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Kolumne

Morgen, Regensburg! Rattenhorden und Rentenversicherung

Es ist unglaubwürdig, wenn die Deutsche Rentenversicherung behauptet, die Qualität ihrer Leistung regelmäßig zu prüfen, aber dann keine Zahlen zu Problemen vorweisen kann. Von mäßiger Qualität sind manche kritischen Anmerkungen der CSU im Stadtrat.

1. Kein Einzelfall: Mit der Rentenversicherung in den Nervenzusammenbruch

Letzte Woche berichtete ich über eine Frau, die nach einer psychosomatischen Reha einen schweren Nervenzusammenbruch erlitt. Der Grund: Das bereits genehmigte Übergangsgeld der Deutschen Rentenversicherung blieb wochenlang aus. Widersprüchliche und falsche Auskünfte verschärften die Situation, während sich zuhause Rechnungen und Mahnungen stapelten.

Am Ende musste die Betroffene für weitere sechs Wochen ins Bezirksklinikum. Dort setzte der Sozialdienst die Rentenversicherung unter Druck, sodass die Frau das Geld schließlich bekam. Ihr Fazit: Die Reha hat durch diese Begleitumstände alles nur verschlimmert. Erst langsam findet sie beruflich wieder Fuß.

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Auf Nachfrage, wie oft solche Probleme auftreten, gab die Deutsche Rentenversicherung eine erstaunliche Antwort: Man führe darüber keine Statistik. „Eine belastbare Aussage zur Häufigkeit solcher Fälle können wir daher nicht treffen.“

In Zeiten digitaler Datenerfassung und KI klingt das unglaubwürdig. Es sollte kein Problem sein, solche Daten zu erheben, besonders wenn die Rentenversicherung „regelmäßige Qualitätsprüfungen“ durchführt.

Zuschriften an unsere Redaktion nach der Veröffentlichung des Berichts deuten darauf hin, dass es sich um ein häufiges Problem handelt, das mit dem Verweis „keine Statistik“ verschleiert werden soll.

Eine weitere Betroffene, die zur selben Zeit eine psychosomatische Reha in Regensburg absolvierte, schildert ihre Erfahrungen eindrücklich. Bei ihr dauerte es dreieinhalb Monate bis zur Auszahlung des Übergangsgelds.

Hier ihre Worte:

„Ich habe mich mehrfach an die Deutsche Rentenversicherung gewandt und immer wieder nach dem Stand der Bearbeitung gefragt. Dabei erhielt ich unterschiedlichste Aussagen. Mir wurde unter anderem gesagt, das Geld sei bereits überwiesen, die Auszahlung würde bald erfolgen, mein Fall sei in Bearbeitung oder ich müsse mich lediglich noch etwas gedulden.

Nach unzähligen Anrufen – es waren sicherlich 20 oder mehr Kontakte – stellte sich schließlich heraus, dass mein Fall zu diesem Zeitpunkt offenbar noch gar nicht bearbeitet worden war. (…)

Währenddessen geriet ich finanziell immer weiter unter Druck. Meine laufenden Kosten konnten nicht mehr zuverlässig gedeckt werden. Mein Stromanbieter drohte mit Konsequenzen, mein Handy und mein Internet wurden gesperrt beziehungsweise es wurden entsprechende Maßnahmen angekündigt. Gleichzeitig liefen natürlich alle anderen alltäglichen Kosten weiter. (…)

Die gesamte Situation hat mich psychisch massiv belastet. Irgendwann hatte ich einen Nervenzusammenbruch. Glücklicherweise war zu diesem Zeitpunkt jemand bei mir, der mich aufgefangen und mir schließlich auch finanziell geholfen hat. (…)

Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, was passiert wäre, wenn ich diese soziale und finanzielle Unterstützung nicht gehabt hätte. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt das Gefühl, völlig allein mit einem Problem gelassen zu werden, für das ich selbst überhaupt nichts konnte.

Was mich daran besonders erschüttert, ist der Zusammenhang mit meiner Reha. Ich bin in eine psychosomatische Reha gegangen, um mich gesundheitlich zu stabilisieren und anschließend wieder eine Perspektive für meine berufliche Zukunft zu entwickeln. Stattdessen wurde ich nach der Reha durch die monatelange finanzielle Unsicherheit noch zusätzlich psychisch belastet.

Besonders schlimm war für mich dabei auch die Verantwortung für mein Kind. Als Mutter möchte man seinem Kind Sicherheit und Stabilität geben. Stattdessen musste ich mir Gedanken darüber machen, ob ich meine laufenden Kosten überhaupt noch bezahlen kann und ob beispielsweise Strom, Internet oder andere notwendige Dinge gesichert sind.

Ich finde es bis heute schwer nachvollziehbar, dass ein Mensch, der sich in einer Reha befindet und anschließend wieder ins Berufsleben zurückkehren möchte, über einen so langen Zeitraum auf eine existenzielle Leistung warten muss und gleichzeitig immer wieder unterschiedliche Informationen zum Bearbeitungsstand erhält.

