SOZIALES SCHAUFENSTER

Wahlkampf der CSU Sinzing

Mit Foto-Fake auf Erstwähler-Fang

Vorsicht Fake: Das Foto von Bürgermeister Patrick Grossmann und Michael Sterner entstand nicht in freier Natur und nicht im Rahmen eines Gesprächs zu regenerativen Energien in Sinzing. Es war ein Selfie für private Zwecke nach einem Vortrag im Pfarrheim.

Im Kampf um seine Wiederwahl greift der Sinzinger Bürgermeister Patrick Grossmann (CSU) in die manipulative Trickkiste – wieder einmal.

„Es tut mir leid“, sagt Patrick Grossmann. Wieder einmal. Im laufenden Wahlkampf hat der Sinzinger Bürgermeister es bei seiner Werbung mit prominenten Unterstützern nicht so genau genommen. Wieder einmal. Und Grossmann räumt ein, dass das ein „Fehler“ gewesen sei. Wieder einmal.

Aus einem Privat-Selfie im Pfarrheim…

Beim Kampf des CSU-Bürgermeisters um den Wiedereinzug ins Sinzinger Rathaus hat es heuer Professor Michael Sterner erwischt. Sterner, der sich mit seiner Expertise in Sachen Klimaschutz bundesweit einen Namen gemacht hat (unser zweiteiliges Interview können sie hier und hier lesen) und auch die Bundesregierung berät, war am 27. Januar zu einem Vortrag bei der Katholischen Erwachsenenbildung ins Pfarrheim nach Sinzing gekommen. Unter den Zuhörern: Patrick Grossmann.

Nach dem Vortrag bat er Sterner, doch noch ein gemeinsames Selfie für private Zwecke machen zu dürfen. Der OTH-Professor stimmte arglos zu – und fand sich wenig später in einem Werbeprospekt der Sinzinger CSU wieder. In völlig verändertem Kontext.

…wird ein “Gespräch zu regenerative Energien in der Gemeinde Sinzing”.

Anstelle des Pfarrheims befindet sich nun im Hintergrund eine grüne Auenlandschaft. Sterner befinde sich „im Gespräch mit Bürgermeister Patrick Grossmann zum den Ausbau der regenerativen Energien in Sinzing“ heißt es in der flankierenden Bildunterschrift.

Ganz so als wäre Sterner ein prominenter Unterstützer des um seine Wiederwahl kämpfenden CSU-Bürgermeisters. Ganz so als befände man sich im regelmäßigen Austausch. Und ganz so wie es nicht der Realität entspricht.

3.500 Prospekte – insbesondere für Erstwähler

Besonders trickreich von Grossmann: Versehen mit einem handschriftlichen „Hallo“ und persönlicher Anrede ging ein modifizierter Prospekt insbesondere an junge Erstwähler, bei denen Sterner als Unterstützer der „Fridays for Future“-Bewegung bekannt und beliebt ist.

Ein Bürgermeister, der – diesen Eindruck erwecken Foto und flankierender Text – in so engem Kontakt mit Sterner steht, kann da sicher ein paar Sympathiepunkte abgreifen, mag sich Grossmann gedacht haben. Ein auf die Jugend zugeschnittener, zweiter Fake, wenn man so will.

Insgesamt  ließ Grossmann das Druckwerk (also den allgemeinen Prospekt) Angaben der MZ zufolge 3.500 Mal an die Sinzinger Haushalte verteilen. Wie viele Erstwähler-Briefe mit dem manipulierten Foto er verschicken ließ, ist bislang nicht bekannt.

Sterner: “Missbrauch meiner Person”

Schließlich bekam Sterner Grossmanns Foto-Fake in die Finger. In der Wochenendausgabe der Mittelbayerischen Zeitung distanzierte er sich deutlich. Sterner spricht gegenüber der MZ von einem „Missbrauch meiner Person“ für Wahlkampfzwecke. Und pflichtschuldigst folgte Grossmanns Entschuldigung.

