Morgen, Regensburg! Mehr Licht, weniger Notdurft

1. Korrektur in Sachen Alte Mälzerei
Für erhebliche Resonanz haben unsere beiden Berichte zur Alten Mälzerei gesorgt – Kontrolle durch das Bauordnungsamt, strenges Besucherlimit und die Frage, ob und wie es nun weiter geht. Denn die Zahlen, die aktuell im Raum, stehen würden den Veranstaltungsräumen in der Mälze auf Dauer den Garaus machen.
In einem Text habe ich mich auch mit der Struktur der Alten Mälzerei beschäftigt. Dem städtisch geförderten Verein und Kulturzentrum einerseits und den privatwirtschaftlich betriebenen Veranstaltungsräumen mit Gastronomie andererseits.
Dabei habe ich geschrieben, dass die Stadt Regensburg die Vereinsräume ab dem ersten Obergeschoss – Theater, Ateliers, Proberäume etc. – vom Haus Thurn & Taxis seit 1993 angemietet hat bzw. Miete und Nebenkosten für den Alte Mälzerei e.V. übernimmt.
Das ist zwar richtig, falsch war aber, dass die Stadt dafür 600.000 Euro an Thurn & Taxis bezahlt. Da habe ich die Zahlen im aktuellen Haushalt falsch interpretiert. Die Miete an Thurn & Taxis ist deutlich niedriger.
Wie eine Nachfrage bei der städtischen Pressestelle ergibt, werden dafür im Jahr etwa 270.000 Euro fällig. Dazu kommen Nebenkosten. Rund 250.000 Euro erhält der Alte Mälzerei e.V. als jährlichen Zuschuss für das Kulturprogramm und Bewirtschaftung seiner Räume. Ich bitte, diesen Fehler zu entschuldigen.
Nicht eingerechnet in die Einnahmen von Thurn & Taxis ist die Pacht für die Veranstaltungsräume an die Brauerei Paulaner, die Ben Schmid bezahlen und über Vermietung und Gastronomie finanzieren muss.
Dass dieser Teil des Kulturzentrums – Club, Underground. Cartoon – gerade nicht städtisch gefördert ist, ist in meinen Augen viel zu wenig bekannt. Es ist ja das, was die Öffentlichkeit von der Alten Mälzerei wahrnimmt.
Aktuell bekunden alle Beteiligten – Stadt, Brauerei Paulaner, Pächter Ben Schmid und Verein – dass durch Umbaumaßnahmen und einen neuen Bauantrag wieder höhere Besucherkapazitäten machbar sein werden und man sich auf einen guten Weg befinde. Dann hoffen wir mal das Beste.
2. Pustet stabil
Einen Shitstorm von rechts hat gerade die Regensburger Druckerei Pustet an der Backe. Gloria von Thurn & Taxis lädt Rechtsextremisten wie Maximilian Krah („Feminismus heute ist Krebs.“ „Echte Männer sind rechts.“ „Einwanderung ist Völkermord.“ Nachrichten in einfacher Sprache sind „Nachrichten für Idioten“.) schon mal zu den Schlossfestspielen ein, weil dieser in ihren Augen „zu den brillantesten Politikern“ gehöre, „die ich in meinem ganzen Leben gesehen habe“.

Vom Buchhändler zum Verleger: Friedrich Pustet I. (1798 – 1882).
Die Druckerei Pustet nahm eine Anfrage des Castrum-Verlags, ein Buch von Krah bei ihr drucken zu lassen hingegen zum Anlass, die Geschäftsbeziehungen mit dem Verlag aufzukündigen. In einem Schreiben von Pustet, über das sich aktuell bei Medien von der Jungen Freiheit bis hin zu AfD-nahen Blogs ereifert wird, heißt es:
„(…) kürzlich hat der Castrum Verlag bei unserer Druckerei mehrere Neuerscheinungen aus dem diesjährigen Frühjahrsprogramm angefragt, darunter den Titel ‘Die Reise nach Europa’. Ein gewichtiger Gesichtspunkt ist, dass es sich bei ‘Die Reise nach Europa’ um das Werk von Herrn Maximilian Krah handelt, der der Partei AfD angehört. Mit deren rechtsgerichteter politischer Ausrichtung möchte unser Haus nicht in Verbindung gebracht werden. Wir bedauern, Ihnen deshalb mitteilen zu müssen, dass wir die Geschäftsbeziehungen zu Castrum hiermit beenden werden und bitten um Verständnis.“
Es ist nicht selbstverständlich, dass sich ein Unternehmen so deutlich positioniert und damit auch auf weitere Druckaufträge eines Verlags verzichtet, der ansonsten nicht als einschlägiger Szene-Verlag bekannt ist. Dabei nimmt Pustet auch einen möglichen Rechtsstreit in Kauf. Entsprechendes hat der Castrum-Verlag auf der Plattform X angekündigt.
