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Kunst- und Gewerbeverein Regensburg: Hundert Jahre Nabelschau

Der Kunst- und Gewerbeverein feiert sich selbst. Vom Keller herauf riecht es ein bisschen streng, denn dort stapeln sich die Leichen. Aber als Regensburger Kunstfreund lässt man sich das Feiern nicht verdrießen.

Im Katalog zur Jahresschau findet sich auch dreiste Geschichtsklitterung. Foto: PCM

„Egal, was draußen in der Welt los war, hier im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein wurde unbeeindruckt Kunst ausgestellt.“ Mit diesem Satz eröffnete Georg Haber die Ausstellung „100 Jahre Jahresschau“. Hundert Jahre! Genauso lang, hat man zumindest das Gefühl, ist Georg Haber auch schon der Vorsitzende des Vereins (und daran gemessen schaut der Mann noch ganz frisch aus der Wäsche).

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Hundert Jahre geht das nun schon so: Ob in Dachau oder in Auschwitz Menschen ermordet wurden, in Regensburg hielt man unbeirrt die Kunst hoch. Wenn alles in Scherben fällt, hier ist es die Kunst, die zählt!

Keine Angst, keine Angst, Rosmarie!

Darauf ein kräftiges Zickezackezickezacke Hoihoihoi! Und jetzt der Shantychor: Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern, keine Angst, keine Angst, Rosmarie!

Derartige musikalische Untermalung verkniff man sich freilich bei den Feierlichkeiten; man will ja bescheiden bleiben. Mit verhaltenem Stolz begeht der Kunst- und Gewerbeverein seinen Hundertsten. Wobei die beiden Vorgängervereine, die sich 1925 zusammenschlossen, ja noch viel älter sind: Der Kunstverein wurde 1838 gegründet, der Gewerbeverein 1847.

Es müffelt im Kunst- und Gewerbeverein

Doch diese Jahreszahlen täuschen. Der Geist, der im Kunst- und Gewerbeverein vorherrscht, ist jung! Es ist der Mief der Fünfziger Jahre. Die goldenen Nachkriegsjahre, als man sich mit faustdicken Lügen durch die Entnazifizierung hindurchlaviert hatte und wieder wer war, das ist die Epoche, die im KGV fröhliche Urständ feiert.

Museumschef Sebastian Karnatz sagte im Interview mit der MZ, die Ausstellung „Tanzen und Taumeln – Die 1950er Jahre in Regensburg“ (ab 3. Oktober im Historischen Museum) lade dazu ein, über diese Zeit der Verdrängung und der Verleugnung nachzudenken. Stimmt. Man kann aber auch einfach in den Kunst- und Gewerbeverein gehen. Fünfziger Jahre live!

100 Jahre Jahresschau, aber nur 99 Jahresschauen

Aber von vorn. Worum geht es überhaupt? Man hat „99 Künstlerinnen und Künstler aus 100 Jahren Ausstellungsgeschichte“ ausgewählt, „für jedes Ausstellungsjahr eine damals vertretene Position, falls möglich, das damals gezeigte Werk“. Hinzu kommen „die 33 Preisträgerinnen und Preisträger des U40-Kunstpreises“, der erstmals 1996 vergeben wurde.

Gleich auf der ersten Seite des Katalogs, der zur Jubiläumsausstellung erschien, ist denn auch von der „bemerkenswerten Geschichte der Jahresschauen“ die Rede, „die seit 1926 nahezu ununterbrochen stattfinden“. Nahezu? – In einem einzigen Jahr gab es keine Jahresschau, das war das Jahr 1945.

Das „schreckliche Jahr“

Dazu bemerkt der Kunsthistoriker Christoph Wagner in seinem Festaufsatz: „Die lückenlose Folge der Ausstellungen wurde in diesem Annus horribilis ein einziges Mal unterbrochen.“ Und fügt bedauernd hinzu: „Bis 2025 wurden deshalb 99 Jahresschauen gezählt, obwohl das Format dann bereits auf eine hundertjährige Geschichte zurückblickte.“ (Katalog, S.18)

„Annus horribilis“ ist lateinisch und heißt „das schreckliche Jahr“. Das ist immerhin ehrlich. Für den Kunst- und Gewerbeverein Regensburg war das Jahr 1945 in der Tat ein schreckliches Jahr. Die verheißenen tausend Jahre teutscher Kunst, der man sich verschrieben hatte, waren nach zwölf Jahren schon vorbei. Die Party hatte ein unschönes Ende genommen.

Amerikanische Kampftruppen im Kunst- und Gewerbeverein

Aus die Maus: „1945 wurde der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg e.V. von der amerikanischen Besatzungsmacht zunächst aufgelöst.“ Bereits zuvor war der Verein plötzlich in die Schusslinie des von ihm von Anfang an mitgetragenen 2. Weltkriegs geraten: „Das Gebäude war in den letzten Kriegstagen beschädigt worden, große Teile des Archivs gingen verloren.“

Und weil das alles für die NS-Schranzen, die den Kunst- und Gewerbeverein so umsichtig durch die Jahre 1933 bis 1945 geführt hatten, noch nicht schrecklich genug war, belegten 1945 auch noch amerikanische Kampftruppen das Gebäude, wie es in der 2013 veröffentlichten Vereinsgeschichte heißt. Kann ein teutscher Kunsttempel schmählicher entweiht werden?