Er habe gedacht, Sterner sei eine Person des öffentlichen Lebens, zitiert die MZ den CSU-Politiker, flankiert von einem reuigen „Es tut mir leid“ und dem Versprechen, es aus dem Netz zu löschen. Dass allerdings alle 3.500 Empfänger von dem Fake erfahren, ist zumindest zweifelhaft.

2008: Fragwürdiger Unterstützer-Flyer zur Stichwahl

Offenbar hat der Sinzinger Bürgermeister, über dessen erster Wahl 2008 schon der Ruch der Wähler-Manipulation hing, nichts aus seinem damaligen Fehler gelernt. Seinerzeit waren es die Vorsitzenden und Mitglieder von Sinzinger Vereinen, die Grossmann für seinen Wahlkampf missbrauchte.

Zwei Tage vor der Stichwahl gegen seinen SPD-Kontrahenten Peter Brünsteiner ließ Grossmann damals ebenfalls Wahlwerbung an die Sinzinger Haushalte verteilen – versehen mit den Namen einiger Unterstützer und deren Position in 20 Sinzinger Vereinen, ganz so, als würden diese ihn in Gänze unterstützen.

“Betrug am Wähler”

Das tat er ohne Absprache mit den Betroffenen und offenbar in vollem Bewusstsein, dass diese das nicht unterstützen würden. „Sie haben mir gegenüber in keiner Weise Ihre Funktion ins Spiel gebracht“, schrieb Grossmann seinerzeit beispielsweise an den damaligen 3. Vorstand des FC Viehhausen. „Die Verantwortung für den Andruck der Funktion übernehme ich (…).”

Notwendig geworden war diese Klarstellung, weil es im Nachgang Austritte aus mehreren Vereinen gab und weil es Kritik hagelte. Der damalige Vorsitzende der Schützengesellschaft Alling, die ebenfalls in der vermeintlichen Unterstützungsliste auftauchte, forderte gar Grossmanns Rücktritt wegen dieses „Betrugs am Wähler“.

Nur 96 Stimmen Vorsprung

Auch damals leistete Grossmann Abbitte: „Wir von der CSU haben eigenmächtig die Funktion angefügt. Im Hinblick auf die Parteineutralität von Vereinen war das blauäugig. Im Nachhinein gesehen war das ein Fehler.“ Ein Fehler, der sich für Grossmann durchaus ausgezahlt hatte. Die Stichwahl gewann er seinerzeit mit gerade einmal 96 Stimmen Unterschied – denkbar knapp in einer Gemeinde mit rund 5.500 Wahlberechtigten.

Mit Blick auf Grossmanns neuste Aktion spricht die Sinzinger Linke von einem „Affront“ gegenüber den Bürgerinnen und Bürgern und „gegenüber den Personen, die für Ihre Partei einen ehrlichen Wahlkampf betreiben“. Aber im Zweifel kann sich Grossmann ja nach gewonnener Wahl entschuldigen. Mal wieder. 

UPDATE. Zwischenzeitlich hat sich Michael Sterner hier im Forum nochmals deutlich von Patrick Grossmann distanziert:

„Diesen Erstwählerbrief sehe ich jetzt hier auf regensburg-digital.de zum ersten Mal und bin genauso entsetzt wie bei dem anderen Werbeprospekt, wo mein Bild bereits verwendet wurde. Dieses Foto ist fake, photoshop und NICHT mit mir abgestimmt bzw. freigegeben für solche Zwecke.

Die MZ hat es schön dargestellt: es ist ein Persönlichkeitsrecht, was hier von Hr. Grossmann aufs Gröbste missbraucht und verletzt wurde.

Ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Person und bitte alle Leser, diese Information in der Gemeinde Sinzing zu verbreiten und allgemein alle Wähler, sich ein eigenes Bild von den Parteien, den Kandidaten und den Wahlprogrammen zu machen.“

Anmerkung der Redaktion: Der ursprüngliche Text wurde am 2. März, 23.30 Uhr, um einige zusätzliche Informationen ergänzt.

