Kirchenrechtler: "Es geht nur ums Geld."

Kirchensteuer-Dekret der Bischofskonferenz: „Weniger wert als Klopapier“

Was für ein Zufall: Wenige Tage, bevor das Bundesverwaltungsgericht die Frage entscheidet, ob man katholisch bleiben kann, ohne Kirchensteuer zu zahlen, hat die Deutsche Bischofskonferenz ein Dekret erlassen, das Gläubigen mit Konsequenzen bis hin zur Verweigerung des Begräbnisses droht. Ein Kirchenrechtler sagt nun: „Das Papier hat keinen Rechtscharakter. Es ist inhaltlicher Murks und weniger wert als Klopapier.“

Ihren Segen gibt es nur gegen Bares: Die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrstagung in Regensburg. Foto: Archiv/ Staudinger

Ist Katholik nur derjenige, der Kirchensteuer zahlt? Gibt es Seelenheil nur gegen Bares? Am kommenden Mittwoch entscheidet über diese deutsche Sonderregelung das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig. Der emeritierte Kirchenrechtler Helmut Zapp hatte sich – mit unterschiedlichen Urteilen – durch alle Instanzen geklagt. Die Entscheidung in Leipzig wird Grundsatzcharakter haben. Auch für den Regensburger Kirchensteuerrebellen Dr. Andreas Janker, über dessen Fall wir mehrfach berichtet haben.

Regensburger Kirchensteuerrebell wartet auf Leipziger Urteil

Janker hatte Ende 2009 beim Standesamt seinen Austritt aus der „Körperschaft des öffentlichen Rechts römisch-katholische Kirche“ erklärt. Daraufhin wurde er von der Diözese Regensburg exkommuniziert. Entgegen der Haltung des Vatikans, der Katholischsein vom Glauben und nicht vom Geldbeutel abhängig macht. Nach zwei Jahren – kurz nachdem der Fall vor dem obersten Kirchengericht im Vatikan gelandet war – wurde der Grund für Jankers Klage in Regensburg beseitigt und die Exkommunizierung zurückgenommen. Nun ist er wieder katholisch, soll aber auch Kirchensteuer zahlen. Das Standesamt musste seinen zwei Jahre unbeanstandeten Austritt widerrufen. Das Verfahren, das Janker deshalb vor dem Verwaltungsgerichtshof in München anstrengt, ruht bis zur Entscheidung in Leipzig. Unmittelbar vor dieser Entscheidung ist diese Woche die Deutsche Bischofskonferenz mit einem „Dekret“ an die Öffentlichkeit gegangen, dass Kirchensteuer-Verweigerern mit dem Ausschluss von sämtlichen Sakramenten droht. Auch ein christliches Begräbnis kann deshalb verweigert werden. Faktisch kommt das einer Exkommunizierung gleich. Es soll, so die Bischofskonferenz, zwei Tage vor dem Urteil in Leipzig in Kraft treten.

Das Dekret: „Kein Rechtscharakter. Murks. Irreführung.“

Ein Kirchenrechtler (Name der Redaktion bekannt), hat das Dekret für unsere Redaktion unter die Lupe genommen. Er hat bereits Gläubige vor den Dikasterien der römischen Kurie vertreten und kennt das kirchliche Gesetzbuch, den „Codex Iuris Canonici“, in- und auswendig. Zum Dekret der Bischofskonferenz sagt er: „Dieses Papier dient allein dazu, Gläubige an der Nase herumzuführen. Es hat keinerlei kirchenrechtliche Relevanz und ist inhaltlicher Murks.“ Tatsächlich beruft sich die deutsche Bischofskonferenz (DBK) darauf, dass ihr sogenanntes „Dekret“ von der „Kongregation für die Bischöfe im Vatikan“ abgesegnet worden sei. „Damit hat es die nötige Akzeptanz des universalkirchlichen Gesetzgebers“, heißt es in einer Presseerklärung der DBK.

