Volkstrauertag in Regensburg

Kein „Volk“ mehr beim Volkstrauertag

Am diesjährigen Volkstrauertag bekannte sich Oberbürgermeister Wolbergs zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und schloss sich aktuell auf der Flucht befindende Menschen explizit in das Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt ein.

Volkstrauertag 2016 in Regensburg

Volkstrauertag 2016 in Regensburg. Foto: om

Zum Volkstrauertag wird das etwas verwitterte Kriegerdenkmal im Regensburger Stadtpark herausgeputzt. Viel Blumenschmuck, Feuerschalen und zwei als Art Wachposten fungierende, mit Sturmgewehren bewaffnete und behelmte Soldaten zieren das Denkmal. Letztere wirken inmitten der Szenerie allzu schrullig, als hätten die Coen-Brüder ihre Finger im Spiel.

Überhaupt sind sehr viele Sturmgewehre im Umlauf und in Hinsicht auf den Friedensanspruch und Gedenkpathos der Veranstaltung zumindest etwas schräg. Zum Herumtragen scheint das G36 aber wohl noch zu taugen. Neben der bewaffneten Ehrenformation der Bundeswehr befinden sich auch Feuerwehren, Landsmannschaften, Stadträte und einige interessierte Bürger im Stadtpark. Für die musikalische Unterstützung sorgen ein Domspatzenchor und das Sinfonische Blasorchester Regensburg.

Dekoration beim Volkstrauertag: Kränze, Blumen, Feuerschalen, behelmte und bewaffnete Wachposten. Foto: om

Die Krux einer Volkstrauertagsrede

„Unseren Toten“ steht auf dem Denkmal geschrieben und Oberbürgermeister Wolbergs wird in seiner Rede dieses „Uns“ sehr weit definieren, was nicht allen Anwesenden so recht gefallen dürfte. Es ist ohnehin eine Krux eine dem Anlass angemessene Rede zu halten. Hier scheint jede gewählte Begrifflichkeit besonders auf die Goldwaage gelegt zu werden. Wer wird ins Gedenken mit einbezogen, wer nicht? Von welchen Kriegsopfern reden wir überhaupt? Von zivilen oder militärischen, von den „eigenen“ oder auch den „anderen“? Von den gefallen Angreifern oder den Angegriffenen? Ist die Grenzziehung der zu Gedenken überhaupt so scharf zu ziehen?

Der Volkstrauertag ist schließlich auch seit jeher ein Tag der Relativierung, der Verklärung und Reinwaschung des deutschen Militärs. Auf jeden Fall ist er kein Tag der Differenzierung, der Frage nach politischen Zusammenhängen oder der Suche nach Gründen für Krieg, Terror und Gewalt. Der Duktus der Hauptansprache ist stets devot und emphatisch dem Militär gegenüber, verpackt in einer Sonntagsrede voller Allgemeinplätze. Und doch ist die Frage relevant wie diese Zusammenkunft von militärischen Funktionären und zivilen Amtsträgern verläuft, welche Nuancen der Oberbürgermeister in diesem eng abgesteckten Rahmen setzt.

„Militärische Einsätze können zum blanken Gegenteil von Krieg und Gewalt da sein“

Wolbergs wählt in seiner Ansprache einen durchaus interessanten Weg. Einerseits lobt er die Verfasstheit der Bundeswehr als Parlamentsarmee, die „humanitäre Einsätze“ wahrnehme und Menschen maßgeblich helfe wieder auf die Beine zu kommen – wie etwa im Kosovo. Dabei trifft er eine bemerkenswerte Aussage: „Militärische Einsätze [können] zum blanken Gegenteil von Krieg und Gewalt da sein“, so Wolbergs. Und weiter: „Wenn der politische Auftrag dazu da ist.“

Ein Konjunktiv geknüpft an die Bedingung eines „politischen Auftrags“, als sei Kriegen und (staatlicher) Gewalt die politische Dimension nicht etwa stets inhärent. Als gäbe es Kriege ohne politischen Auftrag. Ohne inhaltliche Festlegung der Bedingung bleibt dieser zentrale Satz in Wolbergs’ Rede eine absolute Leerformel.