Die „Normalisierung des Unrechts“

Das „schreckliche Jahr“ 1945, nur zur Erinnerung, war für die von den Nationalsozialisten als „entartet“ verfemten Künstler, soweit sie nicht ermordet worden waren, ein sehr schönes Jahr. Man konnte auf einmal wieder einfach so über die Straße gehen, ohne befürchten zu müssen, vom nächstbesten Uniformträger verhaftet und anschließend ins KZ verschleppt zu werden.

Für Christoph Wagner ist der KGV eine beispielhafte „traditionsreiche Kulturinstitution“, die in der NS-Zeit „zugleich Kontinuität sichern und Unrecht normalisieren konnte“. Er fügt hinzu: „Eine heutige Würdigung ihrer langen Geschichte muss diese Verstrickung nicht als Randepisode, sondern als zentralen Bestandteil der institutionellen Erinnerung behandeln.“ (Katalog, S.18)

Die NS-Zeit als „Randepisode“

Genau das ist die Frage: Ist die NS-Zeit ein „Fliegenschiss“ in der Geschichte des Kunst- und Gewerbevereins, um den berüchtigten Begriff des AfD-Ehrenvorsitzenden Alexander Gauland zu bemühen, oder muss man die zwölf Jahre, in denen sich der KGV aus eigenem Antrieb den NS-Schergen andiente, als ewige Schande betrachten, die ihre Schatten bis heute wirft?

Der Katalog beantwortet die Frage dankenswerterweise auf derselben Seite, auf der Christoph Wagner davor warnt, die NS-Zeit als „Randepisode“ abzutun. Buchstäblich am Rand dieser Seite ist ein Brief an Jo Lindinger aus dem Archiv des KGVs abgebildet, in dem es laut Bildlegende um die Hängung der Femeausstellung „Entartete Kunst“ im KGV 1936 geht.

„Neue Sachlichkeit“ in Regensburg

„Entartete Kunst“ im KGV? Jo Lindinger? Zunächst zu Jo Lindinger (1907-1995). Von ihm war in der Jahresausstellung 1931 das im gleichen Jahr entstandene Ölgemälde „Die Schaukel“ zu sehen, das ein junges Paar auf einer Dachterrasse zeigt. Die nächtliche Szenerie ist in Melancholie getaucht und ganz und gar der Neuen Sachlichkeit verpflichtet und damit der Moderne, gegen die die Nationalsozialisten zu Felde zogen.

Erst Neue Sachlichkeit, dann alter Nazi: Jo Lindinger im Katalog des KGV.

Im Katalog macht sich Joseph Berlinger Gedanken zum Bild und zum Künstler: „Was hat ihn, den 24jährigen, am Stil der Neuen Sachlichkeit fasziniert? Warum hat er sich von dieser Malweise und Thematik so rasch wieder verabschiedet? Weil beides den neuen Machthabern und dem neuen Zeitgeist nicht entgegenkam? Weil er seine Karriere nicht gefährden wollte?“

Die Dinge beim Namen nennen: das geht

Es gibt also durchaus Texte im Katalog, in denen es nicht als Randepisode abgetan wird, wenn ein Künstler zu den Nationalsozialisten überlief. Berlinger bescheinigt Jo Lindinger ausdrücklich künstlerische Qualität und hoffnungsvolle Ansätze. Aber er kommt nicht auf die Idee, Lindingers Paktieren mit dem Teufel einfach auszublenden oder in die Fußnoten zu verbannen.

Nein, Berlinger zitiert Eva Demskis Mutter, deren Mann ein Bühnenbildner-Kollege Jo Lindingers am Regensburger Stadttheater war, und Eva Demskis Mutter nannte Jo Lindinger schlicht einen „alten Nazi“. Der nach 1945 die klassische Weißwaschung durchlief: zuerst für „belastet“ erklärt, dann zum „Mitläufer“ herabgestuft und wieder obenauf.

„Entartete Kunst“ als Publikumsmagnet

Doch nun zur „Entarteten Kunst“. Bereits eineinhalb Jahre vor der großen Ausstellung „Entartete Kunst“, die 1937 in München eröffnet wurde und anschließend als Wanderausstellung insgesamt über zwei Millionen Besucher anlockte, zeigte der KGV von sich aus, also ohne von außen dazu genötigt worden zu sein, eine Vorgängerausstellung gleichen Titels in seinen Räumen in der Ludwigstraße.

Nur leider ist das gezeigte Beweisstück so klitzeklein am Rand abgebildet, dass man es nur mit einer Lupe lesen kann. Ein unbekannter Absender informiert Jo Lindinger mit Datum vom 11. Januar 1936 über die für den 13. Januar anberaumte Hängung der Ausstellung „Entartete Kunst“ im KGV, wobei auch noch „Baurat Schreiber“ und „Herr Wissner“ mit von der Partie sein sollen.

