Stolpern mit dem Herzen…

Seit gestern erinnern drei Stolpersteine an das Schicksal von Simon und Hedwig Oberdorfer und Julius Springer. Über die beiden letzten ist nur wenig bekannt. Von Hedwig Oberdorfer blieben zwei paar Schuhe, Größe 33.	Fotos: LangGestern wurden erneut Stolpersteine für 18 ermordete Regensburger verlegt Jetzt hat er seinen Gedenkstein, seinen „Stolperstein“ aus Messing, der am Durchgang zum Velodrom noch einmal mit seinen Schicksalsdaten an ihn und sein Werk erinnert: Simon Oberdorfer, dessen Los wie das keines zweiten Regensburger Naziopfers präsent ist. Von Hedwig Oberdorfer blieben als Erinnerung nur zwei Paar Schuhe, Größe 33. „Alles, was bleibt, um sich von diesem Menschen ein Bild zu machen”, so Harald Lohr, der die Erinnerungsstücke mitgebracht hatte. „Ich habe das Gefühl, bei der Beerdigung meines Vaters zu sein.” Hans Rosengold bei der Verlegung des Stolpersteins für seinen Vater Adolf Niedermaier, der 1942 im Konzentrationslager in Piaski ermordet wurde.	Fotos: Lang18 Stolpersteine wurden im Juni des vergangenen Jahres an drei Stationen verlegt. 18 weitere hat der Kölner Bildhauer Gunter Demnig am 13. Februar 2008 am Platz der Einheit, am Arnulfsplatz, in der Malergasse, der Greflinger- und Dechbettenerstraße verlegt. Obwohl die meisten Hausbesitzer der Idee und Kunstaktion aufgeschlossen gegenüberstehen, gibt es in Regensburg doch Eigentümer, die kategorisch die Erinnerung an Deportation und Mord ablehnen, bedauerte Dieter Weber vom Evangelischen Bildungswerk in seiner Ansprache. Gemeinsam mit Dieter Hanausch betreut er in Regensburg die Aktion zur Erinnerung an die Opfer der Nazis. Eine Gedenktafel aus Messing im Trottoir erinnert seit gestern auch an Adolf Niedermaier, den Vater von Hans Rosengold, der aus dem Haus Am Platz der Einheit 4 heraus ins Vernichtungslager Sobibor verschleppt worden war. „Ich habe das Gefühl, bei der Beerdigung meines Vaters zu sein“, bekannte Rosengold bei der bewegenden Feier, zu der sich außer Professor Eberhard Dünninger kein Stadtrat und keine Stadträtin eingefunden hatte. „Man stolpert nicht mit den Füßen. Man stolpert mit dem Kopf und mit dem Herzen”, so ein Schüler am Platz der Einheit. „Ich habe das Gefühl, bei der Beerdigung meines Vaters zu sein.” Hans Rosengold bei der Verlegung des Stolpersteins für seinen Vater Adolf Niedermaier, der 1942 im Konzentrationslager in Piaski ermordet wurde.	Fotos: LangSeit gestern erinnern weitere Stolpersteine an: Laura und Siegfried Grünhut (Platz der Einheit 1), Hedwig Hahn (Weißgerbergraben 7), Karoline, Isidor und Karl Heller (Greflingerstraße 3), Senta Gutmann (Obere Bachgasse 1), Hedwig Hönigsberger (Malergasse 9), Hildegard, Wilhelm, Ursula und Norbert Heymann (Dechbettener Straße 44), Berta Benjamin und Sofie Firnbacher (Roritzerstraße 10a), Julius Springer (Arnulfsplatz 4). Mehr lesen Sie in unserer morgigen Ausgabe.

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Kommentare (4)

  • Roland Hornung

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    Ein wichtiger und ergreifender Tag, diese Ver-
    legung der 18 Stolpersteine. Die Zahl 18 ent-
    spricht im hebräischen Alphabet der Buchstaben- kombination “ chet-jud“ ( chet=8, jud = 10 ) und das meint “ chai „. “ Chai “ heisst in hebräisch “ Leben „. Und so liegt in der Zahl
    der 18 verlegten Stolpersteine gleichsam eine
    wunderbare Symbolik. 18 Steine erinnern an den
    Tod der ermordeten jüdischen Mitbürger. 18 ist
    aber auch eine Ruf nach LEBEN.
    Le cha’im !
    Auf das LEBEN !
    Euer Roland Hornung

  • Florian Paul

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    Ich habe und werde auch zukünftig meine Probleme mit der Art dieser Erinnerung haben. Ich finde es einfach nicht gut, wenn Menschen über das Andenken ermordeter drüber „trampeln“ können. Ich würde es einfach angemessener finden, das ganze mit Tafeln an Wänden zu realisieren, auch wenn mir durchaus klar ist, das es auch andere Meinungen gibt.

  • Hanausch Reinhard

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    Als Mitglied der Regensburger Stolperstein-Gruppe habe ich mich sehr gefreut über den sehr schönen und einfühlsamen Beitrag von Stefan Aigner über Frl. Hahn und die Erinnerungen des Herrn Sautner, wie auch über den Bericht von Peter Lang. „Stolpern mit dem Herzen“. Seine Titelzeie bringt zum ausdruck, um was es geht: Die Opfer der Nazi-Geschichte nicht zu vergessen; nicht als abstrakte Zahl, sondern in dem Versuch das Erinnern an die Menschen zu retten und ihnen die Namenzurückzugeben.
    Wir kennen auch das Argument von Herrn Florian Paul, man würde die Steine auf der Straße, und damit die Opfer beschmutzen und auf ihnen herumtrampelm. Einer der Angehörigen der Opfer, für die am Mittwoch Steine verlegt wurden sagte dazu, dann dürfe man auch die meisten Kathedralen nicht mehr betreten. Denn dort liegen im Boden unter den Grabplatten vielerorts Bürger, Bischöfe und Heilige.
    Besonders interessant fand ich den Hinweis von Hans Rosengold, der bemerkte, wenn man die Namen der Opfer auf den Steinen lessen wolle, müsse man sich automatisch verbeugen – und damit den Erinnerten die Ehre erweisen.

    Zuletzt dennoch eine kleine Kritik an Herrn Lang (stellvertretend leider für seine ganze Zunft)Warum schafft man es nicht sich der richtigen Namen derer zu vergewissern, über die man berichtet. (Gott sei Dank hier nicht die Namen der Nazi-Opfer): Ich heiße nicht Dieter Hanausch, sondern Reinhard und Herr Lohr wiederum heißt nicht Harald sondern Dieter.
    Wenn man schon vor Ort nicht nachfrägt, wären durch einen 10 Sekunden Blick ins Internet, sowohl über die Webseite des Hörbuchverlegers Lohr, wie meine Antiquariatsseite unsere richtigen Namen zu finden gewesen. Doch dafür reicht scheinbar oft die Zeit nicht – leider.

    so: hoffentlich habe ich jetzt alle Namen richtig geschrieben – und nochmals vielen Dank für die Berichterstattung.

  • Aigner Stefan

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    Lieber Herr Hanausch,

    ich muss den Kollegen Peter Lang in Schutz nehmen. Die Namen habe ich nachträglich falsch eingefügt. Mit Ihrer Kritik haben Sie recht. Wir geloben Besserung.

    Grüße,

    Stefan Aigner

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