Stehen für Frieden: Soldaten. Foto: om

Stehen für Frieden: Soldaten. Foto: om

„Wir denken an alle Opfer und Krieg und Gewalt“

Andererseits fasst Wolbergs den Opferkreis der zu Gedenkenden sehr weit. So weit, dass er den Ursprung des Volkstrauertags und die völkisch-nationalistische und militarisierte Aura, die diesen umgibt, gänzlich umdeutet. Mehrmals nimmt er Bezug zu den aktuell auf der Welt fliehenden Menschen und lässt diese Bezugnahme in seiner Gedenkansprache im nachfolgenden Satz gipfeln:


„Viele Menschen, die vor Krieg und Gewalt, vor Hunger und Elend geflohen sind, haben den langen Weg nach Europa nicht geschafft. Sie wurden getötet, sie sind verhungert oder im Mittelmeer ertrunken. Auch diese Menschen möchte ich heute in unsere Gedanken einschließen. 
Auch um sie trauern wir. Auch sie sind Opfer von Krieg und Gewalt. So denken wir heute an alle Opfer von Krieg und Gewalt.“

Noch einprägsamer macht diesen weit gefassten Opferkreis Wolbergs’ Auslegung von Krieg und Gewalt, die er ebenfalls weit fasst: „Hunger ist Gewalt. Extreme wirtschaftliche Not ist Gewalt. Armut ist Gewalt. Auch die Zerstörung der Heimat vieler Menschen durch den Klimawandel mutet wie Gewalt an.“

Das Gedenken gilt allen. Von „Volk“ bleibt da nicht mehr viel übrig.

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Kommentare (30)

  • menschenskind

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    Zum Theme Gedenken der Toten der Weltkriege erschien vor nicht allzulanger Zeit ein lesenswerter Beitrag, der zeigt, wie rasch aus Weltkriegshelden Weltkriegsgefallene werden können, bzw. wie leicht Änderungen in der Gedenkkultur herbeigeführt werden können, wenn man nur weiß wie. Ein Beispiel, dass auch an anderen Orten Schule machen sollte.
    Die Deggendorfer jedenfalls haben ihre Lektion gelernt.
    http://www.hagalil.com/2013/07/deggendorf-15/

  • erich

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    bei der Gelegenheit möchte ich auch an die Rolle der Gerichtsbarkeit während der NS-Zeit hinweisen.Ich erinnere an die Richter und Staatsanwälte am Volksgerichtshof und an die NS-Militärjustiz, die für zig tausende Todesurteile (schätzungsweise mehr als 5.200 Todesurteile vollstreckt und mindestens 22.000 Menschen als Opfer der NS-Militärjustiz hingerichtet, unzählige andere starben in Lagern und Strafeinheiten), verantwortlich waren um das nationalsozialistische System bis zum bitteren Ende zu stützen und aufrecht zu erhalten und die sich nach dem Krieg nie verantworten mussten sondern wieder höchste Positionen in der Justiz und anderswo besetzten.
    Oder an Freisler’s Witwe der mit der Begründung „ihr verstorbener Mann wäre auf Grund seiner fachlichen Qualifikation im Erlebensfall nach dem Krieg vermutlich als Rechtsanwalt oder Beamter des höheren Dienstes tätig geworden“ ihre Altersversorgung erhöht wurde.

  • dünnster Künstler

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    Gut dass Wollbergs in diesem militärischen Rahmen auf das Völkische verzichten konnte und auch Menschenrechte, Opfer von Elend, Gewalt und Abschottung hervorgehoben und Fluchtursachen benannt hat. Ich traue dem Technischen Hilfswerk eher als der Bundeswehr zu Frieden zu stiften. Wie kann es z.B. sein, dass der Kosovo immernoch ein Land ohne funktionierende Wirtschaft und Sozialsystem ist? So lange wir Waffen in alle Welt exportieren schüren wir direkt kriegerische Konflikte. Eine beispielhafte Dekonstruktion der Kultur des Kriegs-Heldengedenkens als Ehrenmal-Springbrunnen hier: http://www.boehler-orendt.com/pdfs/The_Schlock_of_Glory_TSOG_2016_web.pdf

  • erik

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    „Extreme wirtschaftliche Not ist Gewalt. Armut ist Gewalt. “
    und das aus dem Munde eines Politikers der einer Partei, nämlich der SPD, angehört, die das Massenphänomen „Armut“ durch die Politik der Agenda 2010 im Nachkriegsdeutschland wieder etabliert hat. Aber solange man Zustände in anderen Epochen oder Ländern anprangern kann, scheint für die Politik die Welt noch in Ordnung zu sein.