Tausend Jahre Party

Jo Lindinger habe sich doch, heißt es in dem Brief, „so sehr über die kommende Ausstellung gefreut“, dass es ihm wohl „ein grosses Vergnügen sein“ werde, „diese auch selbst zu hängen“. Vor dem später entfernten „Heil Hitler“ folgt noch die hämische Versicherung: „Jedenfalls haben Sie so die Möglichkeit, sich recht ausgiebig mit Ihren ‚Lieblingen‘ beschäftigen zu können.“

Und da sage einer, die NS-Zeit sei nur von Pflichterfüllung geprägt gewesen! Nein, zumindest im Regensburger Kunst- und Gewerbeverein war man durchaus mit Spaß bei der Sache. Und man hätte weißgott nichts dagegen gehabt, wenn die Party, wie versprochen, tausend Jahre so weitergegangen wäre. Die Party, die für die anderen Mord und Totschlag bedeutete.

Die bittere Wahrheit steht in den Fußnoten

Und jetzt, 90 Jahre später? Erklärt Christoph Wagner für den KGV: „Es ist hier nicht der Ort, diese Geschichte im Detail auszubreiten“ – Zwischenfrage: wo eigentlich sonst, wenn nicht hier? – „aber es war uns wichtig, in unseren Anmerkungen zu den Texten diesbezügliche Hinweise zu geben.“ Wie ist das zu verstehen? Die „Verstrickung“ des KGV quasi als Subtext in den Anmerkungen?

Dem Vernehmen nach war es so, dass Wagner sich nach langem Ringen damit durchsetzen konnte, dass zu völlig verharmlosenden Texten zumindest eine Fußnote dazugesetzt wurde, in der die nackten, belastenden Fakten zu dem betreffenden Künstler genannt werden. So gesehen könnte man von dem ganzen Katalog auch einfach nur die Fußnoten lesen.

Max Wissner flüchtet auf den Balkon

Was Wagner meint, wird klar, wenn man das Jahr 1944 aufschlägt. Für dieses Jahr hat man das Ölgemälde „Der Balkon“ von Max Wissner (1873-1959) ausgewählt, das nicht nur 1944 in der Jahresschau zu sehen war, sondern auch im gleichen Jahr gemalt wurde. Es zeigt eine schematisch dargestellte, elegante Balkongesellschaft des 19. Jahrhunderts, wie die Kleidung (z.B. Zylinder) zeigt.

Was wollte Max Wissner 1944 mit diesem Bild sagen? Wolfgang Ruprecht erklärt es auf der gegenüberliegenden Seite. Er setzt Wissners Gemälde in direkten Bezug zum Zeitgeschehen: „1944: Angloamerikanische Bomberflotten legen Deutschlands Städte in Schutt und Asche, russische Verbände rücken unaufhaltsam vor, und die Amerikaner landen in der Normandie.“

Gab es 1944 Nationalsozialisten?

Wie ist das mit Wissners feiner Teegesellschaft zusammenzubringen? Ruprecht stellt dem Leser die Lage in Deutschland eindringlich vor Augen: „Im Inneren herrschen Not, Terror und Angst vor dem, was kommen soll.“ Aber das ist es ja eben: „In dieser trostlosen Zeit schafft Max Wissner ein Bild mit einem Traum, der Trost und Hoffnung gibt.“

Traum „in dieser trostlosen Zeit“: Max Wissners Teegesellschaft im Ausstellungskatalog.

Um die Sache abzukürzen: In Ruprechts Text findet sich nicht die leiseste Andeutung davon, wer für die Not, den Terror, die Angst des Jahres 1944 verantwortlich ist, nämlich die Nationalsozialisten, die diesen Krieg vom Zaun gebrochen haben. Die Nationalsozialisten kommen in seinem Text nicht vor, als habe es sie nicht gegeben.

„Etwas Heiterkeit in eine schreckliche Welt bringen“

Ruprechts Bildinterpretation vermittelt den Eindruck: Schuld an Not, Terror und Angst des Jahres 1944 waren die Amerikaner, die Engländer und die Russen. Wären sie nicht gewesen, hätte es im Deutschland des Jahres 1944 so schön und unbeschwert sein können, wie es unser Künstler leider nur als utopischen Traum hinmalen konnte. Ein rundum AfD-kompatibles Geschichtsbild.

Die Absicht des Künstlers ist nun klar: „Er wollte etwas Heiterkeit in eine schreckliche Welt bringen, eine bessere Zukunft darstellen, eine Vision, die auch in auswegloser Situation lebensrettend sein kann.“ Das kommt Ruprecht bekannt vor: „Diese ist auch eine der Kernthesen des Wiener Psychiaters Viktor Frankl, der im KZ Auschwitz an seiner Vision einer Universitätslaufbahn festgehalten hatte und überlebt hat.“

Täter? Opfer? Egal!

Der Unterschied ist nur der, dass Max Wissner Amerikaner, Engländer und Russen für die Urheber von Not, Terror und Angst hielt – und sein Interpret Wolfgang Ruprecht das heute noch tut. Während der von Ruprecht an den Haaren herbeizitierte Viktor Frankl als Jude in Auschwitz selbstverständlich mitfieberte mit den angloamerikanischen Bomberflotten und den unaufhaltsam vorrückenden russischen Verbänden. Weil deren Erfolg seine einzige, winzige Überlebenschance war.

Wolfgang Ruprecht macht also nichts anderes, als den Regensburger Maler Max Wissner, der den Nationalsozialisten künstlerisch zu Diensten war, wo er nur konnte, mit dem Wiener Psychiater Viktor Frankl, der als Sozialist und Jude doppelt dem Tod geweiht war und nur durch viele Wunder überlebte, in einen Topf zu werfen. Waren wir nicht alle irgendwie in Not? Der eine in Auschwitz, der andere im Kunst- und Gewerbeverein? Ein klassischer Fall von Täter-Opfer-Gleichsetzung.