Es geht eben nicht nur ums Geld, sondern auch um Haltung.
Der Vorwurf der Eigen-PR, den ein AfD-naher Blogger erhebt („durchsichtige und heuchlerische Selbstdarstellung eines erzkonservativen Traditionsverlages, der sich auf dem Rücken von Maximilian Krah ins Gespräch bringen will“) geht ins Leere. Nicht Pustet ging damit an die Öffentlichkeit, sondern die rechte bis rechtsextreme Empörungsmaschinerie.
Aber dann mache ich hier eben ein wenig PR. Denn auch wenn Pustet seine eigene NS-Geschichte sicher noch besser aufarbeiten könnte, muss man zur Kenntnis nehmen, dass fast alle maßgeblichen Werke zur NS-Geschichte Regensburgs in den letzten Jahren bei Pustet erschienen sind.
Auf ein solches Unternehmen, das es seit über 200 Jahren gibt, kann Regensburg stolz sein – nicht auf eine rechtsradikale Netzwerkerin mit Schloss.
3. Alles ist erleuchtet
Anfang Dezember habe ich mich in meiner Kolumne über die kaputten Lichtzigarren echauffiert, die die Maxstraße nachts in völlige Dunkelheit versinken ließen. Zwei Tage später gab es dann eine Übergangslösung: Die Weihnachtsbeleuchtung der Interessengemeinschaft Maxstraße blieb auf Bitten der Oberbürgermeisterin ab sofort länger eingeschaltet.
Die wurde am Dienstag nun abgeschaltet, denn: 14 neue Lichtstelen sind da. Die komplette „Runderneuerung“ kostete die Stadt laut einer Pressemitteilung 93.000 Euro. Sie sollen „für ein ansprechendes Entree in die Altstadt sorgen“. Na ja – das ist jetzt wieder Geschmackssache.
Etwas mehr als eine halbe Million Euro lässt es sich die Stadt Regensburg kosten, den Arkadengang an der Maximilianstraße 26 dicht zu machen. Er wird verglast. So steht es in einer Vorlage für den Verwaltungsausschuss am heutigen Mittwoch.
Begründung:
„Durch die offene Zugänglichkeit und die teilweise fehlende Einsichtigkeit, gerade in den Nachtstunden, sowie der zentralen Lage auf dem Weg zu Bus- und Bahnhof, wird der Arkadengang von verschiedenen Personengruppen genutzt, um dort ihre Notdurft zu verrichten.“
Vielleicht sollte die Stadt eine Million in die Hand nehmen – dann würde es gleich für ein Klo reichen.
Entspannte Restwoche!




Stephan
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Chapeau, Pustet!! 👏 🫶
Ein treuer Kunde freut sich (und Nazis lesen eh viel zu wenig, was ein Grund sein könnte…).
KW
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Maximilianstr. 26, Durchgang verglasen für 500kEUR? Der Weg an der Grasgasse ist gemeint? Ist nicht wahr!?
Ich kenne die Ecke seit 1995 und schon damals stank es dort stark nach Urin.
Wie das halt (leider) so ist in solchen Ecken. Hat scheints nur damals nicht so gestört.
Aber wahrscheinlich hat es mit dem “heutigen Stadtbild” zu tun, dass es nun verglast wird.
Stefan Christoph
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Zur Maxstraße: Ja, die Ecke dort ist schon immer schmuddelig. Aber das ist ja bekanntlich immer ein schlechtes Argument.
Und weil das jetzt eben nicht mehr nur ein Durchgang ist, durch den man ne halbe Minute läuft, sondern inzwischen der Wartebereich für das städtische Amt für Migration und Integration ist, ist der Zustand halt einfach unwürdig. Wäre das stattdessen die Führerscheinstelle oder das Bürgerbüro, hätte das wahrscheinlich schon längst einen Aufschrei und eine „Sofortmaßnahme“ für deutlich mehr Geld gegeben.