  • menschenskind

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    Das Image vom Weltkriegshelden ist einem erfreulichen Wandel unterworfen. Immer mehr Menschen machen sich die richtigen Gedanken über Rituale, die nicht mehr zeitgemäß sind:

    „Können Helden der Wehrmacht, wie z.B. Fliegerasse, heute noch verehrungswürdig sein und somit rechtfertigen, dass nach ihnen Straßen benannt sind/bleiben?

    Vor allem Kasernen aber auch Straßen wurden nach 1945 häufig nach Kriegshelden benannt, und später, wenn sich erwiesen hatte, dass diese Namenspatrone eine braune Weste hatten, wieder umbenannt.

    Kann es heute noch rechtfertigbar sein, dass nach Leuten, die sagen wir mal 100 Feindflugzeuge abgeschossen haben aber keine NS-Parteigenossen waren, weiterhin Straßen benannt sind oder sollte man lieber dem Argument folgen, diese Asse haben ja mit ihren „Erfolgen“ zur Verlängerung des Krieges beigetragen und somit auch das Fortbestehen des NS-Regimes gestützt, sind daher als Namenspatrone heute ungeeignet bzw.nicht mehr zeitgemäß?“
    http://www.gutefrage.net/frage/koennen-helden-der-wehrmacht-wie-zb-fliegerasse-heute-noch-verehrungswuerdig-sein-und-somit-rechtfertigen-dass-nach-ihnen-strassen-benannt-sindbleiben

  • mkveits

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    Zurecht legt Wolbergs den Gewaltbegriff WEIT aus. Richtung „strukturelle Gewalt“ (Johan Galtung), die ja auch und gerade vor Hartz IV- Empfängern (Red. auf Null) nicht Halt macht. Eine systemische Gewalt, die keinen unmittelbar Verantwortlichen kennt, die Betroffenen aber ohnmächtig zurück lässt –> Spaltung der Gesellschaften, Wut, Zorn ….
    Bei Galtung, dem Träger des Alternativen Noberpreises, lässt sich das gut nachlesen.

    Erhellend ist ein Gastbeitrag von Gauweiler in der FAZ vom 8.11.2016, den man auf seiner Webseite nachlesen kann. Dort macht er Hintergrundausführungen zum Grundgesetz und dem Einsatz OUT of AREA.
    http://www.peter-gauweiler.de/aktuelles/

  • dünnster Künstler

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    @mkveits:
    mehr zu CSU-Gauweiler siehe Wikipedia (zum Glück reichern wir in Wackersdorf heute kein Plutonium an)….

    Wehrmachtsausstellung

    Als 1997 die Wehrmachtsausstellung in München gezeigt werden sollte, startete Gauweiler eine Kampagne dagegen. Er organisierte im März eine Postwurfsendung an 300.000 Münchener Haushalte.[37] Gauweiler begriff die Ausstellung als eine bösartige Verunglimpfung deutscher Soldaten und riet dem Initiator der Ausstellung, Jan Philipp Reemtsma, er solle lieber „eine Ausstellung machen über die Toten und Verletzten, die der Tabak angerichtet“ habe.[38] Gegen die Ausstellungseröffnung durch Bürgermeister Christian Ude am 24. Februar 1997 demonstrierten Gauweiler und Mitglieder seiner Partei mit einer zeitgleich stattfindenden Kranzniederlegung am Grabmal für den unbekannten Soldaten.[39] Die Auseinandersetzung um die Wehrmachtsausstellung wurde auch vor Gericht geführt.[40] Zu den Auseinandersetzungen um die Wehrmachtsausstellung, u. a. in München, erschien im Jahr 2007 – also genau zehn Jahre nach dieser Kampagne – der Dokumentarfilm Der unbekannte Soldat von Michael Verhoeven.[41]

  • Jutta

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    Bei welcher Einheit hat denn eigentlich J. Wolbergs gedient?

