„Für eine dezentrale, erneuerbare Energiewende in Bürgerhand“

„Den Landkreis Regensburg bis 2030 zu hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen, ist realisierbar.“ „Jahrhunderthochwasser“ in immer kürzeren Abständen, Temperaturen, die sich nicht entsprechend der Jahreszeiten „verhalten“ … Wetterextreme bleiben keine Ausnahme mehr. Nicht nur das Institut für Klimafolgenforschung in Potsdam wertet dies als deutliches Zeichen für den Klimawandel, dessen tatsächliches Ausmaß uns erst noch bevorsteht. „Die Energiewende, der Umstieg auf die Nutzung erneuerbarer Energien muss jetzt passieren, wenn wir unseren Kindern eine lebenswerte Zukunft sichern wollen“, fordert Tanja Schweiger, MdL. Dies gelinge am besten über eine dezentrale Energieversorgung, die nicht an die Interessen von Stromkonzernen gekoppelt sei – in der Hand der Bürger. Im Rahmen ihrer Themenreise „Im Blick: Lebensqualität in unserer Region“ lädt die Kommunal- und Landespolitikerin der Freien Wähler zu einem Besuch in den Solarpark der Bürger-Energie-Genossenschaft (Bengel-KEH e.G.) ein, um aufzuzeigen, wie Bürger die Energiewende selbst in die Hand nehmen können.   Jeden Tag verbrennen wir so viel Kohle, Gas und Erdöl, wie die Natur in einer Million Tagen geschaffen hat. Dadurch entstehen täglich zusätzlich 150 Millionen Tonnen CO2, das Haupt-Treibhausgas, mit dem sich die Atmosphäre aufheizt. Immer mehr Wasser verdunstet, die Luftfeuchtigkeit steigt. Es kommt zu starken Niederschlägen und heftigeren Überschwemmungen… Energieverhalten und Klima lassen sich nicht losgelöst voneinander betrachten. Der Klimawandel und seine Folgen sind bereits im Gange: „Wir müssen jetzt handeln. Die Energiewende kann nicht weiter vertagt, sondern muss zu einer Bewegung werden, die die Bürger in die Hand nehmen,“ mahnt Tanja Schweiger an. Leicht ist die  Überzeugungsarbeit und Einsicht in die Notwendigkeit nicht: Zuviel sei in der Politik oft aufgrund eigennütziger Interessen zerredet worden, die sich schlecht durchschauen ließen. Rechnungen würden nicht vollständig aufgemacht: „Natürlich kostet der Umstieg auf die Nutzung erneuerbarer Energien viel Geld; von den immensen Steuergeldern aber, die zum Beispiel für Atom und Kohle aufgewendet werden, redet niemand. Was wäre die Alternative? Keine Energiewende? Das bedeutet eine Zukunft, die ich mir nicht ausmalen möchte.“   Knapp werdende fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas und damit steigende Energiepreise zwingen zum Umdenken. Eine regionale, effiziente Versorgung durch erneuerbare Energien – im Einklang mit Mensch und Natur – macht unabhängig von Energieimporten und steigenden Preisen. Die Nutzung regenerativer Energien kann zudem ein Job-Motor gerade auch für den ländlichen Bereich sein. In Deutschland sind dank Ökostrom in den letzten Jahren über 370.000 neue Stellen entstanden.   Die regionale Wertschöpfung in der Region Regensburg z.B. könnte bei voller Ausschöpfung des Potentials an erneuerbaren Energien einer Studie der Universität Jena zufolge, im Landkreis Regensburg bei 228 Mio. Euro und in der Stadt Regensburg bei 167 Mio. Euro pro Jahr liegen. Die FREIEN WÄHLER haben mit ihrer Regionalen Energieoffensive lange vor Fukushima ein Konzept zum Umstieg auf erneuerbare Energien vorgelegt.   Energiewende in Bürgerhand: die Bürger-Energie-Genossenschaft (Bengel-KEH) macht es vor   In Deutschland liegt über die Hälfte der Anlagen, die erneuerbare Energien produzieren, in Bürgerhand. Der Vorteil: Eine dezentrale Energiewende, die von den Menschen vor Ort entschieden und getragen wird, erfährt eine andere Zustimmung in der Region. Wie das gehen kann, lässt sich gut an der Bürger-Energie-Genossenschaft (Bengel-KEH e.G.) aufzeigen. In diesen Tagen feiert ihr Solarpark in Saalhaupt bei Bad Abbach sein einjähriges Bestehen. Vorstandsmitglied Harald Hillebrand berichtet, dass dank einer Leistung von 1,749 MWp 1.400 Personen mit regenerativ erzeugtem Strom beliefert werden. 296 Mitglieder, die miteinander Einlagen von knapp über einer Million Euro erbracht haben, gehören der Genossenschaft an. Über drei Mio. Euro wurden durch die Genossenschaft bereits in der Region investiert. „Wir hatten genau zum richtigen Zeitpunkt den richtigen Riecher. Durch die rechtzeitige Fertigstellung konnten wir noch eine angemessene Einspeisevergütung erhalten. Das Wichtigste für die regionale Wertschöpfung ist der Ertrag, den die Anlage abwirft.“   Ein wichtiger Anstoß zur Gründung der Bürger-Energie-Genossenschaft kam von Tanja Schweiger, ergänzt Harald Hillebrand: „Ich überlegte damals wie man die Energiewende im Landkreis Kelheim am schnellsten umsetzen könnte. Direkt, wie das ihre Art ist, meinte sie, ’na, dann mach’s halt selbst.‘!“   Wichtige Voraussetzungen für eine Energiewende Um die Energiewende in der Region voranzubringen, nennt Tanja Schweiger bestimmte Voraussetzungen, die erfüllt sein müssen: •   Alle Bürgerinnen und Bürger sollen die Möglichkeit haben, sich an der Energiewende zu beteiligen und mit zu entscheiden, wie diese vor Ort umgesetzt werden kann. •   Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG), das die Einspeisevergütung garantiert und für 67 Länder weltweit – darunter China und Indien – als Vorlage diente, muss für die Umstrukturierung des Strommarkts erhalten bleiben. Bürgergenossenschaften benötigen Planungs- und Finanzierungssicherheit, wenn sie in erneuerbare Energien investieren. •   Die Befreiung von der Umlage des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes, die international            tätige Unternehmen aufgrund der Wettbewerbsfähigkeit in Anspruch nehmen können, muss strenger überprüft werden. •   Die Energiewende muss gerecht gestaltet werden.   „Ich wünsche mir, dass wir es schaffen, den Landkreis Regensburg bis 2030 zu hundert Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien zu versorgen.“ Die Kosten, die jetzt mit der Energiewende anfallen, sind in erster Linie Investitionskosten. Das Geld bleibt in unserer Region und Sonne und Wind kosten uns nichts“, hält Tanja Schweiger von den Freien Wählern fest.
 