 

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Kommentare (31)

  • Mr. B.

    |

    Dabei sind es gerade die bürgerlichen Parteien, zusammen mit der sog. ehrlichen Presse, usw., die immer wieder Fake-News anprangern und auf das Schärfste verurteilen. Dabei werden sie selber immer wieder erwischt!

    Wer soll sich da noch auskennen und wem was glauben? Ein Schelm, der Schlimmes denkt!?!?

  • R.G.

    |

    *Notwendig geworden war diese Klarstellung, weil es im Nachgang Austritte aus mehreren Vereinen gab und weil es Kritik hagelte. Der damalige Vorsitzende der Schützengesellschaft Alling, die ebenfalls in der vermeintlichen Unterstützungsliste auftauchte, forderte gar Grossmanns Rücktritt wegen dieses „Betrugs am Wähler“.*

    Obwohl er wusste, dass es schon mal Menschen verletzte, als er sie ohne ihre Einwilligung mit Nennung ihres Namens und der Position wie als offizielle Unterstützer anführte, macht er das wissentlich ein zweites Mal?

    Mit einem prominenten, aktiven Befürworter der Jugendbewegung, FfF, die an Freitagen wie das Vorbild Greta Thunberg dazu aufruft, was vernünftige Wissenschafter zur Verhinderung einer weltweiten Katastrophe seit langem fordern, endlich umzusetzen?

    Hallo, ihr Erstwähler, würdet ihr jemanden an der Spitze wollen, der sich offizielle Unterstützer faken tut?
    Hat der nicht genug echte Freunde, die ihn ehrlich für den besten Politiker halten und seine Wahl gerne unterstützen?

    Checkt es, wie es wirklich läuft und teilt es!
    Sachlich, ohne Hate, mit Niveau!

  • Piedro

    |

    Ganz schwache Nummer und obendrein strafbar. Manche schämen sich halt für gar nix.

    @Mr. B.
    “Dabei sind es gerade die bürgerlichen Parteien, zusammen mit der sog. ehrlichen Presse…”
    Jaja, ist klar. Dieser Bursche ist eine bürgerliche Partei, und die Lügenpresse sowieso… Die deutschen Meister in Falschmeldungen und Echtlügen ist und bleibt die Alternative für Dumme und deren Umfeld, und das bei JEDER sich bietenden Gelegenheit, auch ohne Wahlkampf.

  • R.G.

    |

    Ich fühle mich in eine Catfish Folge versetzt.

    Da tritt einer zwar mit seinem echten Foto auf, aber sonst…

  • Michael Sterner

    |

    Hallo?
    Hier schreibt Michael Sterner (privat)
    Diesen Erstwählerbrief sehe ich jetzt hier auf regensburg-digital.de zum ersten Mal und bin genauso entsetzt wie bei dem anderen Werbeprospekt, wo mein Bild bereits verwendet wurde. Dieses Foto ist fake, photoshop und NICHT mit mir abgestimmt bzw. freigegeben für solche Zwecke.

    Die MZ hat es schön dargestellt: es ist ein Persönlichkeitsrecht, was hier von Hr. Grossmann aufs Gröbste missbraucht und verletzt wurde.

    Ich distanziere mich ausdrücklich von dieser Person und bitte alle Leser, diese Information in der Gemeinde Sinzing zu verbreiten und allgemein alle Wähler, sich ein eigenes Bild von den Parteien, den Kandidaten und den Wahlprogrammen zu machen.

    Viele Grüße, Michael Sterner (privat)

  • Maximilian Schöppl

    |

    Sehr geehrter Herr Prof. Sterner,

    als Erstwähler der Gemeinde Sinzing mache ich mir ernsthafte Sorgen ob der Glaubwürdigkeit des Bürgermeisters. Das ist reine Wahlkampfmanipulation, obwohl doch vor allem kommunalpolitisch gesehen ein sog. “Wahlkampf” total unnötig ist. Hier geht es doch rein um die Personen, die sich in den Dienst der Gemeinde stellen wollen.
    Leider sind mir und vielen anderen einzelnen Bürgern die Hände gebunden, dies wirksam zu verbreiten. (Außer über Social Media)

    Es würde mit Sicherheit viel mehr bewegen, wenn vorallem Sie als eigentliches “Opfer” dieses Flyers noch einmal eingreifen würden.