„Mit dem Kirchenrecht nicht vereinbar.“

Falsch, sagt der von uns befragte Kirchenrechtler. Die Kongregation für Bischöfe sei für solche Fragen gar nicht zuständig. „Dort wird über die Berufung von Bischöfen entschieden.“ Wenn überhaupt, dann müsse eine solche Entscheidung von der Kleruskongregation, dem Staatssekretariat oder dem Päpstlichen Rat für Gesetzestexte entschieden werden. Oder gleich vom Papst persönlich. „Stellen, um zu klären, ob dieses Papier der Bischofskonferenz Rechtscharakter erlangen kann, gäbe es genug.“ Allerdings sei keine davon in den jetzt veröffentlichten Schreiben der DBK genannt. Bereits im Jahr 2006 hatte der Päpstliche Rat für Gesetzestexte klargestellt, dass ein Kirchenaustritt vor staatlichen Stellen nicht ausreicht, um einen Glaubensabfall zu dokumentieren und damit eine Exkommunikation und Ausschluss von den Sakramenten zu rechtfertigen. In einem Schreiben, das der Regensburger Kirchensteuerrebell Janker 2010 vom Präsidenten des Päpstlichen Rats, Erzbischof Francesco Coccopalmerio, erhalten hat, wird diese Haltung bestätigt: Die bis dahin abgegebenen Erklärungen der deutschen Bischöfe zum Kirchenaustritt sind keine bindenden Gesetze. Die 2006 vom Päpstlichen Rat festgelegten Kriterien für einen Ausschluss aus der katholischen Glaubensgemeinschaft gelten auch für Deutschland. Ähnlich scheint es auch mit dem aktuellen „Dekret“ zu sein. „Alles andere ist auch mit dem Codex Iuris Canonici nicht vereinbar“, sagt der Kirchenrechtler. Die Erklärung der DBK laufe sämtlichen Grundsätzen zuwider, die von der katholischen Kirche in diesem Zusammenhang „in den letzten 250 Jahren aufgestellt wurden“.

„Die Bischöfe lassen die Hosen runter“

Zum aktuellen Kirchensteuer-Dekret der DBK gibt es aus dem Vatikan bislang keine Aussage. Um tatsächlich Rechtskraft zu erlangen, müsste es im „Kirchlichen Amtsblatt des Vatikan“ veröffentlicht werden. Bis zum 24. September, dem Tag, an dem das Dekret laut DBK in Kraft treten soll, ist das ohnehin nicht mehr zu schaffen. Versuchen die Bischöfe mit ihrer Erklärung Einfluss auf das Urteil in Leipzig zu nehmen? Werden die Gläubigen von den Bischöfen wissentlich belogen? Die Aussage des Kirchenrechtlers ist deutlich: Es gehe nur darum, bei Gläubigen den Eindruck zu erwecken, ein Austritt aus der Körperschaft öffentlichen Rechts sei schlimm und habe Folgen für das Seelenheil. „Mit ihrem sogenannten Dekret lassen die deutschen Bischöfe endgültig die Hosen runter. Es geht ihnen nicht um Recht oder Moral, um Glauben oder Seelenheil. Es geht nur ums Geld.“

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Kommentare (28)

  • Bernd Lauert

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    Glauben mag schön sein, kann jeder tun, egal ob daheim oder beim Aldi an der Kasse…
    Nicht schön ist ein Verein mit seinem selbstgekröntem Kaiser der sich wundert wenn man sich heutzutage den gelinde gesagt, Mist, von unbefleckter Empfängnis nicht mehr erzählen lässt.
    Schön sind für mich die die Nächstenliebe und Toleranz leben anstatt Sonntags stramm zu stehen.
    Und:Glauben heisst nicht wissen. Wir haben aber eine Wissensgesellschaft….

  • hanbav

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    Immerhin konsequent: Die deutsche Niederlassung ignoriert nicht nur deutsches Recht (Arbeitsrecht, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit), sondern auch das der Mutter-Gesellschaft.

    Und logisch ist es auch: Sie bauen ihre eigene Welt mit eigenen Regeln. Schon immer und per Definition. Realität ist ihnen kein Maßstab und war es nie. Kann auch nicht sein. Weil die Anerkennung der Realität zur sofortigen Auflösung des Vereins führen würde.

  • Matthias Beth

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    Die Bischöfe wollen bei den Gläubigen Katholiken den Eindruck erwecken, ein Austritt aus der Körperschaft öffentlichen Rechts sei schlimm und habe Folgen für das Seelenheil. Wer in dieser Republik glaubt den daran ncoh, dass das Seelenheil von der Zhalung einer Kirchensteuer abhinge? Es geht hier nicht um das Seelenheil des Einzelnen, der Moral der Gemeinschaft, sondern nur ums Geld, wie in jeder anderen Unternehmung/Firma auch!