  • Mathilde Vietze

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    Zu Erik: Es waren weiß Gott nicht alle SPD-Leute
    Schröder-Freunde und erst recht waren sie nicht
    mit der von Schröder verbrochenen Agenda ein-
    verstanden. Aber, was hat das mit Wolbergs zu
    tun?

  • menschenskind

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    „Als 1997 die Wehrmachtsausstellung in München gezeigt werden sollte, startete Gauweiler eine Kampagne dagegen…“

    Wie können Sie es nur wagen an Bayerns fähigstem Juristen zu kratzen, Sie „dünnster Künstler“, Sie!

    Kein anderer bayerischer Rechtsverbieger hat soviel Heu in seine Scheune einigfahrn, wie der Herr Dokta Peda Gauweila!

    https://www.welt.de/politik/deutschland/article130650249/Gauweiler-kratzt-an-der-magischen-Millionen-Grenze.html

  • Mediator

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    Der Volkstrauertag ist dem Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt gewidmet.
    An diese Opfer erinnert auch das Denkmal im Stadtpark.

    An Opfern mangelt es nicht, wenn man die Kriege des letzten Jahrhunderts betrachtet.
    Umso unverständlicher ist es, wenn dann ein Denkmal, das an diese Opfer erinnern soll, beschmiert wird. Genau dies ist in Regensburg am Wochenende passiert!

    Für eine ausgeglichene Berichterstattung wäre es wichtig gewesen auch auf diese Tatsache hinzuweisen. Schließlich handelt es sich bei diesen Schmierereien um eine Straftat, die zu Lasten aller Bürger der Stadt geht.

    Ob man jedes Jahr erneut darauf hinweisen muss, dass man persönlich die Teilnahme der Bundeswehr an dieser Veranstaltung ablehnt, dass überlasse ich jedem selbst. Diese Ablehnung hier zu äußern ist legitim, Sachbeschädigung fällt jedoch nicht unter die Meinungsfreiheit, sondern ist eine Straftat.

    Toleranz äußert sich unter anderem darin, dass man auch andere Meinungen und Ansichten gelten lässt, solange man davon nicht unangemessen beeinträchtigt wird.
    Letztendlich beruht das friedliche Zusammenleben in unserer Gesellschaft auch auf diesem Prinzip.

  • joey

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    Steinmeier wurde am Volkstrauertag zum Präsidentenelekten erhoben. Jemand, der unter „Friedenskanzler“ Schröder Diplomaten in Bagdad als Zielanweiser eingesetzt hat (Bruch jedweden Rechts und Moral), der der NSA alle Türen gegen deutsche Bürger und Firmen geöffnet hat, der als Außenminister heute an irgendwwas gegen irgendwen (deutsche Zielaufklärer) mitwirkt.

    Der große Friedensnobelpreisträger Obama (weil er schön reden kann) hat in Afghanistan und Syrien für Dauerbombardement gesorgt. Politische Aufträge gab es dazu nicht, ist ja alles Geheimdienstsache. Keine Kriegserklärung, keine Regeln, nicht einmal ein klares Ziel. Kann das Trump noch schlechter?

    Ein guter Krieg ist nur der, der irgendwann wieder aufhört. Der definierte Ziele hat, gute Begründung (z.B. Verteidigung gegen einen Angriff), … und einen parlamentarischen Auftrag.
    Parlamentarismus heißt, daß in einer Öffentlichkeit diskutiert und begründet wird. Argumente braucht Merkel und ihre Alternativlosen keine veröffentlichen, wir haben ja Werte – die man mal schnell ändert, wie man es gerade braucht.

    Der Volkstrauertag ist ein leeres Ritual. Sturmgewehre sind da lächerliches Beiwerk für politisch korrekteste Feiertagsreden. Betroffen von allem, schlimm war besonders der 3. Weltkrieg…

  • Guter Krieg?

