Erstes Bauturbo-Projekt für Regensburg genehmigt: Liefern, lernen und ein fader Beigeschmack
Das erste große Bauturbo-Projekt ist genehmigt. Auch die Grünen stimmen zu, fordern aber spürbare Änderungen für die Zukunft. Der Bauturbo setze falsche Anreize für die soziale Durchmischung und verursache Kosten bei der Stadt.

Das Avia-Hotel wird abgerissen. Hier entsteht Wohnbebauung.
114 Wohneinheiten, Platz für rund 190 Menschen, eine Aufwertung für den Stadtnorden und die Vermeidung einer jahrelangen Brache, die durch die Schließung des Avia-Hotels an der Frankenstraße hätte entstehen können. Diese Punkte lassen Stadtrat Michael Schien und Oberbürgermeister Thomas Burger von einem „Leuchtturmprojekt“ sprechen, dem der Planungsausschuss am Dienstag mehrheitlich zugestimmt hat.
Es ist das erste große Vorhaben, das über den sogenannten Bauturbo genehmigt wurde. Beschleunigtes Verfahren, weniger Auflagen, weniger Kosten für soziale Infrastruktur, keine Pflicht zum sozialen Wohnungsbau. „Damit setzen wir das Zeichen, dass wir handlungsfähig sind“, betont Burger. Doch auf die Schwächen des Projekts von Investor Thomas Rosenkranz (R & E Immobilien) weisen unter anderem die Grünen hin. Sie hatten den Beschluss zum Bauturbo im Februar 2026 noch als „Kniefall vor Bauträgern“ bezeichnet.
Jetzt wird klar, warum die Bauturbo-Grenze so erhöht wurde
CSU, SPD, Brücke, Freie Wähler, FDP und der damalige Einzelstadtrat Christian Janele (CSB) hatten damals die Grenze, bis zu der das beschleunigte Verfahren des Bauturbo angewandt werden kann, massiv angehoben.
Statt des Vorschlags von Planungsreferent Florian Plajer von 2.500 Quadratmetern Bruttogeschossfläche Wohnraum standen am Ende 7.000 Quadratmeter netto, was in etwa 10.000 Quadratmetern brutto entspricht (mehr dazu). Einen Kompromissvorschlag der Grünen – 5.000 Quadratmeter brutto – lehnten CSU, SPD, Brücke, Freie Wähler, FDP und CSB ab.
Jetzt, wo die Details zu dem Projekt auf dem Avia-Areal auf dem Tisch liegen, wird klar, warum. Dessen Nettogeschossfläche von 5.859 Quadratmetern hätte sowohl den Vorschlag von Plajer als auch den Kompromissvorschlag der Grünen überschritten.
Der Eindruck: Der Beschluss wurde dem Projekt angepasst
Thomas Rosenkranz war Wortführer jenes Bauträgerbündnisses, das im Dezember 2025 in einem Brandbrief Änderungen am Baulandmodell und Anpassungen über den Bauturbo gefordert hatte.
Dass sein Vorhaben nun das erste ist, das von der deutlichen Anhebung der Quadratmeterzahl unmittelbar profitiert, hinterlässt den Eindruck, dass der Bauturbo-Beschluss dem Rosenkranz-Projekt angepasst wurde – und nicht umgekehrt. Die ersten Planungen gab es spätestens 2025.
Nur Zwei-Zimmer-Wohnungen: Infrastruktur zahlt deshalb die Stadt
Aber, wie Stadtrat Yassin Domke (Grüne) sagt: „Es hätte schlimmer kommen können.“ Domke begrüßt für seine Fraktion, dass 30 Wohnungen für betreutes Wohnen vorgesehen sind. Ebenso, dass durch den Bauturbo höher gebaut werden darf – bis zu sechs Stockwerke. Man stimme deshalb auch zu, wenn auch „vorsichtig und verhalten“.
Was Domke und seiner Fraktionskollegin Maria Simon jedoch fehlt, ist die soziale Durchmischung. 107 der 114 Wohneinheiten sind als Zwei-Zimmer-Wohnungen geplant. Der Hintergrund: die Anpassungen durch Bauturbo und das Regensburger Baulandmodell sehen vor, dass Finanzierungsbeiträge für soziale Infrastruktur bei Bauherren erst ab Drei-Zimmer-Wohnungen fällig werden.
Aufgrund dieser Regelung in Verbindung mit der aktuellen Planung übernimmt diese Kosten für eventuell notwendige Kindergartenplätze, Grünflächen und sonstige Infrastruktur nun die Stadt.
Falsche Anreize für soziale Durchmischung
Das belastet nicht nur den städtischen Haushalt, sondern setzt auch die falschen städteplanerischen Anreize im Hinblick auf die soziale Durchmischung eines Quartiers, bemängelt Simon. Da es noch weitere Brachflächen im Umfeld des Avia-Hotels gibt, die für den Bauturbo in Frage kämen, warnt Domke: „Ich glaube nicht, dass dieses Quartier ein weiteres Projekt dieser Größenordnung verträgt.“ Ähnlich argumentiert auch Lisa Brenner (Volt). Langfristig müsse auch beim Bauturbo gewährleistet sein, dass eine soziale Mischung stattfindet.
Mit Blick auf die geplante Evaluation des Bauturbo und eventuelle Anpassungen fordern die Grünen „spürbare Änderungen“ am Februar-Beschluss. „Sonst verursacht das bei uns als Stadt zusätzliche Kosten.“ Anpassungen seien ja vorgesehen, erwidert OB Burger. „Wir liefern und lernen.“
CSU-Chef lobt OB
Abgelehnt wird das Projekt von Jakob Friedl (Ribisl) und von den Linken. „Wenn die Miete zu hoch ist, dann sind mehr Wohnungen auch keine Lösung“, kritisiert Cassandra Andraschko. Friedl bemängelt die Intransparenz, die der Bauturbo mit sich bringe.
Hochzufrieden zeigt sich hingegen CSU-Fraktionschef Michael Lehner. Was „Linksradikale und Grüne“ behaupteten, sei falsch. „Das ist kein Negativgeschäft für die Stadt.“ Die künftigen Bewohner würden ebenso Steuern zahlen wie die Unternehmen, die das Projekt umsetzen.
Ausdrücklich lobt Lehner den Oberbürgermeister. Den Bauturbo-Beschluss im Februar habe man „ganz gut miteinander durchgebracht“.
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