 

Hintergrundinformationen

In Auftrag gegeben hat die Landtagsfraktion die Analyse bereits 2010. Durchgeführt wurde sie vom renommierten Thüringer Institut für Nachhaltigkeit und Klimaschutz (ThINK) in Jena. Dabei wurden Bestand, Potentiale, Umsetzungschancen und Hemmnisse beim Einsatz erneuerbarer Energien in Bayern bezogen auf die einzelnen Landkreise ausgewertet. Die Studie ist nach wie vor aktuell.

Think-Studie Teil 1

http://www.fw-static.de/fileadmin/fw/landtag/DOKUMENTE/11-03-30_Energie/ThINK_Teil_1_Erneuerbare_Energien_in_Bayern_30.03.2011.pdf

Think-Studie Teil 2

http://www.fw-static.de/fileadmin/fw/landtag/DOKUMENTE/11-03-30_Energie/ThINK_Teil_2_Erneuerbare_Energien__in_Bayern_30.03.2011.pdf

Think-Studie Teil 3

http://www.fw-static.de/fileadmin/fw/landtag/DOKUMENTE/11-03-30_Energie/ThINK_Teil_3_Anhang_Erneuerbare_Energien_in_Bayern_30.03.2011.pdf

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Kommentare (8)

  • Töpfer

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    Ach Datko,

    Sie sind so zu bemitleiden, dass es mir schon von der Ferne im Kopf weh tut!

    Hätte die Kohl und Schröder Regierung in den 90ger Jahren das getan, was die Gutachter damals schon erkannten, nämlich in den Netzausbau zu investieren, dann wäre jetzt der Strom um 10 Cent günstiger!!!

    Aber diese Herren sind nun mal geschmierte Hanseln der Big Four! Und jetzt haben wir den Salat!!!

    Im Übrigen: können Sie sich noch an den Kohlepfennig in den 80ger Jahren erinnern???

    3 Mrd. DM Subventionen, für eine Energiegewinnung, die nur negativ ist…

  • Jochen Schweizer

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    Das EEG hat dafür gesorgt, dass die Strompreise gestiegen sind in Deutschland und dmait zu den zweit höchsten in Europa gehören.

  • Töpfer

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    Herr Schweitzer, das ist nur die halbe Wahrheit!

    Das EEG hat dafür gesorgt, dass die EE ausgebaut wurden!