  • Johannes Dittrich

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    Bernd Lauert ganz klug. Wie vereinbaren Sie Ihren Wunsch nach Nächstenliebe und Toleranz mit
    Zitat: „Mist, von unbeflekter Empfängnis…“ ?
    Tolerant wäre es, wenn sie Glaubensinhalte einer Religion respektierten. Aber das ist ein Zeichen der Zeit. Unüberlegtes Gerede, Hauptsache man ist Teil einer Mehrheit. Schwimmen mit dem Strom ist angesagt. Aber Forellen z.B. schwimmen gegen den Strom und leben.

  • Bernd Lauert

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    Johannes: Ich darf doch sagen das ein Unding ist solch ein Märchen heute noch sogar Kindern zu erzählen die es mit 10-14 Jahren dann besser erfahren.
    Es geht mir nur um das Aufzwingen von Glauben.
    Meine Großneffe wurde eingeschult, in Niederbayern.
    Nichts mehr hatte man zu tun al sofort mit Infobroschüren im Klassenzimmer daherzukommen.
    Auch wird es dort im Ländlichen als Pflicht angesehen die Kinder, ob sie wollen oder nicht, in den Gottesdienst zu schicken.
    Ja, wie sieht das denn aus wenn unser Bua ned in da Kircha wor?
    Ich als Großonkel halte mich da heraus, ich lasse meinen Neffen zu mir kommen wenn er Fragen zur Religion hat, schiebe ihn aber nicht schon, religionsunmündig, zusammen mit der ganzen intoleranten Clique auf die Kirchenbank.Nur weil es „sich so gehört“.
    Nehmen Sie es mir nicht übel, die größte Intoleranz gegenüber Andersdenkenden habe ich bei sogenannten „Gläubigen“ erlebt.
    Da sage ich doch einer Bekannten das ich am Tisch kein Gebet spreche und mich auch nicht bekreuzige.Sorry, ich habe meinen eigene Draht zu Gott und das ist gut so.Was ich dann dort, natürlich „hintenrum“ über meinePerson erfuhr schlug meinem Fass den Boden aus.
    Sollen die Leute glauben, mich aber bitte nicht verarschen wollen und diskriminieren nur weil ich etwas gegen Katzbuckelei und Obrigkeitshörigkeit habe.

  • Luna Schneck

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    Bin froh nicht mehr diesem intoleranten Haufen anzugehören. Brauche deren komischen Rituale, wie Wein und Oblaten verzaubern, was sowieso nie klappt, nicht.
    Bin mit Sohn 2 Wochen vor seiner Kommunion vor 20 Jahren ausgetreten. Bisher hat mich der Teufel noch nicht geholt.
    Komisch, dass oft die bigotisch Gläubigen gerade die meiste Angst vor dem Sterben haben, die dem Verein noch angehören. Die müssten doch alle glücklich sein in „ihren“ Himmel zu kommen.
    Die vernünftigen Leute heute lassen sich halt nicht mehr so leicht verblöden und einschüchtern.

  • Papa Peppi

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    Herr Lauert, Sie sind ja so verbittert, Sie bekommen den säkularen Terror schon gar nicht mehr mit. In die Schule wird man seit 1938 sogar mit der Polizei gezwungen. Von Kirchen habe ich so etwas noch nicht gehört. Allein dieses eine Beispiel sollte schon klarmachen, wie schief Ihre Wahrnehmung ist.
    Und dieses „Dekret“ der deutschen Bischöfe ist für mich nun das entscheidende Schlußlicht einer ebenso wahnsinnig gewordenen „deutschen Kirche“, die sich wohl ganz mit dem deutschen Staat gemein gemacht hat.

  • Twix Raider

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    Soweit ich es verstanden habe, wurde der Austritt entschärft, die Exkommunizierung, also die Aberkennung des Glaubens bzw. die direkte Fahrkarte in Hölle, gilt nicht mehr. Dass die übrigen, praktischen Sanktionen nicht die feine römische Art sind, ist ein alter Hut. Bis auf das Berufsverbot ist eigentlich auch drauf gschissen, was kratzt mich ein kirchliches Begräbnis? Dass mit der Kirchensteuer Unfug getrieben wird, ist wieder eine andere Geschichte…

  • Franz

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    Erwerbsregel #28: Moral wird von dem definiert, der an der Macht ist

    und
    Erwerbsregel #144 „Es ist nichts Schlechtes an Almosen – wenn sie in deiner Tasche landen“

