SOZIALES SCHAUFENSTER

Zwischen Spannung und Zermürbung

Mit der Bahn ins Ungewisse…

Die zuletzt steigenden Spritpreise haben das Thema Öffentlicher Nahverkehr nochmal verstärkt aufs Tapet gebracht. Die Politik rät dazu, das eigene Auto doch einfach mal stehen zu lassen und auf Bus und Bahn zurückzugreifen. Aber ist das Netz denn für die mögliche Mehrbelastung überhaupt ausgelegt? Wir haben unseren Außenreporter losgeschickt.

Zugegeben, mein Tag beginnt zunächst auch selbstverschuldet etwas holprig. Habe die Nacht nicht sonderlich gut geschlafen. Ich stehe viel zu spät auf, springe hastig unter die Dusche, wieder raus. Rein in die Kleidung. Rucksack umgehängt, Mülltüte gepackt, los. Etwas außer Atem – die Lunge ist nach einem ausgedehnten Corona-Urlaub neulich noch etwas zimperlich – komme ich sogar überpünktlich an der Bushaltestelle an. Gut so, denn auch der Bus kommt überpünktlich. Ich steige gut gelaunt ein. „Wegen mir könnte es ab jetzt entspannt dahin gehen“, denke ich mir. Ich übergebe mich in die treuen Hände der Bundesbahn. Sollte doch ein netter Karfreitagsausflug werden.

An Gleis 4 am Regensburger Hauptbahnhof zeigt sich mir schon von weitem ein beängstigendes Bild. Eine Schlacht tobt – um den letzten Platz im Zug (es ist ein Alex). Nicht um den letzten verbliebenen Sitzplatz, den man einer anderen Person noch vor der Nasenspitze wegschnappen könnte. Nein, es geht wortwörtlich um den letzten Platz in den Waggons. Ich blicke in fragende Gesichter. Der Schaffner zuckt mit den Schultern. Er könne auch nichts machen. Radfahrer schieben ihren Drahtesel nach vorne, zurück und wieder von vorne. Währenddessen stehen im Zug die Menschen dicht gedrängt bis an die Eingänge. Taschen werden gekonnt in die viel zu kleinen Lücken zwischen Beine und Arme gequetscht oder wo eben sonst noch Platz dafür ist.

Die Bahnunternehmen scheinen von dem Osterwochenende ebenso überrascht worden zu sein, wie die Bundesregierung von den letzten beiden Corona-Wellen. War auch schwer abzusehen, dass an einem verlängerten Wochenende Menschen Zug fahren wollen. Wird momentan auch kaum dafür geworben, das Auto lieber mal stehen zulassen. Warum also mehr als drei Waggons anhängen?

Länger werde der Zug definitiv nicht mehr, erklärt mir der Schaffner mit einem erneuten Schulterzucken. „Sie können den nächsten nehmen.“ Da Feiertag ist, nehme ich es gelassen, beschließe, mich nicht auch noch Mundschutz an Mundschutz zwischen bald schwitzende Achseln zu zwängen. Ich fahre die Rolltreppe hoch und sehe vom Bahnübergang, wie der Zug abfährt und auch andere ihrem Schicksal überlässt.

Am Infopoint wird meine Zugbindung aufgehoben und ein neuer Weg ausgedruckt. Ich darf nun gleich dreimal ICE fahren, zum Schluss noch kurz Regionalbahn. Schnell geht das trotzdem nicht. Knapp fünf Stunden (mit dem Auto wäre es die Hälfte). Dachte, eine Fahrt von Regensburg nach Thüringen, so schwer kann das nicht sein.

Als ich wenige Minuten später den ICE besteige macht sich erst einmal Erleichterung breit. Ich setze mich ins Bordbistro. „Pfefferminztee bitte.“ Ich setze meine Kopfhörer auf. Drücke Start und der Beat setzt ein. Das Schaukeln des Zuges versetzt den Kopf in ein passendes Nicken. Benjamin Blümchen törötet ins Ohr. Innere Ruhe kehrt ein. Die Reise beginnt. Die Welt um mich herum verblasst. Urplötzlich werde ich zurückgerissen, etwas hat eben meine Hand auf dem Tisch gestreichelt. Ein Kind wurde durch die Zugwogen heran gespült. Es guckt mich so grimmig an, dass ich mich sofort entschuldige, die Hand vorsichtig zurückziehe und jeden weiteren Blickkontakt zu vermeiden bemüht bin.