    1) Wäre gleichzeitig auch der Netzausbau vorangetrieben worden, so könnte heute der volle Strom aus EE genutzt werden und müsste nicht verramscht werden an der Leipziger Strombörse!!! => Das führt dazu dass die Stompreise angestiegen sind!!!

    2) Würde man die EEG-Umlagenbefreiung für alle Betriebe abschaffen, dann wäre die Umlage weniger als die Hälfte!

    Diese oberflächliche Diskussion erinnert an die Diskussion bei Einführung der Ökosteuer. Da hieß es auch, wir sind die Dummen und zahlen mit Abstand am meisten für den Liter Benzin… … Komisch dass in Italien der Liter schon immer viel teurer war…

    Und im Übrigen: Der Landwirtschaft wird seit 1992 jährlich pro Hektar 300 € Flächenprämie bezahlt, das sind irrsinnige Mrd. Beträge die hier geflossen sind, die nicht notwendig sind. Die Fürstin z.B. kassiert dadurch jährlich Millionen € Subventionen.
    Dieses Geld könnte gerne dafür verwendet werden, sozial Schwachen, die sich den Strom nicht mehr leisten können, wie Sie und Herr Datko es anscheinend sind, zu unterstützen.

    Kleine Beispielrechnung: 4500 kWh/a für 4-Personenhaushalt, bei 5 Cent/kWh macht 225 €/a.

    Jetzt nehme ich mal die Flächenprämie die Herr Graf Lerchenfeld (Köfering) jährlich bekommt, es sind ca. 360 Hektar x 300 € macht 108.000 € im Jahr…

    Davon alleine könnten 480 4-Personenhaushalte unterstützt werden… … von der Fürstin und allen anderen Landwirten möchte ich gar nicht sprechen…

  • Joachim Datko

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    Subventionen sind meist schädlich

    Es gibt eine üble Propagandamaschine der Photovoltaik-Profiteure, die die öffentliche Meinung fest in der Hand haben. Es ist eine regelrechte Stampede, man sieht vor lauter Staub und Emotion nicht mehr wohin man läuft. Wenn sich dann der Staub legt, kann man eine Blick auf die Stromrechnung werfen und jammern.

    Auswirkungen:

    – Die deutschen Solarfirmen gehen im Subventionsrausch unter

    – Wir subventionieren den Ausverkauf von Technologie

  • Töpfer

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    Ohne Subventionen (Bafög) hätte ich nicht studieren können…

    Ohne Subventionen würden noch mehr Rentner, die 40 Jahre und länger geschufftet haben in Armut sein (oder glauben Sie wirklich, dass die Rentner von den heutigen aktiven Arbeitern bezahlt wird, hier läuft schon lange eine Quersubvention, Stichwort Ökosteuer)

    Ohne Subventionen wären noch weniger Kitas vorhanden

    Ohne Subventionen hätten wir wahrscheinlich 30 % weniger Gewerbe und Industrieansiedlungen…

    Lieber Herr Datko,

    wahrscheinlich sind Sie Freiberufler…, ja die gehören schon längst rangenommen, zahlen am wenigsten ins System ein, nutzen das System voll aus!

    Noch ein Beispiel: Automobilindustrie: Ich denke es war mal beschlossen, dass bis 2015 die deutschen Automobilhersteller nur noch Karossen mit einen Ausstoß von 90 g CO2 produzieren dürfen…

    Dies wurde nun von der Regierung aufgeweicht bis 2020 (da sieht man welche Lobby die Regierung im Griff hat)

    Die Automobilindustrie verdient ein Heidengeld jedes Jahr, man hätte die 2015 lassen sollen, wenn sie dann trotzdem Karossen produzieren über 90 g, dann sollen sie pro Gramm drüber eine Gebühr in einen Fonds bezahlen. Dieses Geld soll dann für saubere Energieinvestments genutzt werden…

    Wir haben jetzt die Möglichkeit, etwas zu ändern, wer hier nicht mitzieht, macht sich strafbar gegenüber seiner Kinder und Nachkommen…

  • Joachim Datko

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    Wir leben von den Leistungsträgern!

    Zu Töpfer 03.06.13 – 11:02

    „[…] Die Automobilindustrie verdient ein Heidengeld jedes Jahr, […]

    In Deutschland werden jeden Tag über 80 Millionen Menschen versorgt. Das kann man nur über die Industrie gewährleisten.

    Die Industrie bringt uns Wohlstand.

  • töpfer

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    Endlich mal ein richtiger satz!

    Ja Industrie bring uns Wohlstand! Aber auch die Industrei ist subventioniert, oder sind Sie hier anderer Meinung???

    Was nun?

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