Für Ausstellung über die 50-er in Regensburg: Adi Adler darf nach 25 Jahren aus der Holzkiste
Fast 90 Jahre ist er alt, 25 Jahre verbrachte er in einer Holzkiste auf dem städtischen Bauhof – ab Samstag gibt es den zwölf Tonnen schweren Granitadler, der über 50 Jahre die Nibelungenbrücke zierte, vor dem Historischen Museum zu sehen. Er wurde ursprünglich für die Adolf-Hitler-Brücke in Auftrag gegeben.

Letzten Mittwoch wurde der Adler vor dem Historischen Museum angeliefert. Foto: Herbert Baumgärtner
18.000 Reichsmark hat er gekostet – der Granitadler, der derzeit in einer Holzkiste vor dem Historischen Museum Regensburg auf seinen Einsatz wartet. Dr. Sebastian Karnatz, Leiter der städtischen Museen, hat ihn aus der Versenkung geholt – 25 Jahre, nachdem der Vogel 2001 abgebaut und im Bauhof eingelagert wurde.
Er soll ein Element der Ausstellung „Tanzen und Taumeln – Die 1950er-Jahre in Regensburg“ werden, die am 3. Oktober beginnt. Als Symbol für die Verdrängung der nationalsozialistischen Verbrechen in diesen frühen Nachkriegsjahren taugt der Adler allemal.
Für die Adolf-Hitler-Brücke wurde der Adler nicht rechtzeitig fertig
Ursprünglich sollte der zwölf Tonnen schwere Vogel vom Münchner Bildhauer Albert Allmann die Adolf-Hitler-Brücke zieren, die am 16. Juli 1938 eingeweiht wurde. Doch der Brückenadler war damals noch nicht fertig. Für den Festakt, an dem tausende Regensburgerinnen und Regensburger teilnahmen, wurde er kurzerhand ins Foto montiert.
Als er 1939 endlich angeliefert wurde, wollten die Stadtoberen um Nazioberbürgermeister Otto Schottenheim plötzlich nichts mehr von ihm wissen. Er landete im Depot – und überlebte so die Sprengung der Hitler-Brücke am 23. April 1945 (mehr darüber).
Legende über Stiftung durch Konrad Adenauer
Fünf Jahre später kam der Granitgreif doch noch zu seinen Ehren. 1950 wurde die Nibelungenbrücke eingeweiht, und nun landete auch der Allmann-Adler an der vorgesehenen Stelle. Mit strengem Blick gen Osten, mit Eichenlaub zwischen den Krallen – aber ohne das ursprüngliche Hakenkreuz.
Folgt man Helmut Höhn, der sich 2008 in dem Büchlein „Die Geschichte von Adi Adler“ (Edition Bunte Hunde) mit dem Schicksal des Vogels beschäftigt hat, hielt sich in Regensburg lange die Legende, Konrad Adenauer habe ihn gestiftet – als Bundesadler.

2001 wurde der Brückenadler demontiert und eingelagert. Foto: Stadt Regensburg
51 Jahre wachte der Adler anschließend über den Verkehr, der über die Nibelungenbrücke rauschte – ungerührt von mancher Nazi-Parole, mit der er besprüht wurde, und von anderen farblichen Verschönerungen.
Beim Neubau der Brücke abmontiert
Als die Brücke mit 50.000 Fahrzeugen pro Tag zunehmend überlastet war, stand ein Neubau an. Der machte vor allem Schlagzeilen, weil bei der Ausschreibung irgendwie 950 Tonnen Stahl vergessen worden waren – was die Kosten von etwas mehr als 30 auf rund 40 Millionen Euro hochtrieb.
Auch mit dem Adler beschäftigte man sich, als er am 11. Juli 2001 im Zuge der Grundsteinlegung abmontiert und in den städtischen Bauhof verfrachtet wurde. Damals versprach die Stadt in einer Pressemitteilung:
„Das wird allerdings nicht seine letzte Reise sein. Die Kommission Kunst und Bauen sowie andere Gremien haben jetzt genügend Zeit, eine angemessene Lösung für eine künftige Verwendung des Adlers zu suchen. “
Comeback nach 25 Jahren
Über 25 Jahre ist das her. Seitdem versuchte ein Regensburger Unternehmer, den Adler zu kaufen, um ihm in seinem Garten Asyl zu gewähren. Der Kunstverein Graz veranstaltete 2003 einen Wettbewerb, um Ideen für den Umgang mit dem Vogel zu sammeln, und es gab eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion – ohne Ergebnis.
Ab Samstag darf der Adler nun aus seiner Holzkiste – versehen mit Infotafeln zur historischen Einordnung. Flankiert wird der einst als Adolf-Adler vorgesehene Vogel von einer Figurengruppe des Bildhauers Franz Weidinger: „Einigkeit und Recht und Freiheit.“
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BvG
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Die 50er Jahre haben den Adler gerade nicht verdrängt. Die Ausführung ist wenig spezifisch nationalsozialisitsch, sodass er als deutsches Wappentier auch in der Bundesrepbublik durchgehen konnte.
Wird nicht seit längerem der Wunsch geäußert, der Dachauplatz möge (noch) mehr an den Nationalsozialismus erinnern? Dann kann er auch stehenbleiben.