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    Das Denkmal mit der Inschrift „Unseren Toten“ finde ich per se gruselig: Da werden die Getöteten/Erschossenen/Zerstückelten/Zerfetzten usw. auch nach ihrem Tod noch in „unsere“ Toten (unser Volk /die Guten) und die Toten der Anderen (Feinde ? Böse?) eingeteilt. Wie verkommen muss man sein, um auch noch die Toten auseinder zu dividieren ? Dieses Dummheits-mal gehört abgerissen , anstatt vor ihm Gedenk-Reden zu halten.
    Das Lob von OB Wolbergs für den 1. Kriegseinsatz der BRD als angeblich humanitäre Aktion zeugt für mich von schlecht informiert sein: Der 11-wöchentliche NATO-Krieg gegen Serbien mit deutscher Beteiligung und ohne UNO-Mandat hat zur Vertreibung der meisten Serben aus dem Kosovo geführt, und die Kosovaren sind von einem serbischen Armenhaus zum kosovarischen Armenhaus mit mafiosen Staatsstrukturen geworden. Die Mission EULEX , die dort seit vielen Jahren Rechtsstaatlichkeit herstellen soll, gilt als gescheitert. Aber immerhin haben die USA ihren größten europäischen Stützpunkt im Kosovo, so dass ich dann doch einen Sinn im damaligen Krieg sehen kann: Eine Ausweitung des NATO-Einflusses . Meine Infos habe ich aus SPIEGEL, SZ und den NachDenkSeiten im Internet. Da würden mich doch die Quellen von Wolbergs interessieren.

  • menschenskind

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    All jenen bayerischen Landsleuten, denen trotz aller Ratio (=Vernunft) Weltkrieg-II-Helden fehlen würden, wenn diese nicht mehr gefeiert werden würden (weil sie abgeschafft wurden), kann geholfen werden.

    Auch unser Bayern hat im Zweiten Weltkrieg Menschen hervorgebracht, die den Heldenstatus tatsächlich und redlich verdienen.

    Von „christlichen“ Medien, Richtern
    https://www.youtube.com/watch?v=H7yQTpadAvk
    und Politikern wurden diese Helden zwar nach 1945 häufig zu „Vaterlandsverrätern“ (bzw. zu „Schweinen“) erklärt und mussten in ihren Heimatregionen bisweilen achtgeben nicht erschlagen zu werden, aber es gab sie wirklich und erst allmählich wächst das Interesse auch an ihren Schicksalen.

    Die Rede ist von den Deserteuren der Wehrmacht, eigenen Soldaten also, die irgendwann einsahen, dass die deutsche Sache in diesem Kriege vielleicht doch nicht ganz die richtige war, und, auf welche Weise auch immer, nach einem Ausstieg suchten.

    Es hätten ruhig mehr sein können. Aber des Deutschen Haupteigenschaft ist eben seine Treue (sein blinder Gehorsam), auch Herren (z.B. dem Führer) gegenüber, die diese Treue nicht zu schätzen wissen/wussten und sie auch nicht verdien(t)en.

    Gab es unter diesen Deserteuren auch Leut, die wir geographisch zu den unseren zählen dürfen? — Ja, es gab auch solche.
    Von einem wird hier berichtet:
    http://www.hagalil.com/2011/05/wehrmachtsdeserteur/
    https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Kellnberger

    Wäre das nicht etwas für unsere Geschichtslehrer, sich mal mit so einem ganz anderen Helden zu beschäftigen?
    Den Schülern die Person des Ostbayern Kellnberger mal näher zu bringen?
    Oder auch in einer Volkstrauertagsrede eines Politikers, ein paar Worte, über die wahren Helden des Zweiten Weltkriegs zu verlieren?

    Noch werden mancherorten (private) Denkmäler für Wehrmachtsdeserteure geschliffen und beseitigt,
    https://www.youtube.com/watch?v=jZg85o2NZgo
    https://www.youtube.com/watch?v=WY28OLPB1O0
    aber den modernen Zeiten und dem modernen Gedenken werden sich die Ewiggestrigen nicht auf ewig entgegenstellen können.
    https://www.youtube.com/watch?v=aQveZrHsf60

    Hier noch ein ZDF-History Beitrag über Deserteure:

  • Mediator

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    @Guter Krieg? (15. November 2016 um 22:11)
    Zur Wahrheit gehört aber auch dazu, dass im Kosovo vor dem eingreifen der NATO nicht alles in Ordnung war und es Anhaltspunkte für ethnische Säuberungsaktionen serbischer Sicherheitskräfte gab. Weiterhin war der Krieg nicht das erste Mittel sondern stand am Ende erfolgloser Verhandlungen.