  • W.Müller

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    Die Statements bisher haben fast schon Alles treffend gesagt.
    Mit der Übernahme des Amtes zur Glaubensbewahrung (Inquisition) durch den streitlustigen Bischof L.Müller Regensburg scheint die Deutsche Bischofskonferenz von ihm Anweisung erhalten zu haben, die gewaltigen Austrittszahlen aus der Katholischen Kirche (über 140.000 ) mit allen Mitteln zu stoppen. Dass die Schäflein belogen werden um an ihre Kohle zu kommen ist seit 2000 Jahren bekannt und hat ihnen den Ruf einer geldgierigen Vereinigung eingebracht.
    Das bewährte Mittel von Bischöfen wie Müller und Mixa, massiven Druck auf ihre Schutzbefohlenen auszuüben, ( sogar der Blasphemie § soll verschärft werden) ist gut bekannt in Regensburg und bei Stefan Aigner.(nur ist nicht jeder so standhaft) Die Schafe sollen vor ihrem Austritt nochmals der bewährten Gehirnwäsche durch den zuständigen Pfarrer, ( mit verschiedenen Drohpotentialen wie “keine Kommunion, kein kirchliches Begräbnis und Exkommunikation etc.) unterzogen werden, die geschult sind bei der letzten Ölung, nochmals das Testament der Schäflein verändern zu können. Im Mittelalter hat das noch gewirkt, da ist doch ein deutscher Kaiser (ich glaube zu Fuß) nach Rom gegangen, ist 2 Tage im Regen gestanden, damit er wieder in die Gemeinschaft der Gläubigen aufgenommen wurde. Das waren noch goldene Zeiten des Katholizismus, leider gibts die nicht mehr Inwieweit geplant ist ( wie Mittelalter) die aus der Kirche ausgetretenen Menschen, zur Schande außerhalb des Friedhofes an der Friedhofsmauer zu begraben, konnte ich nicht herausfinden.
    Die Aussage ist wie beim Islam, einmal katholisch zwangsgetauft, bleibt man immer katholisch . Nur gibts keine Todesstrafe wie beim Islam beim Austritt, sondern nur Geldzahlung. Meine Frage an den Pfarrer, wie kriege ich meinen Katholizismus komplett nebst Taufe weg, die ich niemals gewollt habe, konnte oder wollte er nicht beantworten. Vielleicht mixen sie im Vatikan für viel Geld schon ein eigenes Reinigungsmittel zur endgültigen Beseitigung der Wassertropfen.
    Weiterhin haben sie ja langjährige Erfahrungen mit Geldbeschaffung von christlichen Schafen und denken über eine Lösung nach, durch Zahlung von 10.000 €, so wie sie es im Mittelalter gemacht haben und man die Dauer der Höllenqualen mit Geld verkürzen konnte. (Wenn das Gold im Beutel klingt, die Seele aus dem Feuer springt.

    W.Müller

  • Veronika

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    Zunächst einmal ein „herzliches Dankeschön“ für diesen Bericht, und die Konsultation eines Kirchenrechtlers. Dessen Meinung möchte ich teilen, denn besonders auffällig im „Dekret einer Bischofskonferenz“ (Ein solches ist kirchenrechtlich für solche Fälle m. W. nicht bekannt!) ist die Absicht, nach staatlichem Austritt dem Pfarrer eine „Versöhnung“ anbieten zu lassen. „Versöhnung“ übt man im Rahmen des Sakramentes der „Beichte“, welches dem Pönitenten hier ja gerade nach dem Austritt verwehrt werden soll. Kurz und gut: Die DBK hat sich hier in eine Lage manövriert, welche hoffentlich schon bald vor der Apostolischen Signatur, dem für solche Dinge zuständigen vatikanischen Höchstgericht anlandet. Dann fällt nicht nur die Kirchensteuer, sondern zugleich dürften alle auf dem sog. „Reichskonkordat von 1933“ beruhenden Privilegien fallen. Man wird das Gefühl nicht los, als wäre der Politik nur deshalb so viel am Erhalt der Kirchensteuer gelegen, weil angesichts der kommenden Wahlen „Religion Opus fürs Volk“ sein soll.

  • Veronika

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    T’schuldigung: Ich meinte natürlich „Religion Opium fürs Volk“, aber gefördert scheint mir das Ganze vom „Opus D(ei)“ zu sein.

  • Marienzweig

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    Die Entscheidung der Deutschen Bischofskonferenz ist für viele sicher nicht einsichtig.
    Sie vermittelt den Eindruck, Sakramente gäbe es nur gegen Geld.
    Generell gilt: Kirchensteuer erhebt auch die evangelische Kirche.
    Dies sollte fairerweise nicht unterschlagen und von den Kommentatoren hier auch so anerkannt werden.