Es folgt ein kurzer Tanz zwischen meiner Hand und der Tasse Pfefferminztee. Gekonnt führe ich meine Partnerin im rhythmischen Ruckeln des Zuges. Ich nippe. Tee ist noch heiß. Scheint aber zu schmecken. Benjamin Blümchen löst gerade sein Rätsel um die verlorenen Kröten im Gartenteich. Draußen vor dem Fenster rauschen Landschaft, Haus und Schornstein vorbei. In der Ferne drehen Windräder bedächtig ihre Runden.

Bevor ich mich in unsinnigem Sinnieren über die den drehenden Windrädern innewohnende Ästhetik verlieren kann, hochtrabende Vergleiche zwischen kargen Bäumen vor dem Fenster und der vagen Politik von Olaf Scholz bemühe oder über das satte Rot der zerschlissenen Sitzbank gegenüber philosophiere, weckt die Durchsage des Schaffners meine Aufmerksamkeit.

Der Zug hat fünf Minuten Verspätung. Ein erster genauer Blick auf meinen neuen Fahrplan: Ich habe vier Minuten Umstiegszeit in Würzburg. Suche nach dem Schaffner. Find ihn einen Wagen weiter. Hat auch gleich eine Lösung. Ich solle in Nürnberg bereits umsteigen. Sei der gleiche ICE wie in Würzburg, nur mit mehr Zeitpuffer.

Ab da läuft es wie geschmiert. Umstieg in Nürnberg: Check. Platz im zweiten Zug: Check. Zwei Damen verzichten sogar auf einen ihrer beiden reservierten Fensterplätze an einem Vierertisch. Sich wohl in einer Schickssalsgemeinschaft wähnend, erkundigt sich meine neue Bekanntschaft, wohin denn meine Reise gehe. Man plaudert ein wenig. „Griechenland hat uns ja einst Recht und Gesetz und so gebracht. Aber heute …“ „Griechenland hat seine Schulden zurückgezahlt, sogar deutlich früher als geplant“ „Ach?“

Dann lehne ich mich auf meinen Rucksack. Kopfhörer wieder ins Ohr. Der Blick verliert sich in der Ferne. Im Hintergrund rauschen die Gespräche der anderen Fahrgäste als beruhigende Dauerschleife. „Testen“, „Durchlauferhitzer“, „Fehlende Fachkompetenz“. Der Beginn einer wunderbaren Reizwortgeschichte?

Komme mir kurz vor wie ein Wackeldackel auf Ecstasy als der ICE über ein besonders gut ausgebautes Streckenstück holpert. Wieder meldet sich das Zugpersonal. „Willkommen … Wir haben Würzburg mit acht Minuten Verspätung verlassen.“ „Na da hätte ich den Umstieg ja auch hier geschafft“, geht es mir amüsiert durch den Kopf. Aber Moment! Ich ziehe den mittlerweile etwas zerknittert dreinblickenden Fahrplan aus der Tasche. Umstiegszeit in Fulda: sieben Minuten. Könnte schon wieder knapp werden. „Wir informieren Sie zeitnah über Ihre Anschlusszüge.“

Ich warte.

Ich warte.

Ich warte.

Eine Viertelstunde vor geplanter Ankunft in Fulda werde ich allmählich nervös. Ein Abteil weiter finde ich die Schaffnerin. „Wir geben gleich über die Anschlusszüge Bescheid.“

Kurz darauf die Info: Da die Deutsche Bahn ein in sich funktionierender Kosmos zu sein scheint, werde ich meinen Zug erreichen. Der Anschlusszug wurde verspätet bereitgestellt und fährt daher selbst mit 20 Minuten dem Fahrplan hinterher. Ich schnaufe tief durch. Kurz darauf packe ich mich zusammen. Ich solle mal vorbeikommen, wenn ich in der Nähe bin, sagt meine neue Bekanntschaft. „Bleib gesund“ „Ebenso und noch gute Reise.“ Auf dem Bahngleis nebenan lasse ich mir die wohlverdiente Nussecke schmecken. Kurz darauf kommt der ICE. Einstieg gelingt. Auch ein Platz ist wieder frei.

