Steinerne gesperrt: Was steckt dahinter?

Ab sofort: Keine Busse und Taxen mehr über die Steinerne. Foto: AignerDie urplötzliche Sperrung der Steinernen Brücke auch für Busse und Taxen sorgt für Rätselraten bei vielen Regensburgern. Am Freitag Abend kam von der städtischen Pressestelle die Meldung, dass Oberbürgermeister Hans Schaidinger die Sperrung der Brücke verfügt habe. Ein Gutachten habe ergeben, dass das Brückengeländer einem Aufprall durch einen Bus nicht standhalten könne. Anlass für das Gutachten sei ein Unfall Anfang Mai in der Jakobstraße gewesen. Ein Linienbus des RVV war – aus nach wie vor ungeklärter Ursache – gegen eine Hausmauer geprallt. „Nachdem wir feststellen mussten, dass die Sicherheit auf der Steinernen Brücke nicht gewährleistet werden kann, sah sich die Stadt Regensburg als zuständige Straßenverkehrsbehörde in der Pflicht, umgehend zu handeln“, ließ Schaidinger verlauten, verfügte mit sofortiger Wirkung die Sperrung und pflegte eindrucksvoll sein Image als Macher. Das wenig stabile Brückengeländer ist für Klaus Caspers ein alter Hut. Foto: asDen Grund für die Sperrung nehmen ihm allerdings nur wenige ab. Dass das Brückengeländer dem Aufprall eines Busses nicht standhalten kann, scheint nämlich keine allzu aktuelle Neuigkeit zu sein. „Uns wurde schon 1985 gesagt, dass das Geländer auf der Steinernen nichts aushält“, erklärt etwa Klaus Caspers vom Arbeitskreis Kultur. Damals – vor 23 Jahren veranstaltete der Arbeitskreis das erste Regensburger Brückenfest auf der Steinernen. „Von Dombaumeister Richard Triebe wurde wir extra angerufen, damit wir nichts Schweres am Brückengeländer befestigen.“ Wie schief einige der Betonplatten, die als Geländer dienen, da stehen, kann man mit bloßem Auge erkennen. Stadträtin Eva Schmid: Über Schaidingers Begründung \„Ich hab lauthals gelacht, als ich die Begründung des Oberbürgermeisters gehört habe“, sagt ödp-Stadträtin Eva Schmid. Und SPD-Chefin Margit Wild wundert sich darüber, dass der Stadtrat, auch nicht Bürgermeister Wolbergs, darüber informiert waren, dass ein solches Gutachten in Auftrag gegeben wurde. Wild: „Da hat keiner was gewusst.“ Margit Wild (li.): \Für Spekulationen sorgt in diesem Zusammenhang ein Gespräch, das Oberbürgermeister Hans Schaidinger und Planungsreferentin Christine Schimpfermann nur wenige Tage zuvor – am Mittwoch – mit Vertretern der UNESCO geführt haben. Schaidinger und Schimpfermann waren nach Paris gebeten worden waren, um die Leiterin des Welterbezentrums für Europa, Dr. Mechthild Rössler, über Projekte in Regensburg zu informieren. Unter anderem ging es dabei auch um die Brücken-Debatte. Die Stadt mache das gut und umfänglich – das hat Schaidinger nach eigener Aussage dort „gehört“. „Wir haben positive Resonanz bekommen“, so der Oberbürgermeister. Vom Welterbezentrum selbst gibt es zu dem Gespräch bislang allerdings keine Stellungnahme. Dass man es dort lieber sehen würde, wenn keinerlei Verkehr mehr die Steinerne belasten würde, gilt allerdings als sehr wahrscheinlich. Den gleichen Wunsch hat auch das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege, ebensolches verlautet – Insidern zufolge – seit längerem aus dem bayerischen Wissenschaftsministerium. Über die Sperrung der Steinernen erfreut zeigt sich der Verein Donauanlieger. „Das war seit Jahren eine unserer Forderungen“, sagt Stefan Berger von den Donauanliegern. Allerdings ist Berger diese prompte Reaktion „irgendwie unheimlich“. „Man weiß nicht, was dahinter steckt.“ Im August tagt immerhin wieder der Ferienausschuss des Stadtrats. Der hatte seinerzeit das – mittlerweile ad acta gelegte – Brückenprovisorium über den Gries beschlossen. Da macht sich bei einigen Misstrauen ob der plötzlichen Sperrung der Steinernen breit. Relativ unvorbereitet scheint die Sperrung den RVV getroffen zu haben. Der leitet vorerst alle betroffenen Buslinien über die Nibelungenbrücke und durch die Wöhrdstraße um (die genauen Routen gibt es hier). In Stadtamhof wird unterdessen die Forderungen an die Stadt lauter, sich verstärkt für ein Provisorium anstelle der zerstörten Protzenweiherbrücke einzusetzen. „Wir hoffen, dass das nicht bewusst verzögert wird“, sagt Siggi Heindl. Der Schlosser veranstaltete am Sonntag das mittlerweile vierte Familienfest am Grieser Spitz – gegen eine mögliche Brücke durch das Naherholungsgebiet. Denn auch wenn das Provisorium vom Tisch ist: Als Ersatztrassenroute für die Steinerne ist der Grieser Spitz nach wie vor im Rennen. Foto: Aigner

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Kommentare (4)

  • Norbert Steiner, CSB

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    Ich weiß, dass bei der UNESCO die Mitteilung einer Persönlichkeit über gewisse Vorgänge in Regensburg einging. Ob dies nun eine einfache Reise der Beiden zum Eiffelturm war oder eine Herbeizitierung, darüber kann sich jeder selbst eine Meinung machen. Wenn schon die lieben Bürgermeister keine Ahnung haben, dann kann sich die Bevölkerung ein Bildchen über die kommenden 6 Jahre machen. GUTE NACHT, Regensburg!

  • Riepl Stadtrat FW

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    Anprallsicherheit?
    Solange Autos und Busse diese Brücke queren, war die Anprallsicherheit durch die Geländerplatten nie gegegben. Dieser sicherheitstechnische Mangel wurde bewußt in Kauf genommen, weil man andernfalls schon lange hätte sperren müssen.Ein gutachterliches Papier hat das was jeder wußte und in Kauf nahm scheinbar jetzt als nicht zulässig beschreiben müssen.
    Jetzt werden die Buslinien in die Baustelle Nordgaustraße geschickt, um dort im Baustellenverkehr stecken zu müssen. Zum Verdruß der RVVNutzer. Man will die Umfahrung
    schlecht machen und die Sinnhaftigkeit der direkten Donaunordarmquerung zu zeigen.
    Das macht für den RVV auch Sinn, aber nur als Unterquerung (Röhre), so wie die UNESCO es empfiehlt(z.B.in Dresden und in Istambul) so auch in Regnsburg.
    Guten Morgen.

  • Rudolf Schmitzer

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    Die Steinere Brücken haben in den vergangenen Jahrzehnten PKW’s, LKW’s, Straßenbahnen und Busse befahren und damit die Donau gequert. Diese Anprallsicherheit war nie gegeben. Warum ist dies nun seit dem 1. August 2008 ein Problem?
    Was passiert mit einem Bus der RVV-Betriebe, wenn deren Fahrer auf der Nibelungenbrücke einen Schwächeanfall erleidet? Wird es hierüber auch ein Gutachten geben und die Nibelungenbrücke dann eventuell für Busse gesperrt?

  • Peter Kern

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    „Anprallsicherheit“ – gibt es da heute nicht schon elektronische Lösungen dafür?

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