    Herzlichen Dank!

  • R.G.

    |

    @Michael Sterner
    Schade, dass ich im Stress bin.

    Eigentlich würde ich Ihnen zur kostenlosen Nutzung gerne ein Foto von Ihnen mit gezeichnetem Yeti schicken, auf dem als Text steht:
    “Eher würde ich Yeti unterstützen!”

    Ich weiß nicht, weshalb mir das hier einfällt.
    ; )

  • Klaus Nebl

    |

    Sehr geehrter Herr Sterner,
    mein Sohn hat den Erstwählerbrief von Herrn Grossmann auch erhalten und war zutiefst enttäuscht als er Ihr Bild sah, denn er ist ein großer Fan von Ihnen. Ich habe ihn mittlerweile natürlich die Wahrheit berichtet, aber es gibt bestimmt viele Wähler und Wählerinnen und viele Erstwähler, die nicht über dieses Fake-Bild aufgeklärt werden. Ich habe in meinem Bekanntenkreis Ihre Reaktion weitergeleitet, aber es sind ja 3.500 Prospekte verteilt worden und zudem hat jeder Erstwähler in Sinzing auch noch den zusätzlichen Erstwählerbrief bekommen. Schöner Gruß aus Sinzing

  • Julian86

    |

    Manipulation durch Bilder

    In seinem bei PUSTET vorliegenden Buch „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst“ hat Autor Albrecht Müller 17 Methoden der Manipulation abgehandelt.

    Dieser Bericht zeigt eine weitere Methode der Manipulation auf. Nummer 18, wenn man so will. Der Kontakt zu Herrn Müller, dem früheren Wahlkampfmanager von Willy Brand, läuft über hinweise@nachdenkseiten.de . Wer mag, kann also die Sinzinger “christlich-sozialen” Verhältnisse bundesweit bekannt machen – nebst Manipulations-Methode 18. Bei den Nachdenkseiten nimmt man konkrete Beispiele immer gerne entgegen.

  • Günther Herzig

    |

    Strafanzeige, was sonst! Danach größtmögliche Verbreitung, Presse, Rundfunk, TVA!

  • Giesinger

    |

    Ein wunderbares Eigentor des Herrn Bürgermeisters.

  • Mr. T.

    |

    Theoretisch wäre mindestens ein weiteres Prospekt an den selben Verteiler angebracht, in dem sich Herr Grossmann bei Herrn Sterner entschuldigt und alles richtig stellt.
    Hätte Herr Grossmann noch etwas Restanstand, müsste er sich eigentlich von der Wahl zurückziehen. Charaktermäßig scheint er für kein Amt geeignet zu sein, dass auch nur einen Funken Ehrlichkeit erfordert.

  • Giesinger

    |

    Es ist schon besonderst dreist, ein für private Zwecke bezeichnetes Foto so zu mißbrauchen.

    Wenn’s dem Esel zu wohl geht, geht er aufs Glatteis tanzen.
    Das dürfte es gewesen sein, mit der Wiederwahl.

  • FairWahlkämpfen

    |

    Dieselbe Partei täuscht in einem Nachbarort die Wähler mit irrsinniger Zielvorstellung „Das wollen wir: … Digitales Rathaus bis Ende 2022 … Erledigung der Behördengänge von Zuhause aus …“. Demnach soll die/der einzige IT-Fachfrau/mann der Marktverwaltung wohl mal eben die dafür nötigen Apps entwickeln/besorgen … .
    Quelle ist „Lappersdorf Aktuell/ Januar 2020“ S.6 Hg. CSU-Ortsverbände.