    Vor dem Hintergrund des Versagens aller europäischer Staaten während des Zerfalls der SFR Jugoslawien und den damit einhergegenden ethnischen Säuberungen und anderen Greueltaten kann man das Eingreifen der NATO durchaus anders bewerten.

    Im übrigen sind nur ihre Interpretationen der Inschrift des Denkmals gruselig. Niemand außer Ihnen dividiert hier Tote auseinander. Weiterhin sind solche Denkmäler auch schon einige Jahre alt und die Entstehung von Inschriften sollte auch im zeitlichen Kontext verstanden werden. In der offiziellen Gedenkfeier der Stadt wird allen Opfern von Krieg und Gewalt gedacht.

    Wer seiner Toten gedenkt, der wird unweigerlich auch über die Ursachen für deren Tot nachdenken und die Brücke zum Leid anderer spannen können.

    Ideologische Scheuklappen, die solche Gedenkveranstaltungen oder Militär im allgemeinen ablehnen, taugen allerhöchstens dafür, sich ein reines Gewissen vorzugauckeln.

  • joey

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    „Guter Krieg“
    muß ich wohl nochmal konkretisieren: es ist nie „gut“, andere Menschen zu töten.
    Schwache müssen aber geschützt werden, weil es Leute gibt, die das Recht des zunächst Stärkeren nutzen:
    – der NS Massenmord wurde nicht durch passives Erdulden der Opfer beendet
    – das Massaker in der UN Schutzzone Srebrenica wurde möglich, weil die Schutztruppen klar machten, daß sie diese nicht militärisch verteidigen werden.

    Ein „guter Krieg“ sorgt (möglichst schnell) für eine gewaltfreie Nachkriegsordnung. Sicherheit ist eine der Voraussetzungen für Menschenrechte und Demokratie.

    Was wir aber heute haben, sind unsichtbare Kriege. Damit sich niemand zuhause aufregt. „Sichtbar“ nur für die Opfer. Deutschland versteckt sich hinter „Aufklärungsflügen“, keiner führt eine Debatte, wer eigentlich in Syrien unterstützt werden soll und was dabei herauskommen soll.
    Ein (demokratisch) politischer Auftrag existiert dazu also nicht, nicht einmal eine erkennbare Strategie. Also ein Krieg, den man nur verlieren kann: militärisch, politisch – und moralisch.

  • menschenskind

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    „Also ein Krieg, den man nur verlieren kann: militärisch, politisch – und moralisch.“

    Mit dieser Feststellung hat unser joey völlig recht, jedoch lässt er einen Bereich außen vor.
    Es gibt neben Militär, Moral und Politik noch einen weiteren Faktor, den wichtigsten von allen, das Geld, die Wirtschaft. Und für die zahlt sich so ein Kriegchen allemal aus.

    Ned umasunst samma mia Bayern Deutschlands Champions der Rüstungsschmiede:
    http://www.augsburger-allgemeine.de/bayern/Bayern-ist-Spitzenreiter-bei-deutschen-Waffenexporten-id38678007.html

    Der Tod, der aus Bayern kam, moralfrei, politikkonform, militärgerecht und nachhaltig-ergiebig.

  • Guter Krieg?