    Dennoch hätte ich mir eine andere Entscheidung gewünscht und zwar im Sinne der Gläubigen.
    Im übrigen bin ich katholisch und – man glaubt es kaum – sehr glücklich damit.
    Weder sehe ich mich als „Vereinsmitglied“ noch als geknechtet.

    Ist es denkbar, dass uns in Wirklichkeit nicht Börsenkurse, eine alles dominierende Popkultur, Konsumdenken, Politik eine hartherzige Wirtschaftswelt und oft auch (bedrohliche) wissenschaftliche Entwicklungen am unsichtbaren, aber sehr spürbaren Gängelband ziehen?

  • Klara

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    Halten mag davon ja jeder, was er will; aber, wenn sich der Renntaubenzuchtverein Mintraching e. V. (gibt´s den?) eine Satzung gibt, dann muß der sich an diese Satzung halten – dafür sorgen schon das Registergericht und die Steuerverwaltung.
    Das Grundgesetz schreibt vor, dass die Kirchen „im Rahmen der für alle geltenden Gesetze“ ihre inneren Angelegenheiten selbst regeln.
    Wenn sich die katholische Kirche nun ein Gesetz gegeben hat (und das hat sie in den Jahren 1917 und 1983 getan), dann darf man wohl erwarten, dass sich die Kirche auch daran hält. Ausserdem hat der Vatikan 2006 bestimmt, dass ein Kirchenaustritt keine kirchlichen Rechtsfolgen hat, es sei denn, er
    a) wird vor dem eigenen Pfarrer, Generalvikar oder Bischof erklärt,
    und
    b) er besteht seinem Wesen nach in einer Leugnung oder Ablehnung kirchlicher Glaubenswahrheiten.

    Wer nur wegen der Kirchensteuer aus der Kirche austritt, erfüllt diese Kriterien nicht.

    Besonders pikant ist aber der Umstand, dass diese Klärung einer kirchlichen Rechtsfrage erst durch die Anfrage eines deutschen Bischofs im Jahre 2005 losgetreten wurde.

    Es gibt also erst eine Unklarheit in der Auslegung des kirchlichen Rechts.
    Dann fragt ein deutscher Bischof in Rom an, wie diese Unklarheit zu handhaben sei.
    Dann gibt es eine Antwort aus Rom an diesen Bischof, die unter der Hand schon mal in der kirchlichen Rechtsprechung kursiert und angewendet wird.
    Dann gibt es im März 2006 eine offiziell veröffentlichete Antwort zu dieser Frage (http://www.vatican.va/roman_curia/pontifical_councils/intrptxt/documents/rc_pc_intrptxt_doc_20060313_actus-formalis_ge.html).
    Dann sagen die deutschen Bischöfe: „Ok, damit hat sich für die „bewährte Praxis“ in Deutschland nichts geändert.
    Dann schreibt der Chef der entsprechenden römischen Behörde, dass die Entscheidung vom 13. März 2006 „überall geltendes, unmittelbar anwendbares Kirchenrecht ist – auch in Deutschland“ (Quelle: KNA).
    Dann sagen die deutschen Bischöfe jetzt: Das ist uns völlig egal, denn „wer aus dem Kirchensteuerverein austritt, kommt in die Hölle“.

    Wenn sich der Renntaubenzuchtverein Mintraching e. V. eine Satzung gibt, dann muß der sich daran halten – dafür sorgen schon das Registergericht und die Steuerverwaltung.

    Und bei der Kirche?

  • vir probatus

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    Das Problem rührt wohl auch daher, daß man „Umsatzeinbussen“ durch die befürchtet, die sich in besonderer Weise als „katholisch“ sehen.
    Denen reicht die normale „Katholizität“ nicht, sondern sie bevorzugen den mittelalterlichen Mummenschanz der Fssp*.* -Truppen aus Menzingen, Econe, Zaitzkofen etc. inkl. der Lehren von deren notorisch geschichtsunkundigen Oberen.

    Diese haben bereits eine Internet-Initiative zur Freistellung von der Kirchensteuer laufen, weil diese Gruppen sich und Ihrer Klientel ja wiederum sagen, daß ihnen dieses Geld fehle. Und so fromm ist man dann ja auch nicht, daß man nun doppelt zahlen will.
    Es kann also für diese Gruppen nicht schlimmer kommen, als daß die Auffassung der DBK in Leipzig bestätigt wird.