  • GSH

    |

    Hab’ mir eben mal den Imagefilm der Gemeinde Sinzing angeschaut. Anscheinend sieht man dort gewisse Dinge relativ locker. Unter “Wir sind Sinzing” wird mit den Ortsteilen Zeiler und Hardt geworben. Allerdings gehören diese zum Markt Nittendorf.

    Schon lustig, der liebe Patrick (ich bin GROESSER)Mann

  • gj

    |

    und die flyer werden nach wie vor verteilt hatte sie heute 03.03.20 im briefkasten die fakes gehen wieter

  • Tobias

    |

    Was ich halt nicht verstehe ist, dass er doch wissen MUSS, dass das rauskommt. Ich habe auch schon Fotomontagen gemacht, weil ich wusste, dass das Thema X mit der Montage (Thema Y) sich nie schneiden und als “Symbolbild” durchgehen. Aber das im lokalen Wahlkampf zu machen, wo doch früher oder später jemand hingeht und fragt: “Ey, Du hast mit dem über regenerative Energien gesprochen? Cool!” und wirst nur komisch angeguckt… Diese mega Dreistigkeit ist hart und viel schlimmer (“Boomerang-Effekt”). Vermutlich hat ers wie Wolbergs gehalten: “Hat mich einfach nicht interessiert” – das mit dem Recht am eigenen Bild. . .

    @Piedro:
    Nein, das mit dem Lügen schaffen die Groko-Parteien doch selber.
    “Mit mir gibt es keine Maut”, “Das kostet nur eine Kugel Eis-EEG-Umlage”, “Der Soli geht nur 10 Jahre”, “Blühende Landschaften”, “Wir schaffen das!”, “Leiharbeit wird begrenzt und nicht ausgenutzt”, “Es wird einem nichts weggenommen”, “[der Bürger] profitiert von Niedrigzinsen”, “Die EZB rettet den Euro [und davon profitiere der normale Bürger]”, “Deutschland ist sicherer” [weil viele schon gar nix mehr anzeigen], und Fehltritten wie das Polizeiaufgabengesetz und übereilter, grünpopulistischer Atomausstieg mal bei Seite gestellt oder dass wir bereits keine offizielle Statistik mehr führen, wie viele Muslime im Land leben, … Das sind nur, die mir spontant einfallen. Und als Regensburger sollten Sie wissen, was ein SPD-Mitglied hier so treibt mit “War mir alles scheiß egal”. Grüße, ein “Dummer” (a.k.a. Steuerzahler und Leistungsträger in Deutschland).

    So, ich habe habe die Regeln gelesen, ich glaube, ich kratze noch die Kurve vom Regelbruch.

  • Piedro

    |

    @FairWahlkämpfen
    Das erledigen externe Partner, gegen gutes Geld. Ich könnte da ein paar Anbieter empfehlen. ;) Schon allein wegen der Datensicherheit, das können interne “Spezialisten” gar nicht gewährleisten. Der Gemeinde-ITler schaut, dass das WLand funktioniert und die Rechner eingerichtet sind.

  • Piedro

    |

    @Tobias
    “Nein, das mit dem Lügen schaffen die Groko-Parteien doch selber.”
    Das würde ich nie bestreiten. Sie haben die Lügen zur Hartz-Reform vergessen, was hat der Schröder da nicht alles abgesondert… Frau Merkel belügt regelmäßig die EU und die UN. Ist mir alles bekannt. Aber die AfD nebst Umfeld hat da eine ganz neue Dimension erschlossen, deshalb sollten Sie beim Thema Lügen nicht auf die Alt-, System- oder Groko-Parteien verweisen, das erweckt den völlig falschen Eindruck, “Mut zur Wahrheit” hätte irgendwas mit Wahrheit zu tun. Man muss sich nur mal anschauen, welche Lügen von AfD-Seiten nach dem Hanau-Massaker verbreitet wurde. So weit ist noch keine andere Partei gegangen, und bei denen ist die Liste in recht kurzer Zeit schon beinahe endlos. Aber das wissen Sie vermutlich selbst, oder nicht?

