Es ist Sonntag. Egal welcher Sonntag. Ein beliebiger Sonntag des Jahres. Egal welchen Jahres. Hauptsache eines, das noch nicht gar so lange hinter uns liegt. Als Schauplatz wählen wir die Regensburger Innenstadt. Was tut der Mensch am heiligsten Tag der Woche? In die Kirche pilgern? Den lieblichen Stimmlein der Domspatzen lauschen oder ein wenig in die innersten Weiten seiner selbst hineinhorchen? Natürlich nicht.

Sonntags begibt sich der gemeine Mensch in die Stadt, um seinen Magen kubikweise mit Milchschaum anzufüllen. Die Fokussierung auf selbigen ist, so scheint es jedenfalls, zur omnipräsenten Ersatzreligion geworden. Der Milchschaum hat sich über die letzten Dekaden hinweg zu einem allerorts beliebten, dicken Ding entwickelt: Ohne das luftig-weiße Molkekissen obendrauf säuft heute keiner mehr seinen Kaffee. Es muss schon mindestens der Cappuccino sein, wenn nicht der Latte Macchiato oder am Ende gar der hippe Mokka Matcha Latte in sattem suppengrün.

Kolumne

Hinterhältige Jungfrauen und ein Anfang

„Ich bin bestimmt ein goldener Gott“, denkt das zum wortaffinen Schreiberherz gehörige Erbsenhirn und klemmt sich voller heuchelndem Tatendrang hinter den Laptop. Eine Kolumne soll es also dieses Mal sein, wie überaus interessant. Ganz blöd ist man natürlich nicht, zur Sicherheit tippt man aber doch nochmal unauffällig das Wort „Kolumne“ in die Google-Suchleiste ein und klickt etwas beschämt durch die ausgespuckten Beiträge. „Weniger recherchiert als die Glosse“, steht in den Weiten des Internets geschrieben. Ein kleiner Schauer der Erleichterung durchläuft den eigenen Corpus, schließlich klingt „wenig recherchiert“ (wie leicht sich doch bestimmte Dinge durch das Weglassen nur zweier Buchstaben in ein viel schöneres Licht rücken lassen) schon mal ganz ausgezeichnet.