänge nicht erkennt, wird auch kaum die derzeitige politische Situation richtig beurteilen können.

  • joey

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    @Gondrino
    es steht Pakistan etc. frei, auskömmliche Sozialnormen zu beschließen und Sozialkassen aufzubauen. Oder wenigstens Gesetze gegen Kinderarbeit.

    Die EU zahlt große Beträge für die Erlaubnis, in der Hochsee vor der Westküste Afrikas zu fischen. Die Gelder werden von den Regierungen unterschlagen und nicht an die Küstenfischer weitergegeben, denen die Fische dann fehlen. Wenn die EU die Rechte nicht kauft, kaufen sie die Russen oder Chinesen.

    Länder der 2. und 3. Welt kranken nicht (nur) an ausbeuterischem Kapitalismus durch Firmen aus der 1. Welt.
    Das Hauptproblem ist fehlende Ordnung bzw Korruption. Korruption durch alle Schichten hindurch: vom Premierminister hinab zur Straßengang, die von den Suppenküchen Schutzgeld verlangt und dafür die Polizisten schmiert.
    Diese Probleme lösen wir nicht, indem wir den Premierminister oder die Straßengang nach Deutschland holen.

  • menschenskind

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    David meinte:
    „Wieviele Amerikaner, Israelis, Franzosen etc. wird es geben, die ständig an ihren Waffenlieferungen, Kriegen, geworfenen atomaren Bomben herumkauen? Auch Alexander der Große, inzwischen fast mystifiziert, hat nichts anderes als einen schmutzigen Krieg geführt.“

    Keinen von den von Ihnen genannten kann man mit uns vergleichen. Uns Deutschen gelang es als einzigen das Mittelalter ins Zwanzigste Jahrhundert zurückzuholen.

    Schon mal was von der Einzigartigkeit der deutschen Verbrechen gehört?

    Der deutsche Holocaust war einzigartig, insofern er die vollständige Vernichtung einer Gruppe anvisierte, unterschiedslos, ob Männer, Frauen und Kinder. Niemand vor uns ist es je gelungen 1,5 Millionen Kinder zu schlachten. Auch Russen, Amis und Israelis nicht.

    Zudem, Menschen mit Abzeichen zu stigmatisieren, das gab es davor im Mittelalter in deutschen Städten und das gab’s auch (wieder) im deutschen Dritten Reich:
    https://de.wikipedia.org/wiki/Judenstern

    Eine systematische Vernichtung einer Gruppe, noch dazu nach industriellem Prinzip gab es vor dem deutschen Holocaust nicht:
    https://www.youtube.com/watch?v=d25wfzBpuN8&nohtml5=False
    https://www.youtube.com/watch?v=Dsy53Zc4Jl8&nohtml5=False

    Für den deutschen Holocaust gab es kein Vorbild, er war einzigartig und er war deutsch.
    Nur ein Volk, das derart perfekt organisieren kann, wie das unsere, steckt Menschen zunächst in Schubladen und später in Gaskammern.

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