Mein Handy zeigt mir einen neuen Maileingang an. Weil ich nichts besseres zu tun habe, öffne ich die App. „Ihr Anschluss in Gera ist nicht erreichbar.“ Na da habe ich aber Glück gehabt, dass ich schon in Regensburg gar nicht erst den ursprünglichen Zug erwischt habe. Wäre sonst zu spät in Gera gewesen, hätte meinen Anschluss verpasst und wäre erstmal hängen geblieben.

Stattdessen bin ich auf meiner vorletzten Etappe. Fast am Ziel. Moment mal! Hatte der ICE hier nicht ebenfalls Verspätung? In Erfurt habe ich laut meinem Ausdruck eigentlich 24 Minuten Zeit für den Umstieg. Wird schon klappen, hatte ja bisher auch keine Probleme. Und die rund 40 Minuten, die ich gegenüber meinem ganz ursprünglich geplanten Fahrplan länger unterwegs bin, das ist ja eigentlich als Geschenk von der DB anzusehen. Wann hat man schon mal Zeit gewonnen? Und das ohne Zuzahlung? Da kann auch das mittlerweile triste Wetter draußen die Stimmung nicht trüben.

Durchsage in Eisenach: 15 Minuten Verspätung. Sieht doch gut aus.

Mir fällt etwas auf: Der Zug fährt nicht los. Warum fährt dieser verdammte Zug nicht los? Das würden jetzt manche denken. Aber nicht ich. Ich lege mir etwas Musik auf die Ohren und verliere mich in Gedanken über das geplante Neun-Euro-Ticket. Wie das wohl ausgestaltet wird? Weiß ja derzeit noch niemand so genau. Wenn dann mehr Leute Bus und Zug fahren sollten, wird es dann auch mehr Züge oder zumindest mehr Wagons geben? Da kommt schon die nächste Durchsage: Technischer Defekt; Verzögerung fünf bis zehn Minuten.

Elf Minuten später schaue ich auf die Uhr: 12:27 Uhr. Die Augen wandern langsam auf die Anzeige am Bahnsteig: Geänderte Abfahrtszeit 12:26 Uhr – ursprünglich 12:01 Uhr. Und da kommt mir die Erkenntnis. Ich erkenne einen tieferen Sinn. Alles erscheint urplötzlich wie durch einen Durchlauferhitzer aufbereitet. Die wollen gar nicht, dass wir Zug fahren. Die Bahn und der ÖPNV sind doch in der Hand der Autokonzerne und die stecken mit der Politelite unter einer Decke. Na klar. Wenn mich schon nicht die doppelte Fahrzeit gegenüber dem Auto abschreckt, dann eben die permanente Ungewissheit, wann man überhaupt irgendwo ankommt, ohne zu wissen, wie man von dort weiterkommt. Das ist Zermürbungstaktik.

Wie als Bestätigung meiner Erkenntnis folgt die nächste Durchsage: Mit 30 Minuten Verspätung verlässt der Zug Eisenach. Ich lehne mich mit einem genüsslichen Grinsen hinter der Maske versteckt zurück. Das Wetter ist doch dann bestimmt auch gesteuert. Die wollen das perfekte Setting schaffen, die Psyche auf allen Ebenen zermürben, mich so gefügig machen. Nicht mit mir. Egal, wo und wann ich heute ankomme. Ich werde wieder mit dem Zug fahren. Lasse mir doch nicht vorschreiben, wie ich mich fortbewegen soll.

Kurz vor Erfurt. Ich mache mich wieder auf die Suche nach der Schaffnerin. Leider ist mein Akku gleich leer. Ich melde mich wieder, wenn ich mehr über das geheime System hinter Bahn und Staat herausgefunden habe – jedenfalls dann, wenn ich mal ankomme.

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Kommentare (23)

  • Rade

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    Da sollte man den Alex in die andere Richtung (also nach Süden) nehmen und hoffen, dass man noch den Anschluss in Richtung Salzburg bekommt. Da endet die Reise in der Regel sehr schnell, wenn er schon in Regensburg mit einer Verspätung von 25 Minuten einlangt, die Umstiegszeit in Landshut aber nur sechs Minuten beträgt… (Sofern der Alex überhaupt in Regensburg ankommt, was zur Zeit auch nicht selbstverständlich ist.)

