SOZIALES SCHAUFENSTER

Regensburger Studierende beraten Flüchtlinge

Am Donnerstag begann offiziell die Arbeit der Refugee Law Clinic Regensburg, die kostenlose Rechtsberatung für Flüchtlinge anbietet. Der Auftakt wurde von Vorträgen der Verantwortlichen über Arbeit und Zukunft der Law Clinic sowie von Reden unter anderem des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland begleitet.
Es gibt bereits viele ehrenamtliche Vereinigungen zur Flüchtlingshilfe in Regensburg, die sich umfassend um die Belange der Asylbewerber und Flüchtlinge kümmern. Am 15. Oktober 2015 hat sich dieser Kreis um die Refugee Law Clinic Regensburg erweitert. Diese hat es sich zur Aufgabe gemacht, Flüchtlinge bei Asylverfahren und Behördengängen zu unterstützen und zu beraten. Dazu arbeiten derzeit 180 Studierende der Universität Regensburg eng mit Professoren, Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten sowie wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zusammen. Die Studierenden haben durch die Law Clinic die Möglichkeit, sich sozial zu engagieren und juristisches Wissen in der Praxis anzuwenden.

Tatsächlich hat die Refugee Law Clinic aufgrund des großen Beratungsbedarfs ihre Arbeit schon im Juli aufgenommen. Nach einer Schulung bekamen die Studierenden sofort die ersten Fälle. Teams aus 2 bis 4 Studierenden klären bei einem persönlichen Treffen mit den Hilfesuchenden den Sachverhalt und arbeiten danach intensiv an der Lösung des individuellen Problems. Bei der Auftaktveranstaltung sagte Dr. Christian Helmrich, der das Projekt als wissenschaftlicher Mitarbeiter betreut, die Verantwortlichen legten besonderen Wert auf die Unterstützung und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Das umfangreiche Angebot beinhaltet juristische Workshops, psychologische Begleitung und eine themenbezogene Vortragsreihe. Dies wird erst möglich durch die Zusammenarbeit mit verschiedenen Partnern und Organisationen, zum Beispiel auch anderen Refugee Law Clinics. Ein Schwerpunkt der Arbeit soll die strategische Prozessführung werden. Das bedeutet, dass man versucht, die Verwaltungspraxis zu ändern, indem man ähnliche Fälle sammelt und eine Vorgehensweise erarbeitet, die sich auf weitere Fälle übertragen lässt. „Strukturelle Probleme sollen sich auf Dauer lösen können“, so Rechtsanwalt Dr. Christoph Lindner. Prof. Dr. Alexander Graser, von dessen Lehrstuhl die Law Clinic ausgeht, nannte die vielen Besucher „ermutigend“ für die weitere Entwicklung. Es folgte ein Vortrag des Anwalts Carsten Gericke, der gegen sogenannte „Push-Back“-Aktionen kämpft, bei denen Flüchtlingen bereits der Zugang zur EU gewaltsam verwehrt wird. Refugee Law Clinics könne man „gar nicht hoch genug schätzen“, da sie „zur Fortentwicklung des Rechts“ beiträgen. Udo Hebel, der Präsident der Universität, sagte: „Die Law Clinic steht der Universität sehr gut und verdient hohe Anerkennung“ und freute sich, dass die Universität dadurch weiter gemäß ihrer Ziele Internationalisierung, Chancengleichheit und Diversität fördere. Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, regte zum Nachdenken an. „Was wir erleben ist, dass Menschen, die wir auf Fernsehbildschirmen gesehen haben, jetzt vor unserer Haustür stehen. Der Unterschied ist, dass wir jetzt nicht mehr abschalten können. Das Wichtigste in dieser Situation ist es, dass wir bei den ganzen Zahlen in der Zeitung nie vergessen, dass es ganz konkrete Menschen mit ganz konkreten Biographien sind, die hier her kommen.“ Abgerundet wurde der Abend durch eine Podiumsdiskussion zum Thema „Herausforderungen der Flüchtlingspolitik“ mit Anna Büllesbach vom UNHCR in Nürnberg, Dr. Rolf Mehringer, Wolfgang Rötzer und Heinrich Bedford-Strohm.

Die Regensburger Refugee Law Clinic ist eine von nur etwa 20 Law Clinics in ganz Deutschland und hofft, dass sich diese Form des Einsatzbereitschaft  noch weiter verbreitet. Sie versteht sich als weiteren  Beitrag zum gesellschaftlichen Engagement. Denn: Die Lösung von Problemen rückt näher, je mehr Menschen sich damit beschäftigen.

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