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Kolumne

Morgen, Regensburg! Fakenews, Rassismus und eine rote Lederhose

Fehler passieren, doch bei Fehlern in Serie könnte man Absicht vermuten, wie ein Blick nach Sinzing zeigt. Absicht steckt mit ziemlicher Sicherheit hinter den rassistischen und verzerrenden Videos eines jungen AfD-Kandidaten, doch mit Sicherheit hatte das Museum der Bayerischen Geschichte nie die Absicht, Hans Well in seiner Ausstellung zur WAA zu vergessen. Außerdem unser neuer Podcast.

1. Podcast: Die erste OB-Kandidatin mit Chancen war da

Helene Sigloch (Grüne) war die erste Oberbürgermeisterkandidatin mit realistischen Chancen, die bei unserem Talk-Format bei Ghost Town Radio zu Gast war. Sie könnte es in die Stichwahl schaffen.

In den nächsten Wochen geht es Schlag auf Schlag: Am 1. Februar kommt Horst Meierhofer (FDP), der zwar nicht als chancenreich gilt, aber für manche „OB der Herzen“ ist. Eine Woche später besucht Astrid Freudenstein (CSU), die bisherige Favoritin bei der Kommunalwahl, unser Studio. An den darauffolgenden Sonntagen folgen Thomas Thurow (Brücke) und Thomas Burger (SPD).

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Eine inhaltliche Anmerkung zum Gespräch mit Helene Sigloch: Die kompetente Dame in Sachen Verkehrsplanung, deren Namen wir während der Sendung suchten, ist Sabine Schönherr, Betriebsleiterin beim Stadtwerk Mobilität. Bei allen Auftritten und Pressekonferenzen zum Thema Stadtbahn habe ich sie als unaufgeregt, sachbezogen und kompetent erlebt.

Viel Spaß beim Nachhören.

2. Fakenews, made by CSU Sinzing

Im Landkreis Regensburg ticken die Uhren manchmal anders als in der Stadt – und die Nachbargemeinde Sinzing ist mir in den letzten Jahren immer wieder aufgefallen.

Patrick Grossmann, ehemals Bürgermeister und seit 2023 für die CSU im Landtag sowie aktueller Kandidat für die Landratswahl im Kreis Regensburg, fiel in der Vergangenheit immer wieder mit „Fehlerchen“ auf, die man auch als Wählermanipulation bezeichnen könnte.

2020 war es ein Fake-Foto mit Michael Sterner in einem Schreiben an Erstwähler, das den Eindruck erweckte, der Experte für Erneuerbare Energien und Berater der Bundesregierung würde Grossmann im Wahlkampf unterstützen. 2008 waren es die Vorsitzenden und Mitglieder von Sinzinger Vereinen, die ohne ihr Wissen als angebliche Unterstützer für Grossmanns Wahlkampf herhalten mussten.

Man könnte jetzt sagen, Schwamm drüber, Fehler passieren den Besten und schließlich hat sich der CSU-Politiker – nachdem es aufkam – immer brav entschuldigt.

Keine Ahnung vom Kaufhof Regensburg – die CSU Sinzing.

Aber was die Sinzinger CSU in der Januar-Ausgabe ihres Blättchens „Sinzing aktuell“ fabriziert, fügt sich erneut in das Bild, dass man es mit der Wahrheit nicht allzu genau nimmt.

In einem Text zur Zukunft des „Klosters Viehhausen“ rechtfertigt man den Kauf der Immobilie durch die Gemeinde damit, dass man das Heft des Handelns in der Hand behalten wolle. Bei einem Verkauf an einen Investor könne man nämlich eine „Nutzung beispielsweise als Flüchtlingsunterkunft (…) nicht verhindern“.

Das ist noch nicht falsch, selbst wenn man es kritisieren könnte, dass just Flüchtlinge beim Werben um Verständnis als Negativbeispiel und düsteres Zukunftsszenario herhalten müssen, das man verhindert hat. Aber bei der CSU, zumal im Landkreis, sind solche ressentimentgeladenen Bilder nicht unbedingt überraschend.

Was aber dann folgt, ist schlicht, mit Verlaub, völliger Quatsch. Zitat:

„Ein Negativbeispiel in der Stadt Regensburg stellt die Veräußerung des ehemaligen Hortens (Kaufhof) an einen ausländischen Investor dar. So ein Vorgang blockiert eine Stadt- bzw. Dorfentwicklung auf lange Zeit.“

Also nochmal langsam, damit es auch die Sinzinger CSU kapiert: Der Kaufhof wurde nicht verkauft. Er gehört seit Jahrzehnten derselben Eigentümerin – der Kaufhof Regensburg GmbH. Der angeblich geplante Verkauf an eine „ausländische“ Investorengruppe war ein Bluff, ein Fake, ein Versuch, die Stadt Regensburg zu einem übereilten und überteuerten Kauf zu nötigen.