  • Beamter

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    Wäre dann zu Zeiten der Bundesbahn vielleicht wirklich besser gelaufen … :-)

  • Native

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    Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen.
    Eine realistische Reisebeschreibung – von Regensburg nach Erfurt. Da beschleicht einen, Ehrfurcht! Da kann man sich auf den Fahrgäste-Run ab Juni 2022, nach der Einführung des 9€ Ticket für den ÖPNV freuen. Oder möglicherweise auf wieder verstärkte Corona-Vorsichtsmaßnahmen im Herbst. Man weiß es nicht. Vielleicht ist das unteranderem der Grund, dass viele nicht gerne auf das Auto verzichten wollen oder können.
    Thank you for travelling with Deutsche Bahn! https://www.youtube.com/watch?v=wXjhszy2f9w

  • Harald Klimenta

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    …bin zwischen 2001 und 2019 rund 1500 mal mit der Bahn zu irgendwelchen Veranstaltungen gefahren und habe keine einzige verpasst. KEINE EINZIGE!! – Klaro, es gab Verspätungen, manchmal wurde es “a bisserl” knapp, aber das schärft das Nervenkostüm :-) … Manchmal geht was schief, manchmal ist es eng, aber meistens gibt es einfach gar nix zu berichten: Es ist langweilig, weil es einfach klappt. Aber welche Zeitung will von solchen Erlebnissen schon berichten.

  • Rade

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    Ich bin in einem vergleichbaren Zeitraum vergleichbar oft gefahren und hatte wohl an die 50 Prozent Probleme mit zum Teil massiven Verspätungen und verpassten Anschlüssen. Und Anschlüsse sind das Problem, das auch in der Kommunikation der Bahn kaum vorkommt: Wenn eine Bahn zehn Minuten zu spät kommt, mag es ja auch nicht so schlimm sein. Wenn man bei einer Fahrt aber einen oder gar zwei Anschlüsse erreichen muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass man halbwegs zur geplanten Zeit ankommt.
    Ich wäre froh, wenn die Fahrten so langweilig wären, dass ich nichts zu berichten hätte. Aber dieses Luxusproblem habe ich leider nicht.

  • Hat abgeschlossen mit Bahn

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    Bei den Preisen wird sich die Bahn nie gegen das Auto durchsetzen (mal ganz von den Unwägbarkeiten, “Überraschungen” und Ärgernissen abgesehen).
    Beispiel einfache Fahrt Regensburg – München: 30,70€!
    Mein Kleinwagen kostet 22 Cent/km (ja dort sind Steuern, Tanken, Reparaturen und der Kaufpreis auf 10 Jahre abgeschrieben usw. mit drin): 125 km * 0,22 Cent = 27,5 €

    Das Argument mit Rabattaktionen und Bayernticket kann ich nicht gelten lassen, wenn ich gegen das Auto rechne. Schließlich kann ich mein Auto auch vor 9:00 Uhr fahren….

  • Zapfnmandl

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    @Harald Klimenta: es stimmt schon. Meistens ist es langweilig weil nichts passiert. Nur wenn ich die Zeiten zusammenrechne, die ich auf der Strecke Regensburg-Landshut die letzten 15 Jahre so an Verspätung gehabt habe, dann kommt da einiges zusammen.
    Und auch wenn es nicht schlimm ist, wenn ein Zug mal 10-30 Minuten Verspätung hat: es nervt halt ganz gewaltig, wenn das öfters passiert. Und da ich auf der Strecke in die Arbeit pendel, kann ich mir die Zeiten halt ned unbedingt aussuchen, zu denen ich fahre. Wenn dann noch die Inkompetenz der Bahnbetreiber (egal welcher) dazu kommt, dann wird’s heftig: da weiß nämlich die linke Hand nicht, was die rechte tut.
    Attraktiv ist der Zugverkehr im Nahverkehr jedenfalls nicht.

  • joey

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    wer kennt sich mit anderen Bahnen aus? Angeblich sind ja in der Schweiz und besonders in Japan die Pünktlichkeiten deutlich besser. Liegt vermutlich an den Bergen, die machen den Bahnbetrieb “leichter”?

    Hat jemand Zahlen? Und doch gibt es in der Schweiz Autos. Ach ja, das japanische Auto gehört ja zu den Führenden.