In einer Anmerkung wird alles dementiert

Dass Max Wissner den Nationalsozialisten ergeben war, erfährt der geneigte Leser des Katalogs in der einzigen Anmerkung zu Ruprechts dreister Geschichtsklitterung. Wie man hört, stammt sie nicht aus seiner Feder; Christoph Wagner musste darauf dringen. Als Lehrstuhlinhaber für Kunstgeschichte an der Uni Regensburg war er für den KGV als Aushängeschild unerlässlich.

Im Katalog nur in einer Fußnote erwähnt: Max Wissners Hitlerjunge. Quelle: Historisches Museum Regensburg

In einer Randnotiz erfährt man also kontrafaktisch zu Ruprechts Märchen von der heilen Naziwelt, dass Max Wissner in der NS-Zeit obenauf schwamm, sich „regelmäßig an Ausstellungen nationalsozialistischer Kulturorganisationen“ beteiligte, dabei mit Porträts eines SS-Manns und eines Hitlerjungen glänzte und 1936 an der Hängung der Ausstellung „Entartete Kunst“ beteiligt war.

Max Wissner ohne Fehl und Tadel

All das, was vor allem Stefan Reichmann seit Jahr und Tag eifrig unter den Teppich zu kehren versucht. So brachte es Reichmann 2023 fertig, eine große Ausstellung zu Max Wissners 150. Geburtstag im KGV zu präsentieren und dabei sämtliche Highlights der Wissnerschen Anwanzerei an die Nationalsozialisten wie sein Hitlerjungenporträt zu umschiffen (hier nachzulesen).

Der Kunst- und Gewerbeverein Regensburg deckt diese Geschichtsklitterung, ohne mit der Wimper zu zucken. Was bei diesem Verein allerdings kein Wunder ist, weil das bei ihm Tradition ist – siehe hier.

Wo ist eigentlich der Vorstand?

Wie man es schafft, derartig extrem rechte Darstellungen zu decken, das müssen sich vor allem diejenigen Vorstandsmitglieder des Kunst- und Gewerbevereins fragen, die ein eher liberales Image haben wie Wilma Rapf-Karikari, Antonia Kienberger und Toni Kobler. Bei solchen Namen im Vorstand verlässt man sich darauf, dass zumindest kein expliziter Geschichtsrevisionismus geduldet wird.

Im übrigen stellt es auch für die zahlreichen rechtschaffenen Autoren des Katalogs „100 Jahre Jahresschau“ eine Zumutung, ja eine Beleidigung dar, zusammen mit derart dreister Geschichtsklitterung zwischen zwei Buchdeckeln vereint zu sein.

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Kommentare (25)

  • Informant

    |

    Ich fände einen ehrlicheren Umgang mit der Geschichte auch besser; die Kritik daran, wie in diesem (sehr gut geschriebenen) Artikel ist mir aber zu wenig konstruktiv.

    Ja, es gab Menschen, die es vorgezogen haben, sich anzupassen anstatt ermordet zu werden. Vielleicht finden es die Autoren der Chronik schwierig, diese Menschen dafür pauschal zu verurteilen.

    Klar sollte man klar benennen, was wirklich geschehen ist, aber ob die Akteure schweren Gewissens oder mit Freude so gehandelt haben, macht einen großen Unterschied – den man nur schwer nachweisen kann.

    Mir wird nicht klar, was der Autor eigentlich genau fordert und mit welcher Darstellung der Künstler er zufrieden wäre.

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  • Hibulazultasbellinger

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    Bösartiger Artikel. Sehr eingeschränkter Blickwinkel. Mit der Nazikeule und der Semitismuskeule kann man alles kaputtmachen, auch die Beschäftigung mit 100 Jahren Regensburger Kultur!!!

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  • Hibulazultasbellinger

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    Wer ist der Verfasser dieses bösartigen Artikels mit dem Pseudonym “Paul Casimir Marcinkus”, der da die Nazi- und Semitismuskeule schwingt und 100 Jahre Kulturschaffen in Regensburg kaputtschreibt?

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  • Wilfried Süß

    |

    Dem Beitrag von Paul Casimir Marcinkus gingen offensichtlich tiefschürfende Recherchen mit dem Ziel voraus, den Mantel des Vergessens, des Vertuschens und Wegsehens zu lüften. Dem Ansehen des Vereins hätte es sicher gutgetan, sich angesichts dieses stolzen Jubiläums auch seinem belastenden Zeitabschnitt zu stellen und ungeschminkt die damaligen Verhältnisse transparent zu machen. Dem Autor dieses Beitrags „zu wenig konstruktive Kritik“ vorzuhalten, geht an den Tatsachen vorbei. Eine konstruktive Kritik würde voraussetzen, dass es noch eine Chance gäbe, an den beschriebenen Schwachpunkten des Ausstellungskatalogs etwas verbessernd ändern zu können. Dem ist natürlich nicht so, denn der ist nun so raus. Eine Institution wie der Kunst- und Gewerbeverein spiegelt immer auch ein Bild des gesellschaftlichen Wandels über die Zeit seines Bestehens wider. Und da sollte im Rückblick kein Zeitabschnitt verschämt ausgeblendet werden.