Das hat in Regensburg spätestens seit letztem August jeder mitbekommen, den es interessiert. Damals wurde öffentlich bekannt, dass der angeblich geplante Verkauf nie vollzogen wurde. Und gerade Politiker, die ja irgendwie Verantwortung tragen wollen, sollten sich informieren, bevor sie irgendwas hinausposaunen.

Doch in Sinzing ticken die Uhren offenbar nicht nur anders, sondern der Zeit um Monate hinterher. Was soll man sich auch mit Fakten beschäftigen.

Verfasser des Textes ist übrigens „PG“, wohl Patrick Grossmann. Wieder mal ist es also passiert – so ein „Fehlerchen“. Das muss aber besser werden, wenn Sie Landrat werden wollen, Herr Grossmann. Aber für den Landtag hat’s ja auch gereicht.

3. Was Hans Well mit Leo Trotzki zu tun hat

Neulich habe ich mit Hans Well telefoniert. Wer es nicht wissen sollte: Er gehörte zusammen mit seinen Brüdern Michael und Christoph zur Biermösl-Blosn.

1979 gegründet, Hass-Objekt von Franz Josef Strauß und der CSU. 15 Jahre lang mit Sendeverbot im Bayerischen Rundfunk belegt, wohl, weil Strauß so seine Probleme mit der Biermösl-Adaption der Bayernhymne hatte („Gott mit dir, du Land der BayWa“) – und überhaupt, weil dieses Volksmusik-Trio so gar nichts mit der CSU anzufangen wusste. Obwohl sie bairisch singen!!!

1986 trat die Biermösl-Blosn beim „WAAhnsinns-Festival“ vor über 100.000 Menschen auf. Auch diese Unterstützung des Widerstands gegen die Wiederaufbereitungsanlage Wackersdorf dürfte die Beliebtheit der Well-Brüder bei den Schwarzen nicht gesteigert haben.

Dem Erfolg tat das keinen Abbruch – im Gegenteil. Bis 2012 stand das Trio gemeinsam auf der Bühne – unter anderem auch mit Gerhard Polt und den Toten Hosen und bei der ARD-Sendung Scheibenwischer.

Zu einer Peinlichkeit geriet die Darstellung der Biermösl-Blosn – zumindest anfänglich – für das Museum der Bayerischen Geschichte. In der Abteilung zum Widerstand gegen die WAA hing anfänglich ein Foto von zwei jungen Männern mit roten Lederhosen – Michael und Christoph Well. Untertitel: „Auftritt der Biermösl-Blosn in roten Lederhosen“.

Hauptsache Lederhose: der alte Bildzuschnitt im Museum. Foto: Marcinkus.

Hans Well hat man dabei einfach abgeschnitten – man sieht noch seine halbe Hand. Er hatte ja auch keine rote Lederhose mit Herzchen im Schritt an, der man sogar – Prioritäten – einen eigenen Schaukasten geschenkt hat.

Wie ein Kollege von mir einmal schrieb: Das ist ungefähr so, wie wenn zum Beispiel im British Museum ein Foto von Paul McCartney, George Harrison und Ringo Starr zu sehen wäre und darunter stünde: „The Beatles“.

Mittlerweile wurde das korrigiert. Auf einem neuen Foto sind alle drei Well-Brüder zu sehen. Dass man Hans Well einfach wegretuschiert hätte, ähnlich wie Stalin Trotzki aus diversen Fotos herausoperieren ließ, wird vom Museum übrigens ausdrücklich bestritten.

Man habe aus einem Film zum WAAhnsinnsfestival lediglich einen falschen Screenshot gewählt und ein anderes genommen, nachdem man von Hans Well auf den Fehler aufmerksam gemacht worden sei. Peinlich ist das trotzdem und entschuldigt hat sich für diesen Lapsus niemand bei ihm. Schwach.

Am Freitag tritt Hans Well mit seiner Tochter Sarah und Komalé Akak („Hans Well und die Wellbappn“) in der Alten Mälzerei auf, am Samstag im Sommerkeller in Wiesent. Beides ausverkauft. Schade. Mit ihm hätte ich mich gerne noch persönlich unterhalten.

4. Weniger Wahrheit wagen

Kennen Sie den Jungpolitiker Lukas Daiser? Studienkollegen von ihm, mit denen ich an der Uni Regensburg gesprochen habe, beschreiben ihn, diplomatisch ausgedrückt, nicht unbedingt als die hellste Kerze am Christbaum.