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    @Mediator: Genau , Inschriften wie „Unseren Toten“ sind zeitgemäß zu betrachten, konkret: diese Inschrift ist in der Zeit des sog. Kalten Krieges gegen den Ostblock entstanden, und darum gehören solche Graus-Mäler auch entsorgt…
    Ahja, wenn also irgendwo zum Beispiel ethnische Säuberungen drohen, dann kommt die tolle NATO und bombt das mal weg . Oder wenn wie im Irak der Diktator Hussein (vorher vom Westen gegen den Iran aufgerüstet) angeblich Atomwaffen hat, dann machen wir mal schnell den irakischen Staat kaputt, und schaffen ein Vakuum für den folgenden IS und die Religions- und Stammeskriege von Sunniten contra Schiiten . Und in Lybien bomben wir mal den Diktator Gaddhafi weg und stürzen die „befreiten“ Menschen dort in den Horror endlosen Bürgerkriegs . Und in Afghanistan bomben wir tollen Westler in Nachfolge der Russen schon seit Jahrzehnten für freedom und democracy und kein Ende in Sicht. Überall sehe ich nur „gute Absichten“ und mörderische Folgen und dumme Rechtfertiger für noch mehr „guten“ Krieg. Wie Dr. Erös vom Kinderhilfswerk Afghanistan mal treffend sagte: Hätte der Westen seine Milliarden vorwiegend in Hilfe für den Aufbau des Landes investiert statt in Bomben auf das Land , würden die Menschen dort noch was vom Westen halten.

  • joey

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    @guter Krieg
    richtig. Lauter Kriege, die von Anfang an kein Konzept (für danach) hatten, die offenbar nie aufhören.

  • Mediator

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    @Guter Krieg? (16. November 2016 um 18:46)

    Welchen Grund haben Sie noch einmal genannt, warum man ein Denkmal entfernen sollte, dass an die Toten von Krieg und Gewalt erinnert? Ich habe Ihrem Beitrag leider nichts in diese Richtung entnehmen können.

    Gerade weil wir bereits 70 Jahre Frieden in unserem Land haben benötigt die Bevölkerung sichtbare Zeichen dafür, was Krieg anrichten kann und was der Friede für einen Wert besitzt. Krieg ist heute für uns etwas fernes, kaum vorstellbares. Die Einsätze der Bundeswehr werden aktuell in der Bevölkerung auch mehr unter dem Kosten / Nutzen Aspekt diskutiert, als unter dem Aspekt Tot und Verwundung.

    Unter anderem gehören Soldaten zu dem kleinen Kreis an Menschen in unserem Land, die noch einen direkten Bezug zu den Gefahren des Krieges haben. Soldaten erhalten auch in Deutschland ein Gehalt und werden befördert, ohne das risiko getötet zu werden oder traumatisiert in die Heimat zurückzukehren. Soldaten haben also das geringste Interesse daran, dass sie in einem Kriegsgebiet eingesetzt werden.

    Wie aber schon joey (16. November 2016 um 12:18 ) geschrieben hat gibt es manchmal keine Alternative zum militärischen Eingreifen.

    Natürlich liegt eine gewisse Verlogenheit in der Tatsache, dass nicht jede massive Verletzung der Menschenrechte in einem Land durch eine internationale Allianz unterbunden wird, sondern dass zumeist noch andere Interessen im Spiel sind. Weiterhin bietet jede Militäraktion auch die Option des Scheiterns und aus einem Land, in dem sich verschiedene Gruppen mit Hingabe ermordet haben wird auch nicht innerhalb von 10 Jahren ein Musterländle mit funktionierender Demokratie.

    Wer jedoch gar ncihts unternimmt und sich nur darüber aufregt, was dort in fernen Ländern schlimmes geschieht, der muss sich fragen lassen, wass ihm seine humanitären Prinzipien wert sind.

    In Regensburg gegen Krieg zu demonstrieren rettet kein einziges Leben in einem Bürgerkrieg.

  • erik

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    Mathilde Vietze ich werden den Verdacht nicht los, dass sie in Wirklichkeit Joachim Wolbergs sind, da sie sich immer berufen fühlen ihn bei jeder Gelegenheit in Schutz zu nehmen und zu verteidigen.