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  • S. Meyer

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    @PC Marginkus, könnten sie denn nicht auch eine kleine positive Entwicklung sehen? Immerhin durfte Reichmann keine geschichtsklitternden Lobesreden auf Wissner und Boll halten.
    Diese beiden Herren werden von Prof. Wagner im Katalog ausdrücklich als NS-belastete Figuren benannt. Es war also doch gut, Prof. Wagner als Experten für Kunst im und fürs NS-Regime an Bord zu holen. So mein erster Eindruck!

    Jedenfalls dachte ich, dass er ein solcher Experte ist, ja sein muss! Ein Blick in sein Schriftenverzeichnis hat mich aber eines Besseren belehrt: Prof Wagner kann keine einzige Arbeit zum riesigen Feld Kunst-Nationalsozialismus vorzuweisen! Ja echt, kein Witz.

    Als Forschungsschwerpunkt, der etwas mit dem schrecklichen Jahr 1945 zu tun hat, gibt er an:
    „Kunst nach 1945 und Politische Ikonographie“.

    Es war also auch für den KGV gut, für die Abhandlung der NS-Zeit den Nicht-Experten Wagner zu engagieren.

    Im Katalog bezieht Wagner sich in seinem zweiseitigen Kapitel zur NS-Zeit (3. Gleichschaltung, ideologische Verengung und Krieg, 1933-1945) einzig und allein auf von befangenen KGVlern verfasste Manuskripte, teils unveröffentlichte und nicht nachvollziehbare. Und so bemüht auch er die selbstbetrügerische Legende, wonach der Verein von den Nationalsozialisten „gleichgeschaltet“ worden wäre. Das entspricht der Selbstdarstellung, wie sie auch online unter GESCHICHTE DES KUNST- UND GEWERBEVEREINS REGENSBURG nachzulesen ist.

    Die historische und soziologische Fachforschung zum Nationalsozialismus geht aber seit Jahrzehnten davon, dass sich so bürgerliche Vereine wie KGV i.d.R. selbst eingefunden haben ins NS-Regime und eine Gleichschaltung von außen nicht notwendig war. Der Nazi-Vorstand des KGV hat auch niemand verdrängt oder hinter Gitter bringen brauchen und zur Schand-Ausstellung mussten sie auch nicht gezwungen werden. Endlich teusche Kunst und nix abstraktes vom Erzfeind. Das wollten die so.
    Gab es überhaupt Proteste gegen die NS-Ausrichtung des Vereins
    Vermutlich nicht, so wären die ja längst vorgezeigt worden.

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  • peter

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    ich halte es für extrem wichtig, darauf hinzuweisen, das mit dem katalog eine referenz geschaffen wird, auf die sich menschen in der zukunft berufen werden.

    und wer solche referenzen schafft, erwirbt damit die deutungshoheit über die geschichte und schafft damit neue fakten.
    es ist die entscheidung des publizisten, was er hervorhebt, aber noch viel wichtiger, was er weglässt.
    als beispiel sei die ( hier an anderer stelle sehr gut berichtete geschichte ) um den früheren kulturreferenten clemens unger, und seine zensurmaßnahmen zu einer ehrlichen berichterstattung zum thema “judensau am dom” genannt
    https://www.regensburg-digital.de/ungers-letzte-tat/18102019/

    eine wichtige aufgabe von kunst ist ja grade, auf missstände hinzuweisen, und zu einer auseinandersetzung anzuregen, sonst ist es für mich nur belanglose unterhaltung, mehr rauschen im äther

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  • Volker Artmann

    |

    Der Autor tritt unter dem Namen „Paul Casimir Marcinkus“ auf und möchte damit offenbar nicht ohne Weiteres als die Person erkennbar sein, die hinter dem Beitrag steht. Ein Pseudonym ist nicht grundsätzlich illegitim. Journalisten, Satiriker und Autoren können gute Gründe haben, ihre Identität zu schützen. Bei einem Text, der allerdings schwere Vorwürfe gegen konkrete Personen und eine konkrete Institution erhebt, gewinnt die Frage nach der Verantwortlichkeit des Autors durchaus an Bedeutung.

    Denn Anonymität und Polemik verstärken sich gegenseitig. Wer sich persönlich nicht ohne Weiteres zuordnen lässt, kann sehr scharfe Formulierungen verwenden, ohne dieselbe öffentliche Verantwortlichkeit zu tragen wie ein namentlich auftretender Autor. Das macht seine Argumente nicht automatisch falsch. Es erhöht aber die Anforderungen an Belegbarkeit und Fairness.

    Gerade hier entsteht ein bemerkenswerter Widerspruch: Der Artikel fordert vom Kunst- und Gewerbeverein größtmögliche historische Transparenz und kritisiert ihn dafür, belastende Aspekte nur am Rand beziehungsweise in Anmerkungen zu behandeln. Gleichzeitig bleibt der Autor selbst hinter einer anonymisierenden Fassade. Das ist kein Beweis gegen seine Argumentation, aber es ist eine publizistische Inkonsistenz, die man ansprechen darf.

    Auch bei einem Pseudonym sollte deshalb gelten: Je schwerer der Vorwurf, desto transparenter muss die Begründung sein.