Aber das ist ja nicht unbedingt ein Hinderungsgrund, um politische Karriere zu machen, wie man – mal ein willkürlich gewähltes Beispiel – an dem AfD-Bundestagsabgeordneten Erhard Brucker sieht. Dessen Mandat kostet den Steuerzahler alles in allem knapp 40.000 Euro im Monat. Prost!

Doch zurück zu Lukas Daiser. Der 19-Jährige ist Mitglied der extrem rechten Jugendorganisation „Generation Deutschland“ und versucht aktuell, auf dem Ticket der AfD in den Regensburger Stadtrat zu kommen. Aussichtsreicher Listenplatz. Zu diesem Zweck dreht er gelegentlich ein paar Instagram-Reels.

Mut zur Wahrheit hat Lukas Daiser nicht.

Darin beschäftigt Daiser sich zum Beispiel mit Amokfahrten, die es in Deutschland gab. Diese hätten mit „linksgrüner Migrationspolitik“ zu tun. Deshalb werde die AfD das Projekt „Sicherer Hafen“ in Regensburg beenden, blablabla.

Wenig überraschend sind Daisers Behauptungen falsch.

Von den zehn Amokfahrten, die es seit 2015 in Deutschland gab, hatten zwei einen terroristischen/islamistischen Hintergrund. In mindestens einem Fall gab es einen rechtsextremen Hintergrund, der Täter war AfD-Sympathisant, die Hälfte der Täter waren deutsche Staatsbürger.

In der überwiegenden Zahl der Fälle standen psychische Erkrankungen im Hintergrund. Einen Zusammenhang zwischen Herkunft, politischer Haltung oder Religion und Amokfahrten gibt es nicht.

Eine strengere Migrationspolitik hätte weder den rechtsextremen Täter von Mannheim gestoppt noch den Islamhasser von Magdeburg, der bereits seit 20 Jahren in Deutschland lebte, um nur zwei Beispiele herauszugreifen (dazu ein guter weiterführender Kommentar im evangelischen Sonntagsblatt).

Ob nun aus Dummheit oder bewusst: Daisers Auftritt ist blanker Rassismus. Passt zur „Generation Deutschland“, passt zur AfD.

Aktuell hat der Stadtratsaspirant ein Video zur Spende der Stadt Regensburg an Sea-Eye produziert. Dort behauptet er, die Regierung der Oberpfalz habe der Stadt Regensburg „ganz klar gesagt: kein Geld für die Schlepperorganisation Sea-Eye“. Doch die Stadt trickse sich raus. „Ein Skandal.“

Tatsächlich hat die Regierung der Oberpfalz den Begriff Schlepperorganisation nie verwendet oder die Arbeit von Sea-Eye in irgendeiner anderen Form bewertet.

Die Wahrheit ist: Die Rechtsaufsicht hat die Spende in ihrer damals geplanten Form bemängelt, keine Schritte ergriffen und gleichzeitig einen Weg aufgezeigt, wie die 30.000 Euro rechtskonform fließen kann. Nichts anderes hat der Stadtrat getan. Wir haben ausführlich darüber berichtet.

Man kann natürlich der Meinung sein, dass die Stadt diese Spende nicht tätigen sollte. Was Daiser tut, ist aber etwas anderes. Er verzerrt die Wahrheit, man könnte auch sagen: Er lügt.

Schade, dass die AfD heutzutage einen Besenstiel aufstellen könnte und es gäbe immer noch Leute, die ihn wählen würden. Schade auch, dass es in diesem Fall nicht ein Besenstiel ist. Der würde wenigstens keinen solchen Schaden anrichten wie es von Daiser zu erwarten ist.

Entspannte Restwoche!

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Kommentare (1)

  • Kurz Maksim

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    sowas ist bei der CSU Strategie. Man versucht absichtlich Menschen die jetzt nicht dem eigenen Lager entsprechen zu täuschen, um Wähler abzugreifen.
    Zuletzt hat die CSU Regensburg damit geworben dass sie den Holzgartensteg bauen würden, obwohl die CSU Regensburg ausschlaggebend daran war dass er vor einigen Jahren nicht gebaut wurde.
    Bei Geschichten wie dem Kaufhof stellt man sich dumm um Wähler von rechts abzugreifen. Das Resultat ist aber einfach eine zunehmende Verdummung der Politik, in der nicht mehr auf Fakten geschaut wird, sondern auf Emotionen. Um AfD Wähler zurück zu holen wird die Diskussionskultur schonmal gerne geopfert.

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