Mir geht es dabei nicht darum, mich über eine normale Verzögerung zu beschweren. Eine solche Situation kann selbstverständlich einmal vorkommen. Was für mich aber besonders belastend war, war die Kombination aus der monatelangen Wartezeit, den wiederholten Nachfragen meinerseits und den widersprüchlichen Auskünften – insbesondere die Tatsache, dass mir mehrfach vermittelt wurde, die Auszahlung stehe unmittelbar bevor, obwohl mein Fall letztlich noch gar nicht bearbeitet worden war.“

Die Betroffene, über die ich letzte Woche berichtete, erhielt eine telefonische Entschuldigung. Ihre Dienstaufsichtsbeschwerde verlief im Sande. Eventuelle finanzielle Schäden müsse sie geltend machen, dann werde geprüft, hieß es.

Bei der Verfasserin der obigen Zeilen gab es keine Entschuldigung. Sie erhielt ihr Geld erst, nachdem sie mit einem Anwalt gedroht hatte. Ob die Qualitätssicherung der Deutschen Rentenversicherung das registriert hat, ist nicht bekannt.

2. Rattenhorden und ein Hallenbad

Haben Sie es schon mitbekommen? Die Altstadt von Regensburg wird von „Rattenhorden“ heimgesucht. Das sagt zumindest CSU-Chef Michael Lehner. Anlass war die Diskussion um eine Entsiegelungsmaßnahme für den Kornmarkt im Umweltausschuss.

Dort soll noch im Spätherbst für 191.000 Euro ein „Klimaresilienzobjekt“ aufgestellt werden. Hinter dem sperrigen Begriff verbergen sich Sitzelemente in unterschiedlichen Höhen, Begrünung und ein Freiluftauditorium für größere Gruppen. Später sollen wassergebundene Wegedecken dazu.

Lebt nicht in Regensburg: diese Ratte. Foto: gemeinfrei

Es ist legitim, dass Lehner das Ganze als „rausgeschmissenes Geld für weniger Parkplätze in der Altstadt“ kritisiert. Acht Parkplätze fallen weg, und die CSU ist nicht erst seit gestern als vehemente Verteidigerin jedes Parkplatzes bekannt, der für Begrünung oder eine Fahrradstraße wegfallen könnte.

Weiter wünscht sich Lehner aber Abwehrmaßnahmen gegen Ratten am Resilienzobjekt, denn: „Wir haben eine Rattenproblematik in dieser Altstadt, die nicht mehr feierlich ist. Überall gibt’s Rattenhorden. Und die Dinger, die ihr da hinstellen wollt, sind wieder so eine Nestgeschichte.“

Man kann als Politiker aufgreifen, was in der Zeitung steht. Zum Beispiel die Sommerloch-Berichte der MZ, in denen gefragt wurde, ob es eine Rattenplage in der Altstadt gibt (Antwort: Nein.) und ob es wirklich keine Rattenplage gibt (Nein, ganz bestimmt nicht.).

Aber man sollte auch zur Kenntnis nehmen, was die zuständigen Stellen festgestellt haben: Es gibt keine „Rattenhorden“ in der Regensburger Altstadt und keine Rattenproblematik, die über das hinausgeht, was in jeder größeren Stadt an einem Fluss vorkommt.

Es sei denn, man will auf das ewige Lamento der Social Media-Kommentatoren aufspringen, die beklagen, dass in Regensburg alles immer schlimmer, dreckiger und rattengeplagter wird. Obwohl sie, wenn man ihren Beteuerungen glaubt, schon lange nicht mehr in der Regensburger Altstadt waren, weil es beim DEZ oder beim Globus in Neutraubling eh viel schöner ist.

Kann man machen, spielt aber in derselben Liga wie die CSU-Kritik neulich am Investitionsprogramm im Sportausschuss (hier nachzulesen). Das lehnte die CSU unter anderem ab, weil dort keine Mittel zur Sanierung des Hallenbads in der Gabelsbergerstraße eingestellt waren.

Dabei müsste man es besser wissen – zumindest, wenn man im Stadtrat sitzt. Denn der wurde im April informiert, dass das Stadtwerk erst eine neue Investitionsplanung braucht, weil Angebote für den ersten Plan – Sanierung des Hallenbads mit Anbau – zu teuer waren. Und wenn man nicht weiß, was etwas kostet, kann man dafür auch kein Geld einplanen.

Ich will nicht behaupten, dass jede Kritik der CSU an der aktuellen Rathauskoalition in derselben Liga spielt wie Rattenhorden und Hallenbad. Aber auch die kritische Pressemitteilung der größten Oppositionsfraktion anlässlich der ersten 100 Tage unter Thomas Burger war dünn und substanzlos.

Es wäre an der Zeit, dass die CSU sich fängt und Kritik übt, die Hand und Fuß hat. Das würde dem Stadtrat sicher nicht schaden.

Entspannte Restwoche!

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