    Der Beitrag hätte erheblich gewonnen, wenn er seine stärksten Quellen konsequenter von seinen eigenen Schlussfolgerungen getrennt hätte. Dann wäre aus einer polemischen Anklage eine noch überzeugendere Kritik geworden. So aber besteht die Gefahr, dass die berechtigten Fragen zur NS-Aufarbeitung des KGV von der Lautstärke der Anklage überlagert werden.

    Die entscheidende journalistische Tugend wäre hier nicht mehr Schärfe, sondern Präzision: Was ist belegt? Was ist Interpretation? Was ist eine zugespitzte Meinung? Und was wird lediglich unterstellt?

    Wer anderen Geschichtsverfälschung vorwirft, sollte bei diesen Unterscheidungen besonders sorgfältig sein. Das gilt auch dann, wenn man unter einem Pseudonym schreibt.

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  • Daniela

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    Kunst bildet die gesellschaftlichen Zustände, Entwicklungen, künstlerische Einflüsse, neue Darstellungsformen und Ausdruck ect. ab.

    Ganz entscheidend finde ich hier, dass eben nicht explizit darauf eingegangen wird, dass um die 1600 Künstler während der NS Zeit der sogenannten ‘ entartenten Kunst ‘ zu geordnet wurden, diese Künstler verloren ihre Stellung, ihre Professoren- und Lehrstühle, wurden schlichtweg mit Berufsverbot belegt, teilweise inhaftiert, ermordet, oder schafften es ins Exil.

    Darunter bspw. Paul Klee, Ernst Barlach, Marc Chagall. Einige Ihrer Werke wurden dann auf Auktionen, im Ausland, noch billig verramscht zugunsten des NS Regimes.

    Ein Kunstverein, der es in seinem Katalog zu seinen 100 jährigen Wirken nicht schafft, in seinen Kapiteln kritisch mit den Entwicklungen während der NS Zeit ein zu gehen, sollte sich nicht so groß feiern.

    Es ist schlichtweg die Verleugnung des Geschehenen. Ein Verarbeiten findet schlichtweg nicht statt.
    Auch Randbemerkungen helfen hier nicht mehr.

    Und keiner des KGV wird mir weis machen können, dass die Zeit der ‘ entartenden Kunst ‘ während der NS Zeit in Regensburg und beim KGV Regensburg unbemerkt vorbei gegangen sind.

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  • Hibulazultasbellinger

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    Ich sehe es einfach kritisch, wie hier versucht wird, 100 Jahre Kunstschaffen auf 12 Jahre zu reduzieren. Es dürfte doch inzwischen jedem, aber auch wirklich jedem, der sich mit Kunst beschäftigt, bekannt sein, daß zwischen 1933 und 1945 in Deutschland der Nationalsozialismus mit all seinem Terror und Krieg herrschte und dies auch entscheidenden Einfluß auf die Kulturwelt hatte. Das braucht man doch nicht jedesmal explizit erläutern und erklären.

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  • Mt. T.

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    Hibulazultasbellinger, es ist der Umgang mit diesen 12 Jahren, in denen sich der Kunst- und Gewerbeverein allzu willfährig dem Nationalsozialismus ergeben hat, der hier kritisiert wird. Dieser Umgang begleitet den Verein in 81 seiner 100 Jahre.

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  • Bulldog

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    die Strömung kulturelles zu reduzieren gibt es schon lang. Nur allein das es an Alternativen fehlt, zeigt wie armselig diese Konterkultur is

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  • Hibulazultasbellinger

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    @Mr.T.
    “Dieser Umgang begleitet den Verein in 81 seiner 100 Jahre.”???
    Begleitet die Aufarbeitung des Nazitum nicht uns alle (z.B. Politik, Juristen, Firmen, Großeltern einschließlich der Staatsreason) seit 81 Jahren?
    Was ist da am Kunstbetrieb besonders?
    Es gibt wohl schlimmeres, als zwischen 33 und 45 willfährig Kunst gemacht zu haben.

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  • Informant

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    Dem Autor dieses Beitrags „zu wenig konstruktive Kritik“ vorzuhalten, geht an den Tatsachen vorbei. Eine konstruktive Kritik würde voraussetzen, dass es noch eine Chance gäbe, an den beschriebenen Schwachpunkten des Ausstellungskatalogs etwas verbessernd ändern zu können.

    Das sehe ich anders. Der aktuelle Katalog wird kaum geschreddert und anders neu gedruckt werden. Aber es gibt vielfältige Möglichkeiten, nur 1 davon: “Zusatzband: Was genau ist in unserem Verein während der Nazi-Zeit passiert — eine schonungslose Reportage”.

    Ihre Weigerung, den “Angeklagten” hier eine Möglichkeit einzuräumen, ein Einsehen zu haben und an ihrer Darstellung zu arbeiten lässt vermuten, dass eine Verdammnis dieses Vereins unter allem Umständen gewünscht ist. Auch eine Stellungnahme des Vorstands dazu ist im Artikel kein Wort zu lesen.

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  • Thilo B.

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    Besagte “Konterkultur” hat es die letzten 80 Jahre in Regensburg nicht geschafft, nennenwert in Erscheinung zu treten. Diese Subkultur ist seit 80 Jahren Subkultur und hat es nie geschafft, den Dunstkreis von Männer-WCs (Apotheke) zu verlassen.