  • Ronald McDonald

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    @ dünnster Künstler 15.11.2016, 13:50h

    Ihr Gauweiler-Zitat von „der bösartigen Verunglimpfung deutscher Soldaten“ zur seinerzeitigen Münchner Wehrmachtsausstellung erfährt bei der Betrachtung des o. a. Bildes „Stehen für den Frieden: Soldaten“ ungeahnte Aktualität.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Erik“ – also, sie haben ja wirklich den
    richtigen Sinn für Humor! All Ihren Vermutungen
    zum Trotz: Es gibt mich wirklich. Und – so Sie meine
    Kommentare richtig gelesen habe, dürfte Ihnen
    nicht entgangen sein, daß ich Wolbergs nicht unter-
    stelle, daß er perfekt und fehlerfrei ist. Bei dieser
    Gelegenheit eine Frage, die Sie als weiser Zeitgenosse
    mir bestimmt beantworten können: Muß ich jedes Mal,
    wenn ich Wolbergs kritisiere, hinterher auch gleich einen
    Pressebericht schreiben? Darf ich Sie ergebenst bitten,
    mich mit Ihren Weisheiten zu beglücken? Im voraus
    meinen innigsten Dank und die besten Wünsche für Sie.

  • Mensch

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    Kommentar gelöscht. Keine Beleidigungen.

  • Mathilde Vietze

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    Zu „Jutta“ – Wen interessiert eigentlich, ob Wolbergs „gedient“
    hat; zu beurteilen ist nur seine Politik. Die kann und darf man
    kritisch sehen oder aber ihr zustimmen.

  • Mr. T

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    Also ich finde das schon sehr interessant, ob jemand gedient hat oder nicht. Und wenn, dann auch wie lange. Das sagt einiges über einen Menschen aus und bei einem Politiker fließt das auch in meine Wahlentscheidung mit ein.
    Ich nehme mal an, dass Wolbergs nicht gedient hat. Bei mir ein Plus für ihn.

  • Ronald McDonald

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    @ Jutta 15.11.2016, 14:13h

    Die „Einheit, bei der J. Wolbergs gedient hat“ war für dieses spaßpolitisch wertvolle Mitglied unseres Volkes (hier keine Witze über den Volksstamm der Ostfriesen!) selbstverständlich der Zivildienst, „der damals noch 15 Monate gedauert hat“ (hier darf für den Zivildienst-Gedienten J. Wolbergs eine Mitfühl-Träne erzeugt werden!): „… eine für mich prägende Zeit“ die „ich in der ambulanten Alten- und Krankenpflege bei der Arbeiterwohlfahrt abgeleistet [ heißt abgedrückebergert] habe … die Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit haben mich sehr geprägt und sind heute auch in meinem politischen Wirken, z. B. wenn es um pflegebedürftige ältere Menschen geht, für mich Richtschnur“ (hier keine Witze in Sachen Michlstift!).
    Selbstredend erfährt man nichts, wo und wie dieser gediente Held des Zivildienstes, womöglich sogar selbst zivildienstheldisch Hand anlegend, an den Gefechtsplätzen an den Alten- und Krankenpflegefronten der Arbeiterwohlfahrt höchstpersönlich drückebergernd gewirkt hat.
    Mutmaßlich wird er die dortige körper- und nervenkraftzehrende Zivildienst-Frontarbeit den dafür ausgebildeten Fach- und/oder auch Anlernkräften überlassen haben – natürlich in diesem unterstellten Fall nur aus rein zivildienstrechtlichen Gründen; ist doch klar, er wollte sicherlich, aber er durfte nicht.
    Immerhin haben unseren verdienten Zivildienst-Helden diese „ihn sehr prägenden Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit“ schon damals in seinem [am weltbeglückenden Humanismus orientierten] politischen Wirken „nach seiner Zivildienstzeit für kurze Zeit zum ehrenamtlichen Vorsitzenden der Arbeiterwohlfahrt“ gemacht (hier sind Witze über SPD-Netzwerkerei nicht erwünscht!)

    Gucke hier: http://www.joachimwolbergs.de/?page_id=273

  • Angelika Oetken

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    Darf ich fragen, wo Sie gedient haben, Herr McDonald?

    Viele Grüße aus Berlin-Köpenick sendet Ihnen,
    Angelika Oetken

  • dünnster Künstler

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    @Ronald Trump:
    Ich verstehe, du hast gedient. Dein Kommentar soll wohl irgendwie witzig sein, auf Kosten des Zivi-Drückebergers Wolbergs. Soll der als OB sich garnichts in seine Vita schreiben dürfen? Inhaltlich bringst du wieder einmal nur Null-Kontent zum Thema. Ich möchte nicht wissen, was in deiner Vita stehen würde, wg. Brechreiz.

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