  • Stefan Egeli

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    Wenn es wenigstens nur Verspätungen wären. Es kann dir aber auch schon mal passieren, dass erst die Durchsage kommt,” Zug hat 45 Minuten Verspätung” und dann nach einer Stunde Wartezeit: ” Zug fällt heute aus”. Saß auch schon mal ne halbe Stunde im Zug und wartete auf die Abfahrt. Dann hieß es, “bitte wieder aussteigen”. Es war kein kein Lokführer da. Ich wollte nach Feierabend einfach nur heim. Busse und Bahn haben mir wegen der Verspätungen und auch Ausfälle und überfüllter Wagons schon so viele Nerven geraubt, deshalb bin ich wieder aufs Auto umgestiegen. Aber Hauptsache der Bahnchef bekommt 10% Gehaltserhöhung.
    Ich würde nie mit der Bahn in den Urlaub fahren!

  • Tobias

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    Musste nach Baden-Würrtemberg zu einer verdi-Schulung. Alles aufgeschrieben auf einen Collegeblock. Gleich das erste beim Fahrkartenkauf um 5:40Uhr: Mein Zug hat ein rotes Ausrufezeichen – Triebwerksschaden…. :)

    Die Hörspielkassette mit dem verstummenden Gartenteich hatte ich übrigens auch…

  • Black mamba

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    wenn ihr Abenteuerurlaub mit der deutschen Bahn buchen möchtet, fahrt mal zw. Weihnachten und Sylvester mit dem IC/E von Wien über Köln nach Amsterdam. vollgekotzte Toiletten in denen je nach Kurvenlage 15cm hoch die Brühe schwimmt, Raufereien um Sitzplatzreservierungen – mit Erbrochenem gegen die Scheibe des 6er Abteils ausgelöst, andere Toilette von Youngsters mit 2 Kästen Schneider Weisse dauerbesetzt. ganz zu schweigen davon, dass wir bis Nürnberg erstmal nur auf der Treppe der Eingangstüre stehend ausharren durften.

    Um nicht reines DB-Bashing zu betreiben, muss ich jedoch anmerken, dass ich auch von Strecken berichten kann, die ich selbst über Jahre hinweg kontinuierlich genommen habe & auf denen so gut wie keine oder nur sehr geringe Wartezeiten/ Verspätungen auftraten. quasi Wellnessurlaub mit der DB. Beinfreiheit, Steckdose und nicht verschlossene Zugfenster auf der Bordtoilette, was brauchts mehr..

  • Bürni

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    Nachdem ich im letzten Monat von München aus drei mal hintereinander nicht rechtzeitig – wie eigentlich geplant und vom Reiseplan vorgesehen – in regensburg war (und mein Mann deshalb mit dem Auto am Bahnhof warten musste, damit ich grad noch so mit nur 5 Minuten Verspätung zur Arbeit komme), bin ich auf die Alternative der mitfahrgelegenheiten umgestiegen…. Das funktioniert zuverlässig, man kommt pünktlich an, es dauert nicht so lang wie mit dem zug, es ist umweltfreundlicher zu viert oder fünft anstatt allein mit dem Auto zu fahren und es kostet im Vergleich zum bayernticket nicht mal ein drittel.

  • Blindschleichl

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    @Black mamba , da sind aber vermutlich die Mitreisenden die Verursacher?

  • Radler33

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    Genau wegen solcher Erfahrungen ist die Bahn bei mir irgendwann gestorben. Wenn überhaupt, fahre ich nur noch wenn ich 1) nicht umsteigen 2) am Ziel nicht pünktlich sein muss. Ich habe schon Fahrten abgebrochen, den nächstbesten Zug zurück genommen und mein Ticket Teil-rückerstatten lassen, weil ich es unmöglich zum Termin geschafft oder am selben Tag nicht mehr nach Hause gekommen wäre. Planen nicht möglich, reine Glückssache.

    Wenn die Bahn eine zuverlässige Konstante hat, dann ihre Unzuverlässigkeit.