    Diese CSU-Nummer würde ich nicht mal unter Lügen verbuchen, sondern als extrem dumm-dreiste Deppentäuschungsidiotie, für die sich der Herr Meisterbürger hoffentlich noch verantworten muss. Noch tiefer geht’s ja nur noch, wenn es richtig widerlich wird und noch Rassismus oder Gewalt(androhung) ins Spiel kommt. Aus einer demokratischen Partei gehört jemand, der sowas abzieht, auf der Stelle ausgeschlossen, und sei es nur, um den Anschein der Glaubwürdigkeit zu erhalten.

  • FairWahlkämpfen

    |

    @Piedro Effektiv ist es, wenn Apps mit bundesweit (oder landesweit) gleicher Funktion bei tausenden Kommunen von 1-3 Softwarefirmen entwickelt werden, zentral beauftragt und in Qualität überwacht – “Schon allein wegen der Datensicherheit …” . Dass hingegen dezentral tausende Kommunen parallel funktionsgleiche Apps entwickeln lassen, wäre ineffektiv, unbezahlbar, unsicher: Irrsinn in der Wahlwerbung.

  • Gk

    |

    Fuer Buergerinnen und buerger unserer gemeinde, die ehrenamtlich und unentgeltlich dienste an naechste leisten ist diese geschichte deprimierend, verletzend und traegt nicht zu einer vertrauensvollen zusammenarbeit bei. Es ist einfach nur schlimm und schade.

  • R.G.

    |

    @FairWahlkämpfen
    Demnach soll die/der einzige IT-Fachfrau/mann der Marktverwaltung wohl mal eben die dafür nötigen Apps entwickeln/besorgen … .
    Quelle ist „Lappersdorf Aktuell/ Januar 2020“ S.6 Hg. CSU-Ortsverbände.

    SIE haben es nicht verstanden, ist Lappersorf denn nicht der Ort, wo das Gold auf einem Haus wächst?
    Kosten sollten keine Rolle spielen, in Eldorado – Lapperdorado.

  • Peter Brünsteiner

    |

    Sehr gut recherchierter Artikel! Ich kann das Ganze nur bestätigen.

  • Klaus Nebl

    |

    Sehr geehrter Herr Sterner,
    ich habe nun mehrere Rückantworten auf mein E-Mail an Freunde und Bekannte bekommen, die mir bestätigen, dass die Prospekte mit Ihrem Foto auch weiterhin verteilt verteilt werden. Zudem hatte ich gestern Kontakt mit einem bekannten Sinzinger CSU’ler der mir erklärte, dass die Sache intern als nicht besonders wichtig angesehen werde, weil es sich ja nur um ein Foto handelt und jeder erkennen könne, dass es ausgeschnitten sei.
    Schöner Gruß aus Sinzing

  • Piedro

    |

    ” Zudem hatte ich gestern Kontakt mit einem bekannten Sinzinger CSU’ler der mir erklärte, dass die Sache intern als nicht besonders wichtig angesehen werde…”
    So viel zur Bedeutung der Glaubwürdigkeit. Ein Staatsanwalt würde das wohl anders einschätzen.

  • Arno Nym

    |

    @ Klaus Nebel
    “…weil es sich ja nur um ein Foto handelt und jeder erkennen könne, dass es ausgeschnitten sei.”
    Das ist ja wohl ein Witz, keiner bezweifelt dass das Foto nicht ausgeschnitten und vor die grüne Landschaft gesetzt worden ist. Was anders wäre es, wenn man sehen würde, dass die Personen einzeln ausgeschnitten und “zusammengefügt” wurden (was es auch nicht entschuldigen würde).
    einfach unglaublich

  • R.G.

    |

    “CSU’ler der mir erklärte, dass die Sache intern als nicht besonders wichtig angesehen werde, weil es sich ja nur um ein Foto handelt und jeder erkennen könne, dass es ausgeschnitten sei.”