Burkhard
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Pustet 👍👍
Maxstraße 💩💩
Tobias W aus T
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Anstatt eine halbe Mille in die Hand zu nehmen um den Gang zu verglasen könnte man auch 2-4 Selbstreinigende Toiletten an diese Stelle bauen?
Ach, ne, geht nicht, sorrry, das würde dann wsl doch wieder 900k€ kosten. 😛
Dieter
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Die 50.000€ Miete pro Monat für die Mälzerei kam mir schon seltsam vor. Nicht unmöglich, aber so macht der mehr Sinn. Warum man sowas nicht gleich transparenter von Seiten der Stadt machen kann?
Das Eck in der Maxstr roch schon immer so, das wurde nur vom ehemaligen Durchgang des Bahnhofs übertroffen. Soviel zu den “Toren zur Stadt”. Spätestens seit der Stadler dort geschlossen hat, ist die Grasgasse sowieso ziemlich fertig.
In dem Durchgang schlafen übrigens auch Obdachlose, vielleicht will man auch die hier vertreiben. Ansonsten beobachte ich dort nämlich relativ wenig Erwähnenswertes.
Dominik Müller_alt
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@Stefan Christoph
” inzwischen der Wartebereich für das städtische Amt für Migration und Integration ” ja, und zwar der vor der Security. Da stehen die ersten schon um 6:30 Uhr für die Öffnung um 8 Uhr an, um nicht später 2 1/2 Stunden oder länger auf Einlass durch die Security warten zu müssen. Zwischen Security und Sachbearbeitung verbringt man dann auch noch mal unbestimmte Zeit. Diese Wartesachlange verlagert sich dann vor den neuen Zugang in westliche Richtung. Anders als bisher sind die Wartenden nach dem Umbau nicht mehr vor Niederschlag und Wind geschützt. Und dafür werden Mittel hauptsächlich aus Haushaltsresten für Integration und Digitalisierung verwendet. Warum schafft man nicht stattdessen ein Terminreservierungssystem an, wie es bei vielen anderen kommunalen Ausländerbehörden eingesetzt wird, auch im Landratsamt Regensburg? Dort kann man den eAT innerhalb von 5 Minuten abholen, bei der Stadt Regensburg braucht man eben einen Urlaubstag. Weil die Terminvereinbarung nicht klappt: es geht keiner ans Telefon, Mails werden nicht beantwortet und Briefe, die in den Hausbriefkasten gelegt werden, gehen verloren (zumindest die drei von drei, bei denen ich Zeuge war).
“Wäre das stattdessen die Führerscheinstelle ”
Ein Einwurf, um wieder auf die vermeintliche Bevorzugung von Autofahrern hinzuweisen, aber schauen Sie dort mal hin und wundern sich über die Online-Terminvereinbarungspflicht (ja, in einigen Teilen der Stadtverwaltung gibt es schon eine Online-Terminvereinbarung) – daher kleinen Wartebereich – und wann Sie da den nächsten Termin bekommen (da bekomme ich manche Facharzttermine schneller).
Matthias
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@Dominik Müller:
Die Details der geplanten Baumaßnahme beim Arkadengang sind etwas anders, als das hier anscheinend rüberkommt. Ich empfehle einen Blick in die Vorlage im Regensburger Sitzungsdienst. Der Gang wird nur seitlich zur Grasgasse hin durch Mauer bzw. Verglasung komplett verschlossen. Vorne am Haupteingang Maxstraße und hinten am Ende zur Grasgasse wird es Türen geben, die dann während der Öffnungszeiten des Amtes für die Kundinnen und Kunden geöffnet sind.
Die Warteschlange bleibt also an der gleichen Stelle bestehen, aber in einer sauberen und besser geschützten Umgebung.
Ein Online-Terminreservierungssystem gibt es beim Amt bereits. Allerdings können bisher nur Termine für Verpflichtungserklärungen direkt von außen gebucht werden. Sehr viele andere Angelegenheiten können inzwischen online beantragt bzw. eingeleitet werden, und dann vergibt das Amt selbst über das System einen Termin. Und die Leute mit Termin müssen auch nicht in der Schlange stehen.
