Archiv für 10. Juni 2013

Es ist schwer zu begreifen: Der 22jährige Mann – nennen wir ihn Markus M., den ein Schläger-Trio 2012 durch Siegenburg geprügelt und anschließend der Kälte einer Februar-Nacht überlassen haben soll, muss weiter neben der Großmutter von zweien seiner Peiniger wohnen. Als ALG II-Empfänger und in seiner momentanen Verfassung ist es ihm derzeit kaum möglich, eine neue Wohnung zu finden. Weil die Miete zu hoch ist, wird sie zudem vom Amt nicht in voller Höhe übernommen. Siegenburg1Am zweiten Prozesstag wurde unter anderem der Betreuer von Markus M. vernommen. Der junge Mann leidet an einer Persönlichkeitsstörung, die sich den Aussagen seines Betreuers zufolge seit der Tat deutlich verschlimmert hat. „Vorher konnte er sich selbst darum kümmern, eine neue Wohnung zu bekommen. Das würde ich ihm heute nicht mehr zutrauen.“ Markus M. sei „unbeständiger“ und emotional instabiler geworden. „Er geht sehr schnell hoch.“ Darüber hinaus leide er unter Angstzuständen und traue sich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr zu benutzen. „Als ich ihn vom Krankenhaus abgeholt habe, habe ich extra nachgefragt, ob er tatsächlich entlassen werden kann, weil er so grün und blau geschlagen war“, so M.s Betreuer. Wie berichtet, soll das Trio M. über eine Stunde lang unter Demütigungen durch Siegenburg geprügelt und getreten haben. Auf einem Feld, außerhalb des Ortes, überließ man den Schwerverletzten schließlich seinem Schicksal. Das mutmaßliche Motiv: Hass auf Schwule oder Menschen, die man dafür hält. Markus M. beschreibt sich selbst als transsexuell.

Das Opfer will Distanz zwischen sich und Siegenburg bringen, aber…

Mehrfach habe M. sich seitdem freiwillig in Therapie begeben, unter anderem nach Erlangen. „Er wollte eine gewisse Distanz zwischen sich und Siegenburg bringen“, so sein Betreuer. Diese Distanz ist jedoch bislang nicht von Dauer. Nach wie vor lebt Markus M. in Siegenburg in der Wohnung neben der Großmutter von Tobias und Lothar B.. Eine Situation, bei der Konflikte vorprogrammiert sind. „Es wäre besser, wenn er aus Siegenburg wegziehen und neu anfangen könnte“, so der Betreuer. In der momentanen Situation sei dies allerdings kaum zu schaffen. Das Opfer beschuldigt die beiden Brüder – insbesondere den 20jährigen Tobias – die treibende Kraft bei den Schlägen und Demütigungen gewesen zu sein, denen er in jener Nacht ausgesetzt war. Bestätigt wird dies auch durch die Aussage des dritten Angeklagten Daniel A.. Er habe versucht, die beiden zu bremsen, so A. bei seinen Einlassungen am ersten Verhandlungstag. Gleichwohl hat auch er zugeschlagen und -getreten.

„Die Brüder B. außer Rand und Band“

Ein Kripo-Beamter, der am Montag vernommen wurde, berichtete von einem Anruf von A.. Der 24jährige habe „sichtlich nervös“ erzählt, dass die „beiden Brüder B. außer Rand und Band gewesen“ seien und es wohl schlimmer hätte kommen können, wäre er nicht dazwischen gegangen. Weil Markus M. diese Version am Freitag im Wesentlichen bestätigt, gleichzeitig aber eingeräumt hatte, dass er Geld von den Familien der Täter gefordert hatte, behauptete nun eine Freundin des angeklagten Brüderpaares auf Facebook, dass von Daniel A.s Familie wohl Geld geflossen sei. Das berichtet die Mittelbayerische Zeitung.

Bestechungsvorwurf via Facebook

Am Vormittag (von unserer Redaktion war erst am Nachmittag jemand vor Ort) wurden deshalb zunächst die junge Frau – die für diese Behauptung keinerlei Beweise hatte – und anschließend die Mutter von Daniel A. vernommen. Sie bestritt dem MZ-Bericht zufolge jegliche Zahlungen an M., erklärte allerdings, dass sie ihn angezeigt habe, weil dieser ihre Familie bedroht und Geld gefordert habe. „Wir haben uns ausgesprochen und ihm gesagt, dass Daniel das, was er verbockt hat, selbst ausbaden müsse“, so die 45jährige zum Gericht. Ähnliche Auseinandersetzungen gab es – laut Aussage von Markus M. – offenbar mit Familie B.. Der Prozess wird am Montag nächster Woche fortgesetzt.

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