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  • Nesrin

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    Der Artikel ist klar als Meinung gekennzeichnet. In Meinungsartikeln geht’s auch mal polemisch zu. Dem Verfasser mangelnde Seriosität vorzuwerfen greift daher m. E. nicht.

    Ich persönlich fand den Artikel stellenweise sogar recht witzig.

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  • Günther Herzig

    |

    Klaus Caspers, lebzeitig verdientes SPD-Mitglied, war mein enger Freund. Von ihm, der dem Verein auch angehörte, kenne ich Geschichten der Selbstgefällikeit, die im Verein herrschte.
    Neid, Konkurrenzhaltungen unter den Mitgliedern, ein fehlendes Gewissen und einiges mehr kennzeichnete Geschichten. Mir schien zwischen den Mitgliedern, die sich in ihrem neu erworbenen Mitläuferbewußtsein eingerichtet hatten und den jungen gesellschaftskritischen, wie Klaus Caspers eine Art von Friedhofstille zu bestehen, weil die “Geläuterten” der Nazizeit aus Gewohnheit Positionen beherrschten, in denen entschieden werden konnte, wessen Ausstellungen gefördert wurden. Da wurde Macht ausgeübt, oft auch von welchen, deren Macht eigentlich schon lange beendet sein sollte.

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  • Mr. B.

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    Zu Günther Herzig
    4. Oktober 2026 um 09:01 | #
    Es freut mich, daß Sie auch den Neid angesprochen haben, welcher heute immer wieder ständig ansteigt.

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  • Jürgen

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    Ich hatte nur eine “Zusammenarbeit” mit diesem Verein.
    Als Mitglied eines anderen Vereins stiftete ich 2018 ein Foto für das Plakat einer gemeinsamen Ausstellung, unentgeltlich mit der Bedingung, mich als Fotograf zu nennen.
    Ich wurde genannt: 1mm Schrifthöhe, wie üblich ganz unten. Weiße Schrift auf sehr hellgrauem Hintergrund. Also nicht lesbar.
    Das nenn ich schlicht einen schlechten Stil.

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  • Hibulazultasbellinger

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    @Jürgen
    Anscheinend gibt es viele vom Kunst- und Gewerbeverein verletzte Seelen, die sich persönlich nicht wertgeschätzt fühlen.
    Dazu zählt wahrscheinlich auch der Verfasser Paul Casimir Marcinkus, nur so lässt sich sein Meinungs-Artikel erklären.

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  • Kraus

    |

    Und anscheinend gibt es hier viele Vertreter des Kunst- und Gewerbevereins, die sich durch den Artikel persönlich verletzt und nicht wertgeschätzt fühlen.
    Dazu zählt wahrscheinlich auch der Kommentator Hibulazultasbellinger, nur so lassen sich seine Kommentare erklären.

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  • Daniela

    |

    @ Hibulazultasbellinger
    3. Oktober 2026 um 12:35 | #

    Die hier von Ihnen dargestellte. Meinung beschämt.
    Was bedeutet diese Meinung denn? Der KGV hat sich in 12 Jahren willfährig eingeordnet in das Vorgehen des NS Regime, hat Wanderausstellungen zur ‘ entartenten Kunst ‘ begleitet, selbst Ausstellungen arrangiert und ist heute zu einem vom Verein heraus gegebenen Katalog der Ansicht, dass man das nicht explizit erklären müsste, da es ja schon jeder wissen müsste.
    Alleine diese Aussage schmälert die Leistung des Vereins für die verbleibenden über 80 Jahre.
    Sie hinterlassen wirklich einen bedeutsamen Eindruck, einen wirklich sehr schlechten.

    @Kraus
    6. Oktober 2026 um 11:17 | #

    Ich denke Ihre Einschätzung trifft genau ins Schwarze.
    Hier scheinen sich genügend Getreue des KGV zu tummeln, die sich mit diesem Festakt und Katalog feiern wollten und jetzt auf harte Kritik bezüglich Ihres Katalogs und dessen Inhalt stoßen.
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    Meine Damen und Herren des KGV,
    es wird einzig und allein Ihre Aufgabe bleiben, zu entscheiden, wie Sie mit der Kritik am Inhalt Ihres Katalogs bezüglich einer 12%igen Zeitspanne der Gesamtzeit umgehen wollen.
    Die Kritik wird bleiben, solange Sie sich dieser nicht selbstkritisch stellen können oder wollen.

    Ich denke alle namhaften Künstler ( ca. 1600 ), die unter dem NS Regime leiden mussten, ihr Leben verloren, jahrelang unter lebensunwürdigen Zuständen in Konzentrationslagern interniert waren, es bestenfalls ins Exil schafften und deshalb überlebten, haben alle Erwähnung immer und immer wieder verdient.
    Zudem zig tausend Kunstwerke, die unter dem NS Regime für die Nachwelt vernichtet wurden.

    Wie steht man denn im Regensburger KGV zu den zig tausend vernichteten Kunstwerken während der NS Zeit?

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  • Rigobert Asam

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    vielen Dank für Ihre kritischen Anmerkungen zu unserem Katalog.

