Hilferuf aus der Regensburger Markthalle: Zwei erfolgreichen Gastronominnen droht unverschuldet der Ruin
Die City’s Garden GmbH in der Markthalle am Dachauplatz ist insolvent und muss die Flächen räumen. Die Verpächterin Stadtwerk will sich von dem Konzept verabschieden und sucht nach einer neuen Nutzung. Zwei Untermieterinnen, deren Betriebe gut laufen, stehen dadurch vor dem Ruin.

Shweta Padney und Hanaa Jaf hoffen auf Unterstützung von Stadt und Stadtwerk – doch die ist nicht in Sicht. Foto: as
Shweta Padney und Hanaa Jaf haben nichts falsch gemacht. In der Markthalle am Dachauplatz haben sie binnen eines Jahres zwei gut laufende Gastronomiebetriebe aufgebaut – mit Topbewertungen bei Google und anderswo. Sie investierten Zeit und fünfstellige Summen und zahlten die Miete pünktlich. Jetzt stehen beide vor den Trümmern ihrer wirtschaftlichen Existenz.
Grund ist die Pachtkonstruktion, über die das Stadtwerk Regensburg als Eigentümerin die Markthalle seit jeher vermietet. Ein Generalpächter soll das Markthallen-Konzept tragen und verpachtet in Eigenregie Flächen an kleinere Betriebe. Es sei aus Sicht der Vermieterin vorteilhaft, nur einen Ansprechpartner zu haben, heißt es vom Stadtwerk.
Vertrag für fünf Jahre, immer pünktlich gezahlt – doch das hilft alles nichts
Für die Untermieter ist dieses Konzept fatal. Denn nun ist dieser Generalpächter, die City’s Garden GmbH, insolvent und muss die Markthalle wegen Zahlungsrückständen räumen. Mit ihr müssen auch alle kleineren Betriebe gehen – Jeeny Oriental Mix Kitchen von Hanaa Jaf und das Streetfood-Restaurant Chaat Hof von Shweta Padney. Und das, obwohl beide eigentlich einen Pachtvertrag über fünf Jahre hatten.
Von der insolventen City’s Garden GmbH ist keine Entschädigung zu erwarten. Das Stadtwerk sieht sich juristisch nicht zuständig. Abgesehen davon, die Räumung für die betroffenen Untermieter „ein Stück weit nach hinten zu verlegen“, sieht man keine Möglichkeit, ihnen entgegenzukommen. Zunächst stand die Räumung bis Ende November im Raum. Nun soll es unter Umständen erst im nächsten Jahr so weit sein.
Ein dauerhafter Weiterbetrieb aber scheint ausgeschlossen. Das Stadtwerk will dort kein Markthallen-Konzept mehr verfolgen, wie Sprecher Martin Gottschalk mitteilt. „Ein solches ist nun leider zum zweiten Mal gescheitert.“ 2024 hatte der letzte Generalpächter aufgegeben.
Zwei Musterbeispiele für gelungene Integration
Die Geschichten von Shweta Padney (28) und Hanaa Jaf (50) könnten unterschiedlicher kaum sein und haben doch eines gemeinsam: Beide sind nach Deutschland gekommen, um sich zu integrieren und sich etwas aufzubauen.
Shweta Padney kam vor zwei Jahren aus Indien. Sie hat einen Studienabschluss als Business Analyst, fünf Jahre Gastronomieerfahrung und spricht fließend Deutsch.

Bestens bewwertet und viele Stammgäste: das Chaat Hof von Shweta Padney. Foto: as
Sie hat ihr Geschäft durchkalkuliert. Trotz vergleichsweise hoher Pacht von rund 2.300 Euro wirft es inzwischen Gewinn ab. Sie beschäftigt zwei Mitarbeiter. Doch die 70.000 Euro, die sie investiert hat, haben sich binnen eines Jahres nicht amortisiert. Ein Lokal anderswo kann sie nicht eröffnen. „Ich kann mir die Ablöse nicht leisten. Mein Geld steckt hier drin.“
Hanaa Jaf kam vor zehn Jahren aus dem Irak und besitzt inzwischen die deutsche Staatsbürgerschaft. Sie hat einen Diplomabschluss in Recht und Management, kann aber in diesem Bereich nicht arbeiten, weil hier Sprachniveau C1 verlangt wird. Jaf spricht gutes Deutsch, musste weiterführende Kurse jedoch zurückstellen, um sich abwechselnd mit ihrem Mann um den behinderten Sohn zu kümmern.
Statt eigenem Laden jetzt zum Jobcenter?
Mit dem Jeeny Oriental Mix, benannt nach ihrer Mutter, hat sie sich einen Traum erfüllt – finanziert aus zehn Jahren Arbeit von der Supermarktkasse bis zur Hotellerie und mit Unterstützung ihres Mannes, eines Bauingenieurs.
Die rund 1.800 Euro Pacht erwirtschaftet sie inzwischen. Ihr Stand mit Spezialitäten aus dem Nahen Osten wirft Gewinn ab. Auch sie hat investiert und muss das Geld erst wieder einspielen.
„Wenn ich hier raus muss, lande ich im schlimmsten Fall beim Jobcenter“, sagt sie. „Da, wo ich nie hinwollte. Aber wer nimmt jemanden mit 50 Jahren?“
Funktioniert eine Markthalle wirklich nicht?
Dass eine Markthalle mit Gastronomie am Dachauplatz nicht funktioniert, bezweifeln beide. Ihre Betriebe liefen immer besser, betonen sie. Den Fehler sehen sie im Konzept der City’s Garden GmbH mit Spritz- und Bier-Bar sowie einer Veranstaltungsfläche.

Hat sich mit dem Jeeny einen Traum erfüllt: Hannaa Jaf. Foto: as
„Es wäre zu fragen, ob diese Strategie wirksam war und ob der Großteil der vorhandenen Flächen bestmöglich genutzt wurde“, sagt Shweta Padney. Und auch, ob und welche Lehren aus dem ersten Scheitern des Markthallen-Konzepts 2024 gezogen wurden.
Stadtwerk will andere öffentliche Nutzung – und es gibt Begehrlichkeiten
Vor allem aber klingt beim Gespräch mit beiden ein Hilferuf durch: an das Stadtwerk und an den Stadtrat. Die 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadt möge einlenken und ein realistisches Angebot machen.
Mehrere Stadträte waren bereits vor Ort, um mit den beiden Frauen zu sprechen. Dem Vernehmen nach gab es auch schon eine Runde mit Stadtwerk-Chef Manfred Koller. Eine Lösung ist nicht in Sicht.
Und für die vom Stadtwerk angepeilte zukünftige öffentliche Nutzung der Fläche gibt es bereits Begehrlichkeiten verschiedener Referate – ein Verbleib der beiden scheint damit ausgeschlossen.
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Bedah
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“Ein Generalpächter soll das Markthallen-Konzept tragen und verpachtet in Eigenregie Flächen an kleinere Betriebe. Es sei aus Sicht der Vermieterin vorteilhaft, nur einen Ansprechpartner zu haben, heißt es vom Stadtwerk.” – ein hervorragendes Argument! Machen wir das doch auch im Wohnungsbau, wir geben die Grundstücke an einen großen Bauträger, der dann in Eigenregie das Aufteilen und Entwickeln übernimmt, dann hat man nur einen Ansprechpartner. Was soll schon schief gehen?