  • Maria

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    Mich beeindruckt dieses Dekret nicht. Den Ordinariaten liegen die Austrittsmeldungen vor und so können sie teils längstens insoweit zugeordnet werden, dass beispielsweise ein realer Zusammenhang der Austritte mit den massiven Missbrauchsfällen bestehen könnte. Zudem wurden diese auch von den Betreffenden oftmals öffentlich oder per Begleitschreiben an die kirchlichen Stellen kommentiert, z.B. als Protestmaßnahme, gestörte Vertrauensgrundlage u.a.
    Das wird längstens mit Schweigen und Passivität honoriert als ob die Bischöfe nicht auch in der Fürsorgepflicht stünden vorsorglich all dem nachzugehen und konkret etwas zu tun. Das sind geweihte Priester und keine Verwaltungsfachleute.
    Das ist nur eine Überlegung zu diesem Dekret!
    Pauschal werden dadurch auch alle Betroffenen kirchenrechtlich im Strafrecht positioniert. Wo ist da eine markante Grenze zur Diskriminierung noch ersichtlich?

    Und im Übrigen: Bei allen Mitgliedschaften (so war´s wenigstens bei mir) habe ich dem Adressaten gekündigt, bei dem ich Mitglied war und infolgedessen erst wurden die Beitragszahlungen eingestellt. Aber diese Kirche hat sich dazu die für sie kostengünstigsten staatsvertraglichen Regelungen ausgehandelt: das ist die derzeitige Steuereinzugs- und Kündigungspraxis.
    Und:
    Wenn´s schon um´s Geld geht, dann sollten auch alle Karten offen auf den Tisch gelegt werden und es einsehbar sein wie diese Gelder eingesetzt werden. Das steht den Zahlern zu, dass sie auch wissen wo ihr Geld in der Praxis hinkommt.

  • Keyser Söze

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    Schlimm zu sehen, wie viele Dreifaltspinsel es noch gibt, die so eine Organisation aktiv mit ihrem Geld unterstützen.
    Diejenigen davon, die sich eigentlich sonst auch sehr distanziert zur Kirche und zum Glauben äußern, reden dieses dann oft runter. Man sagt, so schlimm sei die Steuer auch nicht oder es wird sich schöngeredet, dass das Geld in kirchlichen Hilfswerken landet oder ähnliches. Man merkt aber immer wieder, dass da noch eine Angst im Hintergrund mitschwingt, man könnte doch nicht in den Himmel kommen, falls das alles doch stimmt. Da hat die Kirche sehr gute Einschüchterungsarbeit geleistet die letzten 2000 Jahre. Die Angst vorm Fegefeuer lässt doch noch viele Zweifeln.
    Da hält man es besser mit Homer Simpson, der lieber an keinen Gott glaubt, da bei den Tausenden von Göttern, die es gibt, die Gefahr zu groß ist, an den falschen zu glauben und den Zorn des richtigen auf sich zu ziehen.

  • Die Sache mit den Sesterzen für die Ecclesia | katholon

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    […] Dagegen ist auf regensburg-digital zu lesen: Ein Kirchenrechtler (Name der Redaktion bekannt), hat das Dekret für unsere Redaktion unter die Lupe genommen. Er hat bereits Gläubige vor den Dikasterien der römischen Kurie vertreten und kennt das kirchliche Gesetzbuch, den „Codex Iuris Canonici“, in- und auswendig. Zum Dekret der Bischofskonferenz sagt er: „Dieses Papier dient allein dazu, Gläubige an der Nase herumzuführen. Es hat keinerlei kirchenrechtliche Relevanz und ist inhaltlicher Murks.” Quelle. […]

  • Veronika

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    Ich befürchte ja, dass die Kirchensteuer nicht das eigentliche Problem ist. Wie bei jedem Verein braucht man genügend Mitglieder, um seine Interessen durchdrücken zu können. Unwissend über den sog. „Geheimanhang“, der jedem Konkordat (mit Sicherheit auch dem vom Juli 1933) beigefügt ist, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass die Minimierung der Mitglieder der deutschen RKK letztlich einen Wegfall des Konkordats, damit der staatlichen Privilegien und der Steuerfreiheit für Unternehmen wie Vivat, Weltbild + div. nicht offiziell bekannte Unternehmensbeteiligungen bedeuten könnte. Dies scheint mir das eigentliche Problem der „hohen geistlichen Herren in Deutschland“. Dann käme – die USA werden es wohl bald vom Vatikan selbst fordern, weshalb die RKK so gegen Obama geht – die Offenlegung aller Geldmittel, und damit eine wirklich liebenswerte, aber von Pharisäern gereinigte Kirche. Demnächst werde ich austreten, denn die Sakramente lasse ich mir bei aller Gläubigkeit nicht als Mitgliederrecht „verkaufen“, Dazu ist mir die RKK zu heilig.