    Das ist die Lösung?
    Wenn ich in Zukunft mit 200 durch die 30er Zone fahre, setze ich mich hin wie ein Raser in der Stummfilmzeit. Weil man dann gleich erkennen kann, dass ich etwas falsch mache, gilt das Gesetz gleich nimmer?
    Und wer die Idee hatte, dass sichtbar Ausgeschnittenes erlauben würde, das Bild von jemanden ungefragt zu Werbezwecken zu missbrauchen, darf sich nachher zum Beispiel jeder Bordellbesitzer das Portrait auf eine Werbung für seine “Firma” drucken? Weil eh erkennbar ist, dass das hingestümpert ist?

  • Mr. B.

    |

    Piedro
    2. März 2020 um 21:01| #

    Mit der AfD mögen sie auch recht haben. Aber von wem haben die es evtl. gelernt? Man muss das auch beim Namen nennen dürfen. Die AfD kam doch erst viel später!
    Nicht gleich immer draufhauen, wäre gut!
    Wer was für sich beansprucht, muss nämlich mit gutem Beispiel vorangehen!!!!!

  • Piedro

    |

    @Mr. B.
    Es gibt einen Unterschied zwischen verlogenen Wahlversprechen u.a. und dem gezielten Lancieren von Falschmeldungen zwecks Stimmungsmache, die obendrein nicht in eigener Sache verbreitet werden, sondern gegen Menschengruppen.

    Keine Partei hat je Falschmeldungen zu Terroranschlägen veröffentlicht. Bei der AfD ist das normal. Hier ein Artikel mit Parteiinsiderin: https://www.swr3.de/aktuell/Ex-AfD-lerin-Franziska-Schreiber-So-verbreitet-die-AfD-Fake-News/-/id=4382120/did=4962902/9g650c/index.html

    Das lässt sich nicht mehr mit den Lügereien anderer Parteisoldaten vergleichen, und “gelernt” haben die das auch nicht von “denen”. Das ist uralte Strategie der Rechtsextremen, nur fällt sie jetzt auf fruchtbareren Boden und verbreitet sich schneller, weil jeder noch so hirnrissige Fake gleich von den Anhängern verbreitet werden. Schauen Sie sich an, welche Lügen zu Hanau verbreitet wurden, wie oft “Ausländer”, “Moslems”, “Flüchtlinge” für Taten verantwortlich gemacht wurden, mit denen sie nichts zu tun hatten. Hasspropaganda pur, gleich mit welchen Mitteln. Das wollen Sie anderen Parlamentsvertretern doch nicht wirklich anlasten?

    Was diese CSU-Provinzler hier abziehen wäre unterste Schublade, hätte die AfD nicht inzwischen ganz andere aufgezogen und befüllt. Das Unrechtsbewusstsein dürfte (auch juristisch) aber in etwa auf einer Ebene sein.

  • Matthias Feichtinger

    |

    Lieber Professor Sterner,
    ich habe mitbekommen das es die Sinzinger CSU für nicht so schwer wiegend hält weil er hat sich ja Entschuldigt, so geht es weiter mit der Tagesordnung.
    Als Wiedergutmachung könnten sie ihn Öffentlich dazu auffordern nach seiner Wiederwahl 3500 Bäume auf seine oder Parteikosten im Gemeindegebiet zu pflanzen.
    MfG Matthias Feichtinger

  • R.G.

    |

    @Matthias Feichtinger
    Auf den ersten Blick sieht ihr Vorschlag witzig aus.

    Denkt man ihn weiter durch, bedeutet es die Unterwanderung unseres Rechtssystems, wenn wir Gesetzesübertretungen einfach abgelten lassen wollen und den Preis selbst festsetzen.

    Wenn unser Blick von festen Gesetzen weg hin zu erzielbaren Baumpflanzungen geht, kann die Ordnung bald so aussehen:

    Politikerbeleidigung – 40 000 Bäume
    Einforderung des vorenthaltenen Lohns – 4000 Bäume
    Autodiebstahl – 400 Bäume
    Mord – 40 Bäume
    Vergewaltigung, Raub, Schwere Körperverletzung – 0,4 Baum

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