    Dabei ist das Verkehrsmittel Bahn prinzipiell eigentlich genial: Man könnte z.B. mit Fahrrad mitsamt Gepäck in den Zug rein, am Zielort wieder aussteigen, ist dort sofort wieder mobil und kann die Fahrt in einer anderen Stadt fortsetzen. In der Praxis funktioniert das nicht. Wenn der Autor den nächsten Level Bahn-Abenteuer spielen will, soll er beim nächsten mal versuchen, ein Fahrrad mitzunehmen und folgende Diszplinen absolvieren:

    – Fahrrad-mit-Gepäck-Treppen-rauf-und-runter-Traging
    – Mit Fahrrad von einem Ende des menschenvollen Bahnsteigs zum anderen in unter 30 Sekunden, weil das Fahrrad-Abteil entgegen der Anzeige am anderen Ende hängt
    – und viele andere Abenteuer

  • black mamba

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    @Blindschleichl: größtenteils schon. da würd ich ihnen zustimmen.
    Ein älterer, mitreisender Wiener, der die Strecke eigenen Angaben zufolge im jährlichen Turnus um diese Jahreszeit zu überstehen hat ( aus familiären Gründen ), erzählte mir im Nachgang der Gang/Sitzplatz-schlägerei, dass das schon seit Jahren so oder ähnlich ablaufe, und es ihm unveständlich wäre, wieso die Bahn nicht mehr Waggons anhänge.

    Muss aber auch dazusagen: das Ganze ist nun auch schon wieder über 20 Jahre her und ich hab es seither nicht überprüft, ob sich an dem Zustand was geändert hat.

  • Auch a Regensburger

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    Hat abgeschlossen mit der bahn. Ihre rechnung sollten sie eben schon mit den möglichen rabattierungen machen, denn die haben die regelmässigen bahnfahrer ja. Ansonsten wäre es doch gerechter die 30,70€ mit einem Mietwagen zu vergleichen.

    Joey: Bei Japan kann ich Dir helfen. Dort ist der öffentliche Personenverkehr viel stärker ausgebaut und akzeptiert. Geht ja bei einer Metropolregion Tokio/Yokohama von 30 Mio garnicht anders. Das Auto ist hier zeitlich die wesentlich schlechtere Alternative. Die Pünktlichkeit hat schlicht mit der japanischen Mentalität zu tun. Da ist die deutsche Pünktlichkeit ja schon fast dolce vita.

  • Mr. T.

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    Die Probleme bei einer Bahnfahrt steigen mit jedem Umstieg im Quadrat. Es ist kein Problem, von Regensburg nach München zu fahren. Das ist meist auch sehr bequem und wenn man lanfristig buchen konnte, auch bezahlbar. Aber wenn man jetzt von Lam nach Lüneburg möchte, wirds kritisch. Da wird man nicht umhin kommen, bis Regensburg erst mal mit dem Auto zu fahren, das dort hinten eh jeder hat, um sicher am Ziel anzukommen.

  • Zugfanatiker

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    @Hat abgeschlossen mit Bahn
    Sie haben sich die Rechnung aber sehr leicht gemacht. Ohne Bahncard, etc. zahlen sie nach München ab 9:00 nur 26 € (Bayernticket). Schließen Sie sich einigen der vielen Menschen an, die diese Strecke fahren, können Sie ebenfalls das Bayernticket nutzen. Bei einer Fahrt mit 5 Personen macht das 58 €, also 11,6 € pro Nase.
    Sollten Sie eine Bahncard 50 benutzen, zahlen sie knapp über 15 € pro Fahrt, wobei sich die Bahncard 50 ab 22 Fahrten / Jahr auf dieser Strecke (243 € / Jahr für > 27 Jahre) bzw. ab 6 Fahrten / Jahr (70 € / Jahr für unter 27 jährige) amortisiert.

    Alles in allem, könnte es also je nach Anzahl der jährlichen Fahrten, berücksichtigung der Urzeiten auf jeden Fall sein, dass sie mit der Bahn billiger weg kommen.