Stefan Christoph
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@Dominik Müller_alt: Wenn man mich schon selektiv zitiert, dann doch bitte vollständig.. oder so. Das „oder das Bürgerbüro“ ist beim Zitat wohl versehentlich runtergefallen; dort müssen meines Wissens nach nämlich alle unabhängig vom Verkehrsmittel hin.
Zu allen anderen Punkten hat @Matthias ja bereits Einiges Richtiges geschrieben.
Dominik Müller_alt
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@Matthias
“Ein Online-Terminreservierungssystem gibt es beim Amt bereits. Allerdings können bisher nur Termine für Verpflichtungserklärungen direkt von außen gebucht werden. ”
Das ist ein ziemlich seltenes Begehr,
“Sehr viele andere Angelegenheiten können inzwischen online beantragt bzw. eingeleitet werden, und dann vergibt das Amt selbst über das System einen Termin.”
vielleicht spricht sich das irgendwann rum und funktioniert dann sogar, daran scheint die Verwaltung aber selber nicht zu glauben, denn dann bräuchte es diesen Wartebereich nicht mehr.
“Vorne am Haupteingang Maxstraße und hinten am Ende zur Grasgasse wird es Türen geben, die dann während der Öffnungszeiten des Amtes für die Kundinnen und Kunden geöffnet sind.”
An den Öffnungstagen stehen vor 8 Uhr jetzt schon ziemlich viele Leute in diesem “Arcadengang”, weil zwischen dem Haupteingang und Arcadengang zu wenig Platz ist. Wo stehen diese nach Ihrer Vorstellung nach der Baumaßnahme, wenn nicht ab der Tiefgaragenzufahrt? Dann eher Richtung M26?
Falls Sie Insiderwissen haben: Wer kam auf die Idee, die Mittel für Integration nun lieber in eine Renovierung zu stecken statt in Integrationsangebote wie niederschwellige Deutschkurse für Frauen, welche keinen Zugang zu MAMF-Kursen erhielten?
Matthias
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@Dominik Müller:
Ganz so selten dürften Verpflichtungserklärungen gar nicht sein, wenn man sich die deutschlandweit steigenden Zahlen bei Visaanträgen ansieht. Aber klar, im Gesamtportfolio wohl eher ein kleiner Aspekt. Ich hab gerade mal nachgesehen, der nächste freie Termin ist immerhin in genau einem Monat.
“vielleicht spricht sich das irgendwann rum und funktioniert dann sogar, daran scheint die Verwaltung aber selber nicht zu glauben, denn dann bräuchte es diesen Wartebereich nicht mehr.”
Nun ja, die Warteschlange existiert auch deshalb, weil es hier in Regensburg überhaupt möglich ist, bei der Ausländerbehörde (und übrigens auch bei der städtischen Flüchtlingsberatung) ohne Termin spontan vorzusprechen. In vielen anderen Kommunen (z.B. Ingolstadt) geht das gar nicht, sondern man braucht immer einen zuvor vereinbarten Termin. Außerdem stehen, soweit ich weiß, sehr viele wegen An-, Ab- oder Ummeldung der Wohnung an. Für solche Sachen ist in anderen Kommunen gar nicht die Ausländerbehörde zuständig, sondern das Einwohnermeldeamt.
“An den Öffnungstagen stehen vor 8 Uhr jetzt schon ziemlich viele Leute in diesem “Arcadengang”, weil zwischen dem Haupteingang und Arcadengang zu wenig Platz ist. Wo stehen diese nach Ihrer Vorstellung nach der Baumaßnahme, wenn nicht ab der Tiefgaragenzufahrt?”
Ich gehe mal stark davon aus, dass dann der Arkadengang für Wartende schon vor der eigentlichen Öffnungszeit geöffnet wird. Alles andere wäre absurd.
Mit Insiderwissen kann ich hier nicht glänzen. Da die bayerische Integrationspauschale aber sicher deutlich mehr Geld umfasste als der hier verwendete Betrag (für ganze Bayern waren es wohl über 100 Millionen Euro, da bekam Regensburg sicher nicht “nur” 350.000), ist davon auszugehen, dass die Mittel auch für diverse andere Dinge ausgegeben wurde. Niederschwellige Deutschangebote gibt es z.B. durchaus einige, auch wenn die aktuellen Kürzungen des BAMF bei den Integrationskursen sicher nicht hilfreich sind.