  • Andreas Grosse-Coosmann

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    Also ich muss hierzu sagen, dass mir die Kirchensteuer im Grunde immer egal war. Ich hab sie gern bezahlt in dem Wissen, dass hiermit Kosten gedeckt werden, die Gläubigen, zu denen ich mich nur teilweise zähle, das Leben erleichtern und ihnen Vertrauen und Geborgenheit schenken.
    Nun stehe ich vor einem Punkt, an dem meine Kirchensteuer einen stattlichen Betrag pro Monat ausmachen wird und ich zudem noch den bitteren Beigeschmack der Beisetzung meines Vaters im Mund habe, bei der ich für das Aufheizen der Kirche und sogar die entzündeten Kerzen gesondert zahlen musste. Dies ist in meinen Augen nicht mit den Grundsätzen der Fürsorge vereinbar, die sich auch die Kirche als Organisation auf die Fahnen schreibt. Zudem stimmen mich mehr und mehr Skandale um die Kirche ebenfalls mehr als nachdenklich.
    Ich habe mir genau überlegt, ob ich diesen Schritt gehen will, allerdings ist es für mich allein aus finanziellen Erwägungen schon zu der Entscheidung gekommen, meinen Austritt aus der Kirche durchzuführen. Habe ich Angst vor einer Exkommunikation? Sicher, es kann unangenehm werden. Allerdings würde ich mich fragen, wie die Kirche auf den Verweis auf den 11. Kanon des Ersten Konzils von Nicäa reagieren würde, nach der ein vom Glauben abgefallener, als der man nach der Darstellung der Bischofskonferenz gilt, milde behandelt und nach einer Buße von 12 Jahren wieder zur Kommunion zugelassen werden soll. Hat dieser Kanon noch Gültigkeit, oder hat die Kirche in Bezug auf diese ehernen Grundsätze bereits ihre Meinung geändert, wie das Wort Gottes auszulegen sei?

  • W.Müller

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    @marienzweig und Forenteilnehmer
    Verehrte Marienzweig.
    Den von der Bischofskonferenz vermittelte Eindruck haben die Menschen völlig richtig erkannt: Es geht ausschließlich um Geld und Macht, die mit den unvorstellbar hohen Austrittszahlen aus der Kirche immer mehr schwindet.
    Dass sie katholisch sind und damit glücklich sind respektiere ich, auch wenn sie offensichtlich noch an die Jungfrauengeburten der Maria (es waren 3 Kinder schon vor Jesus) glauben, obwohl ranghohe Theologieprofessoren wie Prof. Küng diesen Unsinn ablehnen. Bedenken sie jedoch, dass Leute mit einigen Maß Bier in ihrem Vollrausch ebenfalls restlos glücklich sind wie sie mit der katholischen Kirche, ebenso diejenigen, die sich einen Schuss Rauschgift gesetzt haben. Dann bringen sie noch vor, was die Gläubigen, Mühseligen und Beladenen heute so Alles bedrückt, weil sie es nicht mehr verstehen und weil sie zuviel und zu schnell glauben, ohne eigenständiges Denken, wie es ihnen von Kindheit an von der Religion indoktriniert wurde. Deshalb werden solche Menschen von der katholischen Kirche auch Schafe genannt. (dem dümmsten Tier, das Alles ohne Widerstand gestattet, geschoren, gemolken und zuletzt verspeist wird.) Die Finanzhaie hatten leichtes Spiel mit diesen Leuten und haben sie um ihr Geld gebracht. Ihre sog. bedrohlichen wissenschaftlichen Entwicklungen für die Gläubigen sind der Hauptgrund für die großen Austrittszahlen, weil die Leute durch Internet und unabhängige Wissensvermittlung immer schlauer werden. Die seit 2000 Jahren andauernden Missbrauchshandlungen geiler Pfarrer an unschuldigen Kindern, wäre ohne die Entwicklung des Internets, niemals an die Öffentlichkeit gekommen. Nicht umsonst sind die gescheitesten als Nobelpreisträger ausgezeichneten Menschen zu 95% religiös völlig ungläubig und geniale Wissenschaftler wurden seit 2000 Jahren gnadenlos von der Kirche verfolgt und grausam verbrannt weil sie sich nicht am religiösem Gängelband ziehen ließen. Deshalb fürchtet die Kirche Nichts mehr als Wissenschaft und Demokratie.
    Zitat aus einer Predigt von Papst Benedikt:“ Gläubige sind einfache Menschen, die Aufgabe der Bischöfe ist es , diese Menschen vom Einfluss Intellektueller fern zu halten“.
    @Forenteilnehmer Ihre Beiträge sind derartig gut, dass ich Nix mehr hinzufügen kann.
    Bravo W.Müller