  • Helmut Baumgartner

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    Sehr geehrter Herr Bothner,
    ja mei, man kann von Regensburg nach Erfurt auf verschiedenen Strecken fahren. Ich vermute, Sie wollten über Hof (ab 08:15) fahren, da Sie den Alex auf Gleis 4 erwähnen. In der Tat, für diese Strecke brauchen Sie fünf Stunden. Es wäre aber auch schneller gegangen, z.B. ab 07:19 mit dem RE nach Nürnberg, an 08:23 und weiter um 09:02 nach Erfurt mit Ankunft um 10:09 oder etwas später mit dem ICE um 08:27 nach Nürnberg, dort Ankunft um 09:26 und um 10:05 weiter nach Erfurt mit Ankunft um 11:26. Also wenn`s planmäßig läuft drei Stunden, immer noch mehr als Ihre geschätzte Fahrzeit mit dem Auto, aber immerhin schneller als die von Ihnen eingangs erwähnten fünf Stunden.
    Was wollten Sie nun mit Ihrem Bericht mitteilen? Dass bei den Eisenbahnunternehmen Vieles schiefläuft? Das ist eh` allseits bekannt, das kann ich als eingefleischter Bahnfahrer auch bestätigen. Warum Sie Sie über Würzburg und Fulda gefahren sind, verstehe ich nicht, aber, geht natürlich auch.
    Nur, wenn man Umwege fährt, muss man sich nicht wundern, wenn`s länger dauert weil vielleicht der eine oder andere Zug mal stehenbleibt oder ausfällt.
    Nix für ungut, ich war auch schon mal am falschen Bahnhof in Berlin, bin dann eine Umwegstrecke (natürlich mit Aufpreis) gefahren und kam trotzdem wie geplant in Regensburg an. Wenn einer eine Reise … ja dann kann er was erzählen oder schreiben. Aber wie schreibt Herr Klimenta:
    “Manchmal geht was schief, manchmal ist es eng, aber meistens gibt es einfach gar nix zu berichten: Es ist langweilig, weil es einfach klappt. Aber welche Zeitung will von solchen Erlebnissen schon berichten”.
    Genau so ist es, manchmal auch bei regensburg-digital.de

  • Radler33

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    Herr @Baumgartner,

    “Das ist eh` allseits bekannt,”
    Das ist ja das Schlimmste daran. Trotzdem ändert sich genau gar nichts, es wird gefühlt eher schlimmer. Gleichzeitig wird gejammert, dass so viele mit dem Auto fahren, auch wenn eine günstige Zugverbindung gleich daneben liegt. Läge.

    Warum er einen Umweg fuhr: Ich kann nur raten: Weil er den 1. Zug wg. Überfüllung nicht nehmen konnte?

    “Was wollten Sie nun mit Ihrem Bericht mitteilen?” fragten Sie noch. Das steht ganz oben in der fett gedruckten Zusammenfassung. Heraus kam dabei: Wenn’s jetzt schon nicht funktioniert, wie soll das dann mit noch mehr Fahrgästen, die sich die Politik vorstellt, funktionieren?

    Für mich war der Artikel durchaus wertvoll. Ab und zu denke ich drüber nach, es mal wieder öfter mit der Bahn zu versuchen, vielleicht hat sich nach vielen Jahren Abstinenz und einigen Jahren FFF ja was gebessert. Jetzt weiss ich, dass ich mir da keine Illusionen machen darf.

  • Superstructure

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    Bahn-Bashing vom Feinsten. Kann mich an 4-Stundensraus auf der Autobahn und Flugausfälle, die zu 28 Stunden Verspätung führten erinnern. Aber die Staus auf den Straßen werden hingenommen, weil ja keiner dafür verantwortlich gemacht werden kann und greifbar ist. Die Fluggesellschaft besorgt wenigstens Feldbetten und gibt ne belegte Semmel aus.

  • Leser7

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    Die Bahn wird oft schlechter geredet, als sie ist. Dennoch muss vieles verbessert werden.
    Ein wichtiger Schritt für unsere Region war die Neuausschreibung der Alex-Linien, von der ich mir viel erhoffe.
    Dennoch ist es peinlich, dass in einem topographisch “schwierigen” Land wie der Schweiz das Bahn- und ÖPNV-System um Längen besser funktioniert als in Deutschland.

    Der Vergleich zwischen öffentlichen Verkehrsmitteln und Auto hinkt oft, weil er meist sehr emotional geführt wird. Bei den Kosten wird häufig der reine Treibstoffpreis herangezogen. Die Kosten für Steuer, Versicherung, Reifen, Kundendienst, Öl, Reparaturen, Autowäsche, Pflegeprodukte und der Wertverlust des Autos werden nicht berücksichtigt. Parkhausgebühren bleiben außen vor.

    Zudem wird gerne vergessen, dass bei rechtzeitiger Planung eine Fernfahrkarte der Bahn zumindest für Einzelreisende SEHR viel günstiger ist als eine Autofahrt – und an vielen Reisezielen ist sogar noch der ÖPNV kostenlos. Dazu kommt, dass man nicht hochkonzentriert im Auto sitzen muss, sondern im Zug wunderbar entspannen kann, lesen, arbeiten, schlafen oder ein Bier trinken. Das steigert die Lebensqualität!

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drin