    Wir möchten allerdings deutlich widersprechen, wenn aus der von Ihnen vertretenen Sicht der Eindruck entsteht, der KGV müsse sich für seine Themenauswahl rechtfertigen oder eine vermeintlich „zu geringe“ Berücksichtigung bestimmter Zeiträume als Versäumnis anerkennen.

    Es liegt in der Verantwortung des Veranstalters, die Themen einer Ausstellung und eines dazugehörigen Katalogs eigenständig auszuwählen und inhaltlich zu gewichten. Dabei beschränken wir uns ausdrücklich nicht auf den Zeitraum von 1933 bis 1945 oder die unmittelbare Nachkriegszeit. Kunst- und Kulturgeschichte umfasst weit mehr als diese zwölf Jahre, und es steht uns als Veranstalter frei, unterschiedliche Epochen, Entwicklungen und Fragestellungen in den Mittelpunkt zu stellen.

    Die Verfolgung von Künstlerinnen und Künstlern, die Zerstörung und Beschlagnahmung von Kunstwerken sowie die Vernichtung kulturellen Erbes während der NS-Zeit sind ohne Zweifel wichtige und ernst zu nehmende Themen. Das steht für uns außer Frage. Daraus ergibt sich jedoch weder die Verpflichtung, diese Themen in jedem Katalog in einem bestimmten Umfang abzubilden, noch die Notwendigkeit, unsere inhaltliche Konzeption an einer von außen vorgegebenen Gewichtung auszurichten.

    Auch die von Ihnen genannte „12%ige Zeitspanne“ ist aus unserer Sicht kein geeignetes Kriterium, um die Qualität oder Angemessenheit einer Ausstellung zu beurteilen. Eine historische Epoche lässt sich nicht allein anhand ihres zeitlichen Anteils an einem Katalog bewerten.

    Wir nehmen Ihre Kritik zur Kenntnis und respektieren selbstverständlich, dass Sie unsere Auswahl anders gewichten würden. Die Entscheidung über die Inhalte und Schwerpunkte unserer Veranstaltung bleibt jedoch bei uns als Veranstalter.

    Ihre konkreten Fragen – insbesondere zum Umgang mit der NS-Zeit, zu den von Ihnen genannten vernichteten Kunstwerken und zur Frage, welche Zeiträume wir in welcher Form berücksichtigen – beantworten wir gerne im Rahmen der Veranstaltung. Dort besteht auch die Möglichkeit, diese Punkte offen und sachlich miteinander zu diskutieren.

    Wir bitten allerdings um Verständnis dafür, dass wir uns nicht vorab eine inhaltliche Schwerpunktsetzung auferlegen lassen, nur weil bestimmte Themen aus Ihrer Sicht zwingend in einem bestimmten Umfang berücksichtigt werden müssten.

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  • Daniela

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    @Rigobert Asam
    7. Oktober 2026 um 19:50 | #

    Vielen Dank für Ihr Statement hier im Forum für den KGV Regensburg, zeigt es doch, dass Sie sich mit der entgegen gebrachten Kritik auseinandersetzen.

    Ich erwarte gar nicht, dass Sie jetzt eine Kehrtwende bei Ihrem Katalog machen, aber der gesamte hier im Forum geführte Dialog ist begrüßenswert.

    Vielleicht gibt es ja künftig bei Veröffentlichungen zur Arbeit des KGV die Möglichkeit, die Arbeit des KGV während der NS Zeit kritisch zu reflektieren und damit zu einem Beginn der Aufarbeitung zu kommen.

    Wie ich bereits schrieb, es obliegt einzig und allein dem KGV, wie der KGV mit der Kritik umgeht.

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  • Roman Serlitzky

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    Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstsicherheit manche Menschen anderen erklären, was sie zu tun hätten – vor allem dann, wenn sie selbst weder etwas anpacken noch Verantwortung übernehmen. Je weniger eigener Beitrag, desto größer offenbar die Expertise darüber, was alle anderen falsch machen. Vom sicheren Rand aus lässt sich eben besonders trefflich dirigieren.

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  • Daniela

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    @ Roman Serlitzky
    8. Oktober 2026 um 11:36 | #

    Es ist schon erstaunlich, mit welcher Selbstsicherheit manche Menschen einschätzen können, ob andere Menschen etwas leisten, Verantwortung übernehmen,
    etwas anpacken…. ohne diese Menschen überhaupt zu kennen.

    Kritik bedeutet auch nicht zwangsläufig “falsch gemacht “, Kritik ist auch hinterfragen.

    Ich habe mich viel mit der Weimarer Republik beschäftigt und den Aufstieg der NSDAP bis hin zum Aufstieg einer faschistischen Diktatur. Die Realität der Gleichschaltung einer ganzen Nation. Das Schaffen menschenverachtender Gesetze, das Internieren und Morden in Lagern…. Ich begreife bis heute nicht, wie es möglich war… Beschäftigt man sich damit, warum Menschen verfolgt, verhaftet, ermordet wurden, stößt man zwangsläufig auch irgendwann auf Kunstschaffende und damit kommt man zur ” entartenten Kunst “.

    Aber belassen wir es dabei, eine Diskussion wurde angeregt, ein Austausch der unterschiedlichen Meinungen hat stattgefunden.

    Ab jetzt gehört Respekt dazu, Zeit zum Verarbeiten der unterschiedlichen Meinungen.

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