  • Veronika

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    @W.Müller: Ein „Danke“ zurück! Noch vor drei Jahren hätte ich Ihnen nicht zugestimmt, da habe ich den Regensburger Oberhirten noch verteidigt, weil ich davon ausging, es handle sich nur um einige wenige fragwürdige Dinge. Mittlerweile wird deutlich, dass der von Ihnen zitierte Satz eines jetzigen Papstes wirklich viel Wahres an sich hat. „Dogmatik“ und „Katechismus“ sind, was sich die RKK selbst gegeben hat. Dies auswendig zu lernen und zu können, dürfte aber kaum reichen, um Gott gerecht werden zu können. Wer aber wenigstens „Dogmatik“ kann, scheint nützlicher zu sein, als jemand, der die Worte Jesu in der Bibel, oder gar die 10 Gebote kennt. So dürfte die RKK kaum in dieser Organisationsform und Grösse überleben können.

  • grace

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    was mich mal interessieren würde:
    wie soll denn die insemination erfolgt sein?

  • Dubh

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    grace: „wie soll denn die insemination erfolgt sein?“

    Das ist nicht detailliert überliefert, aber einen Heiligen Geist braucht es dazu definitiv nicht, auch nicht vor 2000 Jahren, oder?

    Davon abgesehen, dass Jungfrauengeburt in vielen alten Religionen von Babylon über Ägypten u.a. zum Mythos gehört, und in der Antike praktisch jeder der auf sich hielt Sohn einer irdischen Mutter und eines göttlichen Vaters war, z.B. Pythagoras, Plato, Alexander………….

    Das sagte allerdings nichts über sexuelle Enthaltsamkeit der Mutter vorher oder gar nachher aus.

  • Dubh

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    Nachtrag: Weder Heiligen Geist, noch Reagenzglas braucht’s dazu meinte ich.
    Selbst ist die Frau……………….

  • Maria

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    Um noch einmal zu den Kirchensteuerabzügen zurückzukehren: der Haushalt einer Diözese ist zwar unter ihrer Homepage abzugreifen. Das Zahlenwerk umfasst die Einnahmen und Ausgaben, die dann verhältnismäßig den Positionen zugeordnet sind. Jedoch sind diese Kategorien sehr allgemein formuliert, z. B. die Position „Medien“. Das ist ein weites Feld. Oder bei Einnahmen: genannt ist u.U. ein Betrag in Millionenhöhe unter der Kategorie Zinsen und Pfründe. Auch der Umlageschlüssel bleibt unklar.

    Auch die staatlichen Gelder waren nicht differenziert aufgeschlüsselt (Bund-Land-kommunale Dotationen) wie ich es stichprobenartig festgestellt habe.

    Da bleiben Fragen offfen!

  • joeCOOL

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    Es zählt also nach Meinung der DBK die Kirchensteuer mehr, als der Glauben?

    Ich gratuliere der DBK, dass sie nun offiziell die Wiedereinführung des Ablasshandels beschlossen hat…
    …aber mal so unter uns „Jungfrauen“, wussten wir es nicht schon alle vorher, dass dem so ist ;-)=)

    Ach ja, ich bin schon seit Jahren ausgetreten, würde jedoch sofort wieder eintreten, wenn die Kirchensteuer direkt an die Kirchengemeinde bezahlt würde und die, wie jeder Kaninchenzuchtverein auch, einen kompletten Kassenbericht mit Angabe aller Geldbewegungen jährlich veröffentlichen müsste. Solange dieser Zustand aber nicht ist, zahle ich auch keine Kirchensteuer, das Geld kann ich getrost auch in jedes andere schwarze Loch werfen.

    Die Entscheidung der DBK zeigt doch letztendlich deutlich, dass sie einerseits gemerkt hat, dass es unterm Dach brennt, zumindest haben sie schon mal den Qualm entdeckt, andererseits aber lediglich bereit ist, Nebelscheinwerfer zu installieren, statt der Ursache des Qualms zu Leibe zu rücken.

    Schade, eine vertane Chance mehr, sich selbst zu hinterfragen, wenn man dann schon mal zusammengesessen hat!

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